ARTARREN | vay ei Pr 32 AN ANAN Na ENDE: Si TARR ASALn De IX A .. Aaanan BRNO R Ann Na ana MAR WAR Adam Be 2 NAAR NM A Annan An Dre AAnAZARAÄHA, A 2: A ANNAN AA All NRARAANAAAR Eh AR AurKEn RAARAR AN RAT WAR AR No AARAARLN El EAN AN NS @; A 6 FIR Vi AAN AnnnAAN Das ‘ ER; Af 4 AAaaa A AFTER ANAAAA u , PIUS 3F ana A er SARA / AN: AA AP ‘f Rz n NN AnA Na AAar ARAAAMA AN AANAAAAN ARSALn.S Maaamaeen 7 | ARE N AAMRAMAR PARRRAA le, NAR, ERAAARARA. 28 ApAhAAsh:” ınA AA anN NY n BASS AAMCAARAARARE Barn AMzA AnR ARAN Nana, Nanan\ N n Nan AAN Nana AAAANA uAunAARAN ANA 1 NARs” AARAAR AARAU An x Bi 2% EAOAA A u aaa AARON ER aaa nnn- TRETEN a, EEE AnAONan. MERERTENETIT RE AM ENA en an. nnnL ATI h A A EN A A Ä ANMANAR,, AR Annaaa AR Ah ig x { ? er > e c x IE. 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Flügelformel: 3 kaum > 4 kaum > 2,5 Dal Flügel — 152 mm. Schwanz — 74.5 mm. Schnabel — 19.5 mm. Tarsus — 37.5 mm. 4) @ ad. 27. IV. 1901. Flügelformel: 3) 4kaum >22 5,176. Flügel — 160 mm. Schwanz — 75.5 mm. Schnabel — 19.5 mm. Tarsus — 37 mm. 5) g ad. 11. VI. 1898. Flügelformel: 3 kaum ) 2 kaum > 4) 5 IR. Flügel —154.5 mm. Schwanz — 75.3 mm. Schnabel — 18.5 mm. Tarsus — 36.8 mm. 6) December 1891. (Sinai) Flügelformel: 3 kaum > 4 kaum > 2 ) 5 1:6: Flügel — 149 mm. Schwanz — 79 mm. Schnabel — 18.5 mm. Tarsus — 36 mm. Die Art ist zu Ehren des bekannten russischen Zoologen, Herrn A. P. Semenow, benannt. Neophron percenopterus rubripersonatus subSp. NOV. Der Aasgeier, welcher im südlichen Teil der persischen Beludshistans wohnt, nähmlich im Gebiet der Flüsse Rudi-i-Sarbas, Kasserkend und Kair, aber auch in den Bergen der Gegenden Deshtiar und Bampur, unterscheidet sich von Vögeln dieser Art | \ ’ | —_— 535 — aus nördlicheren Gegenden Ost-Persiens, aber auch Turkestans, durch die orange-rötliche Farbe der nackten Teile des Kopfes (beim typischen Vogel sind diese Farben leuchtend gelb, aber zuweilen mit schwacher orangefarbener Beimischung), welche besonders stark am befiederten Teil entwickelt ist. Dieser Unterschied ist so stark ausgeprägt, dass man schon aus der Ferne beide Formen unter- scheiden kann. Die Massverhältnisse kommen dem typischen gleich. Ausführlicher berichten wir in der bevorstehenden Arbeit über die Vögel Ost-Persiens vom turanischen Tiefland bis zum Meer- busen von Oman. Passer ammodendri korejewi subsp. NOV. Nimmt eine Mittelstelle zwischen Passer ammodendri (typ.) Severtz. und Passer ammodendri stolicekae Hume ein, unter- scheidet sich aber sofort von beiden. Die Unterschiedsmerkmale von Passer ammodendri (typ.) bestehen im. folgendem: 1) Im Fehlen der dunkelen, breiten Schaftflecke auf dem Hinterrücken und dem Bürzel, welche bei P. ammodendri (typ.) sehr deutlich entwickelt sind. 2) In der verhältnismässig starken Intensität der rötlichen Grundfärbung auf der Körperoberseite, welche bei P. ammodendri (typ.) immer mehr gräulich ist. Von Passer ammodendri stoliczkae unterscheidet sich unsere Form durch weit geringere Intensität der rötlichen Farbentöne, was auf den hinteren Schwungfedern besonders bemerkbar ist. Das Wohngebiet der beschriebenen Form bilden die östlichen Teile Transcaspiens, zwischen den Vorbergen des Paropamisus und dem Amu-Darja. Das Vorhandensein der beschriebenen Mittelform in der ge- nannten Gegend erlaubt die Annahme, dass Passer ummodendristolicz- kae die Grundform ist, Passer ammodendri korejewi eine jüngere aus ihr hervorgegangene, aber Passer ammodendri (typ.) die aller- jüngste, welche sich aus der letzteren entwickelt hat. Ausgehend von der Verbreitung der genannten Formen von Passer ammodendri, erlauben wir uns die Annahme, dass die Einwanderung des Saxaul-Sperlings vom hohen gebirgigen Asien ganz zuerst in den südlichen Teil des turanischen Tieflandes statt- fand und danach erst in den nördlichen Teil desselben. Wir nennen diese Form zu Ehren des Ormithologen des Semiretschensker Gebiets, Herrn B. P. Korejew. Otocorys penicillata iranica subsp. NOV. Wie man aus den Beschreibung ersehen kann, beschrieb Dr. Flöricke!) unter dem Namen 0. ». transcaspica Winter- und 1) Die gefiederte Welt. 1898. p. 46. Ba les Sommerexemplare der typischen Otfocorys penicillata, welche er mit Exemplaren vom Kaukasus und dem Balkan vergleicht. Die Ohrenlerchen des nördlichen und östlichen Teils der iranischen Hochebene können nicht zur typischen Ofocorys penvcillata gezählt werden. Indem wir die ausführliche Beschreibung der iranischen Ohrenlerche auf weiteres verschieben, bemerken wir jetzt, dass dieser Vogel im Winter durchaus keinerlei Anzeichen von gelber Färbung am Kopf aufweist, aber desto mehr im Sommerkleide. Von Otocorys pallida Sharpe unterscheidet sich diese Form durch die stärkere Intensität des weinrötlichen Anfluges auf dem Oberkörper und schwächere lehmfarbige Töne, welche hier mehr gräulich sind. Bewohnt das nördliche Persien ostwärts von der Elbrus- Kette und nach Süden bis zur Wüste Lut und den Bergen der Gegend Sarhad in Beludshistan. Parus communis korejewi subsp. NOV. In unserer Collection von Sumpfmeisen befindet sich ein Exemplar aus Turkestan aus der Communis-Gruppe, welches nach unserer Meinung eine noch unbeschriebene Form darstellt. Trotzdem wir nur über ein Exemplar verfügen, können wir es nicht unter- lassen, es kurz zu charakterisieren. Nach aller Voraussetzung sollte man in diesem Gebiet eine der westsibirischen P. communis brevirostris Tacz. nahestehende Form erwarten, aber zu unserer Überraschung müssen wir den nächsten Verwandten in P. com- munis crassirostris aus Ost-Sibirien erblicken. Von dieser Form unterscheidet sich das Turkestaner Exemplar durch folgende Merkmale: die ganze Oberseite bedeutend brauner als bei P. com- munis erassirostris; der Schnabel schlanker als bei P. c. crassi- rostris und selbst bei P. c. brevürostris. Das vorhandene Exemplar ist ein $ und am 20. I. im Kara- Tau gesammelt. Benannt zu Ehren des Erforschers der Ornis des Semiret- schensker Gebiets, Herrn B. P. Korejew. Lullula arborea pallida Sp. NOV. Von N. Zarudny. Unterscheidet sich scharf von europäischen Vögeln (ostwärts einschliesslich bis Orenburg) sowohl durch die sehr blasse Grund- färbung des Gefieders, als auch der dunkelen Zeichnung, wobei sich diese Unterschiedsmerkmale auf alle Alters- und »Naison- kleider erstrecken. Bewohnt die Berge Transkaspiens. oe A a a Se ee ee re 55 Fringilaria arabica Sp. NOV. Von L. v. Lorenz und (. E, Hellmayr. In unserer Arbeit: „Ein Beitrag zur Ornis Süd-Arabiens“ (J. £. Orn. 1901, p. 230 ff.) führten wir die südarabische Art unter dem Namen Fr. tahapisi capistrata (Cab.) auf. Herr Professor Reichenow sandte uns später die Typen dieser Form, und wir kamen nunmehr zur Überzeugung, dass die Bestimmung nicht richtig war. Mag nun Fr. capistrata (was uns sehr wahrscheinlich scheint) mit Fr. tahipisi identisch sein oder nicht, jedenfalls haben unsere Vögel aus Arabien mit keiner der beiden etwas zu thun und unterscheiden sich sofort durch blassere und mattere, etwa ziegel- farbige, anstatt lebhaft zimtrote Unterseite, sowie durch merklich geringere Grösse. Die hier als neu beschriebene Art steht vielmehr der Fringillaria insularis Grant u. Forbes ex Socotra (Bull. Liverp. Mus. II. p. 2) am nächsten, stimmt mit ihr in der Färbung der unteren Körperteile und durch den Mangel des Kastanienbraun auf den Schwingen, welche wie die Rückenfedern gesäumt sind, überein, weicht aber in einigen erheischen. F. insularis. Oberkopf mattschwarz, nur eine schmale Reihe von Federn längs der Mitte des Scheitels bis _ zur Nackengegend unregelmässig rein weiss gerandet,ähnlich wie bei Fr. septenstriata (Rüpp); weisser Brauenstreifen breit. Rücken etwas rötlich über- laufen. Schnabel länger und stärker. Punkten ab, die ihre Trennung F. arabica. Oberkopf mattschwarz, alle Federn mit deutlichen weiss- grauen Randsäumen, so dass der ganze Scheitel ähnlich wie bei F’r. striolata Licht. gleichmässig hell und dunkel längsgestrichelt erscheint ; Brauenstreifen an- scheinend schmaler. Rücken mehr bräunlich, kaum eine Spur von rötlicher Beimischung. Schnabel kürzerundschwächer. Typus: $ od. Jeshbum, 8. Arabien, 8. Jan. 1900, Collectors No. 101. Mus. Wien. Wir sind Herrn Dr. Forbes, Director des Liverpooler Museums für die freundliche Übersendung einer Serie von 11 Stück der F. insularis zu grossem Danke verpflichtet. Dieselben stammen sämtlich aus denselben Monaten (Dec. und Jan.) wie die Typen der neuen Art, die Unterschiede können also nicht durch die Jahreszeit bedingt sein. Zur Avifauna von Mecklenburg und Pommern. Von Otto le Roi. Die in nachfolgenden Zeilen enthaltenen Bemerkungen zur Ornis von Mecklenburg und Pommern sammelte ich im Zeitraum — 56 — von Anfang Januar bis Ende 1901; sie bilden das interessanteste Resultat meiner Beobachtungen in der angedeuteten Zeit. Oyanecula leucocyanea Ch. L. Brehm bevölkert in nicht gerade geringer Zahl das Weidengebüsch, welches das Ufer der Warnow oberhalb von Rostock auf beiden Seiten umsäumt, und schreitet dort allem Anschein nach auch zur Brut, wenn es mir auch nicht gelang, ein Nest aufzufinden. Bei meinem Besuche jener Örtlich- keiten — vom 20. April bis Anfang Juni, also während der Brutzeit — beobachtete ich dieses Blaukehlchen regelmässig und oft aus grösster Nähe in einzelnen Individuen, während ich caerulecula nie mit Gewissheit zu konstatieren vermochte. Nucifraga caryocatactes L. Am 5. Juli wurde ein N. c. macrorhynchus (Ch. L. Brehm) unweit Rostock bei Gross-Stove erlegt, der wohl von der vorig- jährigen Invasion zurückgeblieben war. Er machte durchaus den Eindruck eines Wildlings, nicht etwa eines aus der Gefangenschaft entkommenen Exemplares. Sein Mageninhalt bestand aus Käfer- fragmenten und Überresten von Kirschen. Als Parallele hierzu mag erwähnt werden, dass nach der „Deutschen Jäger-Zeitung“ Bd. 37. pag. 582 bei Feldberg in Mecklenburg-Strelitz Ende Mai noch sieben Tannenhäher beobachtet wurden, Ende Juli sogar ein junger Vogel. Falco peregrinus Tunst. brütete, wie alljährlich, so auch -» diesmal in der Rostocker Heide. Die zwei jungen eines Nestes im Revier Torfbruch waren am 30. Mai fast flügge. Haliaetus albieilla (L.) Das zur Zeit, soviel mir bekannt, einzige Brutpaar des See- adlers in Mecklenburg zeitigte auch in diesem Jahre im Torfbrucher Revier der Rostocker Heide zwei Junge, welche am 30. Mai nahezu flügge waren. Ein zweijähriges $ meiner Sammlung wurde am 13. Juli in der Nähe von Gotthun am Müritz-See erlegt, als es eben im Begriff stand, ein Rehkitz zu schlagen. Aquila clanga (Pall.) Ein jüngeres $ des grossen Schreiadlers, welcher bekanntlich in Norddeutschland zu den Seltenheiten gehört, wurde am 30. Oktober bei Prohn nördlich von Stralsund geschossen. Es bot sich mir Gelegenheit, den Vogel am folgenden Tage noch im Fleische zu untersuchen und lasse ich hier einige Masse folgen: Gesamtlänge: 71,0 cm. Lg. der Flügel: 50,0 cm. Lg. des Schwanzes: 27,5 cm. Abstand zw. Schwung- und Flügelspitzen: 2,5 cm. Lg. des Schnabels: 4,8 cm. ed Lg. v. d. Wachshaut: 3,8 cm. i Lg. d. Schnabelfirste: 5,8 cm. Lg. v. d. Wachshaut: 3,8 cm. Lg. d. Schnabelspalte: 5,7 cm. Höhe d. Schnabels an d. Basis: 2,6 cm. Tarsus: 11,0 cm. Hinterzehe ohne Kralle: 3,2 cm. Kralle der Hinterzehe: 2,7 cm. Mittelzehe ohne Kralle: 5,3 cm. Kralle der Mittelzehe: 2,6 cm. Der Kropf war ohne Inhalt, im Magen befanden sich geringe Mengen undefinierbarer Speisereste. Charadrius curonicus (Gm.) Allgemein findet sich die Angabe, dass der Flussregenpfeifer den Seestrand sowohl während der Brut- als auch Zugzeit gänzlich meide. Bereits vor einigen Jahren konstatierten Wüstnei und Clodius in zwei Fällen unweit Gollwitz auf Poel das Nisten nahe der See, dem ich weitere Daten zuzufügen imstande bin. Während der Brutzeit, am 15. Juni, erbeutete Herr cand. pharm. O. Held gelegentlich einer gemeinsamen ornithologischen Excursion ein altes © auf dem langen Werder, an der offnen See. Auf einer Insel im Conventer See, welcher nahe der Ostsee, fast unmittelbar hinter den Dünen gelegen ist, beobachtete ich am 21. Juli ein Paar Char. curonicus, welches gewiss von der benachbarten Meeresküste herübergeflogen war, da der See mit seinen morastigen, rohrbewachsenen Ufern und Inselechen dem Vogel durchaus keine zusagenden Nistgelegenheiten zu bieten vermag. Überdies fand Herr cand. jur. E. Greverus am gleichen Tage am Meeresstrand unweit des Conventer Seees ein Paar curonicus und entdeckte auch daselbst wenige Schritte vom Ufer entfernt ein Gelege von vier Eiern, welches ohne jeden Zweifel dieser Art zugesprochen werden muss. Haematopus ostrilegus (L.), der auf Poel recht zahlreich vor- kommt, zeitigte in diesem Jahre auffallend grosse Gelege. Von vier Nestern, welche ich am 19. Mai auf dem langen Werder fand, enthielten drei je vier Eier, nur in einem befand sich ein normales drei-Gelege. Anas strepera L. Die Schnatterente belebte in früherer Zeit den Conventer See in grösserer Zahl, brütet dort aber auch jetzt noch, Am 31. Mai konnte ich daselbst mehrere Vögel dieser Art beobachten und entdeckte auch ein Nest mit 9 frischen Eiern. Es befand sich etwa 1 m vom Wasser entfernt auf einer kleinen, dicht be- standenen Insel unter einer üppig entwickelten Staude von Herdeleum sphondylium. Die mässig tiefe Mulde war reichlich und auschliesslich mit Daunen ausgelegt. Die Masse der gelblich- weissen Eier betrugen 53 X 38; 53 X 39; 54 X 38; 56,5 x 37,5 mm. Be Se Dafıla acuta (L). Ein Gelege von 5 Eiern der Spiessente wurde am 18. Mai in den feuchten Wiesen südwestlich von Warnemünde von Herrn cand. jur. E. Greverus aufgefunden. Bislang war das Brüten von Dafila acuta bei Warnemünde noch nicht mit Sicherheit konstatiert. Da der Winter 1900/1901 in den nördlichen Breiten verhält- nismässig milde auftrat, so stellten sich an der Ostseeküste auch nur die gewöhnlicheren Wintergäste ein. Unter einer grösseren Zahl von Enten, Tauchern und dergl., welche ich während der Monate Januar bis April teils auf der See beobachtete, teils aus Warnemünde herrührend auf dem Markte zu Rostock durchmusterte, befanden sich vorwiegend Horelda hyemalis (L.), Fuligula clan- gula (L.), seltener Fuligula ferina (L.), Anas boschas (L.), Oidemia nigra (L.), Oid. fusca (L.), Mergus merganser L., Mergus serrator L., sowie OColymbus griseigena Bodd. und Col. ceristatus L., zwei- mal erhielt ich Alca torda L. ‚je einmal Mergus albellus L., Dri- nator septentrionalis (L.) und Mergus merganser L. Ein inter- essantes Exemplar des grossen Sägers, aus Warnemünde stammend, erwarb ich am 25. Januar. Während die Oberseite des unge- wöhnlich grossen Vogels der eines normalen © glich, zeigte sich auf der Unterseite das prächtige Gelbrot eines Männchens stark ausgeprägt. Der Sektion zufolge war das Stück ein ®. Sterna caspia Pall. Ein schönes altes $ der Raubseeschwalbe wurde am 16. August bei Barhöft unweit Gross-Mohrdorf, nördlich von Stralsund ge- schossen. Es befindet sich in meiner Sammlung. Sterna minuta L, Auf dem langen Werder bei Poel fand Herr cand. jur. E. Greverus am 31. Juli zwei Gelege dieser Art mit je fünf Eiern. Es ist kaum anzunehmen, dass die grosse Eierzahl von einem einzigen Vogel herrührt, warscheinlich benutzten 2 Weibchen das gleiche Nest zur Eiablage. Allerdings scheint in diesem Sommer die Fruchtbarkeit der Vögel besonders gross (vergl. das vorher bei Haemat. ostrileygus und nachfolgend bei Larus canus Mitgeteilte). Larus argentatus Brünn. hat in dieser Brutperiode nach längerer Pause wieder einmal einen Ansiedelungsversuch auf dem langen Werder gemacht. Ein Ei wurde nämlich Mitte Mai daselbst gefunden. Da es indessen den Poeler Eierräubern bei ihren häufigen Brandschatzungen des Werders gewiss als willkommene Delikatesse in die Hände gefallen wäre, wurde es genommen und Herrn Baurat Wüstnei in Schwerin übersandt. Larus canus L. Ein Gelege mit 5 Eiern fand ich selbst am 16. Juni auf dem Kieler Ort, Herr O. Held am Tage vorher auf dem langen N chO Werder ein ebensolches, dessen Eier bezüglich der Färbung sämtlich von einander abweichen. Bei dem von mir gesammelten Gelege gehören 3 Eier nach Form und Farbe entschieden zusammen, während die beiden anderen hiervon, sowie untereinander sich sehr unterscheiden. Larus minutus Pall. Unter den Scharen von Möven, welche den Winter hindurch auf dem Rostocker Hafen, dem Breitling, umherschwärmten, und die sich meist aus Larus canus L. und L. ridibundus L., weniger L. marinus L. oder gar L. argentatus Brünn. und L. fuscus L. zusammensetzten, beobachtete ich Ende März längere Zeit eine einzelne Zwergmöve. Herr Steenbock, der achtzigjährige Nestor der Mecklenburger Ornithologen, will Larus minutus in den letzten Jahren wiederholt auf dem Breitling angetroffen haben. Urinator septentrionalis (L.) bleibt mitunter noch bis spät in das Frühjahr hinein auf der Ostsee, wie die zwei jungen Exemplare beweisen, welche ich am 15. und 17. Mai von Warne- münde erhielt. — In den Örnitholog. Monatsberichten 1901, pag. 53 brachte ich eine Mitteilung über das Vorkommen von FProcel- laria glacialis L. bei Rostock, die ich jedoch dementieren muss, da die Vögel in Wahrheit aus Skandinavien herrühren. Die Notiz beruht auf einer falschen Angabe, welche mir der betreffende Präparator, der durchaus glaubwürdig und zuverlässig schien, aus naheliegenden Gründen machte. Die Art ist demnach für Meck- lenburg zu streichen. Rostock, 20. November 1901. Über die Functionen des Vogelschnabels (Versuch). Von Hermann Grote. Bevor ich auf die Funktionen des Vogelschnabels eingehe, möchte ich einige kurze Andeutungen über Form und Länge des- selben machen. Im Gegensatz zu den Mammalien ist bei den Vögeln der Oberschnabel und der Gaumenknochen nicht unbeweg- lich mit dem Schädel verwachsen, sondern er kann vom Vogel willkürlich bewegt werden. Besonders bei einigen Gattungen (z. B. bei allen Papageien) tritt diese Bewegungsfähigkeit sehr deut- lich hervor. Daraus ergiebt sich, dass der Schnabel des Vogels auch eine grössere Bewegungsnotwendigkeit haben muss, als das analoge Organ der Säugetiere. In der That gebraucht der Vogel seinen Schnabel zu fast allen Thätigkeiten. Schon aus der Form und Gestalt des Schnabels können wir gewöhnlich auf die Lebensweise des betr. Vogels schliessen. Schwebt uns doch unwillkürlich beim Anblick eines hakenförmig gekrümmten Schnabels das Bild eines Raubvogels, bei einem langen gestreckten dasjenige eines Stelzvogels u. a vor Augen. Im a Allgemeinen kann man sagen, dass Vögel mit langen Beinen lange Schnäbel, solche mit kurzen Beinen auch kurze Schnäbel haben. Aussert verschieden kann die Gestalt des Schnabels sein, welche Extreme können uns hier entgegentreten, vgl. z. B. Adler und Säbelschnäbler, Kreuzschnabel und Löffler. Doch wird wohl jeder aufmerksame Naturbeobachter zugeben, dass jede Vogelart einen ihrer Lebensweise voll und ganz entsprechenden Schnabel besitzt. Ich glaube die Funktionen des Vogelschnabels in zwei Ab- teilungen einteilen zu dürfen, und zwar dient der Schnabel in erster Linie als Mittel zur Nahrungsaufnahme, in zweiter als Werk- zeug zu den mannigfachen Lebensthätigkeiten des Vogels. Bei der Nahrungsaufnahme kommen wieder zwei Faktoren in Betracht, nämlich: die Aufnahme 1) animalischer und 2) vegetabilischer Futterstoffe. In beiden Fällen ist das Verhalten des Schnabels verschieden. Nährt sich ein Vogel von lebenden Tieren, so muss er die- selben notwendigerweise fangen können. In den meisten Fällen wird nun der Schnabel als Fangapparat benutzt. Je nach Art des Nahrungsobjektes kann derselbe verschieden gebaut sein, doch ist nicht gesagt, dass von einander abweichend gebaute Schnäbel nur verschiedene Nahrung verarbeiten könnten. So werden Mäuse z. B. von allerlei Raubvögeln und Eulen, Rabenvögeln, einigen Stelz- und verschiedenen Schwimmvögeln gefressen, und doch — welch’ verschiedene Schnabelformen sind diesen gefiederten Mäuse- fressern eigen! In vielen Fällen ist der Schnabel eine Zange, vermittelst derer die Beute ergriffen und festgehalten wird. Dies ist am deut- lichsten am Raubvogelschnabel zu beobachten. Bald schwächer, bald stärker kann diese Zange sein, bald sind ihre Ränder schärfer, bald stumpfer. Es ist ja auch erklärlich, dass ein Schnabel, welcher glatte Fische (wie bei Pandion halietus) oder ebensolche Reptilien und Amphibien erbeuten und festhalten soll, anders gebaut ist, als ein Schnabel, dessen Eigentümer sich von weichen Säugetieren und Vögeln ernährt. Auch bei den meisten anderen Vögeln hat der Schnabel die Funktionen einer Zange zu verrichten. Im Gegensatz zu den mit hakenförmig gebogenen Oberschnäbeln versehenen Raubvögeln, welche ihre Beute mit Hilfe ihres Hakens und Zahnes sozusagen aufspiessen, pressen die Arten, welche gerade Schnäbel besitzen, ihr gefangenes Nahrungsobjekt zwischen Ober- und Unterschnabel. Wichtig ist der Schnabel einigen Vögeln als Netz. Pele- kane mögen als Beispiel hier genannt sein. Dieselben fischen in fischreichen Gewässern vermöge des häutigen Sackes am Unter- schnabel oft mit grossem Erfolge. Sie füllen nämlich den Schnabel bzl. Sack mit Wasser und denjenigen Lebewesen, welche durch den dadurch entstandenen Strudel mit hineingerissen werden, lassen das Wasser dann ablaufen und behalten grössere Tiere, wie Fische N En‘ N u. a, im Sacke zurück. Man ist daher auch berechtigt, den Schnabel genannter Vögel als Sieb zu bezeichnen. Vögeln, deren Nahrung aus Insekten besteht, dient der Schnabel grösstenteils als Pinzette (vgl. Certhia u. a.). Bei solchen Arten kann er auch die Funktionen eines Trichters verrichten, wie etwa bei Caprimulgus. Allerdings kommt in letzterem Falle mehr die ganze Rachenöffnung in Betracht, als der eigentliche Schnabel, welcher klein und verkümmert ist. Die langen Borsten, die die Mundöffnung umgeben, bilden einen Trichter, in welchen bei dem schnellen Fluge des Vogels und der dadurch ent- standenen grossen Luftbewegung die Insekten hineingerissen werden. Zum Festhalten des erbeuteten Tieres bedient sich der Vogel fast ausnahmslos seines Schnabels als Zange. Viele Vögel zer- kleinern ihr Frassobjekt nicht erst, sondern geben ihm nur eine mundgerechte Form, sie „kauen,“ wenn man diesen Ausdruck hier gebrauchen darf, ohne das gefangene Tier zu zerlegen. Andere Arten verschlingen die Beute, besonders wenn sie in einem kleinen Tier besteht, ohne jegliche Verarbeitung und Zerkleinerung der- selben. Diejenigen Vögel, welche das Futtertier stückweise ver- zehren, es also zerkleinern, gebrauchen ihren Schnabel als Reiss- haken. Sie umklammern mit ihren Füssen (Fängen) das Opfer, und reissen Teile, bald grössere, bald kleinere, von demselben los. Von einem Kauen, wie wir es von den Mammalien kennen, kann bei den Vögeln nicht die Rede sein. Erwähnt sei, dass der Vogelschnabel zuweilen auch als Tast- organ benutzt werden kann, mit Hilfe dessen der Vogel sich derjenigen Nahrung, die er mit den Augen nicht erspähen kann, bemächtigt. Die stochernde Schnepfe bietet ein gutes Beispiel hierfür. Bei derselben ist der Schnabel zugleich so eingerichtet, dass nach Bedarf nur die Spitze desselben geöffnet und auf diese Weise ein leichtes Erfassen und Hervorziehen der Nahrung (Würmer z. B.) ermöglicht wird. — Während die carnivoren Vogelarten sich ihres Schnabels zum grössten Teile als Fangapparat bedienen, benutzen ihn die Pflanzen- fresser hauptsächlich als Zerkleinerungsapparat. Sie brauchen nicht wie erstere ihre Beute zu erjagen, ihnen steht der Tisch gedeckt, sie haben nur zuzugreifen. Doch auch sie sind genötigt, den Schnabel verschieden anzuwenden, je nach Art und Form des Nahrungsobjectes. Vogelarten, welche von Laub, Gras und ähn- lichen Pflanzenteilen leben, pflücken die Pflanze, resp. den be- treffenden Teil derselben ab, wie wir es mit den Fingern thun.!) Andere Vögel schneiden Teile von der Pflanze wie mit einer Schere ab (z. B. Auerwild) oder sie beissen (Finken u. A.) oder rupfen (Star) dieselben ab. 1) Bei mir verzehrte eine gefangene Haubenmeise junge Pflänzchen vom Rübsen (Brassica rapa), indem sie sie zwischen die Füsse nahm und die Kotyledonen abpflückte. > Weitaus am meisten kommen für die pflanzenfressenden Vögel die Samen und Körner als Nahrung in Betracht. In der Regel werden dieselben vom Vogel aufgeknackt, d. h. letzterer übt einen Druck auf die Ränder der beiden Samenschalen aus, indem er das Samenkorn zwischen Ober- und Unterschnabel presst. Andere Arten, deren Schnabel nicht dazu eingerichtet ist, die harten Körner aufzuknacken, hacken den Samen auf. Stets sucht der Vogel dabei möglichst einen bestimmten Punkt mit den Schnabel- hieben zu treffen. --- Vielfach ist der Same, welcher als Nahrung dient, nicht ohne Weiteres zugänglich, der Vogel muss ihn erst aus der ihn schützenden Hülle (Kiefernzapfen z. B.) herausholen. Hier hat nun der Schnabel die Functionen eines Hammers bzl. Stemmeisens (Specht) oder die eines Brecheisens (Kreuzschnabel) zu verrichten. Beerenfressende Vögel haben häufig platte Schnäbel, welche sie zum Zerdrücken des Futters benutzen. — Ausser zur Nahrungsaufnahme, spielt der Vogelschnabel auch eine grosse Rolle im Leben des Vogels überhaupt, so z. B. im Liebes- und Eheleben. Die Kämpfe, die von den Männchen um das Weibchen geführt werden, werden in der Hauptsache mit Hilfe des Schnabels ausgefochten. Bei der Begattung selbst hat der Schnabel bei einigen Arten das Weibchen festzuhalten. Mannigfach sind die Verwendungen, die der Schnabel beim Bau der Nester erfährt. Vielen Arten dient er zum Weben, wobei es wirklich bewunderungswürdig ist, in welch weitgehender Weise der Vogel ihn als Nadel, Schere, Instrument zum Flechten zu benutzen weiss. Mit am besten gebrauchen die Orthotomus- arten den Schnabel als Nadel, welche Fertigkeit ihnen auch den Namen Schneidervögel verschafft hat. Vögel, welche sich ihre Brutstätten selbst zimmern, be- dienen sich des Schnabels teils als Beil, teils als Hammer. Gewöhnlich richten sie dieSchnabelhiebe nicht senkrecht gegen den Stamm, sondern sie meisseln die Holzstücke los. Es ist mir nicht bekannt, ob ein Specht z. B. vom Baume beim Hämmern der Bruthöhle auch Holzfasern losreisst. Mitunter kann der Vogelschnabel als Mauerkelle benutzt werden, wie Schwalben, Kleiber u. a. zeigen. Bei den Minierern unter den Vögeln vertritt er den Bohrer, besonders bei lang- schnäbligen Arten. Cotyle riparia, die einen sehr kurzen Schnabel hat, hämmert ihre Wohnung in die sandige Uferwand. In dem Schnabel besitzen die meisten Vögel auch ihre wirk- samste Waffe. Hacken, Stechen und Beissen sind die am meisten vorkommenden Verteidigungs- bzl. Angriffsformen. Je nach Form und Länge des Schnabels wird der Hieb verschieden ausgeführt. Ein Raubvogel z. B. schlägt mit seinem Schnabel dem Gegner eine Wunde und reisst dieselbe vermöge seines hakenförmig gebogenen Oberschnabels grösser. Vögel mit langen Schnäbeln stechen, wobei sie, wie z. B. die Reiher, in raffiniertester Weise die empfindlichsten Körperteile, wie die Augen, zu treffen suchen. a Su ee ee ee ee De ee ee Nas 2 Als Greif- und Stützorgan ist der Schnabel für viele Vogel- arten von grosser Wichtigkeit. Mit Hilfe desselben klettern sie, z. B. die Papageien, flink und gewandt im Gezweige umher. Auch beim Gang auf ebener Erde bedürfen genannte Vögel des Schnabels als Stütze; letzterer spielt hier etwa dieselbe Rolle, wie die Vorder- extremitäten bei den anthropomorphen Affen. In beschränktem Mafse mag der Schnabel auch zum Durch- schneiden der Luft beim Fluge des Vogels dienen, doch ist manche Schnabelform meiner Meinung nach dem fliegenden Vogel mehr hinderlich als förderlich. Eher mag er dazu beitragen, die Gleich- gewichtslage erhalten zu helfen. Wenn ich zum Schluss noch erwähne, dass mit Hilfe des Schnabels der Vogel sein Gefieder putzt und — last not least — überhaupt Laute äussern kann, so glaube ich im Vorstehenden die wichtigsten Funktionen des Vogelschnabels erwähnt zu haben. Schriftenschau. | Um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornitholögischen Monatsberichten“ zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbständig erscheinenden Arbeiten ( ist Preisangabe erwünscht. Reichenow. J Knud Andersen, Sysselmand H. C. Müller’s haandskrevne Optegnelser om Färöernes Fugle. (Vidensk. Medd. fra den naturh. Foren. i Kbhvn. 1901 S. 217—252). Hans Christopher Müller starb in Törshavn auf den Färöeren am 1. Juli 1897. Was er an Handschriften, die Tierwelt der Färöer behandelnd, hinterliess, wurde 1900 von seinen Söhnen dem Zoologischen Museum in Kopenhagen geschenkt. — Die vorliegende Arbeit ist ein Auszug seiner Aufzeichnungen über die Vögel der Färöer, hauptsächlich für den Zeit- raum von 1863 bis wenige Jahre vor seinem Tode. O0. Haase. unınnnnnannnnannn C. Parrot, II. Jahresbericht des Ornithologischen Vereins München (E. V.) für 1899 und 1900. München 1901. Enthält die Berichte über die Sitzungen des Vereins während der verflossenen Jahre, das Mitgliederverzeichnis, eine Übersicht über die Vermehrung. der Sammlungen und der Bücherei, Rechnungslegung und Satzungen, sodann zwei Abhandlungen: J. Spies, Beiträge zur Ornis Unterfrankens und A. Clevisch, Beiträge zur Avifauna von Lothringen, endlich unter dem Titel: Materialien zur bayerischen Ornithologie II., den zweiten Jahresbericht über Beobachtungen in Bayern während der Jahre 1899 und 1900, bearbeitet unter Mitwirkung von Frh. L. v. Besserer und Dr. J. Gengler von Dr. C. Parrot. Die Beobachtungen sind an über 100 verschiedenen Orten gesammelt; eine ausserordentliche Fülle En ch” von Aufzeichnungen ist zusammengetragen. Am Schlusse wird der Zug von Hirundo rustica und Chelidonaria urbica von Frh. v. Besserer und Zug und Vorkommen von Ruticilla titys, R. phoenicura, Columba palumbus und Cuculus canorus von C. Parrot gesondert behandelt. Bulletin of the British Ornithologists’ Club. LXXXVI. Febr. 1902. Dr. W. v. Rothschild beschreibt Nester und Eier von Oerthidea olivacea fusca, Geospiza fuliginosa, Pyrocephalus dubius und Ne- somimus adamsi. — E. Hartert beschreibt Pierocles coronatus atratus n. subsp. vom östlichen Persien. — Dr. R. B. Sharpe erhielt Pitta longipennis von Salisbury. Derselbe beschreibt Oestrelata wilsoni n. sp. von South Trinidad. — Dr. v. Madaräsz ersetzt den Gattungsnamen Muelleria Bütt. (Timeliidae) durch Buettikoferia. — Lort Phillips bestätigt die Form Numida somaliensis Neum. als ständig unterschie- dene Art. — N. F. Ticehurst berichtet über ein Pärchen von Melano- coryphu sibirica, das im Januar in Kent erlegt worden ist. — Dr. Selater bespricht seltene australische Arten, insbesondere Mirafra woodwardi, Ptilotis keartlandi u. leilavalensis, Pseudogerygone tenebrosa, Ere- miornis carteri und Plaiycercus macgillivrayi. O0. Finsch, Zur Catalogisierung der ornithologischen Abteilung (des Leydener Museums). (Notes Leyden Mus. XXIII. S. 58-62). Der VIII. Teil der Nachträge zum Schlegel’schen Katalog der Vogelsammlung des Leydener Museums bespricht die Gattungen Olimac- teris, Rhabdornis und Salpornis. Climacteris picumnus Tem. ist eingehender behandelt. O0. Finsch, Zur Catalogisierung der ornithologischen Abteilung (des Leydener Museums). (Notes Leyden Mus. XX11I. S. 97—110). Der IX. Teil enthält die Fortsetzung der Kuckucke und behandelt die Gattungen Flierococeyx und Cuculus, von denen 16 Arten in 232 Stücken in der Sammlung vertreten sind. Unter den kritischen Bemer- kungen sind namentlich die Untersuchungen von Cueulus canoroides S. Müll., O. tenuirosiris S. Müll., ©. lepidus S. Müll, O. concretus S. Müll. und ©. poliogaster S. Müll. von Wichtigkeit. O0. Finsch, Über eine neue Art Haarvogel aus Central-Borneo. (Notes Leyden Mus. XXIII. S. 95—96). Poliolophus nieuwenhuisii n. sp. Der Ornithologische Beobachter. Wochenschrift für Vogellieb- haber und Vogelschutz. Herausgegeben von Carl Daut in Bern (Schweiz). Preis jährlich 5 M., für das Ausland Portozuschlag. Diese neue Zeitschrift erscheint in Heften im Quartformat. Aus dem Inhalt der vorliegenden Hefte sei mitgeteilt: Daut, Ornithologische Beobachtungen im Jahre 1901, 6. v. Burg, Magenuntersuchungen an Eichelhähern, Gerber, Storchenstand im Kanton Bern im Jahre 1901, Fischer-Sigwart, Biologie der Ornis von Zofingen. ENOAN — N. Ch. Rothschild and A. F.R. Wollaston, Ona Collection of Birds from Shendi, Sudan. (Ibis (8.) II. 1902 S. 1—33. T.D. Behandelt 108 Arten, die von den Verfassern bei Schendi am oberen Nil gesammelt worden sind. Zahlreiche Nachrichten über Lebens- weise. Auf Tafel I Cisticola acridula abgebildet und die Eier von Passer rufidorsalis und Caprimulgus eximius. H. B. Bigelow, Birds of the Northeastern Coast of Labrador. Brown-Harvard Expedition of 1900, under the Leadership of Professor Delabarre. (Auk XIX. 1902 $: 24— 31). E. Ninni, Note Ornitologiche per la Provincia di Venezia. (Atti Soc. Ital. Mus. Civ. Milano XL. 1902 S. 315 —324). Über Raubvögel Veneziens. G. Martorelli, Nota ornitologiea. Ulteriori osservazioni sull’ Athene chiaradiae Gigl. (Atti Soc. Ital. Mus. Civ. Milano XL. 1902 Ss. 825—338 T. D. Eingehende Beschreibung des Vogels und Abbildung in Lichtdruck. T. Salvadori, Due nuove specie di uccelli dell’ Isola di S. Thom& e dell’ Isola del Principe. (Boll. Mus. Zool. Anat. Torino XVI. No. 414 Dic. 1901). Zosterops feae n. sp. von St. Thomas, Turdus zanthorhynchus n. sp. von der Prinzeninsel, ähnlich 7. olövaceo-fuseus. L. Stejneger, The generic name Coccystes untenable. (Proc. Biol. Soc. Washington XV. March 1902 S. 37). Älter als Coccystes Gloger (1834) ist (lamator Kaup (1829) (Entwickl. Gesch. d. Europ. Tierwelt S. 53). H. C. Oberholser, Seven new birds from Paraguay. (Proc. Biol. Soc. Washington XIV. Dec. 1901 S. 187—188). Neu: Anabazenops acritus, ähnlich A. oleagineus, Leptopogon amaurocephalus tcastus, Arremon callistus, ähnlich A. polionotus, Oyanocompsa sterea, ähnlich O. cyanea, Thamnophilus ochrus, ähnlich Th. cuerulescens, Basileuterus leucoblepharus calus, Picolaptes tenuirostris apothetus. Vogelwarte Rossitten. (Zug von Scolopax rusticula.) Am 15. März beobachtete ich hierselbst die ersten Waldschnepfen (Scolopax rusticula). Zwei Stück standen am Rande eines Waldweges vor mir auf. Ich stellte mich an dieser Stelle, wo die Sonne den Schnee AN weggetaut hatte, gegen Abend an, und sehr spät in der Dämmerung kam eine Schnepfe dicht über dem Erdboden angestrichen und setzte sich 5 Schritt von mir entfernt nieder. Ich schoss der kurzen Entfernung wegen nicht, und beim Abstreichen war der Dunkelheit wegen ein günstiger Schuss nicht mehr anzubringen. Das Thermometer zeigte an dem Tage früh —6° R, die vorhergehenden Tage —9° und —15°. Wetter hell, Sonnenschein, leichter S. Der Waldboden war noch zum grössten Teile mit Schnee und Eis bedeckt. Ich glaube nicht, dass für diesen Abend ein eigentlicher Strich anzunehmen ist, sondern die gerade im Revier anwesenden Schnepfen suchten gegen Abend zwecks Nahrungsaufnahme die schneefreien Stellen auf. An demselben Tage bemerkte ich hier auch Vanellus vanellus und einen Flug Lullula arborea. Bereits am 27. Februar wurden mir unter dem Telegraphendrahte gefundene frische Schnepfenfedern gebracht. Ein sehr früher Termin. Aus Ostpreussen ist bisher in der „Deutschen Jägerzeitung‘‘ Neudamm, noch keine Schnepfe für dieses Frühjahr gemeldet. Sieht man sich die in diesem Blatte enthaltenen Notizen über den dies- jährigen Frühlingszug von Scolopax rusticula genauer an, so fällt einem sofort auf, dass sie sich bis jetzt fast ausschliesslich auf Südwest- und Westdeutschland beziehen. Nunmehr ist aber auch hier in Ostpreussen der Schnepfenstrich in vollem Gange. Zu bemerken ist, dass hier auf der Nehrung die Langschnäbel oft in die Dorfgärten einfallen. Soeben stand ein solcher Vogel in meinem Obstgarten dieht vor mir auf. Der Herbstzug ist hier besser und ergiebiger wie der Frühjahrs- zug, und ebenso Scheint es auf der frischen Nehrung zu sein. Von dort geht mir durch den Königl. Dünenaufseher Herrn Wermterin Strauch- bucht die Nachricht zu, dass er im vorigen Herbste, am 12. oder 13. Oktober, gegen 150 Waldschnepfen an einem Tage in seinem Belaufe angetroffen hat. Da sie sehr schlecht hielten, konnte er nur 25 erbeuten. In Preil auf der Kurischen Nehrung, nördlich von Nidden, beträgt die Jahresstrecke gegen 100 Stück. Ich hoffe ähnliche Zugverhältnisse auch für Rossitten, wo sich bisher noch kein Jäger intensiv mit den inter- essanten Waldschnepfen beschäftigt hat, nachzuweisen. Hier bevorzugen unsere Vögel beim Frühjahrszuge einen etwa 200 m von der See ge- legenen sumpfigen Erlenbruch mit Stockausschlag, der von hohen Kiefern und Birken umgeben ist. An Zugvögeln sind bisher hier eingetroffen: Alauda arvensis, Va- nellus vanellus, Sturnus vulgaris, Lullula arborea, Erithacus rube- culus und Wildtauben. Rossitten, Kur. Nehrung, 20./3. 02. J. Thienemann. Nachrichten. Der Afrikareisende Emil Holub ist am 21. Februar nach langem Krankenlager in Wien gestorben. Er war am 7. Oktober 1847 zu Holitz in Böhmen geboren, studierte in Prag Medizin und Naturwissenschaften, Ban (li BE begab sich im Jahre 1872 nach Südafrika und unternahm im Februar 1873 seine erste Reise durch die südlichen Gebiete der Bantu, im November die zweite nach Transvaal und den nördlich angrenzenden Ländern. Im März 1875 brach er wieder nach Norden auf und drang bis zum Sambesi und zu den Viktoriafällen vor. Im 1879 kehrte er mit reichen natur- wissenschaftlichen und ethnologischen Sammlungen, die er an österreichische und ausserösterreichische Anstalten verteilte, nach Europa zurück. Ende 1853 ging Holub abermals nach Südafrika, um von Kapstadt aus, be- gleitet von seiner Frau, ganz Afrika durch das Seengebiet bis nach dem Sudan und Ägypten zu durchwandern. Sein Plan wurde indessen schon im ersten Drittel der Reise durch das feindselige Auftreten der Eingeborenen vereitelt. Ausgeplündert und mit den grössten Strapazen kämpfend, kehrte er im Februar 1837 nach Schoschong im Betschuana- lande und bald darauf nach Europa zurück. Seine 13000 Stücke um- fassenden Sammlungen wurden gerettet und im Jahre 1891 in Wien und 1892 in Prag ausgestellt. Er schrieb u. a. „Sieben Jahre in Südafrika“ (2 Bände, Wien 1880/81), „Beiträge zur Ornithologie Süd-Afrikas“ (Wien 1832; im Verein mit von Pelzeln), „Von Kapstadt ins Land der Maschukulumbe“ (2 Bände, Wien 1838/1890). Reich an vielen Einzel- heiten sind Holubs Studien über die Kolonisation Afrikas und über den Anteil Österreichs an dieser Kolonisation. Emil Holub ist ein dauerndes Gedenken in der Geschichte der Afrikaforschung gesichert. Bis zu seinem Ende lebte er in dürftigen Verhältnissen ; erst auf seinem Krankenbette wurde ihm vom österreichischen Kaiser eine Jabresrente von 5000 Kronen ausgesetzt. Transport lebender Wachteln. Um dem Massentransport lebender Wachteln auf den Eisenbahnen wirksam entgegen zu treten, konnte es sich nicht nur darum handeln, für Deutschland die erforderlichen Massnahmen herbeizuführen, sondern es musste auch darauf Bedacht genommen werden, zugleich den Über- gang solcher Transporte auf die französischen Eisenbahnen möglichst fernzuhalten. Die zu diesem Zwecke gepflogenen Verhandlungen sind erst vor Kurzem zum Abschuss gelangt. Die Sachlage ist jetzt die, dass sowohl in den beteiligten deutschen Bundesstaaten einschliesslich Elsass- Lothringen, als auch in Frankreich die Ein- und Durchfahrt von Wachteln während der Schonzeit verboten ist. Die deutsche und französische Regierung sind ferner übereingekommen, eine Abänderung der beiderseits getroffenen Anordnungen nicht ohne zuvorige gegenseitige Verständigung vorzunehmen. Ob durch diese Massregeln der Massenfang der Wachteln und ihre Ausfuhr von Egypten nach England thatsächlich unterbunden sein wird, mag im Hinblick auf den Umstand, dass für die Transporte schon früher der, wenn auch länger dauernde, aber billgere Seeweg bevorzugt wurde, dahingestellt bleiben. Schritte, die gethan wurden, um den nach England bestimmten Transporten auch diese Beförderungsmöglichkeit abzuschneiden, sind bislang ohne Erfolg geblieben. A. 6. ae Anzeigen. Im Verlage von J. Neumann in Neudamm ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Die Kennzeichen der Vögel Deutschlands. Schlüssel zum Bestimmen, deutsche und wissenschaftliche Benennungen, geographische Verbreitung, Brut- und Zugzeiten der deutschen Vögel von Prof. Dr. Ant. Reichenow. Mit erläuternden Abbildungen. Preis geheftet 3 Mark, geschmackvoll gebunden 4 Mark. Das Buch ist in erster Linie für weitere, nicht fachmännische Kreise bestimmt. In gemeinverständlicher Darstellung und unter Beigabe erläuternder Abbildungen enthält es Anleitungen zum Bestimmen der Familien und Arten, führt den allgemein gebräuchlichen deutschen Namen jeder Art und daneben den wissenschaftlichen, ferner auch die wichtigeren, örtlich gebräuchlichen Bezeichnungen auf, lehrt die allgemeine Verbreitung der einzelnen Arten und deren besonderes Vorkommen in Deutschland kennen und giebt die Brut- und Zugzeiten an. Da das Buch aber auf streng wissenschaftlicher Grundlage gearbeitet ist, auch die erst in neuerer Zeit von den Ornithologen unterschiedenen Abarten berücksichtigt, in der Wahl der wissenschaftlichen Namen genau den herrschenden Regeln für die Benennung der Tiere folgt und somit zum ersten Male eine den wissenschaftlichen Anforderungen der Gegenwart entsprechende Übersicht der deutschen Vögel liefert, so wird es auch für den Ornithologen von Fach ein nützliches Handbuch sein. Vogelbälge aus Turkestan hat abzugeben M. Härms Samhof bei Nustago. Livland-Russland. Bälge von Podoces panderi zu 15 Mark. Grosse oologische Seltenheit! Ei von Corythaeola cristata aus Kamerun, tadellos, 75 Mark. Kaufgesuch vermittelt die Schriftleitung der 0. M. 6. Zenker. Druck von Otto Dornblüth in Bernburg, Ornithologische Monatsberichte herausgegeben von Prof. Dr. Ant. Reichenow. X. Jahrgang. Mai 1902. No. 5. Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. Anzeigen 20 Pfennige für die Zeile. Zusendungen für die Schriftleitung sind an den Herausgeber, Prof. Dr. Reichenow in Berlin N.4. Invalidenstr. 43 erbeten, alle den Buchhandel betreffende Mitteilungen an die Verlagshandlung von R. Friedländer & Sohn in Berlin N.W. Karlstr. 11 zu richten. Beschreibung zweier neuer Drosselformen aus Südamerika. Von Hans Graf von Berlepsch. rl. Catharus fuscater hellmayri Berl. subsp. nov. ©. fuscuter Lawr. Ann. Lyc. N. H. New York IX. p. 9% (Costarica). Salv. & Godm. Biol. Central-Am. Aves I p. 5. ©. fuscater (pt.) Seebohm Cat. birds Brit. Mus. V p. 285. (specimen ex Veragua). 0. fuscater mentalis (Scl. & Salv.) dicto ex Bolivia simillimus, differt dorso pure coerulescente-ardesiaco (nec olivas- centi nigro-brunneo), tectricibus sabcaudalibus cinereo-brunneis, albo variegatis (nec unicoloribus nigro-brunneis), nigredine men- tali magis extenso, necnon alis tarsisque longioribus; a ©. CO. fuscater dieto ex Bogota pectore gulaque obscure griseis (nec plus minusve albescentibus), necnon colore dorsi caerulescenti-ardesiaco (nec brunneo-nigro) distinguendus. al. 94 caud. 74 culm. 17 tars. 341), mm. habitat: in Veragua et Costarica. typus: in Mus. H. v. B.: adult Chiriqui, Veragua (ex E. Gounelle). Diese neue Catharus-Form, die ich dem um die Förderung der Kenntnis der neotropischen Turdidae sehr verdienten Herrn Carl Hellmayr in Wien widme, gehört in die nähere Verwandt- schaft des 0. fuscater (Lafr.) von Colombia. Auffallender Weise steht sie aber nicht dem typischen C. fuscater, wie man aus geographischen Gründen vermuten sollte, sondern der bolivia- nischen Form: ©. f. mentalis (Sel. & Salv.) am nächsten. Die Brust erscheint tief aschgrau gefärbt, noch etwas dunkler als bei O©. f. mentalis, die Kehle nur wenig heller als die Brust (bei der bolivianischen Form mehr bräunlich überlaufen). Bei ©. fuscater ex Bogota hingegen erscheint die Kehle schmutzig weiss und die Brust ist nur leicht grau überlaufen. Von beiden genannten Formen unterscheidet sich ©. f. hell- mayri durch rein bläulich schieferschwarz gefärbten Rücken, 5 AS IERIRRS SEP } $& 1902 /i May: rt ionsı ML \*t Fa Bu Letzterer ist bei ©. fuscater ex Bogota schmutzig bräunlich schwarz gefärbt, während er bei C. /. mentalis entschieden olivenbräunliche Beimischung zeigt. Die Unterschwanzdeckfedern, die bei CO. fuscater bräunlich weiss, bei ©. f. mentalis einfarbig schwärzlichbraun oder grau- schwarz gefärbt sind, erscheinen bei C. f. helimayri aschgraubraun mit isabell-weisser Mischung. Die schwarze Färbung am Kinn zeigt grössere Ausdehnung als bei den verwandten Formen. Flügel und Tarsen sind länger. Der Oberschnabel zeigt mehr orangegelbe Färbung, nur ein breiter Streif längs des culmen und die Gegend vor den Nasen- löchern sind schwärzlichbraun gefärbt. Die Tarsen und die Füsse sind wie bei ©. fuscater wachs- gelb gefärbt, während O. f. mentalis mehr bräunlich fleischfarbene Tarsen und Füsse zeigt. Als Mr. Lawrence die Form von West-Ecuador unter dem Namen C. berlepschi beschrieb, verglich er seinen typus mit Costarica-Vögeln und fand ihn sehr verschieden („lt differs stri- kingly from specimens of CO. fuscater from Central America“). Mr. Ridgway hatte vorher die Costarica- Vögel mit dem Lafres- naye’schen Typus verglichen und sie für identisch erklärt („I have compared them with Lafresnaye’s type and found them to be the same“), aber diese Vergleichung muss eine etwas oberflächliche gewesen sein, denn Lafresnaye’s Typus kam von Bogotä und meine Bogotä-Vögel stimmen gut mit Lafresnaye’s Beschreibung überein, während die Vögel von ©. Amerika (wie auch aus Mr. Lawrence’s Bemerkungen hervorgeht) sehr abweichend gefärbt sind. Die Vögel von W. Ecuador (C. berlepschi Lawr.) sind keines- wegs so verschieden vom typischen Ü. fuscater von Colombia wie Mr. Ridgway und Mr. Lawrence angenommen haben. Sie unter- scheiden sich nur durch etwas mehr isabellröstlichen Ton der weissen Kehlfärbung und schwächern, mehr bräunlichen, nicht so entschieden graubraunen Anflug an der Oberbrust, grössere Aus- dehnung der weissen Färbung des abdomen, bräunlichere Beine und Füsse und etwas längern schmälern Schnabel. + ©. fuscater berlepschi und ©. fuscater hellmayri stellen die grössten Färbungs-Extreme dar, während der typische ©. fuscater von Colombia und die bolivianische Form Ü. f. mentalis diese extremen Färbungstypen mit einander verbinden, indem die erstere zu Ö. f. berlepschi, die letztere zu‘ ©. f. mentalis hinüberleitet. Es erübrigt noch, die Vögel aus Nord- und C.-Peru zu ver- gleichen. Nach Taczanowski’s Beschreibung der Vögel aus N. Peru zu urteilen, dürften dieselben der ©. f. berlepschi aus W. Ecuador am nächsten stehen. Zur leichteren Unterscheidung der mit C. fuscater verwandten Formen möge der folgende Bestimmungsschlüssel dienen. aa DRG I u a. Brust und Kehle vorherrschend weisslich gefärbt. a. Kehle weisslich, Brust zart graubraun überlaufen + 0. fuscater. 8. Kehle und Brust isabellröstlichweiss, Oberbrust sehr schwach bräunlich überlaufen +0. f. berlepschi. b. Brust und Kehle vorherrschend aschgrau gefärbt. a. Rücken schwärzlich olivenbraun. Kehle graubraun über- laufen 0. f. mentalis. ß. Rücken bläulich schieferschwarz, Kehle aschgrau über- laufen +0. f. hellmayri. 2. Turdus gigas pallidiventris Berl. T. T. gigas (Fras.) dieto ex Bogotä maxime affinis, sed cor- pore subtus multo pallidiore griseo, corpore superiore quoque paulo pallidiore, necuon tectrieibus alarum inferioribus semper ochraceo tinctis distinguendus. ad. (J3?) al. 163—153 caud. 156!/, culm. 27°/,—261), tars. 461/,—43 mm. „g“ ad. al. 152 caud. 145 culm. 25°/, tars. 421/, mm. habitat: in Andibus Venezuelae circum Merida. typus: in Mus. H. v. B. ad. Merida (S. Bricefio legit). Diese helle Form des 7. gigas der Anden von Merida habe ich seit langer Zeit in meiner Sammlung unterschieden und mit dem M.S.-Namen „pallidiventris‘' bezeichnet. Mit der Publication der Beschreibung habe ich gezögert, teils um noch grösseres Vergleichsmaterial heranzuziehen, teils um mich vorher zu vergewissern, ob diese Form nicht bereits in See- bohm’s Monographie der Turdidae benannt worden sei, oder vielleicht mit 7. cacozela Bangs von Sta. Martha identisch wäre. Durch die Liebenswürdigkeit des Herrn Carl Hellmayr war ich kürzlich in die Lage versetzt, meine Merida-Vögel mit einem von Herrn O. Bangs zur Untersuchung gesandten Exemplar des T. cacogela zu vergleichen und konnte konstatieren, dass es sich um zwei ganz verschiedene Formen handelt. 7. cacozela hat viel kürzere Flügel und Schwanz, dagegen längern Schnabel als T. g. pallidiventris und unterscheidet sich ferner durch dunklere, mehr bräunlich überlaufene Unterseite, endlich durch deutlich olivenbraun überlaufene Oberseite (welche bei 7. g. pallidiventris schwärzlich graubraun erscheint), sowie durch intensiv rostrotbraun statt blass ockergelb überlaufene Unterflügeldeckfedern. T. g. pallidiventris dagegen stimmt in den Dimensionen mit typischen Exemplaren des T. gigas von Bogotä überein und unter- scheidet sich von ihnen nur durch viel hellere, aschgrau gefärbte Unterseite, etwas heller schwärzlichgraubraune Oberseite, sowiedurch stets ockergelb überlaufene bezw. gesäumte Unterflügeldeckfedern. Berlepsch am 8. April 1902. H* SR Fringilla camabina — ein biologisches Problem. Von Fritz Braun-Constantinopel. In den nachstehenden Zeilen will ich den Fachgenossen einige Dinge mitteilen, die mich seit längerer Zeit beschäftigen, die mir viel Kopfzerbrechen und recht wenig Entdeckerfreude bereiteten. Ich muss zwar befürchten, dass mein westpreussischer Landsmann Dr. Henrici über den theoreticus recidivus entrüstet den Kopf schüttelt, trotzdem aber glaube ich, dass es sich der Mühe verlohnt, zur Feder zu greifen. Und das, obgleich ich keinerlei Resultate meines Nachdenkens veröffentlichen kann. Es genügt mir, dass ich damit die Gedanken anderer Ornithologen auf Verhältnisse richte, die sicher des Grübelns wert sind und anderen ihr Geheimnis vielleicht eher verraten als mir. Die ornithologischen Schriftsteller haben die Dinge, die ich hier zu schildern versuche, im grossen und ganzen mit Still- schweigen übergangen, selbst Altum, dessen hellem Blick sich sonst keine der Beobachtung zugänglichen Absonderlichkeiten zu ent- ziehen pflegten. Häcker in seinem Werke „Der Gesang der Vögel“ nennt der Rothänfling mit keinem Worte, trotzdem seine Biologie eine Fülle von Rätseln birgt. Dass Altum diese Verhältnisse entgangen sind, ist um so merkwürdiger, weil er andere, weit weniger auffällige Dinge aus- führlich behandelt. So beschäftigt er sich ausführlich mit dem Gesange der Dompfaffenweibchen, der seiner Erklärung des Vogel- gesanges zu widersprechen scheint. - Wie die Leser dieser Zeilen wissen, stellt Altum!) die These auf, der Gesang der Vögel diene a) zur notwendigen Begrenzung der Brutreviere. b) zum Zusammenführen der einzelne Paare. Daraus folgert er nun, dass der Gesang nur einem Geschlecht eigen sein dürfe, weil sich sonst die Individuen derselben Art, aber nicht die beiden Geschlechter, sicher und schnell, ohne langes Umhersuchen vereinigen könnten.?) Gegen diese Folgerung scheint der Gesang der Dompfaffen zu sprechen. Deshalb würdigt er ihn einer ausführlicheren Besprechung. R Wir möchten hier bemerken [es gehört nämlich — trotz der Überschrift — zum Thema], dass Altum nicht Recht hat, wenn er den Gesang der weiblichen Dompfaffen als etwas so vereinzeltes hinstellt. Die Weibchen der Curvirostren singen gleichfalls; eben- so lässt auch das Weibchen von Fringilla chloris bisweilen einen stümperhaften, unzusammenhängenden Gesang erschallen, der aus Lockrufen und rollenden Tönen besteht. In meinem Flugkäfig stümperte einst ein Weibchen von Lowia coccothraustes fast eben- 1) Das Leben der Vögel. Münster p. 79. 2) 1 cp. 108: = re ls so gut oder schlecht wie die artgleichen Männchen. Wie jeder Liebhaber weiss, wie z. B. H. Müller in seinem vortrefflichen, wenn auch etwas absonderlichen Buche „Am Neste“ berichtet, ist auch den Weibchen von Fringilla carduelis und Fringilla spinus ein Getöne eigen, dass man mit einiger Phantasie als Gesang gelten lassen kann. Altum sagt von dem Dompfaffen ganz offen: „Ich bin bei diesem, in meiner Heimat gemeinen Brutvogel fast in Verlegenheit, was ich für diesen Nachweis — die Erklärung der eigentümlichen Abweichung von der Regel, dass nur die Männchen singen — als Grund anführen soll. Auch wenn man die oben genannten Arten in Parallele stellt und gemeinsam betrachtet, wird eine solche Erklärung nicht viel leichter. Uns erscheint es am wahrscheinlichsten, dass bei Pyrrhula vulgaris und den Curvirostren durch die ganze Entwicklung ihrer Art, die sie zu den ausgesprochendsten Körnerfressern machte, eine früher ausgeprägte Gesangesgabe [für die auch die grosse Gelehrsam- keit der aufgepäppelten Dompfaffen zu sprechen scheint] allmählich überflüssig wurde. Balzbewegungen traten an die Stelle des Gesanges, der mit der Zeit mehr und mehr zurückging. Er war nunmehr als singularer Geschlechtscharakter ziemlich zwecklos geworden u. ging allmählich durch Vererbung in den Besitz beider Geschlechter über. Auch bei Bombyeilla garrula finden wir ähnliche Verhält- nisse, und bei Fringilla linaria fand ich, dass die Weibchen in in der Gefangenschaft bisweilen ein zwar schwächeres, aber doch dem Gesange der Männchen ganz ähnliches Getön hören lassen. Bei allen diesen nordischen Arten, denen die Natur eine zwar nicht abwechselungsreiche, aber doch stets sehr gut besetzte Tafel gewährt, hat der Kampf ums Dasein sehr viel von seiner Schärfe eingebüsst. Damit ist auch der Gesang rudimentär geworden, haben die Balz- und Brunstlaute aufgehört, Besitz des einen Geschlechtes zu sein. Die oben ausserdem noch genannten Arten, Loxia cocco- ihraustes, Fringilla carduelis, Fr. spinus und Fr. chloris, sind alle mehr oder minder im Besitz von Balzflügen und Balzbewegungen, die ausser dem Gesange den Männchen als singulärer Geschlechts- charakter eigen, deren Weiterentwickelung vielleicht mit einem Rückgange des Gesanges Hand in Hand ging. Bei allen Arten ist der Gesang der Männchen und Weibchen auch immerhin so weit verschieden, dass die Gesangsgabe der Weibchen nicht durch- aus zwecklos zu sein braucht. Altum hebt hervor, dass seinen Beobachtungen zufolge bei den Dompfaffen kein Überfluss an Männchen herrscht; bei den Curvirostren ist das ebenfalls nicht der Fall. Von Fringilla chloris bekam ich im Freileben stets soviel Weibchen zu Gesicht, dass mir eine starke Überzahl der Männchen durchaus nicht wahr- scheinlich ist. Bei Fringilla carduelis und spinus bin ich bez. RE dieser Dinge allerdings völlig im Unklaren und, was Bombyeilla garrula und Fringilla linaria angeht, dürfte es kaum einen Ornithologen geben, der diese Verhältnisse auf Grund eigener Beobachtungen zu beurteilen vermöchte. Jedenfalls ist bei den meisten der genannten Arten das Ver- hältnis der Geschlechter ein völlig anderes als bei den guten Sängern unter den Insektenfressern, sodass der Gesang des Weibchens als eine Art sexuellen Lockrufes bei ihnen wohl in Betracht kommen dürfte. Allerdings ist es gewagt zu behaupten, dass nicht schon der gewöhnliche Lockruf für das besonders geübte Ohr der gleichen Art eine sexuelle Klangfarbe hat. Beschäftigt man sich längere Zeit vornehmlich mit einer Art, hört man ihre lautlichen Äusserungen in ganz geringer Entfernung, wie das bei Stuben- vögeln die Regel ist, so erscheint es dem Beobachter immer mehr und mehr wahrscheinlich, dass selbst der Lockruf bei den meisten Arten einen geringen Unterschied bez. der Tonstärke und selbst der Höhe hat. Ausserdem kommt noch dazu, dass der Verband der Zug- und Strichvögel sich nicht in Individuen, sondern in Paare auf- löst. Wie ich schon öfter betonte, konnte ich hier unter den Zug- vögeln immer wieder die Erfahrung machen, dass bei irgend wie längerem Aufenhalte sich sogleich einzelne Pärchen absondern, der grössere Verband in Pärchen zerfällt. Doch mag dem sein, wie ihm wolle; ich predige ja nicht Dogmen, sondern setze Ansichten auseinander; so mag denn auch die eben ausgesponnene sich hören lassen. Doch wir wollen zu unserem Ausgang, Fringslla cannabina, zurückkehren. Es gilt zu zeigen, weshalb mir diese Art so rätsel- haft erscheint. ad. I. Wir finden sonst gute Sänger vorwiegend unter den Insektenfressern, deren Nahrungsbedarf die Begrenzung und Ver- teidigung eines bestimmten Brutreviers erheischt: Fringilla canna- bina ist ausschliesslich [die wenigen, gegenteiligen Beobachtungen fallen nicht ins Gewicht] Körnerfresser. Er füttert auch (was unter den Fringilliden doch immerhin zu den Ausnahmen gehört) seine Jungen mit vegetabilischer Kost gross und ist trotzdem — meines Erachtens -- weitaus der beste Sänger unter den finken- artigen Vögeln Europas. Weit davon entfernt, ein geräumiges Brutrevier zu beanspruchen, nistet er auf engstem Raum in un- glaublichen Mengen. „Es giebt Striche, wo sie so häufig nisten, dass man im Umkreise von tausend Schritt mehr als hundert Nester findet.“1) ad. I. Wir finden sonst, dass gute Sänger gewöhnlich schlichte Farben tragen. Bei den schöngefärbten Sängern pflegt wenigstens der Unterschied zwischen dem Hochzeitsgewand und !) cfr. Naumann. Neue Ausgabe III p. 318. ke dem neutralen Kleid nicht allzu gross zu sein; Fringilla cannabina zählt zu den schönsten Finken und zeigt einen so ungeheuren Abstand zwischen Hochzeits- und Winterkleid, dass Unkundige ein Männchen aus dem Frühsommer und ein solches aus dem späten Herbst niemals für Angehörige derselben Art halten würden. Mit den Curvirostren, mit Pinicola enucleator und Fringilla linaria teilt unser Vogel die Eigenschaft, dass sein Federkleid in der Gefangenschaft verblasst und dort nie mehr seine schönen Farbtöne annimmt. Meiner persönlichen Überzeugung nach haben wir es bei den Arten mit einem und demselben Phänomen zu thun; merkwürdig ist es, dass auch der Farbton der verschwin- denden Farbe bei allen ziemlich ähnlich ist. Um Kampffarben kann es sich bei diesen Arten schon aus dem einfachen Grunde wohl nicht handeln, weil sie alle friedlicher Natur sind. Über diese negative Erkenntnis, die an und für sich ziemlich wertlos ist, gelangte bisher noch kein Forscher hinaus. Alle Erklärungsver- suche, die bisher gemacht wurden, zeugen ebenso sehr von dem Streben, sie deuten zu wollen, als von dem Unvermögen, es zu können. ad. III. Unsere besten Sänger gehören sonst zumeist zu solchen Arten, die nur einmal brüten, deren Vermehrungsquotient ein recht geringer ist, die Natur hat ihnen dann den Gesang als ein Kampfmittel zu rationellerer Ausübung der geschlechtlichen Zuchtwahl verliehen, um die Existenz der Art stützen zu helfen. Fringilla cannabina vermehrt sich recht stark, bringt in Aus- nahmefällen sogar drei Bruten gross und scheint durch das Vor- dringen der menschlichen Kulturstätten nicht im mindesten be- hindert zu sein. Im Gegenteil, er findet auf Holzfeldern, den Ziegelzäunen der Ziegeleien und anderen ähnlichen Plätzen eine Menge neuer Nistplätze.!) ad. IV. Unsere besten Sänger sind sonst fast ausschliesslich kriegerische Arten, so dass ich — meiner Meinung nach: getrost — behaupten durfte, der Gesang sei Brunstruf: Fringilla canna- bina ist der beste Sänger unserer Körnerfresser und dabei so ausnehmend friedlich, dass er seinen Schnabel kaum jemals als Waffe benutzt. In der Gefangenschaft habe ich absichtlich mehr- mals vier oder fünf Hänflinge in ganz kleine Käfige mit ein paar Stieglitzen oder Zeisigen zusammengebracht. Die Unbequemlichkeit des nahen nebeneinander machte sich für die Vögel sogleich be- merkbar und die anderen Finken begannen zu zetern und zu zanken. Fringilla cannabina hielt sich stets in scheuster Reserve, trotzdem er den Aufenthalt unter verwandten Finkenarten auch aus dem Freileben gewohnt ist. In meiner Voliere sah ich im Laufe langer Jahre nur ein einziges Mal, dass ein Hänfling die Gefährten vom Futtertrog zu verjagen suchte. Allerdings trug dieser kriegerische Vogel sein Hochzeitskleid. 1) efr. Walter. J. f. O0. 1888 p. 311, auch Russ. u. a. a. O. — %6% — „Oft sitzen zwei oder drei so nahe bei einander, dass sie sich gegenseitig zu friedlichem Wettgesang auffordern‘‘!). Ja, während das Weibchen auf dem Neste sitzt, machen die Männchen, wie sich jeder Beobachter in hänflingsreichen Strichen Deutschlands leicht überzeugen kann, wie auch Altum (l. c. 320) angiebt, ge- meinschaftliche Ausflüge Ich kannte früher in Danzig einen Vogelfänger, der Rothänflinge gerade im Sommer während der Brütezeit zu fangen pflegte, wenn die Weibchen auf den Eiern sassen und die treulosen Männchen in kleinen Flügen umherzogen. ad. V. Die Arten, welche wir früher wegen der Gesanges- gabe der Weibchen aufführten,- waren schlechte oder höchstens mittelmässige Sänger. Unter gefangenen Hänflingen finden sich nicht selten stümpernde Weibchen und doch enthält diese Species die besten Sänger unserer körnerfressenden Vögel. Nach alledem wird man wohl zugeben müssen, dass dieser Vogel so viel des Absonderlichen bietet, dass er geradezu ein biologisches Rätsel genannt werden kann. Es fiel mir immer wieder auf, wenn ich die geradezu klassische Schilderung im Naumann las, dass der Verfasser mit keinem Worte verrät, er sei sich dessen bewusst, wie absonderliche, aller Regel Hohn sprechende Dinge er dort berichtet. Noch auffälliger aber ist es, dass Altum, der teleo- logische Forscher, der überall philosophierende Grübler, niemals gewahr wurde, ein wie interessantes Geschöpf gerade Fringilla cannabina ist. Wir alle sind uns bewusst, dass die Natur unendlich viel des Rätselhaften birgt, über das noch die Kindeskinder unserer spätesten Enkel vergebens nachsinnen werden. Dass aber eine Species mit allen ihren Lebensäusserungen wie ein grosses Frage- zeichen unter den übrigen Gefiederten dasteht, ist doch zum mindesten beachtenswert und auffällig. Unserer Meinung nach würde es daher nicht schaden, wenn auch andere sich um diese Dinge ein wenig kümmerten. Ja manche Sommerfrische, die ein Tierfreund in Deutschlands schönen Hügel- und Berglandschaften zubringt, wo der Hänfling in Unzahl brütet, liesse sich dadurch in geistigen Gehalt bringen, bei dem der Beobachter sich recht gut stehen könnte. Vielleicht gelingt einem von ihnen das, was uns noch immer misslang: Diese Dinge zu klären. Neue Vogelarten aus Damaraland. Gesammelt von Oberstabsarzt Dr. Lübbert. Beschrieben von Reichenow. Lanius lübberti Rehw. Ganze Oberseite mit Schulterfedern und Oberschwanzdecken fahlgrau, letztere kaum heller als der Rücken; ein schwarzes Band 1) Naumann |. ce. Ill. 317. SO 1 AR vom Zügel über Auge und Ohrgegend, darüber ein undeutlicher weisser Augenbraunenstreif; Flügeldecken und Schwingen schwarz, Handschwingen an der Wurzel weiss, innere Handschwingen und Armschwingen mit schmalem (meistens abgeriebenem) weissen Endsaume; Unterseite weiss, Brust und Weichen etwas lachsfarben verwaschen; Unterflügeldecken weiss, die Handdecken grau; mittelste Schwanzfedern schwarz mit schmalem weissen Endsaume, die foleenden an der Wurzel und Spitze weiss, die äusseren ganz weiss; Schnabel schwarz, Wurzel des Unterkiefers blass; Füsse schwarz. Lg. etwa 210, Fl. 114—118, Schw. 100, Schn. 16—17, L. 25—26 mm. Von L. fallax und Verwandten unterscheidet sich diese Art durch Fehlen des weissen Schulterstreifs und der schwarzen Stirn- binde, fehlenden oder nur sehr schmalen weissen Endsaum an den Schwingen. Ploceus lübberti Rchw. Schliesst sich an Ploceus cabanisi an; während bei diesem aber das Gelb des Genickbandes am vorderen Teile, am Saume der schwarzen Kopfplatte, in Goldbraun übergeht, ist das Genickband bei P. lübberti einfarbig gelb. Parus afer damarensis Rchw. Durch viel helleres und reineres Grau der Oberseite von P. afer unterschieden. Parisoma subcaeruleum cinerascens Rehw. Oberseits grauer als P. subcaeruleum; das Rotbraun der Unterschwanzdecken etwas dunkler; die weissen Spitzen an den Schwanzfedern in allgemeinen etwas breiter. Passer arcuatus damarensis Rcehw. Von JPasser arcuatus durch etwas helleres Rotbraun von Rücken, Bürzel und Schulterfedern unterschieden; hingegen ist das Schwarz von Kopf und Kehle, namentlich auf dem Hinter- kopfe, tiefer, während es bei P. arcuatus einen Stich ins Braune hat. Sazicola familiaris lübberti Rchw. Von $. familiaris durch etwas geringere Grösse und blassere Färbung unterschieden. Die Färbung der Ober- und Unterseite ist blasser und grauer; auch das Rotbraun von Oberschwanzdecken und Schwanz ist blasser. Von 8. falkensteini durch etwas bedeutendere Grösse, breitere schwarzbraune Endbinde an den Schwanzfedern, etwas hellere Oberseite und etwas brauneren Ton der Unterseite unterschieden. Lg. etwa 140--150, Fl. 81—84, Schw. 62-67, Schn. 15, L. 23 mm. Herr Hellmayr beschrieb kürzlich im Journal f. Ornithologie (1902 S. 221) eine Saxicola aus Transvaal, die sowohl von 8. WENNS a familiarıs als von falkensteini abweicht. Ich habe seiner Zeit Hrn. Hellmayr darin beigestimmt, dass es bedenklich sei, auf den einzigen vorliegenden Vogel eine neue Art zu begründen. Nach den Ab- weichungen, die die Vögel des Damaralandes zeigen, die durch vier, zu verschiedenen Zeiten gesammelte Vögel bestätigt sind, scheint es mir aber sehr wahrscheinlich, dass die Vögel des Transvaal eben- falls einer besonderen Abart angehören. Die Form wird passend nach dem Entdecker Sazxicola familiaris hellmayrı zu benennen sein. Ich schliesse hier noch die Beschreibung einer neuen Sub- species von Pyrrhulauda leucotis an. Hr. Dr. v. Madaräsz sandte mir eine P. leucotis smithi aus Transvaal mit dem Bemerken, dass der südliche Vogel, der bisher mit dem östlichen vereinigt wurde, von diesem abweiche. In der That steht die östliche Ferm in ihrer Färbung und Grösse zwischen der nordöstlichen und südlichen. Ich benenne sie zu Ehren ihres Entdeckers P. leucotes madarasei. Die Unterschiede der drei Formen sind folgende: Pyrrhulauda leucotis. Rücken- und Schulterfedern, grosse und mittlere Deckfedern mit breiten weissen Säumen; kleine Flügel- decken bräunlichweiss, nur die der untersten Reihe schwarz mit weisser Umsäumung; Steiss und Steisseiten weiss; Unterschwanz- decken schwarz mit bräunlichweissen Säumen; äusserste Schwanz- feder an der Aussenfahne weiss, Spitze der Feder bräunlichweiss. Fl. 73-77, Schw. 45, L. 16 mm. Nordostafrika. P. leucotis madaraszi. Flügel länger; das Rotbraun des Oberkörpers dunkler, Rücken- und Schulterfedern, mittlere und grosse Flügeldecken mit breiten weissen Säumen; Schnabel stärker; kleine Flügeldecken rein schwarz, nur die obersten am Flügelrande fahl graubraun; Steiss und Steisseiten bräunlichweiss; Unter- schwanzdecken schwarz mit bräunlichweissen Säumen; äusserste Schwanzfeder am Aussensaume weiss, Spitze der Feder bräunlich- weiss. Fl. 80, Schw. 47, L. 16 mm. Ostafrika. P. leucotis smithi. Flügel noch länger als bei P. !. madaraszi, Schnabel etwa ebenso stark; dass Rotbraun des Oberkörpers heller als bei der vorgenannten, fast einfarbig, nur Spuren weisslicher Säume an den Schulterfedern, grossen und mittleren Flügeldecken und Bürzelfedern; kleine Flügeldecken ganz schwarz; auf den Steisseiten nur ein kleiner blassgraubräunlicher Fleck; Unter- schwanzdecken einfarbigschwarz; äusserste Schwanzfeder an der Aussenfahne bräunlichweiss, Spitze der Feder rauchbraun. Fl. 83—84, Schn. 52, L. 17 mm. Südafrika. Schliesslich noch eine Bemerkung über Irrisor. Bei der Bearbeitung der Gruppe für meine „Vögel Afrikas“ bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass westliche Vögel des rotschnäbligen Baumhopfers (Irrisor erythrorynchos) von denen des Ostens und Südwestens ständig abweichen, indem der Glanz der Oberseite, der bei letzterem Kupfergrün ist, oft ins Messingfarbene zieht, mehr ins Blaugrüne oder Stahlblaue geht; die mittelsten Schwanzfedern und die Oberschwanzdecken sind stahlblau mit nur schwachem or veilchenrötlichen Schimmer, bei den östlichen Vögeln hingegen veilchen- oder purpurfarben mit kupferrötlichem Schimmer. Ich nenne die neue Form Irrisor erythrorynchos guineensis. Sie ver- breitet sich vom portugiesischen Guinea bis zum Niger. Über die Weindrossel der Färöer. Im Februarheft dieser Zeitschrift gab ich auf Seite 24 und f. einen Bericht über eine Arbeit von Knud Andersen, betitelt „Mitteilungen über die Vögel der Färöer“ Es wird darin u.a. die Frage eingehend erörtert, welcher Herkunft die auf den Fä- röern vorkommenden Weindrosseln sind, ob Skandinavien oder Island ihre Heimat ist. Im Märzheft wird auf Seite 39 in einer Notiz darauf hin- gewiesen, dass die isländische Weindrossel nach Sharpe von der norwegischen verschieden und als Turdus vliacus coburni zu sondern sei, so dass es eigentlich leicht sein müsse, die obige Frage an der Hand der erbeuteten Vögel zu beantworten. Hr. Andersen äussert sich nun auf die oben erwähnte Notiz in einem mir zugegangenen Schreiben wie folgt: „Zunächst wird behauptet, ich hätte die Frage offen gelassen, ob diese Drosseln auf dem Zuge von Island nach den Färöern kommen, oder ob sie von Osten, von Skandinavien her, dahin verschlagen werden. Ich habe aber im Gegenteil recht deutlich die Auffassung vertreten, dass sowohl die Weindrosseln, die sich 1900 auf Myggenäs zeigten, als auch die, welche gelegentlich in Törshavn brüteten, der isländischen Kolonie angehören und dass ich sie gerade scharf sondere von den Zugscharen, welche mit östlichen oder südöstlichen Winden auf die Färöer geworfen werden. Dann heisst es weiter: „Diese Frage müsste ja leicht zu entscheiden sein, da die isländische Weindrossel nach Sharpe von der norwegischen verschieden und als Turdus iliacus coburni Sharpe zu sondern ist.“ Insofern eine Andeutung darin liegen könnte, dass ich Sharpe’s Absonderung als eigene „Art“ oder Rasse hätte berücksichtigen müssen, liegt ein Missverständnis auf Seite des Verfassers jener Notiz.) Im Jahre 1900 wurde eine Wein- drossel von Nolsö gesandt, von Myggenäs keine. Was diese einzige Weindrossel betrifft, so behaupte ich selbst bestimmt, dass sie ein skandinavischer Vogel ist. Aber hiervon ganz abgesehen, las ich die letzte Korrektur meiner Abhandlung im Oktober 1901, Sharpe machte seine neue Art im Novemberheft des „Bulletin of the British Ornithologist’s Club“ bekannt, mithin ist leicht begreiflich, dass ich seine Mitteilung nicht kennen konnte. 1) Selbstverständlich sollte die Bemerkung kein Vorwurf für Hrn. Andersen sein, sondern nur die Klärung der Frage anregen. Schriftl. sg Ich hätte die Gelegenheit gern benutzt zu erfahren, ob irgend jemand von den Färöern eine Drossel, erhalten hat, welche der Sharpe’schen Beschreibung entspricht. Indess kann ich mich einiger theoretischer Bemerkungen nicht enthalten: dass Vögel wie Trog- lodytes parvulus borealis und Sturnus vulgaris faeroensis eine solche Entwickelung erreicht haben, dass sie in der Regel von der typischen Form unterschieden werden können, ist leicht erklärlich; für sie sind die Bedingungen vorhanden, welche aus Inselformen besondere Rassen bilden: sie sind Standvögel, vollkommen isoliert, lange Zeiträume hindurch der Einwirkung der eigenartigen Natur- verhältnisse und des Klimas der Färöer ausgesetzt. Ganz anders mit der isländischen Weindrossel: sie ist ausgeprägter Zugvogel; hier scheint mir die wichtigste Bedingung für die Ausbildung einer besonderen Rasse zu fehlen, wenn man nicht wirklich annehmen will, dass die isländischen Weindrosseln, obgleich sie Zugvögel sind, nie oder doch nur selten „neues Blut“ nach Island bringen, denn wenn es selbst nur ab und zu vorkommt, dass in jedem Falle die jüngeren Vögel im Winteraufenthaltsort sich mit anderen Wein- drosseln zusammenschliessen und mit ihnen nach Island ziehen, wie können da mögliche lokale Einwirkungen Gelegenheit finden sich zu befestigen ? Noch eins: Sharpe’s neue Art ist, soviel ich verstehe, auf zwei(?) Exemplare begründet, beide im Sommer während oder un- mittelbar nach der Brutzeit geschossen, also in abgeblasstem Feder- kleide; seine Unterscheidungskennzeichen sind gerade „blassere Farben.“ Ich brauche nur an den in die Augen fallenden Unter- schied zwischen 7. pilaris und T. musicus in frischem und in abgeblasstem Federkleide zu erinnern. — Es wird gewiss nicht immer so „leicht“ sein, nach dem Balg zu bestimmen, ob eine Weindrossel auf dem Wege nach Island oder nach Skandinavien gewesen ist. Dies nur als vorläufige Bemerkung. Ich hoffe, dass sich mir Gelegenheit bieten wird, die Sache auf praktischem Wege zu beleuchten. K. Andersen. O. Haase. Aufzeichnungen. Soeben teilt mir Herr Sondermann-Paossen mit, dass ihm vor einigen Tagen ein Männchen der Spatelente, Fuligula islandica, zum Ausstopfen eingeliefert sei, welches bei Nemonien am Kurischun Haff erlegt war. Besagter Herr will das seltene Stück der hiesigen Vogel- warte nächstens zur Ansicht einschicken. Ich werde dann über Datum, Masse, Färbung, Art der Erlegung etc. in diesen Blättern nähere Angaben bringen. Das fragliche Stück wäre meines Wissens das erste in Deutsch- land erbeutete Exemplar dieser dem arktischen Amerika und Island an- gehörenden Entenart. — J. Thienemann, Rossitten, Kur. Nehrung d. 5./4. 02. Dan - Bet ee Die folgenden recht bescheidenen Notizen aus verflossenem Herbst und Winter dürften vielleicht einiges Interesse beanspruchen, da sie sich teilweise auf zeitlich anormales Vorkommen einiger Spezies in hiesiger Gegend beziehen. Garrulus glandarius (L.) trat verflossenen September in unge- wöhnlich grosser Anzahl auf. Vom 20. dieses Monats an sah man mehrere Wochen lang fast täglich, besonders in den Morgenstunden, kleinere und grössere Züge bis zu 60 Stück meist von Süd-Ost nach Nord-West streichen. Viele blieben in Waldungen, wo die Eicheln gut geraten waren, zurück. Der Zug wird wobl auf Nahrungsmangel, Miss- wachs der Eicheln in östlichen Gegenden zurückzuführen sein. Am 13ten Oktober hörte ich bei recht schönem Wetter Brithacus titys (L.) und Emberiza citrinella L. ihre einfachen Strophen ziemlich anhaltend singen. Ein Sperling trug Nestmaterial ein. Grus cinerea Bchst. kam im Oktober häufig zur Beobachtung, die meisten jedoch am 30ten genannten Monats bei Wind von Nord-Ost. Der Zug bestand aus sicherlich 300 Individuen. Überhaupt scheinen an diesem Tage viele Kraniche gezogen zu sein, da noch an verschiedenen, einige Stunden entfernten Orten Züge bemerkt wurden, die teilweise nicht mit den von mir gesehenen identisch sein können. Am iten December war Vanellus vanellus noch zahlreich vor- handen. Schwärme von hundert und mehr hielten sich auf Brachäckern auf, die infolge anhaltenden Regens sehr nass waren und stellenweise unter Wasser standen. Die Kiebitze werden sich dort nur von Regenwürmern genährt haben, die wegen der Nässe an die Erdoberfläche kamen, da auf solchen Äckern sonst ja wenig zu finden ist. Einige Wochen später bemerkte ich auch häufig Buteo vulgaris Beh. an solchen Stellen, der offenbar auf Regenwürmer jagte, wie denn auch einer, den ich am 30ten December schoss, nur solche, einen Ohrwurm und Erde im Magen hatte. — Am l4ten December beobachtete ich die letzten Vanellus (13 Stück). In der Nacht auf den 26ten Januar fielen einige Centimeter Schnee; am 26ten besuchte ich ein berieseltes Wiesenstück, das natürlich schnee- frei war. Turdus pilaris L. und Sturnus vulgaris L. trieben sich dort in grossen Schwärmen umher. Motacilla alba L., die ich übrigens den ganzen Winter hindurch bemerkte, hatte sich in sieben Exemplaren eingefunden, desgleichen Anthus pratensis (L.), von dem ich 30 bis 40 Stück wahrnahm. Schliesslich zeigte sich zu meinem grössten Erstaunen auch eine Pratincola rubicola (L.), anscheinend ein junges J. Das kleine Ding sah zwar etwas plusterig aus, wippte aber doch ganz munter mit dem Schwänzchen und hüpfte von einem Grasbüschel zum andern. Motacilla melanope Pall. war diesen Winter nur selten zu sehen. — H. Freiherr Geyr von Schweppenburg, Bedburg, Rheinland. Der sonst in ornithologischer Beziehung recht dürftige letze Winter hat eine bemerkenswerte Bereicherung der Fallsteinornis gebracht. Vor Weihnachten wurde in den Wäldchen bei Deersheim ein Flug Kreuzschnäbel beobachtet, die sehr zutraulich waren. Ein vom Gutsjäger Kniep erlegtes, vom Förster Scaloud ausgestopftes Exemplar erwies sich als Loxia EN NB pithyopsittacus (Bechst.); es ist ein grosses, sehr starkschnäbeliges Stück. Bisher fehlte es noch an jedem Nachweiss des Vorkommens des Kiefern- kreuzschnabels für das Fallsteingebiet. Die Gesamtzahl der für das Gebiet nachgewiesenen Species stellt sich auf 216. — P. Dr. Fr. Lindner, Osterwieck a./Harz. Die Waldschnepfen zogen in diesem Frühjahre viel zahlreicher durch als in früheren Jahren; die erste wurde am 22. März erbeutet. Die Jäger unterscheiden bestimmt 2 ‚‚Arten‘‘ die „kleine‘ und die „grosse“ oder der „Eulenkopf;“ erstere zieht früher durch als die letztere und scheint die nördlichere Form darzustellen. -—— Fr. Lindner, Osterwieck a./Harz. Schriftenschau. [ Um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornitholögischen ) Monatsberichten“ zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbständig erscheinenden Arbeiten ] ist Preisangabe erwünscht. Reichenow. Bulletin of the British Ornithologists’ Club No. LXXXVII. März 1902. Dr. Sharpe beschreibt eine neue Taube aus Argentinien: G@ym- nopelia morenoi. Derselbe schlägt Änderungen für die folgenden Gattungs- namen vor: Aethostoma nom. nov. für Trichostoma Blyth 1842 nec Pictet 1834, Setaria Blyth 1844 für Malacopterum Eyt. 1839 nec Malacopterus Sw. 1835, Nesobates nom. nov. für Oxylabes Sharpe 1870 nec Forst. 1856, Heroxenicus nom. nov. für Drymochares J. Gd. 1868 nec Mulsant 1847. — Dr. Bianchi schlägt für den Namen Siti- parus Oates 1889 nec Selys 1884 den neuen Namen Z’roparoides vor. — W. v. Rothschild beschreibt Aheinardius ocellatus nigrescens n. subsp. von Malacka. H. F. Witherby, Bird Hunting on the White Nile. A. Natura- lists Experiences in the Soudan. London 1902. Der Verfasser schildert in sehr unterhaltender Weise seine Erleb- nisse während einer mehrmonatigen Reise am weissen Nil südlich Char- tum, von Omdurman bis El kawa, wobei zahlreiche Beobachtungen über Verbreitung und Lebensweise der Vögel eingeflochten sind. Am Schlusse wird eine Liste der gesammelten und beobachteten Vögel und Säugetiere gegeben. Eine Skizze des Reisweges und eine Reihe von Lichtdrucken, Aufnahmen von örtlichen und Reisevorkommnissen, Bilder von Eingeborenen, erhöhen den belehrenden und unterhaltenden Wert des Buches. R. Ridgway, The Birds of North and Middle America: A deserip- tive catalogue of the higher groups, genera, species, and subspecies Bag of birds known to occur in North America, from the Arctie Lands to the Isthmus of Panama, the West Indies and other Islands of the Caribbean sea, and the Galapagos Archipelage. Part 1. Family Fringillidae. Washington 1901. (Smithsonian Institution. Bulletin of the Un. St. Nat. Mus. No. 50). Ein neues Handbuch der Vögel Nordamerikas ist mit Freude zu begrüssen, da das grosse, vor 20 Jahren erschienene Werk von Baird, Brewer u. Ridgway durch die riesigen Fortschritte der nordamerikanischen Vogelkunde während der letzten Jahrzehnte bereits recht lückenhaft gewor- den ist. Das neue Werk, das nun auch noch Mittelamerika umfasst, ist sehr umfangreich angelegt, wie sich daraus ergiebt, dass der vorliegende, über 700 Seiten umfassende Band allein die Finken, 389 Arten, behandelt. Sehr ausführlich ist die Synonymie bei jeder Art behandelt; die Be- schreibungen sind kurz und treffend und enthalten sehr sorgfältige Mass- angaben, indem die Grenzen der Grössenschwankungen und die Durch- schnittsgrössen angeführt sind; die Verbreitung ist ebenfalls möglichst kurz, aber erschöpfend dargestellt. Von Schilderungen der Lebensweise ist abgesehen. 20 Tafeln enthalten erläuternde Zeichnungen von Schnabel-, Fuss-, Flügel- und Schwanzformen als Gattungskennzeichen. — Eine un- geheure Arbeit steckt in diesem Werke, zu deren Bewältigung wir den Verfasser aufrichtig beglückwünschen. K. Russ, Der Kanarienvogel. Seine Naturgeschichte, Pflege und Zucht. 10. Auflage. Mit drei Farbendrucktafeln und zahlreichen Textbildern. Bearbeitet von R. Hoffschildt-Berlin. Magdeburg 1901. — 2,60 Mark. Ein Buch, das in 10 Auflagen erscheint, spricht für sich selbst. Auch in der vorliegenden Neubearbeitung ist besondere Sorgfalt auf ein- fache und klare Darstellung aller für Pflege, Fütterung, Zucht und Aus- bildung des Kanarienvogels wichtigen Anweisungen verwendet. Vermehrt ist die neue Ausgabe durch die Abschnitte „Einbürgerungsversuche, Über- winterung des Kanarienvogels im Freien,‘ „Unser Kanarienvogel in China.“ W. Robinson and Ch. W. Richmond, An annotated list of birds colleeted in the vieinity of La Guaira, Venezuela. (Proc. Un. St. Nat. Mus. XXIV. 1901 S. 163 — 178). Aufzählung von 83 Arten mit Angaben über örtliche Verbreitung, bei vielen auch die landläufigen Namen. Microcerculus pectoralis wird neu beschrieben. S. A. Buturlin, Die Wildgänse des Russischen Reiches mit Beschreibungen neuer Formen. Tula 1901. (In russischer Sprache). Ein Bestimmungsschlüssel ist der Übersicht angefügt. Neu beschrieben sind Anser rhodorhynchus und carneirostris. Für A. mentalis Oates und Verwandte wird die neue Untergattung Melanonyx aufgestellt. Lortet et Gaillard, Les oiseaux momifi6s de l’ancienne Egypte. (Compt. rend. Ac. Sc. Paris CXXXIM. 1001. S. 854—857). Be Te 38 Arten werden aufgeführt, deren Mumien in altägyptischen Gräbern nachgewiesen sind. Dabei muss aber darauf aufmerksam gemacht werden, dass in der Liste Milvus aegyptius neben Milvus regalis aufgeführt ist, Buteo desertorum neben B. vulgaris, Falco babylonicus, barbarus, feldeggi und saker, Cerchneis cenchris und tinnunculus, Circus aeruginosus, cyaneus, macrurus und pygargus genannt werden. Wie es möglich war, die einander so ähnlichen Arten an den Mumien mit Sicherheit zu bestimmen, wird von den Verfassern nicht angegeben. O0. Reiser und J. Knotek, Ergebnisse der ornithologischen Zugbeobachtungen in Bosnien und Hercegovina. (Wissensch. Mit- teilungen aus Bosnien und der Hercegovina VIII. 1901. S. 470 — 586). Die mitgeteilten Beobachtungen sind an 33 Orten in Bosnien und der Hercegovina gesammelt. Um die Beobachtungen nicht zu zersplittern, sind sie auf eine kleinere Auswahl von Arten, die in einer Liste den Mitarbeitern bezeichnet wurden, beschränkt worden. Die vorliegende Ver- öffentlichung der eingesandten Aufzeichnungen betrifft den Zeitraum von Herbst 1897 bis Herbst 1900. Frühjahrs- und Herbstzug jedes Jahres sind besonders behandelt, und zwar sind die Aufzeichnungen zunächst unter den Namen der einzelnen Arten mitgeteilt, sodann in einem Zug- kalender nach der Zeitfolge zusammengestellt. In beiden Fällen sind Bemerkungen über Witterungsverhältnisse, besondere Wahrnehmungen über den Zug, Beobachtungen über Benehmen der Wanderer angefügt. Der Wert der Arbeit liegt zunächst nur in dem Sammeln eines für spätere Benutzung wichtigen Materials. Ergebnisse werden erst zu gewinnen sein, wenn die hier vorliegenden Aufzeichnungen mit den früher ein lange Reihe von Jahren hindurch in Deutschland gesammelten und den gleich- zeitig in Ungarn, Österreich und Bayern erhaltenen Beobachtungen ver- glichen und bearbeitet werden können. Ss. A. Buturlin, Synoptische Tabelle der Jagdvögel des Russischen Reiches. St. Petersburg 1901. (In russischer Sprache). Schlüssel zum Bestimmen der Schwimm- und Stelzvögel. G. Janda, Weitere Berichte über den Rötelfalken in Süd-Mähren. (Ornith. Jahrb. XII. 1902 S. 49— 56). Der Rötelfalk wurde im Eisgruber Walde nistend gefunden. G. Gaal de Gyula, Der Phalaropus lobatus (L.) in der Vogelfauna des Balaton-See. (Aquila VII. 1901 S. 295 —296). Ein Ph. lobatus wurde vom Verf. in der Nähe des Balatonsees am 27. September 1900 erlegt. J. S. Whitacker, Further Information on two recently des- cribed Species of Passerine Birds. (Ibis (8.) II. 1902 S. 54—59 T.. II u. ID). Über Acredula sicula und Saxicola cummingt. Beide abgebildet. Druck von Otto Dornblüth in Bernburg. N N gi Ornithologische Monatsberichte herausgegeben von Prof. Dr. Ant. Reichenow. X. Jahrgang. Juni 1902. No. 6. Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. Anzeigen 20 Pfennige für die Zeile. Zusendungen für die Schriftleitung sind an den Herausgeber, Prof. Dr. Reichenow in Berlin N.A. Invalidenstr. 43 erbeten, alle den Buchhandel betreffende Mitteilungen an die Verlagshandlung von R. Friedländer & Sohn in Berlin N.W. Karlstr. 11 zu richten. Ornithologische Notizen aus „St. Hubertus‘ 1899 und 1900. Von 0. Haase. (Vergl. 0. M. 1900 8. 145—153 u. 161 — 165.) Über den Nutzen der Veröffentlichung von Mitteilungen aus Jagdzeitschriften zum Zwecke wissenschaftlicher Verwertung bin ich recht widersprechenden Urteilen begegnet. Während von der einen Seite dieses Vorgehen als zweckdienlich anerkannt wurde, sind von anderer Seite abfällige Urteile laut geworden, die sich auf die Unzuverlässigkeit derartiger Berichte stützen, weil die Förster und Jagdfreunde häufig nicht über genügende ormitho- logische Kenntnisse verfügen. Von dem Herrn Herausgeber dieser Zeitschrift dazu aufgemuntert, bin ich zu dem Entschluss gekommen, mit der Veröffentlichung fortzufahren, doch bin ich insofern gründ- licher zu Werke gegangen, als ich sämtliche Nachrichten, die mir ohne weiteres zweifelhaft erschienen, unberücksichtigt liess. Für die Auslese, wie ich sie nachstehend bringe, kann ich natürlich auch keine Gewähr der Wahrheit übernehmen. Um aber Inter- essenten die Möglichkeit der Nachprüfung zu sichern, werden die Namen der Beobachter oder Berichterstatter, wenn möglich auch deren Adresse — soweit diese vermerkt waren — voll wieder- gegeben. Zu Notizen, bei denen dies nicht möglich war, wird vielleicht die Redaktion des „St. Hubertus“ in Köthen (Anhalt) durch Angabe der Adresse des betr. Referenten oder dergl. nähere Auskunft erteilen können. Diese Vorsicht erheischen eigentlich nur die Berichte von der Erlegung seltener Vögel, besonders der Raubvögel, welche die Förster gewöhnlich am wenigsten bei richtigem Namen kennen. Andere Mitteilungen, z. B. biologischer Natur, können, selbst wenn absichtliche oder unabsichtliche Ent- stellung anzunehmen wäre, der Wissenschaft weniger schaden, weil eigene Beobachtungen auf diesem Gebiet in solchen Fällen viel leichter Wahrheit von Dichtung unterscheiden lassen. Immer- hin erscheinen auch sie mir wertvoll, schon wegen der Anregungen zu Beobachtungen verschiedener Art, Terrassen nsentar NSFir,,; I AD LE SEP [ 9 1902/ ; ry MAEY?, Se Spielarten. Turdus merula L. Seit etwa zwei Jahren werden wiederholt im berliner Tier- garten gescheckte Exemplare der Schwarzdrossel beobachtet. Jetzt zeigen sich diese auch im Innern der Millionenstadt. Auf dem alten Sophienkirchhofe nistete im vergangenen Jahre ein Paar, dessen Weibchen gescheckt war, von den fünf ausgebrachten Jungen waren zwei ebenfalls bunt. Einer einzelnen schwarzweissen Schwarzdrossel begegnet man häufig im Humboldthain. Eine ganz weisse Drossel ist ständig im Gartengesträuch bei den städtischen Krankenhäusern an der Ebertsbrücke. In der ersten Zeit konnte sich der Albino mit den schwarzen Kollegen nicht vertragen, jedoch ist jetzt der Friede hergestellt und nimmt der weisse an den regelmässigen Fütterungen teil. — (XVII. Jahrg. 8. 94). In den Privatgärten Dresdens, in der Nähe des mit Amseln reich bevölkerten sogenannten Palaisgartens, hat jetzt bereits im 4. Jahre eine aussergewöhnliche Amsel ihren ständigen Aufenthalt, welche eiuen vollständig weissen Kopf und Hals besitzt und bei welcher auch der Schnabel nicht die gelbe, sondern eine fast weisse, graue Färbung zeigt. Allem Anschein nach hat sich diese abnorme Färbung auch weiter vererbt, denn man bemerkt jetzt eine grössere Anzahl Amseln mit einzelnen weissen Flecken, namentlich sind mir zwei Stück mit ganz weissen Flügeldecken bekannt, und seit letzter Mauser ist auch eine weitere mit weissem Kopf, aber ohne weissen Hals vorhanden, dagegen habe ich noch keine weitere mit der abnormen Färbung des Schnabels entdecken können. Noch will ich hinzufügen, dass sich alles dies nur auf Vögel männlichen Geschlechts bezieht, bei weiblichen habe ich derartige Farb- abweichungen noch nicht gesehen. — M. Krause (XVII. Jahrg. S. 149/50). Am 20. Juni 1900 fing ich in unserer Gemeindejagd eine schneeweisse junge Amsel mit hellroten Augen. Ich nahm dieselbe mit nach Hause, um sie aufzuziehen, was mir jedoch nicht gelang, da sie nach 4 Tagen einging. Ich habe dieses seltene Exemplar präparieren lassen. Als Kuriosität sei angeführt, dass ich zwei Tage darauf noch zwei junge Amseln sah, welche jedoch schon besser flugbar, aber ebenfalls ganz weiss waren. — Josef Weiss, Kukan, (X VIII. Jahrg. S. 458). Motacilla alba L. Am 10. Februar 1900 bemerkte ich ein Bachstelzenpaar, von denen eine ganz schwarz gefärbt war, nur die zwei Schlussfedern im Schwanze zeigten weisse Farbe. — F. in B. B. (X VIII. Jahrg. S. 123.) Emberiza calandra (L.). In Schallern bei Horn (Westfalen) beobachte ich seit einigen Tagen eine reinweisse Wiesenammer, ferner einen Buchfinken, der einen weissen Schwanz hatte, — Kl. (XVIII. Jahrg. S. 52.) Passer domesticus (L.). Bei einem Futterplatz erscheint häufiger ein hellgefiederter Sperling. Bei seinen Genossen scheint sich der abnorm gefärbte Geselle keiner besonderen Gunst zu erfreuen, da er stets nur dann zufliegt, wenn die übrigen Besucher des Futterbrettes nicht da sind. — Rostock, 18. Febr. 1899. K. (XVII. Jahrg. S. 121). Im Herbst 1898 beobachtete ich in Leipzig vor der neuen Börse ein Sperlingsmännchen im gewöhnlichen Farbenkleide, aber mit einer ziemlich grossen Haube auf dem Kopfe wie beim Kakadu, was ganz eigentümlich aussah. Der Sperling hüpfte kaum 10 Schritte von mir entfernt auf der Strasse herum. — Bl. (XVII. Jahrg. S. 163). Sturnus vulgaris (L.) Auf den sogenannten Eschichwiesen des Ortes Schönberg bei Markneukirchen (Königreich Sachsen, Amtshauptmannschaft Oelsnitz) hält sich gegenwärtig ein Flug Stare auf, unter welchen sich ein ganz schneeweisses Exemplar befindet. — M.S. (X VII. Jahrg. S. 458). Lanius collurio (L.). Im Sommer 1899 schoss ich in der Flur Volkenroda einen jungen weissen Würger, dessen Eltern rotrückige Würger waren. Derselbe war vollständig weiss mit Ausnahme der Schwanzfedern. — H. v. B. (XV. Jahrg. S. 600). Hirundo rustica (L.). Ich beobachtete eine ganz schneeweisse Schwalbe (Art ?), die sich seit etwa 8 Tagen hier an der Mosel mit den anderen aufhält. — Trarbach (Mosel) 17/9. 1899. H. Sch. (XVII. S. 541). Im Jahre 1887 hielt sich den ganzen Sommer hindurch ein schneeweisses Schwalbenweibchen in dem Städtchen Beverungen a. d. W. auf. Dasselbe kam auch dort seinem Brutgeschäft in einer Tenne nach, jedoch waren die Nachkömmlinge zum Teil nur mit weissen Schwingen versehen. Das Schwalbenmännchen war eine Rauchschwalbe. — A. Glindemann, Hagen (Westf.) (XVII. Jahrg. S. 556/7). Tetrao teirix (L.). Am 27. August 1899 hatte ich das Glück, in Hassel bei Rotenburg einen weissen Birkhahn zu erlegen. Ich schoss den- selben aus einer Kette von vier Stück; der Hahn zeigt als Grundfarbe ein weisses Gefieder mit schwarzen Sprenkeln und Flecken, wie es ähnlich bei Hühnern zuweilen vorkommt. Leider war der abnorm Gefärbte gerade in der Mauser und hatte infolge- dessen kein Spiel mehr, jedoch zeigen die bereits vorhandenen neuen kleinen Spielfedern auch eine vollkommen weisse Farbe. Der Hals bis zur Brust ist ebenfalls ganz weiss. Ich habe den Hahn sofort nach München-Gladbach zum Ausstopfen gesandt. — L. S. in K. (XVIl. Jahrg. S. 512). 6* — 88 — Perdix cinerea (Lath.). Seit zwei Jahren wird im hiesigen Gemeinderevier ein ganz weisses Rephuhn beobachtet. Das Eigentümliche daran ist aber, dass das Huhn im Winter die gewöhnliche Farbe der Rephühner annimmt und im Frühjahr immer wieder weiss vermausert. — Kukan (Böhmen). J. W. (XVII. Jahrg. S. 9). Im Jahre 1898 wurden auf den Kobelniker Gütern bei Kruschwitz, Kreis Inowrazlaw, dem Herrn von Willamowitz-Möllen- dorf gehörig, drei ganz weisse Rephühner erlegt. — S. (XVII. Jahrg. S. 121). Ende November 1899 schoss der Gastwirt Thur aus Jano- witz (Kreis Znin, Prov. Posen) ein vollständig weisses Rephuhn. — M.S. (XVII. Jahrg. S. 52). Verbreitung. Nucifraga caryocatactes (L.) Nucifraga macrorhyncha (Brehm). Gelegentlich eines Pürschganges am 27. September 1900 nach- mittags, hatte ich Gelegenheit, einen Tannenhäher, den ersten in diesem Jahre, zu beobachten. Derselbe befand sich in einem ca. 60 jährigen Kiefernstangenholz am Boden nach Nahrung suchend. Am 6. Oktober sah ich den dritten Häher; auch diesen traf ich auf dem Erdboden herumhüpfend an; da ich gern wissen wollte, worin die Nahrung dieser Vögel besteht, so erlegte ich diesen. Im Magen fanden sich Überreste von kleinen Heuschrecken, Flügel- decken von Käfern und Reste von behaarten und unbehaarten Raupen vor, Sämereien gar nicht. Sämtliche Vögel waren sehr vertraut, man konnte bis auf einige Schritte herangehen. — A. i. d. Uckermark, Rüdiger. (X VIII. Jahrg. S. 587). Am 3. Oktober 1900 sah ich auf meinem Revier einen Tannen- häher, den ich zum Ausstopfen erlegte, er gehörte der spitzschnäb- ligen Form an. Am 6. Oktober sah ich fast an derselben Stelle im Revier weitere 4 Exemplare von Ost nach West auf kaum 30 Schritte an mir vorüberstreichen. — Oscar Schinner, Forsth. Eleo- norenthal (R. j. L). (X VIII. Jahrg. S. 587). Am 18. Oktober 1900 habe ich ein Exemplar des Tannen- hähers in einem Fichtenbestande beobachtet. Von verschiedenen Seiten sind derartige Vögel vom 1. bis ca. zum 12. Oktober in diesem Revier häufiger als im Vorjahre gesehen worden. Ein Exemplar wurde erlegt. 1899 trat der Zug erst zu Anfang des November ein. Es wurden 1899 zwei Tannenhäher, einer am 2, und einer am 5. November gesehen; im allgemeinen viel weniger als dieses Jahr. — Kunnersdorf (sächs. Schweiz). K. (XVIII. Jahrg. S. 613). Der Tannenhäher zeigt hier eine merkwürdige Vertrautheit. So sah ich hier ein Exemplar mitten in den Anlagen der Stadt. A a A a u En et a en EN ce ee Be ee u Sl Als ich nun am 31. Oktober 1900 zu einem bekannten Herrn ging, hatte derselbe einen Tannenhäher in dem Kräheneisen ge- fangen, nachdem er vergeblich mehrere Tage versucht hatte, einem Pärchen dieses in unserer Gegend so seltenen Vogels anderweitig beizukommen. — Göttingen, G. Heinze. (XVII. Jahrg. S. 627). Am 27. Oktober 1900 wurde in unmittelbarer Nähe von Tübingen in Württemberg ein Exemplar des Tannenhähers, Nue:- fraga caryocatactes, in einem etwa 40jährigen, lichten Eichen- bestande mit Fichtenunterwuchs erlegt. Der Vogel hüpfte ganz vertraut auf einem Wege etwa 20 Schritte vor Jägern und Hunden umher. Erst als ein Herr seinen Hund hinschickte, um ihn appor- tieren zu lassen, flog er auf den nächsten Baum, von dem er dann heruntergeholt wurde. Bei näherer Besichtigung ergab sich, dass Schlund und Schnabel des seltenen Gastes vollgestopft waren mit den grünen Raupen einer Eulenart. Zirka 10 solcher Raupen konnten noch fast unversehrt hervorgezogen werden. — Kork aus W. (XVII. Jahrg. S. 668). Nyctea scandiaca (L.) Der Sohn des Gutsbesitzers Kolkmann in Lüdersburg (Lüne- burger Heide) schoss in Grossenort eine Schneeeule. Das prächtig gefiederte Tier klafterte 160 cm. — (XVIIL Jahrg. 8. 138). Agquila chrysaetus (L.) Der Privatförster Pogurski aus Peterkau, Kreis Rosenberg (Westpreussen) erlegte in der Zeit vom 16.—21. Dezember 1898 einen Steinadler von 2,4 m Flügelspannweite.e — (XVIl. Jahrg. SE10)): Brenken (Westfalen) 28. Dez. 1899. Hierselbst erlegte Förster Schmedding einen Steinadler, welcher 3 m klaftertee — (XVII. Jahrg. S. 11). Der Förster Dauer-Karwinden (Ostpreussen) erlegte am 15. Januar 1899 einen starken Steinadler, dem er schon seit mehreren Tagen nachgegangen war. Der Vogel hatte auf dem Kiehnbruch tüchtig unter dem Wilde aufgeräumt. Es ist dies der dritte Stein- adler, welcher im Zeitraum von 2 Jahren in diesem Revier erlegt wurde. — (XVII. Jahrg. S. 53). Landshut (Bayern) 11. Febr. 1900. Den 64. Steinadler hat der Oberjäger des Prinzregenten, Leo Dorn in Hindelang (bayr. Allgäu) erlegt. — (XVII. Jahrg. S. 109). Ostpreussen. Förster Tutlewski zu Gr.-Jauth (Kr. Rosenberg) erlegte am 24. April 1900 bei der Krähenhütte einen Steinadler, welcher eine Flügelspannung von 1,75 m besass. Der Adler stiess bereits nach dem Uhu, als T. diesen noch auf der Hand hielt und er ihn auf der Jule befestigen wollte. Dies kommt gewiss nicht oft vor. — Am 18. Mai 1900 hatte der Förster Daus zu Kerwinden das Glück, in seinem Revier auf dem Scharnitt einen Steinadler zu erlegen. Das Tier hatte 1,65 m Flügelspannung. D. hat be- SEN Fe reits eine ganze Anzahl Adler in seinem Aufsichtsbezirk erlegt. — M. S. (XVIII. Jahrg. S. 613). Der Konservator Zimmer, Hirschberg (Schles.) erlegte am 23. Okt. 1900 auf der westlichen Lehne des Landshuter Kammes einen Steinadler, ein herrliches Männchen. Der Vogel war gut bei Leibe, aber sein Magen fast leer. Die Spannweite beträgt 2,15 m. Ich nehme an, dass das Tier von den Karpaten herüber- gewechselt ist, gegenwärtig halten sich auch wieder mehrere Schrei- adler in genanntem Gebiete auf. Hirchberg i. Schl. — Georg Krause. (XVIII. Jahrg. S. 640). Der Forstaufseher H. Kraienhorst in Dankern bei Haren a. d. Enıs fing am 7. Nov. 1900 einen Steinadler. Derselbe klafterte 2,25 m. — (XVII. Jahrg. S. 654). Der kgl. Förster R. Theile erlegte bei Zeuthen (nahe Berlin) einen Steinadler mit 2,5 m Klafterung. — (XVIU. Jahrg. 8. 712). Circaetus gallicus (Gm.) Einen starken ganz weissen Schlangenadler von 1,80 m Flügelweite fing in einem Pfahleisen der fürstliche Adjunkt G. Klopper in Samechow in Böhmen. Diese wertvolle Abnormität wurde den Trophäen des erzherzogl. Schlosses zu Herrnstein ein- gereiht. (XVII. Jahrg. S. 276.) Gypaötus barbatus (L.) Ein Patznauner Schafhirte in der Gerichtsalpe Verwall bei St. Anton am Arlberg (Österreich) hat am 7. September durch eine selbsterfundene Mauerfalle einen Bartgeier lebendig gefangen. Die Falle war nach Art der alten Maueröfen geformt mit einem gemauerten, verengten Schlupfloch. Als Köder diente ein verendetes Schaf, das in die Falle gethan wurde. Der Raubvogel konnte durch das Schlupfloch wohl hinein, aber aus demselben nicht mehr her- auskommen. Der respektable, sehr seltene Vogel hat eine Höhe von 1,2 Meter und eine Flugweite von 2,5 Meter; er befindet sich in dem Gasthause „zur Post“ in St. Anton in Gefangenschaft. — (XVII. Jahrg. S. 560). Tetrao urogallo-tetrix. Der Herzogl. Jäger Theodor Neuner in Pertisau (Tirol) erlegte am 29. Mai 1900 auf der Ladizalpe im Revier Hinterriss auf der Spielhahnbalz ein prächtiges Exemplar eines Rackelhahnes. Der- selbe zeigt vorherrschend in seinem Gefieder den Auerhahn - Cha- rakter. Er wurde nach Coburg gesandt, um dem dortigen Hof- Museum einverleibt zu werden. — (XVIII. Jahrg. S. 346). Syrrhaptes paradoxus (Pall.) Ein Exemplar des Steppenhuhnes wurde am 2. ds. Mts. von einem Erbpächter auf der Feldmark von Vipperow erlegt, als der- ==. selbe auf Krähen schoss. Vor 11 Jahren wurden auch hier in Mecklenburg grosse Flüge von Steppenhühnern beobachtet. Man hoffte damals, wie überall in Deutschland, dass diese asiatischen Gäste irgendwo zum Brüten gelangen würden, doch hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Innerhalb des letzten Jahrzehnts wurden sonst in Mecklenburg Steppenhühner nicht wieder beobachtet. — Rostock, 6. Mai 1899. O. (XVII. Jahrg. S. 266). Franken. Der Inspektor Carl Beck in Weimarschmieden erlegte auf dortiger Gemeindejagd ein Steppenhuhn. — (XV. Jahrg. S. 561). s (Schluss folgt.) Das häufige Vorkommen von Filarien in Zanius collurio. Von J. Thienemann. Bei einer ornithologischen Exkursion, die ich im Sommer 1887 mit meinem Freunde Fr. Lindner in der Umgegend von Halle a./S. unternahm, schoss Lindner ein altes Weibchen von Lanius collurio.. Durch den Schuss war die eine Schädelhälfte blossgelegt worden, und aus der Wunde quoll förmlich ein ganzer Ballen runder, weisser Würmer hervor, die uns Herr Prof. Taschen- berg als Filaria nodulosa freundlichst bestimmte. Seit der Zeit achtete ich beim Vogelpräparieren genauer auf diese Würmer, nahm auch Gelegenheit, eine Anzahl rotrückiger Würger speziell zu untersuchen und fand gar bald heraus, dass diese Vogelspezies ganz unverhältnismässig mit diesen Schmarotzern behaftet ist. Es waren immer zwei Stellen, wo sich die Würmer vorfanden : unter der Kopfhaut in der Ohrgegend und in der Brusthöhle am Herzen. An ersterer Stelle lagen sie oft wulstartig und quollen beim Überziehen der Haut förmlich hervor. Dabei merkte man nie, dass die Wirtstiere etwa irgendwelche Krankheits- oder Schwächezustände zeigten. Die nachfolgende Tabelle, die sich ausschliesslich auf Lanius collurio bezieht, zeigt, dass von 19 untersuchten Vögeln 13 mit Filarien behaftet waren. Was unsere übrigen Würgerarten betrifft, so vermag ich nur über Lanius excubitor die Angaben zu machen, dass von ungefähr 12 untersuchten Exemplaren ein einziges, ein altes ©, einen 7 cm. langen Faden- wurm am Hinterkopfe trug. Nr. Fundort u. |Anzahlder Datum. | Geschlecht. | Würmer. 1. Halle a./S. 2 Ein ganzer Ballen Würmer in 1887. Q der Ohrgegend sitzend. 2. Zei teils unter der Haut in der Ohr- 14./5. nz ca. gegend, teils am unteren Ende 1889. ) der Luftröhre sitzend. {er} Fundort u. Geschlecht. Zeitz. 6) Zeitz. 6) Zeitz. Q Zeitz. 6) Zeitz. Zeitz. 6) Leipzig. 6) Leipzig. ° Leipzig. 6) Elsterwerda. Q Walter- nienburg. Deuben bei Leipzig. J „ Anzahlder Würmer. 12 18 DD 92 Keine Filarien, dafür 1 Ein- geweidewurm gefunden. in der Ohrgegend. in der Brusthöhle. in der Brusthöhle. Nichts gefunden. 3am Hinterkopfe, darunter einer von 9 cm. Länge; 4 in der Brust- höhle. 1 Eingeweidewurm. Nichts gefunden. 10 am Hinterkopfe, 2 in der Brusthöhle. 3 am Hinterkopfe 1 in der Brusthöhle. Mehrere Exemplare waren 7-8 cm. lang. Keine Filarien. 2 Eingeweide- würmer. Unter der Kopfhaut und in der Herzgegend. Unter der Kopfhaut in der Ohr- gegend. Mehrere Filarien am Hinter- kopfe und in der Herzgegend. Nichts gefunden. Nr. Fundort u. |Anzahlder Datum. Geschlecht. | Würmer. 17. Rossitten, 3./8. | Kur. Neh- d Am Hinterkopfe. 1896. rung. 9 18. 2./8. 3 1 In der Ohrgegend. 1897. 19. | Deuben bei 21./8. Leipzig. _ Nichts gefunden. 1897. | juv. Rossitten, Kurische Nehrung. Eine Saatkrähenkolonie. Von Ed. Neubauer. Südlich vom Pregel ziehen sich von Insterburg bis zu der durch die grossen Pferdemärkte bekannt gewordenen kleinen Stadt Wehlau Privatgüter des Herzogs von Anhalt hin. Die wogenden Getreidefelder werden von kettenartig zusammenhängenden Wäldern unterbrochen. Abgeschlossen werden diese im Westen durch einen isoliert dastehenden, nur einige qkm. grossen Kiefernbestand. Jahre hindurch war dieser Teil des Waldes, dessen herrlicher Moosteppich uns Jungen eine herrliche Unterlage zu unsern Raufereien bot, von den grössern Vögeln fast gänzlich gemieden. Nur ab und zu nistete auf dem hervorragenden Ast einer Riesen- eiche ein Nebelkrähenpaar, uns leider unerreichbar. Ausserdem wohnte im Astloch dieses Baumes alljährlich eine Starfamilie. Saatkrähen zeigten sich gewöhnlich nur als Gäste. Wie erstaunte ich aber, als ich nach mehrjähriger Abwesenheit 8 bis 10 Nester dieser Vögel auf den Kiefern fand. Niemand achtete jedoch auf die wenigen Tiere. Viele freuten sich sogar, dass sie sich häus- lich niedergelassen hatten, da sie doch nützlich sein sollten. So brüteten sie ungestört, zogen nach beendeter zweiter Brut schon im Juli, spätestens im August davon, um zeitig im Frühjahr mit ihren Kindern und Reisegefährten verzehnfacht an Zahl wieder- zukehren. -- So war nach einigen Jahren ihre Menge schon so gross, dass man auf sie aufmerksam wurde. Ich entschloss mich nun auch, mit einem Freunde der Kolonie einen Besuch abzustatten. Wir wohnten etwa 6 km. von der- selben ab. Überall zeigten sich diese schwarzen Vögel. Hie und da hatte man einige geschossen und auf dem Felde an Stangen befestigt. Man wollte sie dadurch von der Saat abhalten. Das hatte aber nur für die Krähen selbst einen Nutzen; denn wie mir Jäger berichteten, waren die verschmitzten Vögel dadurch so vor- sichtig geworden, dass sie nie mehr erlegt werden konnten. SETIORN Bald vernahmen wir das Geschrei der Krähen, das, näher konımend, geradezu betäubend klang. Der Kiefernbestand glich einem gewaltigen Bienenkorbe. So geschäftig wie diese Insekten, sah man die „Raben“ (so nennt das Volk die Krähen dort) hin- und herfliegen. Der geschwollene Kehlsack bei einzelnen Vögeln sagte uns, dass sie ihren Jungen Futter zutrugen Wohl machten sich einzelne Krähen, welche das noch vollbefiederte Gesicht als junge verriet, auf den Bäumen bemerkbar, von den Nestern war jedoch nichts zu bemerken. Das Geschrei lockte uns tiefer in den Wald hinein, und wir befanden uns in einem dichten Gestrüppe, bestehend aus Brom- und Himbeergesträuch, aus welchem sich zu stattlicher Höhe einzelne Kiefern erhoben. Auf diesen befanden sich nun die Nester. Scheinbar ganz lose waren sie hauptsächlich aus dürren Zweigen schutzlos gegen Wind und Wetter auf ver- hältnismässig schwachen Ästen angebracht. Auf einigen Bäumen zählten wir bis zehn Horste. Selbst die kleineren Bäume, die man bequem schütteln konnte, trugen mindestens ein Nest. Von dem Kot waren einzelne Kiefern ganz weiss. Auf dem Boden lag er in solcher Menge, dass der niedere Pflanzenwuchs vollständig unterdrückt wurde. So etwa dachte ich mir die Brutplätze der Wandertaube, und nur einmal habe ich etwas Ähnliches gesehen: einen Reiherstand auf einer Seeinsel Masurens. Von uns nahmen die Vögel keine Notiz. Ruhig blieben sie auf dem Nest sitzen, und liessen sich auch nicht von demselben heruntertreiben, wenn wir mit dem Stocke gegen den betreffenden Baum schlugen. Sie schienen dagegen alle im südlicher gelegenen Teil der Kolonie etwas ganz Besonderes vorzuhaben, woher das Geschrei in ent- setzlicher Weise zu uns herüberklang. Folgend dem Skandal, bemerken wir, wie eine Schar dieser Vögel wütend einen Sperber verfolgte, der bei seiner Streife wohl nur seinen Weg abkürzen wollte und nun mit Mühe und Not unter Zurücklassung einiger Federn und vielleicht auch einiger Blutstropfen den Schnäbeln der schwarzen Bande entging. Doch auch dies ist nicht der Grund ihres Unwillens. Bald kommen wir dahinter. Ein Mann (wie er sagte, beauftragt durch den Amtsvorsteher), bewaffnet mit Steig- eisen, klettert von Baum zu Baum, um die Nester systematisch zu zerstören. Als ob die Vandalen gehaust hätten, so sah es aus. Unten lagen ganze Nester, zerschlagene Eier, ganz kleine und halbflügge Junge. Ein Knabe war damit beschäftigt, die Tiere zu töten und zu sammeln. Eifrig unterstützt wurde er in diesem Mordgeschäft durch einen Terrier, der hauptsächlich die Krähen herbeischleppte, die sich in das Gestrüpp verkrochen hatten. Oben plusterten die Vögel fortwährend vor dem Schreckensmanne davon; die er erreichen konnte, wurden getötet und zur Erde geworfen. Einige recht fette Krähen verschwanden in einen Sack, um von ihm verspeist zu werden. „Sie schmecken wie junge Tauben,“ sagte er uns. Auch ich nehme ein getötetes Tier mit, um es mir zubereiten zu lassen. Wohl schmecken junge Tauben man: denn doch anders! Doch ist es immerhin verwunderlich, dass arme Leute nicht mehr Gebrauch von diesem gedeckten Tische machen. — Über den Bäumen schwärmten die Krähen in unzähl- baren Scharen klagend um ihre geraubten Kinder umher. — Man müsste nun wohl annehmen, die Vögel hätten den Ort, wo ihr Glück zerstört wurde, für immer verlassen. Scheinbar thaten sie dies auch, doch nur, um sich etwa 100 m. weiter von Neuem anzusiedeln. Bereits waren auch hier schon einige Nester fertig. Der hervorgestreckte schwarze Schnabel aus einigen der- selben sagte uns, dass einige Vögel bereits wieder brüteten. Andere waren noch mit dem Bau ihrer „Häuser‘‘ beschäftigt. Ungeniert brachen sie zu diesem Zwecke die nötigen Zweige von den Bäumen; andere brachten Moos, Heu und Wolle herbei- geschleppt. Dass ein Waldhüter hier einige Flintenladungen ins Blaue feuerte, störte sie kaum in ihrem Geschäft. Nicht 50 Schritte von dem Schützen entfernt hausten sie so vergnügt, als ob sie . wüssten, der tapfere Jäger träfe sie nicht. Dass eine solche grosse Zahl von Vögeln eine ungeheure Menge Nahrung gebraucht, ist klar. Es lässt sich nicht leugnen, dass sie manchen Nutzen stiften. Doch geht der Schaden, den sie verursachen ins Unermessliche. Ich selbst habe gesehen, dass sie sämtliche Eier aus einem Rephuhnnest in wenigen Sekunden ver- zehrten. Ebenso beobachtete ich, wie sie nicht weit von meinem Fenster vier junge Lerchen wegschleppten. Das Fell und die Überbleibsel junger Hasen, von denen mein kleiner Hund sehr oft Krähen verscheuchte, klagen jene Räuber ebenfalls an. Ein alter Hegemeister klagte mir häufig die Armut jener Gegend gerade an Hasen und Rephühnern. Ich habe ausserden gefunden, dass es sehr wenig Lerchen in jener Gegend gab. Zum Vorteil gereicht den schwarzen Burschen ihr scheinbar harmloses, dummes Aussehen. So konnte es vorkommen, dass sie einem kleinen Besitzer sämtliche junge Küken raubten. Als er dahinter kam, war es aber mit Vorbeugungsmassregeln zu spät. Die Leute standen dieser grossen Vogelmenge ratlos gegenüber. Um sie aus- zurotten oder zu vertreiben, gab man die absonderlichsten Rat- schläge. Ob und wie sie ausgeführt sind, ist mir nicht bekannt. Gewiss ist aber, dass die Vögel, wie immer im Hochsommer, ver- schwanden, um beutelustiger denn zuvor im Frühjahr zurückzu- kehren und zum Ärger der anwohnenden Leute bei Tage und bei Nacht ihren herzzerreissenden „Gesang“ hören zu lassen. DR ge Passer hispaniolensis transcaspicus subsp. Nov. Von V. v. Tschusi zu Schmidhoffen. gd im Frühlingskleid: Auffallend verschieden von süd- europäischen Stücken durch helle Farbentöne. Weiss-, bez. rost- gelblich überflogenes Weiss auf dem Rücken stark hervortretend; Säumung der Flügel- und Schwanzfedern sehr licht. Von Transkaukasien (Lenkoran) an ostwärts verbreitet. Schriftenschau. | Um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornithologischen Monatsberichten‘‘ zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbständig erscheinenden Arbeiten | ist Preisangabe erwünscht. Reichenow. — Bulletin of the British Ornithologists’ Club. LXXXVII. 16. April 1902. R. B. Sharpe berichtet über Vorkommen von Culandrella acu- tirostris in Ost-Afrika, beschreibt Mirafra pallida n. sp. von Damara, ähnlich M. africana, und M. yrisescens n. sp. von Matebele, ähnlich M. africana, und begründet auf Spizocorys personata die neue Gat- tung Aethocorys. — W. v. Rothschild beschreibt Oestrelata wortheni n. sp., im Stillen Ocean nahe den Galapagosinseln gefangen. — E. Hartert und E. Hellmayr beschreiben Platyrhynchus nattereri n. sp. vom Rio Madeira in Brasilien, ähnlich P. griseiceps. G. Th. Klatt, Über den Bastard von Stieglitz und Kanarien- vogel. (Archiv. f. Entwickelungsmech. d. Organisre. XII. 3. u. 4. Heft 1901). Sehr eingehende Untersuchungen von äusseren wie inneren Eigen- schaften der genannten Bastarde. Der Verfasser gelangt zu den Ergeb- nissen, dass Bastarde einander nicht gleichen, dass Übereinstimmung mit einer der elterlichen Formen nicht vorkommt, oft aber eine An- näherung an solche, dass die Schwankungen in den Eigenschaften sich innerhalb der von den Eltern gegebenen Grenzen halten und dass die Eigenschaften der Eltern in dem Bastard vereinigt, in der Regel aber neben einander liegend, nicht mit einander verschmolzen auftreten. Das Gelb des Kanarienvogels vereinigt sich nicht mit dem Farben des Stieg- litz zu einer Mischfarbe, sondern beide Farben bleiben deutlich getrennt. Endlich stellte Verf. noch das Auftreten von Rückschlägen fest, indem Eigenschaften an den Bastarden vorkommen, die den Eltern fehlen, die aber in der Gruppe, der die Vögel angehören, hier also der Familie der Finken, verbreitet sind. V. v. Tschusi-Schmidhoffen, Über paläarctische Formen. (Ornith. Jahrb. XIII 1902 S. 68 - 72). On N 7wei neue Formen werden unterschieden: Oinclus cinclus britan- nicus von Grossbritanien und Upupa epops loudoni von Transkaspien. F. E. Beddard, Notes upon the Osteology of Aramus scolo- paceus. (Ibis (8.) Il. 1902. S. 33 — 54). Die eingehenden Untersuchungen über den Knochenbau bestätigen die Ansicht Fürbringers, dass Aramus in die Familie der Gruidae zu stellen ist. C. E. Hellmayr, Beschreibung von zwei neuen brasilianischen Vögeln. (Verhandl. zool. bot. Ges. Wien 1902 S. 95—98). Neu: Attila nattereri, ähnlich A. validus, und Ihamphocaenus sticturus, ähnlich Rh. melanurus. P. L. Selater, On two recently discovered Additions to the Genus COalliste. (Ibis (8) I. 1901 S. 595—597 T. XD. Nachweis der Schriften über die Gattung Callisie, Beschreibung und Abbildung von ©. emiliae und johannae. G. Hagmann, Der Zoologische Garten des Museu Goeldi in Parä (Brasilien), mit besonderer Berücksichtigung der Tierbeschaffung. Frankfurt a. M. 1901. Mit der Begründung des Museums, im Jahre 1893, ist gleichzeitig ein botanischer und zoologischer Garten angelegt worden. Verf. schildert den Garten in seinem gegenwärtigen Zustande, seine Bauten, den Tier- bestand, die Tierpflege und Verwaltung und gebt ausführlicher auf die Tierbeschaffung ein, auf den Tierhandel, Fänger und Fangweisen und die Sammelreisen, die von den Beamten des Museums zum Zwecke der Tierbeschaffung und Ergänzung unternommen werden. In anziehender Weise ist dabei auch der Aufenthalt und die Lebensweise der Tiere in der Freiheit, namentlich auf der Insel Marajö, geschildert. C. E. Hellmayr, Über einige Arten des Genus T’hryophilus. (Verhandl. zool. bot. Ges. Wien 1901. S. 767 -- 776). Nachprüfung von Thryophilus leucotis (Lafr.), Th. albipectus (Cab.) und Nebenarten, wobei Th. a. bogotensis neu beschrieben wird, Th. minor (Pelz.), Th. hypoleucus Berl. Hart., Th. superciliaris (Lawr.), Th. longirostris (Vieill.) und Nebenarten. O0. Herman, Vogelschutz. (Aquila VIII. 1901 S. 205— 214). Bespricht die Ursachen der Abnahme der einheimischen Vogelwelt (wobei der durch Sammler für wissenschaftliche Zwecke angerichtete Schaden uns allzuschwarz geschildert erscheint) und giebt von einen Erlass des kgl. ungarischen Ministers für Ackerbau Kenntnis, der den Schutz der nützlichen Säugetiere und Vögel in Ungarn regelt. W. Goodfellow, Results of an Ornithological Journey through Colombia and Ecuador. Part IV. (Ibis (8.) Il. 1902 S. 59—- 67). Fortsetzung der im Vorjahre begonnenen Arbeit, enthaltend Arten aus den Gruppen der Dendrocoluptidae, Formicarüdae und Pteroptochidae. RER Nachrichten. Am 3. April ist in Linz a. D. Andreas Reischek, Kustos am Museum Francisco-Carolinum in Linz, durch seine Reisen und auch als Schriftsteller auf ornithologischem Gebiet bekannt, nach längerem Leiden gestorben. Die 74. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte findet in Karlsbad am 21. bis 27. September d. J. statt. Geschäftsführer sind: Spitalsdireetor Dr. A. Herrmann und Stadtgeolog Ing. J. Knett in Karlsbad. Erklärung. Ich fühle mich veranlasst, zur Kenntnis zu geben, dass der Auf- satz in Heft 16 der ‚Woche‘ „Vogelmord in Italien“ diese sensationelle Überschrift ohne mein Wissen durch die Schriftleitung erhalten hat. Von mir war derselbe betitelt „die Vernichtung unserer Zugvögel in Italien im Lichte gerechter Beurteilung.“ Auch hat dieser Aufsatz viel- fach bedauerliche Änderungen und Streichungen erfahren, wodurch das Wesen des Ganzen besonders für den Fachmann beeinträchtigt worden ist. Laut Mitteilung der Schriftleitung sind die Correceturbogen zu spät zurückgekommen, wodurch es nicht mehr möglich gewesen wäre, meinen Wünschen Rechnung zu tragen. Ich werde den Aufsatz in seiner ursprünglichen Fassung demnächst nochmals in einem Fachblatte veröffentlichen. Hans Freiherr von Berlepsch. Sammler und Sammlungen. Von J. H. B. Krohn, Hamburg-St. Georg. (Fortsetzung von Seite 32). Philipp Kühne, Tapezier, Berlin O., Rüdersdorfer-Str. 12 11. Geboren 1858 zu Anklam in Pommern. Sammelt Vogeleier der paläarctischen Region, speciell europäische Arten, sämtlich in Gelegen. Begonnen wurde die Sammlung im Jahre 1873 und enthält jetzt 300 Arten in 2500 Eiern im Werte von ca. 1200 Mark. Es entfallen auf Raubvögel 450 Eier in 45 Arten, auf Krähenvögel 100 Eier in 10 Arten, auf Spechte 50 Eier in 6 Arten, auf Hühner 100 Eier in 10 Arten und auf Sumpf- und Wasservögel 550 Eier in 80 Arten. Die meisten Eier wurden von Kühne eigenhändig gesammelt und zwar von 1875 bis 1890 in Pommern und von 1890 bis 1900 in der Mark. S. Steenbock, Hofphotograph, Rostock in Mecklenburg. . Geboren 1821 in Flensburg. Sammelt seit 60 Jahren selbst ausgestopfte Vögel, vorzugsweise deutsche und ganz besonders mecklenburgische, die bis auf einige Selten- heiten fast vollständig beisammen sind. ee) re Otto le Roi, Pharmaceut, z. Zt. Seebad Cranz an der kurischen Nehrung, Ostpreussen. Geboren 1878 in Zweibrücken, Rheinpfalz. Mitglied des „Deutschen Vereins zum Schutze der Vogelwelt,“ des „Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg“ und des „Naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande, Westphalens und des Reg. Bez. Osnabrücks.“ Lieferte seit 1899 biologische und faunistische Arbeiten an die „Ornithologische Monatschrift des deutschen Vereins zum Schutze der Vogelwelt“ und an die „Ornithologischen Monatsberichte.“ Sammelt seit dem Jahre 1900 Vogelbälge der paläarctischen Region, daneben auch Eier, einzelne und in Gelegen und war selbstthätig in der Eifel (Rheinprovinz), in Mecklenburg und Ostpreussen. Die Balgsammlung umfasst gegenwärtig 180 Stück in 125 Arten, während an Eiern etwa 300 Exemplare in 65 Arten vorhanden sind. Eine Hauptzierde der Collection bildet ein altes @ im Prachtkleide von Chema sabinei (Sab.), am 9. August 1900 bei Malmedy (Rheinprovinz) erlegt. (S. Ornith. Monatsberichte 1901, S. 52). Otto Held, cand. pharm. et rer. natur., Rostock, neue Werderstr. 21. Geboren 1875 zu Lübtheen i. Mecklenburg. Mitglied des „Deutschen Vereins zum Schutze der Vogelwelt‘“ und des ‚Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg.“ Arbeiten: Einige Bemerkungen und Zusätze zu „Die Vögel der Grossherzogtümer Mecklenburg“ (v. Wüstnei und 6. Glodius) im „Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg,“ 56. Jahrg. 1. Abthl. S. 58—76. (Güstrow, 1902). Ernst Greverus, cand. jur., Rostock, Ludwigstr. 6. Geboren 1876 zu Schwerin in Mecklb. Sammelt seit 1895 Vogeleier, einzeln und in Gelegen von Raub-, Wasser-, Sumpf- und jagdbaren Vögeln Europas und speziell Mecklen- burgs. Die Sammlung enthält 260 Stück in 200 Arten zum Werte von 500 M. Es sind vorhanden: Laniidae 4, Corvidae 11, Strigidae 9, Vul- turidae 4, Falconidae 33, Columbidae 3, Tetraonidae 8, Phasia- nidae 6, Otididae 3, Gruidae 1, Ardeidae 9. Ciconiidae 2, Pluta- leidae 1, Ibidae 1, Pelecanidae 5, FPhoentcopteridae 1, Anatidae 23, Colymbidae 2, Podicipidae 5, Alcidae 8, Procellariidae 4, Laridae 22, Scolopacidae 2, Oedicnemidae 1, Glareolidae 1, Charadriidae 19 und Rallidae 5 Arten. Als bemerkenswert wird, ausser einem reinweissen Ei von Sierna hirundo und einem fast weissen von Scolopax gallinago, genannt Botaurus stellaris, das in einem Gelege von 5 Eiern zu sehr früher Zeit, am 18. April 1899, auf der Malchiner Feldmark (Mecklenburg) in einem kleinen Rohrkomplex gefunden wurde. Jack Gordon Me Haffie Gordon in Corsematzie, Whauphill, Wigtownshire, N. Be Geboren 1876 zu Torquay in Devonshire. Mitglied der „Entomological Society of London“ und ‚the British Field Club.“ — 100 — Arbeiten: einige Notizen in den Zeitschriften. Sammelte eigenhändig im Frühling 1900 auf Island, wobei er die Eier von 44 Vogelarten auf- fand, und war ausserdem in jedem Jahre in verschiedenen Gegenden Englands als Sammler thätig. Auch steht derselbe in Verbindung mit Sammlern in England, Island, Holland, Bulgarien, Süd-Africa, den Falk- land-Inseln, Süd-America, den Vereinigten Staaten und Canada. Gordon sammelt wissenschaftlich seit 1895 und zwar von allen Teilen der Erde: Nester kleinerer Arten, Bälge und ausgestopfte Vögel gelegentlich, Eier in Gelegen hauptsächlich. Die letzteren sind in 462 Arten und 3011 Stück vorhanden, von welchen hervorgehoben werden die Gruppen Raptatores, Grallatores und Natatores sowie die Eier von abnormer Form, Färbung und Zeichnung. 132 Exemplare Larus ridibundus illustrieren die verschiedenen Typen; ferner liegen vor: ungezeichnete blaue Numenius phaeopus und absonder- liche Abweichungen von Vanellus cristatus, Charadrius pluvialis und Larus argentatus. (Wird fortgesetzt.) Anzeigen. Im Laufe dieses Monats erscheint der Dritte Halbband der „Vögel Afrikas“ von Ant. Reichenow. (Verlag: J. Neumann, Neudamm). Der Band behandelt die Papageien, Paarzeher, Raken, Nashornvögel, Eisvögel, Bienenfresser und Verwandte, Nachtschwalben und Segler. Dem Bande sind drei Karten von Afrika beigegeben, auf denen alle bisher ausgebeuteten Fundorte eingetragen sind. Dazu Erläuterungen, alphabetisches Verzeichnis der Fundorte mit Angabe ihrer Lage auf den Karten und mit den Namen der Sammler. Ferner enthält der Teil fünf farbige Tafeln, auf denen folgende Arten abgebildet sind: Turacus schütti und emini, Podica senegalensis und camerunensis, Picathartes oreas und gymnocephalus, Macronyx fülleborni und aurantiigula, Penthetria psammo- cromia, Ploceus rufoniger, Symplectes tephronotus. 8 Jahrgänge des Journal für Ornithologie, 1890— 1897, vorzüglich erhalten, sind für 70 Mark zu verkaufen. E. v. Krakau, Münzen-Geschäft, Hamburg, Neuerwall 40. Eier mit Nesteiern von Cuculus canorus und auch von exotischen parasitischen Cueuliden wünscht zu kaufen oder gegen nordische Eier zu tauschen J. Ramberg, Materialienverwalter der Schwedischen Staats-Eisenbahnen Gothenburg. Druck von Otto Dornblüth in Bernburg. Ornithologische Monatsberichte herausgegeben von Prof. Dr. Ant. Reichenow. X. Jahrgang. Juli 1902. No. %. Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. Anzeigen 20 Pfennige für die Zeile. Zusendungen für die Schriftleitung sind an den Herausgeber, Prof. Dr. Reichenow in Berlin N.4. Invalidenstr. 43 erbeten, alle den Buchhandel betreffende Mitteilungen an die Verlagshandlung von R. Friedländer & Sohn in Berlin N.W. Karlstr. 11 zu richten. Brüten der Brandente (Tadorna tadorna L.) an der ostpreussischen Küste. Von Dr. F. Henrici. Wenngleich die Brandente für die Küsten West- und Ost- preussens keine ganz unbekannte Erscheinung ist, so war bisher ihr Brüten in diesen Provinzen meines Wissens mit Sicherheit nicht festgestellt. Dass die Ente hier anscheinend nicht Brutvogel sei, musste um so mehr auffallen, als die Ortlichkeit an diesem Teile der Ostseeküste zur Fortpflanzung für unseren V ogel wenigstens teilweise ebenso geeignet zu sein scheint, wie die holsteinische, mecklenburgische und vorpommersche Küste, wo die Brandente noch in neuerer Zeit an verschiedenen Stellen als Brutvogel nach- gewiesen ist. So fand sie Kretschmer in der Kolberger Heide nördlich Kiel an der Kieler Bucht (Ornith. Monatsschrift 1893 S. 206), H. Krohn an der Ostseeküste unweit des Wesseker Sees an der holsteinischen Küste (Monatsschrift 1899 8. 228), G. Clodius und C. Wüstnei auf der Insel Poel an der mecklenburgischen Küste brütend (Monatsschrift 1899 S. 233 und Journal für Orni- thologie S. 341), und ferner Clodius auf dem Darss (Monatsschrift 1896 S. 200), wo sie nach seiner Meinung wenigstens zu brüten scheint. Die Notizen über diese Ente aus West- und Ostpreussen beziehen sich lediglich auf ihr vereinzeltes Vorkommen überhaupt. So hat Boeck sie „aus der nächsten Umgebung Danzigs“ (Bericht 1849), und Hartert schreibt in dem „Versuch einer Ornis Preussens (Wien 1887) S. 48: „Nur einige wenige bei Pillau und ander- wärts erlegt; Angaben, dass sie auf der kurischen Nehrung brüte, haben zwar nichts Unwahrscheinliches an sich, bedürfen aber noch der Bestätigung.“ Dr. Floericke, der zwar diese Notiz Harterts so verstanden zu haben scheint, als ob nach Hartert das Brüten der Brandente auf der Nehrung nachgewiesen sei, hat sie auch dort nicht als Brutvogel feststellen können. Er giebt zwar an, dass der Präparator 7 xhsonan Inst N Irre ı7ıTal a, ) SEP | 9 1902, — 12 — Möschler im August 1895 eine Brandente im Jugendkleide auf der Nehrung erlegt hat, aber er schreibt dann weiter (Monatsschrift 1896 S. 59): „Allerdings führt sie bereits Hartert (Vorl. Versuch einer Ornis Preussens, Wien 1887) als Brutvogel auf der Nehrung an. Das ist aber entschieden ein Irrtum, und Hartert, der selbst die Nehrung nie besucht hat, ist in diesem Punkte jedenfalls falsch berichtet. Seit nunmehr acht Jahren ist die ornithologische Thätigkeit auf der Nehrung eine äusserst intensive, aber noch nie ist ausser dem August 1895 eine Brandente daselbst auch nur beobachtet worden, am allerwenigsten zur Brutzeit. Zu verwundern wäre ihr Nisten hier allerdings durchaus nicht, denn das Terrain erscheint für ihre Bedürfnisse wie geschaffen.“ Seine Angaben sind also im Wesentlichen dieselben wie die Harterts. Schliesslich müssen noch die ebenfalls in der Hauptsache negativen Feststellungen Dr. Fr. Lindners erwähnt werden. Er führt die Brandente in seinem Verzeichnis der Vögel der Kurischen Nehrung (Ornith. Monatsschrift 1895 S. 340) als „Zug- aber nicht Brutvogel“ auf, und er wiederholt diese Ansicht 1898 in dem Anhang zu seiner „preussischen Wüste“ (8. 70), wo er die Brandente als seltenen Durchzugsvogel für die Nehrung bezeichnet. Das westpreussische Provinzialmuseum in Danzig besitzt drei junge Exemplare der Brandente, und zwar ein Exemplar von Mewe (an der Weichsel, oberhalb Dirschau gelegen) vom 6. Oktober 1865 und die beiden anderen Exemplare von Danzig vom 23. und 30. September 1845. Diese beiden Letzteren wird Boeck vermutlich auf dem Markt in Danzig gekauft haben. Das Dunenjunge, welches die Sammlung enthält, stammt von Rügen. Nach meinen vorjäbrigen Erfahrungen halte ich es für ziemlich wahrscheinlich, dass die drei jungen Exemplare, die das Museum besitzt, auf denselben Brutplätzen gross geworden sind, die ich im November 1901 besucht habe. Eine unsichere Mitteilung über das Brüten der Brandente an der Danziger Bucht sowie die Thatsache, dass hin und wieder Brandenten im Jugendgefieder an der west- und ostpreussischen Küste geschossen sind, veranlassten mich im vergangenen Früh- jahr, mich persönlich nach diesem Vogel in der angegebenen Gegend umzusehen. Leider war es bereits zu spät dafür, um die Enten in ihren Bruthöhlen aufzusuchen, aber der eigentliche Zweck meiner Tour wurde doch erreicht, da ich das Glück hatte, ein Brandenten- pärchen mit einer Schar von 12 etwa 8 bis 12 Tage alten Dunen- jungen genügend zu beobachten und schliesslich auch ein Junges als Belegstück zu fangen, sodass der Nachweis für das Brüten dieses Vogels an der Danziger Bucht geliefert ist. Von dem am sog. Putziger Wieck gelegenen Städtchen Putzig ab nach Süden zu fällt die Küste teilweise in steilen Abhängen in Ser — 13 — die See ab, nur noch einen schmalen, mit Steinen übersäten Strand lassend. Hier, insbesondere zwischen dem hoch über dem Meere prachtvoll gelegenen Schloss Rutzau und dem Dorfe Oslanin, sind die Brutplätze der Brandente Nach Mitteilungen der mich be- gleitenden Fischer soll die Ente auch an der weiter südlich gelegenen Küste zwischen Mechlinken und Oxhöft ihre Bruthöhlen haben, und nach der Örtlichkeit zu schliessen erscheint mir dies wohl glaubhaft. Ich sah die oben erwähnte Brandentenfamilie bei dem einsam an der Bucht gelegenen Bauernhofe Beka auf dem kleinen kiesigen Delta, welches der Rhedafluss beim Einfluss in die Ostsee an seiner Mündung bildet. Es ist dies eine etwa 100 m. breite Halbinsel, die man wegen ihrer geringen Vegetation schon von weitem gut überschauen kann. Da das Wasser an dieser Stelle überall seicht, und der Untergrund teilweise schlammig ist, auch noch mehrere kleine Inselchen bei ruhigem Wasser aus der See hervortreten, so sieht man hier im Sommer und Herbst stets Möven, Wasser- läufer und Schnepfenvögel nach Nahrung suchen. Ich besuchte von dem Fischerdorfe Rewa aus mittels eines Segelboots zum ersten Male am 9. Juni 1901 diese ornithologisch höchst interessante Gegend. Schon von weitem erblickten wir an dem kiesigen Strande dicht am Wasser einzeln das $ und etwa 30 bis 40 Schritte seitwärts das zugehörige @ von der Brandente mit 12 jungen Entchen. Als wir näher kamen und die Enten- mutter gewahrte, dass wir uns für sie interessierten, lief sie quer über die Halbinsel hinweg, um an der anderen Seite ins Wasser zu kommen. Die Kleinen folgten im schnellen Lauf. Der Erpel, der ebenfalls zu Fuss das Weite suchte, wurde sogar von dieser behenden Schar überholt und watschelte hintennach. Die Fischer gaben es nun schon fast auf, ein Junges für mich zu erhalten, denn sie meinten, wenn die Kleinen erst im Wasser seien, so wäre nichts mehr zu machen. Wir beeilten uns nun, durch Stossen mit den Rudern das schwerfällige Segelboot möglichst schnell um die Halbinsel herumzubringen, um den Enten den Weg abzu- schneiden. Dies gelang uns indessen nicht ganz. Sobald die Entenfamilie das Wasser erreicht hatte, tauchten alle Jungen auf ein gegebenes Zeichen der Mutter, diese selbst zuletzt, unter und schwammen unter Wasser höchst eilig vorwärts. Dieses Tauchen und unter Wasser Schwimmen wurde mit ganz kurzen Pausen zum Luftholen fortgesetzt. Schliesslich konnten wir aber die Enten- mutter mit dem grössten Teile der Kleinen wieder auf das Land zurückdrängen. Der Erpel war inzwischen verschwunden, er war wohl weiter auf See geschwommen. Einige Junge indessen waren durch unsere Verfolgung versprengt, und wir versuchten nun eins derselben, welches besonders weit abgekommen war, zu ergreifen. Das war aber nicht leicht. Jetzt konnte ich mich, als wir dem Tierchen dicht auf den Fersen waren, zumal das Wasser völlig klar war, davon überzeugen, wie äusserst gewandt diese jungen Te — 14 — Dinger unter Wasser zu schwimmen vermögen. Wir konnten dem Tierchen nur mit Mühe folgen; da es aber, um Luft zu holen, von Zeit zu Zeit immer wieder an die Oberfläche kommen musste, so verloren wir es nicht mehr aus den Augen. Mit der Zeit war es aber denn doch wohl zu sehr erschöpft, und es gelang uns, das Entchen mit dem Ruder an das Boot heranzuziehen. Ich er- griff es nun und nahm es in das Boot, konnte es aber nicht aus der Hand lassen, weil es sonst über Bord gesprungen wäre, da es sich äusserst wild und aufgeregt zeigte. Schon ehe wir Rewa wieder erreichten, nach etwa 25 bis 30 Minuten, verendete es in meiner Hand, nachdem es während der ganzen Fahrt vergebliche Versuche gemacht hatte sich zu befreien. Den Balg besitze ich in meiner Sammlung. Kgl. Förster Eilert in Lindenbruch bei Kielau, der bis 1900 in Heisternest auf Hela stationiert war, teilte mir mit, dass die Brandente auch Brutvogel auf der Halbinsel Hela sei, dass er u. a. alljährlich ein Paar beobachtet habe, welches ganz in der Nähe seiner Försterei in den Dünen einen alten Fuchsbau bewohnt habe. Ich konnte im vorigen Jahre die Halbinsel Hela leider nicht auf mehrere Tage besuchen, die ich nötig gehabt hätte, um gehörig nach der Brandente zu suchen, und kann daher nicht aus eigener Kenntnis diese Angaben bestätigen, doch sind die mir gemachten Mitteilungen so bestimmt, dass nicht wohl ein Irrtum vorliegen kann. Ich hoffe aber das Versäumte noch später nachholen zu können. Ornithologische Notizen aus „St. Hubertus‘ 1899 und 1900. Von 0. Haase. (Schluss von S. 91.) Oygnus olor (Gm.). Ostpreussen. Am 19. März 1899 hatte der Bauunternehmer A. Moser, Göttkendorf (Kr. Allenstein), das seltene Glück, auf dem Zgniteck-See ein auf dem Zuge begriffenes Männchen des Höcker- schwans zu erlegen. Der Schwan hatte eine Flügelspannung von 2,34 m und wog 25 Pfund. M. S. — (XVIH Jahrg. S. 235). Cygnus musicus (Bchst.) Bayern. Auf einem See bei Grettstadt wurden von den Jagdpächtern Weber und Rückel aus Grettstadt 3 wilde Schwäne erlegt (März 1900). — (XVIII. Jahrg. S. 192). Larus leucopterus (Faber). Smolensk. Ende September 1900 brach bei uns ein starker, orkanartiger Schneesturm los, der sich erst am dritten Tag legte und strichweise kolossale Verwüstungen in den Wäldern anstellte. Über Nacht verschwanden die meisten, damals noch bei uns weilen- ‚og er a — 15 — den Zugvögel, wie Kranich, Sumpf-, Rohr- und Wiesenweihe, Möve, diverse Laubvögel, Drosseln u. s. w. Andere wurden wieder zu uns verschlagen und teilweise erlegt. So schoss ich z. B. ein prachtvolles Exemplar einer Polarmöve. Bis Mitte Oktober konnte man täglich grössere oder kleinere Flüge Zugenten auf unsern Gewässern beobachten, und wenn die Strecken auf die- selben auch nie besonders gross wurden, so waren sie häufig doch sehr interessant, da manches seltene Exemplar sie zierte. Falk. — (XVII. Jahrg. S. 9). Urinator septentrionalis (L.) Baden. Am 8. Dezember 1899 hatte unser Jagdhüter K. das seltene Glück, auf der Murg innerhalb der Gemeinde Nieder- bühl bei Rastatt einen Seetaucher, der Art nach ein Eudytes sep- tentrionalis, zu erlegen. Es ist dies ein echt nordischer Vogel und dürfte so weit südlich wohl nur selten angetroffen werden. Der Vogel wurde Herrn Präparator Martin Schelenz zum Aus- stopfen übergeben. Rastatt. — Sp., Leutnant. — (XVII. Jahrg. S. 25). Verbreitung, Wanderung. Fringilla montifringilla (L.) Aus dem Rhöngebirge. Am 27. Februar 1899 in der Mittags- zeit überraschte die Bewohner des Klosters Kreuzberg eine nach Tausenden zählende Wolke von Bergfinken, die sich hier zwischen Wirtshaus und Kloster niederliessen und Rast hielten. Ihr Auf- flug verursachte ein Geräusch wie das Abblasen eines Dampf- ventils. — (XVII. Jahrg. S. 163). Sturnus vulgaris (L.) Überwinternde Star. Für Freunde der Natur dürfte es immerhin von Interesse sein, zu wissen, dass auch in diesem strengen Winter wieder Stare, ungefähr 8 Paare, in den Gärten der königl. Charite zu Berlin überwintern. . Sie bewohnen die vom Anstaltsgärtner angebrachten Kästen und finden ihre Nahrung auf dem Futterplatz in der Nähe der Anstaltsküche. — (XVIII. Jahrg. S. 94). Überwinternde Stare. Trotz aller Kälte überwinterten hier die Stare, ungefähr 240 Stück, die fleissig gefüttert wurden und sich alle an den Futterplätzen einstellen. Baden-Baden. — (XVII. Jahrg. S. 123). Bombyeilla garrula (L.) Anfang Dezember 1900 erlegte Neckel aus Sparow (Mecklen- burg-Schwerin) mehrere Seidenschwänze aus einem Schwarm von gegen 30 Stück. — (XVIII Jahrg. S. 696). — 16 — Coturnix coturnix (L.). Vom Wachtelzuge. Infolge der Geländeverhältnisse ist die Wachtel bei Zengg kein Brutvogel, sondern sie kommt nur auf dem Durchzuge vor. Die Bora, ein kalter, trockener Nordost- oder Nordnordostwind, der mit gewaltigen Stössen vom Kamme des Küstengebirges zur See herabstürzt, wirkt auf den Zug der Wachtel hemmend ein. Nur bei Borawetter sind hier Wachteln zu finden. Aus meinen Beobachtungen ergiebt sich, dass die Wachtel — wie die meisten Zugvögel — mit dem Winde zieht. Im Frühjahr kommt sie also bei siroccalem Wetter. Tritt nun plötzlich Bora ein, so unterbricht sie ihre Wanderung, hält sich, solange die Bora dauert, zwischen den Steinhaufen des kahlen Karstbodens der Umgebung von Zengg auf und zieht erst ins Hinterland, nachdem die Bora abgeflaut ist. Umgekehrt ist es im Herbst. Eine leichte Bora wirkt auf den Zug günstig ein und nur bei sturmartiger Bora unterbricht die Wachtel ihre Wanderung. An solchen Tagen sind Wachteln in zahlreicher Menge zu finden — leider auch in der See, in den Strassen von Zengg etc., da sie sich an Häusern, Schiffsmasten u. dergl. anstossen. Der Frühjahrs- zug fiel 1899 in den Monat Mai und ich bemerke ausdrücklich, dass ich Wachteln nur an Boratagen vorfand. Der Herbstzug begann 1899 ausnahmsweise sehr zeitig. Die ersten trafen in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli ein. Es herrschte frische Bora. Die besten Tage sind solche, wenn nach Mitternacht heftige Bora ohne Regen eintritt. Am 24. August wurden die letzten Wachteln gesehen (1899). Prof. M. Marek, Zengg. — (XVII. Jahrg. S. 568/9). Perdix perdix (L.). Wandernde Rephühner. Die Rephühner sind nicht immer Standvögel, sondern sie treten mitunter auch als Zug- und Strich- vögel auf. Letzteres sind sie hauptsächlich da, wo strenge Winter herrschen und wo die Vögel zumeist auf. animalische Nahrung angewiesen sind, ohne eine Pflege zu geniessen. In Russland, Sibirien und in gebirgigen Ländern z. B. sind sie Zug- bezw. Strichvögel. Zumeist erscheinen die Zug- oder Strichhühner im November; aber auch schon im Sept. sind Strichhühner beobachtet worden, z. B. in den Rheinlanden, wo starker Weinbau getrieben wird, und in der Herzegovina, wo es grosse Sirakplantagen giebt. Hier ist die reichliche Äsung, z. Beispiel Weinbeeren, Moorhirse, fette Schnecken, für welche die Rephühner Vorliebe haben, die Ursache. Diese Hühner verweilen nur 8—14 Tage auf einem Orte und ziehen wieder weiter. Nach einem Bericht Andrö Nissen’s in Rostow a./Don stimmen die Wanderungen der südrussischen Rephühner mit denen der Waldschnepfe überein, was den Zeit- punkt anbelangt. Der Zug oder Strich findet nur auf gewissen Routen und Strecken statt, ausserhalb derselben ist von solchen Zügen nichts zu merken. Ihren Winteraufenthalt nehmen die ee — 17 — Rephühner tief unten im Kaukasus an der Küste des Kaspischen Meeres zwischen Kislar und Petrovsk, scheinen aber auch bis tief hinein nach Persien zu wandern. Dr. Hans Maria v. Kadich sagt über die Strichrephühner des herzegovinischen Karstgebietes, dass sie gegen Ende Sept. und Anfang Okt, wenn der Sirak (Moorhirse) noch steht, in Flügen von 20— 30 und mehr erscheinen, sehr scheu und merklich kleiner als die gewöhnlichen wären und weit über hohe Waldparzellen streichen. — In Kroatien-Slavonien sind in 40 Jahren nur dreimal Zughühner beobachtet worden, da- gegen werden Strichhühner im kroatischen Küstengebiet sehr oft gesehen. Ähnliches beobachten wir bei den Steinhühnern. In milden und schneefreien Wintern bleiben sie da, in strengen und schnee- reichen Wintern streichen sie jedoch. Prof. M. Marek, Zengg. — (XVIII. Jahrg. S. 549 —551). Am 30. November 1899 traf ich hier, wo Rephühner nie beobachtet wurden, in 620 m. Seehöhe ein etwa 30 Stück zählendes Volk an, das 3—4 Tage sich aufhielt und dann spurlos verschwand. Ich schoss einen Hahn, der normale Grösse aufwies. Oberau (bayr. Hochgebirge). Graf Löwenstein. — (X VIII. Jahrg. S. 587). Die Strichrephühner sind hier an der Seeküste in unmittel- barer Nähe von Zengg eingetroffen. Am 26. Oktober 1900 beob- achtete ich das erste Volk von 10 Stück. Prof. M. Marek. — (XVIll. Jahrg. S. 627). Wandernde Rephühner. Die Hühner bei Francikovac habe ich im September und Oktober öfters aufgefunden und erlegte davon 7 Stück. Nachdem ich die erlesten Exemplare genau unter- sucht und verglichen, bin ich in der Lage, zu berichten, dass sich dieselben von gewöhnlichen Rephühnern durch garnichts unter- scheiden. Auch ein bei Zengg erlegtes Strichrephuhn weicht von dem gewöhnlichen nicht ab. Das letzt erwähnte Stück hat auch Vietor Ritter von Tschusi zu Schmidhoffen vorgelegen, welcher nichts abweichendes zu erkennen vermag. Letztgenannter besitzt vom Semmering eine ganze Kette, die erfroren gefunden wurden und unter sich unglaublich variieren. v. Tschusi sah in Villa Tännenhof bei Hallein in Salzburg am 17./10. 1899 eine ziehende Kette von 8—10 Stück, sonst sind dort keine Hühner. Prof. M. Marek. — (XVII. Jahrg. S. 690). Columba palumbus (L.). Dr. F. Helm schildert in einem längeren Artikel die ver- änderte Lebensweise der Ringeltaube; in Anlage des Nestes etc. könne bei ihr ein ausserordentlicher Wechsel festgestellt werden, mehr oder weniger sei sie ausgeprägter Standvogel geworden; ihre Scheu habe sie mancherorts vollständig abgelegt und frei- willige Paarungen mit der Haustaube wären beobachtet worden etc. — (XVII. Jahrg. S. 212—214). — 18 — Ich habe seit Jahren in Oldenburg auch mitten im Winter stets Ringeltauben angetroffen. Vor einigen Jahren, als eine im Januar gefallene, ziemlich hohe Schneedecke hier wochenlang an- hielt, kamen die sonst so scheuen Tiere zu Dutzenden in die Gärten der Dörfer, um ihr Leben mit dem aus dem Schnee her- vorragenden Blätterkohl zu fristen. Diese Thatsache dürfte als Beleg dafür dienen, dass die Ringeltaube auch in strengen, schnee- reichen Wintern bei uns aushält. K. Härtel in R. — (XVII. Jahrg. S. 262). Botaurus stellaris (L.). Anfang Dezember 1898 hatte ich das für hiesige Gegend seltene Jagdglück, auf einem inmitten des Reviers vorkommenden, ca. 10 Morgen grossen Karpfenteich einen Polartaucher zu schiessen. Denselben müssen doch die Stürme und Witterungsniederschläge hierher verschlagen haben. — Ende desselben Monats hatte ich abermals das Glück, in einem ca. l5jährigen gemischten Bestande (Eiche, Kiefer u. s. w.) beim Durchgehen eine grosse Rohrdommel (Botaurus stellaris) zu schiessen. Merkwürdig ist, diesen Vogel in einem Waldteile anzutreffen, wo in der ganzen Gegend weder Wasser noch Sumpf ist. Forsthaus Heinzendorf, Kreis Wohlau (Schlesien). W. Franzke, Revierförster. — (XVII. Jahrg. S. 52). Orex pratensis (Bchst.). Am 19. Oktober 1900 schoss ich im Hochwalde vor dem Vorstehhunde einen Wachtelkönig, prächtiges Exemplar, der be- reits ein vollständig verfärbtes Wintergefieder angelegt hatte. Diekirch (Luxemburg) Dr. D. Pl. — (XVII. Jahrg. S. 613). Scolopax rusticola (L.). Herbst- und Frühjahrszug der Waldschnepfe 1898/99. Unter diesem Titel schildert Prof. M. Marek-Zengg in einem längeren Aufsatz den Schnepfenzug, wie er sich unter dem Einfluss des Wetters vollzieht. — (XVII. Jahrg. S. 170—172). Wettersturz und seine Folgen auf den Schnepfenzug. Eine interessante Studie von Prof. M. Marek-Zengg. Ist schon während des eigentlichen Zuges infolge Kälterückfalles stellenweise eine rückläufige Bewegung im Zuge der Waldschnepfe bemerkbar ge- wesen, so ist sie während des Wettersturzes allgemein wahrnehm- bar, und zwar strichen die Schnepfen aus dem Gebirge wieder in die Niederungen, andernteils von N. bezw. N. O. wieder nach 8. bezw. S. W., auf der Donau- und Dravestrasse von N. W. nach S. O., und dies ist das wichtigste Ergebnis vorstehender Unter- suchung. (Behandelt den Frühjahrszug 1899). — (XVII. Jahrg. Ss. 142—143). Die Waldschnepfe auf dem Herbstzuge. (Von Prof. M. Marek-Zengg). Im Frühling hält die Schnepfe gern gewisse Zug- Strassen ein, im Herbst aber nicht, d. h. im Herbst lassen sich — 109 — die Zugstrassen nicht nachweisen, weil die Schnepfe zuerst im Gebirge eintrifft, von wo sie erst später je nach der Witterung in die Niede- rungen herabstreicht. Im Frühling erscheint sie dagegen zuerstin den Niederungen und dann im Gebirge. Der Herbstzug dauert regel- mässig länger als der Frühjahrszug. — (X VIIL Jahrg. S. 596597). Vanellus vanellus (L.) Am 3. November 1900 beobachtete ich auf den Feldern Kunnersdorfs einen nach Nahrung suchenden Kiebitz, welcher sich auf dem Durchzug befand, während für gewöhnlich hier nie solche vorkommen, ebenfalls auf dem Frühjahrs- und Herbstzuge höchst selten. 1899 im März wurde ein männliches Exemplar erlegt. — Interessant ist, dass ein Exemplar des Zwergtauchers, Oolymbus nigricans, auf einem hier ca. 1 ha. grossen Teiche beobachtet und erlegt wurde. Auch dieser Vogel ist hier noch nie beobachtet worden. Kunnersdorf (Sächs. Schweiz). K. — (X VIII. Jahrg. S. 652). Anser anser L. Eine grosse Schar wilder Gänse, es mochten gegen 600 Stück sein, zog gestern durch unsere Gegend. Bockenem (Hannover) 20./10. 1900. — (XVII. Jahrg. 8. 614). Rheinprovinz. Noch nie habe ich so viele Züge von Wild- eänsen auf ihrer Wanderung nach dem Süden beobachtet, wie am Freitag, 19. Oktober 1900. Wir jagten auf den Höhen der Ahr- berge bei Altenahr. Das Wetter war trübe und regnerisch. In der Zeit von mittags 12 bis nachmittags 5 Uhr sahen und hörten wir 8 Züge, von denen einige eine ganz beträchliche Ausdehnung hatten. Eine Schar zog direkt über uns weg, gerade als ein Treiben beendet war und alle Schützen zusammenstanden, und zwar so niedrig, dass mehrere mit Drillingen versehene Schützen versuchten, mit der Kugel eine Gans herabzuholen. Das gelang zwar nicht; doch können die Kugeln auch nicht allzuweit daneben gegangen sein, denn die Keillinie geriet in grosse Unordnung, während die Gänse ein grosses Geschrei machten. W. (XVII. Jahrg. S. 627). Westfalen (Münsterland). Der Zug der Wildgänse hat begonnen, dagegen neigt der Raubvogelzug dem Ende zu. Dohnen- stiegergebnisse recht minimal. Ebenso ist der Herbstschnepfen- strich unbefriedigend. Havixbeck, 29. Oktober 1900. Jäger vom Harz. — (XVII. Jahrg. S. 627). Colymbus nigricans Scop. Vergl. Notiz bei Vanellus vanellus. Urinator arcticus (L.) Vergl. Notiz bei Botaurus stellaris. — 10 — Schriftenschau. [ Um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornitholögischen ) Monatsberichten“ zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbständig erscheinenden Arbeiten | ist Preisangabe erwünscht. Reichenow. J A. Dubois, Synopsis Avium. Nouveau Manuel d’Ornithologie. Fase. IX u. X. (Bruxelles 1901.) Mit den vorliegenden beiden Lieferungen IX und X schliesst der erste Band des Werkes ab. Er enthält die Gymnopaedes Sund. (die Nesthocker), beginnt mit den Psittaci und schliesst mit den Pseudoseines (Fam. Menuridae). Im ganzen sind 1357 Gattungen mit 9417 Arten und 2477 Nebenarten, also gegen 12000 Formen aufgeführt. Der Ver- fasser hat mit diesem mühevollen Werke ein Compendium der Ornithologie geliefert, wie es in gleicher Vollständigkeit und Zweckmässigkeit bisher nicht besteht. Jeder aufgeführten Art ist der Nachweis der Ursprungs- beschreibung, der Hinweis auf eine Abbildung, wo solche vorhanden, und die Verbreitung beigefügt. Es sind aber auch bei jeder Art die Synonyme angegeben, und wenn der Verfasser am Schlusse des zweiten Bandes ein alphabetisches Namenregister giebt — was wir dringend empfehlen möchten —, so wird ein ausserordentlich praktisches Handbuch geboten sein, das in keiner ornithologischen Bücherei fehlen darf und fleissig benutzt werden wird. Als sehr zweckmässig ist auch hervorzuheben, dass die Gattungen sowohl wie die Arten mit fortlaufenden Nummern versehen sind. — Folgende Namen sind vom Verfasser geändert worden, weil die bestehenden doppelsinnig waren: S. 212 Pachyrhamphus albogriseus var. salvin? Dub. = similis Salv. nec Cherr. — S. 238 Phyllomyias salvadorii Dub. — berlepschi Salvad. nec Sel. — 8. 276 Rhipidura devisi Dub. = albicauda De Vis nee North — 8. 286 Oryptolopha cebuensis Dub. — flavigularis Bourns Wore. nee Godw. Aust. — S. 869 Acrocephalns gouldi Dub. — lonyirostris Gould nec Gm. — Auf S. 711 ist Zosierops conspieillata var. saypani von Saypan (Mariannen) neu beschrieben. —- 12 Tafeln sind dem Bande beigegeben, auf denen 24 Arten abgebildet sind. H. Noble, Forty-four Day’s Nesting in Andalucia. (Ibis (8.) I. 1902 S. 67—89.) Brutzeiten und Nistweisen andalusischer Vögel. E. Teuwsen, Fährten und Spuren. Eine Anleitung zum Spüren und Ansprechen für Jäger und Jagdliebhaber. Mit Abbildungen nach der Natur gezeichnet von Carl Schulze. Neudamm. Für den Jäger, der seinen Wildstand zielbewusst schützen, hegen und beschiessen will, ist das wichtigste Erfordernis, den Bestand nach Art, Stückzahl, Geschleeit und Stärke zu kennen. Diese Kenntnis des Revieres sich zu verschaffen, bieten die Fährten und Spuren ein wesent- liches Hülfsmittel. Der Verfasser giebt eingehende Beschreibungen der — 11 — Fährten des Wildes und zwar sowohl des verschiedenen Geschlechtes und Alters, als der verschiedenen Gangarten und unterstützt diese Beschrei- bungen durch zahlreiche Abbildungen, die unter Aufwendung grosser Aus- dauer und Mühe nach der Natur aufgenommen sind. Selbstverständlich betrifft der Hauptteil des Buches die Fährten des Haarwildes, das in zwei Gruppen, Haarnutzwild und Haarraubwild, besprochen wird, aber auch die Tritte und Geläufe des Federwildes haben eine eingehende Berücksichtigung erfahren, und dieser Teil des Buches ist es, der auch den Ornithologen als anziehend und lehrreich empfohlen werden kann. Vom Federwilde sind dargestellt : Tritte und Geläufe des Auerwildes, Birkwildes, Haselwildes und Moorschneehuhns, des Rephuhns, der Wachtel und des Fasans, des grossen Brachvogels, Trappen, Kranichs, Storches und Fischreihers, des Höckerschwans, der Gans, Stockente und der Krähe. In solchem Umfange sind Vogelspuren noch nirgends dargestellt. Die daraus zu gewinnende Belehrung wird auch ausserhalb der heimatlichen Jagdgefilde mit Nutzen zu verwerten sein, da nach den dargestellten Typen die Spuren verwandter Vogelformen sich unschwer wieder erkennen lassen. A.R. Lnnıannnnannan H. E. Dresser, On some rare palaearctic Birds eggs. (Ibis (8.) II. 1902 S. 177—180 T. 6.) Mitteilungen über das Brutgeschäft und die Eier von Chettusia leucura (nach den Beobachtungen von Zarudny) und von Gallinago stenura (nach Popham). Die Eier der genannten Arten werden in mehreren Exemplaren abgebildet. Die Abbildungen sind nach einem Dreifarben- druckverfahren hergestellt und dürften als ganz ausgezeichnete zu be- zeichnen sein. W. Eagle Clarke, A month on the Eddystone: a study in bird-migration. (Ibis (8.) II. 1902 S. 246-269.) Der Verf. der vorliegenden Arbeit hielt sich vom 18. September bis 19. Oktober 1901 auf dem bekannten Leuchtthurm Eddystone, 15 Meilen südwestlich von Plymouth, zum Zweck des Studiums des Vogelzuges und der Vogelwanderung auf. Die vorliegenden Mitteilungen behandeln eine grosse Anzahl allgemeiner Fragen über den viel discutierten Gegenstand und berichten über viele Einzelheiten, die sich bei der Beobachtung des Herbstzuges ergaben. Clarke giebt eine Aufzählung der an den einzelnen Tagen — bezw. Nächten — seines Aufenthalts auf dem Leuchtthurm beobachteten Arten, auf einzelne derselben eingehend zurückkommend. Dabei werden eine Menge von begleitenden Nebenerscheinungen, die auf aussergewöhnliche Zugerscheinungen ein klärendes Licht zu werfen ge- eignet erscheinen, sachlich, ohne Vermutungen, erörtert. [Die vorliegende Arbeit enthält, wie die vielen früheren W. Eagle Clark’s über denselben Gegenstand, eine Fülle interessanten und wert- vollen Materials über das Wesen des Zuges. Sie sollte von allen den- jenigen, die sich mit den beresten Fragen beschäftigen, nicht weit aus der Hand gelegt werden. Die Arbeit beruht auf positiven Beobachtungen und hält sich von Vermutungen und generalisierenden Zusammenfassungen ee frei, welche die Mitteilungen unseres alten Gaetke nicht mit Unrecht discreditiert haben. ] G. Kolthoff, Till Spetsbergen och nordöstra Grönland. Natur- och Djurlifs Skildringar. Stockholm 1901. 8%. 22 S. 1 Karte und 56 Abb. C. W. Benson, Our Irish song birds.. 2. ed. London 1902. 8%. 222 8. J. H. Gurney, On Anser erythropus and its allies. (Ibis (8.) II. 1902 S. 269—275.) Die nahe verwandten Arten Anser erythropus, albifrons u. gambeli werden erörtert und für ihre Verschiedenheit wird einge- treten. Kurze Notizen über deren geographische Verbreitung. Hin- weise auf das Vorkommen von A. erythropus u. albifrons auf den britischen Inseln. J. A. Harvie-Brown, Further notes on the birds of the Outer Hebrides. (Ibis (8.) II. 1902 S. 275—278.) Seit dem Jahre 1888, in welchem des Verfassers Werk über die „Fauna of the outer Hebrides‘‘ erschien, wurden 19 Arten, darunter Sylvia nisoria u. subalpina, Lanius excubitor, Muscicapa parva, Chrysomitris spinus, Carduelis elegans, Linota rostrata, Corvus corone, Caprimulgus europaeus, Limosa belgica u. Pagophila eburnea, neu für die genannten Inseln nachgewiesen. Weitere 11 sp., welche in dem genannten Buche noch als zweifelhaft bezeichnet wurden, sind inzwischen sicher nachgewiesen worden. Dahin gehören u. a. Sylvia curruca u. hortensis, Asio otus, Anas clypeata, Mergus merganser und Columba turtur. Frank Finn [On various birds from Caleutta and Madras]. (Ibis (8.) II. 1902 S. 351—352.) Über das Vorkommen und Häufiger- bezw. Seltenerwerden einzelner Arten wie Tringa canutus u. crassirostris, Fuligula baeri, Eunetta felcata ete. H. E. Dresser [Note on Emberiza citrinella molessoni]. (Ibis (8.) II. 1902 S. 352.) Dresser weist nach, dass der von Zarudny gebrauchte Name Em- beriza citrinella molessoni, als dessen Autor von Homeyer bezeichnet wird, nicht existiert, und dass diese Subspecies, sofern sie überhaupt zu unterscheiden ist, als Emberiza citrinella erythrogenys Brehm (Vollst. Vogelfang p. 414) aufgeführt werden muss. A.J. North, Nests and eggs of birds found breeding in Australia and Tasmania. Second edition of Catalogue No. XII, entirely rewritten with additions. Part 1. 4%. Sydney 1901. — 13 — William Scott, Data on singing in birds — the acquisition of new songs. (Science XV. 1902 S. 178— 187.) A. J. North, Description of the nests and eggs of the painted Honey eater, Entomophila pieta Gould. (Victoria Nat. XVII. 1901 Ss. 29—31.) E. S. Seton, Bird portraits. With descriptive text by R. Hoffmann. London 1901. fol. H. A. Winkenwerder, Winter habits of the red headed wood- pecker. (Bull. of the Wiskonsin Nat. Hist. Soc. vol. 2. No. 1 Jan. 1902 S. 79— 85.) 0. V. Aplin, Further notes from Lleyn, West Carnarvonshire. (Zoologist 1901 S. 141— 150.) Enthält u. a. Mitteilungen über das Vorkommen mehrerer Exemplare von Tringa maritina, welche noch nicht für das Gebiet nachgewiesen wurde. Henry E. Harris, Essays and Photographs. Some birds of the Canary Islands and South Africa. London 1901. 8%. 212 8. Le Souöf, Descriptions of eggs of the Rainsbow-Pitta, Prita iris. (Vietoria Nat. XVII. 1901 S. 157—160.) Die Eier werden zum ersten Mal beschrieben. H. Schauinsland, Entwickelung der Eihäute der Reptilien und Vögel. (Hertwig, Handbuch der vergl. und experimentellen Entwickelungs- lehre der Wirbeltiere Liefg. 3. S. 139 — 223.) H. Butterworth, In the days of Audubon. A tale of the Pro- tection of Birds, with an appendix on the formation of Audubon societies. New York 1901. 8°. with illustrations. R. M. Strong, A quantitative study of variation in the smaller north-american shrikes.. (Am. Natural. Cambridge, Mass. 1901 28 S. mit 8 Figuren.) Thomas Southwell, On the breeding of the erane in East Anglia. (Trans. Norf. a Norw. Nat. Soc. VII. 1901 S. 160—170.) J. G. Millais [Note on Fuligula baeri]. (Ibis (8.) II. 1902 Ss. 163 — 164.) Über das Liebeswerben des Männchens dieser Art nach Beobachtungen im Zoolog. Garten in London. M. Farquhar [On a breeding place of Falco eleonorae in the mediterrean sea]. (Ibis (8.) II. 1902 S. 166--169.) — 14 — F. W. Styan [On two specimens of the rare Nycticorax magnifica]. (Ibis (8.) 11. 1902 S. 164.) Zwei Exemplare dieses seltenen Nachtreihers, welcher nur von der Insel Hainan bekannt war, wurden in der Anhwei Provinz, an den Ufeın des Yangtse gesammelt. Obituary — John Young, M. Courage, H. A. Macpherson, W. Doherty and L. M. d’Albertis. (Ibis (8.) I. 1902 S. 173— 176.) K. Loos, Einiges über einen Fundoıt von Krähenauswüıfen. (Ornith. Jahrb. VIII. 1902 S. 58-—-61.) Untersuchungen des Inhalts von Gewöllen der Nebel- und Saatkrähe. Von 32 Gewöllen enthielten 31 Steine ete., in 30 Fällen waren Getreide- reste vorhanden und zwar in 21 Fä!len voıwiegend solche. In 7 Aus- würfen wurden Mäusereste gefunden. F. von Lucanus, Die Höhe des Vogelzuges auf Grund aeronau- tischer Beobachtungen. (Journ. f. Ornith. 50. Jahrg. 1902 S. 1—9.) Gegenüber den Beobachtungen Gätkes, nach welchen bekanntlich die Vögel in sehr grossen Höhen, die bis 7000 Meter betragen sollen, ihre Wanderungen zurücklegen, weist der Veısasser auf Grund positiver Beobachtungen nach, dass der Vogelzug im allgemeinen noch innerhalb 1000 m relativer Höhe sich vollzieht. Auch in meteorologischer Hinsicht dürite dies zutreffend sein, da in dieser Höbe die Temperaturverhältnisse noch nicht jene gewaltige Abnahme zeigen, wie sie in grösseren Höhen heisscht. Auf Grund vielfacher Beobachtungen und Versuche wird ferner der Nachweis geführt, dass die Vögel zu ihrer Orientierung während des Zuges des freien Überblicks über die Erde bedütien. Die Bewölkung wird daher stets die Höhe des Vogelzuges beeinflussen müssen. Rob. Berge, Die Vogelsiedlung des Neusatzer Riedes in Ungarn. (Journ. f. Ommith. 50. Jahrg. 1902 S. 87 - 91.) O. Helms, Über Grönlands Vogelwelt. (Journ. f. Ornith. 50. Jahrg. 1902 S. 91—101.) H. Schalow [Über Erithacus cairii und dessen Beziehungen zu E. titis]. (Jouin. f. Ornith. 50. Jahrg. 1902 S. 122—124.) Heinroth [Ormithologische Beobachtungen vom Bismarck Archipel]. (Journ. f. Ornith. 50. Jahrg. 1902 S. 123—130.) H. Johannsen, Ornithologisches von der sibirischen Eisenbahn. (Ornith. Jahrb. XIII. 1902 S. 1—26.) Schilderung einer zum Zwecke der Erforschung der Wirbeltierfauna des Gebietes der sibirischen Bahn von Prof. Kastschenko in Tomsk unter- nommenen Exkursion, an welcher der Verf. als Ornithologe teilnahm. Der Ausflug währte vom 18. Juni bis zum 10. August und umfasste das — 15 — Gebiet zwischen den Stationen Tatarskaja und Krassnaja, d. h. in runder Summe ein Gebiet von 950 Werst. Die Mitteilungen enthalten biologisches Material und ändern die bis jetzt bekannten Grenzen der Verbreitung einzelner Arten im mittleren Sibirien nicht unwesentlich ab. C.. E. Hellmayr, Untersuchungen über einige paläarktische Vögel. (Ornith. Jahrb. VII. 1902. 8. 26--43). Mitteilungen über Parus montanus und communis, über Parus ater und Verwandte, über Acredula Arten und die Formen der Ring- drossel auf Grund von Untersuchungen des diesbezüglichen Materials aus den Sammlungen Arrigoni degli Oddi’s, von Tschusi’s, Reiser's und von Madaräsz’s. Die japanische Form der Tannenmeise, welche zwischen dem typischen Parus ater und pekinensis steht, wird als P. ater insularis abgesondert. H. Goebel u. N. Ssmirnow, Die Wintervögel der Murmankäüste. (Ornitb. Jahrb. VIII. 1902. S. 44 --49). Bisher lagen aus ornithologische Beobachtungen von der Murman- küste vom Sommer und Herbst vor. Die Verf. geben nun die ersten Mitteilungen über die während des Winters beobachteten Arten. Insgesamt 46 sp. Darunter finden sich u. a.: Parus lapponicus, Cinclus me- lunoyaster, Acanthis linaria und Corvus frugilegus. A. Bau, Ist der Kuckuck nützlich? Antwort auf die Loos’sche Kritik. (Ornith. Jahrb. VII. 1902 S. 61—65). Wendet sich gegen die Ausführungen von Kurt Loos (vergl. O. M. Ss. 44) und sucht das Unzutreffende derselben in entomologischer Be- ziehung nachzuweisen. R. Hänisch, Über den Winterkleid-Isabellinismus zweier in austro- adriatischen Lagunen erbeuteten Exemplaren von Anas boscas L. (Ornith. Jahrb. VIlI. 1902 S. 65—67). N. Zarudny, Über einen neuen Wasserschmätzer. (Ornithol. Jahrb. VIII. 1902 S. 57—53). Beschreibung von Cinclus bilkevitchi aus dem Altai. N. Zarudny, Über eine wenig bekannte Form von Zimberiza citri- nella L. (E. citrinella mollessoni Zard.). (Ornith. Jahrb. VIII. 1902 S. 58). v. Tschusi zu Schmidhoffen [O%s tetrax im Marchfelde brütend] (Ornith. Jahrb. VII. 1902 8. 72—73). Beobachtungen aus der Gegend von Ober-Siebenbrunn, Nieder- Oesterreich. Zarudny, G., Note sur Poecile salicaria neglecta Zar. et Härms. (Ann. du Mus. Zoolog. de l’Acad. imp. des Se. de St. Petersbourg. 1901 NIT No.2 8..XX). — 16 — F. Reinecker, Über Vogel- u. Menschengesang. Kritische Stimmen unter Anlehnung an Voigts Excursionsbuch. Königsberg 1901. gr. 8°. A. Bachmann, Einiges über das Vogelleben auf Island. Vier Wochen auf den Westman-Inseln. (Monatsschr. D. Ver. z. Schutze d. Vogelw. XXVII. 1902 S. 4—40 mit Tafeln und Abbildungen.) Schilderungen der Excursionen des Verfassers und mannigfache bio- logische Beobachtungen über die auf Island häufigeren Arten. Am Schluss wird eine Übersicht der für Island nachgewiesenen Vögel gegeben, welche 84 sp. umfasst, von denen 37 als häufige bezeichnet werden. M. Braess, Vogelstudien und Vogelgeschichten. Eine Sammlung ornithologischer Vorträge. Neue Folge. Leipzig 1901. 8°. C. O0. Both6n, Nytt find af Tartariska Jagtfalken (Falco sacer) i Sverige. (Akad. Stockholm 1900 S. 216 — 219.) Oliver Davie, Nests and eggs of North American birds. With a chapter on ornithologiecal and oological collecting. V. Edition, Re- vised and enlarged with 274 illustrations. New York, 8° 1901. Das Buch enthält Beschreibungen der characteristischen Lebenser- scheinungen aller nordamerikanischen Vögel mit besonderer Berücksich- tigung der geographischen Verbreitung und des Fortpflanzungsgeschäftes. H. Schalow. Nachrichten. Die für das laufende Jahr in Stuttgart geplante Jahresversammlung der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft hat auf Pfingsten nächsten Jahres verschoben werden müssen. Die diesjährige Versammlung wird in Berlin am 6. Oktober stattfinden. Anzeigen. Vogelbälge von Cypern iind zu beziehen durch Ch. Glaszner, harnaca (Cypern). Die Verlagshandlung Ed. W. Junk in Berlin NW. Rathenowerstr. 22 hat eine Facsimile-Ausgabe von: J. Lembeye, Aves de la Isla de Cuba. Habana 1850 veranstaltet, die jetzt erschienen ist. Preis 50 M. Druck von Otto Dornblüth in Bernburg. ae ee ee ee ee ann an en un Ornithologische Monatsberichte herausgegeben von Prof. Dr. Ant. Reichenow. X. Jahrgang. August 1902. No. 8. Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. Anzeigen 20 Pfennige für die Zeile. Zusendungen für die Schriftleitung sind an den Herausgeber, Prof. Dr. Reichenow in Berlin N.4. Invalidenstr. 43 erbeten, alle den Buchhandel betreffende Mitteilungen an die Verlagshandlung von R. Friedländer & Sohn in Berlin N.W. Karlstr. 11 zu richten. Die Falknerei am Dresdner Hofe.!) Von Robert Berge, Zwickau. Schon der Prophet Baruch fragt nach den Fürsten, die über das Wild auf Erden herrschen und mit den Vögeln des Himmels spielen, und es ist begreiflich, dass die uralte Kunst, mit Falken und anderen Raubvögeln zu jagen, welche sich, als ein auserlesenes und vornehmes Vergnügen gefeiert, aus dem grauen Alterthum durch das Mittelalter hindurch bis in die neuere Zeit fortgeerbt hat, auch bei dem ritterlichen und reichen Fürstengeschlechte der Wettiner Anklang und Aufnahme fand. Bereits Markgraf Friedrich der Streitbare von Meissen liess sich daher, als er 1417 zu dem Konzil in Kostnitz einzog, zum Zeichen seiner Würde als Erz- jägermeister des heil. röm. Reichs Jagdfalken vorantragen. Aber es ist anzunehmen, dass dies nicht den Beginn der meissnischen Falknerei bezeichnet, sondern dass die ars venandi cum avibus, über welche der den Wettinern befreundete hohenstaufische Kaiser Friedrich II. sein berühmtes Werk geschrieben hatte, an dem mark- gräflichen Hofe schon länger ausgeübt worden war, ehe sie auf dem welthistorischen Hintergrunde des Kostnitzer Konzils hervor- trat, wiewohl ausreichende Nachrichten darüber anscheinend kaum vorhanden sind. In den folgenden Jahrhunderten dagegen fliessen die Quellen reichlicher und malen uns ein ziemlich klares Bild vor Augen. So schickte z. B. 1432 der deutsche Hochmeister v. Russdorff 6 Falken aus dem preussischen Ordenslande zum Geschenke. Herzog Albrecht der Beherzte von Sachsen ferner, der ebenfalls einen Falkner besass, bekam im Jahre 1472 Falken aus Polen, wobei sein Rentmeister den überbringenden Falkonieren ein „Trank- geld“ von 4 Schock und 36 Groschen verabfolgte, und empfing 1477 von dem Markgrafen Johann von Brandenburg Reiherfalken geschenkt. 1550 sendete König Christian von Dänemark dem Kur- 1) Mit Genehmigung des Verfassers aus der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung abgedruckt. 8 en \an Inst, ZEN 11a q Bi sep I! 8 1902) 0, Narin nal. Muse“ an — 113 — fürsten Moritz neue Falken, „wie die diesmal in unserm Reich gefangen, um Euer Lieb Federspiel zu stärken“. Aus dem Jahre 1549 ist ein Schriftstück über die Anstellung eines Falkners im Dienste Herzog August’s, des Bruders von Kurfürst Moritz, auf- bewahrt, in welchem jener angewiesen wird, die Falken und andere Vögel, die ihm der Herzog zustellen werde, in güter Sorge zu haben und zurecht zu bringen, mit denselben Weidwerk zu treiben und Alles, was er fange, in die herzogliche Küche abzugeben. Zur Besoldung erhielt er jährlich 30 Gulden und zwei „lundische“ Kleider, für seinen Knecht 6 Gulden nebst Bekleidung und dazu so viel, als auf der Vögel Unterhalt gehen werde. Als Herzog August zur kurfürstlichen Würde gelangte, erweiterte er die Falknerei, und in einer Bestallungsurkunde von 1555 wird dem obersten Falkner auferlegt, er solle mit drei Kleppern, 2 Knechten und Falknern und einem Buben dienstgewärtig sein und vor- nehmlich zu des Kurfürsten Weidwerk und Lust 14 Falken halten, auch dieselben abrichten, dass sie zum Entvogel und Reiher zu gebrauchen wären. Er bekam 50, ein Knecht 15 und der Bube 8 Gulden, die gewöhnliche Hofkleidung, freie Kost und Wohnung, Futter, Nägel und Eisen für die Pferde, Futter für 3 Reiherhunde, für die Falken die Herzen der Rinder, Kälber und Schöpse, welche zu Hofe geschlachtet wurden, und auf jeden Falken, „der lock ist“, täglich einen Groschen. 1558 war die Zahl der Falken auf 10 ver- mindert, von 1560 sollten nicht mehr als 4 Blaufüsse gehalten werden, Knechte und Buben fielen fort. 1561 wurde sodann dem Falkner eine neue Bestallung eingehändigt, laut welcher er die Hasengehege in Befehl und Aufsicht haben, die für den Bedarf der Küche nöthigen Hasen einliefern und 4 Falken halten solle. Diese Unbeständigkeit des Falknereietats spinnt sich unter dem spar- samen und wirtschaftlich-praktischen Kurfürsten, dem „Vater August“ seines Landes, weiter hin, denn schon 1563, als den Räten und Dienern des Hofhalts die bisher übliche Gewährung von Kleidung, Kost, Futter für die Pferde u. s. w. mit Geld ab- gelöst wurde, findet sich über das Falknereipersonal Folgendes bestimmt: Der „Windehetzer‘ hatte 3 Pferde, Winde und 8 Steuber (Stöberhunde) zu halten, wofür ihm 360 Gulden und für die Hunde täglich 5 Scheibenbrote ausgesetzt wurden. Er sollte „sich auch etlicher Blaufüsse fleissigen und dieselben zur Mithilfe der Hunde gebrauchen“. Ein „Weidmann“ ferner, der 1 Pferd und 3 Hunde zu halten hatte, bekam 120 Gulden und täglich ein Brot für die Hunde. Der „Hühnerfänger“ musste 1 Pferd, 3 Hunde und 3 Blaufüsse halten bei einer Besoldung von 120 Gulden für sich, 80 Gulden auf seinen Knecht und 23 Gulden 11 Groschen auf den Jungen, und der Falkner endlich, der 1 Pferd, 4 Falken, 3 Blaufüsse und 2 Winde zu halten verpflichtet war, empfing eben- falls 120 Gulden Gehalt, Brot für die Hunde und Herzen aus der Hofküche für die Beizvögel. Gegen das Ende der Regierung des Kurfürsten sank der Bestand auf 3 Falken nebst 2 Pferden Pr 29, — 119 — und 3 Hunden, und die ausgeworfene Summe belief sich nur noch auf 266 Gulden. Unter seinen Nachfolgern Christian I. (1586—1591) und Christian II. (1591—1611) verschwand die Falknerei aus dem kurfürstlichen Hofhalte gänzlich. Jedoch brachte sie der Bruder und spätere Nachfolger des letzteren, Prinz Johann Georg, schon im Anfange des 17. Jahrhunderts an seinem Hof- staate von Neuem zum Aufleben, indem er neben einem Gänse- und Kranichfänger auch einen Falkner anstellte.e Im Jahre 1611 zur Regierung gelangt, ernannte er wieder einen kurfürstlichen Falkenmeister, welchem „für sich, sein gesinde, uff die vogel, pfert und hunt“ jährlich 1000 Gulden ausgezahlt werden sollten. Hierzu traten noch freie Wohnung in dem 1606 erworbenen Grundstücke des Falknerhofes zu Dresden, ein Deputat an Holz und das Recht, steuerfreies Bier zu brauen. Was gefangen wurde, hatte er gleich- falls in die kurfürstliche Küche abzugeben. In der ersten Hälfte des 30 jährigen Krieges scheinen die Mitteilungen über die Falknerei zu versiegen, und erst mit dem Jahre 1632 beginnen sie auf's Neue. Unter Anderem wird da berichtet, dass 1632 der „Prinz in Dänemark“ 13 Geierfalken, 1 Hasenfalken und 1 Schlacht- falken als Geschenk schickte, für das dem Überbringer eine „Recom- pens“ aus der Oberkämmerei verabreicht ward, worauf 1636 eine weitere Falkensendung an den Kurfürsten folgte. 1652 wurde Hof- Junker v.Bongart miteiner Besoldung von 400 Gulden, 30 Gulden Haus- zins und Futter und 3 reisigen Pferden zum Falkenmeister bestellt, welchem ausserdem die kurfürstliche Kammer wöchentlich 10 Thaler 12 Groschen zum Unterhalt der brabantischen Falkoniere nebst 13 Falken zu gewähren hatte. Derselbe meldete am 6. Dezember 1654 aus Moritzburg, der brabantische Falkonier sei angekommen und hätte 8 Schlachtfalken, 1 Gertest und 1 Gerfalken, ingleichen 7 weisse und 6 Fasanen mitgebracht. Unter Johann Georg II. geschah insofern eine Umgestaltung, als die oberste Verwaltung der Falknerei einem höheren Hofbeamten mit dem Titel Ober- falkenmeister anvertraut ward. Den Anfang machte 1661 der niederländische Graf G. von der Nath, welcher gleichzeitig zum Kammerherrn und in der Armee zum Generalwachtmeister der Kavallerie befördert wurde. Derselbe erhielt ausser den der Falknerei zukommenden Gerechtigkeiten und Nutzungen an Gebäuden, Garten, Wiesen, Feldern, Holz u.s. w. jährlich 1500 Thaler, wofür er den gesammten Aufwand bestreiten musste. Die Beize scheint um diese Zeit hauptsächlich Hasen, Hühnern und Enten zum Gegen- stand genommen zu haben, da einer Jagd auf Reiher und andere grössere Vögel weder bei dem Kurfürsten noch dem Kurprinzen, welche mit dem Grafen von der Nath öfters in’s Feld ritten, Er- wähnung geschieht. Regelmässig kamen frische Falken auch aus Island an, und bei der Bestallung des Grafen v. Beichling zum Oberfalkenmeister i. J. 1702 finden sich ausser dem Gehalte von 2000 Thalern Diskretionsgelder im Betrage von 100 Thalern an- gegeben, welche jedes Jahr die Uberbringer der isländischen gr — 120 — Falken „wie bisher gebräuchlich“ empfangen sollten. Bei dem Einbruche Karl’s XII. in Sachsen i. J. 1706 wurden die Falken ausser Landes geschafft und einstweilen auf der Fürstenberg’schen Herrschaft Weitra in Böhmen untergebracht. In Anbetracht, dass sich in der Gegend des Kammergutes Kalkreuth östlich von Grossenhain Reiherkolonien befanden, welche, von freiem Felde umgeben, für die Jagd mit Falken so ausgezeichnet lagen, wie nur in wenig Ländern, wurde der Vorschlag gemacht, die Falknerei in Dresden einzuziehen und hierher überzuführen. In Kalkreuth bot sich Gelegenheit, die Reviervögel auf Enten und Elstern ein- zubeizen. Man konnte ferner die Dienstpferde ins Gras gehen lassen, anstatt sie nach der Beizzeit, welche in den Mai und Juni fiel, wegzuthun und im nächsten Jahre neu anzukaufen, wodurch nicht allein viel Zeitverlust für die Falkner entstand, sondern auch mancher Falke verdorben ward, ehe er sich an die Pferde gewöhnte. Endlich vermochten durch die Möglichkeit einer bessern Aufsicht die häufigen Störungen der Reiher beim Horsten beseitigt zu werden. In Erwägung dieser Umstände wurde der Vorschlag angenommen und die Übersiediung 1727 bewerkstelligt. Es ward hierbei wegen der Entfernung von Dresden die Charge eines Falknereihauptmanns geschaffen, der in Kalkreuth seinen Wohnsitz zu nehmen und die Leitung und Wirtschaftsführung der Falknerei zu besorgen hatte, während dem Oberfalkenmeister, welchem meist noch ein Falknereipage zur Seite gegeben wurde, nur die Oberaufsichit und die Repräsentation verbleiben sollte. Denn schon 1724 hatte der Oberfalkenmeister Graf v. Friesen den König um einen Adjunkten gebeten, weil er es, wie in einem Briefe des sich um diesen Posten bewerbenden Kammerherrn v. Einsiedel bemerkt wird, nicht passend fand, dass im Falle seiner Abwesenheit das Vergnügen der Falkenjagd des Prinzen und der Prinzessin — der König scheint sich wenig betheiligt zu haben — in den Händen gewöhnlicher Falkoniere ruhe. Selbst der Falknerei- hauptmann Herr v. Preuss, vorher Kapitän bei der Chevalier- Garde, durfte in Abwesenheit des Oberfalkenmeisters die Präsen- tation der Falken an die Majestäten und die prinzlichen Herr- schaften nur durch den Kammerherrn vom Dienst versehen lassen und blos bei den übrigen Herrschaften eigenhändig verrichten. Die sächsische Falknerei erreichte nunmehr den Höhepunkt ihrer Entwickelung. 1727 war vorhanden 4 bis 5 Flug (1 Flug = 3 Stück) Krähenvögel, 3 Flug Hasenvögel und 3 Flug Reihervögel, alle mit der erforderlichen Equipage an Pferden und sonstigem Zubehör, ausserdem 3 Wind- und 2 Hühnerhunde Das dem Hauptmann unterstellte Personal bezifferte sich auf einen Falken- verwalter, 2 Falkenmeister, sechs Falkoniere, 2 Jungen, 1 Reiher- wärter und 2 reitende Knechte. Alle Gelasse des Kammergutes, welche von der Vorwerks- Ökonomie entbehrt werden konnten, Zimmer, Kammern, Böden, Stallungen, Gärten u. s. w., wurden der Falknerei eingeräumt. Bei den Jagden boten die für diesen er — 121 — Zweck eigens gebauten Pavillons Unterkommen. Die baren Ausgaben waren ausser den Deputaten zunächst auf rund 4200 Thaler veranschlagt, wovon auf die Besoldung des Falknereihaupt- manns 600, auf die seiner Leute 1026 Thaler entfielen, während auf den Ankauf der Vögel, die Beschaffung von Handschuhen, Schellen, Hauben und Zubehör 820 Thaler, die Verstärkung der Falknerei durch 3 Flüge Reihervögel nebst Falkonieren und Hunden 600 Thaler, die Anschaffung der Pferde mit Sätteln und Zeug 170 Thaler, die Livrden 420 Thaler, das Kostgeld für die Vögel 562 Thaler gerechnet wurden. Der Kaufpreis war für einen „schlechten Falken“ (zu Krähen oder Reihern) auf 18 Thaler, für einen Ger- falken (zu Reihern oder Hasen) auf 24 Thaler, für einen Habicht (zu Reihern) auf 20 Thaler vorgesehen, die Zahl der schlechten Falken sollte 28, der Gerfalken 7 und der Habichte 2 betragen. Doch vermehrten sich bei dem Bestreben, die Falkenjagden mit dem höchsten Glanze zu umkleiden, da der König und die Königin diesen Sport sehr liebten, die Unkosten stetig und wiesen 1754 die Höhe von 9226 Thalern auf, von welcher Summe u. A. der Oberfalkenmeister Graf Hrzan v. Harras 2597, der Falknereipage Kammerherr v. Seebach 700 Thaler bezog. All’ dieser Herrlich- keit wurde durch den 7jährigen Krieg ein plötzliches Ende bereitet, der, nachdem am 2. Juni 1756 die letzte Falkenjagd stattgefunden hatte, die sächsische Falknerei dem Untergange weihte. Und was die Freunde derselben nach dem Friedensschlusse an massgebender Stelle auch geltend machen mochten, sie wieder aufzurichten oder wenigstens den Reiherstand für eine etwaige spätere Erneuerung beizubehalten, die Zeiten hatten sich geändert, andere Männer standen an der Spitze, bei denen die ins Feld geführten Gründe nicht mehr verschlugen. Durch ein Dekret vom 15. November 1763 ward die Auflösung der Falknerei verfügt, die Reiherpavillons wurden abgebrochen, und ein Stück mittelalterlicher Romantik versank damit auch auf sächsischem Boden im Strudel der realen Mächte einer neuen Zeit. Was die benutzten Beizvögel anbelangt, so kommt zunächst als der auserlesenste der Gerfalk in Betracht, welcher bekanntlich in einer kleineren skandinavischen und einer grösseren isländischen Form auftritt. Die erstere wird schlecht- hin als Falco gyrfalco, die letztere als Falco gyrfalco islandus bezeichnet. Beide wurden in Sachsen verwendet und dienten zur Jagd auf Hasen, Reiher, Kraniche, Trappen, Milane und andere grosse Vögel. Aus dem Süden stammten der Lenier oder Lanier, auch Schwimmer geheissen, und der Alphanet, ebenfalls sehr kost- bare Falken. Der Lanier, als dessen Vaterland Sizilien namhaft gemacht wird, wo er auf hohen Felsen und Bäumen niste, war allem Anschein nach der heutige Feldeggsfalke (Falco Feldeggi), der Faucon lanier der Franzosen, bei Friedrich II. Falco layneris genannt, ein stattlicher, dem Wanderfalken ähnlicher Vogel von erosser Schönheit und stolzer Haltung, der vorzüglich zum Hasen- beizen gebraucht wurde. Der Alphanet, welcher aus der Berberei — 12 — kam, galt unter allen Falken als „der lustigste und schönste,“ ward zur Hasen- und Rebhühnerjagd abgerichtet und scheint eine dem Feldeggsfalken verwandte Form gewesen zu sein. Diese vier Gattungen hielt man nach dem sächsischen Jagdschriftsteller v. Flemming für die vornehmsten. Ihnen folgte im Range der Blaufuss, auch Schlacht-, Schlecht- oder schlechter Falke genannt, wogegen unter der blossen Bezeichnung Falke im Allgemeinen wohl der jetzige Wanderfalk (Falco peregrinus) vermutet werden darf. Der Blaufuss ist ohne Zweifel identisch mit dem heutigen Falco sacer Gm., dem Saker- oder Würgfalken, der in der Jugend blaue Fänge besitzt, welche sich freilich im späteren Alter auch gelb färben. Er war ausserordentlich geschätzt, sodass die ihm zuweilen beigelegte Benennung „schlecht“ nicht im modernen Sinne der Herabsetzung, sondern etwa in der Bedeutung von ge- wöhnlich, schlicht, aufzufassen sein wird, da er einerseits der häufigste Jagdfalk war, andrerseits mit der Pracht des Ger- und Feldeggsfalken allerdings kaum zu wetteifern vermochte und niedriger bezahlt wurde. Man trug ihn zum Beizen von Hasen, Rebhühnern, Enten und Reihern ab. Nun findet sich betreffs dieses Blaufusses in den Nachrichten über die sächsische Falknerei übereinstimmend eine Mitteilung, die nicht übergangen werden soll. Denn während sich sein Heimatsgebiet in Europa gegen- wärtig nur auf den Osten erstreckt und die westliche Grenze in Polen und Niederösterreich liegt, soll er früher in Sachsen ge- horstet haben. Schon 1560 erhielten die Aufsichtsbeamten über die Wälder bei Hohenstein und Königstein Befehl, darauf zu achten „dass niemand Falken, Blaufüsse oder dergleichen Vögel absteige und verhandle“, und in einem Patent von 1632 ward Anweisung erteilt, von den jungen Blaufüssen, die etwa in Thüringen und der Grafschaft Henneberg gefangen würden, keine aus dem Lande folgen zu lassen, sondern sie in die kurfürstliche Falknerei zu verschaffen, auch demjenigen, der einen Blaufuss einliefere, wie vor dessen geschehen, einen Thaler aus dem Amte zu reichen und zuzustellen. Ferner führen v. Flemming (Der voll- kommene deutsche Jäger, 1719 und 1724), sowie Döbel, durch seine 1746 erschienenen Jäger-Practica bekannt, wiederholt an, dass der Blaufuss in Sachsen brüte, doch würde er wenig ge- funden. Letzterer zeigt auch, wie man gegenüber den teueren brabantischen Falken im Stande sei, mit „hiesigen Habichten, Blaufüssen, grossen und kleinen Sperbern ebenso allerhand zu beizen als mit den ausländischen Vögeln“, und giebt Anleitung zur Aufzucht junger Nestlinge derselben. Nun lässt sich freilich einwerfen, dass angesichts der Ähnlichkeit der Sakerfalken mit dem Wanderfalken, welcher jetzt noch bei uns nistet und in jener Zeit jedenfalls verbreiteter vorhanden war, eine Verwechslung vorliegen könne, und Naumann, der in seiner Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas hierauf zu sprechen kommt, macht die beachtenswerthe Mitteilung: „Noch heutigen Tages heisst — 13 — in hiesiger Gegend (Anhalt) beim Jäger, wenn Erfahrung ihm auch bereits das Unstatthafte des Namens kennen gelehrt (der Wanderfalk hat bekanntlich nie blaue Füsse) wie bei aufmerk- samen Landleuten unser Taubenfalke (Wanderfalk) allgemein der Blaufuss.“ Zudem dürfte in der Beschreibung Döbel’s die Stelle, der Blaufuss oder Schlechtfalke sei „dem Baumfalken in der Kouleur sehr gleich“, geeignet erscheinen, eher an den Wander- falken zu erinnern, welcher nach Gestalt und Farbe als das ver- grösserte Abbild des Baumfalken angesehen werden kann. In- dessen stehen diesen Einwänden namentlich hinsichtlich der Nist- und Ernährungsweise des sächsischen Blaufusses Angaben gegen- über, die schwerlich mit der Annahme einer Namensvertauschung in Einklang zu bringen sind. Denn über die Nahrung sagt Döbel: „Er thut an Hasen, wilden Enten und Rebhühnern grossen Schaden, welche meistens zu seinem Raube dienen müssen... Zur Winters- zeit ziehet er weg; es bleiben aber auch viele in den Vor- und Feldhölzern, wo das Klima ihnen nicht allzu kalt ist und sie gute Gehege an Hasen, Fasanen und Rebhühnern finden.“ Dieses Stossen auf Hasen, wegen dessen ihn die Falkoniere auch zum Beizen derselben abrichteten, ist nur dem Sakerfalken eigen und wird vom Wanderfalken, welcher ausschliesslich fliegende Tiere ergreift, nie geübt. Wenn sodann von dem Blaufuss weiter mitgeteilt wird: „Er horstet in Wäldern auf Eichen, Buchen und hohen Bäumen, auch auf alten Türmen und Gemäuern“, so trifft das ebenfalls für den Sakerfalken zu, während der Wander- falk, wo er sich auf Bäumen ansiedelt, Nadelbäume und besonders Kiefern zur Nestanlage benutzt. Da der Sakerfalke bis vor meh- teren Jahrzehnten noch in Böhmen heimisch war, wie v. Woborzil nachgewiesen hat, so stehen den Nachrichten über sein Brüten diesseits des Erzgebirges auch keine zoogeographischen Bedenken im Wege. Nach alledem dürfte das ehemalige Vorkommen des Sakerfalken als Brutvogel in geeigneten Gegenden Sachsens zum mindesten einen hohen Grad von Warscheinlichkeit für sich haben. Von den kleineren Falkenarten verwandte man namentlich den Baum- oder Lerchenfalken (Falco subbuteo) und den Merlin (Falco aesalon), von Döbel Sprenzchen oder Schmerl genannt, zur Jagd, und zwar auf Lerchen, Wachteln und andere kleine Vögel. Asiatische Fürsten hielten den Merlin bekanntlich in grosser Zahl und liessen ganze Scharen desselben nach den zu beizenden Vögeln aufsteigen, sodass diese von ihnen wie von einem Bienenschwarme überfallen wurden. Nach v. Flemming ward auch der „Rittel- geier“, d.i. der Turmfalk (Falco tinnunculus), zum Beizen abge- tragen. Er sei hierzu beherzt, und ob man ihn gleich mehr zu kleinen Vögeln, Lerchen und dergl. gebrauche, so dürfe er sich doch mit 2 oder 3 seinesgleichen an ein Feldhuhn machen und solches fangen. Was den „Hagardfalken“ betrifft, der in den Falknereinachrichten häufig vorkommt, so begegnet man noch mancher Unklarheit, dass es angezeigt erscheint, auf ihn einzu- — 114 — gehen. Nach v. Flemming legte der Falkoniergebrauch einer jeden Art Falken im Jugendalter nach einander 5 verschiedene Namen bei, von denen jeder gleichsam eine neue Entwicklungsstufe mar- kieren sollte. Der letzte war Hagard und wurde den Vogel erteilt, wenn er vermausert hatte. Somit würde das Wort Hagard nicht eine Spezies, sondern einen Lebensabschnitt bedeuten. Mit dem Habicht pflegte man Enten, Feldhühner, Wachteln und Eulen, auch, wenn es ein starker Vogel war, Hasen und Fischreiher zu beizen. Doch liess er, heisst es, von dem, was er im ersten Fluge oder Stosse nicht fing, verdriesslich ab, setzte sich auf den näch- sten Baum und that nichts weiter, sodass manches umkam, was man nicht erlangte. Man durfte ihm an einem Tage nicht zu viel zumuthen, damit er es nicht überdrüssig wurde, und ihn nament- lich, solange noch Thau lag, bei windigem Wetter, Herbstnebel oder hartem Frost nicht gebrauchen wollen. Die aus dem Norden wären stärker und kräftiger als die einheimischen. Der Sperber dagegen greife alles fröhlich an, was man ihm nur zeige, versage seinem Herrn nichts, sei im Flug schnell, im Fangen geschickt, im Wiederkehren willig und trage die Haube geduldig. Man jagte mit ihm besonders Lerchen und Wachteln, auch Rebhühner, die „noch nicht flügge“ waren. Es ist selbstverständlich, dass diese Vögel nicht alle zu jeder Zeit in den Falknereien anzutreffen waren, da der Falkenbestand immerwährende Veränderungen er- litt. Denn abgesehen davon, dass Falken entflogen oder Krank- heiten erlagen, ist ein Falke höchstens 3 oder 4 Jahre brauchbar, wodurch sich beständige Erneuerungen nötig machten. Aus dem flandrischen Dorfe Falkenwerth, aus Irland, Norwegen, Island, Corsika, der Berberei u. s. w. kamen besonders im Frühjahre Falken- händler nach Deutschland und brachten Ersatz. Sie durften keine Vögel verkaufen oder aus dem Lande führen, wenn sie dieselben nicht vorher dem kurfürstlichen Falkenmeister angeboten hatten, was ohnehin schon ihr Geschäftsinteresse erheischte. Ueber die Schwierigkeiten des Anlernens laufen die Urteile auseinander. Während man auf der einen Seite die aufzuwendende Mühe und Sorgfalt hoch anschlägt, äussert sich z. B. Genthe, welcher die Abrichtung in Bosnien beobachten konnte, wo er die letzten Spuren der von den mohamedanischen Begs noch jetzt betriebenen Falkenjagd kennen lernte, Resultate liessen sich eigentlich leichter erreichen, als man glaube, und die Dressur eines Hundes sei bedeutend schwieriger; er habe die verblüffendsten Resultate in kürzester Zeit erzielen sehen. Nach Döbel genügten zum Abtragen eines Habichts 14 Tage. Zu den Gerätschaften des Falkoniers gehörte eine lederne Haube zur Verkappung des Falken, welche genau nach dessen Kopf gearbeitet sein und an Stelle der Augen Ausbiegungen haben musste, eine Kurz- und eine Langfessel aus Riemen, die an dem Geschühe, d. i. der ledernen Umkleidung, der Läufe, befestigt wurden, und starke hirschlederne Handschuhe zur Sicherung der Faust vor den Krallen. Ein Federspiel diente zum — 15 — Zurücklocken des Falken; es bestand aus zwei durch Leder ver- bundenen Vogelflügeln an einem langen, schmalen Riemen, was der Falk in der Ferne für einen gefangenen Vogel hielt. Zum Abführen benutzte man natürlich nur junge Vögel, und diese kamen zunächst in ein Zimmer, in welchem sie verkappt und angefesselt 24 Stunden ohne Nahrung sitzen blieben. Der Falken- hof zu Dresden hatte zu Flemming’s Zeit eine grosse Kammer, in der auf dem Fussboden ein viereckiger Platz mit reinem Sand beschüttet war, um die Exkremente leicht entfernen zu können. Darauf erhoben sich neun eichene fusshohe Klötze, je 3 und 3 reihen- weise wie die Kegel gestellt, doch so weit, dass die Vögel, welche auf einem übergelegten Rasenstück, mit Haube und Fessel versehen, während des Sommers auf ihnen fussten, nicht mit den Flügeln zusammenreichen konnten. An den Ecken befanden sich ın Manns- höhe überzogene Sitzstangen für den Winter. Die Fenster waren gross, hell, wohl gebaut und gegen Süden gewendet. Flemming sah hier 7 Falken mit aschgrauem Rücken und gelben Fängen und 2 braune in der Grösse der Habichte. Oben lagen finstere Kam- mern, in denen die Wildfänge oder neue Vögel verwahrt wurden. Es kam nun zunächst darauf an, den Scholaren zu bewegen, auf der Hand zu kröpfen. Zu diesem Zwecke nahm man ihn nach 24stün- diger Hungerpause auf die Faust, und ging zur Gewöhnung eine Zeit lang mit ihm umher, haubte ihn ab und reichte ihm einen Vogel. Verweigerte er die Annahme, so wurde er auf’s Neue verkappt und nach 24 Stunden wieder vorgenommen. Hartnäckige Vögel hungerten zuweilen 4 bis 5 Tage, ehe sie sich getrauten, auf der Faust zu fressen. Weiter gewöhnte man Falken daran, erst aus geringer, dann aus grösserer Entfernung auf die Hand zu kommen, um Nahrung in Empfang zu nehmen. Später liess man ihn, immer noch an der Fessel, nach emporgeworfenen Fleisch- stücken oder gestutzten Tauben fliegen, die er auf die Faust zu- rückbrachte, um sie zu verzehren. Das Alles übte man zuerst in einem geschlossenen Raume, später im Freien. Hasenvögel wurden in der Kammer durch den Fang grauer Kaninchen vorbereitet. Je öfter der Falke dabei ohne Haube herumgetragen ward, desto eher gelang die Zähmung. Vor dem ersten Freiflug ermüdete man ihn durch Beraubung des Schlafes, die bis zu mehreren Tagen andauerte, indem man ihn in einen an Bindfaden aufgehängten Reifen setzte, welcher bei der geringsten Bewegung ins Schau- keln geriet und damit den Vogel wach erhielt. War derselbe so- weit gut abgetragen, nebenher auch an Pferde und Hunde gewöhnt, so konnte die Ausbildung auf einzelne Wildarten erfolgen. Die Falkenjagd, welche nur in ebenen, waldlosen Gegenden möglich ist, geschah gewöhnlich zu Pferde und scheint die Teilnehmer mit einem ausserordentlichen Zauber umgarnt zu haben. Dabei war sie, wenigstens auf Vögel, viel gefährlicher als eine Parforce- Jagd, weil die den gefiederten Kämpfern nachreitenden Jäger nicht auf den Weg achten konnten, sondern ihre ganze Aufmerksamkeit — 126 — nach den Lüften richteten, so dass Ross und Mann oft stürzten und Unglück nahmen, „wobei nach greulichen Schmerzen die Balbierer und Rossärzte den besten Profit zogen“. Die Falken wurden auf der linken Hand getragen, die Kopfhaube mit einem bunten Federbusch geschmückt und an jedem Fuss eine hellklin- gende Schelle, um sie leichter wiederfinden zu können. Kam ein Beutetier in Sicht, so ward die Haube abgenommen, der Fessel- riemen aus dem Geschühe gezogen und der Falk abgeworfen. Nach gethaner Pflicht bekam er guten Frass zum Lohne. Wenn der Falk den Reiher überhöht hat, schildert v. Flemming weiter, so fängt er an, von oben herab auf diesen mit seinen starken Waffen in unglaublicher Geschwindigkeit einen heftigen Anfall zu thun und giebt ihm einen Griff und Fang. Dann schwingt er sich wieder über, um und neben ihm herum, bis er seinen Vorteil ersieht, ihn anzupacken, weil er sich vor des Reihers spitzigem Schnabel wohl vorzusehen hat, indem hierdurch, wenn der Reiher den Hals auf den Rücken legt und den Schnabel über sich hält, mancher junge und unerfahrene Falke leicht und öfters gespiesst wird. Zu- weilen wendet sich der Reiher mit dem ganzen Körper und schwebt oder wiegt sich mit ausgespannten Flügeln wie mit einem Segel in freier Luft, seinen Feind desto verwahrter zu empfangen, was ihm freilich meistenteils missrät. Da geht es an ein heftiges Piquieren, wer reitet, der reitet, wer liegt, der liegt. Ein Jeder will der Erste sein, seinem Herrn den gefällten Reiher, nachdem er ihn von dem Falken gelöst, ohne Schaden lebend zu überbringen, damit er Ehre, Gnade und Belohnung erlange. — Die Jagd auf Trappen, Milane und wilde Gänse gewährte weniger Belustigung als die auf Reiher und war geschwinder beendet, wogegen die Hasen-, Enten- urd Rebhühnerbeize für die mühevollste galt und mehr den praktischen Bedürfnissen der Küche als dem Vergnügen gewidmet wurde. Mitteilungen aus Sachsen. Von Bernhard Hantzsch. Der Nordosten Sachsens, die sogenannte sächsische Nieder- Lausitz, ist wegen des Mangels an grösseren Fabrikorten, sowie durch ihre landschaftliche Verschiedenartigkeit ausserordentlich geeignet, eine reiche Vogelwelt zu beherbergen. Doch sind diese Gebiete noch lange nicht vollständig ornithologisch durchforscht. — Am 12. Mai 1901 konnte ich bei Comerau Tofanus pugnax (L.) zum zweiten Male mit Sicherheit als Durchzugsvogel für Sachsen feststellen (Belegmaterial im Dresdener Zoolog. Museum und in meinem eignen Besitz. Im Sommer 1901 soll alsdann ein Paar von Nycticorax nycticoraz (L.) eine halbe Stunde von Königswartha bei den Entenschänkhäusern gebrütet haben. Förster Haberecht in Königswartha hat die Familie des Öfteren beobachtet und ein Junges erlegt (präpariert in seinem Besitz). N. n. ist bis jetzt noch niemals in Sachsen als Brutvogel angezeigt worden. Dieses ps ee En ae nn a a Zn u 2 U Eu a a u | Un — 127 — Jahr, am 24. Mai, gelang es mir, nachdem ich an verschiedenen Stellen Nord-Sachsens schon Totanus totanus (L.) während der Brutzeit beobachtet habe, bei Comerau ein schwach bebrütetes Ge- lege des Vogels zu finden, das erste für Sachsen nachgewiesene, Auch ein Paar von Cerchneis vespertinus (L.) wurde am 23. Mai von zwei Leipziger Herren und mir unweit der sächsischen Grenze bei Gross-Särchen beobachtet, das möglicherweise dort brütet, da es sich schon seit drei Wochen in der Gegend aufhalten soll. Dresden-Plauen. Beobachtungen aus Ostpreussen. Von Otto le Roi. In den Tagen vom 23. bis 27. Mai herrschte durchweg Nord- wind, der zeitweise recht heftig wurde und mehrere nordische Vogelarten bis hierher zur kurischen Nehrung hinabführte. So gingen mir u. a. zu am 24. Mai 2 Uria grylle (L.) 26. Mai 1 Urinator arcticus (L.) 28. Mai 2 Urinator arcticus (L.) 29. Mai 1 Alca torda (L.) Die beiden Uria grylie wurden am 23. auf der Ostsee gefangen. Ein Exemplar trägt noch ein sehr scheckiges Gefieder, das andere, gleichfalls ein junges Tier, weist nur wenige weisse Federchen auf und ist bereits annähernd schwarz gefärbt, jedoch zeigen die schwarzen Teile keinen Metallglanz. Es sind mir nur zwei Fälle bekannt, dass Uria grylie so spät im Frühjahre an den südlichen Küsten der Ostsee angetroffen wurde. Holland (die Wirbeltiere Pommerns, Stolp 1871, pag. 88) erhielt 1870 „Anfangs Mai eine bei Leba lebend im Netze gefangene Gryli-Lumme“. Ferner sah ich in der ehemaligen von Preen’schen Sammlung im Realgymna- sium zu Schwerin einen Gryliteist, $ juv. am 4. Juli 1862 auf der Insel Poel erlegt. (cf. Wüstnei u. Clodius, die Vögel der Gross- herzogtümer Mecklenburg, Güstrow 1900, pag. 314.) Die Art zählt an der Nehrung auch in den Wintermonaten zu den Seltenheiten. Die 3 Urinator arcticus trugen sämtlich das Hochzeitskleid. Bereits seit langem vermutet man den Polartaucher auch in Ost- preussen als Brutvogel, wie dies für Westpreussen schon längst nachgewiesen wurde. Meines Wissens steht ein sicherer Nachweis noch immer aus. Ich öffnete den Magen eines Tauchers und fand ihn völlig leer bis auf eine Anzahl kleiner Steinchen im Gesamtgewicht von 4,2 8. Der Tordalk ist ein g adult. im Prachtkleid. Er wurde am 26. Mai weit draussen auf hoher See von Fischern erbeutet. Den Eingeweiden entnahm ich nicht weniger als 97 Bandwürmer. Von ähnlichen Fällen des Vorkommens in so vorgeschrittener Jahres- zeit weiss ich nur anzuführen, dass am 28. Mai 185... (das genaue Jahr ist nicht bekannt) eine Alca torda im Dunenkleid auf dem Konventer See bei Heiligendamm gefangen wurde. Er gelangte in — 123 — die Sammlung des Forstmeisters von Grävenitz und befindet sich nun im Maltzaneum zu Waren, wo ich das hochinteressante Exem- plar sah. (Conf. „Archiv d. Ver. d. Freunde d. Naturg. in Meck- lenburg. 1902. p. 99 No. 260, ferner R. Jesse: das von Maltzan’sche naturhistor. Museum für Mecklenburg in Waren“ und Wüstnei u. Clodius. Vögel Mecklenburgs. p. 316.) Da Alca torda (und Uria grylie? noch 1869 von L. Holtz brütend aufgefunden) auf Gothland nistet, liegt die Vermutung nahe, dass die Nordstürme den Vogel von dort entführt haben. Es muss in den genannten Tagen eine grössere Anzahl nor- discher Vögel nach dem östlichen Teile der Ostsee gelangt sein. Am 5. Juni sah ich nämlich bei Herrn Präparator Schuchmann in Königsberg 3 weitere Uria grylle, gleichfalls aus der angegebenen Zeit herrührend, welche sämmtlich von der Ostsee stammten. Es waren zwei junge, noch recht bunte Exemplare, deren Herkunft sich nicht mehr genauer ermitteln liess, sowie ein völlig ausge- färbter alter Vogel aus der Gegend von Pillau. Nyroca hyemalis (L.) und Urinator lumme (Gunn.) halten sich noch jetzt auf der Ostsee auf, wenn auch in geringer Zahl. Am 30. April und am 6. Mai erhielt ich je eine Oidemia nigra (L.) von dem kurischen Haff und der See. Am 15. Mai erbeuteten Fischer auf dem Meere einen prächtigen Colymbus griseigena Bodd. im Hochzeitskleid. Früher hat diese Art auf dem Rossitter Bruch genistet. Wie mir Herr J. Thienemann erzählte, ist dies in den letzten Jahren nicht mehr der Fall gewesen. Seebad Cranz (Ostpreussen). Ornithologisches aus Konstantinopel. Von Fritz Braun-Konstantinopel. Der Winter 1901/1902 hat nicht viel des Interessanten auf den hiesigen Vogelmarkt gebracht. Unter den gefangenen Finken war Serinus hortulanus auffällig spärlich vertreten. Diese Art kommt im Winter in die Gärten der Stadt und verweilt dort solange, bis die Bäume dicht belaubt sind. Dann zieht sie in die Gärten der Umgegend, um zu nisten. Auf einer Platane in einem benachbarten Garten sassen bis Mitte April tagtäglich 2—3 Dutzend, jetzt sind sie alle verschwunden. Ebenso habe ich im vorigen Jahre während der Brütezeit dieser Arten keine Bachstelzen in Konstantinopel gesehen; die weissen und gelben Stelzen benutzten die Stadt also vorzüglich als Winterquartier. Apus apus traf in diesem Jahre erst spät im April ein, und zwar stellte sich der Bestand sehr langsam und zögernd ein, woran wohl die kalte Witterung des Frühlings schuld war. (Nach dem Erblühen des Flieders waren wir in diesem Jahre etwa um 15 Tage — 19 — hinter einem normalen Jahre im Rückstande) Auch in anderen Jahren sollen die Mauersegler niemals an einem Tage zurückkehren, sondern in einzelnen Staffeln eintreffen. Auch Apus melba hat hier schwere Tage gehabt; viele von ihnen sind der Witterung zum Opfer gefallen. Dasselbe gilt von Ciconia ciconia. Neben dem Bahnstrange lagen zwischen Eskischehier und Angora viele Dutzend erfrorner Störche (am 28./29. März, weil der Frost die Sümpfe und Lachen mit blinkender Eisdecke überzogen hatte). Sturnus vulgaris und Saxicola oenanthe befanden sich unter den- selben Verhältnissen augenscheinlich recht wohl. Ziehende Störche habe ich noch am 16. Mai über dem Galataturm kreisen gesehen. Milvus korschun kehrte zu Beginn des April in grossen Scharen (20—30 Stück) zurück. Die gelben Spötter haben bis Mitte Mai auf sich warten lassen. Zur Zeit wohnt ein Pärchen Hippolais hippolais in dem Garten des Klosters der tanzenden Derwische, dicht neben unserer Schule. Doch werden die Katzen es wahrschein- lich ebenso vertreiben wie die Zurdus merula, die den ganzen April über auf den Bäumen und Büschen der benachbarten Gärten sang und jetzt spurlos verschwunden ist. Nur Troglodytes troglodytes scheint gegen die Angriffe der Katzen gefeit zu sein; er singt und nistet überall. Zur Zeit ist auf dem Stambuler Vogelmarkt ein Kreuzschnabel (Loxia curvirostra) im verfärbten Gewande der Gefangenen. Er ist wohl von Brussa eingeführt und der erste Kreuzschnabel, den ich selber in Konstantinopel fand. Peironia petronia ist überhaupt nicht auf den Markt ge- kommen. Auch Melanocorypha calandra war spärlicher vertreten als im vorigen Jahre. Sämmtliche Exemplare hatten einen gebro- chenen Flügel, so dass ich trotz aller Anstrengungen keine gute Kalanderlerche kaufen konnte. Alauda arvensis und Galerida cristata kamen gar nicht in den Handel; letztere sah ich an den Pfingstfeiertagen in der Umgegend von Jalova in grossen Mengen. Von Ammern gab es, wie immer, Emberiza calandra und citrinella. Von E. cirlus waren vier Exemplare vorhanden, mela- nocephala war mit 2 Köpfen, E. luteola garnicht vertreten. Die Händler wissen, dass ich vor allem auf Ammern aus bin und sie ihnen auch gut bezahle. Trotzdem kann man selbst von E. mela- nocephala, die namentlich in Kleinasien häufig ist, kaum jemals einen grösseren Posten kaufen. Eimberiza luteola hat sich zu einem recht zahmen, wenn auch schwerfälligen Stubenvogel entwickelt. Mein Exemplar ist in der Gefangenschaft merklich matter in der Färbung geworden. Ich habe es einem Kollegen geschenkt, dem es allnächtlich mit seiner nicht unschönen Flötenstrophe den Schlaf vertreibt. Auch E. eitrinella und schoeniclus sind bei mir fleissige Nachtsänger, vor allem in mondhellen Nächten. Derselbe Kollege, Herr Dr. Seidenstricker, besitzt einen Ohrysomitris spinus, der den Lockruf des Finken nachahmt. Der Ruf besitzt nicht dieselbe Tonstärke, ist aber ganz unverkennbar. — 130 — Herr Paluka, der Besitzer des deutschen Bazars, ist durch seine Vogelfänger mit Anthus pratensis, Anthus campestris, Saxi- cola oenanthe, Lanius collurio und Lanius excubitor versorgt worden. Besonders merkwürdig war mir unter seinen Vögeln eine mon- ströse Emberiza citrinella. Der Vogel war ganz und gar gelbbraun gefärbt. Der Farbton war so gleichmässig wie bei einem Kanarien- vogel, nur dass er eben einen starken Stich ins braune hatte. Herr Dr. Leverkühn hat das Exemplar nach Sofia mitgenommen. Mit Exoten ist der Markt in diesem Jahre recht gut besetzt. Die Arten sind jedoch die gewöhnlichsten Spezies des deutschen Vogelhandels und bieten nichts absonderliches. Schriftenschau. [ Um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornitholögischen | Monatsberichten“ zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbständig erscheinenden Arbeiten | ist Preisangabe erwünscht. Reichenow. J Bulletin of the Britsh Ornithologists’ Club N. LXXXIX, May 1902. Mr. Oates macht mit Bezug auf den neuen Gattungsnamen Proparoides Bianchi [S. 0. M. S. 82] darauf aufmerksam, dass dafür bereits der Name P’seudominla (Ibis 1894 S. 480) besteht. — H. Saunders berichtet über häufiges Auftreten der Platalea leucerodia in Norfolk in diesem Jahre. — E. Hartert bespricht die Unterschiede von Oiccaba hylophila und C. albitarsus und beschreibt Pyrrhula water- stradti n. sp. vom Tahan auf Malaka. — W. Sclater berichtet über das auffallende Vorkommen der südamerikanischen Fulica leucopyga bei Durban in Natal. Ch. W. Richmond, Two preoccupied avian genera. (Proc. Biol. Soc. Washington XV. 1902 S. 85). Aaptus nom. nov. für Aphobus Cab. 1851 nec Aphobus Gistel 1848. Anthoscenus nom. nov. für Floricola Elliot 1878 nec Floricola Gistel 1848. C. E. Hellmayr, Noch einige Worte über Thryophilus. (Verh. zool. bot. Ges. Wien 1902 S. 169—170). Beschreibung von Tihryophilus baroni n. sp. vom nördlichen Peru, Kennzeichnung von Th. superciliaris (Lawr.). J. v. Madaräsz, Beiträge zur Ornis der Salomoninseln. Mit der Beschreibung von drei neuen Arten. (Termesz. Füzetek XXV. 1902. Ss. 350— 351). 3 neue Arten von der Ostküste von Bougainville: Oyelopsittacus festetichi, ähnlich ©. diophthalmus, Cyelopsittacus purpuratus, ähnlich — 11 — CO. edwardsi, Megaloprepia salomonis, änhlich M. poliura und septentrionulis. Ch. W. Richmond, List of Generic Terms proposed for Birds during the years 1890 to 1900, inclusive, to which are added names omitted by Waterhouse in his „Index Generum Avium.“ (Proc. Un. St. N. Mus. XXIV S. 663— 729). Waterhouse’s nützliches Buch „Index Generum Avium“, das die in der Klasse der Vögel seit Linne aufgestellten Gattungsnamen in alpha- betischer Folge und mit Nachweis der betreffenden Schriftstellen aufführt, schliesst mit dem Jahre 1889. Der Verfasser giebt einen Nachtrag zu dem Werke, der die von 1890—1900 aufgestellten Namen enthält und einige Namen ergänzt, die von Waterhouse übersehen worden sind. Ausser der alphabetischen wird auch eine systematische Zusammenstellung gegeben. C. E. Hellmayr, Die Formen von Passer petronius. (Ornith. Jahrb. XIII. 1902 S. 126—129). Verf. unterscheidet ausser der Stammart 6 Nebenarten: Passer petronius (L.), Mittel- und Südeuropa, Kleinasien; P. p. madeirensis (Erl.), Madeira, Kanaren; P. p. exiguus Hellm. n. consp., Kaukasien; P. p. intermedius Hart., Persien, Afganistan, Turkestan, Kaschmir; P. p. brevirostris (Tacz.), Ostsibirien, Mongolei; P. p. barbarus (Eıl.), Nordafrika; P. p. puteicola (Festa), Palästina. J. v. Madaräsz, Ein neues Blaukehlehen. (Termesz. Füzetek XXV. 1902 S. 489). Cyanecula. discessa n. sp. von Transkaspien. J. v. Madaräsz, Magyarorszäg Madarai. A. Hazai Madärviläg Megismerösenek Vez6erfonala.. Budapest 1902. X. Füzet. Die 10. Lieferung des Werkes enthält die Möven und Alken. Die Tafeln VII—IX erläutern die Färbung der Schwingen verschiedener Mö- wenarten. Rchw. S. Ekman, Ornithologiska Jakttagelser i Torne Lappmarks Fjäll- trakter. (Akad. Stockholm 1900 8. 231— 233). Frank A. Chapman, Bird Studies with a camera. New York 1901. 12 mo. Illustrated with over 100 Photographs from nature by the author. Lebensschilderungen der häufigeren amerikanischen Vögel und Be- schreibungen der grössten im östlichen Nordamerika befindlichen Brut- colonien. In den einleitenden Abschnitten giebt der Verfasser eingehende Anleitung und bemerkenswerte Winke für das Photographieren der Vögel in der freien Natur. [Viele der Abbildungen dürften als ausgezeichnete Darstellungen des Freilebens der Vögel bezeichnet werden.] — 12 — The Harriman Alaska Expedition. Alaska, narrative, glaciers, natives, history, geography, resources by J. Burroughs, John Muir, George Bird Grinnell, W.H.Dall, Ch. Keeler, H. Gannett, W. H. Brewer, C. Hart Merriam and M. L. Washburn. New York, 1901. 2 vols. with 39 col. plates, 85 photogravures, 240 text cuts and 5 maps. Ein epochemachendes Werk über Alaska; auf Grund einer Forschungs- reise geschrieben, welche von einem reichen Kaufmann, Edward H. Harriman, unternommen wurde. Im Frühjahr 1899 segelte die Expedition, aus 136 Teilnehmern bestehend, von Seattle, Washington, ab zur Er- forschung der Küste und der Inlandbuchten von Alaska. Die Kosten wurden von Mr. Harriman getragen. Ausser seiner Familie nahmen, auf seine Einladung hin, 25 Gelehrte der verschiedensten Forschungs- zweige (u. a. als Ornithologen Burroughs, Fisher, Hart Merriam, Dall, Ridgway) an dem Ausflug teil. Ferner waren ausser dem Schifisvolk 3 Maler, 2 Ärzte, 3 Präparatoren, 2 Photographen, ein Prediger und 4 Steno- graphen an Bord. Einzelne Teilnehmer, die oben genannt wurden, bear- beiteten die Reise und deren Ergebnisse in einem prächtigst ausgestatteten Werk. Die von Burroughs geschriebene Schilderung des Ausflugs enthält eine grosse Menge ornithologischer Mitteilungen und Beobachtungen. H. Krohn, Ausflug nach Langenwerder und dem Kieler Ort. (Monatsschr. D. Ver. z. Schutze d. Vogelw. XXVII. 1902. S. 102 —109 mit Taf. 6 und 7). Schilderung eines zu oologischen Sammelzwecken unternommenen Ausflugs. Sterna minuta und macrura brüten auf dem Langenwerder, desgleichen Larus canus, Haematopus, Mergus serrator und Tringa alpina. Auf den nach photographischen Aufnabmen ausgeführten Tafeln wird ein Nest der Sturmmöwe mit ausschlüpfenden Jungen und eine Niststätte von Haematopus ostrilegus ausserordentlich charakteristisch dargestellt. A. Ibarth, [Über Locustella fluviatilis als Brutvogel bei Kulm in Westpreussen] (Monatsschr. d. Ver. z. Schutze d. Vogelw. XXVI. 1902 S. 112—113). O0. Natorp und R. Snouckaert van Schauburg. [Über Pratincola rubicola in Westdeutschland] (Monatsschr. D. Ver. z. Schutze d. Vogelw. XXVII. 1902 S. 111—112). Beide Verf. wenden sich in getrennten Mitteilungen gegen die Be- obachtungen F. Sehlbachs über das Überwintern des schwarzkehligen Wiesenschmätzers in der Umgegend von Bonn. H. Schalow. Berichtigung: In der Überschrift auf S. 101 von No. 7 der O0. M. muss es heissen: „Brüten der Brandente an der west preussischen Küste“, anstatt ostpreussischen; und auf $. 102 16. Zeile von unten: „die ich im Sommer 1901 besucht habe“, anstatt November. Druck von Otto Dornblüth in Bernburg. N * ve Ornithologische Monatsberichte herausgegeben von Prof. Dr. Ant. Reichenow. X. Jahrgang. September 1902. No. 9. Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. Anzeigen 20 Pfennige für die Zeile. Zusendungen für die Schriftleitung sind an den Herausgeber, Prof. Dr. Reichenow in Berlin N.A4. Invalidenstr. 43 erbeten, alle den Buchhandel betreffende Mitteilungen an die Verlagshandlung von R. Friedländer & Sohn in Berlin N.W. Karlstr. 11 zu richten. Der Harpyien Wohnsitz. Von 0. Reiser. Einsam und weltvergessen liegen zwei kleine Eilande im weiten Jonischen Meere. Seeüberspülte Klippen umgeben sie, und eine Strecke von etwa 35 Seemeilen trennt sie von jedem festen Lande. Obwohl nur von Wenigen gekannt, sind ihnen doch verschiedenartige Namen beigelegt worden. Am häufigsten nennt man sie, jetzt wie ehedem, die Strophaden; aber auch Strivali, Strophano oder Stamphanes heissen sie. Kein einziger Dampfer legt hier an, und wenn der höchst seltene Fall eintritt, dass jemand den Inseln selbst oder den dort hausenden griechischen Mönchen einen Besuch abstatten will, so bleibt nichts Anderes übrig, als auf Zante eine Segelbarke mit drei tüchtigen Seeleuten zu mieten und sich, wie in den ältesten Zeiten, vollständig auf Aeolus’ Gunst zu verlassen. Dann pflegen die sangeskundigen Schiffer des altberühmten Zakynthos zunächst die beiden Südspitzen der Insel zu umfahren und halten erst hierauf den Curs ganz gegen Süden, direct auf die Strophaden zu, fest. So gleitet dann das Boot einsam durch die Jonischen Ge- wässer. Nur selten taucht in weiter Ferne das Segel einer Fischer- barke auf. Dort an der Küste bleibt Vieles zurück, was an den Wandel der Zeiten gemahnt. Der Begriff „Zeit“ verschwimmt allmählich in dem Rauschen und Geflüster der Wogen auf der glitzernden, unübersehbaren Fläche, auf die sich ringsum die blaue Wölbung stützt. So war es, so ist es — unfassbar gross, ewig! Langsam segeln wir, schon viele Seemeilen von Cap Keri entfernt, in buntschillernde Flecken hinein. Vor uns hat sie Herodot gesehen — und das ist schon Jahrhunderte her! — Diese durcheinanderfliessenden Flecken auf dem blanken Wasser- spiegel verraten sich schon von weitem durch ihren Geruch als schwimmendes Petroleum. Die Quellen, denen es entströmt, liegen auf dem Meeresgrunde, einige sind auch auf Zante selbst, wie schon Herodot erwähnt. 9 3 sihe — 14 — Dann ergötzt man sich an dem Spiel emportauchender Del- phine und an den Scharen von Silbermöven, den ewig gefrässigen, zanksüchtigen. Die Umrisse von Zakynth sind am Horizont ver- sunken, gleich der peloponnesischen Küste, und wir sind allein in der erbarmungslosen Wasserwüstee Dann, nach einigen Stunden banger Erwartung, erspäht endlich das Auge einen grösseren und einen kleineren Punkt. Diese vergrössern sich allmählich zu einem Kloster und Leuchtturm, und erst in ganz geringer Entfernung lässt ein sehr schmaler Strich festen Landes die beiden Inseln erkennen, die sich, flach wie eine Tischplatte, nur wenig über den Meeresspiegel erheben. Unsere ständigen Gesellschafter auf dem letzten Teile der stillen Fahrt waren die Sturmvögel, die einzigen, dafür aber um- so zahlreicheren Bewohner jenes Meeres. Bald einzeln, bald in kleinen Trupps, bald aber auch in nach Hunderten zählenden Schwärmen sausten sie fast ununterbrochen an uns vorüber. In der Nähe der Strophaden verdichten sich diese Vogelschwärme, und da kann man deutlich erkennen, dass sie fast durchwegs aus grossen grauen Sturmvögeln bestehen, mövenartigen Gestalten, ober- seits graubräunlich, unten blendendweiss.. Aber ihr Flug unter- scheidet sich auffallend von dem der Möven. Mit ihren Schwingen streifen sie nahezu die Wasserfläche, und obwohl nur selten Flügelschläge zu bemerken sind, schweben sie entweder knapp über der spiegelglatten See oder durchschneiden blitzschnell die Gischt der sturmgepeitschten Wogen. Nur selten erblickt man in diesem Meeresteile den Mittelmeer-Sturmvogel — den kleineren, oberseits fast schwarzen Vetter des grauen — welcher mit noch viel eilfertigerem Fluge dahinschiesst. Erwartungsvoll betritt man das geheimnisvolle, in den langen Stunden des Segelns immer heisser herbeigesehnte Land. Die kleine Insel besitzt einen guten, windgeschützten Anlegeplatz, aber man landet gewöhnlich auf dem grösseren Eilande, in dem von den Mönchen hergestellten Nothafen in der Nähe des griechischen Klosters, dem Monastir, dessen achtzehn Insassen nebst dem Leucht- turmwärter und drei Arbeitern die ganze Bevölkerung ausmachen. Das Monastir mit seinen mächtigen, kahlen Mauern, dem flachen Dache und den Schiessscharten ruft vollständig den Ein- druck einer kleinen Festung hervor. Im Jahre 1717 hatte es einen ungleichen Kampf mit zwei türkischen Galeeren zu bestehen, deren Besatzung nach hartem Kampfe die Mönche überwältigte und niedermachte. Nur ein Hirte hatte sich durch die Flucht gerettet, und diesem gelang es, durch Zeichen englische Schiffe herbeizurufen. So wurde die Mordthat bekannt. Von den Mönchen wurden nur zerschmetterte Knochenmassen in den Kellerräumen aufgefunden; der Leib des heiligen Dionysos aber — noch heute der Schutzpatron des Monastir, sowie von Zante wo er gegen- wärtig ruht — war unverletzt geblieben. Soweit die griechische Legende. — 155 — Der Fremdling wird mit allen Zeichen höchstens Staunens empfangen, und gastfreundlich stellt der Klostervorstand ein wohnliches Zimmer den Ankömmlingen zur Verfügung und bietet die einfache Klosterkost zur Ergänzung der mitgebrachten Lebens- mittel an. Doch drängt es jedermann, ob er sich nun als see- tüchtig erwiesen hatte oder nicht und deshalb mehr oder weniger ruhebedürftig ist, hinaus aus den Mauern, zu einem Rundgang auf dem geheimnisvollen Erdenfleckchen, zu dessen Durchstreifung man bloss zwei bis drei Stunden benötigt. Dringt man, die treue Flinte über der Schulter, in das menschenleere Innere der Inseln ein, so wird plötzlich die ganze Robinsonade im Gedächtnisse wach; die längst vergessen gewähnten Empfindungen der durch die Schicksale jenes Helden hingerissenen Knabenseele ergreifen übermächtig Herz und Gemüt. Also hier auf den Strophaden blüht sie auch noch die seltene blaue Blume! Beglückt atme ich ihren Duft und doch auch mit etwas Wehmut. Denn, wenn ich sie auch bewundern kann, das Verweilen bei ihr habe ich fast verlernt in jener langen Zeit, in der mir die Natur eine exacte Wissenschaft geworden ist. So sei denn als nächster Eindruck, den ich von den Stro- phaden empfing, festgestellt, dass ihre Gesteinsbildung dieselbe ist wie jene des zunächstliegenden Teiles des Peloponnes, obwohl Meerestiefen bis über 1800 Meter sie rings umgeben. Ebenso wie das Festland und Zante wurden auch die Strophaden häufig von Erdbeben heimgesucht, und eines der stärksten von allen war das vom Jahre 1892, welches sie beinahe vernichtet hätte. Die Vegetation der beiden Inseln muss als eine verhältnis- mässig reiche bezeichnet werden, und namentlich in den feuchter bleibenden, schluchtartigen Bodenvertiefungen der grösseren Insel herrscht eine geradezu tropische Uppigkeit. Dem felsigen Ufer zunächst stösst man auf einen schwerdurchdringbaren Wall von strauchigen Pistacien, welche von Wind und Wetter zumeist so gleichmässig dicht abgerundet erscheinen, als wären sie von einem kundigen Gärtner im Zopfstile zurechtgestutzt. Dann folgen einige liebliche Haine von Seestrandkiefern, deren einer einen reizenden Weiher umsäumt. Hie und da Judasbäume, recht verkrüppelte ÖOlbäume und nur in der Nähe des Klosters einige Gruppen von reichlich tragenden Citronenbäumen. Die Mitte der Insel wird von steinigen, zumeist mit Cisten-Rosen bewachsenen Halden, dann aber auch von wogenden Kornfeldern ausgefüllt, für deren Be- wässerung zahlreiche Cisternen vorhanden sind. Viel mannigfaltiger als die Flora, die man auf diesem kleinen Stückchen Erde zu sehen bekommt, ist aber die Tierwelt, und zwar hinsichtlich der enormen Menge von Wandervögeln, welche hier im Frühjahr und Herbst kürzere oder längere Zeit haltmachen. Haustiere giebt es nur wenige. Die Mönche haben mit vieler Mühe eine kleine Herde Hornvieh und einige Schafe hier- 9* — 156 — her geschafit, sowie auf jede der Inseln auch einen gutmütigen Esel; weiter sieht man öfter in den Gebüschen verwilderte Katzen vorbeihuschen, und überdies giebt es noch eine ziemliche Anzahl sich selbst überlassener Hühner. Der Durchzug der Wandervögel beginnt schon im Februar und dauert mit geringen Unterbrechungen bis in den Juni. Im August zeigen sich bereits wieder die ersten Rückzügler, und erst die heftigen Winterstürme zu Anfang November bereiten dem Herbstzuge ein Ende. So herrscht fast das ganze Jahr ein reges Vogelleben auf der Insel, die in mancher Hinsicht für die Zug- vögel eine Stätte des Todes und der Vernichtung genannt werden müsste. Wenn nämlich zur Zeit des intensivsten Zuges plötzlich Sturm, Kälte und Regengüsse eintreten, so werden Hunderte und Tausende von Zugvögeln gezwungen, auf den Strophaden Zuflucht zu suchen. Den Körnerfressern geht es hier nun nicht gar schlimm, sie finden genug Nahrung, bis besseres Wetter zum Weiterwandern gekommen ist. Die Insectenfresser dagegen, und zwar gerade unsere besten Sänger und nützlichsten Lieblinge: Spötter, Grasmücken, Pirole, Wiesen- und Steinschmätzer, Fliegen- fänger, Schwalben, ja sogar viele grössere Sumpfvögel — alle diese AÄrmsten sind dem sicheren Tode geweiht, wenn das Wetter nicht bald das Weiterziehen erlaubt, denn auf der ganzen Insel finden sie nicht ein einziges Insect: Keine Fliege, keine Mücke, nichts. Lautlos hüpfen die armen Vögel durch das Gestrüpp, die Hecken, von Halm zu Halm in den Kornfeldern; von Stunde zu Stunde werden sie sichtlich kraftloser, und endlich sinken sie um, ohne den geringsten Laut von sich zu geben. Man kann ganze Körbe solcher zu Skeletten abgemagerter Vögelchen auflesen. Obendrein macht sich ihre Schwäche der Stärkere zunutze. Rotkopfwürger und Blauraken, sonst überall fast ausschliesslich Insectenfresser, suchen hier aus Not mit entkräfteten Bachstelzen, Fliegenschnäppern und ähnlichen Vogelarten Ersatz, nicht zu gedenken der Menge von Sperbern, Weihen und Falken, welche sich nur deshalb hier vorübergehend aufhalten, weil der Tisch für sie so reichlich gedeckt ist. Nicht genug an dieser gradezu raffinierten Grausamkeit der Natur, welcher die schönsten Bestrebungen sämtlicher Vogel- schutzvereine machtlos gegenüberstehen, greift zum Überflusse auch noch der Mensch vernichtend in die Reihen der ermüdeten Wanderer ein. Abgesehen von Wachteln und Schnepfen, die hier in nicht nennenswerter Zahl erscheinen, ist es vor Allem die Turteltaube, welche den Gegenstand ununterbrochener Verfolgung seitens der Mönche bildet. Unglaublich ist die Zahl der anlangenden Tauben — der von den Griechen über Alles geschätzten „Trigones“ — und enorm die Zahl der alljährlich auf den Strophaden getöteten. Wenigstens an hundert verschiedenen Punkten der beiden Inseln sind Schiesshütten mit ringsherum gestellten asttrockenen Einfalls- bäumen errichtet, und Berge von Turteltaubenfedern in denselben zeigen, dass nicht vergeblich den ganzen lieben Tag geknallt wird. — 137 — Bis zu 15 Tauben fallen manchmal auf einen einzigen Schuss, und die übriggebliebenen setzen sich wenige hundert Schritte bei der nächsten Hütte nieder und werden die Beute eines anderen Mönches, der hier Tag für Tag dieser „Jagd“ obliegt. Die gerupften Tauben werden in riesigen Kesseln mit kochendem Weinessig abgebrüht und wandern dann von hier über Zante nach den verschiedensten Orten der Levante als vielbegehrte Delicatesse. Ausser dem Menschen stellen den Turteltauben auf den Strophaden wohl nur die edlen Eleonoren-Falken nach, welche ihretwillen von den felsigen Gestaden anderer griechischer Inseln zu kommen pflegen. Im Juni, wenn sich die glühende Sommerhitze Griechenlands, nur wenig gemildert durch die Seeluft, auch über die Strophaden lagert, wird es ganz stille auf diesen Eilanden. Ausser wenigen hurtigen Eidechsen und einer einzigen dort anzutreffenden Schlangenart (Tarbophis fallax) giebt es nur zwei Vögel, welche hier jahraus jahrein aushalten: der kleine schwarzsammetköpfige Sänger mit juchtenrotem Augenrand ( Pyrophthalma melanocephala) und in Menge der grosse Sturmvogel. Der Letztere ist ein gar merkwürdiges Geschöpf. Tiefe Löcher und Höhlungen in dem - von schier undurchdringlichem Pistacien-Wald überzogenen Fels- boden der beiden Inseln bilden seine Behausung, und während die Hälfte der Insassen, Männchen und Weibchen gemischt, weit draussen in unvergleichlichem Fluge über die Meeresfläche dahin- jagt, ewig gefrässig und stets in ruheloser Bewegung, hockt der andere Teil unbeweglich im kühlen Halbdunkel, seine Anwesen- heit bloss durch scharfen Thrangeruch dem Kundigen verratend. Wehe aber dem Unvorsichtigen, welcher es wagt, mit vorschnellem Griff den Finsterling in seinem Versteck zu ergreifen; blitzschnell fasst dieser mit seinem scharfen Schnabel zu, und es giebt böse, schwerheilende Wunden. Diese Sturmvögel sind wohl zweifellos diejenigen Wesen, die im grauen Altertum als „Harpyien“ bezeichnet wurden. Vergil wies ihnen hier auf den Strophaden ihre Wohnung an; sie sind es, welche Alles in ihrer Umgebung, wie einst, so auch heute, mit stinkender Tünche besudeln, sie sind es, die ihre Gefrässigkeit über die weite See treibt, welche „Pherekydes durch das ägäische und sicilische Meer hin verfolgen lässt, bis sie in einer Höhle Kreta’s verschwinden.“ Mag man noch so viele Abbildungen der Harpyien, die uns erhalten geblieben sind, betrachten, stets ist die Vogelgestalt oder wenigstens eine Andeutung derselben ersichtlich, ja die Darstellung zweier Harpyien auf einer Schüssel von Aegina zeigt uns trotz der menschlichen Figur sogar die rhythmische Flugbewegung der Sturmvögel in überraschender Weise. So sind, wie in homerischen Zeiten, auch heute noch jene Eilande weit draussen im Meere der Wohnsitz der Harpyien, und wer die Kühnheit besitzt, sie dort aufzusuchen, der mag wohl — 13 — auch ihre geheimnisvolle Stimme zu hören bekommen. Wenn der Sonnenball in seiner unvergleichlichen Pracht am Horizont des Meeres untergetaucht ist, dann landet zuweilen eine einsame Fischerbarke an dem felsigen Gestade der Strophaden, und bald lodert am Strande ein lustiges Feuer, über welchem der Kessel mit der brodelnden Fischsuppe zu hängen kommt. Da plötzlich tönt durch die laue Nacht ein schriller Schrei wie der eines Er- trinkenden; bald folgt ein zweiter, ein dritter, dann langgezogene Klagetöne, endlich ein katzenähnliches Miauen, ein hundeartiges Bellen. Der Höllenlärm wird immer ärger und nähert sich der Feuerstelle mehr und mehr. Fledermausartige Schatten durch- kreuzen die Luft, und banger Schrecken erfüllt den Fremdling, der Ähnliches nie gehört —- das ist der „Gesang der Harpyien“ aus grauer Vorzeit. Man wird fragen: Wie kommt es, dass Pyrophthalma mela- nocephala sich und seine Jungen auf den Strophaden ernähren kann, während alle anderen Insektenfresser dort verhungern müssen ? Diese Frage habe ich mir nicht nur auf den Strophaden, sondern auch schon an anderen Orten der Küstenzone des Mittelmeeres vorgelegt, da ich sah, dass an den Aufenthaltsorten des Sanıt- köpfchens fast immer keine oder nur wenige andere Grasmücken- arten zu finden waren, und komme zu dem Schluss, dass P. melanocephala die Fähigkeit besitzen muss, gewisse kleine Blatt- oder Rindenläuse, die wahrscheinlich durch ihre Schutzfärbung anderen Grasmücken entgehen, aufzufinden und zur Nahrung zu wählen. Neue Afrikanische Vögel. Von Oscar Neumann. Astur tachiro nyansae Nov. Subsp. Astur tachiro undulwenter (nec Rüpp) Rchw. Vögel Afrikas I p. 553 partim (Q juv. von Bukoba). — Astur sparsimfasciatus (nec Rehw.) Sharpe Ibis 1902 p. 107. g Querstriche der Unterseite braunschwarz, viel schärfer und schmäler als beim $ des echten tachiro von Südafrika, Schenkel nicht so rot, sondern weiss, rötlich gebändert. Seiten weniger rot als bei Zachiro. Unterschwanzdecken und unterer Bauch rein weiss, ungebändert. Oberseite sehr dunkel, fast schwarz, viel dunkler wie beim & des echten Zachiro. Q Grösser wie g. Schenkel deutlich braun gestreift. Unter- schwanzdecken und unterer Bauch rein weiss. Oberseits braun, aber Oberrücken und besonders Genick mit deutlichem aschgrauem Ton. Verglichen mit dem @ des echten Zachiro von Südafrika fallen die zahlreichen schmäleren Brustbinden, der weisse Unter- bauch und der graue Anflug des Oberrückens stark auf. — 139 — Die beiden bekannten @@ von Astur tachiro sparsimfaseiatus von der Insel Zanzibar unterscheiden sich von dieser Art leicht durch die bedeutendere Grösse und die sehr helle, noch viel we- niger und sehr matt gestreifte Unterseite. Länder an der Nord- und West-Küste des Victoria Nyansa. 3 Exemplare untersucht. g adult. Fort Portal zwischen Albert- und Albert Edward See 26. VI. 1900 (Johnston coll.) Br. Mus. Q adult. Ntebbi (Uganda) 2. VII. 1895 (Jackson coll.) Jackson Collection. © semi adult. Bukoba I. 1891 (Emin coll.) Berl. Mus. Zosterops smithi noV. Spec. Zosterops flavilateralis (nec Rchw.) Sharpe P. Z. S. 1895 p. 475, — 1901 p. 616. Ähnlich Zosterops flavilateralis Rchw., aber viel blasser; ober- seits matt oliven grüngrau, nicht rein olivengrün, unterseits viel matter gelb. Bug und Unterflügeldecken weiss, kaum gelblich angehaucht. Von Zosterops flavilateralis sowie von sämtlichen anderen gelbbäuchigen afrikanischen Zoszterops-Arten ferner dadurch unter- schieden, dass die Schwingensäume nicht von der Farbe des Rückens, sondern grünlich weiss, fast weiss sind. Auch die äusseren Schwanzfedern sind schmal grauweiss, nicht olivengrün gesäumt. Süd Somali Land und Rudolf See Gebiet. Typen der Art, $ und © von Sillul, Bodele, Somali Land (Donaldson Smith coll.) im Tring Museum. 2 weitere Stücke J, $ vom unteren Omo Fluss 29. XII. 99 (Donaldson Smith coll.) im Br. Mus. Letztere haben die Schwingen etwas mehr grünlich gesäumt wie die typischen Stücke. Erwähnen will ich noch, dass ein von F. J. Jackson bei Makarungu am 27.1. 89 gesammeltes Zosterops ® (Ibis 1891 p. 594) erheblich blasser ist als typische /lavilateralis und zwischen dieser Art und smithr in der Mitte zu stehen scheint. Turtur capicola tropica RBehw. n. consp. Von der im Kaplande und im östlichen Südafrika heimischen Turteltaube 7. capicola (Sund.) haben Finsch und Hartlaub (0. Afr. S. 550) eine durch blassere Färbung abweichende Form des südwestlichen Afrikas unter dem Namen 7. damarensis gesondert. Auf diese Nebenart ist bisher auch die in Ostafrika heimische Art bezogen worden. Genauere Vergleichung, zu der die Samm- lungen des Herrn Oberstabsartzt Lübbert aus Damara Gelegenheit boten, haben nunmehr die Verschiedenheit der südwestlichen und —-— 140 — östlichen Form dargethan. Die östliche Form, die ich als T. e. tropica unterscheide, steht zwischen T. capicola und T. c. dama- rensis, ist im Farbenton des Gefieders etwas heller als 7. capiecola, aber dunkler als 7. c. damarensis. Aufzeichnungen. Häufigkeit der Elster (FPica pica L.) in der Gross- stadt. In Dresden-Blasewitz, das sich in der Hauptsache aus Villen mit Gärten zusammensetzt, ist die Elster noch recht häufig. Die meisten Gärten enthalten noch Reste von Kiefernbeständen, die ehedem einen zusammenhängenden Wald von Dresden bis Dorf Blasewitz bildeten; auch der inmitten von Blasewitz gelegene Park birgt eine grosse Anzahl Elsternhorste, zu deren Zer- störung dieses Frühjahr Aufsichtsbeamte veranlasst wurden; etwa 60 Eier wurden vernichtet. In den Gärten finden sich aber noch einzelne Horste, meist auf Kiefern angelegt, die trotz Abschuss der Inhaber fast alljährlich wieder mit Nestern besetzt werden. Dabei sind die Elstern entgegen ihrem sonstigen Verhalten gar nicht scheu, tummeln sich auf Rasenplätzen in Anwesenheit von Menschen herum, richten freilich unter der Vogelwelt der Gärten reichlichen Schaden an. — Dr. Koepert (Dresden). Eigentümlicher Nistplatz des Hausrotschwänz- chens (Erithacus tithys L.). Es ist bekannt, dass sich das Haus- rotschwänzchen oft die absonderlichsten Orte zur Anlegung seines Nestes aussucht. So hat ein Paar sein Nest in einen Briefkasten gebaut, der an einem Gartenthor einer Villa in Blasewitz etwa 1 m über dem Boden angebracht war. Während des Nestbaues wurden noch täglich Briefe eingeworfen, ohne dass sich die Vögel stören liessen. Alsdann wurde der Kasten aber von aussen geschlossen und nur ein Spalt der Hinterseite blieb offen, der als Bin- und Ausflug fungierte. Trotzdem man sich täglich durch öffnen des Briefkastens von dem Fortgang des Brutgeschäftes über- zeugte, wurden von den 5 Eiern zwei ausgebrütet und die beiden Jungen wurden auch aufgebracht. — Dr. Koepert (Dresden). Anfang dieses Jahres ist von dem @Gemeindevorsteher in Guhlow bei Perleberg ein Adler geschossen worden, der nach der Beschreibung auf A. clanga Pall. zu beziehen ist. Der Vogel ist stärker wie der Schreiadler und fast schwarz. Er sass auf einer Scheune im Dorfe, strich dann ab und hakte auf einem Obstbaum im Garten auf, von wo der Schulze das völlig vertraute Tier herabschoss. — 4l — Schriftenschau. [ Um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornitholögischen ) Monatsberichten“ zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbständig erscheinenden Arbeiten | ist Preisangabe erwünscht. Reichenow. J L. Döderlein, Über die Beziehungen nahe verwandter „Tier- formen“ zu einander. Stuttgart 1902. Das wichtigste Kapitel dieser, allen Systematikern angelegentlichst zu empfehlenden Schrift handelt über den Begriff der Art oder Species. „Es muss einen Begriff geben“, sagt der Verf., „für die engsten, noch zuverlässig abgrenzbaren natürlichen Tiergruppen, die möglich sind. Nur ein solcher Begriff kann die „systematische Einheit“ darstellen, mit welcher der Forscher sicher zu operieren vermag. Diese scharf umgrenzte syste- matische Einheit ist ein unabweisbares praktisches Bedürfnis, ein unent- behrliehes technisches Hilfsmittel für die Wissenschaft. — Dieser Begriff ist die Art oder Species.“ Als Art betrachtet Verf. eine Gruppe von Einzelwesen die, unter einander vollständig übereinstimmend oder doch durch Übergänge mit einander verbunden, von anderen scharf abgegrenzt werden können. „Zu einer Art gehören sämtliche Exemplare, die der in der Diagnose festgestellten Form entsprechen, ferner sämtliche davon abweichenden Exemplare, die damit durch Zwischenformen so innig ver- bunden sind, dass sie sich ohne Willkür nicht scharf davon trennen lassen.“ Über die N eben- oder Unterart heisst es: „Nun giebt es aber zahlreiche Formen, die sich zwar sicher von einander abgrenzen und unterscheiden lassen, die also durchaus Artenwert haben, deren Unterschiede aber so geringfügiger Natur sind, dass man sie ungern als getrennte Arten be- handelt. Für solche Formen wäre der Begriff der Subspecies oder Unter- art anwendbar mit trinärer Benennung. Nur in solehen Fällen möchte ich den Begriff Subspecies für gerechtfertigt halten.“ — Andere Kapitel handeln über ‚die verschiedenen innerhalb einer Gattung oder ähnlichen Gruppe zu unterscheidenden Tierformen‘“ und über „Variabilität und Vagilität.“ _ E. A. Mearns, Descriptions of three new Birds from the Southern United States. (Proc. Un. St. Nat. Mus. XXIV. 1902. Ss. 915 — 926). Neu: Ooturniceulus savannarum floridanus von Florida, Progne subis floridana vom südlichen Florida und Silta carolinensis nelsonv von Sonora, Arizona, Neumexiko. H. v. Berlepsch et J. Stolamann, Deseriptions d’oiseaux nouveaux du P&rou Central recueillis par le voyageur polonais Jean Kalinowski. (II. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des S6ances. Paris 1901 S. 191— 195). Neu: Nothoprocta oustaleti, ähnlich N. pentlandi; N. kali- nowskü, ähnlich N. branickii; Geositta fortis, ähnlich G. crassirostris; Grallaria sororia, ähnlich @. regulus. — 142 — H. v. Berlepsch, Sur quelques esp&ces nouvelles ou peu connues recueillis dans le d&partement de Cuzco (P6rou central) par M. Otto Garlepp. (Ill. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des Seances. Paris 1901 S. 197—198). Siptornis ottonis n. sp., ähnlich $. pudıbunda. E. Simon, Descriptions de trois especes nouvelles de la famille des Trochilidae. (III. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des Seances. Paris 1901 S. 201—203). Neu: Phaethornis fuliginosus, ähnlich Ph. anthophilus; Leu- cippus baeri, ähnlich L. leucogaster,; Polyxemus harterti, ähnlich P. berlepschi. J. v. Madaräsz, Über einen neuen palaearktischen Vogel: Acanthopneuste puella n. sp. (Terme6sz. Füzetek XXV. 1902 8. 1-3 T.n. Acanthopneuste puella n. sp. von Wladivostok im östlichen Sibirien, ähnlich A. coronata. G. Faleonieri di Carpegna, Cattura di due „Cosmonettae histrionicae“ per la prima volta in Italia. (Boll. Soc. Zool. Italiana XI. 1902). 2 Vögel von Cosmonetta histrionica am 2. März im Canal von Piove erlegt. H. v. Loudon u. V.v. Tsehusi zu Schmidhoffen, Coracias gurrulus semenowi Loudon u. Tschusi n. subsp. (Ornith. Jahrb. XII. 1902 S. 148—150). Coracias garrulus semenowi von Transkaspien. L. Bureau, Note sur la prösence de la mesange & longue queue d’Irby (Acredula irbyi) dans le midi de la France. (III. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des Ssances. Paris 1901 Ss. 309— 311). Über Acredula irbyi aus der Umgegend von Marseille. Quinet, Considörations sur la migration des oiseaux. (Ill. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des S6ances. Paris 1901 S. 313— 326). A. Boucard, Les oiseaux utiles et nuisibles. (II. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des S6ances. Paris 1901 S. 343— 862). G. v. Burg, Ornithologische Beobachtungen aus dem Jahre 1900. Aarau 1902. Zusammenstellung gesammelter Aufzeichnungen verschiedener Beob- achter, die einen Überblick über die Vogelwelt des Kantons Solothurn gestattet. Ch. W. Richmond, Ixoreus should replace Hesperoeichla. (Proc. Biol. Soc. Washington XV. 1902 S. 85). — 13 — Ixoreus war von Bonaparte auf Turdus naevius Gm. begründet, Hesperocichla Baird muss zu gunsten dieses älteren Namens eingezogen werden. J. V. Barboza du Bocage, Publicagoes scientificas (1857 — 1901). Lisboa 1901. Verzeichnis der Veröffentlichungen des namentlich um die Ornitho- logie Afrikas hochverdienten Verfassers, 177 Titel sind aufgeführt. Als Anhang hierzu Verzeichnisse der Arbeiten anderer portugiesischer Forscher: Manuel Paulino de Oliveira (hauptsächlich entomologische Arbeiten), Felix de Brito Capello (haupts. über Spinnen und Krustaceen), Antonio Roberto Pereira Guimaräes (über Fische), Francisco Arruda Furtado (über Mollusken), Jos6 Augusto de Souza (orni- thologische Schriften). E. S. Zürn, Die Hausgans, ihre Naturgeschichte, Schläge, Geschichte, Haltung, Zucht, Pflege, Fütterung, Mästung und Nutz- verwendung. Leipzig (80 Pf.). Eine vollständige Geschichte der Hausgans und Anleitung zur Zucht und Verwertung vom Ei bis zur Gänseleberpastete. R. B. Sharpe, On a Collection of Birds made by Dr. A. Donaldson Smith in his last Expedition to Lake Rudolf and the Nile. (Proc. Z. S. London 1901 S. 602—622 T. XXXV]). Bericht über 118 Arten, grösstenteils aus dem Gebiet zwischen dem Rudolfsee und dem Nil. Abgebildet sind Cossypha omoensis und Ploceipasser donaldsoni. Ch. W. Richmond, An early name for the northern form of Sphyrapicus ruber. (Proc. Biol. Soc. Washington XV. 1902 8. 89). Sphyrapicus ruber nmotkensis (Suckow) anzuwenden für die von Osgood (N. A. Fauna No. 21, 45, Sept. 26 1901) von neuem begründete Art Picus flaviventris Vieill. Ch. W. Richmond, The proper name for the Arctic Horned Owl. (Proc. Biol. Soc. Washington XV. 1902 S. 86). Bubo virginianus subarcticus (Hoy) anzuwenden für D. v. arc- ticus Swains. Rehw. E. Wohlauer, Entwickelung des Embryonalgefieders von Hudyptes chrysocome. (Zeitschr. für Morphol. und Anthropologie Bd. IV. Heft 1. Stuttgart 1901. S. 132—168, mit 2 Tafeln). J. Jablonowski, Die landwirtschaftliche Bedeutung der Krähen. (Aquila VIII. 1901. S. 214—275, mit 2 Abbildungen und einer Tafel). Die in der vorstehenden, sehr umfangreichen Arbeit niedergelegten Beobachtungen und Untersuchungen beziehen sich vornehmlich auf die Erörterung des Nutzens und Schadens von Corvus frugilegus und Br C©. cornix und stützen sich auf die in Ungarn nach dieser Richtung gemachten Erfahrungen. In dem Abschnitt der Arbeit, welcher die land- wirtschaitliche Bedeutung der Krähen auf Grund von Magenuntersuchungen behandelt, geht der Verfasser näher auf die diesbezüglichen bekannten Arbeiten Prof. Rörigs ein, die er in ihren Resultaten glaubt anfechten zu müssen. Auch mit der Methode der Untersuchungen glaubt er sich nicht einverstanden erklären zu können. Jablonowski betont am Schlusse seiner Arbeit, dass die Krähen Pflanzenfresser sind, aber dort, wo sie. diese nicht finden, auch animalische Kost nehmen. Daraus folgt dann, dass man die Krähen, allgemein gesprochen, weder für nützlich, noch für schädlich halten kann, und dass ihre Bedeutung im Haushalt der Natur stets, immer und überall, von den localen Verhältnissen abhängt und durch dieselben bedingt ist. L. Cohn, Zur Anatomie und Systematik der Vogelcestoden. (Nova Act. Acad. Caes. Leopold. Carol. Bd. 79 No. 3. 1901. gr. 8. m. 8 Tafeln). L. Stieda, Der Embryologe Sebastian Graf von Tredera und seine Abhandlung über das Hühnerei. (Anat. Hefte, Wiesbaden 1901. gr. 8. Abth. I, Heft 58 S. 1—69, mit 2 Tafeln). G. Bolton, Animals of the Bible. London 1902. 8%. 128 pg. with illustrations. St. Chernel von Chernelhaza, Über Nisten der Wachholder- drossel (Turdus pilaris L.) in Ungarn. (Aquile, VIII 1901. S. 291—293). Nachweis, dass Cie Wachholderdrossel nur selten und vereinzelt in Ungarn brütet. Ein Fa’l des Bıutvorkommers im E'senburger Comitate im Jahre 1901 wird e’ngehend behandelt. St. Chernel von Chernelhaza, Vögel mit difformen Schnäbeln. (Aquila VII. 1901. S. 293—295. mit einer Abbildung). Schnabeldeforwitäten von Otis tarda, Colymbus cristıtus, Eu- dytes septentrionalis, Larus canus, und Tetrao urogallus werden beschrieben. G. Gaal de Gyula, Der Phalaropas lobatus (2) in der Vogel- fauna des Balaton Sees. (Aquila V!:l. 1901. 8. 295—296). W. T. Blanford, The distribution of vertebrate animals in India, Ceylon and Burma. (Transact. Philos. Soc. London, 1901. pg. 69—173 with col. map). J. J. Kieffer, Observations ornithologiques. (Bull. Soc. d’hist. nat. de Metz 1901. 3 S.). Faunistische Mitteilungen aus Lothringen. J. E. Harting, Our summer migrants. Account of Migratory birds which pass the summer in the British Islands. New edition. London 1901. 8°. 346 pg. with illustrs. — 145 — H. Wiglesworth, Note on the spread of fulmar. (Proc. and Transact. Liverpool Biolog. Soc. vol. XV, 1901. 8. 256—251). F. H. Herrick, Home-life of wild bird.. New method of the study and photography of birds. London 1901. roy. 8°. 168 8. Mit 141 Abbildungen. A. Pischinger, Der Vogelgesang bei den griechischen Dichtern des klassischen Altertums. Eichstädt 1901. 8%. 108 8. A. Bonomi, Il quinto congresso Zoologico internazionale di Berlino e l’escursione dei congressisti sul mar del Nord. (Atti dell. J. Accademia di Sceienze Lettere ed Arti degli Agiati in Rovereto. Ser. III vol. VII, fasc. II/IV, 1901. 14 S.). Der Verf. giebt einen Bericht über den fünften Internationalen Zoologen Congress in Berlin, wie über den Aufenthalt in Hamburg und den Besuch Helgolands. Der Bericht ist in schmeichelhafter Form für Berlin und in anerkennendster Weise für die Congressleitung geschrieben. F. Lindner, Zum Vorkommen der Steppenweihe (Oörcus ma- erurus) in Mitteleuropa während der letzten 12 Jahre, mit besonderer Berücksichtigung der diesjährigen Invasion. (Monatsschr. d. Ver. z. Schutze d. Vogelwelt. XXVII. 1902. 8. 51—59). Zusammenstellungen aus verschiedenen ornithologischen Zeitschriften. A. Bachmann, [Über Oceanodroma leucorrhoa]. (Monats- schrift d. Ver. z. Schutze d. Vogelw. XXVII. 1902. S. 76). Eine kurze Notiz wird darüber gegeben, dass die vorgenannte Art, ebenso wie Puffinus puffinus, ihre Jungen nie bei Tage füttern soll. E. Weiske, Ein Beitrag zur Naturgeschichte der Laubenvögel. (Monatsschr. D. Ver. z. Schutze d. Vogelw. XXXVII. 1902. S. 41—45, mit Tafeln und Schwarzbildern). Schilderungen der Lebensweise von Amblyornis inornatus und subalaris, Uhlamydodera cerviniventris, Aeluroedus melanocephalus und stonei, Scenopoeetes dentirostris mit besondere Berücksichtigung der Laubenanlagen der genannten Arten wie des Brutgeschäfts. A. Meyer, Beobachtungen am Wanderfalken in der Gefangenschaft. (Monats. d. Ver. z. Schutze d. Vogelw. XXVIl. 1902. S. 45—50). F. Dahl, [Über einen „sehr seltenen“ Vogel aus dem Bismarck- archipel]. (Sitzungs-Berichte d. Ges. Naturf. Freunde, 1902 8. 26— 27). Notizen über ein Exemplar von Hypotaenidia insignis Sel. aus den Bainingbergen von Neu-Pommern. Das zweite bekannt gewordene Exemplar, welches sich im Berliner Museum befindet. Den Typus be- sitzt das British Museum. — 16 — A. 6. Vorderman, Systematisch overzicht der vogels van Java. (Tijdschrift Naturk. voor Nederlandsch-Indie. Batavia 1901. Ser. X, Deel 4 S. 476—503). A la memoire de Michel-Edmond de Selys Longehamps, 1813—1900. Liege 1901. 8°. 51 S. avec 1 portrait. Enthält einen Necrolog sowie die Reden bei der Beisetzung von Dupont, Lameere und Gravis. A. Hodgkinson, Structure of the left auriculo-ventricular valve in birds. (Journ. of Anat. and Physiology. vol. XXXVI 1901. 8. 37—62). K. Abraham, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des Wellen- sittichs. (Anat. Hefte, Wiesbaden 1901. S. 2—83 mit 3 Tafeln). J. Rohweder, Aus dem Leben der Waldschnepfe.. (Monats- schrift d. Ver. z. Schutze d. Vogelw. XXVII. 1902. S. 133—136 mit Taf. 3 und 9). Mitteilungen über die Thatsache, dass Scolopa® rusticola, vor- nehmlich bei drohender Gefahr, ihre Jungen einzeln an einen anderen Ort bringt, indem sie sie fliegend über mehr oder weniger weite Strecken durch die Luft davon trägt. v. Tschusi zu Schmidhoffen, Ornithologische Kollektaneen aus Oesterreich-Ungarn und dem Oceupations Gebiete, VIII (1899). (Monats- schrift d. Ver. z. Schutze d. Vogelw. XXVII. 1902 S. 137—142). A. P. Lorenzen, Die Vogelwelt Grönlands. (Monatsschrift d. Ver. z. Schutze d. Vogelw. 1902 S. 145—153). Nach Herluf Winge’s Grönlands Fugle. B. Hantzsch, [Phylloscopus rufus sylvestris Meisner im Königreiche Sachsen]. (Monatsschr. des Ver. z. Schutze d. Vogelw. XXVIl. 1902 8. 154—155). Beobachtungen aus der Umgegend von Königsbrück an der sächsich- preussischen Grenze. Wilfred H. Osgood, Natural history of the Queen Charlotte Islands, British Columbia. (North American Fauna No. 21 1901. Ss. 7—50). Die Queen Charlotte Inseln liegen an der Küste von British Colum- bien im Süden der Alaska Grenze. Das Innere derselben ist wenig er- forscht. Der Verf. der vorliegenden Arbeit hatte Gelegenheit, sie von Mitte Juni bis gegen Ende Juli 1900 zu besuchen. In seinem Bericht findet sich ausser einleitenden Notizen, zoogeographischen Bemerkungen und einer Übersicht der Litteratur auch ein Verzeichnis der für die Charlotte Inseln nachgewiesenen Vögel ($. 38—50). 97 Arten und — 147 — Conspeeies werden aufgeführt, mit mehr oder minder eingehenden Notizen über die Verbreitung im Gebiet. Nyctala acadica scotaea, Dryobates picoideus, Cyanceitta stellerv carlottae werden als neu characterisiert. Die Species von Aythya, Olor, Lagopus und Anthus, die auf den Inseln vorkommen, sind nicht festgestellt worden. Wilfred H. Osgood, Natural history of the Cook Julet Region, Alaska. (North American Fauna, No. 21. 1901 S. 51—31). Die Region um Cook Julet in Alaska war bisher wenig durchforscht. Osgood hatte Gelegenheit, das Gebiet im Jahre 1900 zu besuchen. Er giebt eine allgemeine Schilderung desselben. In der Liste der Vögel werden 78 sp. aufgeführt. H. Schalow. sannnnnannnnnnn Bulletin of the British Ornithologists’ Club. No. XC. June 1902. 0. Neumann weist nach, dass die von Hawker im Somaliland und am weissen Nil gesammelten, auf Dubo abyssinicus bezogenen Vögel auf eine rötliche Form des B. cinerascens zurückzuführen seien. — Derselbe stellt auf Grund der Untersuchung des Typus von Bubo dilloni Prev. Des Murs fest, dass diese Art nicht auf B. maculosus cinerascens zu beziehen, sondern als conspecies von D. capensis zu betrachten ist. — Derselbe weist ferner nach, dass der im Pariser Museum befindliche Typus von Centropus nigrorufus Cuv. nicht auf die afrikanische Art, sondern auf Centropus purpureus zu beziehen ist. — Dr. v. Roth- schild beschreibt Hypotaenidia kühni n. sp. vom südöstlichen Celebes, ähnlich HI. suleirostris, und Francolinus coqui angolensis n. consp. von Angola. [Es bleibt festzustellen, ob diese Form, wenn anders die Sonderung überhaupt aufrecht erhalten werden kann, nicht mit F. coqwi stuhlmanni zusammenfällt. Rehw.] — E. Hartert beschreibt COotsle pembertoni n. sp. vom Kuanza, ähnlich Ü. paludicola. — Derselbe weist auf den auffallend entwickelten Penis bei Textor niger hin. — Nach R. Butterfield ist Saxicola caterinae am 28. Mai d. J. in Sussex erlegt worden. — R. B. Sharpe beschreibt den alten Vogel von Lopho- triorchis lucanı und Indicator ussheri n. sp. von der Goldküste, ähnlich I. conirostris. — W. R. Ogilvie Grant beschreibt Fringillaria dihalae vom südlichen Arabien. [Fällt mit 7 arebica Lorenz Hellm. zusammen.] — F. Coburn berichtet, das 5 Vögel von Anser rubri- rostris Hodgs. im November vergangenen Jahres in Irland erlegt seien, und beschreibt einen eigentümlich gefärbten Vogel von Anser fabalıs, der am 25. Februar 1896 in Schottland erlegt wurde. — W.L. Sclater berichtet über eine bei East London im Kaplande erlegte Porzana mar- ginalis. — F. W. Frohawk berichtet über Zucht von Anser albi- frons in Gefangenschaft. — R. B. Sharpe beschreibt Chalcopelia abyssinica und delicatula, beide conspecies von Ch. afra, erstere von Bogos, letztere vom weissen Nil. [Vergl. hierzu Rchw. J. f. O0. 1902 S. 134.] — 148 — R. B. Sharpe, On a collection of birds made in Mongolia by Dr. Donaldson Smith and Messrs. J. E. and G. L. Farnum. (II. Congıes Ornith. Intern. Compte Rendu des S6ances. Paris 1901. Ss. 155—172). Aufzählung von 54 Arten mit Fundortsangabe und Hinweisen auf die Litteratur. R. B. Sharpe, Sur une petite collection faite par le Pere Hugh dans la province du Shen-si et d’autres parties de la Chine septen- trionale. [III. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des S6ances. Paris 1901. S. 173—185). Aufzählung von 44 Arten mit Litteraturnachweisen. Ch. van Kempen, Anomale remarquable chez deux oiseaux. (III. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des Seances. Paris 1901. S. 186). Oedicnemus crepitans und Tringa subarguata mit einer Haube weisser Federn auf dem Scheitel. V. Fatio, Trois exemplaires d’une forme partieuliere de Tetrao tetrix femelle, peut-&tre femelles de Teirao medius. (III. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des Seances.. Paris 1901. S. 187—190). E. Oustalet, Note sur une petite collection d’oiseaax du Vene- zuela.. (Ill. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des Seancecs. Paris 1901. S. 204). Aufzählung von 14 Arten. Nachrichten. Wie „The Ibis“ erfährt, ist der bekannte Ornithologe Carl Euler am 27. November 1901 in Rio de Janeiro gestorben. Er war 1854 in Basel geboren, wanderte 1353 nach Brasilien aus und liess sich in der deutschen Kolonie Cantagallo nieder. Hier sammelte er und beob- achtete die Lebensweise der Vögel in den sechsziger und siebziger Jahren. Mehrere wertvolle Sammlungen schenkte er dem Berliner Museum. Einige Arbeiten über das Brutgeschäft und die Eier brasilianischer Vögel sind von ihm in den Jahrgängen 1867 bis 1869 des Journal für Ornithologie veröffentlicht worden. Anzeigen. Von diesjähriger Excursion nach Dalmatien gebe ich tadellose Vogelbälge (auch interessantere Sachen) im Tausch gegen paläarktische Vögel ab. Rechtsanwalt Kollibay in Neisse. Druck von Otto Dornblüth in Bernburg. Ornithologische Monatsberichte herausgegeben von Prof. Dr. Ant. Reichenow. X. Jahrgang. Oktober 1902. No. 10. Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. Anzeigen 20 Pfennige für die Zeile. Zusendungen für die Schriftleitung sind an den Herausgeber, Prof. Dr. Reichenow in Berlin N.4. Invalidenstr. 43 erbeten, alle den Buchhandel betreffende Mitteilungen an die Verlagshandlung von R. Friedländer & Sohn in Berlin N.W. Karlstr. 11 zu richten. Zwei neue Vogelarten. Von N. Zarudny und Harald Baron Loudon. Turtur communis Selby var. gregorjewti subsp. nov. Belegexemplare: 1. 9 3. V. 1901 Kuuscha [Beludschistan]. 2. 9 4. V. 1901 Taminstan [ib.]. 3. 2 10. V. 1901 Ljarumba [ib.]. 4. 3 16. VI. 1901 Margü [Seistan]. 5. @ 27. VII. 1901 Tis-Bad [Bezirk-Chaf|. Diese Species der Lachtaube gehört zu den gewöhnlichen Brutvögeln der Tamarixdickichte des Hilmend Flusses. Vergleichen wir die Lachtauben aus dem östlichen Persien, Transkaspien und Turkestan mit denen aus dem europäischen Russland, so kann man die sie unterscheidenden Merkmale nicht übersehen; diese sind so augenfällig, dass man die östlichen Formen, aller Wahrscheinlichkeit nach, als separate Rasse, wird trennen müssen. Turtur communis var. gregorjewi hat folgende charakteristische Merkmale. Die Oberseite des Kopfes, im Beson- deren die der Flügel und des Rückens, sind bedeutend heller. Die Federn der Rückenpartie [pterila] haben bei den Jg keine schwarzen Centren oder nur solche, die sehr schwach an- gedeutet sind. Bei den $Q sind diese Centren deutlicher, aber niemals so stark entwickelt, als bei den Q@ von Turtur communis. Die Befiederung der Schultern, die oberen Flügeldeckfedern und die innersten Schwingen tragen breite rostbräunliche Ränder, wo- durch die schwarze Färbung der mittleren Teile stark eingeschränkt wird und sich auf einen nur kleinen Raum verbreitet. Die rot- braunen Ränder sind bedeutend heller und gehen stellenweise in eine sandgelbe Färbung über. Die allgemeine Färbung der Rückenpartie ist nicht grau- braun, wie bei Turtur communis, sondern hell rost-rot-grau. Die Befiederung des Unterrückens und Bürzels mit helleren grau- rötlichen Federenden. 10 — 150 — Hier die Masse der obenangeführten Exemplare: No. EN Flügel Schwanz Lauf Verhältnis d. Schwingen 1.g 23 mm., 163,8 mm. "Il mm. 24mm. 23) ID ze 2.4.4. 12.) a, 20, St ein... 45 235, 10. „ a8, 2. SS vn 5.0. 235... 164 0.0110. Bu ae Wir benennen, die soeben beschriebene neue Subspecies, nach Seiner Excellenz Alexander W. Gregorjew, dem Sekretär der Kaiserlichen geographischen Gesellschaft zu St. Petersburg. Bemerkung: Nicht allein die west-europäischen Ornitho- logen, sondern auch die russischen, wie z. B. Menzbier [Vögel Russlands] bezeichnen die Farbe, welche die Enden der schwar- zen Federn an den Halsseiten bildet, als weiss. Wogegen wir bemerken, dass bei allen Exemplaren, welche in unsere Hände gelangten und in folgenden Gegenden gesammelt waren, wie: Turkestan, Buchara, transkaspisches Gebiet, Persien, Be- ludschistan und in den Gouvernements: Orenburg, Moskau, Poltawa und Nowgorod, diese Farbe als deutlich bleich blau- grau bezeichnet werden muss. Natürlich nicht so dunkel, als bei Turtur ferrago. Sterna minuta innominata subsp. nov. Belegexemplare: 1. @ 13. IV. 1901 Bampur [Beludschistan]. 24:6, 15. 1V:71901 [ib.]. 3.19 20:IV. 1901 Espossafar [Beludschistan]. 4. $ 20. IV. 1901 [ib.]. Ausser der typischen Sterna minuta und den Übergangs- formen zu St. saundersi fand Zarudny in S. Ost-Persien noch eine Form der Zwergseeschwalbe, welche dieser bezüglich der Verbreitung, der grauen Färbung auf Flügeln und Rücken ähnlich ist, auch bezüglich der Färbung der oberen Schwanzdeckfedern und des Schwanzes. Diese neue Form unterscheidet sich von Sterna minuta durch die Färbung der grossen Schwingen, von denen nur die erste schwärzlich ist. Bezüglich der schwächeren Verbreitung der schwärzlichen Färbung auf den grossen Schwingen bildet sie gewissermassen einen Übergang zur Sterna sinensis Gm. Indem wir diese neue Form als Sterna minuta innominata be- zeichnen, führen wir folgende charakteristischen Merkmale an. Sie ähnelt der typischen Sterna minuta, hat aber nur die erste grosse Schwinge schwärzlich, Bei einem hellbraunen Schafte ist die Aussenfahne schwarz; auf der Innenfahne zieht sich längs des Schaftes ein breiter schwarzer Streifen. Die Schäfte der zweiten und dritten Schwinge sind bloss in der Wurzelhälfte schwärzlich. — 151 — Die Masse sind Folgende: Schnabel!) vom 1; Schwanz No. Mundwinkel an Flügel a) bis zur Spitze der b) bis zur Spitze der c) Lauf : längsten Steuerfedern kürzesten Steuerfedern 1. — 169 mm. 75 mm. 45 mm. 17 mm. 2. — 171,5 „ USN 47 ,„ 17,1, 3. — 172,3, 80,5 „, 41,5 „ 17.4 „ 4. 414mm. 173 „, Sr, 48 „ 17,5 „ Zudem unterscheidet sich die soeben beschriebene Form von der typischen Sierng minuta nicht allein durch die Masse, die bei St. sinensis bedeutender sind, sondern auch durch die Länge der äusseren Steuerfedern, die ebenfalls bei St. sinensis nach Blanford |Fauna, Brit. India. V. IV pag. 320—321] länger sind. Tacza- nowski |Fauna ornith. sib&rie orientale pag. 1015] führt als Haupt- merkmal der sSterna sinensis die grössere Verbreitung der schwarzen Färbung an der Schnabelspitze an; wo diese Färbung sich auf die Länge von einem Centimeter erstreckt. In dieser Beziehung unterscheidet sich Sierna innominata nicht von St. minuta. Wahrscheinlich brütet diese Form in Persisch- Belud- schistan, im Gebiet des Rud-i-Bampur. In welcher Entfernung werden in der Luft schwebende Vögel für das unbewaffnete Auge des Beobachters unsichtbar? (Vorläufige Mitteilung von F. Helm.) Auf Grund kürzlich mit Hilfe eines Drachens angestellter Untersuchungen seien vor der Hand nachstehende Ergebnisse mitgeteilt. Eine ausführliche Schilderung der Untersuchungsmethode und eine genaue Übersicht der Ergebnisse soll nach Abschluss der Versuche im Journal für Ornithologie zur Veröffentlichung kommen. I. Versuch. Himmel vollständig bewölkt, Wind unregelmässig. 1 Haussperling, 1junger rotrückiger Würger, lalte weisse Bachstelze, in einer Höhe von 165 m und in einer Entfernung von ca. 375 m von den Beobachtern, erschienen nur als deutliche Punkte, der erstere als kleiner, die beiden anderen als etwas grössere, für meine Freunde, ich selbst sah in dieser Entfernung trotz meiner guten Augen von den Vögeln nichts mehr. II. Versuch. Bewölkung des Himmels: 3/, Beleuchtung des Vogels erfolgte von der linken Seite. | 1 junge Lachmöve, in einer Höhe von 160—170 m und ca. 900 m von den Beobachtern entfernt, verschwand mitunter ganz den Blicken, war aber zuweilen wieder sichtbar — im grossen ganzen war sie mehr sichtbar als unsichtbar. 1) Bei drei Exemplaren sind die Schnabelspitzen an Steinen beschädigt. 10* — 12 — III. Versuch. Himmel vollkommen bewölkt. 1 Elster, ca. 180 m hoch in der Luft und ca. 1200 m von unserem Standpunkt entfernt, vor einer grauen Wolke schwebend, erschien noch als (deutlich) sichtbarer Punkt. VI. Versuch. Elster, Lerchenfalke, von der Sonne beschienen, in einer Höhe von 250 m und 830 m von den Beobachtern entfernt, waren nur bei günstiger Beleuchtung noch als Punkte erkennbar, zeit- weise aber unsichtbar. V. Versuch. Himmel ringsum mit dunkelblauen Gewitterwolken bedeckt, Luft klar. 1 Nebelkrähe erschien 960 m vom Beobachter entfernt noch als Punkt, bei 1040 m Abstand aber war nichts mehr von ihr zu sehen, mit einem gewöhnlichen Feldstecher konnte man sie noch bei 1440 m Entfernung wahrnehmen, aber schon nicht mehr bei 1520 m. Anm. Versuch I—III wurden von Herrn Forstmeister Loos, Herrn Lehrer Sprenger und von 'mir, Versuch IV und V von den beiden zuerst genannten Herren ausgeführt. Die Vögel wurden mit entfalteten Schwingen am Drachen befestigt. Vogelwarte Rossitten. (Vorkommen von Corvus corniw X Corvus corone.) Heute kann ich wiederum von der Erbeutung eines Krähen- bastardes (Kreuzung zwischen Corvus cornix und Corvus corone) auf der kurischen Nehrung berichten.!) Das auf dem Rückzuge befindliche Exemplar, ein Weibchen, wurde am 19. April dieses Jahres bei Sarkau von einem Krähenfänger in Gemeinschaft mit ziehenden echten Nebelkrähen im grossen Zugnetz gefangen und war bereits, wie üblich, am Fangplatze angepflöckt worden, als der jetzt in Cranz ansässige Herr O. le Roi, an dem die Vogelwarte einen sehr thätigen Mitarbeiter gefunden hat, dazukam und den Vogel sofort für sich erwarb. Genannter Herr hatte dann die Freundlichkeit, den interessanten Bastard mir zur Ansicht einzu- schicken, wofür ihm an dieser Stelle gebührender Dank abgestattet werden soll. Seinem Schicksale, an demselben Abende von dem Sarkauer Fänger noch totgebissen und dann zu Hause verspeist zu werden, wäre der fragliche Vogel auch ohne das Dazwischen- treten des Herrn le Roi vorläufig jedenfalls noch entgangen, da die Nehrungsbewohner glauben, dass derartige „dunkle“ Krähen die Artgenossen besser anlocken als helle. So hätte unser Bastard höchst wahrscheinlich die ganze Fangperiode hindurch als Lock- krähe fungieren müssen, um am Schluss der Saison wieder in 1) Vergl. meine Notiz in Nr. 12, 1901 der Orn. Monatsber. J. Th. — 13 — Freiheit zu gelangen, da die in der Gefangenschaft gehaltenen und fast ausschliesslich mit Fischen gefütterten Lockkrähen nicht ı schmecken sollen und darum stets fortgelassen werden. Derartige in Freiheit gesetzte, an Schwanz und Flügeln stark beschädigte und fast flugunfähige Krähen treiben sich am Schlusse einer jeden Frühjahrs- und Herbst-Fangperiode stets in grösseren Mengen in der Nähe der Nehrungsdörfer umher. Die oben erwähnte, unter den hiesigen Fängern verbreitete Ansicht übrigens, dass dunkle Krähen bessere Lockvögel seien wie helle, kann ich mir nur daraus erklären, dass die Saatkrähen thatsächlich besser anlocken sollen wie die Nebelkrähen und daher an den Fangplätzen mit Vorliebe verwendet werden. Da denken nun wahrscheinlich die Leute, es liegt an der schwarzen Farbe, und eine dunkel angehauchte Nebel- krähe muss auch eine grössere Anziehungskraft für ihre Artgenossen besitzen wie eine helle. Ich lasse nunmehr die Beschreibung des am 19. April er- beuteten Bastardes folgen. Derselbe zeigt cornix-Typus. Die ganze Oberseite ist allerdings sehr dunkel, fast schwarz, nur die Federn des Oberrückens haben dunkelgraue Rändchen, eine Er- scheinung, die nach den Seiten des Unterhalses und den Schultern zu stärker wird. Unterseite dunkelgrau, mit Ausnahme natürlich von Kehle, Hals und Oberbrust, welche immer schwarz sind. Die grossen grauen Konturfedern der Unterseite tragen oft in der Mitte einen schwarzen Längsflecken oder -streifen. Auf den weichen, mehr zerschlissenen Federn des Unterleibes tritt das Schwarz etwas deutlicher hervor, aber doch bei weitem nicht in dem Masse, wie bei ähnlichen Exemplaren meiner aus Mitteldeutschland stammenden Bastardkrähenkollektion, die einen vollständig schwarzen Bauch haben, dann allerdings fast ausschliesslich Männchen sind. Flügel und Schwanz stechen sehr ins Braune und sind an den Spitzen stark abgenutzt, sodass ich das Exemplar wohl mit Sicher- heit als vorjähriges Junge ansprechen darf, das die Schwung- und Steuerfedern noch nicht gewechselt hat. Auf der Kurischen Nehrung während der Zugzeit erbeutete Krähenbastarde müssen stets grosses Interesse für sich in Anspruch nehmen, weil diese Vögel nur aus dem fernsten Osten, höchst- wahrscheinlich dem Jenissei-Gebiete, zu uns gelangen können bezw. in jene Gegend zurückziehen müssen, da erst dort wieder ein zu- sammenhängendes Brutgebiet von Ü. corone beginnt, worauf ich schon in meinem oben zitierten Artikel hingewiesen habe. Interessant ist ferner die Frage, ob sich bei diesen Bastarden nicht etwa ver- wandtschaftliche Beziehungen zu der in Asien heimischen östlichen Rabenkrähe, Corvus orientalis Evers., nachweisen lassen. Ich habe den mir vorliegenden Bastard daraufhin untersucht und mit meinen mitteldeutschen Bastardkrähen verglichen, wobei ich über ziemlich umfangreiches Material verfügen konnte, da mein Katalog bis jetzt 55 Nummern aufweist., Corvus orientalis soll sich von der echten ©. corone durch bedeutendere Grösse, stärkere Füsse, gestufteren — 14 — Schwanz und dickeren, breiteren Schnabel auszeichnen. In Bezug auf die drei ersten Punkte konnte ich bei der fraglichen Bastard- krähe nichts Auffallendes finden, was bei der den Öorviden eigenen » grossen Variation nicht zu verwundern ist. Ich werde am Schluss vergleichshalber eine Masstabelle von Krähenbastarden bringen, wobei sich das Nehrungsexemplar unter Nr. 1 findet. Es wird sich dann zeigen, wie stark diese Vögel in Bezug auf plastische Merkmale variieren. Durch breiteren Schnabel zeichnet sich aber der mir vorliegende Nehrungsbastard entschieden von seinen mitteldeutschen Verwandten aus, was weniger an der durch die Borsten verdeckten Schnabelwurzel zu merken ist, als an deren breiter gewölbten Schnabelfirsttee Auch der Unterschnabel zeigt sich von unten gesehen etwas breiter wie bei den übrigen Bastard- krähen. Bestimmte Masse lassen sich für die angegebenen Merk- male schwer angeben, jedenfalls aber ist der Nehrungsvogel am Schnabel, der sich im Verhältnis zur Körpergrösse überhaupt stark entwickelt zeigt, aus den übrigen Bastarden herauszufinden. Viel- leicht deutet dieser allerdings schon minutiöse Unterschied auf eine Verwandtschaft mit Corvus orientalis hin und giebt Finger- zeige für spätere Untersuchungen. Schliesslich können hier beobachtete Bastardzugkrähen auch in Bezug auf Vogelzugfragen bemerkenswerte Aufschlüsse geben. Der vorjährige, in meinem oben zitierten Artikel behandelte Krähen- bastard wurde am 2. November, also auf dem Herzuge, erbeutet. Stammt er mit seinen gleichzeitig ziehenden Genossen wirklich aus dem fernen Asien, etwa aus dem Gebiete zwischen Amur und Jenissei, so ist er jedenfalls ein Vertreter der am weitesten im Osten gelegenen Gegenden, aus denen wir Krähenzuzug hierher bekommen. Wenn demnach beim Vogelzug ein schablonenhaftes Nachrücken der Vogelscharen stattfände, dann müssten die aus jenen Gegenden stammenden Vögel am Ende der Zugzeit hier eintreffen. Nun setzt hier auf der Nehrung der grossartige Herbst- krähenzug in der ersten Hälfte des Oktober ein und dauert unter Umständen bis Weihnachten. Der 2. November fällt also un- bedingt noch an den Anfang, wenigstens in die erste Hälfte der Zugzeit. Gerade umgekehrt ist es bei dem diesjährigen, auf dem Rückzuge ins ferne östliche Brutgebiet erbeuteten Bastarde. Der hätte, wiederum ein stetes Nachrücken der Vogelscharen voraus- gesetzt, gleich zu Beginn der Zugperiode hier eintreffen müssen. Er wurde aber erst am 19. April gefangen. Da waren schon seit Februar ungezählte Krähenscharen hier durchgezogen, und unsere hier ansässigen Nebelkrähen hatten bereits mit dem Brutgeschäfte begonnen.!) In beiden Fällen hätte also von seiten der östlichen 1) Erwähnen will ich hier, dass ich am 12. April 1901 auf der Rossitter Feldflur eine vergiftete Corvus cornix (der Grösse nach ein Weibchen) fand, die ein sehr dunkles Kolorit zeigte und auf dem Rücken einzelne dunkle Federn trug. Ich war damals noch geneigt, den Fall — 15 ° — Wanderer ein Überfliegen der am Brutplatze weilenden Vögel stattgefunden, eine Erscheinung, die auch schon anderwärts vermutet oder beobachtet worden ist. Natürlich muss erst noch ein viel grösseres Beobachtungsmaterial an Bastard-Zugkrähen zusammen gebracht werden, ehe man sich weiter oder bestimmter über die besagten Punkte äussern kann. Zum Schluss will ich noch über die Schicksale des vorjährigen Krähenbastardes berichten, den ich, wie bereits erwähnt, lebend vom Fänger bekam. Ich habe den Vogel mehrere Wochen im Käfig gehalten, um nach der nächsten Mauser den eventuellen Farbenwechsel zu beobachten, aber eines Tages entwischte mir der schlaue Vogel und trieb sich noch längerer Zeit in unmittel- barer Nähe des Gehöftes und an dem hergerichteten Luderplatze umher. Das Schiessen des-Flüchtlings verschob ich von einem Tage zum andern, weil ich'immer noch hoffte, ihn wieder einfangen zu können, bis er eines Tages spurlos verschwunden war. Masstabelle von Krähenbastarden. (Corvus cornix X Ü. corone.) Schnabel (vom Mund- winkel aus). Geschlecht 2 a BR Schnabel et Länge. | Breite. (First). NEE. 9. 44,5 Sarkau, (am Balge — 5,1 5,7 31, 5,5 Kur. Nehrung gemessen) 19./4. 1902. Nr. 2. Q. ‘ Leipzig 44,5 87,5 4,7 5 30,5 5,5 22./1. 1893. Nr: Fittich. | Tarsus. d- Deuben bei | 52,5 99 5,2 5,5 34,5 5,8 Leipzig 22./2. 1896. Nr. 4. | Sn Deuben bei | 49,5 93,5 5,1 Leipzig 6./6. 1896. für Melanismus zu halten, da ich an das Vorkommen von Bastarden auf der Nehrung nicht recht glaubte. Jetzt möchte ich den Vogel aber doch auch für einen sehr spät durchziehenden Krähenbastard halten. J. Th, — 16 — Geschlecht, Fundort, Länge. Breite. Datum. Nr. 5. Schnabel | ERN (vom Mund- Fittich. | Tarsus. winkel aus). Schnabel (First). Q. Connewitz beil 45,5 88,8 4,3 5 29,7 5,4 Leipzig 22./2. 1897. Nr. 6. juv Zitzschen b. 46,5 88,7 4,6 Eythra 28. 8. 1898. Nr. juv. Bergedorf 1898. Nr. MS oo 5,2 30 5,5 45 (am Balgeg| — 4,2 gemessen) 46 | 295 5 ° Osterwieck 47 89,5 4,6 5,1 30,5 5,3 a./Harz 14./1. 1898. Nr. 9. Q Deuben b. | 45,5 87 4,6 Leipzig 4./5. 1897. Nr. 10. 2 Altenbach b.| 46 88,5 4,7 Wurzen 24./6. 1897. Nr. 11. 4,9 5,1 30,5 | 55 305 | 54 ) Deuben b. 50 95,5 5,3 Leipzig 15./4. 1898, Rossitten, Kurische Nehrung, Aug. 1902. 5,6 31 6 J. Thienemann. „Berichtigung.“ In Nr. 5 des laufenden Jahrganges der Orn. Monatsber. hatte ich von'der Erlegung einer Spatelente, Fuliyula islandica, bei — 17 — Nemonien am Kurischen Haff berichtet, die dem Herrn Präparator Sondermann-Paossen eingeschickt sein sollte. Heute muss ich diesen Fall leider widerrufen. Auf meinen Wunsch schickte der genannte Herr den fraglichen Vogel an die Vogelwarte zur Ansicht ein, und ich konnte ihn als Weibchen der Schellente (Fuligula clangula (L.)) bestimmen. Ich hatte mich damals zu vorzeitiger Veröffentlichung verleiten lassen, weil mir erstens Herr Sonder- mann schrieb, dass die Ente genau bestimmt sei, und weil er den Fall auch bereits in der Deutschen Jägerzeitung, Neu- damm, Nr. 2. Bd. 39, veröffentlicht hatte. Auch dort ist demnach eine Berichtigung vorzunehmen. Rossitten, Kur. Nehrung, Aug. 1902. J. Thienemann. Zwei neue Vögel für Holland. Von Baron R. Snouckaert van Schauburg. Tinnunculus vespertinus (L.). Am 20. Mai 1901 wurde bei Ell (Provinz Limburg) ein kleiner Raubvogel geschossen und für die Sammlung des Herrn Beckers, Lehrer am bischöflichen Collegium in Weert (Limburg) ausgestopft. Als ich später davon hörte und auf meine Bitte den Vogel zur Ansicht erhielt, erkannte ich diesen als ein schönes altes $ vom Rotfussfalken. Diese Art war, auffallend genug, für Holland bisher nicht nachgewiesen worden. Buteo zimmermannae Ehmcke. Herr H. Michel, Förster auf Schloss Twickel bei Delden (Provinz Overysel) fing am 16. April dieses Jahres auf einem Tellereisen einen kleinen, auffallend rostrot gefärbten Bussard. Als ich diesen Vogel, der mir von dem genannten Herrn gütigst ge- schenkt wurde, erhielt, konnte ich selben sofort als D. zimmermannae ansprechen, welche Bestimmung übrigens noch von Dr. Otto Finsch bestätigt wurde. Das Stück ist ein altes @ und der Figur 3 auf Tafel 35 im V. Bande der neuen Ausgabe von Naumann völlig ähnlich. Diese Bussardart war meines Wissens bis jetzt noch nicht in Holland angetroffen. Thamnolaea coronata Rehw. n. sp. Der Th. subrufipennis sehr ähnlich, aber mit weisser Ober- kopfplatte. Kopf, mit Ausnahme der reinweissen Oberkopfplatte, Hals, bis zur Oberbrust, Rücken und Flügel schwarz; weisser Schulter- fleck und Handrand; Bürzel, Ober- und Unterschwanzdecken und Unterkörper rotbraun, die Brust blasser und am Hinterrande der schwarzen Oberbrust ein weisser Saum; Schwanz schwarz, an der — 18 — Wurzel rotbraun; Auge schwarzbraun;; Schnabel und Füsse schwarz. Lg. 210, Fl. 110, Fl./Schw. 50, Schw. 80, Schn. 17, L. 30 mm. Von Oberleutnant Thierry bei Tapong im Hinterlande von Togo am 11. VIII 01 erlegt. Ploceus schiällingsi Rehw. n. sp. Dem P. bojeri sehr ähnlich, namentlich wie dieser durch ein goldigrotbraunes, die Kehle umgebendes Band ausgezeichnet, aber Oberkörper viel dunkler olivengelb; Oberkopf nicht gleichmässig goldigorangegelb, sondern an der Stirn goldgelb und nach dem Genick allmählich in ein tiefes Goldbraun übergehend; Schwingen und Flügeldecken nicht olivengelblich verwaschen, sondern schwarz- braun mit scharf abgesetzten breiten olivengelben Säumen. Lg. etwa 155, Fl. 75, Schw. 60, Schn. 16, L. 22 mm. Der vorliegende Balg ist von Hrn. Schillings in Deutsch- Öst-Afrika am Rufuflusse gesammelt. i Zur Wanderung der Störche. Politische Zeitungen brachten kürzlich nachstehende Notiz: „Bin Hermannstädter Jäger hat in der vorigen Woche einen Storch geschossen, der am Flügel ein Brieflein trug, das mit einem rosafarbenenen Bändchen festgebunden war; im Brief war folgendes zu lesen: „Weseram, den 11. Juli 1902. Westbavelland bei Bran- denburg a. H. Europa. Deutschland. Dieser Storch wurde auf dem Weseramer Pfarrhofe geboren. Wenn ein wohlsesinnter Italiener oder Afrikaner in den Besitz dieses „Meister Langbein“ gelangen sollte, so bitten wir, uns über den Verbleib des Storches nach Pfarrhaus Weseram einen Brief zu schreiben. Maria Pauli, 19jährige Tochter des dortigen Pastors, Karl Pauli, cand. theol., Helene Pauli, Pfarrersfrau.“ Auf die Anfrage, ob die Nachricht zutreffend sei, schickte uns Frl. Pauli freundlichst folgende Mitteilung: „Der Storch wurde auf unserem zwischen Kirche und Pfarr- haus gelegenen Stalldache erbrütet. Mit seinen zwei Geschwistern wuchs er auf. Er versuchte als erster zu fliegen, was ihm aber misslang, denn er stürzte vom Dache herunter und stolzierte von der Zeit an auf unserem Hofe, im Garten und auf der Wiese um- her, wo er sich selbst Nahrung suchte. Jeden Abend liess er sich willig von uns in ein für ihn eigens dazu hergerichtetes Nestchen in unseren Stall tragen, wo er sich gemütlich niederlegte. Wohl beinahe 14 Tage führte er ein solches Leben, während welcher Zeit wir auch Gelegenheit fanden, ihm das Briefchen an dem Kettchen um den Flügel zu legen. Eines Tages, er musste sich — 159 — wohl gerade mit besonders kräftigen Fröschen gestärkt haben, schwang er sich in die Lüfte und landete glücklich in seinem väterlichen Neste. Nun übernahmen wieder die Eltern die Pflege. „Unser‘‘ Storch machte auch vorläufig keinen Flugversuch wieder. Nicht sehr lange darauf begaben sich die Eltern und die 2 Kinder auf die Reise, während uns „unser“ lieber Storch noch einige Tage durch seine Anwesenheit erfreute. Aber siehe da, am 19. August nachmittags war auch er auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Am 24. ist er dann bei Grossau unweit Hermannstadt erschossen worden. Zu erwähnen ist noch, dass dieser Storch gegen seine Geschwister etwas zurückgeblieben war.“ In Ergänzung des Vostehenden schreibt uns der Schütze, Herr P. Streoulia in Herrmanstadt, dass der Storch sich in Gesellschaft von etwa 500 bis 600 Artgenossen befand, die auf etwa einen Quadratkilometer verteilt in Fruchtstoppeln, Gras, Sumpf und Maisfeldern ihre Nahrung suchten. Die wandernde Schar hatte offenbar bei Herrmanstadt eine Rast gemacht, denn Herrn Streoulia waren bereits am 21. und 22. August die vielen Störche aufgefallen, die in solchen Massen in dortiger Gegend selten zu sehen sind. Der Fall ist von Wichtigkeit, weil er ein unmittelbares An- zeichen dafür liefert, auf welchem Wege die Störche aus der Mark Brandenburg in ihre Winterherberge ziehen. Letztere ist nach diesem Beispiele offenbar nicht in Westafrika, wie man vermuten könnte, sondern in Ostafrika, und der Herbstzug unserer Stöche geht in südöstlicher und nicht in südwestlicher Richtung. Er führt vermutlich längs der Oder nach Ungarn und südlich der Karpaten zum Thal der unteren Donau. Vielleicht liegt darin auch eine Erklärung für die von Herrn Baurat Wüstnei (Journ. f. Orn. 1901 S. 245) mitgeteilte Thatsache, dass die Störche in Mecklenburg im Frühjahre vom Nordosten her längs der Küste angezogen kommen und in südwestlicher Richtung über das Binnenland sich ausbreiten, wenn man annimmt, dass die Wanderflüge im Früh- jahre das Oderthal bis zur Mündung verfolgen und dann längs der Küste nach Westen abbiegen, um ihre Wohnorte zu erreichen. Schriftenschau. [ Um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornithologischen ) Monatsberichten“ zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbständig erscheinenden Arbeiten | ist Preisangabe erwünscht. Reichenow. J W.R. Ogilvie-Grant, On a Collection of Birds made on the White Nile between Khartum and Fashoda. With an Introduction and Field-notes by R. MeD. Hawker. (Ibis (8.) II. 1902 8. 393—470). — 10 — Die umfangreiche Abhandlung behandelt 211 Arten aus dem Ge- biet des Weissen Nil und enthält neben zoogeographisch wichtigen Nach- weisen (z. B. das unerwartete Vorkommen von Microparra capensis bei Faschoda) kritische Untersuchungen über einzelne Arten. Verf. weist nach, dass Lamprotornis porphyropterus Rüpp. auf die südlichere, kurzschwänzige Form dieser Glanzelster zu beziehen ist, während der nördlicheren langschwänzigen Form der Name L. aeneocephalus Heugl. zukommt. — Melanobucco rubescens (Tem.) wird als abweichende, westliche Form von M. vierlloti (Leach) des nordöstlichen Afrikas ge- sondert. — Pseudotantalus ibis hat vermutlich verschiedenes Sommer- und Winterkleid. — Verf. führt ferner einen Bubo abyssinicus (Gußr.) auf und sagt: „Dr. Reichenow stellt in seinen „Vögeln Afrikas“ diese Art „aus etwas unkenntlichem Grunde“ zur Gattung Aszo, obwohl Dr. Sharpe eingehend nachgewiesen hat, dass der Vogel ein echter Bubo ist, wie die längliche Form der Ohröffnung zeigt.“ Ich habe an der betreffenden Stelle gesagt: ‚„Ausdrücklich hervorzuheben ist, dass die Eule ihrer Flügelbildung nach (2. und 3. Schwinge am längsten, 1. etwa gleich 5.) der Gattung Asio und nicht Bubo angehört.“ Wie man angesichts dieses Satzes von „etwas unkenntlichem Grunde‘ sprechen kann, ist mir unverständlich. Nun hat inzwischen Oscar Neumann nachgewiesen, dass der von Grant für Asio abyssinicus Gu6rin gehaltene Vogel gar nichts mit dieser Art zu thun hat, sondern eine rötliche Spielart des Bubo cinerascens ist. Meine Darstellung von Asio abyssinicus (Vögel Afrikas I. S. 661), die wohl zum ersten Male eine scharfe Kenn- zeichnung der seltenen Art giebt, ist nach den durch v. Heuglin ge- sammelten beiden Vögeln im Wiener Museum entworfen. — Grant erörtert ferner ausführlich die Unterschiede seiner Ofis lovati von Otis melanogaster (Abbildungen S. 454, 455 und Taf. Xi), während ich (Vög. Afr. I. S. 256) beide Formen zusammengezogen habe. Ich kann nach dem mir vorliegenden Material in Otis lovati nur den recht alten Vogel von O. melanogaster sehen. Junge der letzteren Art haben ganz schwarze Schwingen, während mit zunehmendem Alter die Schwingen ebenso wie die Handdecken und der obere Flügelrand immer weisser werden. Ein Vogel von Malandje in Angola im Berliner Museum hat den Flügelrand bis zum Afterflügel breit weiss, die Handdecken sind schwarz mit weissen Querbinden, letztere aber breiter als auf der Abbildung von Grant $S. 455, die äusserste Schwinge ist reinschwarz, die zweite hat zwei weisse Flecke auf der Innenfahne, die dritte ist auf der Innenfahne mit Ausnahme der Spitze reinweiss, 4. und 5. ebenso, aber an der Wurzel der Innenfahne schwarz, 6. ungefähr wie auf der Abbildung Ibis S. 455, 7.—9. auf der Aussenfahne und am Ende reinweiss, auf der Innenfahne oder nur am Innensaume schwarz, von den Armschwingen sind die inneren auf der Aussenfahne zum grössten Teile weiss. Wichtig ist auch, dass der rechte Flügel noch mehr Weiss auf den Schwingen zeigt als der linke, die 6. Schwinge ist hier auf der Innenfahne zum grössten Teile weiss. Ein anderer Vogel von Togo gleicht in der Färbung fast ganz der Abbildung auf $S. 454 im Ibis. Flügelrand und Afterflügel sind reinweiss, Handdecken weiss mit schwarzer Spitze, nur auf den — 11 — innersten noch eine unterbrochene schwarze Querbinde bemerkbar; 1. Schwinge schwarz, 2. und 3. auf der Innenfahne mit Ausnahme der Spitze reinweiss; 4. weiss, nur Spitze und ein schmales Längsband auf der Aussenfahne weiss; 5.—7. weiss mit schwarzer Spitze, die letzten ganz weiss, nur an der Wurzel der Innenfahne schwarz, Armschwingen mit Ausnahme der inneren, der Abbildung gleichenden, auf der Aussen- fahne weiss, nur an der Spitze und auf der Innenfahne schwarz. — Irrtümlich ist ferner die auf 8. 465 vorgenommene Vereinigung von Turtur decipiens und T. ambiguus. T. decipiens steht dem T. capicola näher als dem 7. ambiguus (Vög. Afr. I. Ss. 391—392). — Auf T.X sind Irrisor damarensis und somaliensis abgebildet. Rehw. L. Greppin, Beitrag zur Kenntnis der Avifauna im Kanton Solothurn. (Mitt. Naturf. Ges. Solothurn XIII. Bericht 1899 — 1902). Giebt eine Übersicht über den jetzigen Stand unserer ornitho- logischen Kenntnisse im Kanton Solothurn. Den Angaben über Ver- breitung sind bei jeder Art noch persönliche Sonderbeobachtungen des Verfassers, die hauptsächlich in den letzten zwei Jahren gesammelt wurden, angefügt. Im ganzen werden 264 Arten für das Gebiet aufgeführt. Ch. W. Richmond, Descriptions of eight new Birds from Is- lands off the West Coast of Sumatra. (Proc. Biol. Soc. Washington XV. 1902 S. 137—190). Sammlung von Dr. Abbott. Neu: Macropygia simularensis von der Insel Simular, am nächsten M. ruficeps; Palaeornis maior von Pulo Babi, sehr ähnlich P. fasciatus; Psitiinus abbotti von Simular; Thriponax parvus von Simular, ähnlich 7. javensis; Hlypo- Ihymis abboiti von Pulo Babi; Hypothymis consobrina von Simular, ähnlich ZH. Zyileri, Malacopieron notatum von Pulo Bang, ähnlich M. affine; Stachyris banjakensis won Pulo Tuanku (Banjak-Inseln), ähnlich St. maculata. H. C. Oberholser, A Review of the Larks of the Genus Otocoris. (Proc. Un. St. Nat. Mus. XXIV. 1902 S. 801— 884). Eingehende Monographie der Gattung. Verf. unterscheidet 37 Arten und Nebenarten, darunter folgende neue: Otocoris alpestris arcticola vom Yukon, O. a. euthymia vom Saskatschewan, O. a. diaphora von Mexiko, ©. a. actia von St. Diego in Kalifornien, O. a. ammophila vom südöstlichen Kalifornien, O. a. aphrasta von Chihuahua in Mexiko, O. a. leucansiptila von Arizona, OÖ. longirostris perissa von Ladak im mittleren Asien, 0. l. argalea vom östlichen Turkestan, ©. peni- cillata oreodrama von Pamir, Eine Verbreitungskarte der Gattung und zwei Karten mit der Verbreitung der einzelnen Arten sind der Arbeit beigefügt. G. Escherich, Adlerjagden in Bosnien. (Allgemeine Zeitung No. 83 u. 95, 17. u. 25. April 1902 München). Ansprechende Schilderung von Jagden auf Stein- und Seeadler. — 12 — G. v. Burg, Der Tannenhäher, Nucifraga caryocatactes, im solothurnischen Jura. Aarau 1902. Ausführliche Schilderung der Lebensweise des Tannenhähers und seiner Verbreitung in Solothurn. E. Simon et Comte de Dalmas, Listes de Trochilidae du Venezuela et de la Colombie oceidentale. (III. Congr&s Ornith. Intern. Compte Rendu des Seances. Paris 1901. S. 205—224.) Besprechung von 48 Arten, darunter neu: Phaethornis caurensis von Venezuela, ähnlich Ph. rufigaster; Ohlorostilbon caribbeus lessoni von Venezuela. G. Martorelli, Sur le Piilopus huttoni. (III. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des S6eances. Paris 1901. S. 225 —227 Taf. 1.) Abbildung der von Finsch 1874 beschriebenen Art mit erläuternden Bemerkungen. E. Oustalet, Note sur le Dacelo actaeon de Lesson. (III. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des S6ances. Paris 1901. S. 228.) Dacelo actaeon Less. stammt von San Jago (Kapverden) und fält mit Z. erythrogasier zusammen. Die Form muss somit in der Folge Halcyon semicaeruleus actaeon heissen. G. Martorelli, Note sur un hybride probable de Turdus obscurus x Turdus ilhiacus. (II. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des S6öances. Paris 1901. S. 229-231 Taf. II.) E. Oustalet, Recherches sur l’origine de la Tourterelle a collier (Turtur risorius). (III. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des S6ances. Paris 1901. S. 259—-266.) Verf. hält Turtur douraca für die Stammform der Lachtaube. Burckhardt, Le Poussin du Rhinochetus jubatus. (III. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des S6ances. Paris 1901. S. 267—273.) Th. Studer, Note sur le poussin du Chionis minor. (III. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des S6ances. Paris 1901. S. 275—276.) L. Ternier, Distribution g6ographique en France de l’Outarde Canepetiere (Otis teirax) d’apres les donnees de l’enquete terri- toriale de 1886. (III. Congres Ornith. Intern. Compte Rendu des Söances. Paris 1901. S. 277—283.) Mit einer Verbreitungskarte auf S. 282. L. Bureau, Sur les plumages de la Mouette de Sabine ( Xema sabinei). (II. Congrös Ornith. Intern. Compte Rendu des S6ances. Paris 1901. S. 285—306.) — 18 — B. Alexander, On the Birds of the Gold Coast Colony and its Hinterland. (Ibis (8.) Il. 1902 8. 278—333, 355 —377. T. VI—IX). Führt 283 Arten aus dem Hinterlande der Goldküste auf mit Angaben der einzelnen Fundorte und auch einzelnen Mitteilungen über Lebensweise. Abgebildet sind: Apalis nigriceps Taf. VII, Indicator wilcocksi Taf. VII, Glaueidium albiventer T. IX. H. W. Henschaw, On the various plumages of Duteo soli- tarius. (Ibis (8.) II. 1902 S. 386-392). Schilderung der Lebensweise des Duteo solitarius auf den Hawaiischen Inseln; Beschreibung einer hellen und dunklen Spielart. Der eyprische Heher (Garrulus glaszneri n. Sp.) Von Dr. Julius v. Madaräsz. Der auf Cypern vorkommende Heher unterscheidet sich so- wohl hinsichtlich der Grösse als auch durch Färbung so wesentlich von dem europäischen Garrulus glandarius, dass ich es für be- rechtigt und nötig erachte, denselben als neu anzusprechen und mit dem Namen Garrulus glaszneri zu belegen. Die Merkmale sind in Kürze folgende: Im Ganzen ist der Vogel kleiner als @. glandarius; Stirn licht graurot (nicht weiss) mit schwarzen Längsstreifen; Oberkopf graurot (etwas dunkler wie bei G. glandarius), gleichfalls mit schwarzen Längsstreifen ; Genick, Hals hinten und seitlich graurot; Ohrdeckfedern etwas lichter; Rücken grau, hie und da mit schwach rötlichem Anflug; unten ist der Vogel etwas dunkler als G. glandarius; Kehle weiss, schwach rötlich angehaucht; im übrigen dem @. glandarius gleich. In Folge dieser Merkmale unterscheidet sich G. glaszneri sowohl von G. glandarius und dessen ostrussischer Form @. se- vertzowi, als auch von @. brandti. Herr C©. Glaszner sandte jüngst von Cypern, aus dem Troodos- Gebirge, 15 Exempl.; die Grössenverhältnisse sind folgende: Flügel: Schwanz: Tarsus: 12 3 Mai u. Juni. 165-176; 155—16%8; 39 cm 1 © Juni. 162 155 37 cm 2 juv. Mai u. Juni. 155 —165; 125-145; 34—3'7 cm. Sammler und Sammlungen. Von H. Krohn, Hamburg-St. Georg. (Fortsetzung von Seite 100.) Josef Gengler, Dr. med., K. bayr. Stabsarzt. Erlangen. Ge- boren 1863 zu Erlangen. Mitglied der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, des Ornitho- logischen Vereins München, des Deutschen Vereins zum Schutze der Vogelwelt und correspondierendes Mitglied der Naturhistorischen Gesell- schaft Nürnberg. — 164 — Sammelt seit 1892 ausgestopfte Vögel und Vogeleier, meist aus der Umgegend von Erlangen. Die Sammlung ausgestopfter Vögel beträgt z. Zt. 395 Stück in 214 Arten, darunter 1 Ibis aethiopica Lath., am 26. Oktober 1850 von Alfred Brehm in Chartum erlegt. Die Eier- sammlung enthält teils in Gelegen, teils einzeln 311 Stück in 168 Arten. Bernhard Hantzsch, Lehrer an der Höheren Volksschule zu Dresden-Plauen. Geboren 1875 zu Dresden. Schriftführer des Ornithologischen Vereins in Dresden, Mitglied des Deutschen Vereins zum Schutze der Vogelwelt und der Deutschen Ornitbo- logischen Gesellschaft. Sammelt neben Bälgen mitteleuropäischer Vögel besonders Vogeleier von der ganzen Erde. Die Sammlung, die seit 1898 stärker vermehrt wurde, zählt gegenwärtig etwa 750 Arten, zumeist in reichlicher Anzahl, sodass mindestens 6000 Stück ausser zahlreichen Dubletten der Haupt- sammlung einverleibt sind. Eine Anzahl seltener Arten kann auch im Tausch abgegeben werden. Die Sammlung besitzt unter älteren Exemplaren viele von dem Oologen Thienemann, sowie von Henke gesammelte Eier. Auch interessante Serien, abnorme Eier u. s. w. sind vorhanden. J. Warren Jacobs, Waynesburg, Pennsylvanien, Vereinigte Staaten von Nordamerika. Geboren 1868 bei Waynesburg. Mitglied der American Ornithol. Union, der West Pennsylvania Ornith. Association, der Wilson Ornithological Soc. und der Oologists Association, correspondierendes Mitglied des Delaware Val. Ornith. Club. Arbeiten: „Summer Birds of Graene Co., Pa.“ 1893, „Eggs of native Pennsylvania Birds, a worlds fair colleetion‘‘ 1895, „Oological Abnormalities“ 1898 und ‚The Story of a Purple Martin Colony“ 1902. Sammelt seit 1884 Vogelnester, Vogeleier in Gelegen und gestopfte Vögel. Die Sammlung umfasst 10000 Stück in 410 Arten, darunter 8000 Eier hauptsächlich nordamerikanischen Ursprungs. Der Katalogwert der Sammlung beträgt 4500 Dollar. Jacobs sammelte persönlich in Südwest-Pennsylvanien und Nordwest- Virginien. Ein Teil der Sammlung, die Eier der in Pennsylvanien ein- heimischen Vögel, war 1893 auf der Weltausstellung zu Chicago ausgestellt und von den drei daselbst gesehenen die einzige aus privatem Besitz, auch sind Anordnungen getroffen für die Unterbringung der ganzen Eier- sammlung auf der Ausstellung des Carnegie Instituts Pittsburgh in Pennsylvanien für das Jahr 1902. Eine Eigentümlichkeit der Collection ist die ungewöhnlich grosse Zahl von Gelegen, welche abnorme Stücke enthalten. Dieser Teil der Sammlung umfasst 500 Gelege, welche der Besitzer angeschafft hat, um Regelwidrigkeiten zu studieren. Zwei Eier aus dieser Serie werden als die kleinsten aller existierenden Vogeleier bezeichnet. (Wird fortgesetzt.) Druck von Otto Dornblüth in Bernburg. 1 AT \ Ornitholorische Monatsberichte herausgegeben von Prof. Dr. Ant. Reichenow. X. Jahrgang. November 1902. No. 11. Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. Anzeigen 20 Pfennige für die Zeile. Zusendungen für die Schriftleitung sind an den Herausgeber, Prof. Dr. Reichenow in Berlin N.4. Invalidenstr. 43 erbeten, alle den Buchhandel betreffende Mitteilungen an die Verlagshandlung von R. Friedländer & Sohn in Berlin N.W. Karlstr. 11 zu richten. Über das Vorkommen von Locustella fluviatilis (Wolf) im Königreich Sachsen. Von Bernhard Hantzsch. Während in Ostpreussen und gewissen Teilen von Schlesien Locusiella fluviatilis sich verhältnismässig zahlreich findet (W. Baer, Neue Brutplätze von ZL. fl. in Deutschland, Ornithol. Monatsschrift XXVl. Jahrg. S. 419—423), ist ihre Verbreitung in Sachsen eine sehr beschränkte. Nur wenige Male und dann auch nur vereinzelt, hat man hier den Vogel angetroffen, dessen Vorkommen für einen aufmerksamen Beobachter gar nicht zu übersehen oder richtiger zu überhören ist. In den Berichten der sächsischen Beobachtungsstationen (herausgegeben von Meyer und Helm) wird L. fluviatilis als Brut- vogel der Grossenhainer Gegend angegeben, doch sind die Mit- teilungen so unsicher, allgemein und jedes Beweismaterials ent- behrend, dass man nicht allzuviel Wert darauf legen kann, vielleicht auch eine Verwechslung mit Loc. naevia (Bodd.) vorliegt. Ebenso ist das Vorkommen des Flussrohrsängers bei Leipzig und dicht bei Dresden, das zwar nicht in der Litteratur angeführt, aber nach mündlichen Reden behauptet wird, solange zu bezweifeln, bis das- selbe von einem gewissenhaften Beobachter nachgewiesen unl der Litteratur übergeben wird. Sicher erscheint die Mitteilung in der Neuausgabe von Naumann, Vögel Mitteleuropas (Bd. II p. 23), dass L. fl. Ende Mai 1887 bei Schmiedeberg an der Wesenitz (?) beobachtet wurde. Allerdings konnte ich im Dresdener Zoologischen Museum nichts Näheres über den Beobachter, beziehentlich etwaiges Belegmaterial erfahren. Ein durchaus zuverlässiges Vorkommen unseres Vogels wird von W. Baer (w. o.) angeführt, wonach Herr Kramer in Gross- hennersdorf bei Zittau im Jahre 1901 ein Exemplar beobachtete, das auch jedenfalls dort zur Brut geschritten ist, obwohl Weibchen und Nest nicht gefunden wurden. y Li — 16 — Weitere sichere Beobachtungen anderer habe ich nicht in Erfahrung gebracht. Doch kann ich selbst nun noch über ein Vorkommen von Locustella fluviatilis in Sachsen berichten, sowie in Kürze einige Bemerkungen über die Lebensweise des Paares geben. — Die Stelle, wo ich den Flussrohrsänger 1901 und 1902 beobachtete, liegt etwa 3 Stunden nordwestlich von Dresden am Eingange des Saubachgrundes bei Konstappel. Ich habe der Be- obachtung des in Sachsen so seltenen Vogels wenigstens zwölf halbe Tage gewidmet, um mich mit seiner Lebensweise und mit seiner Stimme möglichst vertraut zu machen. Da ich beide Vögel des Paares zahllose Male bis auf eine Entfernung von höchstens 2 m ganz ruhig und frei sitzend vor mir hatte, ist eine Ver- wechslung ausgeschlossen. Ausserdem habe ich auch noch einige ÖOrnithologen nach dem Platze geführt, nämlich die Herren Dr. Bräss und Dr. Braune (Dresden), sowie Herrn Dr. Voigt (Leipzig), die sich ebenfalls von der Art überzeugten. Die Ankunft der Vögel muss recht spät erfolgt sein, wenigstens hörte ich das Schwirren des Männchens 1901 zum ersten Male am 23. Mai, an welchem Tage ich den Vogel entdeckte, dieses Jahr sogar erst am 3. Juni. Doch ist es sehr wohl möglich, dass sie bereits eher dagewesen sind. Der Aufenthaltsort befindet sich dicht bei dem zwar kleinen, aber schäumenden und wasserreichen Sau- bache, dessen Ufer mit Büschen (Haseln, Erlen, Weiden) umgeben werden. Zwischen diesen wachsen neben Gräsern, Brennesseln und Wiesenblumen die mächtigen Blätter der Pestwurz. In der Nähe des ziemlich kleinen und abgeschlossenen Gebietes liegen Wiesen- streifen und Kornfelder, auf der einen Seite aber, den Berghang hinan, ein ausgedehnteres Stück Buschwald, sowie in einem kleinen Grunde eine Obstplantage, die besonders aus Pflaumenbäumen besteht. Während sich das Männchen anfänglich fast nur auf das kleine, dicht am Wasser liegende Gebiet beschränkte, hat es jetzt im Juli allmählich sein Revier erweitert, möglicherweise, weil es häufig beunruhigt wurde. Es bewohnt ein Gebiet im Durchmesser von etwa 300 m. — Ich will nun im folgenden nicht eingehende psychisch- biologische Beobachtungen mitteilen, wie ich solche freilich zahlreich machen konnte, sondern nur einige wichtigere Bemerkungen aus dem Leben des immerhin merkwürdigen Vogels hervorheben. Um Locustella fluviatilis zu studieren, thut man gut, sich im zeitigen Frühjahre den Ort zu merken, von dem aus sich das Männchen des Abends nach eingebrochener Dunkelheit besonders hören lässt und der sicher das engere Nistrevier darsell. An- fänglich täuscht man sich allerdings leicht über die Entfernung und selbst die Richtung des Schwirrens. Setzt man sich nun andermal bereits nachmittags in einen benachbarten Busch, von dem aus man die nähere Umgebung übersehen kann und verhält sich möglichst regungslos und still, so wird man die nicht be- sonders den Menschen scheuenden Vögel kaum stören, sondern N — 167 — sie ungehindert in ihrer Thätigkeit, die nicht verborgener ist als z. B. die von Sylvia cinerea, beobachten können. Die zwar unauffällig gefärbten, aber doch geschmeidigen und zierlichen Gestalten tummeln sich äusserst geschickt zwischen den Asten der Büsche und Bäume umher, wohingegen sie ins Gras oder auf den Boden fast nur bei der Nahrungssuche gehen; sie jagen sich und spielen miteinander, wobei sie ihren ganz leisen rohrsängerartigen Lockruf, ein kurzes feines Tacken, hören lassen. Dann wieder fliegen sie etwas schwerfällig, aber charakteristisch und schnell von Baum zu Baum, selbst über ziemlich weite freie Stellen hinweg. Das Weibchen lebt viel versteckter und unauffälliger und würde von mir an- fänglich mit einer Sylvsa hortensis verwechselt worden sein, ob- wohl der Schwanz anders aussieht, wenn ich es nicht öfters mit dem Männchen zusammen beobachtet und dadurch kennen gelernt hätte. Dieses Weibchen ist auf der Unterseite erheblich dunkler gefärbt als das Männchen und hat so gut wie keine Strichelung auf der Brust. Auch die Strichelung des Männchens ist bei ge- wisser Beleuchtung nur schwer zu erkennen. Die erwähnten Lockrufe habe ich bloss im zeitigen Frühjahre gehört (Ende Juni), dann nicht wieder. Auch beim Neste gestört verhielten sich beide Vögel still, nur einmal vernahm ich ein leises Kreischen, das ich dem Weibchen zuschrieb, ohne jedoch dessen sicher zu sein. Das Eigenartigste nun an Locustella fluviatilis ist das Schwirren des Männchens, das man anfänglich nur gegen Abend und in warmen Nächten zu hören bekommt, später aber auch den ganzen Tag über, freilich vormittags und mittags nur kurz und selten. Der betreffende Vogel war bis weit in den Juli hinein damit so eifrig, dass er fast die sonst nur durch leisere, melodische Töne, wie durch das Rauschen des Baches unterbrochene Stille der Natur störte. Wenn das Männchen schwirren will, fliegt es auf einen Strauch oder Baum — es hat auch besondere Lieblings- plätze, die man bald kennen lernt — und setzt sich dort fast immer ganz frei hin. Die Höhe des Platzes ist verschieden; ich beobachtete den Vogel zwischen 1 bis 7 Meter, gewöhnlich in 2 bis 3 Meter Höhe. Sofort nach dem Niedersetzen Öffnet er den Schnabel sehr weit, sodass der Oberschnabel fast senkrecht zu stehen kommt, und beginnt, seine merkwürdige Stimme erschallen zu lassen. Während des ganzen Vortrages bleibt der Schnabel geöffnet, doch dreht der Vogel manchmal den Kopf, wobei man tief in den dunkeln Schlund hineinsehen kann. Ich bin überzeugt, dass der Vogel während des Schwirrens atmet, da es mir nicht glaublich erscheint, dass er im stande wäre, den Atem minuten- lang anzuhalten (ich habe das Schwirren über sieben Minuten ohne die leiseste Unterbrechung gehört). Ob das Atmen freilich unabhängig von dem Schwirren geschieht oder gleichmässig mit dem Ausstossen der einzelnen Geräuschteilchen, kann man schliess- lich mit Sicherheit nur dann feststellen, wenn man den Vogel aus nächster Nähe im Käfige beobachten würde. Da der Körper des 11* — 18 — Tieres während des Schwirrens in gleichmässig erzitternde Be- wegungen gerät und besonders die Brust sich ebenso schnell wie die einzelnen Teile des Geräusches auf und ab bewegt, neige ich zu der Ansicht, dass das Atmen in den winzigen Pausen zwischen je zwei aufeinanderfolgenden Teilchen des Schwirrens erfolgt. Dieses selbst nun ist sehr scharf und stark und auf keinen Fall mit dem Geräusche einer Grille oder dergl. zu verwechseln; die Klangfarbe erinnert ausserordentlich an die Anfangstöne einer etwas scharf singenden Goldammer. Es lässt sich recht gut in bezug auf Klang und Schnelligkeit nachahmen, wenn man sehr rasch hintereinander 22222... ausstösst. Doch ist das Schwirren selbst viel stärker und metallischer, als man mit dem Munde hervorbringen kann. Mit dem leiseren, rollenden und schnurrenden Schwirren von Locustella naevia, das ich eine halbe Stunde von dem Orte in einem Kornfelde zum Vergleiche hören konnte, ist es ganz und gar nicht zu verwechseln. Zu manchen Zeiten, aber durchaus nicht immer, hörte ich auch bei L. fluviatilis unmittelbar vor dem Schwirren zwei-, drei- oder selbst viermal ein sanftes prr, prr, einige Male auch ein feines grasmückenartiges Gezwitscher, das aber nur aus wenigen, im höchsten Falle etwa zwölf Tönen be- stand, auf die dann das Schwirren folgte. Die Länge des Schwirrens ist verschieden: am späten Abende wie in heller, warmer Nacht länger als am Tage. Ich beobachtete im Beisein von Herrn Dr. Voigt (Leipzig) ein solches, das, freilich mit mehrmaligem, aber ganz geringem Änstossen in ungleichen Abständen über 20 Minuten andauerte und auch dann nicht zu Ende war. Doch mussten wir, um den Zug zu erreichen, den Platz verlassen. Dies war 3/, 10 Uhr abends bei nicht besonders warmem Wetter und be- decktem Himmel. Ein Schwirren von mehreren Minuten ist nicht selten, während die längste Zeitdauer desselben, die ich gemeinsam mit Herrn Dr. Braune (Dresden) bei Locusiella naevia mehrmals beobachtete, 3 Minuten 15 Sekunden betrug. Nach dem Schwirren bleibt der Vogel meist still auf seinem Platze sitzen, bläht be- haglich sein Gefieder und beugt die Fersen so tief, dass man fast nichts von den Füssen bemerkt. Doch kaum eine halbe Minute währt gewöhnlich die Pause, falls sich nicht der Vogel etwa das Gefieder putzt oder unruhig ist. Bald beginnt das Schwirren von neuem, wechselt dann wieder mit einer Pause ab und so fort, sodass der ganze Vortrag, währenddem man sich an den Vogel nicht unschwer heranpürschen kann, da dieser den Platz höchst selten verändert, etwa zehn Minuten oder auch länger dauert. Dann fliegt der Vogel plötzlich davon, schweigt eine gewisse Zeit und fängt endlich von neuem, gewöhnlich auf einem andern Busche oder Baume mit seinem Vortrage an. Doch ist dies nicht immer ganz so gleichmässig wie geschildert. Ich habe einmal zwei Stunden gewartet, ehe das Schwirren von neuem begann. Nur ausnahms- weise habe ich zweimal das Männchen während seines Vortrages auf einer Kornähre mitten im Felde sitzen sehen. — 169 — Als Eigentümlichkeit möchte ich noch erwähnen, dass be- sagtes Gebiet von mehreren Goldammern bewohnt wurde, von denen ein Exemplar ganz ausgezeichnet unsern Flussrohrsänger nachzuahmen verstand. Sobald dieser schwieg, setzte der Vogel mit seinem Gesange ein, von dem er aber die Schlussnoten weg- liess. Er ahmte seinen Vorsänger so täuschend nach, dass wirk- lich keinerlei Unterschied zwischen den beiden herauszuhören war. In den Zwischenpausen sang dieselbe Goldammer ebenfalls, aber dann empfand man bei aller Ähnlichkeit doch einen gewissen Unterschied. Nun bloss noch in Kürze einige Worte über den Nestbau des Flussrohrsängerpaares. Obwohl ich überzeugt bin, dass dieses i. d. 1901 im Gebiete gebrütet hat, konnte ich doch aus Mangel an Zeit mich damals nicht genügend nach dem Neste umsehen. Dieses Jahr beabsichtigte ich nun, um Locustella flwviatilis sicher als Brutvogel für Sachsen nachzuweisen, was meines Wissens nach bis jetzt noch nicht geschehen ist, das Nest zu suchen, worauf ich auch manche Stunde der Beobachtung verwendet habe. Die Vögel sind äusserst argwöhnisch und übelnehmisch, wenn man ihr engeres Brutgebiet durchsucht und, was sich nicht vermeiden lässt, zertritt. Ich habe deshalb, trotz grösster Vorsicht und meiner Meinung nach bester Berechnung mit Hilfe eines Bekannten nur drei leere Nester des Paares, zwei fertige und ein halb fertiges, gefunden; aber unglücklicherweise waren diese stets noch ohne Eier. Die gefundenen Nester habe ich so gut wie gar nicht be- rührt, den Weg, den ich mir durch die grossen Pflanzen bahnen musste, so viel wie möglich wieder unsichtbar gemacht, aber doch wurden die Nester verlassen und keins belegt, trotzdem beide Vögel nach dem Auffinden eines solchen sehr ängstlich auf den Büschen in der Nähe umherhüpften und sich ungescheut zeigten. Das erste Nest war am 12. Juni fertig, das letzte am 7. Juli. Ich habe später die leeren Nester mitgenommen, doch beabsichtige ich nun, die Vögel nicht wieder zu stören, um sie vielleicht doch noch zum Brüten zu veranlassen und eventuell später durch Auf- finden der Jungen dieses nachzuweisen. Zwei der Nester sind in dichte Grasbüschel gebaut, das dritte in eine Brombeerhecke, die beiden ersten etwa 12 cm über dem Boden, das letzte ungefähr 40 cm über diesem. Das Nestmaterial ist etwas mit den stützenden Gräsern und Ranken verschlungen, doch so, dass man die Nester nicht zerstört, wenn man sie aus diesen Halmen herausnimmt. Alle drei sind sehr übereinstimmend gebaut, äusserlich aus gröberen, innerlich aus feineren Halmen und trockenen &rasrippen, von denen die Blütchen entfernt sind. Dass man es mit charakteristischen Rohrsängernestern zu thun hat, er- kennt man auf den ersten Blick. Der obere Rand, sowie das Innere ist mit einigen kleinen Blattstücken und etwas Birkenrinde ausgelegt. Die Höhlung ist tief und gleichmässig rund. Die lichte Tiefe vom Boden bis zum oberen Rande des Nestes beträgt ca, — 10 — 7 cm, die Breite fast 6 cm. Die Wand ist ziemlich fest und dicht, aber doch noch durchsichtig; die dünnen Halme sind sorgfältig kreuzweise verflochten, die gröberen äusseren auch mehrfach um- geknickt. Mögen diese Mitteilungen über Locustella fluviatilis genügen ! Ich bin der Überzeugung, dass unser Vogel auch in Sachsen nicht ganz so selten ist, als man glaubt, dass vielmehr nur die genügend aufmerksamen Beobachter fehlen, seine Wohnplätze auszukunden. Ornithologisches aus Konstantinopel. Von Fritz Braun. Endlich einmal ein regengrauer Tag nach langen Wochen voll glühender Sonnentage. Seiner freuen sich vor allem die Jäger, denen er die lange ersehnten Wachteln bringen soll. Zwar kamen die ersten schon am 18./19. August auf unseren Stoppel- feldern an, aber ihre Zahl war zu gering, um die Mühe des Jägers zu lohnen, und der stete Südwind vereitelte die Hoffnung auf grössere Flüge. Dafür zogen Scharen von Falco peregrinus nordwärts. Ob sie den Ankömmlingen entgegenstreben? Die übrigen Zugvögel, Wiedehopfe, Mandelkrähen, Pirole und Bienenfresser trafen um die Mitte des August programmmässig ein. In diesem Jahre waren von ihnen auf dem Vogelmarkte in Stambul auch lebende Exemplare vorhanden. Die Händler verstanden mit ihnen nichts rechtes anzufangen und suchten sie um jeden Preis loszuschlagen. Sie wollten mir durchaus ein halbes Dutzend Pirole und eine Mandelkrähe aufhängen und konnten nicht begreifen, dass ich an einer Mandelkrähe und zwei Pirolen genug hatte. Vier Exemplare von Merops apiaster, die ein Bekannter erwarb, erwiesen sich als sehr störrische Stubengenossen, deren Eingewöhnung nicht gelang. Solange sie täglich 5, 6 mal gestopft wurden, blieben sie am Leben; als dann diese Art der Fütterung nicht fortgesetzt werden konnte, starben sie schnell hintereinander. Auch meine Coracias garrula starb nach kurzer Gefangen- schaft. Regenwürmer nahm sie anfangs gar nicht an, später nur mit augenscheinlichem Widerwillen — Nacktschnecken verzehrte sie ganz gern, von Mischfutter wollte sie nichts wissen. Was ihren Tod verschuldete, weiss ich nicht. Als sie in meinen Besitz kam, war sie schon so schwach, dass sie ein Sprungholz, dessen Höhe über dem Boden etwa 1 m. betrug, nicht mehr erreichen konnte. Die Pirole erwiesen sich viel zählebiger. Friderich erwähnt, dass die Wildfänge oft gestopft werden müssen. Diejenigen, welche ich sah, waren alle von selbst ans Futter gegangen. Die hiesigen Händler haben eine eigentümliche Methode, Oriolus galbula ans Futter zu bringen. Sie setzen die schönen Vögel in ein winziges — 11 — Harzerbauer, in dem der grosse Pirol sich kaum umdrehen kanıl, und stecken ihm grüne Feigen grade vor die Nase. Zumeist haben sie nicht lange zu warten, bis er zugreift. Mir erscheinen die Tiere recht zählebig. Einem meiner Pfleg- linge ist auf dem Transport in meine Wohnung von einem Cocco- thraustes vulgaris das rechte Bein glatt abgebissen. Die Wunde ist verheilt und der Pirol befindet sich ganz wohl, vertreibt sogar seine gesunden Genossen fortwährend durch scheltendes Geschwätz vom Futternapf. Recht auffallend und unangenehm ist es aber, mit welcher Geschicklichkeit sich die schönen Gesellen ihr leuchten- des Federkleid verunstalten. Wahrscheinlich sind ihre hastigen, starken Bewegungen daran schuld. Gefangene Drosseln und Stare bewegen sich im Käfig viel weicher und anschmiegender. Als ob sie das Bauer zerbrechen wollten, fahren die Pirole gegen die Seitenwände, und die Sitzsprossen muss man schon recht gut be- festigen, wenn sie nicht stets von neuem an den Boden wandern sollen. Es sind eben Baumvögel, die gewohnt sind, nach raschem Fluge auf den federnden Baumzweig einzufallen. Ich verabreichte ihnen anfangs nur frische Feigen. Dann mischte ich diese zur Hälfte mit rheinischem Weichfutter, und jetzt erhalten sie nur noch ein Viertel der süssen Früchte ihrer Nahrung beisemengt. So haben sie sich ganz leicht täuschen lassen und fressen jetzt die Weichfutterbrocken nicht weniger gern als die Fetzen der Feigen. Erstaunlich ist es, wie grosse Brocken sie auf einmal verschlingen. Sie werfen die halbe Feige oder den Klumpen Weichfutter in die Höhe, fangen ihn dann auf und würgen ihn unter nickenden Kopfbewegungen hinunter. Bekommen sie nur Obstnahrung, so ist ihr Kot wasserhell und flüssig, doch verwandelt ihn eine sehr geringe Beimischung von Weichfutter in weissliche, wurmförmige Ballen. In der Angst schreien sie laut und durchdringend, fast wie ein geängstetes Ferkel. In Saloniki sah ich gefangene Pirole, die augenscheinlich schon längere Zeit in der Gefangenschaft waren und nur mit Früchten ernährt wurden; ein tadelloses Gefieder hatte keiner von ihnen. Ich fand bei den Thessalonichern recht viele Stubenvögel, namentlich viele Kalanderlerchen. Doch machte ich wieder die Bemerkung, dass der Gesang dieser Art den Vergleich mit den zusammenhängenderen Strophen von Alauda arvensis nicht aus- zuhalten vermag. ! Einen recht interessanten Erwerb für mich bildete ein junger Milvus niger, den mein griechischer Diener aus dem Horste auf einer alten Zypresse herunter holte. Er war anfangs sehr un- bändig und flog bei jeder Annäherung mit hellem Hi-hi-hi-hi-äh gegen das Gitter seines Käfigs, um dann mit den Flügeln klatschend um sich zu schlagen. Ausserdem hatte er die eigentümliche Gewohnheit, beständig seinen Oberschnabel gegen das Drahtgeflecht des Käfigs zu reiben, so dass er schliesslich beinahe den ganzen Oberschnabel durchgerieben hatte Er that dieses auch dann, — 12 — wenn ihn nichts in Sorge brachte. Vielleicht gefiel ihm das sonderbare Geräusch, dass er bei dieser Beschäftigung hervorbrachte. Dass Vögel ein befremdendes Wohlgefallen an willkürlich hervor- gebrachten Lauten haben können, beobachtete ich früher schon bei Fringila linaria, die stundenlang mit dem Schnabel gegen eine Holzwand trommelten und sich offenbar der leise vibrieren- den Töne erfreuten. Ich fütterte ihn anfangs mit Hammellungen, die er zuerst oberflächlich zerhackte, um sie allmählich in kleinen Bissen hinabzuwürgen. Die Luftröhren liess er liegen. Bald war ihm jedoch diese Art der Nahrung über und er hungerte lieber tagelang, als dass er sie annahm, deshalb musste ich für Wandel sorgen und den Milan mit Abfällen und Schlachtfleisch füttern. Er hat jetzt seine Wildheit eingebüsst, ist aber auch nicht zahm. Jeden- falls hat er nichts von der freundlichen Art gefangener Falken- vögel. Ist er mürrisch, so sitzt er stundenlang mit gesträubten Kopffedern, die dann eine Art Federkragen bilden, auf dem Boden seines Käfigs und richtet nur von Zeit zu Zeit den Hinterleib empor, wenn er die wässerigen Entleerungen von sich giebt. Wasser liebt er sehr. Wenn er trinkt, was an heissen Tagen sehr oft vorkommt, füllt er den Unterschnabel mit dem geliebten Nass, um dann den Kopf zu erheben und es langsam hinabfliessen zu lassen. Ein Bad, das ihm wegen des auftauchenden Ungeziefers verschrieben wurde, war ihm dagegen recht zuwider. Tagelang darauf liess er noch bei der Annäherung meines Dieners seinen hellen Streitruf hören, den er sich vorher schon völlig abgewöhnt hatte. Alles in allem — ist es ein recht stumpfsinniger Vogel, der alles Geschick ruhig über sich ergehen lässt, ohne viel darauf zu antworten. Am ersten Septembersonntag zogen grosse Mengen von Rauchschwalben über unsere Terrasse. Sie zogen in aufgelösten Schwärmen, sodass nur die Thatsache, dass alle die Hunderte, die allmählich vorbeikamen, südwärts strebten, mich überzeugte, dass ich Zugvögel vor mir hatte. Jagend streichen sie dicht über die Terrasse hin, wohl eine Stunde lang kamen immer neue. Beständig ertönte ihr leises witt, witt, fast an einzelne Töne der Wachteln erinnernd. In diesem Herbste sah ich bei den Händlern auch die erste Emb. hortulana, die ich für die Ammervoliere eines Kollegen er- warb. Es ist auffällig, dass sie gar nicht in den Handel kommt; auch cia fand ich meist noch garnicht. E. melarocephala war in diesem Sommer häufig, doch fast ausschliesslich in ruppigen Exemplaren, E. luteola habe ich noch immer nicht wiedergefunden. In zwei, drei Wochen beginnt die eigentliche Fangsaison. Wer weiss, was sie bringen wird? 23. IX. 02. — 13 — Neue afrikanische Arten. Von Reichenow. Nigrita bicolor brumnescens n. Consp. Von N. bicolor durch braunere, nicht schiefergraue, sondern graubraune Oberseite unterschieden. Vertritt die in Oberguinea heimische N. bicolor in Unterguinea (Kamerun, Gabun, Prinzeninsel). Nigrita bicolor saturatior n. consp. Der N. bicolor brumnescens sehr ähnlich, aber das Graubraun der Oberseite etwas dunkler. Vertreter der vorgenannten Art am oberen Kongo und im innerafrikanischen Seengebiet (Uvamba). Estrilda astrıld damarensis n. consp. Der E. astrild sehr ähnlich, aber oberseits blasser, Wangen blassgrau. Deutsch-Südwestafrika. Estrilda astrild angolensis n. consp. Der E. astrild sehr ähnlich, aber oberseits dunkler und der Rücken schwach rosig verwaschen; Wangen blasser, graulich weiss ; Unterseite viel stärker rosig angeflogen. Angola, Loango. [Sharpe nennt [Cat. Brit. Mus. XIII. S. 393] diese Art E. rubriventris und zieht sie mit der Gabunform zusammen. Der Name EZ. rubriventris (Vieill.) bezieht sich indessen auf einen Vogel vom Senegal, und die in Kamerun und Gabun vorkommende Form, die E. a. occidentalis Jard. Fras. zu benennen ist, weicht von der von Angola wesentlich ab. Ob Vögel vom Senegal und von Oberguinea mit solchen von Kamerun und Gabun überein- stimmen, bleibt noch festzustellen]. Schriftenschau. [ Um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornitholögischen Monatsberichten‘‘ zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbständig erscheinenden Arbeiten | ist Preisangabe erwünscht. Reichenow. ) Ant. Reichenow, Die Vögel Afrikas. Dritter Halbband. Neudamm 1902. Der vorliegende dritte Halbband des Werkes enthält die Familien Psittacidae, Musophagidae, Cueulidae, Indicatoridae, Capitonidae, Picidae, Coliidae, Trogonidae, Coraciidae, Bucerotidae, Alcedinidae, Meropidae, Upu- — 14 — pidae, Caprimulgidae und den grösseren Teil der Macropterygidae. Bei- gegeben sind fünf farbige Tafeln mit Abbildungen seltener Arten und drei Karten von Afrika, auf denen alle bisher ausgebeuteten Fundorte einge- tragen sind. Ein alphabetisches Verzeichnis der Fundorte mit Angabe ihrer Lage auf den Karten und mit den Namen der Sammler, das über 2500 Sammelorte aufweist, erleichtert das Auffinden der im Werke an- geführten Fundstellen. Neu beschrieben sind: Dendromus chrysurus suahelicus von Deutschostafrika und Oolius indicus amgolensis aus dem Kuanzagebiet. ZPoicephalus meyeri virescens ist als neuer Name für P. m. erythreae angewendet. Abgebildet sind Turacus schütti und emini, Podica senegalensis und camerunensis, Picathartes oreas und gymnocephalus, Macronyz fülleborni und aurantügula, Penthetria psammocromia, Ploceus rufoniger und Symplectes tephronotus. G. E. Shelley, The Birds of Africa comprising all the species which occur in the Ethiopian Region. Vol. II. London 1902. Der vorliegende Teil behandelt den Schluss der Motacillidae, Alau- didae und Fringillidae.. Neu werden beschrieben: Ammomanes sam- harensis von Abessinien, Botha [!] diffieilis n. g. et sp. vom Oranje- staat, Tephrocorys blanfordi von Abessinien, Calandrella starki von Transvaal und Südwestafrika, O. sclateri von Gross Namaqua, Fringillarıa reidi von Südostafrika, Serinus marshalli von Südafrika. ° Auf den prächtig ausgeführten Tafeln sind abgebildet: T. 15 Mirafra gilletti u. naevia, T. 16 M. poecilosterna u. fischeri, T. 17 M.athi u. hyper- metra, T. 18 M. intercedens u. albicauda, T. 19 M. buckleyi u. collaris, T. 20 Pyrrhulauda nigriceps, T. 21 Ammomanes samharensis u. Tephrocorys blanfordi, T. 22 Botha diffieilis, Calandrella starki u. sclateri, T. 23 Emberiza poliopleura u. Fringillaria impetuani, T. 24 Ohrysomitris totta u. Serinus capistratus, T. 25 $. hartlaubi u. albifrons, T. 26 Poliospiza gularis u. reichardi, T. 27 Passer castanopterus u. shelleyi, T.28 Passer euchlora u. Petronia flavigula. C. Wüstnei und 6. Clodius, Der weisse Storch, Oiconia alba Bcehst., in Mecklenburg. (Arch. Ver. Fr. d. Naturg. Meckl. 56, 1902 S. 1—57). Die Verfasser haben sich der dankenswerten Mühe unterzogen, eine Zählung der in Mecklenburg vorhandenen Storchnester zu veranstalten. Zu dem Zwecke wurden Mitte Juli 1901 408 Zählkarten in Form von Postkarten mit Antwort vorzugsweise an die Pastoren versandt. Der Erfolg war sehr günstig, indem die Antworten, die meistens eine grössere Anzahl zu einer Gemeinde gehörender Ortschaften betrafen, ziemlich voll- ständig eingegangen sind. Es ergab sich, dass die Störche in Mecklenburg noch überall häufig sind und ihre Verteilung über das ganze Land eine ziemlich gleichmässige ist. Doch mag der Osten etwas weniger Störche haben als Mitte und Westen. Grosse Waldgebiete, wie die Rostocker Heide, sind spärlicher versehen als andere Teile. Die Ufer grosser Land- seen und die Ostseeküsten haben keine Anhäufung zur Folge, eher kann man sagen, dass die Küstenstriche etwas sparsamer bedacht sind als das — 15 — Binnenland. Bei denjenigen Dörfern, die grossen Wiesenflächen benachbart sind, wie an den Lewitzwiesen, häufen sich die Nester. Verhältnismässig wenige Ortschaften haben kein Storchnest, etwa ein Viertel aller Ort- schaften hat mehr als ein Storchnest aufzuweisen. Diese Zahl steigert sich für einen Ort bis zu 77 Nestern! Diesen riesigen Bestand hat das in der Sude- und Schaaleniederung gelegene Bauerndorf Besitz aufzu- weisen. Es liegt in der Nähe von Boizenburg, ist demnach von dem Elbegebiet auch nicht allzuweit entfernt. An zweiter Stelle kommt Jürgens- hagen, zwischen Bützow und Doberan mit 55 Nestern, dann Barkow mit 49, Bernitt mit 45, Bargeshagen, das wegen seiner vielen Storchnester berühmt und im Volksmunde deshalb „Adeborshagen‘“ genannt wird, mit 41, Parkentin mit 33 Nestern, 13 weitere Orte haben über 20 und etwa 40 Ortschaften 10—19 Nester. Im ganzen ist für das etwa 300 Qua- dratmeilen umfassende Gebiet ein Bestand von 4054 besetzten und 265 unbesetzten Nestern nachgewiesen. Für die noch ausstehenden Berichte würden in gleichem Verhältnis noch 524 besetzte und 47 unbesetzte Nester hinzukommen, so dass die Gesamtzahl der Nester 4900 und mit den bei der Zählung zweifellos übersehenen etwa 5000 betragen würde. Versucht man aus dieser Zahl einen Rückschluss auf die Anzahl der Vögel zu machen, so werden die besetzten Nester 9200 alte Störche ergeben. Nach der Statistik sind auf jedes Nest, besetzte und unbesetzte zusammen ge- rechnet, Anfang August 2 Junge zu rechnen. Dies würde also 10000. Junge ausmachen. Rechnet man noch 2800 nicht brütende Störche hinzu, so mögen etwa 22000 Störche im August aus Mecklenburg nach dem Süden ziehen. — Die Abhandlung enthält dann noch viele wertvolle Einzelheiten über die Lebensweise der Störche, aus denen wir nur noch Folgendes hervorheben: Die Anzahl der Jungen beträgt 2 bis 4, 5 kommen nur selten vor, obgleich 5 Eier in einem Neste keine Seltenheit sind. In manchen Nestern wird nichts ausgebracht, denn die Jungen gehen oft durch Nahrungsmangel, schlechte Witterung und andere Zufälle zugrunde. Durebschnittlich können auf das Nest, besetzte und unbesetzte, wie oben bereits erwähnt, nur 2 Junge gerechnet werden (wird durch Beispiele aus den Zählungskarten belegt). Ein Teil der ein- oder zweijährigen Vögel schlägt sich zu kleineren oder grösseren Gesellschaften zusammen, die sich den ganzen Sommer hindurch in wiesenreichen Gegenden umhertreiben. Solche Scharen zählen oft nach Hunderten, die dann in Wäldern über- nachten. — Wir machen auf die höchst anziehende Abhandlung ganz besonders aufmerksam. Es wäre sehr erfreulich, wenn das Beispiel Nach- ahmung fände und in anderen deutschen Staaten oder in einzelnen Provinzen Preussens ähnliche Zählungen veranstaltet würden. Das vorliegende Beispiel hat gezeigt, dass solchem Unternehmen Erfolg beschieden ist. Übrigens wird zu der Arbeit der Herren Wüstnei und Clodius noch eine Karte mit der Verteilung der Storchnester in Meckenburg nachgeliefert werden. O0. Held, Einige Bemerkungen und Zusätze zu der Abhandlung „Die Vögel der Grossherzogtümer Mecklenburg von C. Wüstnei und G. Clodius“. (Arch. Ver. Fr. d. Naturg. Meckl. 56. 1902). Ss. 58—76). — 116 — Verfasser fügt auf Grund seiner eingehenden Litteraturstudien Apus melba, Remizus pendulinus und (jetzt ausgestorben) Tefrao urogallus der Mecklenburgischen Ornis ein, während er Falco gyrfalco islandus als auf F. candicans bezüglich streichen möchte. Ferner werden er- gänzende Mitteilungen über Circaetus gallicus, Hirundo savignii, Serimus serinus, und Branta ruficollis gegeben. R. Snouckaert van Schauburg, Ornithologie van Nederland. Waarnemingen van 1. Mei 1901 tot en met 30. April 1902. (Tijdschr. Ned. Dierk. Vereen. (2) DI. VII Afl. 3 en 4 S. 254— 275). Unter den Aufzeichnungen finden sich Nachweise über Vorkommen folgender selteneren Arten in Holland: Pastor roseus, Carpodacus erythrinus, Emberiza pusilla, Siphia parva, Buteo zimmermannae, Garzetta garzelta, Charadrius dominicus fulvus, Procellaria leu- corrhoa, Anser brachyrhynchus, Branta canadensis. Auch ein Bastard von Anas boschas u. Mareca penelope ist gefangen worden. Aegithalus caudatus ist als Brutvogel festgestellt. Angebliches Vor- kommen von Sazxicola stapazina Tem. wird eingehender behandelt. E. Arrigoni Degli Oddi, Atlante Ornitologico. Uccelli Europei con Notizie d’Indole Generale e Particolare. Con 50 Tavole colo- rate e duecentodieci Disegni intercalati nel Testo. Milano 1902. Ein eingehender Bericht über dieses Werk befindet sich im Oktober- heft des Journal für Ornithologie. J. Rohweder, Unsere Schnepfen. Die drei europäischen Sumpf- schnepfen oder Bekassinen, Gallindgo major, gallinago und gallinula und die Waldschnepfe, Scolopax rusticula, in Wort und Bild. Sonderabdruck aus der Jubiläumsausgabe von Naumanns Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas. Gera. Dieser im Sonderdrucke vorliegende Teil der „Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas“ ist mit grosser Sorgfalt gearbeitet. Bei der Bekassine ist der Verfasser sehr ausführlich auf den Balzflug und das Meckern eingegangenen, hat alle Untersuchungen und Beobachtungen der neueren Zeit zusammengetragen, gesichtet und durch eigene Wahrnehmungen ergänzt und die früher so viel erörterte und umstrittene Frage zu einem befriedigenden Abschluss gebracht. Die Abbildungen sind von Keulemans ausgeführt. Ch. W. Richmond, Deseriptions of two new Birds from Trong, Lower Siam. (Proc. Biol. Soc. Washington XV. 1902 S. 157—158.) Neu: Stachyris chrysops, ähnlich 8. chrysoea, und Oreocincla horsfieldi affınis. Ch. W. Richmond, Description of a new subspeeies of Stenop- sis cayennensis from Curacao. (Proc. Biol. Soc. Washington XV. 1902 S. 159—160). Stenopsis cayennensis insularis n. consp. — 117 — K. Broadbent, Field-notes on the Birds of Bellenden-Ker, Queensland. (Ibis (8.) II. 1902 S. 377—8386). 64 Arten vom Bellenden-Ker, dem höchsten Gebirge in Queensland. A. Szielasko, Die Bildungsgesetze der Vogeleier bezüglich ihrer Gestalt. Eine oologische Studie. Gera-Untermhaus 1902. Die Formen der Vogeleier lassen sich durch mathematische Formeln ausdrücken. Mit Hilfe jeder dieser Formeln ist es dann möglich, die Form jedes Eies durch Zahlenwerte wiederzugeben. Verf. geht aus- führlich auf die mathematische Berechnung der Eiformen ein und zeigt, wie die Formeln für die Berechnung gewonnen sind. Folgende durch Messung oder Rechnung gewonnene Werte kommen in Betracht: Umfang des Eies über den Längsdurchmesser, grösster Querdurchmesser, Längs- durchmesser, Verhältnis der beiden letzteren, Unterschied der beiden Längen, in die der Längsdurchmesser durch den Querdurchmesser geteilt wird, Senkrechte in der Mitte des Längsdurchmessers, der nach der Spitze gelegene Teil der Eikurve, ebenso der an der Basis gelegene Teil derselben und einige andere Werte, die durch Rechnung gefunden werden und hier nicht mit wenigen Worten gekennzeichnet werden können. Wir fürchten, dass die Mühe, die die Berechnung dieser Werte erfordert, nicht im Ver- hältnis steht zu dem Ergebnis, das abgesehen von den bei so genauen Messungen leicht unterlaufenden Fehlern nicht durchaus zuverlässig ist, denn der Verfasser sagt: ‚Die Gesetzmässigkeit erstreckt sich nicht so weit, dass nahe stehende Vogelspecies in allen Fällen eine typische Ge- stalt der Eier oder eine charakteristische Zahlengrösse besitzen.‘ R. W. Shufeldt, The Osteology of the Cuckoos (Coccyges). (Proc. Amer. Philor. Soc. XL. No 165 1901 T. I u. I). In systematischer Hinsicht zieht Verf. aus seinen eingehenden oste- ologischen Untersuchungen den Schluss, dass die Cuculidae sich eng an die Musophagidae anschliessen und bestätigt somit die bisher herrschende Anschauung. P.M. Silloway, Summer Birds of Flathead Lake, (Bull. Univ. Montana. Bull. No. 3, Biol. Series No. 1. Montana 1901). R. A. Philippi, Figuras i Descripeiones de Aves Chilenas. (Anales Museo Nacional de Chile publicados por Orden del Gobierno de Chile. Entr. 15a. Primera Seccion. Zoolojlia. Santiago de Chile 1902). Beschreibungen und Abbildungen chilenischer Arten, die vom Ver- fasser zusammen mit Landbeck früher beschrieben worden sind, sowie einiger neuen Arten: Duteo poecelogaster 8. 6 T. III, B. macronychus 8. 8T. IV, B. ater S. 9T.V, B. albigula S. 9 T. VI, B. (Asturina) elegans S. 10 T. VII, Asturina aethiops S. 16 T. VIII, A. picta S. 17 T. IX, Muscicapa parvirostris S. 55 T. XXIV fig. 1, Capri- mulgus obscurus S. 20 T. XI u. XII, ©. bifasciatus var. gularis S. 21 T.XU Fig. 3, Procellaria (Oceanites) collarıs S. 90 T. XLIL. Spheniscus modestus 8. 84 T. XXXIX, Sph. flavipes S.88 T.XL, Puffinus melamoleucus S. 93 T. XLI, Sterna lorata S. 103 T. XVL, Phalacro- — 118 — corax ventralis S. 106, Ph. promaucanus S. 107 T. LI. — Abge- bildet sind ausser den vorgenannten: T. I Accipiter chilensis, T U. Buteo melanostethos, T. X Caprimulgus (Stenopsis) auginus, T. XIII Upucerthia atacamensis u. Synallaxis masafuerae, T. XIV U. albiventris u. Muscisaxicola nigrifrons, T. XV Synallaxis mon- tana, 8. melanops u. dorsomaculata (Schwanz), T. XVI Pteroptochus castaneus, T. XVII COhrysomitris anthracina und Muscisazicola flavivertex, T. XVII Synallaxis cinerea und Leptasthenura stenoptila, T. XIX Sycalis aureiventris und Museisaxicola cinerea, T. XX Ou- liciora fernandeziana, Hirundo leucopyga, H. melampyga und Scytalopus albifrons, T. XXI Geositta frobeni u. rufipennis, T. XXI @. isabellina und antarctica, T. XXIII Dendroica airicapilla und Rallus salinasi, T. XXIV Muscisaxicola rubricapilla, T. XXV Chlorospiza plumben, T. XXVI Elainea pagana u. murina, T. XXVII Arundinicola ceitreola und Phalaropus antarctieus, T. XXVIH Rallus antarcticus, T. XXIX Totanus chilensis und T. melanoleucus, T. XXX T, flavipes, T. XXXI Phalaropus (Lobipes) wilsoni, T. XXXII Recur- virostra andina, T. XXXIII Phoenicopterus jamesi und Ph. andinus (Schnabel), T. XXXIV Ph. andinus, T. XXXV Bernicla dispar, T. XXXVI Spheniscus humboldti, Sph. trifasciatus (Kopf), T. XXXVII Sph. humboldti, T. XXXVIII Sph. meyeni, T. XLIIL Trochilus ataca- mensis, Frocellaria (Oceanites) collaris, T. XLUI Puffinus turtur, T. XLIV Thalassidroma (Oceanites) segethi, T. XLV Larus frobeni, T. XLVI Sierna luctuosa und St. comata, T. XLVII S£. atrofasciata und St. frobeni, T. XLV1II Phalacrocorax cirrhatus, T. XLIX Pha- lacrocorax gracilis, T. L Phalacrocorax ventralis. E. Arrigoni Degli Oddi, Remarks on Audouin’s Gull (La- rus audouini). (Ibis (8.) V. 1902 S. 491—-499). Eingehende Darstellung der Verbreitung von Larus audowini; Unterschiede des L. audouini von L. cachinnans. H. C. Oberholser, Catalogue of a Collection of Humming- birds from Ecuador and Colombia. (Proc. U, St. Nat. Mus. XXIV. 1902 8. 309-342). Neben kritischen Bemerkungen über viele der aufgeführten Arten Beschreibungen von 4 neuen Formen: Topaza pella pamprepta vom Rio Napo in Ecuador, Boissonneaua flavescens tinochlora von Cora- zon in Ecuador, Heliangelus exortis soderstromi von Corazon, Zodalia thaumasta von Ilalo in Ecuador. 0. Finsch, Über zwei neue Vogelarten von Java. (Notes Leyden Mus. XXIII. 1902 S. 147—152.) Neu: Caprimulgus bartelsi und Orithagra estherae. O0. Finsch, Über Dicaeum sollicitans Hart. (Notes Leyden Mus. XXIII. 1902 S. 155 —155). Bestätigung der Art. Beschreibung eines alten Weibchens. Männchen dem Weibchen gleich gefärbt. — 19 — 0. Finsch, Über zwei bisher verkannte Arten: Centropus nigrorufus (Cuv.) und C©. grilli Hartl. (Not. Leyden Mus. XXIII. 1902 S. 156—161). Verf. weist nach, dass Levaillants Cowcal noirou, Ouculus nigro- rufus Cuv., nicht auf die afrikanische Centropus-Art zu beziehen ist, wie bisher angenommen wurde, sondern auf die javanische. Der afrikanische schwarzbäuchige Sporenkuckuck muss den Namen Üentropus grilli be- kommen, wenn anders diese Art nicht mit der indischen, C. bengalensis (Gm.), zu vereinigen ist. Sammler und Sammlungen. Von H. Krohn, Hamburg-St. George. (Fortsetzung von Seite 164). Gustav von Burg, Professor in Olten, Schweiz. Geboren 1871 in Olten. Mitglied der aargau. naturforsch. Gesellschaft, des ornith. Vereins München, des ornith. Vereins Olten-Gösgen und der schweizer. ornith. Ge- sellschaft, Seit 1899 Mitarbeiter am Katalog schweiz. Vögel von Studer und Fatio. Arbeiten: Schilderungen aus dem Winterleben der Vögel, Olten 1897, Beobachtungen der letzten drei Jahre 1897, 1898, 1899, in „Schweiz. ornith. Blätter“, Schädlichkeit des Bussards, in „Deutsche Jäger- zeitung‘ 1900, Die Säugetiere des Kantons Solothurn 1901, Die Fische, Reptilien und Amphibien des Kantons Solothurn 1901, Ornith. Beob- achtungen 1900, in ‚Tierwelt‘ 1901, Die Raubvögel des Kantons Solo- thurn I. Tagraubvögel, in „Ornith. Beobachter‘‘ 1902, Der Tannenhäber im soloth. Jura, in „Tierwelt“ 1902, Magenuntersuchungen an Eichel- hähern, in „Ornith. Beobachter“ 1902, Die Vogelwelt Oltens am 21. Juni 1902, in „Ornith. Beobachter“ 1902, Der Berglaubsänger im soloth. Jura, im „Jahresbericht des Orn. Vereins München“ 1902 und die Vogel- welt in Bettlach zur Zeit der Herbsttage und Nachtgleiche, in ,„Ornith. Beobachter“ 1902. Die Sammlung besteht aus 300 Vögeln in 150 Arten, 35 Säuge- tieren, Petrefakten, Artefakten, Insekten ete., alles in der Umgebung Oltens selbst gesammelt. Bemerkenswert sind: Melanocorypha yelto- niensis 5 ad. (neu für die Schweiz) 1900, Emberiza melanocephala & ad. (neu für die Schweiz) 1889, Alca torda 1879 —80, Himan- topus rufipes, Numenius tenuirostris, Bombyeilla garrula, Sylvia nisoria, Sylvia orphea, Plectrophanes nivalis, Xema minutum, Sierna minuta, Pyrgita petronia, Scops aldrovandi, Archibuteo lagopus, Hypotriorchis aesalon, Tringa alpina, Tringa minuta, mehrere Falco peregrinus, Cannabina flavirostris, Linaria alnorum, Gallinago major, 35 Nucifraga caryocathactes und manche Albinos und partielle Albinos, auch von Nucifraga caryocathactes. — 180° — Leopold Greppin, Dr. med., Direktor der Heil- und Pflegean- stalt Rosegg bei Solothurn, Schweiz. — Geboren 1854 zu Delsberg, Kanton Bern. Mitglied der schweizerischn und der solothurnischen naturforschenden Gesellschaft und der ornithologischen Gesellschaft in Basel. Seit 1900 Mitarbeiter für den Katalog der schweizerischen Vögel von Prof. Dr. Studer und Dr. V. Fatio. Seine Arbeiten ornithologischen Inhalts sind: Notizen über einige der in der Umgebung von Solothurn vorkommenden Vögel, Solothurn 1900, Notizen über das Vorkommen des Alpenmauerläufers in der Rhein- ebene bei Basel, Solothurn 1901, Beitrag zur Kenntnis der Avifauna im Kanton Solothurn, in Mitteilungen der naturforschenden Gesellschaft in Solothurn, I. Heft 1899—1902. Beobachtet und sammelt gelegentlich Vögel in der Umgebung von Solothurn ;; liefert das Gesammelte dem neuen solothurnischen Museum ab. Robert Eder, Prokurist, Neustadtl bei Friedland in Böhmen. — Geboren 1849 zu Wien. Ehrenmitglied des Ornithologischen Vereins in Reichenberg. Verschiedene Arbeiten über die im Beobachtungsgebiete Neustadtl bei Friedland in Böhmen vorkommenden Vogelarten in den „Mitteilungen des ornithol. Vereins“ Wien, 1887, 1888 und 1889; Ornithol. Jahrbuch (Tschusi) 1890, 1891, 1894, 1895 und 1897, sowie in der „Nordböhm. Vogel- und Geflügelzeitung‘“ 1888, 1889, 1893 und anderen. Die in den Jahren 1879 bis 1899 gesammelten Vögel — mehr als 100 — aus der Neustadtler Gegend sind der Volksschule daselbst als Lehrmittel gewidmet, die nunmehr eine ziemlich vollständige Local- sammlung besitzt, die Vögel in lebensgetreuer Stellung, einzeln oder in Gruppen, zumeist vom Bürgerschullehrer Julius Michel in Bodenbach a. E. aufgestellt. (Wird fortgesetzt). Änzeigen. Von meinen Reisen nach Üentralasien, Persien, Buchara u. a. besitze ich einige Hundert Dubletten von Vogelbälgen, die ich im Tausch gegen europäisch- asiatische Vögel abzugeben habe. Harald Baron Loudon, Lisden b. Wolmar (Livland). Berichtigung: Auf S. 149 u. 150 der 0. M. No. 10 lies: grögorjewi anstatt gregorjewi und auf S. 149 bei 2. Fundort „Tamindau“ an- statt Taminstan. Druck von Otto Dornblüth in Bernburg. " Ornithologische Monatsberichte herausgegeben von Prof. Dr. Ant. Reichenow. X. Jahrgang. Dezember 1902. No. 12. Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. Anzeigen 20 Pfennige für die Zeile. Zusendungen für die Schriftleitung sind an den Herausgeber, Prof. Dr. Reichenow in Berlin N.4. Invalidenstr. 43 erbeten, alle den Buchhandel betreffende Mitteilungen an die Verlagshandlung von R. Friedländer & Sohn in Berlin N.W. Karlstr. 11 zu richten. Über eine neue europäische Blaumeisenform. Von stud. Hermann Grote. Als ich mich im Herbste 1901 in St. Petersburg aufhielt, wurde ich von einem russischen Vogelsteller auf eine Blaumeise aufmerksam gemacht, die er „fahle Blaumeise“ nannte. Sie sei recht selten und würde fast ausschliesslich im Herbste gefangen. Nach einiger Zeit erhielt ich denn auch von demselben Fänger ein Exemplar dieser Meise, welches er in der Nähe von St. Petersburg (Lessnöje) gefangen hatte. Im ersten Augenblicke war ich geneigt, den Vogel als einen abnorm gefärbten P. coeruleus anzusehen, doch kam ich dann zum Schluss, es müsse Parus pleskei Cab. sein. Als solche wurde sie denn auch im Berliner Zoologischen Garten, dem ich die Meise schenkte, etikettiert.!) Die diesjährigen Sommerferien führten mich wieder nach S$t. Petersburg. Mit besonderem Eifer machte ich mich auf die Suche nach ähnlichen Meisen und war angenehm überrascht, im Peters- burger Tiergarten in einer Voliöre 4 Stück zu finden. Die Vögel sahen aus wie gewöhnliche Blaumeisen, doch fehlte ihnen die gelbe Farbe, ganz ebenso wie der Meise im Berliner Garten. Hatte ich schon früher Zweifel gehegt, letztere wäre doch keine Pleskemeise, so wurden jetzt meine Zweifel noch reger. Durch genauere Besichtigung der Pleskemeisen in den zoologischen Museen zu St. Petersburg und Berlin kam ich zu folgendem Resultat: I/g539%& Parus pleskei Cab. hat den Typus der Lasurmeise. Selbst T die „Blaumeisenform“ zeigt in der Rückenpartie grosse Ähnlichkeit mit cyanus. Die Grösse ist häufig bedeutender als bei coeruleus. Der Rücken zeigt ein mattes Blaugrau mit einem Stich ins Grünliche, das Nackenband ist oftmals dunkler und breiter als bei coeruleus, die Unterseite schmutzigweiss, stets mit gelbem Brustfleck, 1) Irrtümlicherweise ist auf dem Namenschild als Fundort „Finnland“ angegeben. D. V. 12 — 12 — das Weiss der Armschwingen ist breiter, als bei der Blaumeise, der Nackenfleck weisslich. Die Meisen des zoologischen Gartens sahen anders aus. Ich versuche die Beschreibung kurz nach den lebenden Vögeln zu geben: Unterseits gleichmässig!) schmutziggelblichweiss, oberseits hell- grünlichgraublau (die Farbe ist schwer zu definieren !), der Nacken- fleck weisslichblau. Sonstige Färbung, wie es scheint, auch Masse, wie bei coeruleus. Dies alles bestimmt mich, in dieser Meise eine Unterart der gewöhnlichen Blaumeise zu sehen. Ich möchte dieselbe daher Parus coeruleus pallidus subsp. nov., die fahle Blau- meise, nennen. Inzwischen ist es mir gelungen, noch ein Exemplar auf dem Petersburger Vogelmarkte zu finden, welches ich erstand. Dasselbe habe ich dem Berliner Zoologischen Garten geschenkt, wo sich nun also zwei Exemplare dieser neuen Blaumeise befinden. Weitere Forschungen müssen ergeben, ob die Unterartberech- tigung dieser Meise feststeht oder nicht. Jedenfalls wollte ich die Ornithologen Russlands und auch unsere deutschen Forscher, denn es ist nicht ausgeschlossen, dass sich auch bei uns solche Meisen zeigen, auf diese Vögel aufmerksam gemacht haben. Vogelwarte Rossitten. (Vorkommen von Surnia ulula (L.)) Soeben erlegte ich ein prächtiges Weibchen der Sperber- eule, Surnia ulula (L.). Ich hatte schon seit längerer Zeit gemerkt, dass in einem bestimmten Bezirke des Dohnenstieges oft Vögel mit grosser Gewalt aus den Schlingen gerissen waren. An einem Tage fand ich auf verhältnismässig kleinem Raume 3 zerrissene Singdrosseln und 1 Misteldrossel. Die eine war mit samt der an- genagelten Dohne vom Baume losgerissen und eine Strecke weit fortgetragen worden, wo sie, noch in der Schlinge befindlich, auf- gezehrt wurde. Ich war zunächst geneigt, diese Räubereien einem Sperber zuzuschreiben. Heute sah ich bei trübem, regnerischem Wetter und SW.-Wind eine Sperbereule an der bezeichneten Stelle auf einem Pfahle am Waldrande sitzen. Es war leicht, die Eule sofort richtig anzusprechen, da sie sich durchaus nicht scheu zeigte. Im Magen hatte sie allerdings keine Drosseln, sondern ausschliesslich Mausehaare nebst Knochen, zum Gewölle zusammengeballt, wobei aber zu bemerken ist, dass sich in dem betreffenden Teile des Dohnenstieges an dem Tage kein Vogel gefangen hatte. So möchte ich annehmen, dass sich die seltene Eule schon seit mehreren Tagen an ein und derselben Stelle aufgehalten und für gewöhnlich in den angrenzenden Dickungen verborgen gewesen ist, um sich t) Der ausgesprochene gelbe Brustfleck fehlt also. D. V. — 13 — nach Bedarf die gefangenen Vögel mit aller Bequemlichkeit aus den Schlingen herauszuholen. Man ist zu dieser Annahme um so eher berechtigt, da die Zähigkeit, mit der die Sperbereule an einem einmal gewählten Platze festhält, ja bekannt ist. Masse des erlegten starken Weibchens: Länge 40 cm, Breite 77 cm, Fittich 24 cm, Schwanz 20,5 cm. 14. X. 02. J. Thienemann. Gefleckte Segler-Eier. Von Georg Krause. Vor ungefähr Jahresfrist dedicierte mir mein hochverehrter Freund Dr. med. A. Girtanner, St. Gallen, einige Nester und Gelege von Apus melba (L.) als die letzten Ausbeuten der zerstörten Colonie in den Berner Münstertürmen. Gleich bei Empfang der Sendung fielen mir zwei Eier mit einer merkwürdigen Fleckung auf, deren Untersuchung ich aber anderer dringender Arbeiten wegen nicht sofort vornehmen konnte Kürzlich konnte ich das Versäumte endlich nachholen. Die beiden in Frage kommenden Eier stammen aus zwei verschiedenen Gelegen zu 2 und 3 Stück. Während die übrigen Eier derselben durchaus normal sind, zeigen beide Exemplare ein deutlich erkennbares Fleckenkränzchen von aschgrauen grösseren Unterflecken und schwarzbraunen kleineren oder grösseren Ober- flecken, die sich in gleichmässiger Verteilung um den stumpfen Pol herumlagern. Am besten könnte man diese Zeichnung mit der von Eiern des Oriolus galbula vergleichen, nur sind bei letzterem die Flecken rund oder oval, wohingegen die Fleckung meiner merkwürdigen Seglereier mehr eckig-scharfe Conturen zeigen, also ähnlich derjenigen von grossfleckigen Eiern des Passer domesticus. Das Grau der Unterflecken ist ein angenehmes bläuliches Asch- grau. Selbstredend liess ich es nach meinem ersten Erstaunen nicht mit der makroskopischen Untersuchung genug sein, sondern betrachtete mir die Fleckung auch unter verschiedenen Vergrösse- rungen. Kommt es doch zu häufig bei weissen Eiern vor, dass Fliegen-Exkremente oder sonstige mechanische Verunreinigungen leicht zu Irrtümern Veranlassung geben können. Meine Diagnose blieb aber dieselbe: „natürlich gefleckte Segler-Eier“. So konnte ich denn vor ungefähr Monatsfrist an meinen hochverehrten Sammel- collegen, Herrn Amtsrat Adolf Nehrkorn in Braunschweig, die merkwürdige Mähr berichten. Dass auch dort die Mitteilung mit einigem, ja vielleicht mit grossem Misstrauen entgegengenommen werden würde, davon war ich überzeugt. Und so war es auch. Denn wenige Tage darauf las ich u. A.: „Dass Apus melba gefleckte Eier legen sollte, halte ich für ausgeschlossen; es ist mir wenigstens kein Fall bei Seglern und Kolibris bekannt, u. s. w.‘ 12* — 14 — Acht Tage später schrieb mir Amtsrat Nehrkorn kurz auf Karte: „Gestern besuchte mich R. Blasius, und ich sagte ihm von Ihren bunten Seglereiern. Derselbe meinte auch, dass eine Fleckung nicht gut möglich sei; es nisteten aber sehr viele Spatzen in Bern auf den bekannten Türmen mit den Seglern zusammen“. etc. Nun hielt ich es aber für angebracht, meine &egenbeweise zu erbringen, und ich sandte die beiden Gelege mit den wunder- samen Exemplaren an Nehrkorn ein. Wie erwartet, fiel denn auch die Antwort aus. Nehrkorn’s Antwort von 20. IX. 02 lautete: „Die bereits wieder in Ihrem Besitz befindlichen Segler-Eier haben mich in hohem Grade interessiert. Ich hatte solche Fleckung für unmöglich gehalten.“ Und weiter: „R. Blasius hat in meiner Abwesenheit die Eier bei mir angesehen und ist ebenso erstaunt wie ich“. Nach Urteilen von derartig competenter Seite steht es wohl nun ausser allem Zweifel, dass auch bei den ausgesprochensten Weisslegern der seltene Fall einer aufs Deutlichste ausgebildeten Fleckung vorkommen kann. Es wäre daher sehr interessant, wenn dieser Fall auch andere Oologen veranlassen würde, in den Samm- lungen Umschau zu halten, und wenn dadurch ähnliche Fälle zur allgemeinen Kenntnis gelangten. Es liessen sich dann wichtige Schlüsse vom darwinistischen Standpunkte aus ziehen. Neue afrikanische Arten. Von Reichenow. Serinus simplex n. Sp. Dem Serinus albifrons (Sharpe) am nächsten, aber unter anderem durch Fehlen der hellen Flügelbinden unterschieden. Öberseits dunkelgraubraun, Stirn, Augenbrauen und vordere Wangen mit weiss gemischt, weisse Spitzen an diesen Federn; Flügel- decken wenig dunkler als der Rücken, an den Rändern fahler, aber ohne deutliche hellere Säume; Schwingen und Schwanzfedern schwärzlich graubraun, schmal bräunlich oder an den Handschwin- gen mehr weisslich gesäumt; Unterseite weiss, dunkelbraun ge- strichelt, Kehle am weissesten, etwas gelblich verwaschen und nur dunkel getüpfelt, nicht gestrichelt, Körperseiten braun verwaschen ; ganzer Schnabel, auch der Unterkiefer und Füsse grauschwarz. Lg. etwa 160, Fl. 84, Schw. 70, Schn. 13, L. 20 mm. Ukinga in Deutsch Ostafrika (Fülleborn). Estrilda kandti n. sp. Oberkopf und obere Kopfseiten, Flügel und Schwanz schwarz; Nacken, Rücken und Schulterfedern sepiabraun; Oberschwanz- decken rot; Wangen weiss; ganze Unterseite blass sepiabraun, auf — 15 — dem Bauche heller, mehr isabellbräunlich; Unterflügeldecken an- scheinend weiss; Schnabel schwarz; Füsse schwarzbraun. Lg. etwa 70, Fl. 40, Schw. 23, Schn. 7, L. 13—14 mm. |Der einzige vorliegende Vogel ist leider in Weingeist auf- bewahrt. Es bleibt deshalb dahingestellt, ob der Ton der braunen Färbung nicht verändert ist]. Ein zweiter, augenscheinlich als Weibchen zu dem vorbeschrie- benen gehörender Vogel hat Kopf, Oberkörper und Flügel sepia- braun ; Oberschwanzdecken rot; Schwanz schwarz; ganze Unter- seite fahl graubraun; Schnabel dunkel hornbraun. Kiwusee (Kandt). Estrilda poliopareia n. Sp. Der E. paludicola sehr ähnlich, aber das Rot der Oberschwanz- decken heller, scharlachrot; Rücken und Flügeldecken etwas blasser und deutlich dunkel gewellt; Unterseite ockergelbbraun, blasser auf Kehle und Kropf, tiefer gelbbraun auf Körperseiten, Bauch und Unterschwanzdecken; Steiss rötlich verwaschen; Unterflügel- decken blassockergelb, rötlich verwaschen. Fl. 48, Schw. 45 mm. Von E. ochrogaster unterscheidet sich diese Art durch die grauen, nicht ockergelben, Kopfseiten, das hellere Rot der Ober- schwanzdecken und gelbbraune Unterschwanzdecken. Kongo. Über Einteilung des genus Podoces in subgenera. Von N. Zarudny und Harald Baron Loudon. Die Untersuchung der Repräsentanten der Familie Podoces überzeugte uns, dass dieselben naturgemäss in drei Gruppen, welche die Bedeutung von subgenera haben, eingeteilt werden müssen. Die unterscheidenden Merkmale dieser Gruppen sind folgende: 1. Die Flügel tragen weisse Querbinden. Die Befiederung weist auch Schwarzfärbung auf. a) die oberen Schwanzdeckfedern sind verkürzt und bedecken nur die Wurzeln der Steuerfedern. P. panderi Finsch. nina { P. pleskit Zarudny. b) die oberen Schwanzdeckfedern sind verlängert und ragen über die Mitte der Steuerfedern hinaus. E. biddulphi Hume. E. hendersoni Hume. 2. In der Befiederung kommt keine schwarze Farbe vor. Die Flügel ohne weisse Querbinden, Eopodoces [subgen. nor.]} Pseudopodoces $ P. humilis. [subgen. nov.] Hume. — 16 — Beschreibung einer neuen Podiceps-Subspeeies. Von N. Zarudny und Harald Baron Loudon. Podiceps auritus L. var. korejevi, subsp. nov. Da wir später diesen Vogel genauer zu beschreiben beab- sichtigen, geben wir eben nur folgende charackterische Merkmale an. Dieser Taucher unterscheidet sich durch das Vorhandensein der weissen Färbung auf den Schwingen erster Ordnung von der typischen Form. Diese Färbung erstreckt sich nicht allein auf die inneren, sondern auch auf die äusseren Federn dieser Ordnung, während dieses der typischen Art fehlt. Die Wurzeln aller grossen Schwingen sind weiss, an der ersten Schwinge erstreckt sich, auf der Aussenfahne, die weisse Färbung bis zu 6 mm über die oberen Flügeldeckfedern hinaus, hingegen erreicht sie auf der Innenfahne eine Länge von 18—20 mm. An den folgenden grossen Schwingen verbreitet sich diese Farbe noch mehr; schon bei der vierten Schwinge erreicht sie auf der Aussenfahne 21 mm und bis zu 30 mm auf der Innenfahne. An den drei innersten grossen Schwingen erreicht das Weiss beinahe die Spitzen der Federn; an einem von unseren Exemplaren [®, 30. XI. 1900, (alter Styl), Fundort Bareng in Seistan] befindet sich an dem Ende der innersten grossen Schwinge ein unregelmässiger rombenartiger, weisser Fleck. Zu der soeben beschriebenen Form gehören die Vögel aus dem Gouvernement Orenburg, dem Semiretschje-Gebiet und ebenso Wintervögel aus dem Osten Persiens. Die vorgeschlagene Benennung geben wir zu Ehren des Herrn B. P. Korejew, welcher sich eifrig um die Erforschung der Ornis des Semiretschje Gebietes bemüht hat. Accentor collaris caucasicus Nov. subsp. 3 ad. Oberkopf, Hinterhals und Halsseiten grau mit einem Stich in’s Gelbliche; Ohrdecken bräunlich; Rücken, obere Schwanz- decken fahl gelblich grau; Rückenfleckung schwach und ver- schwommen; der weisse Kehlfleck sehr stark schwärzlich geschuppt, so dass die weisse Grundfarbe weniger sichtbar ist; Kropf grau, Unterkörpermitte schmutzig weisslich grau, ersterer gelblich über- flogen; Seiten rostrot, wie bei collaris, infolge der weissen Feder- ränder aber von geflecktem Aussehen; Schulterfedern blass rost- farben, von gleicher Färbung die Säumung der Secundarien. Alles Übrige wie bei collaris. Flügell. 100 mm. © Nicht verschieden vom g. Verbreitung: Kaukasien (Tereck-Gebiet). Typen: $ ad. Ururbyew b/Wladikawkas, 23. I. 1899 (Coll. v. Tschusi, No. 4392). Sy » „ 15. II. 1899 (Coll. v. Tschusi, No. 4393). Villa Tännenhof b/Hallein, Nov. 1902. v. Tschusi zu Schmidhoffen. — 17 — Schriftenschau. Um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornitholögischen ) Monatsberichten“ zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbständig erscheinenden Arbeiten | ist Preisangabe erwünscht. Reichenow. J K. Andersen, Meddelelser om Färöernes Fugle. 5. Räkke. Efter skriftlige Oplysninger fra P. F. Petersen, Nolsö, og S. Niclassen, Myggenäs. (Vidensk. Meddel. fra den naturh. Foren. i Kbhvn. 1902 S. 325— 365). Vergl. hierzu die früheren Berichte über die Vögel der Färöer in dieser Zeitschrift: 1898 S. 183, 1899 S. 193, 1900 S. 141, 1902 S. 24. Der Jahresbericht ist auf Grund der Beobachtungen Petersen’s auf Nolsö (7. Jahr) und Niclassen’s auf Myggenäs (2. Jahr) abgefasst. Die Mitteilungen sind die ausführlichsten, welche bis jetzt eingegangen sind. Von beiden Inseln zusammen liegen gegen 4000 Beobachtungen vor. Der erste Teil schildert das Vogelleben der beiden Inseln im Jahre 1901 in der Zeitfolge mit Berücksichtigung der meteorologischen Er- scheinungen. Eine ganze Reihe dieser Aufzeichnungen wird, schon wegen der nördlichen Lage der Beobachtungsgebiete, die Klärung des Vogel- zuges unterstützen, zumal solche Beobachtungen jetzt bereits von mehreren Jahren vorliegen. — Isländische Vögel: Wie im vorigen Jahresbericht (0. M. 1902 S. 25) ausgeführt, geht der Zug einiger isländischen Vögel über die westlichen Inseln der Färöer. Berichtet wird über den Zug von Turdus iliacus, ein Teil überwinterte auf Myggenäs, Anser cinereus (die vorliegenden Beobachtungen scheinen darauf zu deuten, dass auch die Graugans hauptsächlich über die westlichen Inseln zieht, vielleicht meist über Vaagö), Rallus aquaticus (soll Standvogel auf Island sein, fand sich auf Myggenäs 1900 und 1901 aber regelmässig im November ein, auf Nolsö nur 2 mal in 7 Jahren beobachtet; auch diese Art zieht über die westlichen Inseln, doch eine Beobachtung beweist, dass ein Teil der isländischen Wasserrallen auf den Färöern überwintert). Sicher isländische Gäste, nach der Zeit zu urteilen, waren die spät be- obachteten Weissen Bachstelzen auf Myggenäs und die Steinschmätzer (grössere Rasse) auf beiden Inseln. Die skandinavischen Gäste: Mindestens 12 mal im Laufe des Jahres wurden Vögel, welche auf dem Zuge über das Meer zwischen den Britischen Inseln und Skandinavien waren, auf die Färöer getrieben. In der Regel zwingen Südost- oder Ostwinde die Vögel fort von dem kürzesten Weg über das Meer; jedoch kann auch Südwind dieselbe Wirkung haben. — Die vollständige Liste der vier Jahre 1898-1901 bilden folgende 33 Arten: Vanellus cris- tatus, Limosa lapponica, Scolopax rusticula, Falco tinnunculus, Otus brachyotus, Turtur auritus, Iynx torguila, Upupa epops, Corvus monedula, CO. frugilegus, Lanius excubitor (mavor), Hirundo rustica, Alauda arvensis, Sylvia curruca, 8. atricapilla, Phylo- pseustes trochilus, Ph. rufus, Regulus eristatus, Motacilla flava borealis, Turdus ihacus, T. pilaris, T. torguatus, T. merula, cs) nn — 18 — Pratincola rubetra, Ruticilla phoenicura, Erithacus rubecula, Oyanecula suecica, Muscicapa atricapilla, Fringilla coelebs, F. montifringilla, Emberiza schoeniclus, E. citrinella, E. nivalis. Aus dem 2. Teil der Arbeit verdient folgendes besonders erwähnt zu werden: Tadorna cornuta geschossen auf Nolsö 10/l. Die Art ist neu für Nolsö, überhaupt ein seltener Gast auf den Färöern. Somateria spectabilis am 6. V. beobachtet. Nur ein Mal vorher bei Nolsö gesehen. Limosa lapponica. 1 5 jun. 9/VIII auf Nolsö erlegt. Die Art ist nur wenige Male auf den Färöern gesehen. 2 Sterna nigra 21. Juni Nolsö. Nur ein Mal auf den Färöern gesehen. Upupa epops, 30. April gesehen. Nur 2 Mal früher auf den . Färdern beobachtet. Alauda arvensis scheint gebrütet zu haben, wäre zum ersten Male für Nolsö als Brutvogel nachgewiesen. Sylvia nisoria, am 30. Aug. gesehen und 6. Sept. J jun. auf Nolsö geschossen ; 17. Sept. auf Myggenäs beobachtet. Die Art ist neu für die Färöer. Turdus musicus. Ende Februar wurde ein Flügel und beide Füsse auf Myggenäs gefunden. Erste sichere Beobachtung auf den Färöern. Passer montanus, 21. Januar auf Myggenäs; das erste Mal auf Myggenäs. Soll in grosser Zahl auf Skuö brüten, auf den anderen Inseln äusserst selten gesehen. Die Zahl der Vogelarten der Insel Nolsö ist hiermit von 132 auf 134 gestiegen. Nach einem Verzeichnis von Nielassen umfasst die Vogelwelt der Insel Myggenäs 89 Arten. Darunter sind 28 Brutvögel (12 Standvögel, 16 Zugvögel, von letzteren 5 zum Teil überwinternd, 2 selten überwinternd) und 61 regelmässige oder unregelmässige Gäste (27 jährliche Gäste, 34 weniger regelmässige oder seltene Gäste). Es folgen einige Mitteilungen von anderen Inseln und eine Nach- schrift zu Müller’s Aufzeichnungen über Vögel der Färöer. O. Haase, Nachrichten. Am 8. November ist in Tharandt Hinrich Nitsche Geh. Hofrat und Professor der Zoologie an der kgl. Forstakademie Tharandt im 58. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene war langjähriges Mitglied der Deutschen Ornitho- logischen Gesellschaft und ist auch schriftstellerisch auf ornithologischem Gebiet tätig gewesen, in neuester Zeit hatte er mehrfach über seltene Vogelarten im Königreich Sachsen berichtet. Herr Ed. Hellmayr in Wien ist mit der Verwaltung der Ab- teilungen der Säugetiere und Vögel im zoologischen Museum der Univer- sität München betraut worden. Druck von Otto Dornblüth in Bernburg. AN, Sue, une Nonire IN un WE NR Den i Ya IT AAMAA A SAARNAANANG 20 NN EIER: R NED z A EMNEIEN A ANN VAARRR A .MANA ar an AnaANARR” andh N, FM SREBARANAR 2 Anan/ A A Ar ARHARARA AnAN Anaaaan, N AM A Rx AA) ER i VLLT HAPE ne A | ANARAR SIR AaaAaA \ / ArAAA A:A FAN A AA R, aÄaz AATYV Y iARAAAAÄA „AAAAAMAR AA aA NAAR IV ” A ANA, LIEVG AAARAR AN A & ana Ya Y ARARAA KuNREE r NEST ns \ 3 | A AR URTRUBL 1 ana AA’ A, BAGR, R: Baia AAMAR ARAAARZAF? 4 . AA” AnnanAlAd nn AN an a sa RNAA LARLARAahT AAAAS AA AAAAMAN ÄRA AAAANARRALT a OMER A nasse Ba ARAANA, ala) ERBE FRA RS ARARENNO NER SE ARE AnnnBa RN V Aamar an aan ann "Aane AARRAAIN, AN anf Ran | AANAOISRANANA NA RO Pa OR RORRRa. I TARAANL AS A =: BERARAR AN an AR PER BE ETAER .T Nap A £ A £ ARAA Ya TTERRR HT N PERF eh Dasaea ARRU a Ri h AANARRAARARRA An Aa. 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