z - a 5

un ——. [u . U

Wr wi

CARDENG

a? ei <>:

ln er ar Se

1887.

Botan. Zeitschrift

Oesterr.

Vo

2 ED N -_ = = zZ m = Gag =

x‘ N

r

Oesterreichische

BOTANISCHE ZEITSCHRIFT.

Organ für Botanik und Botaniker.

Mit

Original-Beiträgen

von

Ascherson, Baier, Beck, Bfocki, Borbäs, Boresch, Bornmüller, Braun, Burgerstein, Celakovsky,

Conrath, Dalla Torre, Degen, Dichtl, Eichenfeld, Focke, Formänek, Freyn, Garcke, Hanausek,

Hansgirg, Heimerl, Huter, Jensen-Tusch, Jetter, Junger, Karo, Keller, Kerner, Kissling,

Knapp, Kornhuber, Krasan, Kronfeld, Molisch, Palacky, Prihoda, Procopianu-Procopovici,

Rassımann, Sabransky, Schilberszky, Schneider, Simonkai, Spitzner, Stapf, Stein, Steininger,

Strobl, Tomaschek, Uechtritz, Ullepitsch, Vägner, Voss, Vukotinovic, Wettstein, Wiedermann, Wiesbaur, Woloszezak, Zukal.

Redigirt

von

D" Alexander Skofitz.

ZXXVII. Jahrgang.

Mit 2 xylographirten Porträts und 6 xylogr. Abbildungen.

LInmMAaRY NEW YORK wITAMCAL —ha HAN ————

Wien 1887. Verlag von ©. Gerold’s Sohn.

an z

- rm r j er PR R

ch Na wc

. Ki

a ra; 1 6 RR al }} L x KT | De. ri ara ii me | ai nut BR Pre ira ei ar BL yet 4 „60 ie 7 HIER, Id. ‚eleman\2 a rain. 2 ae läd Ara ar 1%

F Aa re a

A Ar ei ». 1

%

ot

i zip: En)

Oesterreichische

Botanische Zeitschrift.

Die österreichische i Exemplare botanische Zeitschrift Orgaı 2% die frei durch die Post be- erscheint zogen werden sollen, sind den Ersten jeden Monats. fa blos bei der Redaction Man pränumerirtauf selbe n (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1)

mit $ fl. öst. W. zu pränumeriren.

@,# sa) Botanik und Botaniker. „„„n.\..;

ganzjährig, oder mit Buchhandels übernimmt

4 fl. öst. W. (8 R. Mark) Pränumeration Brir o c. ee Sohn Insera in Wien, die ganze Petitzeile N: 1 sowie alle übrigen 15 kr. öst. W. - Buchhandlungen.

XXXYVIL Jahrgang. WIEN. Jänner 1887.

T: Ferdinand Hauck. Ursachen der Haarbildung. Von Krasan. Anemone Scherfelü. Von Uliepitsch. Bergalgenflora Böhmens. Von Dr. Hansgirg. Zur Flora von Ost-Galizien. Von Blocki. Flora der Karpathen. Von Dr. Formänek. Spätflora.. Von Jetter. Flora des

Etna. Von Strobl. -- R. v. Vechtritz. Von Stein. Literaturberichte. Correspondenz. Von Braun. Dalla Torre, Wiesbaur, Blucki, Formänek. Personalnotizen. Vereine, Anstalten, Unternehmungen. Botanischer Tauschverein. Inserat.

Gallerie Österreichischer Botaniker.!!"*+«Y NEW YORK

XXXV. BOTAMCAL = GARDEN Ferdinand Hauck.

(Mit einem xylographirten Porträt.)

Unsere Zeitschrift bringt in dieser Nummer das Porträt eines jener österreichischen Botaniker von bedeutendem Ruf, deren Namen zwar nicht in den Universitäts-Kalendern figuriren, trotzdem aber in wissenschaftlichen Zeitschriften und Hauptwerken neben denjenigen von- Koryphäen ebenbürtig erscheinen. Und wenn irgend ein Lebens- bild nicht nur für Fachgenossen, sondern und zwar mehr noch für andere Gebildete interessant ist, so trifft diess ganz besonders die Geschichte des Entwicklungsganges unseres besten derzeitigen Algologen.

Wir geben im Nachstehenden eine Skizze dieses inhaltsreichen und weiterhin vielversprechenden Lebens.

Dr. Ferdinand Hauck ist der einzige Sprössling einer Brünner Familie des ehemaligen Finanz-Procuratursbeamten Johann Hauck, dessen Name in den Stammbaum einer der ersten Patrizierfamilien von Nürnberg zurückweist und der Caroline de Clady, einer Tochter von adeligem Geschlechte lothringischen Ursprunges.

Geboren zu Brünn am 29. April 1845, genoss Ferdinand Hauck im Hause seiner Eltern eins sehr sorgfältige Erziehung. Mit dem zehnten Jahre trat er ins Gymnasium, um aber alsbald an.

Ossterr, botan. Zeitschrift. 1. Heft 1697. 1

o

_

die Oberrealschule überzugehen, weil ihm die realistischen Fächer mehr Interesse absewannen. Nach Absolvirung der Oberrealclassen bezog H. die teehnische Hochschule seiner Vaterstadt. Mit herz- warmer Dankbarkeit gedenkt er heute noch seiner dortigen Lieblings- lehrer, welche das Werk seiner geistvollen Mutter, die im Jüngling angefachte Flamme der Liebe zur Natur und zur Naturforschung in methodischer Wissenschaftlichkeit zu unterhalten und zu pflegen verstanden. Auch Hauck ist ein beredter Zeuge dafür, dass es in der Regel die Mutter ist, welche als begnadete Erzieherin den nachhaltigsten Einfluss auf die geistige Entwicklung heranwachsender Naturforscher ausübt. Von seiner Mutter ward er als Knabe zu den Schönheiten der realen Welt: zum murmelnden Waldbach, zur blühenden Wiese, zum stillen Hain, zur fruchtbaren Aue hingelei- tet, um mitten unter den Herrlichkeiten stillschaffenden Naturwesens beobachten und denken, forschen und erkennen zu lernen. Sie war es, welche den Grund gelegt zu dem, was später an den Schulen zu Brünn ein A. Makowsky und ein Dr. Kolenati als hervor- ragende Naturforscher gross zu ziehen wussten, nicht allein durch geistreiche Vorträge, sondern auch durch persönlichen Verkehr mit dem jungen Hauck.

Wie so oft in diesen Studienjahren zu geschehen pflegt, warf sich auch H. in jener Zeit erst mit dem meisten Eifer auf die Ento- mologie, ohne indess die anderen Disciplinen der Naturwissenschaften ‚zu vernachlässigen, im Gegentheile kamen sie bei ihm alle an die Reihe, weil er alsbald gelernt hatte, dass sie eben alle als inein- andergreifende Theile eines einzigen Ganzen zusammengehören und nur eine vielseitige Erkenntniss zur Wahrheit leitet. Dass er die letztere in optima forma ernstlich suchte, beweist der Umstand, dass er sich schliesslich auch an das Studium der speculativen Phi- losophen heranmachte, ohne indess hier jene Befriedigung zu finden, welche die gewiegten Dialektiker der verschiedenen „Systeme“ ihrem Publikum anzupreisen und zu versprechen verstehen. Enttäuscht wandte er sich von den Speculationen deutscher Philosophen ab, um desto besser bei den Encyklopädisten und zuletzt bei den mo- dernen Naturphilosophen der Darwin’schen Richtung denken und betrachten zu lernen.

Trotzdem diese naturalistischen und realphilosophischen Studien zu den Lieblingsbeschäftigungen des jungen Maunes gehörten, war es Hauck nicht vergönnt, sich denselben mit allen Kräften des Leibes und der Seele hinzugeben. Es kam die prosaische und höchst wich- tige Frage der Berufswahl. Wie gerne hätte sich H. dem höheren Lehramte zugewendet, wenn nicht die Verhältnisse ihn gezwungen hätten, seiner Lieblingsidee zu entsagen. Es ward eine „praktischere* Carriere in Aussicht zu nehmen, und in Folge eines Compromisses zwischen Lieblingsstudium und „grobmaterieller“ Lebensweisheit kam der Entschluss zur Ausführung, demzufolge Hauck sich dem Forst- wesen zu widmen hatte. Er träumte damals von der poesieschwan- geren harzduftenden Atmosphäre des schweigsamen lebendigen Waldes ;

L

oO oO

er wähnte als Forstbeamter nicht bloss die Bäume wachsen zu sehen, sondern im Dienste des Staates Grosses und Nützliches schaffen zu können. Es entging ihm während des Gebrodels seiner Juzend- träume, dass der pflichttreue Beamte im Forste oft ein vogelfreier Mensch, ein der Bosheit und Hinterlist doppelt preiszegebener Bür- er ist, dem für treue Pflichtwaltung als Lohn die Kugel des Wald- und Wildfrevlers wird. So malte er sich wohl die Lichtseiten des gewählten Berufes aus, ohne die Kehrseite des Bildes zu kennen. Er trat daher in Praxis erst beim Forstamte in Schebetau, dann in Tischnowitz und erhielt später die Adjunctenstelle in Ratschitz-Drno- witz. Obwohl er sich mit ganzer Liebe und vielem Fleisse der Forst- wissenschaft widmete und auch die Staatsprüfung in diesem Fache mit sehr gutem Erfolg absolvirte, so kam Hauck doch bald zu der Einsicht, dass er bei diesem Berufe doch nicht in seinem Elemente und für sein künftiges Sein nicht in dem Masse gesichert sein würde, dass er hätte seines Lebens froh werden können. Das rohe Benehmen eines Vorgesetzten verleidete ihm schliesslich die waldreiche Domäne seiner Arbeit derart, dass er umsatteln wollte. Der Zufall führte ihn in Wien mit einem hochgestellten Staatsbeamten zusammen, der sich des jungen, mit wissenschaftlichen Kenntnissen seltener Art ausgestatteten Mannes annahm und Hauck veranlasste, sich dem Staatstelegraphendienste zuzuwenden, „weil in dieser Branche reine Wissenschaft erst angefangen habe, praktisch verwendet zu werden, und weil hierbei einem strebsamen Manne sich die besten Aussichten darböten“. So absolvirte denn H. auch den Telegraphencurs in Wien und erhielt in diesem Staatsdienste seine erste Anstellung im Mai 1866 in Triest, der lieblichen Hafenstadt an der Adria, die ihm zur zweiten Heimath werden sollte, wo er auch bis zur Stunde seinem Stande treu blieb.

Mit der Uebersiedlung nach Triest begann für Hauck ein neuer Lebensabschnitt. Die entzückende Lage der Stadt, deren Anblick den stumpfsinnigsten Egoisten in freudige Erregung versetzen muss; das italienische Leben mit dem Zauberhauch südlicher Gluth und Ueppig- keit, dann aber vor Allem der Anblick des Meeres mit seinem traumschönen Wechsel im Leben und Athmen, das Meer mit seinen noch ungehobenen wissenschaftlichen Schätzen das Alles und noch Anderes mehr hatte es dem sinnigen Naturfreunde angethan. Hauck erkannte aber auch alsbald, dass der neu gewählte „praktische Beruf“ seinen Intellect und Erkennungseifer nicht würde vollkommen in Athem zu halten im Stande sein, um jenem Berufe „ausschliesslich* alle Kraft widmen zu können. So kam er denn dazu, auf einem anderen Wege sein ihm von Jugend an gestelltes Ziel zu erreichen, Wenn sich Zeit fand, ein Steckenpferdchen nebst dem Berufe zu reiten, so wollte er sich ein edles Ross auswählen. Der Zufall brachte es mit sich, dass er gelegentlich eine kleine Sammlung von Meeres- Algen sah. Ihr Anblick erweckte in ihm den Entschluss, jene damals noch recht wenig gekannten Organismen, zu Objecten seiner Studien zu machen. Mit welchen Schwierigkeiten der angehende ‚Algolog da-

1

4

mals zu kämpfen hatte, davon werden die jüngeren Fachgenossen kaum eine Ahnung haben, war doch in ganz '[riest nicht ein einzi- ces Buch über Algen aufzutreiben. Hauck, der junge, erst mit kargem Gehalte dotirte Telegraphenbeamte, hatte nicht nur alle nothwendigen, zum Theil sehr theuren Bücher und Specialwerke aleolorischen Charakters, sondern auch theure Apparate und Instru- mente aus eigenen Ersparnissen selbst anzuschaffen. Aber mit dem Anfang der schwierigen autodidaktischen Arbeit wuchs auch die Be- eisterung und steigerte sich progressiv mit der Summe neuer, früher kaum geahnter Erkenntnisse. Zahlreiche kleinere und grössere Exeur- sionen und Reisen, auch ein dreimonatelanger Aufenthalt auf der Insel Cherso, boten ihm reichlich Gelegenheit, zahlreiche biologische Beobachtungen zu machen, deren Ergebnisse grösstentheils in seinem Hauptwerke, „Die Meeres-Algen“ niedergelegt sind. Diese seine biologischen Beobachtungen konnten selbstredend nur systematisch- beschreibende Resultate abgeben, da dem jungen Beamten, der eben fast jeden Tag seinen Bureaustunden gerecht zu werden hatte, für zusammenhängende, entwicklungsgeschichtliche Studien die Zeit fehlte. Angeregt durch Hofrath M. von Tommasini, mit welchem Hauck wiederholt weitere Exceursionen machte, publieirte er anfänglich ver- schiedene Aufsätze in der Oasterr. botan. Zeitschrift, welche Beiträge alsbald die Aufmerksamkeit der Fachbotaniker erregten und Hauck’s Namen weit über die Grenzen des österr. Kaiserstaates hinaustrugen. Nach und nach wurde ungesucht ein reger Verkehr mit wissen- schaftlich bethätigten Fachmännern zu Stande gebracht, und unge- sucht wurde ihm der ehrenvolle Auftrag, für die neue Bearbeitung der grossen Rabenhorst’schen Kryptogamenflora den wichtigen Band über die „Meeresalgen Deutschlands und Oesterreichs“ zu liefern. Dieses Hauptwerk unseres Triester Algologen nahm wäh- rend mehrerer Jahre die ganze Mussezeit in Anspruch und erschien in letzter Lieferung 1885. Ueber die sorgfältige Bearbeitung der einschlägigen Materie, über die Trefflichkeit der Diagnosen, welche von einem Referenten mit Recht als mustergiltige bezeichnet wurden, über die zuverlässige Illustration des gewichtigen Bandes, kurz: über den wissenschaftlichen Werth des in seiner Art einzig daste- henden Werkes herrschte nur Eine Stimme der Anerkennung. Das hat denn auch die mathematisch-naturwissenschaftliche Seetion der philosophischen Facultät zu Zürich bei Anlass des fünfzigjährigen Jubiläums der dortigen Hochschule veranlasst, dem verdienten Privatgelehrten Hauck den Doctortitel honoris causa zu verleihen und zwar, wie wir von unterrichteter Seite erfahren haben, nament- lich in Hinbliek auf die zahllosen Schwierigkeiten, welche dem Ver- ‚fasser der „Meeresalgen“ während seiner eigenen Entwicklung zum Gelehrten von Rang im Wege standen, und die nur von einem für Wissenschaft und Wahrheit glühend begeisterten Manne bewältigt werden konnten.

Freilich half ein Umstand wesentlich mit, dass der an strenge Bureaustunden gefesselte Staatsbeamte nicht vorzeitig seine Lust am

5)

Forschen einbüsste. Im Jahre 1872 führte F. Hauck nämlich eine Nichte des in weiten Kreisen bekannten Botanikers, D. Bilimek, des ehemaligen Custos der Museen in Mexiko, zum Altar. Anna, geborne Sedlatschek, brachte in die junge Ehe ein fein gebildetes Gemüth und herzwarmen Sinn für alle Naturschönheiten, an denen sich Hauck auf gemeinsamen Ausflügen und wissenschaftlichen Exeur- sionen zu erholen gewohnt war. Es ist bekannt, dass es Frauen bisweilen gelingt, in ihren Männern allen Sinn für edlere Liebha- bereien gründlich auszumerzen: Frau Anna Hauck befliess sich des Gegentheiles und förderte ihren Gatten nicht unwesentlich bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten; ihr gebührt folgerichtig die warme An- erkennung nicht minder, als dem dessen Streben sie pflegte.

Wir geben im Nachfolgenden ein Verzeichniss der botanischen

Arbeiten aus Hauck’s Feder:

1. Ueber das Massenauftreten der Nitzschia Closterium (Ehrh.) Sm. in der Adria. Oester. bot. Zeitschr. 1872 p. 253.

. Aufzählung einiger in dem sogen. Seeschleim der Adria vorkom- menden Diatomeen. Oesterr. bot. Zeitschr. 1872 p. 331.

3. Oscillaria caldariorum mihin.sp. Eine Plage des Warmhauses. Öesterr. bot. Ztschr. 1876 p. 151.

. Bemerkungen über einige Species der Rhodophyceeen und Melanophyceen in „Contributiones ad Algologiam et Fungologiam, Auctore F. Reinsch.* Oesterr. botan. Zeitschr. 1876 p. 412.

5. Notiz über Rhizophydium Dicksonii Wright. Oest. bot. Zeitschr.

1878 p. 321.

6. Verzeichniss der im Golfe von Triest gesammelten Meeralgen. Oesterr. bot. Zeitschr. 1875 p. 245, 285, 316, 348, 386; 1876 p. 24, 54 und 91. I. Nachtrag 1876 p. 265; II. Nach- trag 1877 p. 50.

7. Beiträge zur Kenntniss der adriatischen Algen. Oesterr. bot. Zeitschr. I. 1877 p. 117, II. 1877 p.185, 11l. 1877 p. 230,

IV. 1877 p. 273, V. p. 292; V1.1878 p. 77 mit Tafel, VII. 1878 p. 130, VII. 1878 p. 185 mit Tafel, IX. 1878 p. 2%, X. 1878 Re mit Tafel; XI. 1879 p. 151, XI. 1879 p. 242 mit afel.

. Eine neue Floridee. Hedwigia 1882 Nr. 9.

. Cenni sopra alecune alghe dell’ oceano indiano; con 3 Tavole. Atti del Museo Öiv. di storia naturale di Trieste. Vol. VII. 1884.

10. Ueber einige von J. M. Hildebrandt im Rothen Meere und indischen Ocean gesammelte Algen: I. Hedwigia

1886, Heft V; II. Hedwigia 1886, Heft VI.

11. Die Meeresalgen Deutschlands und Oesterreichs (Raben- horst's Kryptogamen-Flora II. Band) XXIV und 576 p. Mit 583 Abbildungen im Texte und 5 Lichtdrucktafeln. Leipzig, E. Kummer 1885. j

12. In Verbindung mit P. Richter in Leipzig: Phykotheka

D

>

universalis. Sammlung getrockneter Algen sämmtlicher Ord- nungen und aller Gebiete. Bis jetzt erschienen: Fasc. I und II Leipzig 1885.

Ferner bearbeitete Hauck den Theil der „Algen“ in der „Flora der Insel Jan Mayen von Dr. H. W. Reichardt, Wien 1886“. Ebenso lieferte er zahlreiche und werthvolle Beiträge zu V. Witt- rock und ©. Nordstedt’s „Algae aquae duleis exsiecatae“, sowie für P. T. Cleve und J. D. Möller’s „Diatomeen“. Auch bethätigte er sich wiederholt als Referent beim „Botan. Centralblatt“, bei der „Oesterr. botan. Zeitschrift“ u. A. m.

Einer besonderen Erwähnung verdient nebst der kostbaren algo- logischen Privat-Bibliothek auch das Algen-Herbar Hauck’s. Es besteht aus 60 grossen Fascikeln (von denen 52 ausschliesslich Meeresalgen enthalten) und aus vielen Hunderten mikroskopischen Algen- und Diatomeen-Präparaten. Einen ganz besonders werthvollen Theil dieses Herbars bildet die selten-reiche Sammlung von Kalk- algen, die in Schächtelchen verwahrt sind. Dass sich auch zahlreiche Alkohol-Conserven algologischen Charakters vorfinden, ist selbstver- ständlich. Diese musterhaft geordneten Sammlungen zeichnen sich aus sowohl durch die Schönheit der Einzel-Exemplare, als auch durch ihre Reichhaltigkeit an europäischen und aussereuropäischen, nament- lich authentischen Exemplaren.

Unter anderen enthält das Hauck’sche Herbar auch die voll- ständigste Collection adriatischer Algen.

Manche Floristen bemessen ihren Ruhm nach der Anzahl von Speciesnamen, die nach ihnen benannt sind. Es ist nicht zu ver- hehlen, dass häufig an diesem Massstabe wenig auszusetzen, dass aber in anderen Fällen der Schluss ein unrichtiger ist. Hauck verschmähte es in seiner Bescheidenheit für sich selbst Reclame zu machen. Um so auffallender ist, dass eine Palmellaceen-Gattung den Namen Hauckia erhielt und überdiess mehrere Species nach ihm benannt wurden: Navicula Hauckii Cleve, Cymbella Hauckii Van Heurck, Achnanthes Hauckii Grun., Coseinodisecus Hauckii Grun., Hemiaulus Hauckii Grun. u. a. m.

Ausser den zahlreichen neuen Arten von Algen, die Hauck vorzüglich in der Adria entdeckte und in seinen Arbeiten genau be- schrieben hat, gibt es auch viele Diatomeen-Arten, die er zum ersten auffand und welche Grunow und Andere zur Bearbeitung über- nommen haben.

Möge ihm noch lange zu wirken beschieden sein! Dr... 724

2

Ueber die Ursachen der Haarbildung im Pflanzenreiche,

Von Franz Krasan.

Wenn wir dem Ursprung der Haarbildung bei Pflanzen nach- spüren, werden wir bald auf zweierlei Erscheinungen aufmerksam, in denen wir, vielleicht etwas voreilig, den Schlüssel zu der geheimniss- vollen Werkstätte, wo den holden Geschöpfen der Berge und Fluren die wärmenden Kleidchen gewoben werden, gefunden zu haben glauben. Welchem eifrigen Beobachter der Pflanzenwelt wäre es nicht bekannt, wie so viele Aıten, die wir im westlichen Europa in ihrem schütte- ren oder flüchtigen Haarüberzug kennen gelernt haben, oder die selbst als kahl bezeichnet zu werden pflegen, gegen Osten in dem Masse, als das Klima einen mehr und mehr steppenartigen Charakter an- nimmt, dichter behaart erscheinen.

Wer zum ersten Male die sonnseitigen Bergabbänge längs der Donau gegen die siebenbürgische Grenze oder die pontischen Gebirge in der Krim oder im Norden Kleinasiens besteigt, wird über die grosse Zahl dichthaariger Pflanzen verwundert. Noch auffallender zeigt sich diese Erscheinung in den wärmeren Gegenden des Orients: im eilieischen Taurus, am Libanon, an den südlichen Abhängen des El- borus nördlich von Teheran, in Kurdistan u. a. O., wie man sich bei Durchsicht der Sammlungen, welche Dr. Kotschy dort veranstaltet hat, leicht überzeugen kann. So wird z. B. schon in der Krim Ru- bus caesius L. in einem graufilzigen Haarüberzug unserem Blicke begegnen. Tomentös (weissfilzig) ist diese Pflanze noch mehr in den Gebirgen des nordwestlichen Persien, dessgleichen andere Arten der » Gattung Aubus, nächst verwandt mit R. wimifolius Schott, ferner (Quercus sessiliflora Ehrh., letztere schon in Istrien, Dalmatien, Grie- chenland, im nördlichen Kleinasien, wofern man einige unserer Wintereiche sehr nahe stehende Formen mit dieser vereinigen will.

Eine Zunahme der Wärme allein kann die Ausbildung des To- ments nicht veranlassen, denn man beobachtet grau- und weissfilzige Arten der verschiedensten Gattungen in Menge bis in Regionen hin- auf, wo die mittlere Temperatur im Sommer tief unter jene Nord- deutschlands sinkt. Die hier angedeuteten Erscheinungen bilden ohne Zweifel eine natürliche Gruppe für sich.

Andererseits sehen wir in unzähligen Fällen an einzelnen Pflan- zentheilen, welche von gewissen Insecten (Cecidomyiden-Larven, bis- weilen auch von Cynipiden) oder von Gallmilben (Phytoptus-Arten) verletzt sind, Haare in reichlicher Menge auftreten, ohne dass es uns möglich wäre, auf den ersten Blick einen wesentlichen Unterschied zwischen solchen Haargebilden und normalen Trichomen, wie wir sie bei so vielen Arten beobachten, wahrzunehmen. Die Zahl der von Zoologen constatirten Fälle der so entstehenden örtlichen Behaarung der Pflanzen mit und ohne gallenförmige Entartung des affieirten Zellengewebes ist so gross, dass sie bereits eine sehr umfang- und inhaltreiche Literatur ausmacht. Selbstverständlich kann es nicht

8

Aufgabe der vorlierenden Untersuchung sein, auf alle diese Fälle im Speciellen einzugehen‘). Es sei mir aber gestattet, die Fragen zu erörtern, ob 1. die Erscheinungen dieser zweiten Gruppe mit denen der ersten irgendwie ursächlich zusammenhängen, und 2. ob sie über- haupt für die Geschichte der Formentwicklung der Pflanzen von ir- gend welchem Belange sind.

Zu den häufigsten Erscheinungen dieser Art gehört unstreitig das Phytoptocecidium auf T’ıymus Chamaedrys Fries, montanus W.K., Th. humifusus Bernh. und anderen Arten dieser Gattung, bestehend in einer Deformation der Triebspitzen, namentlich der blüthentragen- den. Wir sehen da die Hochblätter mit den achselständigen Blüthen zu einem rundlichen Ballen zusammengedrängt, indem die Interno- dien ungewöhnlich verkürzt erscheinen, während die mehr oder we- niger vergrösserten und verdickten Deckblätter dicht an einander schliessen. Diese, sowie auch die Achse sind von einem weisslichen, filzig-zottigen Haar bedeckt. Sehr oft geht diese Behaarung auch tiefer herab: sie erstreckt sich bis auf das oberste eigentliche Blatt- paar, welches im Uebrigen gar nicht entstellt ist, und ich habe schon Fälle kennen gelernt, wo zwei der oberen Blattpaare sammt den da- zwischenliegenden Achsentheilen zottig behaart waren.

Diese Abnormität wird durch eine winzige Gallmilbe verur- sacht, welche an der Oberfläche des Zellgewebes zwischen den ober- sten Hochblättern lebt. Sie ist länglich von Gestalt, weisslich, mit freiem Auge gar nicht, wohl aber schon mit einer guten Loupe be- merkbar. Unter dem Mikroskope nimmt man daran vorn zwei Paar kurze Beine wahr, nnd ein Paar fussähnliche Taster. Der Hinterleib ist walzlich, gegen das Ende zu etwas spitz. Die Thierchen leben daselbst, an den oberflächlichen Theilen der Innenseite der defor- mirten Hochblätter wühlend, in grösserer Zahl, zu Hunderten.

Bisher habe ich dieses Phytoptoceeidium in Steiermark, und zwar im Weingebirge des Sausal unweit Leibnitz, ferner im Save- Thal von Krainburg bis zum Ursprung der Save und bei Weissen- fels in Krain, bei Tarvis und im Kaltwasserthal bis Raibl in Kärn- ten beobachtet. Es ist bei Krainburg, Lees-Radmannsdorf, Lengenfeld, Weissenfels sehr häufig, aber auch im Sausal an sonnigen Abhängen in den Weinbergen eines der häufigsten Vorkommnisse dieser Art. Von Fr. Loew, Thomas und anderen Ceeidiologen wird es gleich- falls zu den gewöhnlichsten gezählt.

Vergleicht man das Haar der in Rede stehenden Missbildung mit dem der normalen haarigen Varietät des T’hymus, so bemerkt man keinen Unterschied, wenn von der ungleichmässigen Vertheilung desselben bei den cecidientragenden Individuen abgesehen wird. Bei Krainburg und Lees sah ich letztere mit der gesunden gleichmässig

‘) Aufzählungen von Phytopto-Ceeidien findet man von Dr. Franz Löw in den Verhandl. der k. k. zoolog.-botan. Gesellsch. in Wien, Bd. XXVIII, XXXII, XXXV (1878, 1883, 1885), von Dr. Fr. Thomas ebendaselbst, Band XXXVI (1886). Ich erwähne hier nur diejenigen Publieationen dieser Autoren, die ich selbst zu meinen diessbezüglichen Untersuchungen benützt habe.

I

ausgebildeten Varietät des Thymians (Thymus Chamaedrys, monta- nus), die durch reichliche Behaarung ausgezeichnet ist, und zwar in grosser Menge. Beiderlei Pflanzen, die kahle und die haarige, wach- sen auf der weiten Save-Ebene mit einander vermischt und gleichen einander in allen übrigen Eigenschaften, nur dass die eine wie die andere mit und ohne Cecidium vorkommt. Wo die var. hirsuta mit dem Phytoptocecidium behaftet ist, trägt sie an den inficirten Trieb- spitzen stets ein reichlicheres und dichteres Haar als an den übrigen Theilen.

Der nächste Gedanke, der sich des über die Veranlassung der merkwürdigen Erscheinung nachsinnenden Beobachters bemächtigt, ist natürlich der, dass nicht nur bei der durch den Parasiten infi- eirten Pflanze die Haarbildung eine Folge der Verletzung ist, son- dern dass auch bei der normalen var. hörsuta sive lanuginosa die- selbe durch die gleiche Ursache indueirt worden sei. Indessen ist es nöthig zu sehen, wie sich die genannte Varietät an anderen Stand- orten zur cecidientragenden (im Uebrigen kahlen) Pflanze verhält, bevor man aus der augenscheinlichen Uebereinstimmung der Haar- bildungen an den beiderlei Pflanzen mehr als eine blosse Möglichkeit des pathogenen Ursprungs der var. hirsuta $. lanuginosa ableitet.

Vor Allem scheint mir der Umstand massgebend, dass sich nicht überall, wo die vom Phytoptus befallene Pflanze vorkommt, auch die haarige Varietät in der Nachbarschaft vorfindet. So ist z. B. die Gallmilbe auf dem Thymian im Sausal weit verbreitet: man sieht die befallenen Stämmchen theils mit den charakteristi- schen wollig-filzigen Triebspitzen, theils auch mit schwächerer Be- haarung an den inficirten Theilen, und kann den Parasiten durch den ganzen Sommer in reichlicher Menge beobachten, sucht aber daselbst vergeblich nach der normalen haarigen Abart der Pflanze. Von letz- terer sah ich nichts, trotz eifrigen Suchens an allen Orten, wo, nach ihrem Vorkommen im Save-Thal bei Radmannsdorf (in Krain) zu urtheilen, dieselbe wachsen könnte. Aber ganz unerwartet bekam ich Exemplare des Thymus zu sehen, welche von der Gallmilbe infieirt waren, auch die gewöhnliche Monstrosität in Form verkürzter Inter- nodien und dicht zusammengedrängter Hochblätter an den befallenen Triebspitzen zeigten, jedoch mit auffallend spärlicher Behaarung. Auch Dr. Thomas erwähnt ein Phytoptocecidium auf dem 'Thy- mian (Triebspitzen-Deformation, verbunden mit Phyllomanie und Knospung, gefunden im Suldenthale in der Nähe des Ortlers bei 1845 Meter), das keine vermehrte Behaarung hat.') Bei Leibnitz fand ich kürzlich ein ähnliches auf Origanum vulgare L.; es enthielt eine Unzahl von Gallmilben, war aber nicht mehr behaart als die gesunden Theile der Pflanze. Man wird auch bei Campanula Tra- chelium L. nicht selten einem ganz ähnlichen, von Gallmilben be- wohnten Gebilde begegnen, ohne irgend welche auffällige Behaarung.

') Suldener Phytoptoceeidien 1. ce. Bd! XXXVI. S. 305 n. 51.

10

Ueberhaupt ist die Zahl der bisher bekannt gewordenen Phytopto- cecidien ohne Trichombildung bereits sehr beträchtlich angewachsen.

Solchen Thatsachen gegenüber erscheint die Mitwirkung des Phytoptus an der Erzeugung des Haarfilzes als ein Factor von sehr untergeordneter Bedeutung, und was speciell den Thymus aubetriftt, so ist es so viel wie gewiss, dass die eigentliche Disposition der Pflanze, bei Verletzungen durch die Gallmilbe an den inficirten Theilen Haare zu bilden, nicht auf Rechnung des Parasiten kommt: es wären sonst Ausnahmsfälle, wie die eben angeführten, unmöglich.

Um hier einen der Natur der Sache entsprechenden Ausweg zu finden, der uns von beiden Extremen gleich abhält, ist es nöthig, zweierlei ursächliche Momente anzunehmen, auf welche das thatsäch- liche Auftreten der Cecidienhaare zurückzuführen wäre: 1. eine durch Jahre hindurch sich ansammelnde und allmälig anwachsende Anlage oder Disposition zur Trichombildung, 2. einen äusserlichen Impuls als auslösende Ursache, welche bewirkt, dass die in der Pflanze gleich- sam schlummernde Fähigkeit, Haare zu bilden, sich in sichtbarer Weise bethätigt.

Wenn wir also finden, dass die Phytoptocecidien des Thymians an einer bestimmten Stelle dichtes, wollig-tilziges Haar besitzen, so dürfen wir daraus schliessen, dass in der Pflanze dort die Tendenz vorbanden ist, Haare hervorzubringen, dass aber thatsächlich solche nur entstehen, wenn ein kräftiger Impuls durch Infection von Seite der Gallmilbe hinzutritt. Wo aber diese pathogenen Gebilde unbe- haart erscheinen, da muss es natürlich dem Organismus an der Disposition oder Anlage zur Haarbildung überhaupt fehlen. Ist da- gegen letztere Fähigkeit in höherem Grade vorhanden, so kann es auch ohne eine äusserliche auslösende Ursache, ohne einen Im- puls durch Infection, zur Entstehung von Haaren kommen; jedoch nicht an einem schon erwachsenen Individuum, sondern an der aus dem Keime sich entwickelnden neuen Pflanze (also an der Nach- kommenschaft).

Diesen Fall haben wir vor uns, wenn wir den über die Save- Ebene bei Lees und Radmannsdorf verbreiteten, daselbst äusserst häufigen T’hymus ins Auge fassen. Da unterscheiden wir ganz kahle, unversehrte, daneben vom Phytoptus befallene an den Cecidien dicht behaarte Pflänzchen, dazwischen solche, die ganz behaart, zugleich auch vom Parasiten infieirt sind, und solche, welche bei gleichmäs- siger mehr oder weniger dichter Behaarung keine Verletzung durch den Phytoptus wahrnehmen lassen, alle im Uebrigen von gleicher Art (Thymus Chamuedrys Fries?) und gleichmässig durcheinander wachsend.

Nicht einen Augenblick kann man zweifeln, dass die Trichome der Ceeidien im Wesentlichen dieselben sind, wie die der gesunden gleichmässig behaarten Individuen der var. hirsuta S. lanuginosa und nur darin verschieden, dass sie hier an der ganzen Oberfläche der Pflanze, dort aber nur an den infieirten Trieben hervortreten. Allein man wird bei den cecidientragenden Individuen vergeblich nach einem

11

allmäligen Uebergang der kahlen Form in die behaarte Varietät suchen: stets erscheint die von der Gallmilbe bewohnte Pflanze ent- weder ganz vollständig und gleichförmig behaart, oder es ist nur der mit dem Cecidium behaftete Theil mit Trichomen besetzt, wenn überhaupt die Pflanze zur Behaarung inclinirt; nur ausnahmsweise geht diese bis zu den nächsten Blattpaaren, die keine Gallmilben beherbergen, herab.

Aus diesen Umständen glaube ich den Schluss ziehen zu dürfen: nicht durch die jedes Jahr sich an demselben Individuum wieder- holenden Angriffe des Parasiten entsteht die haarige Varietät (sonst müsste sich die mit der Zeit sich steigernde Wirkung in der all- mälig zunehmenden Behaarung der Pflanze verrathen, es müsste also Uebergangsiormen geben), sondern sie geht aus den Samen solcher kalıler Individuen hervor, die bereits sehr lange an dieser Localität gewachsen sind. Gleichwie im Tbierreiche diejenigen physiologischen - Einflüsse, welche auf das Mutterindividuum einwirken, sei es, dass sie im günstigen oder im ungünstigen Sinne sich geltend machen, erst in der Leibesfrucht, also in der Nachkommenschaft, eine auf innerer und äusserer Formbeschaffenheit beruhende Nachwirkung Variation zu Stande bringen, so tritt auch bei der Pflanze erst an. dem aus dem Samenkeime hervorgehenden Gewächse die Wir- kung der umgestaltenden Kräfte, welche die Mutterpflanze selbst nicht dauernd zu ändern vermochten, in sichtbarer Weise auf, um sich von da an die folgenden Generationen zu vererben.

Liegt es nun an der Localität, oder, wie man zu sagen pflegt, an dem „Standorte“, ob die Pflanze sich die Anlage zur Haarbildung aneignen könne, oder nicht, so ist es gewiss von Interesse, zu erui- ren, durch welche Eigenschaften der „Standort“ jene Metamorphose bewirkt. Sind es die freifallenden Sonnenstrahlen, die Bodenverhält- nisse vermöge ibrer chemischen Beschaffenheit, oder klimatische Ein- flüsse im engeren Sinne; vielleicht die Gegensätze von Warm und Kalt, Feucht und Trocken (wenn sie plötzlich und öfters auf die Pflanze einwirken), von denen die Anregung zur Trichombildung ur- sprünglich ausgeht? Es liegt die Möglichkeit nahe, die primäre oder inducirende Ursache, soweit sie in der Aussenwelt zu suchen ist, bis zu einem gewissen Grade zu bestimmen, weun wir der Pflanze unter den verschiedensten Vorkommensverhältnissen nach allen Kich- tungen ihrer Verbreitung aufmerksam folgen und dabei sorgsam dar- auf achten, unter welchen der Beobachtung zugänglichen Umständen sie kalıl, unter welchen behaart erscheint, wo die von der Gallmilbe befallenen Triebspitzen eine spärliche, und wo sie eine reichliche Behaaruug tragen.

In dieser Beziehung bietet die Save-Ebene von Lees-Radmanns- dorf die mannigfachsten Fälle, denn hier können wir den 'Ihymian in seiner kahlen Form mit und ohne Triebspitzen-Deformation und die behaarte Varietät gleichfalls mit und ohne Infeetion durch die Gallmilbe sehen, und die kahle Form zeigt an den Cecidien stets reichliche Behaarung; dagegen fand‘ich im Sausal in Steiermark

12

nicht nur bis jetzt noch keine var. hörsuta s. lanuginosa, sondern auch öfter nur sehr spärlich behaarte Phytoptoceeidien am Thymian. Vergleichen wir die beiden Localitäten mit einander, so bemerken wir, dass es nicht nur in Bezug auf oberflächliche Beschaffenheit des Terrains, sondern auch hinsichtlich der physikalischen Boden- verhältnisse kaum einen schärferen Unterschied zweier in nahezu gleicher geographischer Breite gelegenen Oertlichkeiten geben kann.

Die erwähnte Ebene, 8 Kilom. lang und östlich von Veldes ca. 4 Kilom. breit, dehnt sich vom Fusse der Karavanken bis zum gegenüberliegenden plateau-artigen Mittelgebirge als völlig gleich- förmige Fläche aus. Sie hat einen nahezu steppenartigen Charakter, insofern als sie durch längere Zeit im Sommer trocken liegt, theils als dürre Heide, theils als magerer Wiesengrund, wo der Boden nicht bebaut ist. Der aus den Alluvionen der Save (Kalkgeschiebe, Sand und Conglomerat) bestehende Untergrund trägt nur spärliches Erdreich, worauf ein kümmerlicher Graswuchs bemerkbar ist; oder es deckt den Boden das genügsamste und ausdauerndste aller Ge- wächse, die dürftige Heide Calluna vulgaris. Weit und breit machen sich im Sommer die sengenden Sonnenstrahlen nicht so fühlbar wie hier; früh am Morgen beginnen sie den Boden mit seiner ärmlichen Vegetation zu dörren. Aber kaum ist die Sonne hinter den Zacken und Graten der julischen Alpen verschwunden, so tritt, wegen der freien Strahlung, eine empfindliche Abkühlung ein, und in den Früh- lingsmonaten, so lange die Nächte noch lang sind, stellen sich häufig Spätfröste ein. Die Vegetation ist dem raschesten Wechsel von Warm und Kalt, Trocken und Feucht ausgesetzt, ähnlich wie auf einer echten Steppe. Ich möchte es jedoch auch keineswegs bezweifeln, dass die unbeschränkte Lichtfülle, welche die Pflanzen hier von allen Seiten empfangen, gleichfalls ihren Antheil an den physiologischen Erschei- nungen haben, von denen hier die Rede ist.

(Fortsetzung folgt.)

Amemone Scherfelii Mihi! Von Josef Ullepitsch.

Folia impari pinnata, viridia, utrinque nitida. Petiolis radica- lium amplexicaulibus vaginiferis; caulinorum late alatis longeque aurieulatis. Floret circa Schmeks in Tatra, solo granitico, duas et plures hebdomades serius quam Anemone alpina.

_ Wurzel: ausdauernd, holzig, spindelig, von abgestorbenen Blatt- resten schopfig.

Stengel: dunkelpurpurn, rund, von langen weissen Haaren rauh.

Wurzelblätter: zweipaarig, beiderseits nackt, grasgrün, schim- mernd; an den Stielchen, Nerven und am Rande mit langen spär- lichen sehr bald abfallenden Haaren gesäumt. Die Blättchen wider

13

fiederspaltig, Lappen aus spitzem Grunde dreieckig 2--5zähnig, nur das unpaare Endläppchen stets 3zähnig. Die Zähne alle dreieckig, wenig zugespitzt. Der lange Blattstiel erweitert sich rasch zu einer längeren als breiten stengelumfassenden aussen wolligen Scheide.

Stengelblätter: gleichen den Wurzelblättern, meist drei, doch scheinbar öfter mehrere, denn aus der Spitze der aufwärtsstehenden zwei Ohren des breit und grüngeflügelten Blattstieles wachsen neuer- dings gefiederte Blätter hervor.

Blüthenstiel: Einer, einblumig wollig behaart.

Blüthenhülle: sechsblättrig. Die äusseren Hüllblättchen häufig am Grunde blaulichgrau, ellyptisch, abgerundet, netzaderig, aussen wollig behaart. Die inneren etwas schmäler, am Grunde gelblich.

Fortpflanzungsorgane: Griffel zahlreicher als die Staubfäden.

Früchtehen: beiderseits zugespitzt, etwas plattgedrückt, wollig behaart, mit einer langen Feder, deren Stiel dunkelpurpurn, und mit dichten langen aufwärts gerichteten weissen allmälig kürzerwerdenden Haaren dicht bedeckt ist.

Vorstehende Pflanze gehört in die Gruppe der Anemone alpina L. und gleicht am meisten der längst verschollenen Anemone apü- folia des Wulfen, und ist jedenfalls von der Stammform zu trennen.

Trotzdem, dass sie mindestens zwei Wochen später blühet als die echte An. alpina, pflegt sie im August und September vereinzelt wieder zu blühen, und wächst nicht einzeln wie andere Anemonen, sondern bildet grosse und so dichte Bestände, dass keinerlei Pflanze zwischen ihr aufkommt.

Die Pflanze benannte ich Herrn Aurel Scherfel in Felka zu Ehren, dem langjährigen und eifrigsten Pfleger der Floristik in der hohen Tatra.

Kniesen, Zipser Comitat (Ungarn), November 1886.

——

Beiträge zur Kenntniss der Bergalgenflora Böhmens, Von Dr. Anton Hansgirg in Prag.

Neben den thermalen, thermophilen und halophilen Algen gehören auch viele von den im Hügellande und in den Gebirgen Böhmens verbreiteten Algenarten zu den in vielen Beziehungen bemerkenswerthen Algen Böhmens.

Die Bergalgenflora von Böhmen, deren Hauptrepräsentanten hier zum ersten Male aufgezählt und deren geographische Verbreitung und Gliederung im Nachfolgenden kurz besprochen werden soll, ist im Vergleich mit der in Böhmen blos auf wenigen und meist kleinen Localitäten entwickelten Thermal- und Salzwasser -Algen- flora auf zahlreichen Localitäten von, grösserer Ausdehnung, nicht selten auf sehr, bis meilenweit sich erstreckenden Gebieten ausgebildet.

14

Die Hauptrepräsentanten der submontanen und montanen Algenflora Böhmens findet man in der Region der Hügel, der Berge und des Hochgebirges meist in Gesellschaft anderer, in Böhmen allgemein verbreiteten Algen, seltener allein, fast überall da verbreitet, wo die zur Ansiedelung und Entwicklung einer Algenvegetation überhaupt nöthiren Bedingungen, vor Allem Licht, Wärme und Feuchtigkeit in gehörigem Grade gegeben sind.

Neben den Licht-, Wärme- und Feuchtigkeitsverhältnissen sind jedoch bei der Entwicklung einer jeden Algenflora auch noch die physikalische und chemische Beschaffenheit der Unterlage und des Mediums an und in welchem die Algen vegetiren, besonders in Betracht zu ziehen. Ob und wie fern neben diesen klimatischen, physikalischen und chemischen Verhältnissen, neben der geographischen Lage, der mittleren Jahrestemperatur, der durchschnittlichen Menge der jährlichen atmosphärischen Niederschläge, der kürzeren oder län- geren Vegetationsperiode ete. bei der ceographischen, sowohl der horizontalen wie auch der verticalen Verbreitung der Algen, welcher von Seite der Botaniker bisher nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde auch noch das historisch-genetische Moment ete. zu berück- sichtigen ist, wird erst später bis überhaupt mehr über die Verbrei- tung der Algen auf der Erdoberfläche bekannt sein wird, möglich werden zu entscheiden.

Bei der bisherisen noch sehr lückenhaften Kenntniss über die geographische Verbreitung der Algen überhaupt, der montanen und submontanen Algen Böhmens insbesondere, ist der im Nachstehenden mitgetheilte Versuch einer Eintheilung der Bergalgen Böhmens nach den Höhenverhältnissen als ein vielfacher Ergänzung bedürfender zu betrachten.

Von den zahlreichen Algenarten, welche in den Niederungen sowie im ganzen Flachlande Böhmens bis 200 M. ansteigend ver- breitet sind, kommen noch viele im Hügellande (200 bis 600 M.), in der Bergregion (600 bis 1000 M.) und im Hochgebirge (1000 bis 1600 M.) Böhmens vor. Neben diesen grösstentheils kosmopolitischen (wenigstens in Europa allgemein verbreiteten) Algenarten sind aber sowohl in der Region der Hügel wie auch in den beiden höher lie- genden Regionen besondere Algenformen verbreitet, welche den ein- zelnen Regionen ausschliesslich anzugehören scheinen.

Solche bisher bloss in gewissen Höhenlagen auf der Erdoberfläche vorkommende, einzelne Regionen charakterisirende Algenformen sind in der eigentlichen Bergregion Böhmens in grösserer Artenanzahl vorhanden als in den beiden angrenzenden Regionen. Doch ist die Algenflora der Bergregion Böhmens im Ganzen weniger reich an Algen, als die der zur Entwicklung der Algen überhaupt günstigeren Regionen der Hügel und der Ebene. Lo

In allen soeben genannten Regionen sind nicht selten einzelne, nahe aneinander grenzende Localitäten durch besondere Algenarten ausgezeichnet. Solche bloss auf gewissen Standorten auftretende Algen bilden, wenn sie in grösserer Artenanzahl vorkommen, charakteristische

15

Alsengruppen, welche den einzelnen Vegetationsformen der Gefäss- pflanzen gewissermassen entsprechen.

Zur Ausbildung solcher Algengruppen sind vor Allem die Was- sermenge und die chemische und physikalische Beschaffenheit dieses den hydrophytischen Algen zur Entwicklung unbedingt nöthigen Me- diums, sowie die chemische und physikalische Beschaffenheit, zumal die Wasserdurchlässickeit und Erwärmungsfähigkeit des Substrätes, an welchem oder in dem die aerophytischen, endophytischen und amphibischen Alsen leben, von besonderem Einflusse.

Da ich jedoch über die geographische Verbreitung der Algen in Böhmen im Allgemeinen, sowie über die verschiedenen Standorte und die in der freien Natur häufiger auftretenden Localalgengruppen an einem anderen Orte!) mehr mitgetheilt habe, so will ich hier in Bezug auf dieses Thema nur noch bemerken, dass die Entwicklung der interessantesten Algengruppen des Hügel- und des Gebirgsterrains Böhmens hauptsächlich durch verschiedene chemische und physikalische Beschaffenheit der Felsen und der aus diesen entspringenden Quellen Quellbäche ete., sowie verschiedener stehender Gewässer, an oder in welchen die Alsen vegetiren, bedingt ist. Dass durch diese Agentien die Existenz der Specialalgengruppen der submontanen und der mon- tanen Region in hohem Grade bedingt ist, wird bald ein jeder Algo- loge sich überzeugen, welcher den verschiedenen Algengruppen der Hügelregion in der Umgebung von Prag seine volle Aufmerksamkeit widmen wird.

In feuchten silurischen Kalksteinfelsen findet man in der näheren und weiteren Umgebung von Prag eine besondere Algenflora ent- wickelt, die sehr mit derjenigen der verschiedenen mehr oder weniger kalkhältigen feuchten Felsen der unteren Etagen der böhmischen silurischen Formation und der aus diesen hervorquellenden, Kalk- sinter absetzenden, Bächlein übereinstimmt, von der Algenflora der oft von den silurischen kalkhältigen Felsen nicht weit entfernten Sandsteinfelsen der böhmischen Kreideformation sowie der erst in der weiteren Prager Umgebung auftretenden, ähnlichen Felsen der Steinkohlen- und Dyasformation jedoch sich wesentlich unterscheidet. Auch auf den, erst an der südlichen und südöstlichen Grenze der weiteren Umgebung von Prag vorkommenden, feuchten Granit-, Gneiss- und verschiedenen Glimmerschieferfelsen der Primärformation ist eine von den beiden soeben angeführten Local-Algenfloren bedeutend verschiedene und verhältnissmässig arme Algenvegetation entwickelt.

Die seltensten Algenarten der ganzen, von mir schon algologisch näher durchforschten Hügelregion Böhmens sind in klaren Quellen und in Bergbächen, an feuchten schattigen oder vom Wasser berie- selten sonnigen Felsen und Bergabhängen im Moldau- und Beraun- thale, sowie in den, in diese einmündenden Nebenthälern verbreitet. Einige wenige Repräsentanten dieser, besonders in wärmeren Lagen, vorzüglich an den gegen die scharfen Nord- und Ostwinde geschützten

x

’) Vergl. meinen „Prodromus der Algenflora von Böhmen“. I, 1886 p.9 u. f.

16

Felsen prächtig entwickelten silurischen Hügelalgenflora habe ich jodoch auch noch an feuchten Urkalkfelsen nächst Krummau in Südböhmen und an vom Wasser bespülten Plänerkalk- und Kalk- mergelschichten am Uferrande einiger Teiche in Ostböhmen ge- sammelt.

An den stellenweise sehr steilen und fast kahlen felsigen Ufer- abhängen sowie in den meist von kleinen Bächen bewässerten zahl- reichen, in die silurischen Felsenmassen mehr oder weniger tief eingeschnittenen Querthälern, welche in die beiden, durch ein ver- hältnissmässig ziemlich mildes Klima ausgezeichneten, Flussnie- derungen- Mittelböhmens einmünden, sind im ganzen Moldau- und Beraunthale der näheren und weiteren Prager Umgebung, zumal an feuchten silurischen Kalksteinfelsen in den wildromantischen Felsen- partien bei Karlstein, St. Ivan unter den Felsen, St. Prokop u. a., welche stellenweise en miniature eine gewisse Aehnlichkeit mit den Voralpen-Landschaften des Salzkammergutes haben, viele seltene sub- montane und einige montane Algenarten verbreitet.

Die an solchen feuchten, silurischen Felsen im ganzen Moldau- thale von Davle bis Kralup, im Beraunthale von Radotin bis Zbe&no nächst Pürglitz entwickelte Algenvegetation birgt an einigen Orten neben den, in dieser Formation fast allgemein verbreiteten submon- tanen Algenformen auch noch einzelne, besonders interessante, zum Theile von mir in Böhmen entdeckte und bisher ausserhalb Böhmens noch nicht beobachtete Algenformen.

Solche Algenformen sind von mir vorzugsweise an vom Wasser berieselten Felsen, Blöcken etc. im Rinnsal der, im Sommer nicht selten ganz austrocknenden, kleinen Bergbäche, in feuchten Felsen- spalten und Felsenklüften, aus welchen nach ergiebigen Regengüssen Wasser hervorsickert, sowie an oder unter den steilen Bergabhängen, von welchen das Wasser herabtröpfelt, seltener kleine Katarakte bildend herabfliesst, vorgefunden worden.

Eine zweite, von der soeben kurz geschilderten Algenvegetation wesentlich verschiedene ist an den Quader- ete., Sandsteinfelsen der Kreide- und Carbonformation entwickelt, von welchen beiden die erstere schon in der näheren Umgebung von Prag hie und da ziem- lich hohe, mehr oder weniger ausgedehnte, meist langgezogene Rücken bildet. Am schönsten entwickelt beobachtete ich diese psam- mophile Bergalgenflora, deren einzelne Vertreter ich schon an mehreren Orten der näheren Prager Umgebung, bei Chwal, Melnik, Raudnitz, Lobositz, Leitmeritz, Elbe-Kostelee, Vrutic, Jung-Bunzlau, Bakov, Münchengrätz, Turnau, Wartenberg, B. Leipa, Hirschberg, Habstein, Weisswasser, Weckelsdorf, Jitin, Horic, Neu-Straschitz, Perue, Laun, beobachtet und gesammelt habe an den mächtig entwickelten Sand- steinfelsen der sog. böhmischen Schweiz bei Tetschen, Hernskretschen, Prebischthor u. a. Auch an den feuchten Sandsteinfelsen der Stein- und Braunkohlen-, sowie der Dyasformation Böhmens habe ich an mehreren Orten, insbesondere in der Umgebung von Schlan, Rakonitz, Gechnitz, Saaz, Kralup, Swolenowes, Starkenbach, Alt- und Neu-

17

Paka, Wostrom®r, Trautenau, Arnau, Hohenelbe, Nachod, Veseli, Wittingau u. a. einzelne Algenarten gesammelt, welche für diese Formation bezeichnend sind. Die gemeineren Repräsentanten dieser im Grossen und Ganzen viel ärmeren Algenvegetation, als die der silurischen Hügelresion, sind ausserdem fast im ganzen Lande zer- streut an feuchten Sandsteinplatten ete. vorzufinden, die man zur Einfassung von Brunnen, Teichen, als Brunnentröge etc. verwendet.

Auch in den meist der primären Formation angehörenden Grenzgebirgen Böhmens ist eine besondere Algenflora entwickelt, deren einzelne Repräsentanten schon in den Vorbergen und hie und da auch im Gebirgslands der ganzen südlichen Hälfte Böhmens auf- treten. Die seltensten und interessantesten Vertreter dieser Urgebirgs- Algenflora, der Region der Berge und des Hochgebirges sind, wie zu erwarten war, im Riesengebirge, soweit dieses schon algologisch erforscht worden ist, verbreitet, einige seltenere montane und sub- alpine Algenformen kommen jedoch auch noch in höheren Lagen des böhmischen Iser- und Erzgebirges vor. Die Algenflora des ganzen Böhmerwaldgebirges, welches trotz seiner bedeutenden Ausdehnung und Höhe mehr durch das Fehlen als durch das Vorhandensein von seltenen Bergalgenarten sich auszeichnet, birgt doch, insbesondere in den meist hoch gelegenen Seen und deren Abflüssen sowie in den recht zahlreichen Hochmooren (Filzen) einzelne, sehr seltene Algen- arten, welche zum Theile schon früher in den Seen und Hochmooren des Schwarzwaldes in Deutschland beobachtet wurden.

(Fortsetzung folgt.) —ö

Zur Flora von Ostgalizien. Von Br. Blocki.

Im Anschluss an meinen Artikel über die Sommerflora von Dubienko in Ostgalizien möge hiermit das Verzeichniss aller jener interessanteren Pflanzen folgen, welche ich heuer in der Gegend zwischen Monasterzyska und Buczaez beobachtet habe. Es sind folgende Arten: Anthyllis Vulneraria, in Korosciatyn und Üzechöw; Artemisia austriaca in Buczaez (fehlt westlich vom Strypafluss); Aster Amellus in Czechöw; Bupleurum falcatum in Czechöw; Cirsium pannonicum in Koroseiatyn; Chrysanthemum corymbosum in Koroseiatyn und Przewloka; Clematis erecta in Czechöw und Przewloka; Crepis sibirica in Czechöw; Cimicifuga foetida in Czechöw und Przewloka; Oheno- podium Vulvaria in Przewloka; Cirsium spathulatum in Przewloka; Campanula bononiensis in Przewloka; Dianthus Carthusianorum L. in Korsieiskyu und Czechöw (D. pseudobarbatus Bess. und D. capi- tatus DC. fehlen in dieser Gegend gänzlich); Digitalis ambigua in Czechöw; Dipsacus pilosus in Przowloka; Echinops commutatus in Przewioka; Ferulago silwatica in Korosciatyn und Monasterzyska ; Geum strietum in Bertniki und Berezöwka; Galium polonicum mihi

Oenterr. botan. Zeitschrift. 1. Heft 1887, 2

18

in Korosciatyn; Galium eruciata in Przewtoka; Hieracium polonicum mihi in Koroseiatyn und Przewloka; Hellehorus purpurascens iu Czechöw und Przewloka; /nula Helenium in Czech6ow (am Bachufer in Gesellschaft mit Carduus erispus und Senecio fluviatilis); Lilium Martagon in Koroseiatyn und Przewloka; Marrubium vulgare iu Przewloka; Ononis hircina in Czechöw; Potentilla recta L. (non. Zimmet.) in Korosciatyn und Przewioka; Pot. commutata mihi in Koroseiatyn (ganz identisch mit der Pflanze von Holosko bei Lemberg) ; Phlomis tuberosa in Przewloka; Rumex confertus Willd. in Mona- sterzyska, Jezierzauy, Üzechöw, Bertniki und Buczacz; BRanunculus Stevenii Andrz. überall verbreitet; Stachys germanica in Üzechöw; Salvia glutinosa in Przewioka; Scabiosa ochroleuca in Koroseiatyn und Przewloka; Thymus montanus in Korosciatyn, Czechöw, Bertniki und Przewioka; Thymus Marschallianus in Czechöw, Jezierzany und Przewioka; Teuerium Chamaedrys in Czechöw und Przewloka: Viburnum Lontana in Czechöw und Przewioka; Nanthium spinosum in Jezierzany und Przewioka (fehlt indessen in einigen Ortschaften dieser Gegend, z. B. in Dubienko, gänzlich). Lemberg, im December 1886.

Beitrag zur Flora der Karpathen und des Hoch- gesenkes.

Von Dr. Ed. Formänek,

k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn.

(Schluss.)

Laserpitium, latifolium L. Selten. WoiSice bei Kl. Wrbka, Küzelau. Machowe Wiesen und Wielicky Wald bei Jawornik, Neu Lhota, Milonow nächst Gr. Karlowitz.

pruthenicum L. Hürka Wd. bei Ung. Brod, Prakschitz.

Caucalis daucoides L. Straznitz, Radiejau, Hrozna Lhota, Kl. Wrbka, Ung. Brod, Bystritz, Ordiejowhof.

Scandix pecten Veneris L. Um Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk!

Cerefolium nitidum Celak. Celak. Prodr. p. 586. Jaworina!

Chaerophillum bulbosum L. Hänfig bei Strainitz (Fasangarten, Zerotin, Stamfaty ete.), Radiejau, Kndzdub, Welka, Kl. Wrbka.

temulum L. Von Rohatetz bis StraZnitz, Hroznä Lhota, Lippau, Welkä, Althammer.,

aromaticum L. Machowe Wiesen, und gr. Jaworina bei Jawor- nik (Makowsky), Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk, Hra- dischow, Zdieschow, Hallenkau, Kitera terhanskä, Jaworniky bis zum Gipfel, häufig bei Gr. Karlowitz, Milohow, Wysokä, Wiesen bei der Salajka, Althammer, Ostrawitz, Butosonka, Malenowitz, Friedland (Metylowskä Hürka), Pr2no, Krasnä, Morawka, Lomna;

19

bei Teschen (Kolbenheyer)! Zabreg ete.: Boguschowitz, Konska, Mähr. Ostrau, Jägerndorf, Würbenthal, Ludwigsthal, Sternberg.

Chaer. hirsutum L. Rozsosi bei Prikaz, Provaznythal bei Hallenkau, Gr. Karlowitz, Hluboka nächst Ob. Betwa, Peretonky, Polana, Smrk, Skalka bei Ostrawitz, Grunik Wd., am Fusse der Lysä hora, Moräwka häufig bei Slawita, Lomna, Schlossberg bei Würben- thal, Karlsbrunn; im Gesenke sehr häufig und fast in allen Berg- schluchten hochgelegener Berge (Oborny)!

Meum mutellina Gärtn. Am Fusse des Schlossberges bei Würbenthal! nahe von menschlichen Wohnungen, kl. Heide, Gr. Vater, Knob- lochgraben, Bärenkamm.

Hedera helix L. Kobela bei Küzelau, Klokotnik und StruZne bei Jawornik, Philippsthal, Hürka Wd. und Kralow bei Ung. Brod, Vapenky bei Val. Klobouk, Jawornikgebirge über 800M. Ver- breitet im Teschner Gebiete (Kolbenheyer), Zabreg Wald, Konska.

Ribes grossularia L. Jaworina (Holuby); Jawornik, Neu Lhota, na Kotarech.

petraeum Wolf. Knoblochgrund (v. Uechtritz)!, massenhaft auf den Abhängen des Gr. Vaters und Bärenkammes.

Chrysoplenium alternifolium L. Jawornik, Val. Klobouk, Pultschin, Hallenkau, Gr. Karlowitz; Karlsbrunn (v. Niessl)!

Sedum maximum Suter. Ob. Fl. 861. Strazvitz, Jawornik, Val. Klo- bouk, Gr. Karlowitz, Ostrawitz; Friedland und sonst in jenen Gegenden häufig (Oborny), Jägerndorf, Goldenstein, Sternberg.

boloniense Loisl. Ob. Fl. p. 864. Straänitz, Welka, Ung. Brod, Prikaz; häufig im Thale der Ostrawitza und in Schlesien (Oborny).

Sempervivum tectorum L. Straänitz, Welkä, Jawornik.

Ayrimonia eupatoria L. Welka, Kl. Wrbka [Bukowina nächst Wrbo- wetz|, Küzelau, Neu Lhota, Philippsthal, Strany, Lysä hora bei Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk, Zdiechow, Hallenkau, Gr. Karlowitz, Milonow, Friedland, Teschen, Mähr. Ostrau, Hruschau, Hermanitz.

Sanquisorba officinalis L. Von Strainitz bis zum Gipfel der Jawo- fina, von Strany bis Ung. Brod, Hawritz, Suchä Loza, Banow, Val. Klobouk, Zdiechow, Mähr. Ostrau, Hruschau, Jägerndorf Weiskirch, Hansdorf.

Alchemilla vulgaris L. f. glabra DC. Gr. Vater, Knoblochgraben, Thal der rauschenden Tees.

Geum rivale L. Maximiliankathal nächst Huti-Hammer, Althammer, Morawka, Slawita (längs des Slawitbaches), Würbenthal, Karls- brunn, Demmbaude, Gr. Vater, Knoblochgraben, Schlicksenwald bei Goldenstein.

Potentilla tormentilla Schrank. Häufig in der StraZnitzer, Ung. Bro- der, Val. Klobouker, Teschner und Jägerndorfer Gegend. Uhu- stein, Heidenbrünnel. i

aurea L. Zwischen Peterstein und Altvater, am Wege von der

2

A)

Schäferei zum Wilden Stein, Schweizerei, Gr. Vater, Knobloch- eraben, Bärenkamm.

‚Potentilla canescens Bess. Auf einem Raine nächst des Fleischerwaldes bei Järerndorf (für die Schellenburg schon Sintenis).

Spiraea salieilifolia L. Verwildert bei Morawka.

aruneus L. Gr. Karlowitz (TiSnawa, Wd. u Ondrü ete.), Schlicksenwald bei Goldenstein.

ulmaria L. a) genwina. Gemein, Gesenke: Bärenkamm. b) disco- lor Celak. Val. Klobouk, Zdiechow, Teschen, Knoblochgraben, Schweizerei.

/ilipendula L. Welkä, Woißice bei Kl. Wrbka, Küzelau, Dlouhe und Mahowe Wiesen bei, Jawornik, Blumenthal (Jelenowa), Stransko bei Strany, Chrast bei Bojkowitz, Horka Wd. bei Val. Klobouk, Prikaz Pultschin, Zdiechow, Huslenkathal, Hallenkau (Provaznythal etc.) Jaworniky, Gr. Karlowitz.

Cytisus capitatus Jacq. Weinberge bei Straznitz, Radiejau, Knözdub, Woisice und Podorli bei Kl. Wrbka, Kobela bei Küzelau, Welkä, häufig bei Jawornik (Strmetnik-, Dlouhe- und Machowe-Wiesen, Wielitky-Wd.), Philippsthal. Neu Lhota na Kotarech, Chrästka, Lysä hora u. Wd. b. d. reichen Linde bei Ung. Brod, Prak- schitz, Weinberge bei Hawritz, Wolenow, Suchä Loza; Teschen (v. Uechtritz)!, Jägerndorf (Burgberg, Schluchten bei den Ziegelhütten, Fleischerwald und Mösnig), Eichberg bei Weiskirch.

nigricans L. Zerotin bei Straänitz, Radiejau, Welkä, Küzelau, Jawornik (Strmetnik ete.). Chrästka und Wd. b. d. reichen Linde bei Ung. Brod, Prakschitz, Bojkowitz, Val. Klobouk; Mösnig und Burgberg bei Jägerndorf (v. Uechtritz sen.)!, Eichberg bei Weiskirch.

Genista tinctoria L. Gemein im b. G.

germanica L. Stransko Wd. bei Strany, Lysä hora bei Ung. Brod, Prakschitz, Skäli und Horka Wd. bei Val. Klobouk, Hajek bei Prikaz, häufig bei Jägerndorf (Burgberg, Schluchten bei den Ziegelhütten, Mösnig etc.), Eichberg bei Weiskirch.

Ononis spinosa L. Rohatetz, Petrow, StraZnitz, Radiejau, Knezdub, Hroznäz, Lhota, Louka, Welkä, Woitice bei Kl. Wrbka, Küzelau, Strany, Ob. Niemtschy, Ung. Brod, Bojkowitz.

Melilotus albus Desr. Friedland, Pr2no, Teschen, Beguschowitz, Mähr. Ostrau, Hruschau.

Trifolium montanum L. Von Rohatetz bis Straznitz und von da an bis Welkä, Kl. Wrbka, Küzelau, Jawornik, Gipfel der Jaworina, Strany, Ung. Broder Gegend, von Val. Klobouk bis Gr. Karlo- witz, Milonow, Ostrawitz, Friedland, Metylowitz, Kräsnä, Jägern- dorf (Burgberg ete.).

fragiferum L. Straznitz, Welkä, Jawornik, Suchä Loza, Ordie- Jowhof, Bystritz.

alpestre L. Rohatetz, Straznitz, Radiejau, Welka, Philippsthal, Strany, Ung. Brod, Prakschitz, Hawritz, Suchä Loza.

rubens L. Knezdub, Woisice bei Kl. Wrbka, Küzelau, Dlouhe-

21

und Machowe Wiesen und Wielitky Wd. bei Jawornik, Jamy Wiesen bei Neu Lhota, Horka bei Val. Klobouk. Trif. medium L. Straänitz, Knezdub, Hroznä Lhota, Welkä, Jawor- nik, Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk, Teschen, Würbenthal.

ochroleueum Huds. Val. Klobouk, Kralowec Wd. bei Potesch, RozsoSi bei Prikaz, Zdiechow, Hallenkau, Jaworniky bis auf die Gipfel, Gr. Karlowitz.

Anthyllis vulneraria L. Zerotin bei Straznitz, Knözdub, Welkä. WoiSice bei Kl. Wrbka, Kobela bei Küzelau, Jawernik (Dlouhe- und Machowe Wd. ete.), Philippsthal, Jelenowä bei Strany, Ung. Brod, Hawritz, Ordiejowhof, häufig bei Val. Klobouk (Wd. nad Poteli, Dubowee, Vapenky etc.), Prikaz, Zdiechow, Hallenkau, Gipfel der Jaworniky bis zum Jawornik nad Minarikem.

Doryenium pentaphyllum Seop. Zerotin bei Straänitz, Radiejau, Knözdub, Louka, Welkä, Woi$ice und Podorli bei Kl. Wrbka, Kobela bei Küzelau, Strmelnik bei Jawornik, Philippsthal, Neu Lhota, Jaworina, Jelenowä und Stransko bei Lysä hora und Wa. b. d. reichen Linde bei Ung. Brod, Prakschitz, Havwritz, Wolenow, Suchä Loza, Ordiejowhof, Bystritz, Banow, Chrast und Obora bei Bojkowitz, nicht mehr bei Val. Klobouk.

Tetragonolobus siliquosus Roth. Straznitz, Dlouhe Wiesen und Bach unterm Stanowisko bei Jawornik.

Astragalus eicer L. Straänitz, Radiejau, Knezdub, Welkä, Woisice bei Kl. Wrbka, Küzelau, Machowe und Doliny Wiesen bei Jawornik, Ung. Brod, Hawritz.

glycyphyllus L. Von Straznitz bis Welkä, Küzelau, Jawornik, Philippsthal, Ung. Brod, Ordiejowhof, Bojkowitz, häufig bei Val. Klobouk, Prikaz, Zdiechow, Hallenkau, Kitera terüänska, Fried- land, Metylowitz, Teschen, Konska, Boguschowitz, häufig bei Jägerndorf, Weiskirch, Würbenthal, Goldenstein.

Vieia faba L. Cultivirt bei Straznitz, Ung. Brod, Jablunkau, Te- schen, Boguschowitz.

dumetorum L. Kl. Wrbka, Welkä, KüzZelau, Jawornik, Ung. Brod, Ordiejowhof, Bystritz, Teschen, Konska.

pisiformis L. Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk, Potesch, Rozsosi bei Prikaz.

silvatica L. Ung. Brod, Bojkowitz, Jelenowskä bei Val. Klobouk, Posusiska Wd. bei Zdiechow (Exemplare sehr welk, daher dieser Standort nicht ganz sicher), Pathenwald bei Goldenstein.

cracca L. Gemein in höherer Lage: Wysokä.

villosa Rth. Rohatetz, Petrow, Wolenow, StraZnitz, Radiejau.

hirsuta Koch. Häufig, in höherer Lage auf der Jaworina.

Lathyrus silvestris L. Strany, Bojkowitz, Doubrawa und Vapenky bei Val. Klobouk. Friedland, Metylowskä Hürka.

latifolius L. Weinberge bei Straänitz, Radiejau, Welkä, Woisice bei Kl. Wrbka, Kobela u. a. 0. bei KüZelau, Philippsthal, Dlouh& und Machowe Wiesen, Wielicky und Wd. na Ma-

chowych nächst Jawornik, Jelenowä bei Blumenthal, Strany, Ung. Brod (Kralow ete.), Suchä Loza.

Lath. tuberosus L. Von Rohatetz bis StraZnitz und von da bis Welkä, Ung. Broder Gebiet.

vernus Bernh. Gemein in Straänitze, Welkaer, Ung. Broder und Teschner Gebiet.

niger Bernh. Straänitz, Hroznä Lhota, Welkä, ‚Jawornik, Lysä hora u. a. OÖ. bei Ung. Brod, Prakschitz, Chrast bei Bojkowitz, Horka bei Val. Klobouk, Zabreg bei Teschen, Konska, Kopce Wu. bei Boguschowitz, Burgberg bei Jägerndorf.

ii

Spätflora des Jahres 1886. Von Carl Jetter.

Das prachtvolle heurige Herbstwetter musste naturgemäss auch auf die Vegetation von grossem, belebendem Einflusse sein und wirklich gaben uns zahlreiche Mittheilungen in öffentlichen Blättern Kunde von dem erfolgten zweimaligen Blühen vorherrschend krautartiger (zewächse.

Es sei mir gestattet, in der Kürze eine Zusammenstellung der gesammelten Notizen zu bringen, lediglich zu dem Zwecke, um einen Ueberblick über die Spätherbstflora zu gewinnen. So wurden am 31. October auf dem Hocheck im Triestingthale ein Sträusschen reifer Erdbeeren gepflückt, ja sogar in der sonst so rauhen Gegend des Riesengebirges, aus Neu-Rettendorf bei Königinhof gelangte die gleiche Nachricht in die Oeffentlichkeit. Die Abhänge des Leopolds- berges bei Wien waren am 1. November mit Blüthen von Distel- und Habichtskräutern geschmückt und ein Hartriegelstrauch, an welchem noch die schönen rothen heurigen Früchte hingen, hatte zahlreiche von den nächstjährigen Blüthenknospen so weit entwickelt, dass ein Aufbrechen derselben in noch wenigen warmen Tagen zu gewärtigen war. Atıs Saalfelden im Pinzgau wurde unterm 9. No- vember geschrieben, dass die Thallehnen, die sonst um diese Jahres- zeit oft schon schneebedeckt sind, sich allenthalben mit einem zweiten Blüthenflor bekleiden und folgende Auslese blühender Kräuter nam- haft gemacht; Schafgarbe, Lattich, Rothklee, Löwenzahn, Campanula, kleine Genziane, weisse Brennnessel, Schierling, Stiefmütterchen, Mause- öhrchen, Storchschnabel und Brombeere. In Hof bei Lassing wurden am selben Tage in einer Höhe von 2000 Fuss überraschend grosse, völlig ausgereifte Erdbeeren gesammelt. Am 12. November wurde von einem Jäger aus dem kaiserlichen Forste in Unter-Weissen- bach am Attersee ein Alpenrosenzweig mit Blüthen und Knospen gebracht und in Bad Gastein wurden Erdbeerenblüthen und reife Früchte gefunden. Am 13. November drang dieselbe Kunde aus Leoben zu uns und am 14. November blühten an den südlichen

25

Abhängen des Schneeberges in das Höllenthal die Königskerze, Cyclamen, Veilchen und Alpenrose.

Anschliessend hieran dürfte es nicht ohne Interesse sein, ein Verzeichniss jener Pflanzen folgen zu lassen, welche ich selbst auf meinen im Spätherbste erfolgten Spaziergängen in den Umgebungen Wien’s blühend angetroffen und notirt habe.

So blühten am 12. November im Thale von Kaltenleutgeben: Scabiosa ochroleuca, Bellis perennis, Achillea Millefolium, Anthemis Cotula, Senecio vulgaris, Centaurea paniculata, Podospermum Jacqui- nianum Koch., Lamium purpureum, Ranunculus repens, Sisymbrium ofieinale Scop., Thlaspi Bursa pastoris, Reseda lutea, Alsine media, Mercurialis annua, Geranium columbinum, Melilotus ofieinalis Desr. und Trifolium pratense. In dem Vorgarten einer Villa in Kalten- leutgeben schmückten sich vier hochstämmige, lebhaft grünende Rosenstöcke mit fünf vollaufgeblühten Blumen und mehreren Knospen.

Auf dem Wege von Mödling auf den Eichkogel notirte ich am 14. November: Scabiosa ochroleuca, Achillea Millefolium, Cha- maemelum inodorum Vis., Centaurea awillaris Willd., ©. Scabiosa. ©. paniculata, Carduus acanthoides, «. spinosissimus, Podospermum Jacquinianum Koch., Sonchus oleraceus, Salvia nemorosa, Echium vulgare, Silaus pratensis Bess., Daucus Carota, Chaerophyllum bul- bosum, Sisymbrium Columnae Jacg., Alyssum incanum, Thlaspi Bursa pastoris, Reseda lutea, Helianthemum vulgare Gärtn., Stellaria media Vill., Dianthus Carthusianorum, Euphorbia helioscopia, Mer- curialis annua, Erodium eicutarium L’Herit., Melilotus ofieinalis Desr., Trifolium pratense und Doryenium Pentaphyllum Scop.

Ungleich ärmlich dagegen war die Vegetation in der namentlich in dem ersten Frühlingsflor so lieblichen Hütteldorferau bei Wien vertreten. Obwohl lebhaft grünender Rasen den Boden derselben be- deckte, bildeten eingestreute, rothfrüchtige Evonymus-Sträucher den einzigen Schmuck des Gehölzes, während die krautartigen, blühenden Gewächse nur an den Rändern, welche die Ufer des Wienflusses bilden, ja häufig auf den sandigen Inseln desselben ihr verspätetes Dasein fri- steten. Ich notirte daselbst am 15. November: Bellis perennis, Achilles Millefolium, Podospermum Jacquinianum Koch, Tarawacum corni- eulatum DC., Galeopsis pubescens Bess., Veronica agrestis, Banun-- culus polyanthemos und bulbosus, Barbarea arcuata Rehb., Mala- chium aquaticum Fries und Trifolium pratense. Seit den letzten Novembertagen ist der Wald vollkommen kahl, und der über unsere Umgebung hereingebrochene Schneefall hat damit auch die letzten Spuren sommerlicher Blüthenpracht begraben.

Inzwischen wird aus Vöcklabruck vom 17. December ge- schrieben: Nach dem anfangs sehr strengen Auftreten des Winters ist hier wieder so gelindes Wetter eingetreten, wie man sich eines solchen um die Mitte December schon seit vielen Jahren nieht mehr zu erinnern weiss. Die Temperatur steigt zur Mittagszeit bis zu 10 und 12 Grad. Der Schnee ist in der Ebene allenthalben verschwun- den, und das frische Grün der Wintersaat‘ bildet einen merkwürdigen

24

Contrast zu den mit Schnee bedeckten Höhen des Höllengebirges und des Traunsteines. Schulkinder brachten gestern Sträusschen blü- hender und duftender Veilchen, die sie in Bergham, einer Ansiede- lung zwischen Puchheim und Vöcklabruck, gepflückt hatten. Auch der Flieder setzt grüne Knospen an, und vom Schafberge wurden Sträusse blühender Nieswurz (Helleborus niger) herabgebracht.

Wien, am 19. December 1886.

ne

Flora des Etna.

Von Prof. P. Gabriel Strobl. (Fortsetzung.)

1291. Medicago turbinata (L.) W. sp. pl. III 1409, Guss. Pr., Syn. et Herb.!, Bert. fl. it. (Sie.), «. inermis Asch. Willk. Lge. III 384 M. turb. Gr. Godr. I. 395, Rehb. D. Fl. 65 III, IV! Schliesst sich an tornata an, besitzt aber höheren Wuchs, bedeutend grössere und längere (”—9 Mm. lange, 5—6 Mm. breite), 5—7spirige, eylindrisch ovale, fast kahle Hülsen; Spiren ebenfalls aneinander gedrückt, bei- derseits convex; Aussennaht dick, einnervig, wehrlos oder nur höcke- rig, convex, endlich fast flach; Blüthenstiele meist 1—2blüthig, meist kürzer als die Blätter. Bildet mit den drei folgenden eine Reihe. Variüirt wieder links- und rechtswendig («. sinistrorsa Asch., ß. dew- trorsa Asch.). Unter Saaten Ostsiziliens; auch in der Ebene des Simeto neben dem Pulverthurme, aber spärlich! April, Mai ©.

1292. Med. olivaeformis Guss. pl. rar., Syn. et Herb.!, Tod. fl. sic. exs. Nr. 1252! turbinata W. var. b. aculeata Willk. Lge. p. p. Aeusserst ähnlich der vorigen; Blüthenstiele ebenfalls 1—2blüthig, aber oft länger, als dasBlatt; Pflanze ziemlich dicht weichzottig; Früchte fast genau kugelig oval, grösser (S—12 Mm. lang, 7--9 Mm. breit), stärker flaumig-zottig, beiderseits convex, Spiren 5—7, aneinander gedrückt; Aussennaht bis 2 Mm. breit, einnervig, endlich flach, bei- derseits mit kurzen, dicken, kegelförmigen, abstehenden oder etwas angedrückten Dornen versehen, gelbgrün, endlich braun. Ist keines- wegs Var. der turbin., sondern eher mit der folgenden zu vereinen. Auf Fluren und unter Saaten Siziliens; auch in der Ebene des Simeto an Grabenrändern ziemlich häufig, sehr gemein aber in Saat- feldern von Motta S. Anastasia gegen Paternd. April Mai ©.

1293. Med. muricata (L.) W. Guss. Syn. et Herb.!, turbinata v. aculeata W. Lge. III, 385 p. p. Ganz wie vorige in Grösse, Be- haarung etc. nur unterscheidbar durch fast kugelige Hülsen mit längeren, aber ebenfalls conischen Dornen. Auf Fluren und unter Saaten mit der vorigen: ziemlich häufig an buschigen Ufern des Si- meto, seltener beim Pulverthurme Catania’s! April, Mai ©.

1294. Med. neglecta Guss. Pr., Syn. et Herb.! turbinata b) acu-

25

leata Grt. Willk. Lege. p. p. Von murie. nur verschieden durch stärker zottige Behaarung der Pflanze, beiderseits und an der Aussennaht mehr flache, überall von gegliederten Drüsenhaaren dicht flaumige und an den Rändern der Aussennaht mit noch stärkeren, zahlreiche- ren, etwas gebogenen, fast die Länge des Radius erreichenden Dornen besetzte Hülsen, deren Durchmesser die Höhe gewöhnlich übertrifft (z. B. 9:6); sie bildet ein Mittelglied zwischen muric. und rigidula. Unter Saaten und auf Fluren der höheren Tiefregion Siziliens; wahr- scheinlich auch im Gebiete aufzufinden. April, Mai ©.

11295. Med. rigidula (L.) Dsr. Urb. W. Lge. III 383, Gerardi W.K. Reichb. D. Fl. 69 II, Guss. Syn. et Herb.!, cinerascens Jord. e. spec.! Ebenfalls stark zottig-fHaumig, Blüthenstiele ebenfalls 1—2blü- thig, länger oder kürzer als die Blätter, Hülse ebenfalls meist niedri- ger, als breit, mit Dornen, deren Länge die des Halbmessers fast erreicht oder sogar übertrifft. Unterscheidet sich hauptsächlich dadurch, dass die Drüsenhaare der Hülse äusserst kurz und dicht, fast mehlig und dass ausserdem gewöhnlich noch spärliche längere, drüsenlose Flaum- haare vorhanden sind, sowie, dass der Durchmesser der Hülse nur ca. 6Mm. beträgt; auch sind die Windungen weniger aneinander gedrückt und die Aussennaht ist eonvex, nervenlos. Varürt sehr in der Länge der bald geraden, bald hakigen Dornen, sowie in der Zahl der Spiren (A4—7) und in der Behaarung (fast grün bis ganz grau); da- her scheint mir Morisü Tod. Gerardi v. minor Guss. Syn. et Herb.! DC. Prodr. II 179 nur eine Varietät zu sein; sie unterschei- det sich durch kleineren Wuchs, viel dichtere, fast grauzottige Be- haarung und kugelig-ovale, höhere als breite (meist 7:6 Mm.), auch meist kleinere Hülsen mit 6—7 Windungen; die Dornen sind meist obsolet, nur selten so lang, wie bei rigid.; doch wechselt letzteres Merkmal sogar auf derselben Pflanze und ich fand in den Nebroden auch Exemplare, welche die typischen Hülsen der rigid. mit den sonstigen Eigenschaften der Morisii verbinden. Auf krautigen Abhängen und unter Saaten Siziliens ziemlich häufig; im Gebiete noch nicht beobachtet. Mai, Juni ©.

1296. Med. truncatula Grtn. de fruct. (1788), Bert. fl. it. (Sie.), truncatulata Ten., Guss. Pr., Syn. et Herb.!, tribuloides PB. narbo- nensis DÜ. Prodr. II 178, trib. B. breviaculeata Mor. Etwas zottig- flaumig behaart mit verkehrteiförmigkeiligen, gestutzten oder aus- gerandeten, in der oberen Hälfte kleingesägten Blättern, etwas wimperig gezähnten Nebenblättern, 1 3blütbigen Stielen, welche meist die Blattspitze nicht erreichen. Leicht erkennbar durch die reifen Hülsen: fast genau ceylindrisch, beiderseits ganz flach, eirca 7—8 Mm. lang, 5—6 Mm. breit, endlich kahl; Windungen anfangs locker, dann eng aneinander gedrückt; die Aussennaht breit, gekielt mit anfangs dünnen, dann dick conischen, der Aussennaht eng ange- drückten, den Nahtrand kaum überragenden Stacheln. Bildet mit den zwei folgenden eine Reihe. Auf krautigen Fluren und unter Saaten Siziliens hie und da, z. B. um Palermo, Messina!, liegt auch im Herb. Torn. aus dem Gebiete auf, aber ohne näheren Standort. April, Mai ©.

26

1297. Med. tentaculata Grtn., Mor., Murex Guss. Syn. et Herb.!, DC. Prodr. IL 178, non W.? (NB. Murex W. ist nach Willk. Lge. sphaerocarpa Bert., nach Willd. Diagnose aber unterscheidet sie sich davon durch eylindrische Hülsen mit dieken, die Früchte an Länge übertreffenden Dornen und scheint daher doch eher = tent. zu sein), truncatula ß. longeaculeata Urb. p. p., Willk. Lge. III 383 p. p. Aeusserst ähnlich der vorigen, nur verschieden durch breitere (circa 7 mm), mehr eylindrisch ovale, rechtswendige Hülsen mit bedeutend längeren, anfangs borstenförmigen und verschieden abstehenden, dann eng anliegenden, hakigen, aber noch immer bedeutend dünneren Dornen; dieselben überragen gewöhnlich den Kiel der zweitnächsten Windung und verstricken sich daher untereinander; auch sind selbst die reifen Hülsen gewöhnlich sparsam langflaumig. An krautigen Abhängen, auf Fluren und unter Saaten (ganz Siziliens) häufig: in der Ebene von Catania sehr verbreitet, ebenso von Catania gegen Nicolosi! April, Mai ©.

1298. Med. tribuloides Dsr. apud Lam. diet., Guss. Pr., Syn. et *Herb.!, Bert. fl. it. (Sie.), Gr. Godr. I. 394, truncatula B. longe- aculeata Willk. Lge. p. p. Ebenfalls den zwei vorigen äusserst ähnlich, Hülsen ebenfalls meist ganz kahl, cylindrisch, aber linkswendig, beiderseits etwas convex, grösser (10—12 Mm. lang, 6—7 Mm. breit); Aussennaht wieder breit gekielt, mit Stacheln; diese überragen kaum oder nicht den Kiel der nächsten Windung, sind niemals eng ange- presst, sondern stehen etwas ab und sind dick conisch, gerade oder etwas hakig; die Art? ist also durch Grösse der Hülsen, Länge, Gestalt und Richtung der Stacheln meist leicht erkennbar; doch fehlt es nicht an Uebergängen zu tentac. An krautigen Orten und unter Saaten (Siciliens) hie und da: Am Ufer von Fondachello (Biv. in Herb. Guss.!), von Catania nach Nicolosi vereinzelt! April, Mäi 9.

1299. Med. sphaerocarpos Bert. am., Guss. Syn. et Herb.! Murex y. sphaerocarpa Urb. Willk. Lge. III 385. Kahl oder Stengel und Blattstiele etwas abstehend flaumig; obere Blättchen fast drei- eckig, die unteren verkehrteiförmig, gestutzt oder ausgerandet, stark. nervig und von der Mitte an scharf kleingesägt; Nebenblätter zer- schnitten; Blüthenstiele 1—3blüthig, länger bis kürzer, als die Blätter; reife Hülsen grün oder schwärzlich, tonnenförmig, allseitig convex, mit 6—8 eng aneinander gedrückten Windungen, 8—11 Mm. lang, 6—7 breit; Aussennaht flach, dick, dreikielig mit zwei tiefen und zwei seichten Furchen. Varürt: «. ovalis Guss. Syn.: Aussennaht beiderseits mit 1—3 Mm. langen, kaum conischen, ziemlich horizontal ‚abstehenden, geraden oder öfters gekrümmten Dornen; P. inermis Guss. Syn. Hülsen kaum höckerig dornig. Med. macrocarpa Mor. unterscheidet sich davon nach Willk. Lge. durch kugelige, grössere (8—9 Mm. Dchm.) Hülsen mit langen, an der Spitze hakigen Dornen. Auf Feldern und an Gräben der Ebene des Simeto häufig, auch im

Meersande nahe dem Pulverthurme Catania’s! April, Mai ©.

LU" ae En Zu

27

1300. Med. tuberculata W. sp. pl., Guss. *Syn. et *Herb.!, Tod. fl. sic. exs. Nr. 1357!, Rchb. D. Fl. 65 I, II!, Willk. Lege. III 385. Mit den vorigen zwar verwandt durch die eng aneinander liegenden, cylindrisch-eiförmigen, 5—Ökreisigen, höheren, als breiten (z. B. 9:7 Mm.) Hülsen, aber leicht unterscheidbar dadurch, dass die Hülsen an der Basis ganz flach, an der Spitze stark convex und die Aussennähte hoch gekielt und mit rechtwinklig daran anstossenden, dieken Höckern von der Höhe des Kieles und der Breite der halben Aussennaht versehen sind; der Rücken dieser Höcker ist in der Mitte in eine mehrminder deutliche, kurze Spitze ausgezogen; da auch die Seitenränder der Aussennaht etwas erhöht sind, so erscheinen die nicht erhöhten Stellen als tiefe, je nach der grösseren oder geringeren Zahl der Höcker länglich- oder quer-viereckige Gruben. Variirt mit in eine ziemlich deutliche Spitze ausgezogenen Höckern = v. spinu- losa Tod. exs.! Med. pubescens DC. Cat. An Feldrändern und unter Saaten Catania’s (Cosent. in Guss. Syn. et Herb.!). April, Mai ©.

71301. Med. elegans Jeq. Guss. ete.! Habituell der M. Helix nicht unähnlich, ebenfalls ziemlich dicht zottigflaumig mit kleinen, an der Spitze scharf gezähnelten Blättern; Hülsen ebenfalls flach, 2—3spirig; aber die Blüthenstiele nur zweiblüthig, kürzer als die Blätter, die Nebenblättchen nur gezähnt, die Hülsen 5—7 Mm. breit, weisslicherün glänzend mit stumpfer, dieker Aussennaht und zahl- reichen, radial verlaufenden, gegen die Naht hin verdickten und etwas anastomosirenden Adern. Variirt mit kahlen (f. genuin«) oder fein und sparsam drüsigflaumigen Hülsen (v. glandulifera m.). In Sizilien auf Kalkboden ziemlich häufig, im Gebiete aber noch nicht beobachtet. April, Mai 9.

71302. Med. apiculata W. Guss.!, Rehb. D. Fl. 67 II! hispida Grt. aa. mierocarpa a. oligogyra ß. W. Lge. III 386. Kahl oder fast kahl; Blättchen verkehrt eiförmig, an der Spitze gezähnelt und oft ausgerandet mit Stachelspitze; Nebenblätter wimperig gezälhnt; Blüthenstiele kürzer oder so lang, als das Blatt, drei- bis mehr- blüthig; Hülsen eirca 6 Mm. breit, 2—3 Mm. hoch, beiderseits ganz flach mit 1'/,—3 sehr erhaben und bogig netznervigen Win- dungen; Aussennaht stumpf, nervenlos, sehr schmal, beiderseits sehr kurz höckerig dornig. Bildet mit den folgenden neun „Arten“ eine Reihe, die sich auszeichnet durch stumpfe Aussennaht, niemals ver- wachsene, meist sogar etwas lockere Windungen, fehlende oder beider- eeits gefurchte Dornen, fast immer auch durch grössere Breite, als Höhe der Hülsen. Auf sonnigen, krautigen Hügeln Sieiliens selten, z. B. um Syracus!, wohl auch im Gebiete. April, Mai ©.

(Fortsetzung folgt.)

Rudolf von Uechtritz f

Rudolf v. Uechtritz, durch lange Jahre ein fleissiger Mit- arbeiter unseres Blattes, ist am 21. November in Breslau an einer Gehirnhautentzündung nach dreiwöchentlichem schwerem Leiden ge- storben.

Rudolf v. Uechtritz wurde am 31. December 1838 in Breslau geboren, als einziger Sohn des Premierlieutenants a. D. Max v. Uechtritz, eines um die schlesische Botanik und Entomologie hoch- verdienten Mannes. Rudolf v. Uechtritz absolvirte in Breslau das Gymnasium und ging nach abgelegtem Abiturientenexamen Ostern 1357 zum Universitätsstudium über.

Schon als Kind hatte der Vater ihm die Liebe zu den Pflanzen eingeimpft, die er späterhin allerdings wieder niederdrücken wollte, weil sie die Gymnasialfortschritte des Sohnes zu hindern schien. Aber weder Ermahnungen noch sehr derbe handgreifliche Mittel vermochten den Trieb zu ersticken. Vergebens warf der Vater des Sohnes Pflanzen ins Feuer, heimlich wurden neue gesammelt und getrocknet. Nach des Vaters zeitigem Tode trieb Uechtritz dann un- gestört seine botanischen Studien, als Mentor diente ihm der Regi- strator Kabath, Verfasser einer sehr guten Flora von Gleiwitz.

Schon als Schüler unternahm Uechtritz grosse botanische Sammelreisen; 1855 durchstreifte er während der Ferien Mähren und Böhmen, 1856 die Karpathen und ihr Vorterrain, und die dama- ligen Jahrgänge der Oesterr. botan. Zeitschrift zeugen von dem scharfen Blick des beginnenden Forschers, der zahlreiche neue Arten, z. B. Oxytropis carpatica bereits scharf unterschied. 1858 führte ihn nach der Schweiz und durch das Vintschgau nach Tirol, von wo er eine enorme Ausbeute nach Hause brachte.

Es sollte seine letzte grosse Fahrt gewesen sein! Ein heftig auftretendes Herzleiden verhinderte den officiellen Abschluss seiner Studien und den Eintritt in eine öffentliche Laufbahn. Um so fleis- siger aber arbeitete Uechtritz dafür auf privatem Gebiete. Um sich concentrirte er einen Kreis junger Botaniker von denen u. A. heute noch wirken: Professor Dr. Engler Breslau, Professor Haussknecht Weimar, Professor Dr. Sadebeck Hamburg, der Garteuinspector B. Stein Breslau und Heidenreich Mün- ster, welche unter seiner Führung systematische Botanik trieben und Schlesien durchforschten. Bis zu seinem Tode hielt Uechtritz diesen botanischen Cirkel zusammen; er war der bleibende Mittel- punkt, um welchen immer neue Mitglieder sich gruppirten. Aus diesem Kreise ging auch der „schlesische botanische Tauschverein* hervor, welcher aus kleinen Anfängen ein Weltinstitut wurde, das heute noch unter Leitung des Herrn Dr. Kugler in Hindelang in Bayern florirt.

Die botanischen Funde seiner Freunde publieirte Uechtritz, soweit sie Schlesien betrafen, jährlich in den Verhandlungen der

29

schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, meist mit ein- gehender Besprechung aller kritischen Formen. Für seine sonstigen Publieationen pflegte er die Oesterr. botan. Zeitschr. als Leiborgan zu benutzen.

Nächst dem Studium schlesischer und deutscher Pflanzen- formen waren es besonders Örientalen und Spanier, welche ihn interessirten. Erstere erhielt er in Mengen durch v. Janka, Pan£it, Sintenis und Anderen, letztere vorzüglich durch Moritz Winkler und R. Fritze, welche Spanien und Portugal gemeinsam durch- zogen. E In der eingehendsten Weise beschäftigte sich Uechtritz mit der Gattung Zleracium, als deren massgebendster Kenner (aller- dings nicht vom Nägeli’schen Standpunkte) er in den letzten Jahren galt. Die ungemein reichhaltige Formenzahl der Hieracien des schlesischen Riesengebirges ist durch Uechtritz fast vollkommen erschlossen worden.

Seine reichhaltigen Vorarbeiten zu einer Flora Schlesiens stellte Uechtritz in liberalster Weise dem Herrn Apotheker Fick in Hirschberg zu dessen Flora von Schlesien zur Verfügung. Er arbei- tete mit Fick gemeinsam fast jede schwierige Gattung durch, so dass das Fick’sche Werk ganz in Uechtritz’ Geist gehalten ist.

Auch sonst war Uechtritz immer bereit seine Zeit und seine Arbeitskraft jedem botanischen Freunde in uneigennützigster Weise zu widmen, mündlich und schriftlich war er in ausgiebigster Weise Helfer und Berather, sich dabei herzlichst und in neidloser Weise der Erfolge freuend, welche Andere durch seine Arbeit erreichten. Es hat kaum jemals in dieser Hinsicht einen selbstloseren Charakter gegeben als es Rudolf v. Uechtritz war. Kindlich reinen Gemüthes glaubte er von Jedem nur das Beste und wusste immer nur die Lichtseiten seiner Mitmenschen hervorzuheben.

Sein grosses Herbar, über 1200 mächtige Fascikel, sowie seine Bibliothek und den literarischen Nachlass hatte er schon 1882 der Universität Breslau überwiesen und in dem eben im Bau begriffenen botanischen Museum wird das Uechtritz’sche Herbar eine dauernde Stätte finden. Durch seinen regen Tauschverkehr mit fast allen botanischen Koryphäen Europa’s und Nordamerika’s hat er sein Herbar zu einem Sammelschatze von Originalen fast aller Autoren seiner Zeit gemacht.

An Uechtritz’ Grabe trauert eine 73jährige Mutter, welcher der einzige, so früh geschiedene Sohn ihr Alles war, dem sie mit treuer Mutterliebe seine jahrelangen Leiden zu erleichtern suchte und an seinen Arbeiten innigen Antheil nahm. Möge das Bewusst- sein, wie zahlreiche Freunde ihren Verlust betrauern, ihr den eige- nen Schmerz erleichtern. B. Stein,

30

Literaturberichte.

Bibliotheca botanica. Abkandlungen aus dem Gesammtgebiete der Botanik. Herausgegeben von Dr. O. Uhlworm und Dr. F. Haenlein. Cassel. (Theodor Fischer) 1886. Heft Nr. 4. Dr. Heinrich Schenck: Verglei- chende Anatomie der submersen Gewächse. 4°. 67 pp. mit zehn Tafeln. 32 Mk. Heft Nr. 2. Dr. W. Zopf: Botanische Untersu- chungen über die Gerbstoff- und Anthocyan-Behälter der Fu- mariaceen. 4°. 40 pp. mit drei color. Doppeltaf. 30 Mk.

Unter dem Titel: „Bibliotheca botanica“ haben die genannten Herausgeber ein neues, in zwanglosen Quartheften erscheinendes Organ für wissenschaftliche Botanik gegründet. Bisher wurden in rascher Aufeinanderfolge drei Hefte ausgegeben, von denen wir die beiden ersten hiemit anzeigen. Da bereits eine Reihe hervorragender Forscher Kny, Frank, Kühn, Leitgeb, Ludwig, Ress, Russow, Vöchting u. a. Beiträge in Aussicht gestellt haben, so ist die Erwartung berechtigt, dass die „Bibliotheca botanica* sich zu einer Sammlung gediegener Originalarbeiten aus dem Gesammtgebiet der Botanik gestalten wird. Der Ladenpreis ist allerdings ein ziemlich hoher, was sich aus der man kann es ohne Uebertreibung sagen prächtigen typographischen Ausstattung im allgemeinen, und den vielen grossen, zum Theil farbigen Tafeln erklärt. Indess wird die Acquisition der interessirenden Abhandlungen sei es von Seite der Privatgelehrten, sei es von jener der botanischen Institute, Gärten, Museen ete. dadurch erleichtert, dass von der best-renommirten Ver- lagsbuchhandlung jedes Heft einzeln abgegeben und berechnet wird.

Im ersten Hefte behandelt Schenck: die Anatomie der sub- mersen Gewächse. Obwohl über die Organisation und Biologie der Hydrophyten bereits mehrfache Specialuntersuchungen (u. a. auch eine Arbeit des Verf. ') literarisch verbucht sind, so fehlte es bislang noch an einer zusammenfassenden Darstellung des Gegenstandes. Die vorliegende Arbeit bringt nun sowohl von einem gemeinschaftlichen Gesichtspunkte aus betrachtend, als auch im Besonderen erläuternd, den anatomischen Bau der submersen Gefässpflanzen zur Anschauung. Sie charakterisirt die morphologischen Unterschiede der Wasserpflanzen und Landpflanzen und sucht die festgestellten Differenzen lediglich auf Grund der beobachteten Thatsachen vom physiologischen und phylogenetischen Gesichtspunkte aus zu erklären. Da es nieht möglich ist, die zahlreichen anatomischen Details, welche im Texte angegeben und durch einhundert sechs und sechzig Figuren auf zehn Quart- tafeln anschaulich gemacht werden, in einem Referate kurz zu resu- miren, so beschränken wir uns nur auf die Mittheilung der Capitelüber- schriften und der Genusnamen der untersuchten Pflanzen. I. Abschnitt. Die Blattstructur der submersen Gewächse: Gemeinsame äussere Merk- male der Blätter; Ausbildung des assimilirenden Gewebes; Mangel der Dorsiventralität im Parenchym; Geringe Zahl der Parenchym- schichten; Ausbildung und Chlorophyligehalt der Epidermis; Mangel der Spaltöffnungen: Wasserspalten; Gradwandigkeit der Epidermis- zellen; Blattleitbündel; Mechanisches System; Mangel von Seeretions-

!) Die Biologie der Wassergewächse. Bonn 1885.

sl

organen; Haarbildungen; Tannintrichome; Specielle Beschreibung der Blattstrueturen. II. Abschnitt. Die Stammstructur der submersen Gewächse: Anordnung der Leitbündel; Mangel des secundären Dicken- wachsthums; Ausbildung der Gewebe. III. Abschnitt. Die Wurzel- structur der submersen Gewächse: Ausbildung und Bedeutung des Wurzelsystems; Wurzelhaare; Rindenparenchym; Schutzscheide; Bau des axilen Leitbündelstranges; Structuränderung der Wurzeln von Ufer- und Landpflanzen bei submerser Lebensweise. IV. Literatur- verzeichniss. Die näher untersuchten Pflanzen gehören folgenden Gattungen an: Aldrovandia (1 Art), Alisma (2 Arten), Batrachium (1), Bulliarda (1), Callitriche (2), Ceratophyllum (1), Cymodocea (1), Ela- tine (3), Elodea (1), Hippuris (1), Hottonia (1), Hydrilla (1), Iso- etes (1), Lemna (2), Litorella (1), Myriophyllum (2), Najas (2), Peplis (1), Potamogeton (9), Ranunculus (3), Utricularia (2), Vallis- neria (1), Zanichellia (1), Zostera (2).

Im zweiten Hefte behandelt Zopf: die Gerbstoff- und An- thocyan-Behälter der Fumariaceen. Bei allen untersuchten Vertretern der genannten Familie (Corydalis cava, pumila, Halleri, ochroleuca, lutea, Diclytra spectabilis, formosa, Adlumia ceirrhosa, Fumaria oficinalis, muralis) kommen eigenthümliche, gerbstoffreiche Idioblasten vor. Sie wurden in den verschiedensten Organen gefunden, im Wurzelsystem, in den Caulomen, in den Nieder-Laub-Hochblättern und in allen Blüthentheilen. Sie liegen theils im primären Grund- gewebsparenchym (primäre Idioblasten), theils in den durch secundären Dickenzuwachs entstandenen Geweben (secundäre Idioblasten). Verf. theilt die Morphologie, Entwicklungsgeschichte und das Vorkommen der Idioblasten bei den Fumariaceen mit. In allen Fällen enthalten dieselben reichliche Mengen von Gerbsäure, die unter normalen Ver- hältnissen in gelöstem Zustande vorkommt. Die Gerbstofflösung lässt entweder jede Pigmentirung vermissen, oder sie enthält einen gelben Farbstoff, den Verf. als „gelbes Anthocyan“ bezeichnet, oder end- lich es ist ein rothes Pigment, gewöhnliches rothes Anthocyan vor- handen. Wie entwicklungsgeschichtliche Beobachtungen und Experi-

- mente lehrten, scheint die Bildung des gelben Anthocyan vom Lichte unabhängig zu sein, während sich das rothe Anthocyan im Lichte aus dem gelben bildet. Das Letztere scheint wieder ein farbloses Vor- stadium zu haben, beziehungsweise aus einem farblosen Chromogen zu entstehen. Diese Entwicklungsreihe gilt für die Arten der Gattung Corydalis. Bei anderen Fumariaceen (Fumaria, Dielytra) feblt die Vorstufe des Anthocyangelb; gleichwohl bildet sich das Anthocyan- roth aus einem farblosen Chromogen. Da das extrahirte Anthocyan- gelb durch Säuren roth wird, wobei man alle jene Zwischenfarben erhalten kann, die bei der natürlichen Umfärbung beobachtet wurden, so scheint daraus hervorzugehen, dass auch in der lebenden Pflanze die früher genannte Umwandlung des gelben Anthocyans in das rothe durch Säuren bewirkt wird. Ausser Gerbsäure und Farbstoffe können die Idioblasten noch Chlorophyll und Zucker enthalten. In einem „Anhang“ werden noch zwei andere Pllanzen: Parnassia palustris

32

und Parietaria diffusa besprochen, bei denen ebenfalls in allen Organen

Gerbstoffidioblasten gefunden wurden, welche näher charakterisirt

werden. Die anatomischen Details sind durch zahlreiche, elegant aus-

geführte Figuren auf drei farbigen Doppeltafeln veranschaulicht. Burgerstein.

Leunis Dr. J. Synopsis der drei Naturreiche. Botanik von Dr. A, B. Frank, 3. Band specielle Botanik, Kryptogamen. Hannover; Hahn, 1886. 8°. 675 Seiten mit 176 Holzschnitten, sammt alphab. Register und einem literarischen Nachweiser (417 Seiten).

Wir haben die ausserordentlichen Vorzüge der Frank’schen Synopsis schon bei Besprechung des 1. und 2. Bandes anerkennend hervorgehoben und vorausgesetzt, dass sich auch der 3. Band den ersten ebenbürtig an die Seite stellen werde. Unsere Muthmassung hat sich im vollen Masse bewahrheitet. Der 3. Band vorliegenden Werkes, welcher den viel schwieriger in ein einheitliches Ganze zu bringen- den Theil der speciellen Botanik, die Kryptogamen enthält, bietet einen glänzenden Abschluss des ganzen Werkes. Mit besonderem Geschicke gelang es dem Verfasser, den Zweck dieses Bandes, ein Bestimmungsbuch für alle Kryptogamen zu sein, zur Geltung zu bringen, den Stoff übersichtlich zu eruppiren und durch zahlreiche analytische Tabellen seiner Absicht Vorschub zu leisten. Es ist auf diese Art ein überaus werthvolles Compendium der Syste- matik der Kryptogamen entstanden, welchesin derartigem Umfange und in so übersichtlicher Form noch niemals geboten wurde.

J. & E. Dana, the American Journal of science. Vol. XXXIL nr. 18% (April) 189 (September). New Haven Conn.: J. et E. Dana 1886. 8°. Seite 241— 246.

Die vorliegenden Nummern dieser zahlreiche höchst werth- volle geologische und petrographische Abhandlungen enthaltenden Zeitschrift bieten nur wenig Botanisches. Ausser zahlreichen Refe- raten aus der kundigen Hand Asa Gray’s, welche den hervorra- gendsten Erscheinungen der botanischen Literatur gewidmet sind, findet sich nur ein aus gleicher Quelle stammender Nekrolog auf Edw. Tuckermann und von Lester F. Ward ein Aufsatz über die Bestimmung von fossilen Dikotyledonenblättern. B; Ueber den Ursprung der Ackerunkräuter und der Ruderalflora Deutsch-

lands. I. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doctorwürde von Franz Hellwig aus Danzig. VI. 39 Seiten. Leipzig. Wilhelm Engel- mann. 1886.

Von demselben. II. Specieller Theil über den Ursprung der Ackerun- kräuter und der Ruderalfiora Deutschlands. rn Abdruck aus Engler, Botanische Jahrbücher VII. Band, 5. Heft 1886. Leipzig. Wilhelm Engelmann.

Nach einigen einleitenden Worten über die Begrenzung des Gebietes und die Theilung desselben durch das Elbgebiet in eine Ost- und Westhälfte bespricht der Verfasser die Entstehung der jetzigen Flora, von welcher der bei weitem grösste Theil als einge- wandert zu betrachten ist. Weiters werden von jenen Arten, die das Heimathsrecht schon seit Jahrtausenden erlangt haben, also einhei-

39

misch sind, jene Pflanzen gesondert, welche erst durch Vermittlung des Menschen in das Gebiet gelangten und demnach die gesammte Flora in eine Flora indigena und eine Flora advena getheilt, wovon letztere wieder in Culturpflanzen, Ackerunkräuter, Ruderalpflanzen, in historischer Zeit eingewanderte und aus Gärten verwilderte Pflanzen zerfällt. Je ein tabellarisches Verzeichniss der vier letzten Gruppen umfasst die dazu gehörigen Pflanzen mit der Angabe der Verbreitung im Gebiete, der Heimath und auf welchem Wege die Pflanze in das Gebiet gelangte. Im II. Theil werden sämmtliche Ackerunkräuter und Ruderalpflanzen Deutschlands aufgeführt mit Berücksichtigung der geographischen Verbreitung im Allgemeinen, wie auch der Angabe aus welchem Lande, auf welche Weise und zu welcher Zeit die Ein- schleppung der nicht einheimischen Arten vor sich ging. Die Aus- führungen des Verfassers sind unter Benützung der bisher erschienenen einschlägigen Literatur gewissenhaft zusammengestellt und geben uns ein möglichst vollständiges Bild der Ackerunkräuter und der Ruderalflora Deutschlands. J.

Dr. J. Pan£ic. Eine neue Conifere in den östlichen Alpen.

Es ist diess die vom Autor im J. 1875 in Serbien entdeckte Pinus Omorika Pantit, welche er bereits in einem zu Belgrad 1876 herausgegebenen Aufsatze ausführlich beschrieben hat. Da die Frage, inwieferne der genannten Conifere das Artenrecht zuzuschreiben sei, noch nicht endgiltig gelöst ist, und der Autor zur Kenntniss ge- langte, dass dieselbe Baumart, eventuell eine ihr sehr ähnliche, in neuester Zeit auch in anderen Florengebieten beobachtet wurde, hielt er sich für verpflichtet, seine obenerwähnte Publication aber- mals in Druck legen und in botanischen Kreisen verbreiten zu lassen. Um daher den Intentionen des geehrten Forschers zu entsprechen, und zur Klarstellung des systematischen Werthes der in Rede ste- henden Pinus Anhaltspunkte zu bieten, lassen wir hier aus obigem Werke das Wesentlichste folgen; Pinus Omorika, arbor excelsa, coma anguste pyramidali, ramis brevibus, subvertieillatis, superiori- bus erectis, mediis horizontaliter patentibus ae inferioribus pendulis cum apicibus arcuatim adscendentibus, ramulis hirsutis, foliis soli- tariis, rectis aut incurvis, planiusculis, nervo utrinque prominulo obsolete tetragonis, apice acuminatis, acutis aut obtusis, cum apiculo cartilagineo, superiore pagina eximie glaueis, strobilis sat parvis oblongis, in ramulis variae longitudinis erectis, horizontaliter paten- tibus aut pendulis, squammis a basi cuneata subrotundis, dorso sub apice striatis, margine eroso dentieulatis, bracteis obovato cuneatis, apice denticulatis, sua squamma multo brevioribus, nuculis parvis, obovatis, ala obovato-cuneata, subobliqua, margine subintegra triplo brevioribus. Habitat in montosis asperis Serbiae meridionali-oceiduae: al Zaovina, ubi rara, eopiosior ad Crvena Stena supra Rastiste et m. Janjac supra Stula, ab indigenis indieata in vieiniae Bosniae m. Semete supra Visegrad. (Nach einer dem Aufsatze als Anhang beigefügten Notiz kommt die Pinus Omorika auch in Montenegro vor.) Als nächste

Oesterr, botan. Zeitschrift. 1, Heft 1897, 3

34

Verwandte dieser serbischen Fichte gilt Pinus Orientalis L. Als wesentlichste Differential-Merkmale der Ersteren werden hervorge- hoben: der höhere Wuchs und die in Folge der kurzen Aeste schlankere Krone, die flachen ausnahmsweise auf der Oberseite grau gefärbten Nadeln, die kleineren Zapfen, die gezähnelten Schuppen und die kleinen Nüsschen. Moritz Prihoda.

Anales de la Sociedad Espanola de Historia Natural. Madrid 1886.

Als einziger Artikel botanischen Inhaltes ist in diesem Jahr- sang enthalten: Perez Lara. „Florula Gaditana seu recensio celer omnium plantarum in provincia Gaditana hucusque notarum.“ Obwohl über die Vegetations-Verhältnisse der Provinz Cadix durch die seit Tournefort bis in die neueste Zeit (zuletzt durch Willkomm und Lange) erschienenen Floren der pyrenäischen Halbinsel schon mehr- fach näheres Licht verbreitet wurde, so stellte sich dennoch da die bezüglichen Daten in verschiedenen mehr weniger umfangreichen Werken zerstreut, oder mit allgemeinen Notizen über die iberische Flora cumulirt vorkommen, das Bedürfniss einer compendiösen Special- Flora der erwähnten Provinz heraus. Diesem Bedürfnisse zu ent- sprechen ist der Zweck obiger Publication, die im gegenwärtigen Jahreshefte mit einer fachgemäss gehaltenen Einleitung und einer eingehenden Bearbeitung der Sporophyten (Filices und Equisetaceen) beginnt und nach dem Vorhandenen zu urtheilen, viel Instructives zu bringen verspricht. Moritz Prihoda.

Correspondenz.

Wien, 16. December 1886. Von der, von mir in den Verhandlungen d. k. k. zool.-botan. Gesellschaft XXXV (1885) pag. 119, extr. pag. 61 besprochenen Rosa glabrata Vest. wurden im Herbar des k.k. naturhistorischen Hofmuseums prachtvolle Öriginalexemplare, und zwar im Frucht- stadium, unter den Inserenda aufgefunden, welche meine Ausführun- gen vollinhaltlich bestätigen. Ebendaselbst wurden auch die Frucht- exemplare der Rosa Wulfenii Trattinick aufgefunden, nach welchen Rosa Wulfenii Trattinik, kugelige bis eiförmig-kugelige Scheinfrüchte besitzt; daher auch in dieser Hinsicht die von mir a. a. O. pag.

111 et pag. 118 ausgesprochene Ansicht bestätigt erscheint. Braun.

Innsbruck, am 15. November 1886. Ein Spaziergang auf die Gufler Schröfen bei Innsbruck (Kalk, südlicher Abhang im Innthal ea. 1300 M.) am 14. November ergab folcende blühende Pflanzenarten: Campanula glomerata und pusilla, Lotus corniculatus, Centaurea Jacea, Chrysanthemum Leucanthe- mum, Teuerium Chamaedrys, Hippoerepis comosa , Helianthemum

39

vulgare, Origanum vulgare, Geranium Robertianum, Achilles Mille- folium, Leontodon autumnale, Scabiosa Columbaria, Clinopodium vulgare, Carduus defloratus, Salvia pratensis (zwerghaft), Anthyllis Vulneraria, Ranuneulus acer und montanus, Gentiana verna und ciliata. Macroglossa stellatarum fliegt noch ganz lustig umher. Meinem Verzeichnisse blühender Pflanzen vom 1. d.M. wären noch beizufügen: Colchicum autumnale, Caltha palustris und Gentiana acaulis (Höttinger Alpe). Dr. Dalla Torre.

Mariaschein, am 17. November 1886.

Eine schöne Entdeckung wurde heuer in Schweden gemacht, indem Herr Lector L. M. Neumann (Sundsvall) Viola alba Besser, nebst deren Bastart V. Badensis Wiesb, (V. hirta x alba), und V. multicaulis Jord. (V. alba X odorata Wiesb.) daselbst fand. Exem- plare der V. alba, die ich zur Ansicht erhielt, stimmen gut überein mit den niederösterreichischen, die ich hinwiederum von galizischen (com. Blocki) nicht zu unterscheiden vermag. J. Wiesbaur 8. J.

Lemberg, am 4. December 1886.

Meine Rosa Skofitziana von Lemberg darf aus diesem Grunde für eine „Varietät“ der R. uncinella Bess. nicht gedeutet werden, weil diese letztere nach Besser „flores carneos“ besitzt, während bei ER. Skof. die Blumen weiss sind. Die Zugehörigkeit der R. Skof. zu R. uneinella Bess. bestreite ich desto entschiedener, da wie ich mich in Folge der fleissigsten und durch keine Theorie beeinflussten Beobachtung der ostgaliz. Rosen in der Natur fest überzeugt habe

die Blumenfarbe bei Rosen ein sehr constantes Merkmal ist, - ebenso wie die Gestalt und die Beschaffenheit der Blätter, die Gestalt ' und Grösse der Frucht, die Beschaffenheit der Griffel, die Gestalt der Stacheln, die Gestalt und Beschaffenheit der Kelchzipfel ete. Auf Grund dessen wage ich es ganz laut zu betonen, -— obwohl ich dadurch mit solchen Autoritäten, wie v. Borbäs und H. Braun in Widerspruch gerathe, dass die Gattung Rosa (wie auch Achillea, Festuca, Hieracium etc.) im höchsten Grade constante und streng, wiewohl durch sehr enge Grenzen geschiedene „Species“ aufweist, deren Deutung lediglich aus diesen Gründen auf so grosse Schwierig- keiten stösst, weil: 1. Die Zahl der Arten enorm gross ist, 2. die meisten Arten sehr kleine geographische Areale bewohnen und 3. und diess schlage ich besonders hoch an die Unterscheidungsmerkmale der Arten zwischen sehr engen morphologischen Grenzen liegen, ‚welcher Umstand für den Systematiker desto peinlicher wird, da wie gesagt in der Gattung Rosa ein ungemein grosser Formen- eichthum herrscht. „Auf die Grösse der Unterschiede kommt 038 t A. Kerner überhaupt gar nicht an, sondern vielmehr auf io Beständigkeit und die Constanz der Unterschiede. Gruppen von eineren Arten unter den Begriff einer- idealen Art zu bringen, eht nicht an.“ Br. Blocki. %

36 Brünn, am 6. December 1886,

Dem rühmlichst bekannten Veilchen-Kenner, Herrn Professor J. B. Wiesbaur, der die Gowogenheit hatte, meine Veilchen- Sammlung zu determiniren und zu revidiren und deren weiteres Stu- dium an frischen Pflanzen ich mir besonders angelegen sein liess, spreche ich an dieser Stelle meinen tiefgefühlten Dank aus und lasse im Nachfolgenden einige en Formen folgen. Als neu für die Flora Mährens führe ich an: Viola montana Flora danica (V. Rupü Al- lioni) a. genuwina major Wiesb. Selten, Rybnitky bei Karthaus, Ewa- nowitz, Cinzendorf. Die Pflanzen von diesen Standorten sind sehr schön und typisch und stimmen ganz mit den Pflanzen die Prof. Wiesbaur von Pressburg und Wien an bis fast an den Plattensee zu beobachten Gelegenheit hatte, überein, während die Pflanzen von Mariaschein in Böhmen (Mittelgebirge) von diesen abweichend und sicher keine Y. montan«a Fl. dan. = Y. Rupiü All. sind, mit welcher die aus der Brünner Gegend gut übereinstimmen. Wiesbaur in lit. b. minor Wiesb. Wald hinter der Teufelsmühle bei Karthaus, Hobice bei Surein, Rozdrojowitz. V. dubia Wiesb. Mordovna, Mokrä hora, Ofreschin, Raine bei Kohoutowitz, Scharditek. V. Merken- steinensis Wiesb. Rybnitky bei Karthaus, Wa. bei Jundorf. V. silvatica > arenaria Borky nächst Schimitz, Hädyberg bei Obran, Thal bei den Ziegelhütten bei Kroman. V. ar ophila Wiesb. Wald hinter Karthaus. V. canina X silvatica Kvetnice bei Tischnowitz. Bemerkenswerth ist ferner das Vorkommen der V. cyanea Üelak. Um Brünn: im Augarten, hinter dem Friedhofe nächst des Exercirplatzes, im Schreibwalde nächst der Steinmühle (letztere mit Vorbehalt des Studiums an lebenden Pflanzen, ob nicht zur V. austriaca Kern. gehörig), bei Gr. Pawlitz und Kl. Uhrau, der V. stagnina Kit. auf, der Holedrä bei Jundorf und der V. pumila Chaix. bei Kl. Hostihrä- dek, Lundenburg und Altenmarkt, V. wrenaria DC. var. rupestris Schluchten bei Malomieritz, Hädyberg und Hügeln bei Obran, var. violacea Borky und Hügel bei Schimitz ete. var. lilacina Set. Anton mit der Vorigen. Im Ganzen zehn interessante Novitäten, mit Einschluss der Varietäten für die Flora Mährens.

Dr. Formänek.

Personalnotizen.

Dr. Albert Wigand’s Biographie, verfasst von Dr. Den- nert, brachte die „Flora“ in Nr. 34 des vorigen Jahres, und einen Nekrolos, geschrieben von Dr. F.G. Kohl, das „Botanische Central- blatt* 1886. Nr. 50.

Franz Maly, Hofgarten-Inspector in Wien, wurde von der Royal Hortieultural Society in London zum corr. Mitgliede ernannt.

ne a u

37

Dr. M. Büsgen hat sich an der Universität Jena für Bo- tanik habilitirt.

Dr. Friedrich Oltmanns hat sich an der Universität Rostock für Botanik habilitirt.

Ed. Lamy de la Chapelle ist am 23. September v. J. in Limoges gestorben.

Vereine, Anstalten, Unternehmungen.

In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen- schaften in Wien, am 21. October 1886 übersandte Prof. A. Weiss eine Arbeit des Assistenten des k. k. pflanzenphysiologischen Institutes der deutschen Universität in Prag Herım F. Reinitzer: „Ueber Hydrocarotin und Carotin“. In derselben wird gezeigt, dass das Hydrocarotin nicht identisch ist mit Phytosterin, wie diess jüngst Arnaud angegeben hat, sondern sich in seinen Eigenschaften am meisten dem Cholestol oder Cupreol nähert, ohne aber mit einem der bisher bekannten Cholesterine völlig identisch zu sein. Weiters wird angegeben, dass das Tribromhydrocarotin sich zwar nicht so, wie es seinerzeit Husemann meinte, in Carotin überführen lässt, aber wahrscheinlich dennoch Carotin und Hydrocarotin zu einander, so wie auch zum Chlorophyllfarbstoff in näherer Beziehung stehen, und dass das Solanorubin Millardet’s mit Carotin identisch ist. Endlich wird als sehr wahrscheinlich hingestellt, dass die Cholesterine nicht so, wie es bisher angenommen wird, mit einander isomer sind, sondern zwei homologe Reihen bilden, deren eine die rechtsdrehenden, deren andere die linksdrehenden Cholesterine in sich begreift.

Monats-Versammlung der k.k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien am 1. December 1886. Die Besprechungen botanischer Gegenstände leitete der Vereins-Secretär, Herr Dr. R. v. Wettstein, mit der Bekanntmachung ein, dass die bisher probeweise abgehaltenen Discussions-Abende (zumZwecke der Erzielung eines regeren botanischen Verkehres der Gesellschafts-Mitglieder) nunmehr definitiv eingeführt und an Freitagen (6 Uhr Abends) im Vereins- locale stattfinden werden. Hierauf sprach Herr Dr. Günther Beck über die Bildung von Hormogonien bei Rivularien, und erweiterte das diessfalls von De Bary Bekanntgemachte durch seine eigenen Beobachtungen an Glocotrichia. Herr Dr. H. Molisch wusste das Interesse der Anwesenden durch die Demonstration einer seiner neuen Entdeckungen zu fesseln, nämlich eines zu Untersuchungen über den Hydrotropismus der Pflanzenwurzeln dienenden Apparates, wobei er auf das Charakteristische des gedachten physiologischen Phänomens näher einging. Herr Dr. M. Kronfeld erklärte an einem Rhizom von Nuphar luteum, von ungewöhnlicher Grösse, den eigenthümlichen morphologischen Bau, . welchen die Rhizome dieser Pflanzenart wahrnehmen lassen. Zum Schlusse berichtete Herr

38

Dr. R. v. Wettstein über mehrere von ihm entdeckte Pilze, von denen die nachbenannten zwei besonders hervorgehoben zu wer- den verdienen, nämlich ein in morphologischer Hinsicht höchst in- teressantor Irpex (I. anomalus) und eine neue Sclerotina (8. Ker- neri), die der Vortragende als die Ursache einer bei Tannen vor- kommenden teratologischen Entartung bezeichnete. M. Prihoda. Preisaufgaben. Der Redaction der Botan. Jahrbücher stehen 1000 Mark zur Honorirung von Preisarbeiten, welche in den Botanischen Jahrbüchern gedruckt werden sollen, zur Verfügung. Um einzelne Botaniker zu grösserer Vertiefung in die Aufgaben der Systematik und Pflanzengeographie zu veranlassen, sind folgende Preise ausgesetzt worden. I. Ein Preis von M. 400 für eine Mono- graphie der Gattung Aanunculus. Die Redaction wünscht eine ver- gleichende, jedoch nicht zu breite Darstellung der morphologischen Verhältnisse, sodann eine eingehende Besprechung der Beziehungen zwischen den einzelnen Gruppen der Gattung zu einander, eine aus- führliche Begründung der systematischen Eintheilung und eine genaue Darstellung der geographischen Verbreitung als ersten Theil der Arbeit, in deutscher Sprache. Der zweite Theil soll eine möglichst präcise Charakteristik der Arten, Unterarten, Varietäten und Formen in lateinischer Sprache enthalten. Die dazu gehörenden Erläuterun- gen und die Angaben über geographische Verbreitung, welche nach natürlichen, nicht nach politischen Gebieten geordnet sein müssen, sollen in deutscher Sprache geschrieben sein. Gewünscht wird auch eine möglichst vollständige, bildliche Darstellung der Früchte aller Arten, welche bei dieser Gattung leicht auf 2—3 Tafeln zu geben ist. II. Ein Preis von M. 300 für eine Monographie der Gattung Draba. Für diese Arbeit gelten dieselben Anforderungen wie für die erste. III. Ein Preis von M. 300 für eine kritische Revision der fossilen Formen von Quercus. Bei dieser Arbeit wird es sich zunächst um ein eingehendes Studium der Blattformen und der Nervatur bei den in der Gegenwart vertretenen Gruppen von Quercus, sowie bei den verwandten Gattungen handeln. Sodann soll entschieden werden, in wie weit sich mit Sicherheit die bis jetzt als Quercus beschrie- benen Reste als zu dieser Gattung gehörig, erweisen und in wie weit auch eine Bestimmung der Section, welcher sie zugehören, möglich ist. Wenn sich nach dieser Richtung hin zuverlässige Resultate er- geben, wird es sich empfehlen, die Verbreitung der fossilen Quercus in Verbindung mit den jetzt lebenden Formen zu behandeln; es wird sich hierbei mehr um die Typen oder Sippen, als um die einzelnen Arten handeln. Abhandlungen, welche eines dieser Themata be- handeln, sind bis 1. October 1888 an den Unterzeichneten einzulie- fern. Derselbe behält sich vor, zur Beurtheilung andere sachver- ständige Botaniker heranzuziehen. Erfolgt keine Einlieferung bis zu dem angegebenen Termin, so wird der Termin der Ablieferung um ein Jahr verlängert. Der Umfang der Arbeiten darf 10—18 Druck- bogen im Format der Botan. Jahrbücher erreichen. Die Arbeiten, welchen der Preis zuerkannt ist, werden in den Botan. Jahrbüchern

i

39

gedruckt; es wird Sorge getragen, dass jede Monographie im Zusam- menhang gedruckt wird. Ausser dem ausgesetzten Preis wird kein weiteres Honorar gezahlt, jedoch erhält der Autor 15 Separatabzüge gratis. A. Engler.

Botanischer Tauschverein in Wien.

Sendungen sind eingelangt: Von Herım Felsmann mit Pflan-

zen aus Schlesien. Von Herrn Steininger mit Pflanzen aus Oberösterreich. Von Herrn Keller mit Pflanzen aus Nieder- österreich. Von Fräulein Boresch mit Pflanzen aus Böhmen.

Sendungen sind abgegangen an die Herren Schirl und Dr. Pantic. Vorräthig: (B.) = Böhmen, (Bd.) = Baden, (Br.) = Berlin, (Cr.) = Croatien, (F.) Frankreich, (G.) Galizien, (T.) = Istrien, (Kr) = Kraın, (M.) = Mähren, (Mk.) = Mecklenburg, (NOe.) Niederösterreich, (OOe.) Oberösterreich, (P.) = Polen, (Pm.) = Pommern, (Pz.) = Pinzgau, (R.) = Rügen, (Sb.) = Sieben- bürgen, (Sl.) = Schlesien, (St.) —= Steiermark, (Sz.) = Schweiz, (Th.) = Thüringen, (U.) —= Ungarn, (W.) = Westfalen. Holosteum umbellatum (S1., U.), Homogyne alpina (OOe., St.), discolor (O0e.), silvestris (Kr., St.), Hordeum secalinum (Th.), Zeo- criton (B., U.), Horminum pyrenaicum (Pz.), Hottonia palustris (O0e., Pm., W.), Hutchinsia alpina (NOe., OOe.), petraea (NOe.), Hyaeinthella leucophaea (Sb.), Hyosciamus niger (B., NOe., P.), Hy- perieum elodes (W.), hirsutum (Th., U.), perforatum (OOe., P.), te- trapterum (B.), umbellatum (Sb.), veronense (S1.), Hypochoeris glabra .), radicata (P.), Hyssopus oficinalis (NOe.), Jasione montana U.), perennis (Bd., Elsass), Iberis Villarsü (F.), Iecebrum vertieil- latum (Sl., W.), Impatiens parviflora (Br., O0e.), Inula britanica (B., U.), Conyza (B.), ensifolia (Cr., U.), graveolens (I.), Helenium (M.), hirta (Cr., U.), Oculus Christi (NOe.), salieina (U.), salieina ensifolia (G.), squarrosa (Cr.), Jris arenaria (U.), graminea (M., Sb., U.), Pseudacorus (M., OOe.), pumila (NOe.), sibiriea (Br., O0e.), uria (F.), Isatis tinctoria (NOe., St., T.), Isnardia palustris (Bd., .), Jsopyrum thalictroides (M., NOe., U.), Juncus alpinus (P„P%.); arnassensis (}.), balticus (R.), bufonius (B., NOe., St.), buf. f. ew- altata (U.), capitatus (P., W.), compressus (B., T., U.), ‚iliformis B., Pz., Sl.), Gerardi (Mk., U.), glaueus (Br., P.), Hostii (Kärnten, 2.), lamprocarpus (B.), maritimus (R.), obtusijlorus (Br.), panicu- latus (Cr.), sphaerocarpus (NOe., U.), squarrosus (O0e., Vogesen), Er (B., P.), Tenageia (Br., Mk.), tenuwis zz uliginosus (Mk.), Juniperus macrocarpa (1.), Sabina (Pz., 8z.), Kernera sawa- tilis (OOe.), Kochia arenaria (M., NOe., U.), sedoides (U Kosleria eristata (Br., NOe.), glauca (Br.), Lactuea muralis (P., O0e.), Sca- riola (B., P.), Lagurus ovatus (St.), Lamium album (B., NOe.), aum-

40

plewicaule (B., S1.), incisum (Pm.), Orvala (Kr.), purpureum (S1.), Lappa macerosperma (G.), major (S1.), minor (S1.), Laris euro- paea (St.).

Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden.

Inserate.

Einladung zur Pränumeration auf den XXXVII. Jahrgang (1887)

der

Desterreichischen

Botanischen Zeitschrift. (Oesterr. botan. Wochenblatt.)

Auf die „Oesterreichische botanische Zeitschrift“, welche von dem hohen k.k. österreichischen und dem hohen k. ungarischen Ministerium für Cultus und Unterricht den Mittelschulen empfohlen wurde, pränumerirt man mit 8 fl. österr. W. (16 R. Mark) auf den ganzen Jahrgang oder mit 4 fl. österr. W. (8 R. Mark) auf einen Semester und zwar auf Exemplare, die frei durch die Post bezogen werden sollen, nur bei der Redaction: Wien, IV. Mühl- gasse Nr. 1.

Alle Buchhandlungen des In- und Auslandes nehmen ebenfalls Pränumerationen an. Die Versendung an die Buchhandlungen hat die Verlagshandlung C. Gerold’s Sohn in Wien übernommen.

Von den bereits erschienenen Jahrgängen können noch voll- ständige Exemplare gegen nachfolgende Preise bezogen werden: 2. und 3. Jahrgang zu 1 fl. (2R. Mark) 9. bis 22. Jahrgang zu 2 fl. (AR. Mark) 23. bis 35. Jahrgang zu 5 fl. (10 R. Mark) 36. Jahrgang 8 fl. (16 R. Mark). Bei Abnahme sämmtlicher Jahrgänge von der Redaction, 20 Procent Nachlass.

Einzelne Hefte können nur vom laufenden und letztvergange- nen Jahrgange abgegeben werden.

Von den bisher erschienenen 34 Porträts der „Gallerie öster- reichischer Botaniker“ können einzelne Exemplare ä 50 kr. (1 R.-Mark) abgegeben werden.

Skofitz. (IV. Mühlgasse Nr. 1.)

Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. - Verlag von ©. Gerold’s Sohn. C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien.

Oesterreichische

Botanische Zeitschrift.

Die österreichische botanische Zeitschrift erscheint den Ersten jeden Monats. Man pränumerirtauf selbe mit 8 fl. öst. W. (16 R. Mark) ganzjährig, oder mit 4 fl. öst. W. (S R. Mark) halbjährig. Inserate die ganze Petitzeile 15 kr. öst. W.

Organ

für

Botanik und Botaniker.

Exemplare die frei durch die Post be- zogen werden sollen, sind blos bei der Redaetion (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1) zu pränumenren.

Im Wege des Buchhandels übernimmt Pränumeration C. Gerold’s Sohn in Wien, sowie alle übrigen Buchhandlungen.

XXXVII Jahrgang. WIEN. Februar 1887.

INHALT: Zur Frage „vom grünfaulen Holze“. Von Zukal. Alyssum perdurans. Von Ulle- pitsch.— Ursachen der Haarbildung. Von Krasan. Rhamni Hungariae. Von Dr. Borbäs. Bergalgenflora Böhmens. Von Dr. Hansgirg. Teratologisches. Von Dr. Formänek. Zur Flora von Pondichery. Von Heimerl. Flöra des Etna. Von Strobl]. —- Literaturberichte. Correspondenz. Von Woloszezak, Formänek, Blocki, Borbäs, Ullepitsch, Jenssen- Tusch. Personalnotizen. Vereine, Anstalten, Unternehmungen. Botanischer Tauschverein. Inserate.

Zur Frage „vom grünfaulen Holze“, Von Hugo Zukal.

In feuchten Wäldern trifft man nicht selten faule Stöcke, deren Holz auf weite Strecken hin grün gefärbt. ist.

Besonders häufig zeigen diese Erscheinung die herabgeworfenen Aeste von Buchen, Eichen und Birken.

Der Erste, welcher diese Grünfäule des Holzes etwas näher untersuchte, war der deutsche Botaniker Gümbel. (Siehe „Flora“ 1858, p. 113). Er ging dabei von der Vermuthung aus, dass die Grünfärbung und Fäulniss des Holzes von einem Pilz verursacht werde. Allein er konnte trotz der grössten Sorgfalt in dem ihm zu Gebote stehenden Material kein Mycel entdecken. Dafür untersuchte er den Farbstoff chemisch und kam zu dem Resultat: „dass die grüne Färbung der faulenden Hölzer von einem eigenthümlichen, den Humus- substanzen analogen saurem Stoffe herrühre*, für welchen er den Namen Joxylinsäure in Vorschlag bringt. In demselben Jahre, näm- lich 1858, erörtert auch Bley die chemische Seite der Grünfäule des Holzes, ohne indessen etwas wesentlich Neues zu bringen.

(Siehe Bley, Archiv der Pharmacie 1858).

1863 publieirt M. Fordos in den Comptes Rendus Acad. d. Sc. Paris Tom 57. p. 51 eine mit grossen Mitteln durchgeführte Arbeit über dieselbe Frage, erwähnt aber seine Vorgänger Gümbel und Bley nicht, doch fand auch or, dass der Farbstoff des grünfaulen Holzes sich wie eine Pflanzensäure verhalte, und nennt ihn deshalb Acidum xylochlorieum.

Oesterr. botan. Zeitschrift. 2, Haft 1897. 4

42

Er entdeckte ferner die wichtige Thatsache, dass sich der genannte Farbstoff mit Chloroform leicht aus dem Holz extrahi- ren lässt. :

Im Uebrigen ist Fordos der Ansicht, dass das Acidum xylo- chloricum ein direetes Produkt der Verwesung des Holzes sei und sich nicht auf Pilze zurückführen lasse.

Zwei Jahre später bestätigt Rommier Fordos’ Angaben und erweitert dieselben, indem er in dem grünfaulen Holze ausser dem Fordos’schen Farbstoffe noch eine zweite blaugrüne Materie, das Xylindäin nachweist, welche sich in vielen Eigenschaften, namentlich in ihren Löslichkeitsverhältnissen, wesentlich von dem Acidum xylo- chloricum Ford. unterscheidet. (Siehe Compt. Rend. Acad. d. Sc. Paris 1868 T. 66 p. 108. Rommier. Sur une nouvelle matiere colo- rante appelee Xylindeine et extraite de certains bois mort.) Die Frage, ob die Farbstoffe des grünfaulen Holzes von einem Pilze herrühren oder nicht, überlässt er den Botanikern, doch fügt er hinzu, dass im Innern des Holzes häufig grüne, rosenkranzförmig aneinan- dergereihte Kügelchen gefunden werden, welche sich im Chloroform lösen und die möglicher Weise einem Pilz angehören.

Neun Jahre nach der eben erwähnten Arbeit also 1877 fand Prillieux ebenfalls amorphe blaugrüne Massen im Innern der Zellen der faulen Hölzer. Doch constatirt er, dass der Farbstoff weitaus in den meisten Fällen in den Zellwänden und nur ausnahmsweise ins Innere der Zellen abgelagert wird. Prillieux hat den Farbstoff auch in optischer Beziehung untersucht und dabei gefunden, dass derselbe sehr schwach in einem braungelben Farbenton fluorescire. Ferner constatirt er, dass das Ahsorptionsspectrum des Farbstoffes (in der Chloroformlösung) zwei Absorptionsstreifen in Roth und Orange zeige, im Uebrigen aber von dem Absorptionsspeetrum des Chlorophyll bedeutend differire.

In Bezug auf die Entstehung des Farbstoffes theilt er die An- sichten seiner Vorgänger Gümbel, Bley und Fordos.

(Siehe Prillieux. Bull. Soc. Bot. d. France. T. 24. 1877).

Wenn Prillieux zu dem Schluss kommt, dass der Farbstoff des grünfaulen Holzes nicht von einem Pilze herrühren könne, so vertritt Cornu auf Grund seiner eigenen Untersuchungen und der- jenigen Tulasne’s den über Chlorosplenium aeruginosum D. Not. entgegengesetzten Standpunkt.

(Siehe Cornu Bull. Soc. Bot. d. France 1877 und Tulasne. Carp. III p. 188).

Doch muss er allerdings zugeben, dass häufig grünfaules Holz vorkommt, in dem auf weite Strecken hin keine Spur eines gefärbten oder ungefärbten Mycels aufgefunden werden kann. Cornu erklärt aber diese Thatsache mit der Annahme, dass das Mycel der Peziza aeruginosa (Ohlorosplenium aeruginosum) sehr vergänglich sei, vor dem Verschwinden indess das Holz dauernd grün färbe.

In neuester Zeit gibt de Bary aufp. 15 seiner „Vergleichenden Morphologie und Biologie der Pilze“ eine lichtvolle Darstellung der

43

ganzen Streitfrage, ohne sich zu Gunsten der einen oder anderen Ansicht auszusprechen.

Aus dieser dürftigen Skizze erhellt, dass sich gegenwärtig in Bezug auf die Frage über die Grünfäule des Holzes zwei vollkommen gleichberechtigte Ansichten gegenüberstehen.

Nach der einen Anschauung ist der Farbstoff ein Produkt der Holzzersetzung und die Peziza aeruginosa ist ursprünglich rein weiss. Da sie aber ausschliesslich auf dem grünfaulen Holz vegetirt, so nimmt sie den Farbstoff aus ihrem Substrate auf und erlangt nach und nach ihre charakteristische Färbung.

Nach der andern Ansicht hingegen gehört der Farbstoff der Peziza aeruginosa ursprünglich eigenthümlich an und diffundirt nur nach dem Zugrundegehen ihres sehr ephemeren Mycels in das faule Holz hinüber, um es dauernd grün zu färben.

Die folgende Mittheilung bezweckt durchaus nicht die Beendi- gung der ganzen Discussion; sie will nur ein kleines Gewichtchen auf die eine Wagschale werfen, wodurch dann allerdings das Gleich- gewicht zu Gunsten der zuletzt erwähnten Anschauung gestört werden dürfte.

Im heurigen Frühling trat an den Böschungen waldiger Hohl- wege in der Umgebung von Wien (z. B. auf dem steilen Wege vom Dornbacher Park zum Hameau) eine winzige, grüne Peziza auf, die sich bei näherer Untersuchung als Pseudopeziza Jungermanniae Fuck. Symb. p. 291 Peziza Jungermanniae Nees System II p. 144 erwies. Die 05 3 Mm. messenden Scheibchen sassen gewöhnlich auf der Jungermannia bicuspidata aber auch vereinzelt auf der blossen Erde.

Sie erschienen dem unbewaffneten Auge dunkelgrün, unter dem Mikroskop jedoch prachtvoll blaugrün.

Besonders intensiv war die Färbung an der Aussenseite der Schüsselchen, wo die Paraphysen, dicht aneinander gedrängt, eine Art von Hautschicht bilden und an dem basalen Hyphengeflecht.

Die Schläuche sind an der Basis weniger stark gefärbt als oben. Am schwächsten tingirt erscheinen die reifen Sporen.

Schwierig ist die Frage zu beantworten, wo eigentlich der Farbstoff haftet, ob an der Membran oder dem Protoplasma oder dem Zellsaft oder eventuell an allen diesen Zelltheilen.

Deutlich ist nur die Zellwand gefärbt. Man kann indessen in jungen Schläuchen, in denen eben erst die Sporen angelegt werden, ‚sehen, dass die Tronnungslinien zwischen den einzelnen Protoplas- maportionen (den zukünftigen Sporen) bedeutend dunkler grün gefärbt sind, als die übrige Plasmamasse. Aus dieser Beobachtung, sowie ‚aus der directen Anschauung von Quetschpräparaten folgt, dass auch ‚der Inhalt gefärbt sein muss. Doch kann man selbst mit der besten Öelimmersion nicht erkennen, ob nur das Protoplasma „oder ob der | 4

) 2

44

wässerige Zellinhalt, oder ob beide gefärbt sind. Sicher ist, dass der Farbstoff vollkommen aufgelöst und nicht in der Form von Körn- chen oder Bläschen auftritt.

Da die Färbung der Pseudopeziza Jungermanniae lebhaft an die der Peziza aeruginosa erinnerte, so beschloss ich beide näher zu untersuchen und mit einander zu vergleichen.

Ausser diesen beiden Pilzen wurde auch noch das Geoglossum viride Pers. in den Kreis der Untersuchung gezogen. Bezüglich des Untersuchungsmaterials muss bemerkt werden, dass die Peziza aeru- ginosa und das Geoglossum in Gestalt getrockneter Herbar-Exem- plare in Verwendung kamen, welche übrigens kaum ein Jahr alt waren.

Die Untersuchung selbst wurde eingeleitet, indem eine Anzahl von Cylindergläschen signirt und mit den gleich zu erwähnenden Reagentien so gefüllt wurden, dass immer je drei die gleiche Materie enthielten.

In Verwendung kamen: Wasser, absoluter Alkohol, Aether, Schwefelkohlenstoff, Benzin, Chloroform, Salzsäure, Schwefelsäure, Salpetersäure, Chlorwasser, Aetzkali, Aetznatron, Aetzkalk, Ammoniak, kohlensaures Kali und Natron, Kalkwasser u. zw. alle im kalten Zustand. Die Säuren wurden in circa 90°/,tigen, die kaustischen und kohlensauren Alkalien in nahezu concentrirten Lösungen gebraucht.

Je drei Cylindergläschen enthielten immer die gleiche Materie und wurden auch mit derselben arabischen Ziffer bezeichnet, und dann mit je einem Fruchtkörper der Peziza aeruginosa oder der Pseudo- peziza oder des Geoglossum beschickt.

Von der Pseudopeziza mussten ihrer Kleinheit wegen immer a Feuchtschüsseln auf einmal in ein Cylindergläschen gebracht werden.

Die Herbeischaffung so vieler Fruchtkörper der Pseudopeziza Jungermannia war mit grossen Schwierigkeiten verknüpft und erfor- derte einen beträchtlichen Aufwand von Zeit und Geduld. Denn die winzigen Fruchtkörper der Pseudopeziza mussten unter der Lupe von dem Lebermoose lospräparirt werden, wobei sorgfältig darauf zu achten war, dass nicht etwa Blatt- und Stengeltheile der Junger- mannia an den Schüsselchen als fremde Anhängsel haften blieben, welche dureh ihren Chlorophyligehalt die Reactionen trüben konnten.

Die drei Untersuchungsobjeete wurden acht Tage lang in den Cylindergläschen belassen und während dieser Zeit wurde die Ein- wirkung jeder Materie wiederholt geprüft und notirt.

Ausserdem verfertigte ich von jedem der drei Pilze zahlreiche Dünnschnitte und beobachtete die Reaction der oben angeführten Materien auf diese Schnitte direct unter dem Mikroskope.

Das Ergebniss der mikroskopischen Untersuchungen deckte sich jedoch so vollständig mit dem der makroskopischen, dass eine abge- sonderte Schilderung der ersteren entfallen kann.

Auch verzichte ich auf die detaillirte Beschreibung jeder ein- zelnen Reaction, weil das etwa anzuführende Detail für das Ender- gebniss der Untersuchung nahezu irrelevant ist.

45

Dieses Endergebniss aber war bezüglich der Pseudopeziza Jun- germanniae und der Peziza aeruginosa folgendes:

Der Farbstoff beider Pilze erwies sich als unlöslich in Wasser, Schwefelkohlenstoff, Benzin und in den oben angeführten Mineral- säuren; er war kaum merklich löslich im absoluten Alkohol, jedoch leicht löslich in Chloroform. Die Alkalien besonders die kaustischen bringen eine gelbe bis bräunlich gelbe Umfärbung hervor und wirken dann auf den umgewandelten Farbstoff mehr oder minder lösend.

Aus diesem Resume erhellt, dass sich die Farbstoffe beider Pilze den verschiedensten Materien gegenüber gleich oder nahezu gleich verhielten.

Dieses Verhalten berechtigt wieder zu dem Schluss, dass diese beiden Farbstoffe nahe verwandt, wenn nicht identisch sind.

Nicht dasselbe kann von dem Farbstoff des Geoglossum viride behauptet werden. Wenn sich dieser auch gegenüber den Säuren und Alkalien ähnlich verhält wie das Acidum xylochloricum der Peziza aeruginosa oder der Pseudopeziza, so weicht er doch in Bezug auf die Löslichkeitsverhältnisse von dem eben genannten Farbstoffe weit ab, denn er löst sich in Chloroform nur äusserst schwierig, dagegen sehr leicht selbst im verdünnten Alkohol und in Ammoniak.

Doch ist hierzu zu bemerken, dass sich der Farbstoff des Geoglossum durch Alkohol allein niemals ganz extrahiren lässt. Behandelt man nämlich die Fruchtkörper des Geoglossum wieder- holt mit Alkohol, so verlieren sie nach und nach ihre schmutzig grüne Farbe und werden schön blaugrün. Dieser zurückbleibende blaugrüne Farbstoff, der sich mit Alkohol nicht mehr extrahiren lässt, löst sich in Chloroform, wenn auch schwer, Das ganze Ver- halten des Geoglossum viride macht den Eindruck, als ob in ihm zwei Farbstoffe vorhanden wären: Ein grünlich gelber, der sich leicht mit Weingeist ausziehen lässt und ein blaugrüner, der möglicher Weise mit dem Acidum xylochloricum Fordos identisch ist.

Es dürfte nicht allzu schwer sein, diese und ähnliche Fragen durch die Untersuchung und Vergleichung der bezüglichen Absorp- tions-Speetren zu entscheiden. Allerdings setzt eine solche Unter- suchung eine gewisse Gewandtheit im Gebrauche des Spectroskops und eine stete Berücksichtigung der optischen Concentration der ver- wendeten Lösungen voraus.

Da ich selbst die nöthige Schulung für die genannten spectro- skopischen Arbeiten nicht besitze, so muss ich diesen Theil der Untersuchung Anderen überlassen.

Durch diese Arbeit glaube ich jedoch wenigstens die Thatsache sicher gestellt zu haben, dass sich die Farbstoffe der Peziza aeru- ginosa und der Pseudopeziza Jungermanniae gegenüber den ver- schiedensten Materien in einer höchst auffallenden Weise gleich oder

ähnlich verhalten.

46

Diese Thatsache unterstützt aber wieder in einer beträchtlichen Weise die Ansicht jener, welche annehmen, dass der blaugrüne Farb- stoff ursprünglich der Peziza angehöre und nicht dem faulen Holze.

Wien, am 18. November 1886.

Nachschrift.

Nachdem obiger Artikel bereits abgeschlossen war, erfuhr ich von einem interessanten Culturversuch, den Herr Dr. v. Wettstein ausgeführt hat.

Derselbe fand nämlich unter der Rinde eines faulenden Bau- mes (grüntaulen?) ein grünes Mycel, welches er mit nach Hause nahm und auf einem weissfaulen Holz cultivirte.

Er erhielt aus diesem Mycel die Fruchtkörper der Peziza aeru- ginosa in erstaunlicher Menge. Während der Entwickelung der Peziza färbte sich aber auch das Substrat, das weissfaule Holz, zonenartig grün.

Durch diesen Versuch wurde festgestellt, dass der grüne Farb- stoff aus dem Mycel in ein ungefärbtes, verrottetes Holz überzutreten im Stande ist.

Da mir dieser Culturversuch in Bezug auf die oben näher ent- wickelte Discussion eine gewisse Wichtigkeit zu haben scheint, so wäre es auf jeden Fall sehr wünschenswerth, dass v. Wettstein selbst eine genaue Beschreibung desselben veröffentliche.

Alyssum calyceinum L. 8 perdurans Mihi. Von Josef Ullepitsch.

Im Juni 1. J. bemerkte ich auf einem magern steinigen Raine zwischen Rauschenbach und Pudlein schon aus beträchtlicher Ferne zwei Formen Alyssum untermischt wachsend. Die eine hielt ich vom Beginn an für Alyssum calycinum L. nur etwas hochwüchsig, 20 bis 25 Ctm.

Während diese Form steif aufrecht, mit steif emporstehenden, ziemlich dem Stengel anliegenden Blättern durchsichtige Büsche bil- dete, lag die zweite Form am Erdboden hingestreckt, mit 8 Mm. und darüber dieken und bis 50 Ctm. langen holzigen Stengeln, aus denen erst zahllose dünne, 15—20 Ctm. lange Blüthen tragende Aeste emporwuchsen.

Diese zweite Form hat nur etwas längere und breitere Blätter, die sich der Länge nach rückwärts krümmen, ja einzelne sogar kräu- seln. Aus den Blattwinkeln entwickeln sich zahlreiche neue Triebe. Im Uebrigen stimmen beide Formen mit dem typischen Alyssum calycinum, was sternförmige Behaarung, bleibende Kelche, Staub- fäden und Früchtchenform betrifft, ziemlich überein.

Nun sagen Gott sei Dank alle unsere floristischen Autoren: Alyssum calycinum sei „O*.

j

47

Die zweite Form sah ich sogleich für ausdauernd an, denn im hiesigen strengen Klima wächst keine Pflanze auf magerem Boden bis Juli zu solchen Dimensionen und noch dazu holzig! Ich über- zeugte mich ferner dieser Tage, dass der besagte Rain voll Alyssum- Blätter ist, welche, wenn auch von Schafen stark benagt, doch fröh- lich grünen, während einjährige Pflanzen Mitte November schon ab- gestorben sind.

Ein Unterschied, und ein wichtiger besteht also zwischen die- sem Alyssum und dem typischen calycinum jedenfalls, und obgleich noch Manches sicher zu stellen sein wird, namentlich wie sich aus Samen dieser Pflanze gezogene Exemplare anderwärts verhalten wer- den, so kann ich doch nicht umhin, diese nicht einjährige Pflanze Alyssum calycinum ß perdurans zu benennen.

Nach A. Scherfel wächst A. perdurans auch bei Poprad.

Kniesen, Zipser Comitat (Ungarn) 15. November 1886.

Ueber die Ursachen der Haarbildung im Pflanzenreiche,

Von Franz Krasan. (Fortsetzung.)

Im Gegensatze zu den geschilderten Vorkommensverhältnissen der Steppe und sterilen Bergheide, welch letztere Schutt oder Dolo- mitsand und Grus zum Untergrund hat, ist das Hügelland des Sau- sal schon durch den sehr ungleichmässig gestalteten Boden, seine Erhebungen und Vertiefungen in Form von Berg und Thal, Abhang, Schlucht u. dgl., ferner durch die vorherrschende Waldung, zusam- menhängendes Gebüsch etc. sehr arm an Localitäten, wo eine län-

ere intensive Licht- und Wärmeeinwirkung möglich wäre, und ein Jäher Wechsel von Licht und Dunkel, Warm und Kalt stattfinden könnte. Viel trägt jedenfalls der thonige, kieselreiche und daher feucktigkeitbindende Tertiärboden zur Ausgleichung der Temperatur- Extreme bei.

In den Mulden und auf den tiefer gelegenen Wiesengründen beobachtete ich den Thymus sehr häufig; er wächst da zwar nicht in so grosser Menge, wie auf den trocken liegenden Triften, ist aber doch ım Sausal allenthalben zu finden; allein den Phytoptus traf ich an solchen Localitäten nur sehr selten, wenigstens tritt die be- schriebene haarige Triebspitzen- Deformation nur sporadisch auf. In

leicher Weise scheint der Parasit mit seinen abnormen (pathogenen) rbildungen von den Waldwiesen und dem Bereich des Waldes

- überhaupt ausgeschlossen zu sein; auch fand ich unter solchen Vor-

kommensverhältnissen noch keine haarige Varietät des 'IThymians. Letztere bewohnt nach meinen bisherigen Beobachtungen aus-

| schliesslich die freigelegenen, der Sonne zugänglichen Abhänge, ma-

48

gere Grasplätze mit Geröll, Sand oder Schutt als Unterlage, Berg- heiden und Triften bis in die Krummholzregion, überhaupt solche Oertlichkeiten, wo sich beinahe die klimatischen Elemente der Sand- steppe geltend machen. Anhaltende hochgradige Trockniss des Bodens genügt bei Thymus nicht zur Veranlassung einer haarigen Varietät; ja es scheint, dass selbst der Phytoptus fernbleibt, wenn der Unter- grund ein tiefreichender compacter (warmer) Kalkfels ist.

Einen Beleg hiezu liefern die sonnigen, südseitig gelegenen Bergabhänge bei Gösting und St. Gotthard, nördlich von Graz. Hier tritt ein dichter, zusammenhängender Kalk der Devonformation offen zu Tage, der stellenweise dolomitisch, meist aber in mächtigen La- gen geschichtet erscheint. Er trägt seiner excessiven Trockenheit wegen, und theilweise auch wegen seiner ausgezeichneten Leitungs- fähigkeit für Wärme eine gewissermassen selbstständige Vegetation, insofern als manche sonst weit und breit nicht vorkommende Arten daselbst gefunden werden, während sich andere durch eine reich- lichere Behaarung, (wie z. B. Quercus sessiliflora, Campanula per- sicifolia, ©. glomerata, Scabiosa lueida) auszeichnen. Aber gerade der Thymian, bei dem man insbesondere eine Behaarung erwarten möchte, erscheint hier kahl: er findet sich daselbst in einer zierlichen, hochgewachsenen Form, die im Habitus an Calamintha thymifolia Rehb. erinnert; nicht einmal Wimperhaare kommen an den oberen Blättern vor, und auch von Phytoptocecidien ist bei dieser Pflanze nichts zu bemerken.

Wenn nun aber der Phytoptus selbst von denjenigen boden- klimatischen Factoren abhängig sein sollte, denen die Pflanze die Anlage zur Haarbildung verdankt, dann ist diess ja mit Hinblick auf die gegenwärtig noch herrschenden Ansichten einer Umkehrung von Ursache und Wirkung gleich. Im Obigen sind wohl einige An- deutungen gegeben, dass sich die Sache so verhalten könne; wir haben aber noch keine entscheidende Thatsache angeführt, die eine andere Auffassung ausschliessen würde.

Nicht nur viele Entartungen des Blattgewebes in Form von Randrollung, Zerfransung, sackförmiger Ausstülpung, in Form von gallenartigen Hohlauswüchsen, örtlichen Verdickungen u. dergl. mit und ohne abnorme Haarbildung werden den winzigen Gallmilben zu- geschrieben, die Cecidiologen halten vielmehr auch gewisse ungewöhn- liehe Trichome, wenn sie nämlich in dichten Rasen an der Blatt- fläche oder am Stengel, den Achsentheilen des Blüthenstandes etc. sich zeigen, also keinen gleichmässigen Haarüberzug an der Pflanze bilden, für ein Erzeugniss des Phytoptus. Man nennt diese Erschei- nung Phyllerium oder auch Erineum. Die meist fleckenartig und sporadisch auftretenden Trichom-Rasen liegen in einzelnen Fällen, namentlich wenn sie klein sind, in beckenförmigen Vertiefungen der Blattlamina, gewöhnlich unterseits. Man kann solche mit dem Eri- neum ausgefüllte Vertiefungen als die primitivste Form der Beutel- gallen betrachten.

a a nd u ee

N 7

49

Es ist aber wohl zu beachten, dass nur in den wenigsten Fällen angegeben wird, ob in dem Erineum Gallmilben vorgefunden wurden: sehr oft wird ein Ceeidium per analogiam den durch den Phytoptus erzeugten Missbildungen beigezählt. Die Angaben sind in dieser Be- ziehung nur zu oft einer Ergänzung bedürftig, da es wünschenswerth ist, wenigstens zu constatiren, ob nach diesem oder einem anderen muthmasslichen Erzeuger gefahndet wurde.

Ich habe bisher in dem Phyllerium von Vitis vinifera, Alnus glutinosa, Tilia parvifolia, Geum urbanum, Salvia pratensis, Poten- tilla arenaria Borkh. und P. opaca L. (P. verna Aut. plur.), sowie auch bei Campanula caespitosa viel nach Gallmilben gesucht, aber stets vergeblich, wiewohl ich durch dauernde Uebung im Suchen und Schauen solcher Objecte den Parasiten stets bald und leicht be- merkte, wo er vorhanden war, wie z. B. in den deformirten Trieb- spitzen von T’hymus montanus W.K., humifusus Bernh., Origanum vulgare, Campanula Trachelium, Helianthemum vulgare, ferner in den entarteten Knospen von Corylus Avellana und in den theils warzenförmigen, theils hornförmigen Hohlgallen (Cephaloneion und Ceratoneion) von Acer campestre, A. Pseudoplatanus, Prunus spi- nosa, Pr. domestica, Viburnum Lantana, Tilia parvifolia, Alnus in- cana. Ich kann daher getrost aus dem negativen Ergebnisse der von mir vorgenommenen Untersuchungsfälle den Schluss ziehen, dass die Phyllerien, die mir vorgelegen sind, den muthmasslichen Parasiten nicht enthielten.

In allen Fällen, wo ein Phytoptus vorhanden ist, kommt er in grösserer Individuenanzahl vor und hinterlässt in den oberflächlichen Fressgängen in den Höhlungen der von ihm befallenen Pflanzentheile unverkennbare Spuren, so dass man auch dann, wenn die Thierchen ausgewandert sind oder von vagabundirenden grösseren Milben ver- zehrt wurden, noch immer ein früheres Vorhandensein des Parasiten zu constatiren vermag. In dem Phyllerium der oben genannten Pflanzen, an denen ich keine Gallmilben aufzufinden vermochte, be- merkte ich auch nie eine Verletzung der Epidermis unter den Eri- neum-Haaren.

Betrachtet man aber z. B. die Blätter des Weinstocks nach einem Frost, wie er heuer den 8. Mai (1886) die Vegetation in den öster- reichischen Alpenländern in ihrer schönsten Entfaltung überraschte, so wird man daran eine eigenthümliche blasige Runzelung wahr- nehmen. Den blatterförmigen Auftreibungen der oberen Blattfläche entsprechen natürlich auf der Unterseite ebenso viele Vertiefungen, und jede derselben ist mit einem dichten, anfangs weissen, später bräunlichen Haarfilz ausgefüllt. Es gelang mir jedoch nie, Thierchen darin zu entdecken, denen diese abnorme Haarbildung zugeschrieben werden könnte. Wo die Runzeln sehr häufig sind und dicht beisam- menstehen, fliessen die Haarflecke zusammen, das Blatt hat durch die vielfuchen ungleichmässigen Verbiegungen der Lamina ein krank- haftes Aussehen. Es ist dieses Phyllerium unter dem Namen „Filz- kranklieit des Weinstocks“ bekannt.

50

Eine ganz ähnliche Erscheinung zeigt sich unter solchen Um- ständen auf den Blättern von Tilia parvifolia. Die einzelnen Tri- chome sind wie bei Vitis vinifera anfangs schnörkelförmig gekrümmt, von Saft strotzend, und werden später braun. Denselben äusseren Ursachen scheint auch das Phyllerium auf Geum urbanum und Salvia pratensis seine Entstehung zu verdanken, denn auch da tritt in Folge intensiver Frosteinwirkung stellenweise eine Art blasige, oberflächlich besehen, warzig erscheinende Aufstülpung der Blatt- fläche auf, in deren rückseitigen Vertiefungen die Erineum-Rasen sichtbar werden, nur sind bei Salvia solche Unebenheiten der oberen Blattfläche viel zahlreicher und unregelmässiger: neben grösseren stehen kleinere und dazwischen ganz winzige Wärzchen gehäuft, die dem Blatte ein eigenthümliches, blatteriges Aussehen verleihen, und wovon sie sich oberseits körnigrauh anfühlen.

Ueberhaupt ist es eine der gewöhnlichsten Wirkungen des Frostes bei Pflanzen, dass ihre Blätter hierdurch in zahlreichen Fällen eine epinastische Aufstülpung der Blattfläche erfahren, nur sind nicht alle Arten gegen dieses Agens gleich empfindlich, ja an demselben Baume kann man häufig genug die verschiedensten Grade der Reizbarkeit dem Frost gegenüber beobachten. Schön zeigt sich die Epinastie der Blattfläche sehr oft bei Quercus-Arten, doch am kıäftigsten reagiren in der bezeichneten Weise die Blätter derjenigen Aeste und Zweige, welche in den Vorjahren durch Insecten (Raupen, Maikäfer) entlaubt worden sind: der hierdurch indueirte Krankheits- zustand hat eine grössere Empfindsamkeit der betroffenen Pflanzen- theile zur Folge. Bei der Eiche ist die Epinastie des Blattes eine gleichmässige: die ganze Lamina wölbt sich nämlich an der Ober- seite mehr oder weniger; bei Geum urbanum aber zerfällt sie in mehrere grössere Wölbungen und bei Salvia pratensis in eine Un- zahl kleinerer und grösserer Ausstülpungen, von denen sich die mei- sten kaum mehr als deutliche Convexitäten zu erkennen geben.

Doch nicht immer trägt die Concavseite der Runzel ein Eri- neum oder Phyllerium; bei @Quercus fand ich es sehr selten, bei Sambucus nie, bei Rubus dagegen immer; und nicht nur das: meist pflegt bei dieser letzteren Gattung dem Phyllerium der Concavseite ein dünneres, zarteres der Convexseite zu entsprechen, so dass es den Anschein hat, wie wenn der Haarfilz der Unterseite des Blattes oben durchgeschlagen hätte. In einem solchen Falle ist das Blatt stark gewölbt (epinastisch), am Rande mehr oder weniger eingerollt.

Am häufigsten habe ich das Phyllerium rubi an einer Brom- beerart gefunden, welche sich den Merkmalen nach zwischen Rubus bifrons Vest und R. hybridus Kit. stellt, seltener bei R. hybridus selbst. Auch .R. suberectus Anders. erscheint häufig mit dem Haar- filz behaftet, doch kenne ich selbst nur einige Fälle von der nörd- lichen Terrasse unter dem Rainerkogl bei Graz; das erstere ist aber durch ganz Mittelsteiermark, wie es scheint, verbreitet, denn es sind Be Sich Localitäten bei Graz und Leibnitz bekannt, wo es reichlich vorkommt.

Zi (u A te re u

ol

Vergeblich suchte ich auch hier nach Phytoptus: es zeigten sich an den zahlreichen, von mir mit Loupe und Mikroskop untersuchten Erineen weder zwischen den Haaren, noch an der Epidermis (die ich stets unverletzt fand) Spuren dieses Parasiten; den vagabundi- renden oder ambulanten Milben, welche so häufig, doch stets ein- zeln, an dem Phyllerium herumkriechen, kann aber entschieden die Erzeugung des Haarfilzes nicht zugeschrieben werden, denn diese Thierchen suchen entweder die klebrigen Ausscheidungen der Haare, von denen sie sich, wie mir scheint, theilweise ernähren; oder sie greifen andere Thierchen an: gewiss können sie weder durch Ste- chen, noch durch Annagen die Epidermis und das darunter befind- liche Zellgewebe verletzen, da ihre Mundtheile nicht darnach einge- richtet sind.

Manche Rubus-Blätter sind, sowie gewisse Stengeltheile, ganz gleichmässig mit dem Erineum überzogen, das im Wesentlichen so aussieht wie eine dichte, normale (sammtartige oder filzige) Behaa- rung; und dennoch ist es wenig wahrscheinlich, dass auf diesem directen Wege, nämlich durch allmälig intensiver werdende Erineum- bildung, eine neue, dichter behaarte Varietät der Mutterspecies ent- stehe; denn es fehlen wirkliche gleichmässige Uebergänge zu einer stabilen Form von der erwähnten Eigenschaft, so nämlich, dass an der Pflanze das reichlichere Haar gleichförmig vertheilt wäre. Dagegen halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass Individuen, welche durch längere Zeit vom Phyllerium befallen waren, aus ihren Samen reichlicher behaarte, vielleicht auch sonst irgendwie von der gewöhnlichen Form abweichende Pflanzen hervorbringen, was aller- dings erst durch Culturversuche zur Gewissheit gemacht werden könnte. In jedem Falle möchte ich jedoch dem Phyllerium selbst nur eine symptomatische Bedeutung beilegen: die nächste äussere Ursache des Entstehens einer haarigen (resp. dichter behaarten) Form wäre in jenen klimatischen Einflüssen zu suchen, welche das Phyl- lerium bedingen.

Bei R. suberectus beobachtete ich zwei Jahre nach einander (1885 und 1886) an derselben Stelle das Phyllerium im Frühjahr und Herbst: es tritt sowohl an den Schösslingen, als auch an den fruchtbaren Stämmen auf, und zwar meist so, dass ein und der an- dere Blüthenzweig in seinen Achsentheilen dicht behaart erscheint, während die übrigen kahl sind; oder es sind ein oder zwei kahl, die übrigen aber behaart. An den Blättern, welche augenscheinlich im vergangenen Frühjahre durch Frost gelitten haben, daher run- zelig und durch gelbliche Flecke gezeichnet sind, erscheint das Phyl- lerium an der Unterseite derselben in Form kleiner, weisslich schim- mernder Haarräschen.

Durch das Alterniren von kahlen und dichthaarigen Blüthen- zweigen auf demselben Stamme zeigt das Phyllerium des R. sub- erectus grosse Aehnlichkeit mit einer ganz analogen Triehomerschei- nung bei Populus tremula. Heuer habe ich bei Graz und im Wein-

52

gebirge des Sausal bei Leibnitz Gelegenheit gehabt, solche Gebilde nieht nur zu constatiren, sondern auch auf ihre nächsten äusseren Ur- sachen zurückzuführen.

»|@le|

o| =

10.

(Schluss folgt.)

Rhamni Hungariae.

Autore Dr. Vincentio de Borbäs.

. Cervispina Dill. foliis et ramulis oppositis, raro alternis, poste- 2

rioribus spina terminatis Ramuli alterni, inermes 10

. Petiolus stipulis eito deciduis duplo longiores 3

Petiolus stipulis aequilongus. Frutices humiles, spinosissimi 7 4

. Folia alterna

Folia opposita, rima seminum clausa 5

. „Foliis fasciculatis, oblongo-spathulatis, obtusiusculis erenulatis,

puberulis* (Caucas.) —= Rhamnus spathulaefolia Fisch. et Mey. „Foliis alternis, utringue pubescentibus, e basi cuneata ovalibus, argute serrulatis, reticulato venosis“ (Hercegov.) = BRhamnus Ülyrica Gris.

. Folia pubescentia, frutex altior, aut arbuscula —= Rh. cathar-

tica L. Frutex humilis 6

. Folia fere rotunda, non aut breviter solum acuminata, cum pe-

tiolis utringue glabra, argutius serrata, serraturis magis curvatis (Fiume, Vratnik) = Rh. cathartica var. leiophylla Borb. Erdesz. Lap. 1885, p. 703.

Folia oblonga vel obovata, basin versus longe atque cuneato- attenuata, apice breviter acuminata, subtus cum petiolis pube- scentia (Leopoldifeld ad Budam ©) Kh. sphenophylla Borb. 1885 1. c.

. Rima seminum clausa Rh. infectoria L.

Rima seminum hians

. Folia parva, albicanti-viridia, orbicularia vel obovato-subrotunda,

glabra, dense atque minute crenata. (Von Fiume bis Carlopago, dann in Dalmatien häufig, sowie in Calabria orient. [Huter exsicc. ex itin. Ital. III, nr. 312]) = Eh. intermedia Steud. et Hochst. (Rh. infectoria Vis. cum icone!)

. „Frutex humilis, ramosissimus, saepe decumbens* etc. (Lubitko

bedo bei Ostaria) —= Rh. sawatilis L

Frutex erectus, ramis et foliis pubescentibus (Torda, Brassö, Krassö-Szöreny, Klausenburg, Syrmien etc.) = Rh. tinctoria W. Kit. (Rh. infectoria var. pubescens Gris.)

Flores dioiei, tetramerieci 11 Frangula Tournef. Flores hermaphroditi, pentameriei 14

93

11. Alaternus Tournef. Frutex sempervirens —= Rh. Alaternus L.

Eurhamnus Koch. Frutices foliis autumno deciduis 2

12. Frutieulus pumilus caule ramisque prostratis etc. (Klek, Risnyäk) Rh. pumila L.

Frutex 2—3 Met. altus, nervis foliorum lateralibus pluribus (10—20)

13. Foliis oblongo-lanceolatis magnis, illis Carpini similioribus, ner- vis lateralibus, 15—20. Stylus fere ad basin tripartitus. (Risnyäk, Li®, Zlobin, Visenura etc.) = Rh. carniolica Kern.

Foliis elliptieis, mediocribus, illis Alnz similioribus, nervis late- ralibus utrinque 10—14. Stylus trifidus Rh. alpina L.

14. Folia integerrima Rh. Frangula L.

Folia erenato-serrata subrotunda Rh. sawatilis Scop.

Ich habe diese Arten aus der Literatur besonders zum Unter- schiede der Rh. sphenophylla zusammengestellt. Ah. spathulaefolia, Rh. illyrica und Rh. alpina habe ich hier nur der Vergleichung wegen aufrenommen. Rh. alpina wird in Siebenbürgen angegeben, aber ich sah sie von dort bisher nicht. Auch Rh. infectoria blieb mir zweifelhaft. Ich sah sie aus Beziers; diese hat kahle Triebe, die Nebenblätter sind so lang, wie der Blattstiel, das Blatt ist ellip- tisch, an der Basis nicht keilförmig, an den Nerven behaart, aber es scheint endlich kahl zu werden. Die Furche des Samens ist schmal geöffnet. Dieses Exemplar Theveneau’s ist übrigens unserer Rh. tinctoria sehr ähnlich. Ich konnte aber nur wenige französische Exemplare untersuchen.

Die Rhamnus-Arten sind pflanzengeographisch erwähnenswerthe Sträucher. Die Rh. tinctoria bildet bei Kamenitz im Syrmier Comi- tate ganze Gebüsche (L. Zorköczy). Es ist merkwürdig, dass die- jenigen Arten eines Genus sowohl an magerem Sandboden, als am steinigen Karste vorkommen und daran arbeiten, dass endlich der Boden sich verbessert. So finden wir z. B. Rh. cathartica und Rh. tinctoria auf den Sandpuszten des Temeser Comitates häufig, wo sie den losen Sand so färben, als wäre er mit schwarzer Tinte be- spritzt. Häufiger und mehr vielgliederig sind die Rhamnus-Arten am Karste, und passen sie hier zu der dornigen Vegetation sehr gut. In den unteren Regionen ist Z&h. intermedia, Rh. rupestris häufig, die Rh. cathartiea var, leiophylla seltener, in den höheren Regionen ist Rh. carniolica häufiger, dh. sawatilis seltener, aus den Rissen der Felsen kommt aber die Ah. pumila hervor. Die Rhamnus-Arten sind sehr zu schätzende Sträucher, obgleich sie uns wenig direeten Nutzen geben. Sie sind sowohl auf dem Sande, als auch im steinigen Gebirge die Vorgänger der Wälder und bereiten den wohlthätigen Waldboden vor. Es ist sehr bemerkenswerth, dass auf den ungarischen Sandpuszten und dem steinigen Karstgebieto dieselben oder nahe verwandte Arten. derselben Gattung nützlich wirken.

N

=

54

Beiträge zur Kenntniss der Bergalgenflora Böhmens, Von Dr. Anton Hansgirg in Prag.

(Fortsetzung.)

Die Algenflora der Hügelregion Böhmens ist von mir am besten in der näheren und weiteren Umgebung von Prag durchgeforscht worden. Im Laufe der letzten drei Jahre habe ich die algologisch interessantesten Localitäten in diesem Gebiete von Davle bis gegen Kralup in der Moldau, von Radotin bis hinter Zbe@no an der Beraun meist wiederholt besucht, um ihre, von anderen Botanikern bisher vollständig vernachlässigte Algenflora näher zu untersuchen.

Ausserdem habe ich auch von der begrenzten Verbreitung dieser, die wärmsten Lagen des Moldau- und Beraunthales charak- terisirenden Hügelalgenflora mich dadurch zu überzeugen gesucht, dass ich das angrenzende silurische Gebiet, insbesondere das Brdy- Gebirge von Königsaal an der Moldau bis gegen Dobris, Pribram, Breznic, Horowic, Königshof und Beraun, sowie das hügelige Terrain entlang die Buschtöhrader Eisenbahn von Prag bis Unhoscht, Svarov und Podkozi, der Prag-Duxer Bahn von Prag bis Kovar und Kole& und die ganze Landstrecke von Prag entlang die k. k. Franz Josephs- Bahn bis gegen PiSeli an der Sazawa und von da am Ufer dieses Flusses bis zur Stadt Sazawa in Bezug auf die Algen schon theil- weise durchgesucht habe. ')

Die algologisch interessantesten Localitäten des silurischen Hügelterrains in der Prager und Berauner Umgebung, deren Algen- flora ich näher kennen gelernt habe, sind folgende: Feuchte Kalk- steinfelsen, Quellen und Bäche bei Hlubotep, bei St. Prokop („V Dalejich“), im Chote&-Thal bis gegen Radotin, Waldquelle und Teich oberhalb Kuchelbad, feuchte Felsen, Schluchten, Quellen, Bäche ete. an beiden Ufern der Moldau bei Podhor, Sele, Roztok, Brnky, Klecanky, Zalov, Podmorah, Lettek, Rez, Vetrusic, Dolan, Dolanky und Chwaterub, ebenso im oberen Moldauthale bei Zawist, Brezan, Wran, Zwol bis gesen Davle hin; desgleichen am Ufer der Beraun bei Cernosic, V3enor, Revnic, Budnan, Karlstein, St. Ivan, Tetin, im Suchomaster-Thal bei Königshof, bei Zbeöno und Pürglitz.

An diesen soeben genannten Localitäten des silurischen Hügel- gebietes sind folgende seltene, dieser Region fast ausschliesslich eigene, blaugrüne Algen (Phycochromaceen) verbreitet. *)

*) Die Algenflora des ganzen Brdy-Gebirges, insbesondere in höher gelegenen, den scharfen Nord- und Nordostwinden preisgegebenen Lagen, sowie an den bewaldeten Felsabhängen der weiteren Prager Umgebung ist verhältnissmässig arm; die interessantesten Vertreter der Hügelalgenflora der wärmeren Lagen des Moldau- und Beraunthales fehlen in höheren Lagen des Brdy-Gebirges gänzlich oder treten nur ausnahmsweise und in geringer Menge auf.

?) Die im nachfolgenden Verzeichniss angeführten Algenarten sind alle, mit Ausnahme der bisher bloss auf dem Riesengebirge und zwar hart an der böhmischen Grenze von Rabenhorst, Kirchner, Schröter u. A. beobachteten mit * bezeichneten Algenformen vom Verfasser in Böhmen gesammelt, resp. für Böhmen als neu constatirt worden.

ee

39

1. Stigonema Bouteillei (Breb. et Desmaz. nob. Sirosiphon Bou- teillei Breb. et Desmaz.), bisher bloss an feuchten Kalksinterblöcken nächst Kuchelbad mit Scytonema aerugineo-einereum Ktz. und ver- schiedenen seltenen Chroococcaceen.

2. Scytonema myochrous Ag., an Felsen zwischen Selc bis Chvaterub nächst Kralup auf etwa 30 Standorten stellenweise massen- haft; kommt auch an silurischen Kalksteinfelsen bei Slichow, St. Prokop, im Chote&-Thale, bei Karlstein, St. Ivan, an den Felsen gegenüber Srbsko und bei Tetin nächst Beraun, im Suchomaster-Thal bei Königshof und am Urkalk bei Krummau, jedoch viel spärlicher als im Moldauthal vor; ist auch in der Berg- und Hochgebirgsregion Böhmens noch stellenweise, jedoch seltener als im Moldau- und Beraunthal verbreitet.

3. Scytonema elavatum Ktz. und S. alatum (Berk.) Bzi (Artho- siphon alatus Rth. incl. A. Grevillei Ktz.) sind mit der vorigen Scytonema-Art, deren Varietäten sie sind, hie und da, z. B. an den Moldaufelsen gegenüber LibSic und Chvaterub vorzufinden; 8. clavatum Ktz. kommt auch bei Krummau vor.

4. Sceytonema ocellatum Lyngb. bei Radotin und Karlstein im silurischen Gebiet; auch bei Sauerbrunn nächst Bilin.

5. Calothriw parietina (Näg.) Thr. (Schizosiphon parietinus Näg. incl. S. rufescens Ktz.) im Moldauthale zwischen Wran bis Chwaterub an etwa 45 Standorten, ebenso an Kalksteinfelsen bei Hlubotep, St. Prokop, Karlstein, St. Ivan etc. Auch bei Pürglitz und Krummau. In den Grenzgebirgen als var. pluvialis (A. Br.) (Masti- gonema pluwviale A. Br.) bis in die höchsten Lagen hinaufsteigend.

6. Inactis fluviatilis (Ktz.), Krch. (Euactis fluviatilis (Ktz.), Zonotrichia fluviatilis Rbh.), bisher blos auf feuchten silurischen Felsen bei Sele, gegenüber Libsit und bei Dolanky an der Moldau.

7. Nostoc muscosum Ag. auf feuchten Felsen zwischen Sele bis Chwaterub stellenweise, z. B. gegenüber Lib$ie und bei Chwaterub reichlich.

8. Nostoc rupestre (Ktz.) im ganzen oben bezeichneten silurischen Hügelterrain gemein; var. ß. linguaeforme nob. mit der typischen Form am Urkalk bei Krummau. Diese Nostoc-Art kommt nicht selten auch noch in den beiden höheren Regionen vor.

9. Microcoleus monticola (Ktz.) nob. (Chthonoblastus monticola Ktz.) Auf feuchtem, kalkhältigem Lehmboden und an nassen Felsen- detritusablagerungen an und unter den Felsen im Moldau- und Be- raunthale ziemlich häufig verbreitet.

10. Inactis tornata Ktz. em. Thr. und Inactis fascieulata Grun’ Auf Steinen und Felsen in klaren Gebirgsbächen und Waldquellen der silurischen Hügelregion, vorzüglich im Gebiete der Kalkstein- felsen, so bei Kuchelbad, Karlstein, auch in reinen, in die Moldau fliessenden Bächen von Sele bis Chwatörub nächst Kralup stellen- weise massenhaft. Auch noch in höheren Gebirgslagen, so z. B. ın Bergbächen bei Bakov, Eisenbrod und Weisswasser.

11. Luyngbya foveolarum (Mout.) nob. (Leptothriw foveolarum

56

Mont.) meist mit der sehr variablen Lyngbya caleicola (Ktz.) nob. (Leptothrix caleicola Ktz.) auf feuchten silurischen Kalksteinfelsen bei Hlubolep, St. Prokop, Karlstein ete. nicht selten. Beide sind aber auch auf kalkhältigen Felsen und Mauern fast im ganzen Lande zerstreut.

12. Lyngbya lateritia (Ktz.) Kreh. (Hypheothrix lateritia (Ktz.) in verschiedenen Varietäten, insbesondere als var. rosea (Ktz.) Rbh. (Lephotriw rosea Ktz.), var. subtilis (Ktz.) Rbh. (Hypheothrie subtilis Ktz.), var. calearea (Näg.) Rbh. (Hypheothrie calcarea Näg.) auf feuchten kalkhältigen Felsen im Moldau- und Beraunthale etwa auf 50 Standorten verbreitet und stellenweise (besonders als var. calcarea) weit ausgebreitete, tapetenartige Ueberzüge auf feuchten Felsen bildend.

13. Lyngbya dubia (Näg.) nob. (Hypheothrie dubia Näg.) wie vorige, doch weniger häufig.

14. Lyngbya Regeliana (Näg.) nob. (Hypheothrie Regeliana Näg.) bisher bloss auf feuchten, schattigen Kalksteinfelsen an der Beraun gegenüber Srbsko und wieder am Urkalk bei Krummau an beiden Orten auch als var. calotrichoides nob.

15. Lyngbya nigrovaginata nob. Diese Lyngbya-Form, deren Scheiden im lebenden Zustande meist dunkelviolett, an getrockneten Exemplaren schwarzviolett oder braunschwarz gefärbt sind, kommt an feuchten kalkhältigen Felsen gegenüber LibSic und an Kalkstein- felsen an der Westbahn gegenüber Srbsko nächst Beraun vor.

16. Lyngbya Joanniana (Ktz.) nob. (Phormidium Joannianum Ktz.) ist auf feuchtem, kalkhältigem Boden an und unter den siluri- schen Felsen im Moldau- und Beraunthale nicht selten, meist mit Microcoleus monticola; auch am Urkalk bei Krummau. Seltener an einigen anderen Stellen in der Hügel- und Bergregion Böhmens.

17. Chamaesiphon Rostafinskü nob. Diese von Rostafinski als Sphaerogonium gracile beschriebene '), im Tatragebirge unter einem Wasserfall zuerst beobachtete Chamaesiphon-Art, deren Namen, weil schon früher von Rabenhorst ein Ohamaesiphon gracilis pu- blieirt wurde, ich in Ch. Rostafinskii umgeändert habe, fand ich auch in einer var. minor nob. in einem Felsenbrunnen bei St. Prokop auf untergetauchten Kalksteinen und auf den an diesen festsitzenden Cladophoren und Oedogonien.

18. Allogonium Wolleanum nob. (Chroodactylon Wolleanum nob. Asterocytis Wolleana [Hansg.] Lagrh.) ?*) Auf feuchten Felsen bei

alow nächst Roztok, gegenüber LibSic und bei Chwaterub an der Moldau; auch noch bei Pürglitz an der Beraun.

19. Chroothece rupestris nob. Meist mit der vorigen Alge,

so bei Chwaterub und gegenüber Libsic, auch bei Kuchelbad.

‘) Rozprawy akad. umiej. w Krakowie, 1883, p. 294.

°) Mehr über die Gattung Allogonium Ktz. (Asteroeytis Gobi, Chroo- dactylon Hansg., Callonema Reinsch ex p., Goniotrichum Ktz. ex p., Hormo- spora Breb. ex p.) wird mit der Beschreibung einer neuen Allogonium-Form (A. halophilum nob.) an einem anderen Orte demnächst veröffentlicht werden.

57

Von anderen Chroococeaceen kommen im oben bezeichneten silurischen Hügelgebiete am häufigsten folgende submontane und montane Formen vor: 20. Aphanothece saxicola Näg., 21. Aphano- thece pallida (Ktz.) Rbh., 22. Gloeocapsa ambigua a) fuscolutea Näg. und b) violacea Näg., 23. Gloeocapsa nigrescens Näg., 24. @l. alpina Näg. auch als var. sawicola (Wartm.) Rbh. (@l. sawicola Wartm.), 25. @l. janthina Näg.. 26. Gl. Kützingiana Näg., 27. GI. ocellata Rbh., 28. @l. aurata Stiz. var. alpicola Brügg., 29. @l. mierophthalma Ktz., 30. @l. coracina Ktz., 31. Gl. atrata Ktz., 32. @l. aeruginosa (Carm.) Ktz. und &. dermochroa Näg., 33. Aphanocapsa brunnea Näg., 34. A. montana Cram. meist als var. micrococca Cram., 35. Chroococcus helveticus Näg. auch in den Formen var. aureofuscus nob. und var. au- rantiofuscescens nob., 36. Chr. pallidus Näg., 37. Ohr. twricensis (Näg.) (Ohr. rufescens |Breb.] Näg.), b) turicensis Näg., 38. Chr. auran- tiofuscus (Ktz.) Rbh.

Viele von den soeben genannten Chroococcaceen, insbesondere Chroococeus aurantiofuscus, Chr. pallidus. Chr. helveticus, Aphano- capsa montana, Gloeocapsa coracina, Gl. aeruginosa, Gl. nigrescens, Gl. aurata, u. a. kommen jedoch meist in Gesellschaft der mit ihnen im genetischen Zusammenhange stehenden fadenförmigen Phyco- chromacseen-Formen, z. B. Nostoc rupestre, Calothriw parietina, Scytonema myochrous u. a. auch noch im übrigen Hügellande, in den Vorgebirgen und selbst noch in den höchsten Grenzgebirgen Böhmens stellenweise vor; nur einige wenige von diesen einzelligen Algen sind auch noch in tieferen Lagen (in der Ebene) Böhmens ausnahmsweise verbreitet.

Von den chlorophyligrünen Algen sind in der wärmsten Hügel-

‚region Böhmens bisher nur verhältnissmässig wenige von mir gesam-

melt worden, welche ich nicht auch in den höher gelegenen Regionen Böhmens angetroffen hätte. Von diesen bisher ausschliesslich in der Region der Hügel gesammelten seltenen Chlorophyceen sind beson- ders folgende hervorzuheben: 1. Vaucheria de Baryana Wor. von Kuchelbad nächst Prag, 2. Oedogonium rufescens Wittr. f. von feuchten Felsen gegenüber Libic, 3. Mougeotia calcarea (Clev.) Wittr. auf feuchten kalkhältigen Felsen im Moldau- und Beraunthale, 4. Dys-

phynetium pusillum nob., und D. notabile (Breb.) nob. (Cosmarium

notabile Breb.), 5. D. curtum (Breb.) Reinsch, (Cosmarium curtum (Breb.) Ralfs., auch als var. Regelianum (Rbh.) nob. ( Dysphynetium Regelianum Näg.) und var. ewiguum nob., 6. Cormarium holmiense

Lund. auch als var. minus nob. und var. integrum Lund., 7. Cos.

anisochondrum Nord. var. laeve nob., 8. Cos. protuberans Lund.

Neben diesen Chlorophyeeen sind in der silurischen Hügelregion auch noch folgende interessante chlorophyligrüne Algenarten ver- breitot, welche ich jedoch theils auch in der Bergregion, theils in anderen Theilen des Hügelterrains von Böhmen mehrfach vorgefun- den habe: 9. Chlorotylium cataractarum Ktz. (inel. Ch. inerustans Reinsch.), 10. Oladophora sudetica Ktz., 11. ©. declinata Ktz., 12. €.

+)

Oesterr. botan, Zeitachrift. 2, Heft 1887,

58

glomerata (1,.) Ktz. in verschiedenen Formen, 13. Rrhizoclonium fon- tinale Ktz., 14. Oonferva fontinalis Berk., 15. Oocystis solitaria W ittr. var. rupestris (Kreh.) nob. (Oocystis rupestris Krch.)

(Schluss folgt.)

ET 7 N ERLEBEN

Teratologisches, Von Dr. Ed. Formänek.

Auf meiner vorjährigen Ferienreise fand ich in der Gegend von Ung.-Brod abnorm entwickelte Blüthen von Trifolium pratense L. und Campanula trachelium L., welche eine interessante Vergrünung der inneren Blüthentheile zeigten und die Rückbildung der einzelnen Blumenblattkreise in Blätter deutlich erkennen liessen.

Aehnliche Wachsthumsverhältnisse treten mitunter bei den Rosaceen d. Z. 1883, pag. 178, und 1885, pag. 46, auf, dürften jedoch bei den oben angeführten Pflanzenfamilien nur in selteneren Fällen zu Stande kommen. Im Nachfolgenden die am Standorte von frischen Pflanzen abgelesenen Beschreibungen der einzelnen Fälle.

Trifolium pratense L. Am Wege zur Lysä hora bei Ung.-Brod. Sämmtliche Blüthen gestielt, Blüthenstiele 6 Ctm. lang, Krone regel- mässig, Pistill in ein verkehrteiförmiges, spitzgezähntes, in eine kurze Granne auslaufendes Blatt, dessen Blattstiel 2°4 Ctm. beträgt, um- gewandelt.

Campanula trachelium L. Im Walde unterhalb der Jaworina bei Strany. Blumenkrone regelmässig, die fünf Antheren tragen die Form von getrenntblätterigen Blumenblättern und sind einer Neben- krone, wie wir sie bei Narecissus poeticus L. sehen, jedoch mit dem Unterschiede, dass erstere unterbrochen ist, nicht unähnlich.

ii

Zur Flora von Pondichery. Von A. Heimerl.

Vor einiger Zeit erhielt ich von Herrn Prof. Kornhuber eine Sammlung ziemlich gut erhaltener tropischer Pflanzen zur Bestim- mung, welche aus der Umgebung von Pondichery herstammen und im Jahre 1867 auf der Pariser Weltausstellung in der Ausstellung der Colonialprodukte figurirten, dann der Sammlung der k. k. tech- nischen Hochschule in Wien geschenkt wurden.

Ich lasse nun in systematischer Reihenfolge die bestimmten Arten folgen und bemerke, dass in den meisten Fällen durch Ver- gleich mit den im Wiener Hof-Museum befindlichen, vom Museum in Kew ausgegebenen indischen Pflanzen die richtige Bestimmung gesichert werden konnte.

59

Filices: Ceratopteris thalietroides Brongn., Actinopteris radiata Link.

Commelinaceae: Commelina communis L., Aneilema spiratum R. Br., Cyamopis awillaris Lm. Dioscoreae. Dioscores bulbifera L. und pentaphylla L.

Piperaceae. Piper spec. Nycetagineae. Boerhavia repanda Willd.

Amarantaceae. Aerva Monsoniana Mocq., Alternanthera sessilis R. Br.

Compositae. Emilia sonchifolia DC., Blumea spec.

Lobeliaceae. Lobelia trigona Roxb. Campanulaceae, Sphenoclea zeylanica Gärtn.

Rubiaceae.

Spermacoce hispida L., Canthium parviflorum Lam.; Hedyotis Burmanniana R.Br., Heynii W. A., racemosa W. A., articularis R. Br., umbellata Lam.; Oldenlandia dichotoma Koen., Stylocoryne Webera A. Rich.

Oleaceae.

Jasminum angustifolium \ahl.

Apocyneae. Finca parviflora Roxb. und rosea L.

Labiateae. Orthosiphon diffusus Benth.

| Verbenaceae, Duranta Plumieri Jacq. (eult.), Symphorema involueratum Roxb.

Boragineae. Heliotropium supinum L., Cordia spec.

Convolvulaceae. Ipomoea pes tigridis L.

Hydrophylleae. Hydrolea zeylanica Vahl.

Scrophularineae, Stemodia viscosa Roxb., Limnophila gratioloides R. Br., Bon- naya brachiata Link et Otto, Striga lutea Lour. 5*

60

Loganiaceae.

Buddleia asiatiea Lour.

Acanthaceae.

Dipteracanthus patulus N. v. E., Blepharis boerhawiaefolia Pers., Crossandra axillaris N. v. E., Rostellaria difusa N. v. E., Spathodea spec.

Myrsineae.

Maesa indica Wall.

Sapotaceae.

Bassia longifolia L., Mimusops Elengi L. Styraceae. Symplocos spieata Roxb. Vaceinicae. Vaceinium Leschenaultii Wight.

Umbelliferae. Bupleurum mucronatum W. A. Araliaceae.

Aralia spec. Loranthaceae.

Viscum orientale DC. und orbiculare Wight, Loranthus longi- forus Wight. Ranunculaceae.

Thalictrum glyphocarpum W. A. Capparideae.

Oleome monophylla L., Capparis sepiaria L. Droseraceae.

Drosera Burmanni Vahl. und peltata Sm.

Ficoideae.

Trianthema erystallina Vahl, Glinus lotoides L., Mollugo Sper- gula L. und nudicaulis Lam.

Portulaccaceae. Portwacca tuberosa Roxb.

Caryophyleae. Polycarpaea corymbosa Lam.

Malvaceae. Urena sinuata L., Hibiscus (vitifolius?) Sida humilis Willd. und cordifolia L. Sterculiaceae. Sterculia foetida L., Guazuma tomentosa Kth., Pterospermum suberifolium Lam.

61

Tiliaceae. Corchorus acutangularis Lam., Grewia laevigata Vahl und asiatica L., Elaeocarpus spec. Ternstroemiaceae. Gordonia obtusa Wall. Guttiferae. Calophyllum inophyllum L. Olacineae. Ola» scandens Roxb. Sapindaceae. Sapindus trifoliatus L. Celastriuneae. Gymnosporia emarginata Roth. Rhamneae. Scutia indica Brongn. Euphorbiaceae. Jatropha gossypüfolia L. und glandulifera Roxb., Ricinus in- ermis Jacq., Phyllanthus spec.

Geraniaceae, Biophytum sensitivum DC. Combretaceae. Combretum ovalifolium Roxb. (?) Onagraceae. Laudwigia parviflora Roxb. Lythraceae. Ammania salieifolia Monti. Melastomaceae. Memecylon edule Roxb. Myrtaceae. Eugenia Jambolana Lam. Leguminosae.

Orotalaria nana Burm., medicaginea Lam., biflora L., Willde- nowiana DÜ.; Indigofera viscosa Lam. und enneaphylla L.; Tephro- sia mazeima Pers., difusa W. A., villosa Pers.; Sesbania aegyptiaca - Pers., Zornia diphylla Pers., Stylosanthes mucronata Willd., Aeschy-

nomene indica L., Desmodium biarticulatum Benth., Bleiotis sororia DC., Alysicarpus monilifer DC. und vaginalis DO., Uyamopsis pso- ralioides DC., Galactia tenuiflora W. A.; Phaseolus Wightii W. A., u he Jacq., Mungo L.; Vigna Catiang Endl., Dolichos Lablab L. und biflorus L., Cajanus indieus Sprengel, Pseudarthria viscida W. A., Rhynchosia nummularia DC., Pongamia glabra Vent., Pte- rocarpus Marsupium Boxb., Dalbergia spec., Poinciana elata L., Cassia siamea Lam, und auwriculata L., Dichrostachys einerea W. A., Acacia leucophlaea Willd, und ferruginea DC. Penzing bei Wien, December 1886.

nn

Flora des Etna. Von Prof. P. Gabriel Strobl.

(Fortsetzung.)

1303. Medicago denticulata W.sp.pl.III1414, Guss. Syn. et Herh.! Rchb. D. Fl. 70 I, II!, hispida aa. microcarpa a. oligogyra y. denti- culata Urb. W. Lge. III 387. Genau wie vorige, aber Dornen der Aussennaht so lang, als der Radius der Mittelspire, divergirend an- gedrückt, sehr dünn und an der Spitze hakig; Nerven der Spiren weniger erhaben, Zwischenräume daher kaum grubig, Spirenbreite meist 5 Mm. oder weniger; Blüthenstiele meist 6blüthig. Auf krautigen Fluren Siciliens selten; auch im Gebiete nur vereinzelt, z. B. an Eisenbahndämmen von Ognina, auf buschigen Uferabhängen des Simeto! April, Mai ©.

1304. Med. lappaces Lam. Guss. *Syn. et Herb.!, hispida bb. macrocarpa Urb. a. trieycla Urb. W. Lge. III 386. Mit der vorigen fast durchaus identisch und mit ihr, sowie mit der folgenden durch zahlreiche Mittelformen verbunden, daher sie mit Recht von den Neueren zusammengezogen werden; ich sondere sie nur, um die An- häufung der Synonyma und Varietäten zu vermeiden. Von dentie. nur unterscheidbar durch ärmer- (1 —4) blüthige Blüthenstiele, mindestens 6 Mm. breite, weniger tief-, aber reichlicher genervte, jedoch ebenfalls 2—3spirige und breitere, als hohe Hülsen. Variirt mit Dornen, welche nicht einmal die halbe Länge des Durchmessers erreichen und dann oftmals nicht hakig sind = v. brevispina, bis zu Dornen, welche die Länge des Durchmessers fast erreichen, die Dicke der Hülse aber mehrmals übertreffen var. ß. longispina Urb., ferner mit nur 1—2 Windungen (v. paucigyrosa Lam. Guss. Syn.) Auf krautigen Abhängen und unter Saaten sehr gemein: Catania (Herb. Torn.!), in der Ebene des Simeto überall, auch im Meersande der Arena häufig, ebenso an Eisenbahndämmen vor ÖOgnina, von Catania bis über Nicolosi hinauf, um Bronte ete.! v. paucigyrosa um Catania (Cosentini in Guss. Syn.) und auf Lavaströmen um Bronte! April, Mai ©.

1305. Med. nigra W., pentacycla DC. Cat., histriw Ten., Guss. *Syn. et *Herb.!, hispida bb. macrocarpa y. longeaculeata Urb. W. Lge. III 386. Von Zappacea nur verschieden durch circa gleich hohe und breite (7 Mm.), fast ceylindrische, mit fünf lockeren Windungen versehene Hülsen, die zuletzt oft schwarz werden; da sich öfters an demselben Exemplare auch Hülsen mit nur 3—4 Windungen befinden, so ist über die Zusammengehörigkeit mit Zapp. kein Zweifel. Unter Saaten und an Feldrändern mit der vorigen; Catania (Cosentini in Herb. Guss.!), auf Lavaströmen gegen die Ebene, am Wege nach Nicolosi, äusserst gemein aber in der Ebene des Simeto! April, Mai ©.

1306. Med. terebellum W. Guss. *Syn. et *Herb.! Rehb. D. Fl. 72 II?, hispida bb. macrocarpa b. pentacycla ß. breviaculeata Urb. W. Lge. III 387. Mit nigra vollkommen identisch in der Kahlheit, den

j ü i :

63

Blättern, Nebenblättern, Blüthenstielen und Hülsen, nur sind letz- tere öfters 6spirig und dann sogar etwas höher als breit; die eben- falls hakigen Dornen sind aber stets mehrminder angedrückt und so kurz, dass sie die Breite der Aussennaht kaum überragen. Unter Saaten und auf krautigen Abhängen Siciliens selten, ebenso im Ge- biete: Catania (Guss. Syn. et Herb.!), Gravina! April, Mai ©.

+1307. Med. muricoleptis Tin. Guss. Syn. et Herb.! non DC. Scehliesst sich an die vorigen an durch Kahlheit, nicht verwachsene Spiren, beiderseits gefurchte Dornen; charakterisirt sich aber durch nur wimperig gezähnte Nebenblätter, 1—2blüthige, das Blatt über- ragende Blüthenstiele, viel breitere (10—12 Mm.), aber kaum 4—5 Mm. hohe, 3—4spirige, nicht dicht, aber zierlich erhaben netznervige Hülsen und flache, beiderseits mit schief abstehenden, gebogenen, hakigen, borstenförmigen, etwa '/,— '/,; des Durchmessers errei- chenden Dornen versehene Aussennaht; die Dornen der obersten Windung oft spärlich oder fast fehlend; reife Früchte oft braun. An Wegen, auf Saatfeldern und lehmigen Fluren ganz Siciliens nach Guss., wahrscheinlich auch im Gebiete; ich besitze sie nur aus den Nebroden und aus Reggio. April, Mai ©.

1308. Med. De-Candollei Tin. Guss. Syn. et Herb.!, murico- leptis DC. Prodr. II 179, non Tin. Ganz wie vorige, aber Hülsen noch grösser (12—-14 Mm. breit, 5—8 Mm. hoch), mit 3—6 Win- dungen, beiderseits etwas convex, Dornen reichlicher und '/,—'/, der Hülsenbreite lang. Wie vorige in ganz Sicilien verbreitet; im Gebiete zahlreich um Nicolosi und Catania, besonders an Gra- Bemum neben dem Pulverthurme von mir gesammelt. April,

al ©). 71309. Med. diseiformis DC. Cat. Gr. Godr.1388!, W. Lge. III 388, Reh. D. Fl. 69 I! Der vorigen etwas ähnlich und von Spr. damit confundirt, aber Unterschiede zahlreich: Die ganze Pflanze weichzot- tigflaumig, die oberen Blättchen verkehrt-eiförmig-keilig, die unteren verkehrt-eiförmig; Blüthenstiele J—2blüthig, bedeutend länger, als die Blätter; Hülsen beiderseits ganz flach und nervenlos, scheiben- förmig, glänzend gelbbraun, circa 7—9 Mm. breit, 3—4 Mm. hoch; Aussennähte mit zahlreichen, abstehenden, etwas nach abwärts ge- kehrten, beiderseits tief gefurchten, etwas gekrümmten und an der Spitze hakigen, eirca 5Mm. langen Dornen; die oberste Windung ganz wehrlos. Eine der schönsten Arten, aus Sieilien bisher unbe- kannt, von mir auf dem Trümmerfelde des alten Syracus häufig gesammelt. April 07 „AR (Fortsetzung folgt.)

Literaturberichte.

Botaniker-Kalender 1887. Herausgegeben von P, Sydow und C©, Mylius. In zwei Theilen. Zweiter Jahrgang. Berlin 1887. Verlag von Julius Springer. (X, 206 8.). In Brieftaschenform in Leinwand gebunden neu: 3 Reichs- mark, Zoll für den Einband und Stempel 20 Nkr.,

Der vorliegende zweite Jahrgang des Botaniker-Kalenders bil-

64

det eine recht erfreuliche Fortsetzung des im verwichenen Jahre glücklich begonnenen Unternehmens. Beide Abtheilungen desselben, welche beim ersten Jahrgange getrennt erschienen waren, sind jetzt zweckmässie zu einem für jeden Botaniker und Pflanzenfreund er- wünschten Vademecum vereinigt. Dasselbe enthält zunächst den astronomischen Kalender mit den gebräuchlichen Angaben, dann einen ausgedehnten, 54 Blätter enthaltenden Schreib- und Notiz- kalender, dem überdiess 12 earrirte freie Blätter zu wissenschaft- lichen Vormerkungen, kurzen, momentanen Aufzeichnungen von Be- obachtungen u. dergl. passend beigebunden sind. Der folgende Text bringt die wichtigsten General-Regeln für Pflanzensammler in Bezug auf Einsammlung, Präparation und Aufbewahrung von Gewächsen, sodann die Regeln der botanischen Nomenclatur nach den von dem internationalen Congress der Botaniker im Jahre 1867 zu Paris an- genommenen „Lois de la nomenclature botanique* und den Zusätzen und Abänderungen in A. de Candolle’s „Nouvelles remarques sur la nomenclature botanique*, ferner Verzeichnisse diverser in botani- schen Schriften üblicher Abkürzungen, dann deutscher Speecialfloren und kryptogamischer Exsiccatenwerke, Uebersichten der Blüthenstände, des Linne’schen Systems, der Vegetationsgebiete (Grisebach’s) und Florenreiche (Drude’s), Tabellen zur Eintragung phänologischer Be- obachtungen und solche über Mass- und Gewichtsverhältnisse. Der Monograph der Gattung Potentilla, Herr Prof. Alb. Zimmeter in Innsbruck, lieferte einen vortrefflichen Schlüssel zur Bestimmung der deutschen, österr.-ungarischen und schweizer Arten des genannten Genus. Der zweite Theil bringt als „botanisches Jahrbuch“ biogra- phische Notizen in der Zeit vom 1. April 1885 bis 31. März 1886 gestorbener Botaniker Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz, dann Namen und Adressen der deutschen und in diesem Jahre zum ersten Male auch der österr.-ungar. und der schweizer Botaniker und der „erweiterten Commission für die Flora von Deutschland“, Ver- zeichnisse von pflanzentauschenden Persönlichkeiten, von Vereinen, bot. Gärten, lJand- und forstwirthschaftlichen Lehranstalten, Laboratorien, von Zeitschriften und botanischen Vorlesungen auf deutschen Univer- sitäten, sowie der deutschen botanischen Literatur 1885/1886. Es genügt wohl der einfache Hinweis auf den reichen Inhalt dieser für den Botaniker hochschätzbaren Abschnitte, um diesem II. Jahrgange eine gleich erfreuliche und allseitig willkommene Aufnahme vorher- zusagen, wie der I. Jahrgang nach der Aeusserung der Herausgeber sie gefunden hat. Wir sind überzeugt, dass der Botaniker-Kalender künftighin jedem Pflanzenfreunde ein unentbehrlicher Begleiter sein wird. Dr. K.

Paul Sorauer, Handbuch der Pflanzenkrankheiten für Landwirthe, Gärt- ner, Forstleute und Botaniker. Zweiter Theil, die parasitären Krankheiten. II. neubearbeitete Auflage. Mit 18 lithographirten Tafeln und 21 Text- abbildungen. Paul Parey, Berlin 1886. XI und 456 Seiten. Preis 14 Mark,

Was wir in unserem Referat über den ersten Theil des Hand-

69

buches der Pflanzenkrankheiten') in Bezug auf Bearbeitung der Krankheitsursachen und deren Therapie gesagt haben, lässt sich auch für den zweiten Theil in vollem Umfange aufrecht erhalten. Die volle Beherrschung des girantisch anschwellenden Materiales, die übersichtliche Gruppirung und gewisse leitende Ideen, oder besser ausgedrückt, Principien, unter deren Aegide Sorauer seinen Ar- beitsstoff stellt, geben ein glänzendes Zeugniss von dem Werthe des Buches. Eine solche leitende Idee ist die Annahme, „dass bei den parasitären Krankheiten die jedesmalige Beschaffenheit des Nähr- organismus, die augenblickliche Disposition, einen Ausschlag für die Erkrankungsfähigkeit gibt, und das Krankheitsbild erst vervollstän- diet, also ebenso eingehend wie die Entwicklungsgeschichte des Pa- rasiten beachtet werden muss“. Freilich ist gegenwärtig dieser jedes- malice Zustand des Wirthes, der einen Kampf mit den ihn überfallen- den Parasiten führen muss, von uns gänzlich unbekannten Agentien bedingt, die wohl allgemein als Ernährungs- und sonstige Vegetations- factoren bezeichnet werden, ohne dass damit ein wesentlicher Fort- schritt gegeben ist. Das Hauptverdienst des Verfassers besteht aber gerade darin, dass er das Vorhandensein der Prädisposition feststellt und somit den Weg andeutet, den die neue Forschung zu gehen hat. In unserem ersten Referate haben wir unserer subjectiven An- schauung Ausdruck gegeben, dass die von Galleninsecten verursach- ten Bildungen u. a. besser im II. Theile Platz gefunden hätten. Auch Verf. hat in dem Vorworte dieser Anschauung Rechnung ge- tragen, hält aber seine Gruppirung für die richtige; denn „mass- gebend für diese Eintheilung war die bei den Gallen nothwendige Behandlung auch solcher mit den Gallenerzeugern nächst verwandter Thiere, welche die Pflanzen nur gelegentlich durch Frassbeschädi- ung verderben. Damit ist aber das natürliche Bindeglied zu den- Jenigen von Thieren veranlassten Verletzungen gegeben, welche, wie das Schälen und Verbeissen des Wildes, unbedingt bei den Wunden im ersten Theile des Buches abgehandelt werden mussten“. Ob diese Auffassung wirklich da massgebend ist, wo es sich um bedeu- tende morphologische Veränderungen und parasitäre Wucherungen handelt, ist wohl noch discutirbar. Der vorlierende Band enthält einen Abschnitt „Parasitismus“, der den facultativen und obligaten Parasitismus, die Saprophyten ete. behandelt. Capitel II und IH führen phanerogame und kryptosame Parasiten vor. Myxomyceten werden den Schizomyeeten vorangestellt; die Nass- und Trocken- fäule der Kartoffel, sowie das Ersaufen der Knollen sind eine und dieselbe Krankheit und gänzlich verschieden von der durch die Phytophthora erzeugten Kraut- und Knollentödtung; vorzüglich aus- gearbeitet sind Brand- und Rostpilze, freilich auch die beststudirten Parasiten. Die Exoascus-Deformation (Hungerzwetschken) ist auch nach Verf, (mit Luerssen, Frank) nur durch das Zurückschneiden des Baumes bis auf das ältere Holz zu beheben. Die Steindruckta- feln bringen in schöner Ausführung die Entwicklungsstadien hervor-

Siehe diese Zeitschr. 1886, p. 203 ff,

66

racender Pilzparasiten; als besonders gelungen möchten wir Taf. XV (Fleckenkrankheit der Erdbeerblätter) hervorheben. Einige Nach- tragsnotizen mit Referaten über neuestens erschienene einschlägige Arbeiten und ein sehr ausführliches Register mit alphabetischen Ver- zeichnissen der Nährpflanzen und der Parasiten schliessen die ver- dienstvolle Arbeit in würdiger Weise ab. Dr. T. F. Hanausek.

J. B. Keller: Ueber die Bechstein’schen Rosen in Deutscher botan, Mo- natsschrift IV. Nr. 11 et 12, p. 172 (1886).

Verfasser bespricht den Wortlaut der Bechstein’schen Descrip- tionen zu Grunde legend, die in „Forstbotanik* Edit. IV. enthaltenen Formen der Gattung Rosa. Von vorhinein kann von Geltendmachung irgend welcher Priorität bei einer vierten Auflage eines Werkes keine Rede sein. bevor man nicht die Formen kennt, welche in den frü- heren Auflagen enthalten sind. Ferner wäre es bei der Allgemeinheit der Beschreibungen, welche die genaue Präcisirung einer Form nach modernen Begriffen illusorisch machen, von unumgänglicher Wich- tigkeit gewesen, authentische Exemplare behufs Ergänzung der De- scription zu Rathe zu ziehen; allein Originalexemplare standen Ver- fasser auch nicht zu Gebote. Ich habe mit Ausnahme der Rosa obovata Bechstein auch nie authentische Exemplare zu Gesicht be- kommen, mich daher auch selbstverständlich nie über Bechstein’sche Formen ausgesprochen. Was die Priorität der Rosa aspera Schlei- cher betrifft, so möchte es hier geboten erscheinen, einige Worte beizufügen. Schleicher stand, wie aus Angaben der gleichzeitigen Literatur hervorgeht, betreffs Genauigkeit beim Vertheilen seiner Exsiecata nicht im besten Rufe. Auch die von mir eingesehenen - ebenfalls „zahlreichen“ Exsiccata bestätigen diesen Ruf vollinhaltlich; sie gehören theils der Gruppe Sepiacearum (R. sepium f. pubescens Rap.), theils der Gruppe Graveolentium an. Allein abgesehen von dem geht es nie und nimmer an, einen Nomen solum, der bis heutzutage noch niemals commentirt wurde, als leitende Type einer Gruppe voranzusetzen. Da könute ja Jedermann (ohne Botaniker zu sein) sich eine Liste von Namen drucken lassen, dieselbe mit Ex- siceaten belegen und hätte denselben Anspruch auf Berücksichtigung. Die Appellation an Rosa hybrida Schleicher und Rosa Gutenstei- nensis Jacq. fil. ist vergeblich. Rosa hybrida Schleicher als nomen solum! hat zu entfallen, da Villars in „Histoire de plantes de Dauphinde*“ p. 554 (1789), also viel früher eine Rose unter dem Namen „ZAosa hybrida* creirte und ausführlich beschrieb! welche zur Gruppe der Rosa alpina L. gehört. Rosa Gutensteinensis wurde von Jacgq. fil. im Jahre 1821 aufgestellt, unter ausdrücklichem Hin- weis ihrer Identität mit Rosa rubrifolia Jacq. pater in Fragmenta botan. pax. 70 et 71 t.106 (1809) non Villars, welch letztere Rose ausführlich beschrieben ist, und die überdiess eine prachtvolle Ab- bildung noch anschaulicher macht; von einem blossen Namen kann also auch bei letzterer Rose keine Rede sein! Bei Rosa, livida Host (1831) wäre überdiess noch die Rosa vestita Sternberg Flora 1826,

67

1. Beilage p. 77 et 78 in Erwägung zu ziehen gewesen. Schliesslich will ich erwähnen, dass die von Gandoger in seinen „Tabulae“ ın Bullet. de la Soc. des amis des sciences naturelles du Rouen (1882) p. 163 (Nr. 3267) angeführte Rosa aspera Schleicher oder vielmehr „Chabertia aspera“ (Schleicher) Gdg. dieselbe Rose darstellt, welche Keller an obenangeführter Stelle bespricht, und erwähne diese That- sache nur, weil Gandoger sonst vom Verf. mit besonderer Vorliebe eitirt wird. Braun. Borbäs Vincze, Clusius szedre (Rubus Clusii) Erdesz. Lap. 1885 p. 401—402. Rubus Clusii Borb. (R. Gremlii Haläcsy in Kern. Fl. exsice. Austro-Hung. 850 mit wenigem Zweifel dafür gehalten, non Focke) kann man weder nach Focke’s Synopsis Rubor. noch nach Gremli's Exeursionsflora für den wahren R. Gremlii halten. In Focke ]. e. bleibt man in den Adenophoris bei dem R. chlorothyrsus stehen, wenn man aber von der Inflorescenz absieht und in C) Gruppe diese Brombeerart sucht, so kommt man nicht zu R. Gremli, sondern zu R. Reichenbachiä. In Gremli ]. ec. Nr. 35 finden wir R. Clusii zwischen den mit bereiften Schösslingen versehenen Arten nicht, zwischen den mit unbereiften Schösslingen versehenen Arten bleiben wir wiederum bei R. teretiusculus stecken, welcher eigentlich zu den Vertitis gehört. R. Clusii ist von R. Gremlä durch die stumpf kantigen, reichdrüsigen und stark bestachelten Schösslinge, durch die ausgebreitete (nicht schmale und lange), bis an die Spitze beblätterte Inflorescenz, durch die mehrblüthigen Zweigchen der letzteren, welche auch oberwärts drei- bis vierblüthig bleiben (bei R. Gremlü ein- bis wenigblüthig), durch den grünlichen und glandulösen Kelch, so- wie durch die verkehrteiförmigen (nicht schmalen, wie bei R. Gremlüi) Petala verschieden. Ref. schreibt R. Clusii den Radulis zu. Borbäs.

Vukotinoviö Ludwig, „Rosae Croaticae (excerptum) Rad. jugosl. akad. libr. 69 1884“. U Zagrebu 1886, p. 17.

Hier werden einige Rosen neu beschrieben oder neu benannt, 80 Rosa subrepens Borb. in sched. 1882, R. Sestinensis Vuk., R. Doljensis Borb. et Vuk. (R. subalbida Vuk.), RK. Worma- slinyana Vuk. et Borb. (R. velutinaeflora Vuk. olim non Ds. et Oz.), R. congesta Vuk. (R. vinealis Vuk. olim), R. flavidifolia Vuk. (R. nitens Vuk., non Desv.), R. Schlosseri Vuk. et Br. (R. spa- tulifolia Vuk.), R. canina var. sphaerophylla Vuk., .R. Vuko- tinovieii Borb. (RR. gallico-tomentosa? Kell. in lit.). Die im Jahre 1884 regelmässig benannte AR. corylifolia Vuk. erscheint hier unge- wöhnlicher Weise mit neuen Autoren (Vuk. et Kell.) und wird dazu R. cuneata Kell. ined. als Syn. eitirt. Solche inedirten Synonyme zu eitiren, hält Ref. für unzweckmässig und überflüssig, denn so können wir passende Namen der Synonymie wegen nicht mehr ver- werthen. Im Interesse der Synonymik der Rosenunamen ist übrigens Vukotinovid's vorliegende Arbeit wichtig. Borbäs.

68

O. Beccari’s neuere Arbeiten über die myrmekophilen Pflanzen etc., be- sprochen von OÖ. Penzig. Separat-Abdruck aus „Botanische Jahrbücher“, MAL ;3.

Ein Referat zu referiren verbietet sich von selbst. Es sei an dieser Stelle nur erwähnt, dass Penzig die sowohl für die Syste- matik, als namentlich für die Biologie hochwichtigen Arbeiten Bec- carı's dem deutschen Publikum in der vorliegenden Schrift auszüg- lich und kritisch zur Kenntniss bringt. Kronfeld.

Blocki Bronislav: Einige Bemerkungen über Dr. A. Zimmeter’s Ab- handlung: „Die europäischen Arten der Gattung Potentilla*. Sep.- Abdruck aus der Deutschen botanischen Monatsschrift 1886, Nr. 4—6.

Für das so schwierige Genus Potentilla ist in neuester Zeit eine wahre Sturm- und Drangperiode herangebrochen. In den Reihen der Botaniker, welche an der Entwirrung dieser polymorphen Pflan- zengattung ihre Kräfte erproben, kämpft auch mit viel Muth und

Ueberzeugungstreue der als unermüdeter Forscher bekannte Verfasser

obiger Abhandlung. Er tritt in seinen Bemerkungen, die in 25

Punkte vertheilt sind, den Anschauungen Zimmeter’s und stellen-

weise auch Dr. Kerner’s rückhaltlos entgegen, wobei er jedenfalls

einen nicht zu unterschätzenden Fonds an Literaturkenntniss ent- faltet. -— Manche Anregung für Fachgenossen wird sich aus der vor- liegenden Arbeit gewiss ergeben, mancher neue Anhaltspunkt finden lassen, wenn auch damit das letzte Wort noch nicht; gesprochen ist. Moritz Prihoda.

Seripta Botanica Horti Universitatis Imperialis Petropolitanae. II. 1886.

Diese mit den Act. Horti Petrop. im Zusammenhange stehen- den Schriften repräsentiren das erste und einzige bisher bekannte Organ Russlands für die Publication der neuesten literarischen Pro- dukte auf dem Gebiete der Botanik (ohne Unterschied der Sprache und Nationalität). Der vorliegende Band bringt theils selbstständige Abhandlungen, theils Literaturberichte. Erstere sind folgende in rus- sischer Sprache geschriebene Arbeiten: Bekeloff A. Prof.: „Ueber die Flora des Gouvernements Jekaterinoslaw*. Durch einige sachliche Notizen pflanzengeographischen und phänologischen Inhaltes einge- leitet, folgt die im Koch’schen Sinne gehaltene Enumeration von 1046 Arten Phanerogamen und Gefäss-Kryptogamen. Obwohl diese Anzahl im Hinblick auf den vom Autor angegebenen Flächenraum des behandelten Florengebietes von 66'623 Quadrat-Kilom. nicht un- bedeutend genannt werden darf, so lässt sich andererseits nach der stiefmütterlichen Behandlung mancher sehr arten- und formenreichen Gattungen auf eine erschöpfende, vollständige Durchforschung des Territoriums nicht schliessen. So sind z. B. die Gattungen Rosa und Rubus mit je einer Art, die Familie der Orchideen nur durch Orchis Morio vertreten. Diess ist um so auffälliger, als das ge- nannte Gouvernement zwar ein Steppenklima besitzt, aber als unter

69

dem 47—49° nördl. Br. gelegen, immerhin den gemässigten Vege- tationszonen angehört. Gobi Chr. Prof.: „Ueber eine neue Rost- pilzform Cacoma Cassandrae“. Vom Autor auf nassen Torfmooren Finnlands, auf Andromeda (Cassandra) calyculata gefunden und im vorliegenden Aufsatze beschrieben. Krassnoff A.: „Notizen über die Vegetation des Altai“. Grundlage der nicht nach systematischen Prineipien, sondern nach natürlichen Vegetationsgruppen, als: (Arte- misia-Steppen, Salinen, schwarzer Humusboden, im Frühjahre über- schwemmte Wiesen, Cedernwälder, Hochalpen) angeordneten Pflanzen- Aufzählung bildeten die Ergebnisse einer zweimonatlichen Excursion in die Alpen von Katoun, das Buchtarma-Thal und die Umgebungen des Belonka-Gebirges. Unter den in der „Bibliographie“ re- censirten zahlreichen Werken ist besonders seiner Provenienz wegen bemerkenswerth: Plantae Boninsimae. Es sind diess in lateini- scher Sprache abgefasste Diagnosen für 69 neue von japanesischen Gelehrten in Ost-Asien gesammelte Pflanzen. Moritz Prihoda.

ii

Correspondenz.

Lemberg, am 5. Jänner 1887.

Da die 15. und 16. Centurie der Fl. exsic. Austr.-Hung. bereits in den Händen mancher Theilnehmer an der Herausgabe derselben sich befindet und die Berichtigung eines in den Schedae, resp. Etiquetten sich vorfindenden Irrthums nur durch eine Zeitschrift möglich ist, so bitte ich um die gef. Aufnahme der nachfolgenden Zeilen in Ihr Blatt: Bei der Bearbeitung des Weidenmateriales für die Fl. exsic. habe ich die Notizen, resp. Beschreibungen für jede Weide auf ein besonderes Blatt geschrieben und die Blätter entweder nummerirt, oder sie in der mir geeignet erscheinenden Ordnung zusammengelegt. Durch ein Versehen ist nun die Salix Fr vor die S. lago- pina gestellt worden, was umgekehrt hätte geschehen sollen und ist dadurch die Diagnose für $. Ausserdorferi falsch geworden. Es muss dieselbe nunmehr lauten: Differt a sequente ete. Bei dieser Ge- legenheit erlaube ich mir mit Rücksicht auf die in der Fl. exsie. Austr.-Hung. von Dr. Stapf bei Brunella bicolor gemachten Aus- führungen meine Bemerkungen hinanzufügen. Sowohl Dr. Beck als auch Dr. Stapf haben sich dahin ausgesprochen, dass beim Blatt- rande der Br. grandiflora bloss Schwankungen innerhalb der Grenzen einer Ausschweifung und einer gegen den Grund etwas tiefer ein- greifenden Sägezähnung sich zeigen. Das ist nicht richtig. Der Jano- wer Wald bei Lemberg, insbesondere die Localität, wo Brunella grandiflora wächst, wurde von anderen Botanikern und von mir sogar sehr oft besucht; ich habe auf das Vorkommen der Br. laci- niata mein besonderes Augenmerk gerichtet, sie wurde aber weder dort, noch in der näheren Umgebung, sondern erst zwei Meilen wei- ter bei Stary Jazöw spärlich von mir gesehen. S. Jazow ist über-

70

dies von der Janower Localität durch Culturen, Teiche, nasse Wie- sen, Bäche etc. getrennt. Unter solchen Verhältnissen kann man von einer Bastartirung der dort vorkommenden Br. laciniata mit der Janower Br. grandiflora unmöglich sprechen. Und doch besitze ich Exemplare von Br. grandiflora aus dem Janower Walde, welche neben ganzen Blättern auch solche aufweisen, wie sie meine Exem- plare der Br. variabilis besitzen, nach denen Dr. Beck seine Be- schreibung der Br. variabilis, die Dr. Stapf unter Br. bicolor sub- sumirt, entworfen hatte, und die sonst nichts zeigen, was auf eine Bastartirung hinweisen würde. Dr. Wotoszezak.

Brünn, am 6. Jänner 1887.

Als neu für die Flora Mährens, beziehungsweise Schlesien, sind folgende von mir gesammelte interessante Rubus-Arten zu verzeich- nen: Rubus silesiacus Weih. in Wimm. und Grab. FI. Siles., R. orthacanthus Wimm., R. silvaticus Weih. et Nees., R. Wahlbergü Arrh., R. caesius X candicans., R. chlorophyllus Greml., R. brachy- andrus Greml., R. nitidus Weih. et Nees.,, R. rivularis Müll. et Wirtg. var. prionophyllus Progel, R. longiramulus Sabr., R. ery- throcomus G. Br., R. serpens Weih., R. laetevirens Progl., R. inso- latus P. J. Müller., B. macrostemon Focke, R. moritanus Wirtg. Im Ganzen sechzehn interessante, von dem rühmlichst bekannten Batologen H. Sabransky gütigst determinirte Novitäten, auf die aus- führlicher zurückzukommen ich mir vorbehalte. Dr. Formänek.

Lemberg, am 8. Jänner 1887.

Ueber einen höchst interessanten Fund bin ich in der ange- nehmen Lage heute zu berichten. Es ist der bisher unbekannt ge- wesene Bastart Ranunculus repenti><bulbosus, welchen ich im vori- gen Sommer auf trockenen, grasigen Lehmtriften hart hinter dem „Kaiserwald“ nächst Lemberg in zwei blühenden Exemplaren ent- deckt habe. Dieser unzweifelhafte Mischling besitzt knollig verdickten Stengelgrund, wie Ran. bulbosus, an welchen er übrigens auch in der Form einiger Wurzelblätter und in der Grösse und Beschaffenheit der Kelche und Blumenblätter erinnert, während er durch die Ge- stalt der meisten Wurzel- und Stengelblätter, sowie durch das Vorhandensein kurzer Ausläufer an Ran. repens L. mahnt.

Br. Btocki.

Budapest, 12. Jänner 1887.

Leucoium vernum L. kommt in Ost-Ungarn öfter mit zwei- blüthiger Inflorescenz vor, und ich habe diese Varietät im Jahre 1878 in „Mathem. es Termeszettudomänyi Közlemenyek“ der ungar. Akademie, Bd. XV, pag. 360, als var. böflorum mihi benannt. Diese Varietät kommt in der Umgebung von Ungvär, Huszt (L. vernum var. Vagneri Stapf 1886), Vöröspatak und anderswo in Siebenbür- gen („planta nostra plerumque biflora“ Fuss Fl. Transs. excurs.

71

pag. 639), sowie im Biharer Comitate (Sink. Akad. Közl. XVI. pag. 139, cfr. Botan. Centralbl. 1881, Bd. V. pag. 144) vor. Ich habe 1. ce. pag. 298 das in Ost-Ungarn wachsende Laserpitium alpinum W. Kit. und das croatische L. marginatum W. Kit. speci- fisch getrennt, danach ist ZL. alpinum var. nemorosum Stapf eher das L. marginatum W. Kit. Ich erwähne ]. ce. zwischen den speei- fischen Merkmalen des L. marginatum auch „radii umbellarum etiam maiorum pauciores (eirca 10)* und Dr. Stapf sagt auch „umbella plerumque pauciradiata“. Rosa Skofitziana Btocki habe ich zwar nicht gesehen, aber wenn es mein Freund H. Braun sagt, glaube ich, dass sie mit der R. uncinella var. eiliata Borb. identisch ist (Oe. B. Z. 1886, pag. 429). Wenn doch Freund BYocki einen constanten Farbenunterschied der Blüthe für R. Skofitziana behauptet, muss ich bemerken, dass er kaum weiss, was für eine Blüthenfarbe meine var. ciliata hat, denn ich habe sie nach getrocknetem Materiale beschrieben und die Blüthenfarbe nicht an- gegeben. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass auch meine Varietät weisse Blüthen hat und so mit der Blocki’schen „Art“ identisch ist. Andere Merkmale hat Blocki nicht angeführt und meine Varietät wächst gegen Nord-Ungarn, also nicht gar so weit von Galizien. Borbäs.

Gnezda (Kniesen) 15. Jänner 1887. Es wird Sie interessiren, dass ich bei Aufarbeitung meiner Du- biosen gefunden habe, dass die Primula carpatica Fuss auch in Krain vorkommt! Ich sammelte selbe in den ersten Junitacen 1883 von Mostrana aus in Kot und in dem Kermathale (nicht wie Sco- poli phantasirt, am Kerma-Berge, der nie existirte) in beiläufiger Seehöhe von 900 bis 1200 Meter. Sie unterscheidet sich von den siebenbürgischen ÖOriginalexemplaren nur durch etwas stärker be-

haarte Kelche. Ullepitsch.

Kopenhagen, im December 1886.

Da ich seit nahezu 25 Jahren die volksthümlichen Namen von phanerogamen und kryptogamen Pflanzen nicht nur in den ältesten und neuesten ÖOriginaltexten, sondern auch mit Hilfe zahlreicher Correspondenten aus allen europäischen, nicht slavischen Ländern esammelt habe, und nachdem sie in den Jahren 1867—1871 auf

osten „der königlich dänischen Gesellschaft der Wissenschaften“ und der „botanischen Gesellschaft zu Kopenhagen“ unter dem Titel „Noms nordique des plantes“ (von Island, Föräer, Norwegen, Schweden und Dänemark) publieirt wurden, bin ich jetzt daran, aus- zuarbeiten „Pflanzennamen in germanischen und romanischen Spra- chen“. Indessen, um dieser Arbeit die grösstmöglichste Vollkommen- heit, oder besser gesagt, die geringste Mangelhaftigkeit zu geben, welche bei einem solchen Unternehmen möglich ist, nehme ich mir die Freiheit, an die Philologen und Hortologen Europas die Bitte zu richten, mir hierauf bezügliche Mittheilungen gütigst zukommen

72

lassen zu wollen, besonders über volksthümliche Namen, begleitet mit der Angabe des Ortes (der Stadt oder der Geeend), wo sie ge- mein sind und ihrer landläufigen Aussprache. Die immer wachsende Ausbreitung der Cultur und die Fortschritte des botanischen Unter- richtes an fast allen Schulen haben schon eine grosse Zahl dieser volksthümlichen Namen verschwinden gemacht, wovon viele ein sprachliches oder culturelles Interesse haben. Wenn man daher jene retten will, welche noch übrig bleiben, so darf man nicht zögern. Das Zweckdienlichste nach meiner Meinung wäre daher: 1. Wenn mein Ansuchen in den wissenschaftlichen Publicationen, besonders in den botanischen und horticolen Fachschriften veröffentlicht werden möchte, und 2. wenn die Sammlungen, die in oben bemerktem Sinne gemacht worden sind, mir zur Verfügung gestellt und die Titel jener Werke bekannt gegeben würden, die derartiges enthalten. Bitte etwaige Zuschriften an mich unter der Adresse: „Monsieur Carl Hansen, professeur & l’Academie Royale superieure d’Agrieulture et d’Horticulture & Copenhague. V.* abzusenden.

H. Jenssen-Tusch, Oberst.

Personalnotizen.

Dr. Alois Pokorny, k. k. Regierungsrath und Director des Comm. Real- und Ober-Gymnasiums in der Leopoldstadt zu Wien ist 61 Jahre alt, am 29. December v. J. in Innsbruck, wo er sich zum Besuche seiner Tochter und seines Schwiegersohnes, des Universitäts-Professors Dr. Juraschek befand, an einem Schlag- flusse plötzlich gestorben. Die Oesterr. botan. Zeitsch. brachte schon im J. 1863 dessen Porträt und Biographie.

Don Francisco Loscos y Bernal, Apotheker in Castel- seras in Araconien, einer der besten Kenner der spanischen Flora, ist am 23. November v. J., 63 Jahre alt, gestorben.

Dr. Otto Penzig, Professor in Modena, ist zum Professor der Botanik und zum Director des botanischen Gartens an der Uni- versität Genua ernannt worden.

J. Freyn, Civil-Ingenieur in Prag, ist zum fürstl. Collo- redo-Mannsfeld’schen Baurathe ernannt worden.

Prof. Dr. J. Wiesner in Wien wurde von der kgl. schwe- dischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Upsala zum ausw. wirkl. Mitgliede gewählt.

Professor Dr. A. Engler und B. Stein, Inspector des bot. Gartens in Breslau, sind zu corr. Mitgliedern der Royal Horti- cultural Society in London gewählt worden.

Dr. Karl Goebel in Rostock ist zum ordentl. Professor und Director des botan. Gartens an der Universität Marburg er- nannt worden.

73

Dr. Paul Morthier ist anfangs December v. J., 63 Jahre alt, in Corcelles bei Neufchatel gestorben.

Dr. Alexander Zahlbruckner ist zum wissenschaftlichen Hilfsarbeiter an der botanischen Abtheilung des k.k. naturhist. Hof- museums ernannt worden.

Adolf Oborny, Professor an der Landes-Oberrealschule in Znaim wurde zum Bezirks-Schulinspector für den Znaimer Stadt- schulbezirk ernannt.

Thomas Moore ist am 1. Jänner, 66 Jahre alt, in Lon- don gestorben.

Vereine, Anstalten, Unternehmungen.

In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen- schaften in Wien, am 2. December 1886 übersandte Regierungs- rath Prof. Dr. Constantin Freiherr v. Ettingshausen eine in sei- nem Institute ausgearbeitete Abhandlung: „Ueber regressive Form- erscheinungen bei @uercus sessiliflora Sm.“ von Herrn Franz KraSan, Professor am II. Staatsgymnasium in Graz. Der Verfasser hat fünf wesentlich verschiedene Blattformen an ein und demselben Baume der Quercus sessiliflora beobachtet. Der Baum befindet sich in der Nähe der Stadt Graz und war infolge des empfindlichen Fro- stes am 8. Mai d. J. mehrere Tage ganz entlaubt. Er hatte in den folgenden 14 Tagen aus den Knospen, welche der Frost verschont hatte und die bis zum 8. Mai noch nicht aufgegangen waren, all- mälig von neuem getrieben und lieferte an den aus diesem Trieb entstandenen Sprossen das gewöhnliche oder normale Blatt, theil- weise aber auch eine Form, welche unverkennbar an @. infectoria Oliv. erinnert. Im Laufe des Sommers gingen neue Sprosse, und zwar aus Adventivknospen, hervor. An diesen erschienen zu unterst schmale, ungebuchtete ganzrandige, weiter oben verkehrt eiförmige ungetheilte, weiter gegen die Spitze lappige und ganz an der Spitze des Sprosses fiederspaltige Blätter. Auf Grund mannigfacher Ver- gleichungen constatirt der Verfasser den genetischen Zusammenhang zwischen diesen Blattformen einerseits und gewissen noch lebenden nordamerikanischen Eichenarten (@. virens Ait., @. aquatica Walt, und @. Prinus L.) und den fossilen @. Daphnes Ung. (resp. @. elaena Ung. und @. chlorophylla Ung.) und @. tephrodes Ung. aus dem Myocen, indem er die Gründe anführt, welche die Vielgestal- tigkeit des Blattes am obigen Baume als eine regressive Form- erscheinung, das ist als einen „Rückschlag“ erkennen lassen, wobei er auch auf die an der Keimpflanze auftretenden Blattformen hin- weist.

Dr. Moriz Kronfeld in Wien überreichte eine Abhandlung: „Ueber den Blüthenstand der Rohrkolben“. In der Einleitung | der vorliegenden Arbeit werden in Kürze die morphologischen Fra- gen vorgeführt, welche an das Genus Typha anknüpfen. Verfasser | Oster. botan. Zeitschrift, 2, Hoft 1887, 6

74

wendet sich im Speciellen der Untersuchung des Blüthenstandes zu. Es wird vorerst ein historischer Ueberblick, eine Geschichte und Kritik der Ansichten über den Blüthenstand von Typha gege- ben. In dem folgenden Abschnitte: Bildungsabweichungen, wer- den teratologische Fälle zusammengestellt und beschrieben. Daraus ergeben sich Kriterien für die anher aufgestellten Theorien. Nament- lich werden für die durch Schur vorbereitete, von Gelakovsky ausgearbeitete Sparganium-Theorie wesentliche Stützen heischitueht Demnächst werden aus der Untersuchung der Teratologie Excurse über die Morphologie und Biologie der Rohrkolben abgeleitet.

Dr. Richard R. v. Wettstein überreichte eine Abhandlung, betitelt: „Fungi novi Austriaci“, Ser. I. Die Abhandlung ent- hält die Beschreibungen von dreizehn neuen Pilzen, sowie Resultate morphologischer und entwicklungsgeschichtlicher Untersuchungen an denselben. Die beschriebenen Pilze gehören den Gattungen Irpew, Selerotinia, Micropeziza, Lycoperdon, Agaricus, Marasmius, Cantha- rellus, T’rametes und Hydnum an.

Monats-Versammlung der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien am 5. Jänner 1887. Vorsitzender: Herr Prof. J. Mick. Botanische Gegenstände wurden besprochen von den Herren: Dr. M. Kronfeld: Ueber die Beziehungen der Nebenblätter (Stipulae) zu ihrem Hauptblatt. Der Vortragende erbrachte den Nach- weis, dass die Neben- oder After-Blätter keine selbstständigen Or- gane sui generis, sondern eine Ausgliederung basaler Lappen des Hauptblattes darstellen und demonstrirte an Exsiceaten die von ihm semachte Wahrnehmung, dass eine Öbliteration oder aber Exstirpa- tion der Blattspreite eine abnorme Entwicklung der Stipellen zur Folge hat. Beispiele hievon an Pyrus Malus, Pisum sativum und Lathyrus Aphaca. H. Zukal: Ueber mehrere von ihm neu ent- deckte Ascomyceten. Höffer Franz: Ueber sechs in Niederöster- reich vorhandene grössere Herbarien, theils aus früherer Zeit (1. das gräfl. Harrach’sche in Bruck a. d. Leitha vom Jahre 1781 ange- fangen, 7000 Exemplare; 2. Herbar nach Prof. Sales. Schreiber in Klosterneuburg, 50.000 Exemplare; 3. ein von Sr. k. Hoheit weiland Erzherzog Rainer zum Gebrauche für Schulen hinterlassenes Herbar von 3000 Exemplaren), theils aus der Gegenwart (4. Herbar des Pfarrers A. Matz in Angern, 3000 Arten; 5. Herbar nach dem vor Kurzem verstorbenen Lehrer Glatz in Waidhofen a. d. Ybbs, und 6. Herrn Carl Aust’s in Hainburg Herbar im besten insektenfreien Zustande; Dank dessen Aufbewahrung in wohlverschlossenen Kästen aus Zirbenholz). Derselbe Vortragende sprach ferner über die Vul- gar-Namen verschiedener Pflanzen im Waldviertel. Dr. R. v. Wettstein constatirte auf Grund seiner an Coprinus-Arten gewonnenen Erfahrungen die Anwendbarkeit der Syste- matik beim Studium der Hymenomyceten, wobei er die Bedeutung der Cystiden als Schutzmittel der Sporen näher erörterte.

Moritz Prihoda.

A u A U

75

Die Wiener pädagogische Gesellschaft hat an den Gemeinde- rath ein Gesuch um Errichtung eines botanischen Gartens für Unterrichtszwecke auf Gemeindekosten gerichtet. Die Proponenten meinen, diese Communal-Anstalt hätte Pflanzen für die Schulen un- entgeltlich abzugeben, die Lehrer könnten den Garten mit ihren Schülern besuchen, Gebildeten aller Stände soll derselbe zugänglich sein, botanische Vorträge und Demonstrationen wären daselbst abzu- halten u. s. w. Es wird auf Berlin hingewiesen, wo ähnliche An- stalten im Humboldthain, Friedrichshain und Treptow bestehen, welche sich bestens bewähren. Die Gemeinde Berlin habe den bota- nischen Garten auf einem eigens angekauften Grundstücke schon vor 18 Jahren errichtet und die nöthigen Baulichkeiten geschaffen und besolde das Personale. Die Gesellschaft meint, dass die Area des ehemaligen Thiergartens im Prater sich zu dem angeregten Zwecke besonders eignen würde.

Botanischer Tauschverein in Wien.

Sendungen sind eingelangt: Von Herrn P. Dicht] mit Pflan- zen aus Niederösterreich. Von Herm Frank mit Pflanzen aus Oberösterreich. Von Herrn Runge mit Pflanzen aus Westfalen.

Sendungen sind abgegangen an die Herren Btocki und Callier.

Aus Schlesien eingesendet von Felsmann: Alectorolophus ma-

jor, A. minor, Cicer arietinum, Corylus tubulosa f. atropurpurea,

Örepis paludosa, Galeopsis speciosa, Hypochoeris maculata, Madia sativa, Melandrium album, M. rubrum, Phalaris picta, Plantago microstachya, Pyrola secunda, Ranunculus acer, R. polyanthemos, Saliv purpurea X viminalis, Thalietrum minus, Valeriana sambuci- folia, Veronica triphyllos, Viola arvensis, V. hirta, V. Riviniana, V. silvatica.

Aus Galizien eingesendet von Wodloszezak: Oytisus ruthenicus.

Aus Dalmatien eingesendet von Adamovic: Aspidium palli- dm, Asplenium acutum, Dianthus racemosus, Galium aureum, Li- naria dalmatica, Teuerium scordioides.

Aus Ungarn eingesendet von Borbäs: Aster punctatus, Dian- thus Armeriastrum, Jquisetum ramosissimum, Lapsana cancellata, Linum glabrescens, Lolium linicolum, Medicago elongata, Plantago altissima, Pulmonaria mollissima, Quercus conferta, Rosa hunga- rica, R. petrophila, Saliw amgustifolia, Scirpus Michelianus, Syrenia angustifolia, Syringa Josikaea, Trifolium procerum, Trif. resu- pinatum. |

Aus Niederösterreich eingesendet von L. Keller: Aconitum Anthora, Androsace obtusifolia, Campanula alpina, Carex capillaris,

07

76

Ö©. ferruginea, Castanea sativa, Centaurea vochinensis, Epilobium tetragonum, Fumaria rostellata, Gentiana pumila, Hedysarum ob- scurum, Jasione montana, Juncus Jacquini, Medicago falcata var. glandulosa, M. fale. var. pubescens, M. falcato X sativa, M. sativa, Nigritella nigra, Ononis repens, Oxytropis montana, Papaver alpi- num var. album, P. Argemone, P. Rhoeas, Pedicularis rostrata, Phaca frigida, Phleum Micheliü, Ranunculus alpestris, R. platani- folius, Rubus Beckü, R. Gloggnitzensis, R. Gremlü, R. Halaesyi, R. megathamnos, R. rosulentus, Saxifraga stellaris, Soldanella mi- nima, Statice alpina, T’hlaspi rotundifolium, Trifolium gracile, Vul- pia myuros.

Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden.

Inserate.

Verlag von Arthur Felix in Leipzig. un Das Chlorophylikorn

über Kr Protoplasma -Mechanik | chemischer, morphologischer “und va biologischer Beziehung. Dr. G. Berthold, Ein Beitrag

a. o. Professor der Botanik und Director | zur Kenntniss des Chlorophylikornes der des pflanzenphysiologischen Institutes | Angiospermen und seiner Metamorphosen

der Universität Göttingen. von Mit 7 Tafeln. Arthur Meyer. In gr. 8. XII, #36 Seiten. 1886. brosch. | Mit 3 Tafeln in Farbendr. In gr.4. 1883, Preis: 14 M. brosch. Preis: 9 M.

anna

Vollständige Naturgeschichte der forstlichen

Culturpflanzen Deutschlands.

Bearbeitet von Dr. Theodor Hartig,

herzogl. Braunschweig’scher Forstrath und Professor etc.

Neue wohlfeile Ausgabe. Mit 120 colorirten Kupfertafeln und Holzschnitten. In gr. 4. XVII. 580 Seiten. brosch. Preis: 50 M.

Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. Verlag von ©. Gerold’s Bohn. C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien.

r

i

Oesterreichische

Botanische Zeitschrift,

Die österreichische Exemplare botanische Zeitschrift Organ die frei durch die Post be- erscheint zogen werden sollen, sind den Ersten jeden Monats. f blos bei der Redaction Man pränumerirtauf selbe ar (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1) mit 8 fl, öst. W. zu pränumeriren.

(6. R. 2a) Botanik und Botaniker. „m. Wege

ganzjährig. oder mit Buchhandels übernimmt

4 fl. öst. W. (8 R. Mark) Fr Pränumeration halbjährig. Ns €. Gerold’s Sohn Inserate in Wien, die ganze Petitzeile N: 3 sowie alle übrigen 15 kr. öst. W. EN 5 Buchhandlungen. XXXVII Jahrgang. WIEN. März 1887.

INHALT: Nachruf. Von Dr. Burgerstein. Campanula farinulenta. Von Dr. Kerner und Dr. Wettstein. Pinguieula bicolor. Von Dr. Woloszezak. Zur Batographie Niederöster- reichs. Von Sabransky. Galeobdolon Tatrae. Von Ullepitsch. Verwachsung von Stäm- men, Von Voss. Zur Flora von Bielitz. Von Baier. Ursachen der Haarbildung. Von KraSan.

Bergalgenflora Böhmens. Von Dr. Hansgirg. Flora des Etna. Von Strobl. —- Literatur- berichte. Correspondenz. Von Keller, Formänek, Borbäs. Personalnotizen. Vereine, Anstalten, Unternehmungen. Botanischer Tauschverein. Inserate. Nach er an

Dr. Alois Pokorny.

Wie eigenthümlich doch das Schicksal waltet! Am 22. Decem- ber des vorigen Jahres versammelte sich der Lehrkörper des Leo- poldstädter Communal-Real- und Obergymnasiums, um dem Director der Anstalt, Regierungsrath Dr. Alois Pokorny, in treuer Anhäng- lichkeit und aufrichtiger Verehrung ein glückliches Neujahr zu wün- schen und am Neujahrstage versammelte sich derselbe Lehrkörper abermals, aber sein Chef war nicht mehr unter den Lebenden; er war am 29. December ferne von der Heimath und seinem Wirkungs- kreise eines plötzlichen Todes verschieden. Desshalb versammelte sich auch das Professoren-Collegium, um über die Bestattungsmodalitäten zu conferiren. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel erschien die Todesnachricht in den Tagesblättern und allgemein war die Trauer der zahlreichen Schüler, Fachgenossen und Freunde dieses ausgezeich- neten Mannes.

Pokorny wurde am 23. Mai 1826 zu Iglau in Mähren ge- boren. Nach Absolvirung des Gymnasiums studirte er 1844—1848 Jurisprudenz in Wien; im folgenden Jahre kam er als Supplent an das hiesige k. k. akademische Gymnasium und nach Ablegung der Gymnasial-Lehramtsprüfung aus Naturgeschichte und Physik wurde er 1852 zum wirklichen Lehrer an der genannten Unterrichtsanstalt ernannt. Im Jahre 1855 erhielt Pokorny von der Universität Göt-

Oesterr. botan. Zeitschrift. 8, Heft 1887, 7

78

tingen das Diplom eines Doctors der Philosophie und nach bald darauf erfolgter Nostrification habilitirte er sich an der » Wiener Universität für allgemeine Pflanzengeographie, die er bis zum Jahre 1868 docirte. Eine wichtige Periode im Wirkungskreise Pokorny's berann im Jahre 1864. Der Gemeinderath von Wien hatte in seiner Sitzung vom 18. Februar 1864 die Errichtung zweier Realgymna- sien und einer vollständigen Realschule beschlossen. Nachdem dieser denkwürdige Beschluss von dem Staatsminister Excellenz R.v. Schmer- ling die Genehmigung erhalten hatte, wurde Dr. Alois Pokorny laut Gemeinderathsbeschluss vom 26. October zum Director des städtischen Realgymnasiums im zweiten Bezirke ernannt; die Anstalt selbst wurde am 11. October des genannten Jahres von dem dama- ligen Bürgermeister Dr. Andreas Zelinka in feierlicher Weise er- öffnet. Pokorny verblieb in dieser seiner neuen Stellung bis zu seinem Tode. Er leitete die ihm anvertraute Lehranstalt, die succes- sive zu einem vollständigen Real- und ÖObergymnasium erweitert wurde, in musterhafter Weise und setzte stets seine volle und beste Kraft ein für das Gedeihen und den Aufschwung derselben. Zu wieder- holtenmalen wurde in massgebenden Kreisen die Frage ventilirt, ob die Real-Gymnasien bekanntlich eine Schöpfung der neueren Zeit in ihrer bisherigen Organisation fortbestehen oder in sog. reine Gymnasien verwandelt werden sollen. Pokorny setzte sich stets auf das kräftigste für die Real-Gymnasien ein; in mehreren mit grosser Sachkenutniss und Objeectivität geschriebenen, zumeist in den Jahres- berichten der Anstalt veröffentlichten Aufsätzen suchte er den Nach- weis zu liefern, dass die Bedenken, welche von verschiedenen Seiten gegen den Fortbestand der Real-Gymnasien erhoben wurden, theils unbegründet sind, theils auf ein sehr geringes Mass sich reduciren, und zeigte, dass die österreichischen Real-Gymnasien als im fort- schrittlichen Geiste entwickelte Gymnasien sind, welche gegenwärtig unbedingt den Vorzug vor den sog. reinen Gymnasien verdienen. Pokorny’s Musse war fast ausschliesslich literarischer Thätig- keit gewidmet. Schon als Gymnasiast zeigte er ein lebhaftes Inter- esse für die Naturwissenschaften im allgemeinen und für die Bota- nik ganz besonders. Durch eine Reihe hervorragender österreichischer Botaniker (Endlicher, Fenzl, Reissek, Kotschy u. A.) in die scientia amabilis eingeführt, trat er bald mit selbständigen Arbeiten in die Oeffentlichkeit. Wir können hier nicht auf eine Enumeratio seiner zahlreichen Publicationen, die namentlich Themen aus der Bryologie, Phänologie, Localfloristik und Blattmorphologie behandel- ten, geben.') Hervorheben müssen wir aber seine gründlichen und umfassenden Untersuchungen der ungarischen Torfmoore, seine „Plantae lignosae imperii austriaci* (mit 1645 Blattabdrücken auf 80 Tafeln) und die in Gemeinschaft mit Prof. C. v. Ettingshausen heraus- gegebene „Physiotypia plantarum austriacarum“, ein Werk in fünf

f '‘) Eine Zusammenstellung seiner Arbeiten bis zum Jahre 1863 enthält die ausführliche Biographie Pokorny’s im XIII. Jahrgange dieser Zeitschrift.

19

Foliobänden mit 500 Tafeln, wofür jeder der beiden Verfasser von Sr. Majestät dem Kaiser mit einem Brillantring ausgezeichnet wurde. Die sich von Jahr zu Jahr mehrenden Amtsgeschäfte, sowie die fast unausgesetzte, zeitraubende Redaction seiner Lehrbücher hinderten ihn immer mehr an der Ausführung wissenschaftlicher Unter- suchungen. Seine letzten grösseren Arbeiten waren: „Ueber phyllo- metrische Werthe als Mittel zur Charakteristik der Pflanzenblätter* (Sitzungsber. der k. Akademie der Wissensch. Wien 1875) und „Die Blättermasse österreichischer Holzpflanzen“ (Verh. der k.k. zoolog.- botan. Gesellschaft 1877). Unter den verschiedenen Lehrbüchern, die Pokorny herausgab, erfreute sich insbesondere die illustrirte Natur- geschichte des Thierreiches, Pflanzenreiches und Mineralreiches für die unteren Classen der Mittelschulen einer ganz ausserordentlichen Verbreitung. Die Bücher erschienen in den Fünfziger-Jahren und er- lebten zahlreiche Auflagen. Seit Jahren sind die Pokorny’schen Lehrtexte in alle Sprachen der Monarchie übersetzt und fast an sämmtlichen österreichischen und. ungarischen Mittelschulen einge- führt. Die Zahl der von der Verlagsbuchhandlung bisher ausgegebenen Exemplare beträgt viele Hunderttausende.

Pokorny war Ehrenmitglied, correspondirendes und wirkliches Mitglied, Vicepräsident und Ausschussmitglied zahlreicher wissen- schaftlicher Corporationen des In- und Auslandes.

Seine Vielseitigkeit des Strebens und seine Verdienste in päda- gogisch-didactischer und wissenschaftlicher Richtung wurden mehr- fach anerkannt. Von Sr. Majestät dem Kaiser wurde ihm, wie schon bemerkt, ein Brillantring, ferner mit Allerhöchster Entschliessung vom 24. Juni 1872 „in Anerkennung vieljährigen und ausgezeichneten Wirkens im Lehramte“ der Titel und Charakter eines Regierungs- rathes verliehen. Bald darauf erhielt er den k. russischen St. Annen- Orden III. Classe. Anlässlich des zurückgelegten dreissigsten Dienst- jahres wurde ihm taxfrei das Bürgerrecht der Stadt Wien zuerkannt.

Vor den letzten Weihnachten nahm Pokorny einen kurzen Urlaub, den ersten und einzigen zugleich während der langen Lauf- bahn ununterbrochener Thätigkeit und Pflichterfüllung und begab sich in Begleitung seiner Gattin nach Innsbruck zum Besuche seiner

- Tochter und seines Schwiegersohnes, des Universitätsprofessors Dr. Franz R. v. Juraschek. Nach Neujahr sollte er zurückkehren zur Wiederaufnahme seiner Thätigkeit; aber nur die entseelte Hülle

_ war es, welcher sich die Pforten des Gymnasiums zum letztenmal zu einem tiefergreifenden Einzug und nur für wenige Stunden öffne-

f

ten. Der Lehrkörper trauert tief und aufrichtig über den Verlust

eines edlen und bedeutenden Mannes, auf dessen Führung derselbe

stolz sein konnte, an dessen leuchtendem Vorbild er sich erheben und auf dessen wahre Freundschaft er zu jeder Zeit rechnen konnte. Die Schüler, welche den Dahingeschiedenen wegen seiner Gerechtig-

keit und seines Wohlwollens verehrten und hoch schätzten, haben

einen wahrhaft väterlichen Freund verloren. Die Wissenschaft beklagt

in Pokorny den Verlust eines begabten kenntnissreichen Mannes, ki

80

eines thätieen unparteiischen Schriftstellers, eines gewissenhaften For- schers. Durch seine Verdienste um die Wissenschaft und den Unter- richt, durch sein edles, alles Gute und Schöne gerne förderndes Stre- ben, durch sein urbanes, feinfühlendes und wahrhaft gütiges Naturell hat er sich selbst ein Denkmal geschaffen, das ihm für alle Zeiten die Anerkennung, Hochachtung und Liebe sichert in den Herzen aller Jener, welche ihm in irgend einer Richtung im Leben näher gestanden sind.

Wien, im Februar 1887. Dr. A. Burgerstein.

in ——

Campanula farinulenta. Auctoribus A. Kerner et Wettstein.

Rhizoma tenue, ramosum, caules complures edens. Caulis erec- tus vel ascendens, gracilis, indivisus vel parce ramosus, foliis sparsis, subangnlatus, glaber, 10—20 Ctm. longus. Folia glabra nitida, in apice rhizomatis rosulas parvas steriles formantia; ea rosularum ob- cordato-rotundata, subserrata, obtusa, longe petiolata; caulinorum basalia obcordata, apiculata, parce serrata, serrae basin folii versus elongatae (itaque folia nonnunquam subsagittata), longe petiolata, sensim in lanceolata, brevissime petiolata, acuta, serrata, in utroque latere serris 3—8 praedita abeuntia; summa linearia, acuta, integra, sessilia. Folia rosularum sterilium et inferiora cca. 10—20 Mm. diametro, petiolo 30—50 Mm. longo; intermedia cum petiolo 20—30 Mm. longa, 3—5 Mm. lata; summa 13—25 Mm. longa, 1—2 Mm. lata. Flores solitares vel in racemis laxis 2—7 floris, longe pedun- culati, nutantes. Calyx lobis longe acuminatis, angustis, 4—6 Mm. longis, ad basin cea. 05 Mm. latis, initio rectis, mox erecto-paten- tibus, glabris. Tubus calyeis 10-costatus, costis glabris obtusis, inter costas papillis albis obtusis farinulento-puberulus. Corolla tubuloso- campanulata, superne ampliata, coerulea, glabra, 15—18 Mm. longa, lobis triangularibus, subacutis, 3—5 Mm. longis, tenuiter retieulatim nervosis. Stylus corolla aequilongus, in parte superiore papillosus, inferne disperso-hirsutus. Capsula (junior) obconica, costis modice prominentibus, indumento farinulento persistente, nutans, basi dehiscens.

Dalmatia. In glareosis et rupestribus montis Biokovo. Legit Th. Pichler Junio 1870 et Julio 1880.

Pinguicula bicolor. Von Dr. Woloszczak.

Acaulis, vulgo biscapa, tota glandulis brevistipitatis sparsis in- structa; radice fibrosa; folüs rosulatis, oblongis vel oblongo-lanceo- latis, obtusis, basi attenuata sessilibus ;. calix campanulatus bilabiatus,

a 4 2 ra 2

8l

labio inferiore bilobo, superiore trifido, lacinüs obtusis; corolla in calcar subulato-conicum rectum dimidio brevius subito contracta, bilabiata ; labio superiore, paulum breviore bi-, inferiore trifido, la- cinia labis inferioris intermedia lateralibus duplo longiore calcaris longitudinem aequante ; laciniis omnibus albis, caetera corolla viola- cea. Scapus ad 20 cm. altus, calcar 5 mm. long.

In pratis turfosis ad pagum Podmanasterz in agro Leopolitano sat copiose.

P. bicolor unterscheidet sich von P. vulgaris L. durch kleinere Blüthen, deren Krone sich plötzlich in den Spora verschmälert, fer- ner durch weisse Kronzipfel. Sie dürfte in Galizien eine weitere Ver- breitung haben.

„Ueber das gelbblühende Melampyrum Herbichii m., welches von M. saxosum und silvatieum durch eiförmige Kelchzipfel auf- fallend sich unterscheidet, so wie andere ostkarpatische Pflanzen werde ich später Mittheilungen bringen.

Lemberg, am 9. Februar 1887.

Zur Batographie Niederösterreichs, Von H. Sabransky.

Folgende Zeilen sollen sich als bescheidener Beitrag an die Exposition der Rubi in Haläcsy und Braun’s Nachträgen zur Flora Niederösterreichs (1882) anschliessen. Einige fürs Gebiet neue Formen habe ich desshalb mit Beschreibung versehen. Anlass bot mir selbstgesammeltes Materiale sowohl, als mehreres, das mir von befreundeten Botanikern zur Bestimmung vorgelegt wurde.

FR. megathamnos A. Kern. (RR. bifrons > tomentosus). Zwischen Seebenstein und Pitten (nächst Aspang), an einem Waldrande gegen- über der Papierfabrik (C. Aust). Auch R. bifrons Vest. erhielt ich von dort in schönen Exemplaren.

R. epipsilos Focke. Die in den „Nachträgen ete.* gegebene Diagnose der Wiener Pflanze stimmt so wenig zur Focke’schen Be- schreibung, dass Herr v. Haläcsy selbst die Identification mit einem Fragezeichen versah. Ich habe diese Pflanze noch nicht ge- sehen, doch steht der Bau der Inflorescenz, die Form des Endblätt- chens und das tiefrosenrothe Colorit der Blüthen mit der Original- diagnose nicht im Einklange. An Bergabhängen zwischen Stein-

bach (Gasthof) und Weidlingau habe ich eine Brombeere ange-

troffen, die sowohl der Focke’schen Beschreibung gut entspricht, als auch mit bayrischen, von Dr. Progel mir mitgetheilten Exemplaren prächtig übereinstimmt. Besteht ein Unterschied, so ist es höchstens der, dass die Blüthenstielchen der Wiener Pflanze viel weniger dicht behaart sind, als die der Waldmünchener Exemplare. Von AR. Ra-

82

dula Whe. und R. Caflischii F. unterscheidet sich diese Form durch viel schwächere Bewehrung der Rispe, unterseits sehr dünnfilzige, also fast concolore Blätter und unbehaarte Schösslingsaxen.

R. Guentheri Whe. et N., Focke Syn. Rub. Germ. p. 375. In den erwähnten „Nachträgen ete.“ S. 337 (nach .R. hirtus W.K.) folgender Weise einzufügen:

Schössling aus niedrig bogigem Grunde liegend oder klet- ternd, rund, unbereift (selten blaubereift: f. pruinosa Utsch'), dicht, fast zottig behaart, mit ungleichen dünnen Stacheln und un- gleich langen Stieldrüsen besetzt. Blätter fussförmig, 5-zählig, selten 3-zählig, mit deutlich gestielten Seitenblättchen. Blätt- chen scharf, ziemlich gleichmässig gesägt, beiderseits behaart, mitt- leres eiförmig oder elliptisch, mit ziemlich langer Spitze. Blüthenzweige wollig behaart, dunkelroth-drüsig, mit 3-zäh- ligen Blättern besetzt, kurz ungerade bestachelt. Rispe meist kurz, fast. traubig, nur die untersten Aeste mehrblüthig. Kelchzipfel dicht duukeldrüsig, zuletzt aufrecht. Kronblätter weiss. Staub- gefässe einreihig roth, halb so lang als die purpurnen Griffel. Fruchtknoten behaart.

An Waldrändern an der Tullnerstrasse und auf der Sophien- alpe nicht selten. Mitte Juli.

Von R. hirtus W. K. unterscheidet sich diese Art durch die zottigbehaarten Axen, die kurzen, wie bei R. Idaeus nur eincycli- schen rothen Staubblätter. Z. Bayeri F. ist durch unbehaarte Schöss- linge, längs zugespitzte Blätter, auch ganz einreihige längere Staub- gefässe und grüne Griffel verschieden. Das Merkmal der rothen Griffel ist nicht beständig, so erhielt ich aus den bayrischen Thei- len des Böhmerwaldes eine Reihe grüngriffliger Formen des R. Guentheri. Charakteristisch aber ist die typische Tracht des R. hir- tus bei Kürze und Einreihigkeit der Staubgefässe.

Am Plateau der Sophienalpe und am Wege von hier nach Hütteldorf sammelte ich Formen, die habituell sehr abweichen, aber doch hieher gehören dürfen; sie seien erwähnt als R. [Guwentheri W. N. var.] chlorosericeus m.: Schösslinge blau bereift, sehr dicht behaart; Bestachelung derber, die grösseren Stacheln aus breiter Basis etwas gekrümmt, ziemlich rigid; Blätter immer fussförmig, 5-zählig, Blättchen beiderseits grün, dicklich, oben dunkel, lederig, unten von kurzen, dicht abstehenden Haaren weich sammtig anzufühlen, das mittlere aus seicht herzförmigem Grunde verkehrt eiförmig oder breitelliptisch, mit langer Spitze. Blüthenstand lang und sehr schmal; sonst wie typischer R. Guentheri Whe. N. Syn.: R. malacophyllus m. ad amicos.

R. eurythyrsos Sabr. et H. Braun n. sp.

Verworren kletternder Strauch mit klimmenden Schösslin-

'‘) Diese Form fand ich ein halbes Monat später in den kleinen Kar- paten bei Pressburg (an waldigen Bergabhängen nächst dem Eisenbrünnel).

83

gen. Diese 4—3 Mm. im Durchmesser, fünfkantig, mit streifigen unbehaarten Flächen, mit zahlreichen, ziemlich langen Stieldrü- sen, massenhaften kurzen Borsten und längeren (2:5 Mm.) unter sich ziemlich gleichen Stacheln besetzt; letztere aus rother, verbreiterter Basis schmal, dünn, aber rigid, gerade und zurück- geneigt, strohgelb, ziemlich zahlreich (etwa 30 im Interfolium). Blätter des Schössling fussförmig, 5-zählig. Blattstiele oben flach, unbehaart, mit gekrümmten Stacheln und sehr copiosen Drüsen bewehrt. Nebenblätter fadenförmig, hoch angeheftet. Theil- blättchen beiderseits grün, vorn zerstreut behaart, unterseits von einem dünnen, durchscheinend schimmernden Filz überzogen, das mittlere aus nur schwach herzförmigem Grunde breitelliptisch, mit fast parallelen Seitenrändern oder rundlich, mit kurzer, fast aufgesetzter Spitze, langgestielt (Stielchen halb so lang als der Blattstiel und das Centralblättchen). Blüthenzweig mit kleineren, 3-zähligen Blättern versehen; Rispe sehr lang (20 bis 30 Ctm.), umfangreich, hochdurchblättert, bis zur Spitze aus mindestens dreiblüthigen, traubigen Aest- chen zusammengesetzt, die unteren vier- bis sechsblüthig, verlängert abstehend; Spindel der Inflorescenz, wie Blüthen- stielchen angedrückt verwoben filzig, mit dünnen Stachel- nadeln und langen Stieldrüsen dicht besetzt. Kelche filzig, aussen drüsig benadelt. Kronblätter sehr schmal, länglich, fast genagelt, tief ausgerandet, grünlich-weiss. Staubgefässe die grünen Griffel überragend. Fruchtknoten kahl.

Wiener Umgebung: In Gesträuchen am Fusse des Exelber- ges bei Neuwaldegg; an der Tullnerstrasse gegen die Sophien- alpe (in der Nähe eines Steinbruches). Juli.

Eine Glandulose von so auffallendem Gepräge, dass ihre Neu- beschreibung geboten erscheint. Der bekannte bayrische Batologe Herr Dr. Progel schreibt mir über sie: „Eine ganz eigenthümliche Pflanze, die ich vorläufig mit keiner anderen Form vergleichen möchte.“ Von den in Haläcsy und Braun’s Nachträgen beschrie- benen Glandulosen unterscheidet sich diese Art sofort durch die umfangreiche, verzweigte Inflorescenz, die langgestielten, relativ kleinen Mittelblättehen, die schmalen grünlichen, tief ausgerandeten Petalen und durch den starren, mehr den Radulis ähnlichen Be- stachelungstypus. Ueberhaupt erinnert die Pflanze beim ersten An- blick vielleicht mehr an R. rudis, Whe. et W., als etwa an KR. hirtus W. K., die langen Stieldrüsen und Anderes aber weisen s0- fort auf die Focke’schen Glandulosi, in deren Serpens-Gruppe R. eurythyrsos zu stellen ist. Der Verdacht einer hybriden Abstammung liegt nicht nahe, denn die Bastarde von R. hirtus mit R. tomen- tosus, R. bifrons, R. macrostemon (nur diese Arten wachsen in der Nähe) sind unserer Art nicht zu vergleichen.

R. carpatieus Borb. et Sabr. in Verh. d. k. k. zool.-botan. Gesellsch. Wien XXXVI, pag. 92. Rehgraben bei Gloggnitz (Dr. ©. Richter Rub. exsiec. u: 28)! Eine - unbedeutende; Motlification der

84

von mir beschriebenen Pflanze, die vielleicht durch schwache Behaa- rung des Schösslings und etwas längere Inflorescenz abweicht; ganz genau dieselbe Form fand ich in den Eichenwäldern des Steurer- grundes bei Pressburg, vielleicht ist diese Form der Typus und meine Beschreibung einer drüsenreicheren Abänderung entnommen.

R. oreogeton Focke. Schösslinge rundlich oder stumpfkan- tig, unbereift, seltener schwach bläulich bereift, unbehaart, dicht und sehr ungleich bestachelt, die grösseren Stacheln oft bis 6—8 Mm. lang, strohgelb, dünn, rechtwinklig abstehend, die kleineren borstig, massenhaft, mit zahlreichen langgestielten Bor- stendrüsen besetzt. Blätter meist 3-zählig, oder fussförmig, 5-zäh- lig, dann das äusserste Blättchen ungestielt, sitzend, Blattstiel rinnig; Nebenblätter lanzettlich oder breitlineal, Centralblättchen aus gerundeter, oder seicht herzförmiger Basis oval rhombisch, bespitzt, beiderseits hellgrün und behaart. Blüthen- stand aus axillären Corymben bestehend, meist verlängert mit langen Blüthenstielen, diese verwoben behaart, lang und dicht be- wehrt, mit sehr langen Drüsen besetzt. Blüthen gross, weiss oder röthlich (var. ruber Maass). Staubfäden die Griffel über- ragend. Kelchzipfel reich drüsig benadelt, nach der Anthese auf- gerichtet. ').

Rehgraben bei Glogenitz (Dr. C. Richter). Juni.

Unterscheidet sich von AR. dumetorum Whe., Hal. Braun. sofort durch das reiche Drüsenkleid und die heteracanthe Beweh- rung; von .R. pseudopsis Hal. Verh. d. k. k. zool.-bot. Gesellsch. XXXV, pag. 668 vix Gremli und dem R. Heimerlü Hal.]. c. durch die dichten geraden Stacheln, die grossen Blüthen und ganz sitzen- den Endblättchen, von letzterer schöner Art ausserdem durch con- colore Blätter. Der dänische R. Jensenii Lge., für welchen Herr Dr. Richter diese Art nahm, ist schwächer bestachelt, sein Endblätt- chen tiefer herzförmig, seine Kelche aussen grün, wie bei den Suberectis.

Pressburg, am 7. Jänner 1887.

Galeobdolton luteumr Huds. 7 Zetrae mihi. Von J. Ullepitsch,

Planta debilis 6—10 pollicaris, flewuosa. Radix truncata multi- fibrosa solummodo I—2 raro plures caules agens. Caulis quadri- gonus ad acies dense pilis albis deflewis obtectus. Folia inferiora (et caulorum sterilium) late rotundata, nunquam acuminata, longissime petiolata, late crenata, crenaturae aderescentes; superiora: (ab inflo- rescentia apicem versus) in lanceolato-cordatam formam sensim trans-

t) Beschreibung nach mährischen Exemplaren ergänzt.

85

eunt, brevius petiolata, obtuse simpliciter raro biserrata; omni«a alter- natim opposita, opacca, corrugatula, hispidula, subtus nervosa. Petioli basi amplezicaules, pilis albis praeeipue ad margines dense tecti, ca- naliculati. Inflorescentia racaemulus ex 1—2 raro 3 verticillis tri- floris compositus. Calix hirtus, Önervosus ad medium Öfidus ; fissurae subulatae albo-acuminatae, hirtae et longioribus setis intermixtis eiliatae, statim patentes. Involucrum minimum 3—Jfoliatum. Corolla lutea, extrorsum pilosa, interdum 1—3 venis saturate purpureis longitudi- naliter picta; lıbium superius elongatum cochleare, margine subere- nulato-subundulatum; labium inferius aequaliter tridentatum, dentes obtusi. Filamenta unacum antheris nuda, atropurpurea. Carpellum triquetrum trunculatum. Semen ovale nitidum.

Floret planta haec mense Junio in silvaticis ad pedem Tatrae solo granitico et calcareo, nec non in rupibus Magurae.

Schon der generische Charakter für Galeobdolon ist gering- fügig, sonst wäre diese Pflanze von gründlichen Floristen nicht schon zu Lamium, Leonurus und Galeopsis gezählt worden. Liest man die Beschreibung der Pflanze bei neueren Floristen nach, so findet man erhebliche Abweichungen, hat es also mit einer wandel- baren Pflanze zu thun.

Nur Person stellte bis nun die ß. montanum-Form auf, die eigentlich nur auf der Jange nach vorne gezogenen Gestaltung der Blatt- zähne beruht und leicht erkenntlich ist. Obbenannte Form ist zwar noch leichter erkenntlich, allein bei dem Umstande, dass sie hier stellenweise mit der typischen Form gemeinsam vorkommt und durch Bastartirung (?) Uebergänge hervorbringt, veranlassen mich zu dem Ersuchen, nicht jedes Galeobdolon aus hiesiger Gegend für die Tatra- form anzunehmen.

Kniesen, Zips, Ungarn, 30. December 1886.

Merkwürdige Verwachsungen von Stämmen der Roth- buche (Fagus sylvatica L.).

Von Wilhelm Voss,

Als ich während des Sommers 1885 mehrere Wochen zu Lees in Öberkrain zubrachte, um die mykologischen Verhältnisse der Quer- thäler des oberen Savegebietes, welche theils in die julischen Alpen, theils in die Karawankenkette tief einschneiden, genauer kennen zu lernen, kam ich auch öfter nach dem naheliegenden Städtchen Rad- mannsdorf. Im dortigen gräfl. Thurn’schen Schlossgarten beobach- tete ich einige sehr merkwürdige Baumverwachsungen an Roth- buchen, welchs zu einer Allee ziemlich enge gepflanzt wurden und, _ da sie längs einer Mauer stehen, vor Sturm gut geschützt sind. Nach einiger Zeit erhielt ich von meinem hochgeehrten Corre- spondenten, Prof. Dr. P. Magnus in Berlin, eine Nummer aus dem

86

dritten Jahrgange (1884) der von Dr. L. Wittmack herausgege- benen „Garten-Zeitung“, worin auf Seite 253—256 der von Magnus in der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin gehaltene Vortrag „Verwachsungen verschiedener Stämme und Aeste“ in Wort und Bild wiedergegeben ist. Diese interessanten Beobachtungen be- ziehen sich auf Linden, eine bei Tegel nächst Berlin, die andere in dem alten Parke bei Schlackenwerth in der Nähe von Carlsbad in Böhmen; die übrigen Ausführungen besprechen Astverwachsungen verschiedener Laub- und Nadelhölzer. Auch R. Caspary hat in einem Aufsatze „Ueber zweibeinige Bäume“ in den Schriften der physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg (XXIII. Bd., 1882) und Moquin-Tandon in seiner „Pflanzen-Teratologie* ähn- liche Naturspiele beschrieben. Als besonders bemerkenswerthe Bil- dung wird bei Frank (Pflanzenkrankheiten pag. 135) die Eiche in den Ardennen und ein Kastanienbaum auf dem Aetna (Castagno di cento cavalli) genannt.

Auf dieses hin glaube ich es nicht unterlassen zu sollen, auch der Radmannsdorfer Buchen in Kürze zu gedenken.

Zunächst mögen zwei‘ Doppelbäume Erwähnung finden. Der eine (Fig. I) zeigt unten‘ zwei senkrechte‘ Stämmö, 20 und :32- Ctm..

87

im Umfange, die bis auf 150 Ctm. ziemlich parallel erwachsen sind. Das schwächere Individuum näherte sich hierauf dem stärkeren Baume und verwuchs mit diesem; die Wipfel beider aber sind selbst- ständig weitergewachsen. An der vereinigten, 60 Ctm. langen Stelle beträgt der Umfang des gemeinschaftlichen Stammes 51 Ütm.

Der zweite Baum (Fig. II) hat sich aus zwei Stämmen ge- bildet, die anfänglich bis auf 150 Ctm. getrennt aufwuchsen. Der jüngere Baum hat sich sodann schief geneigt, ist dem benachbarten älteren Baume entgegen gewachsen und mit ihm der ganzen Länge nach verwachsen. Am Grunde beider Buchen ist auf diese Art ein nahezu rechteckiges Thor entstanden.

Ein weiterer, zweifüssiger Baum (Fig. III) zeigt deutlich eine Verwachsung auf 180 Ctm. Länge. Dadurch entstand am Grunde ein 55 Ctm. hohes, dreieckiges Thor. Der Umfang des einen Baumes beträgt vor der Vereinigung 47, nach derselben 38 —- der des an- deren Baumes anfänglich 31, hierauf aber 37 Ctm., er hat somit an Dicke zugenommen.

Die beiden noch zur Sprache kommenden Verwachsungen schei- nen mir noch weit bemerkenswerther, da sie sich auf drei Bäume erstrecken.

' ' 1 ı 1 ; ' ' 1 f i ' ' ; l R fr . . 8 . ' [ 1 ' ' ..

[0 ,s] N

Der erste „dreifüssige Baum“ (Fig. IV) ist aus verschieden starken Stämmen entstanden. Der linke Stamm, 39 Ctm. im Umfang messend, hat sich mit dem in der Mitte stehenden kräftigsten Baume in einer Höhe: von 150 Ctm. auf kurze Strecke verbunden. Die jüngste, rechts dargestellte Buche ist in einer Höhe von 85 Ctm. auf eine längere Entfernung mit ihrem Nachbar zusammengewach- sen. Der gemeinsame Stamm hat als weitesten Umfang nahe an 110 Ctm.

Im letzten Bilde (Fig. V) sind es abermals drei Stämme, die in höchst eigenthümlicher Weise untereinander verwachsen sind. Bei den beiden linken Bäumen muss die Vereinigung schon frühzeitig stattgefunden haben, da nur ein niedriges, dreieckiges Thor beide am Grunde trennt. Nach erfolgter Verbindung wuchs der Wipfel eines Baumes, ein Knie bildend, seitwärts und strebte hierauf in die Höhe. Erwähnenswerth ist noch die Brücke zwischen diesen Stämmen, entstanden durch einen Seitenast, der auf dem nebenstehenden Baume zuwachsend, mit diesem verschmolz, wodurch ein dreieckiges, mit der Spitze nach abwärts gekehrtes Fenster entstanden ist. Der dritte, rechts gezeichnete Stamm ist durch ein grosses Thor von den neben- stehenden getrennt. Die Verwachsung lässt sich auf eine grosse Strecke verfolgen, doch haben auch hier die Wipfel verschiedene Richtungen im Weiterwachsen einzehalten.

Die hier beschriebenen Abnormitäten sind sämmtlich echte Verwachsungen, welche bekanntlich dann erfolgen, wenn die sich berührenden Stämme oder Aeste aufeinander einen Druck ausüben und durch gegenseitige Reibung, wie sie der Wind hervorrufen kann, die Rinde verschwindet, worauf die beiderseitigen Cambiumschichten sich vereinigen. Sodann legt sich alljährlich ein gemeinschaftlicher Holzring um beide Stämme. Bedingung ist, dass die Bäume geschützt stehen, so dass sie der Sturm nicht auseinander reissen kann. Da- durch unterscheiden sich diese Bildungen von der blossen Stamm- berührung, welche bei nahestehenden Bäumen öfter erfolgt. Ein schönes Beispiel einer solcher kann man auf dem Wege von Tos- koselo nach St. Catherina in der Nähe von Laibach sehen. Da steht eine mächtige Fichte, welche den Stamm einer Rothbuche zu zwei Drittheilen umwachsen hat. Fallen diese Bäume nicht der Axt an- heim, so wird in einigen Jahren die Buche ganz umschlossen sein, so dass alsdann ein Laubbaum, scheinbar aus dem Nadelbaume her- vorwachsend, die Bewunderung des Naturfreundes erweckt.

Laibach, am 22. December 1886.

—i

Zur Flora der Umgebung von Bielitz und Biala.

Von Anton Baier,

k. k. Professor an der Staats-Oberrealschule zu Bielitz.

Auf meinen mehrjährigen und zahlreichen Excursionen in die Umgebung der Schwesterstädte Bielitz und Biala hatte ich hinrei-

89

chend Gelegenheit zu beobachten, dass seit der Herausgabe der „Vorarbeiten zu einer Flora von Teschen und Bielitz“ von Professor Karl Kolbenheyer') sich in der Flora von Bielitz und Biala einiges vollständig geändert hat und anderes einer Ergänzung, rücksichtlich Berichtigung bedarf. Besagte Schrift lag auch (die Standorte von Bielitz betreffend) der Abfassung von Fick’s „Flora von Schlesien“ zu Grunde und haben sich desshalb manche veraltete oder unvoll- ständige und theilweise unrichtige Angaben auch hier eingeschlichen. In dem Nachfolgenden will ich nun meine diessbezüglichen Wahrneh- mungen wiedergeben und aus der in der Kolbenheyer’schen Schrift eingehaltenen Reihenfolge der Phanerogamen-Pflanzen jene heraus- heben, über deren Vorkommnisse bedeutende Abweichungen anzuge- ben sind. *) Es betrifft diess besonders folgende Arten:

Veratrum Lobelianum Bernh. Kommt auf sumpfigen Wald- stellen nicht nur „auf der Kamitzer Platte“, sondern auch zwischen feuchten Gebüschen in dem tiefer gelegenen Orte Nickelsdorf, und zwar blühend vor.

Colchicum autumnale L. Ist mir „bei Bielitz* gänzlich un- bekannt.

Lilium Martagon L. Findet sich zwar nicht „auf der Kamitzer Platte“, wohl aber auf den Ernsdorfer Gebirgswiesen, ferner in Lobnitz, Öberohlisch, Bistrai, am Auflusse in dem oberen Theile von Lipnik, in Leszezyni und Strazonka.

Muscari comosum (L.) Mill. Ist für das Gebiet neu, eben- so auch

Allium oleraceum L. Von beiden Arten habe ich seit 1880 einige Exemplare auf den Lipniker Steinbrüchen gefunden.

Polygonatum verticillatum (L.) All. Kommt ausser „auf der Kamitzer Platte und Magura“, auch am Gemsstein und Ziegen- bock, im Zigeunerwalde, in Nickelsdorf, Ernsdorf, Bistrai, ferner im Ritterschaftsthale, Auflussthale und am Hanslik vor.

Convallaria majalis L. Konnte ich „am Trotschenberge* nicht finden, wohl aber massenhaft in Nickelsdorf, Altbielitz und Alzen.

Galanthus nivalis L. Findet sich zwar noch an mehreren Stellen häufig, ist aber in Folge des Umstandes, als Unberufene geradezu barbarisch mit dieser ansprechenden Frühlingsblume um- gehen, in der unmittelbaren Nähe von Bielitz und Biala im Aus- sterben begriffen.

Microstylis monophylla (L.) Lindl. „Am Dnnaczy, an der Ska- lita und Jaworzynka“ und an der Magura.

Coralliorrhiza innata R. Br. Ist zerstreut an feuchten Waldes- stellen „im Bielitzer Gebirge“, u. zw. in Oberohlisch, im Zigeuner- walde, in Strazonka, Bistrai und Ernsdorf zu finden.

') Als Separatabdruck aus den Schriften der k. k. zool.-botan. Gesell- schaft in Wien. Vorgelegt in der Sitzung vom 7. Mai 1862.

*) Die von Kolbenheyer angegebenen Standplätze sind von mir stets unter Anführungszeichen gesetzt.

0

Orchis globosa L. Findet sich ausser auf den von Prof. Kol- benheyer angegebenen Standorten häufig auch in Strazonka, am Josefsberge, Hanslik, im Louisenthale, in Kamitz und Bistrai.

Gymnadenia conopsea (L.) R. Br. Wird von Kolbenheyer um Bielitz als „häufig“ angeführt, welcher Ansicht ich aber nicht bei- pflichten kann, da ich nur einzelne Exemplare am Klimezok wieder- finden konnte.

Gymn. albida (L.) Rich. Habe ich 1881 in drei Exemplaren auf der Kamitzer Platte gefunden; wäre demnach als neu für das Gebiet anzuführen.

Neottia Nidus avis (L.) Rich. Kommt im Bielitz-Bialaer Ge- birge und zwar zerstreut, aber nicht selten vor.

Listera ovata (L.) R. Br. Findet sich nicht bloss „am Skalita bei Bielitz“, sondern auch gar nicht selten in den Gebüschen von Lipnik, Straczonka, Altbielitz, Bielitz, Ohlisch, Nickelsdorf, Kamitz und Lobnitz.

Spiranthes autumnalis Rich. Ist neu für das Gebiet, und fand ich seit 1880 immer wieder mehrere Exemplare auf einer grasigen Berglehne auf der Bistraier Seite am Ziegenbock.

Epipactis palustris (L.) Crmtz. Kommt nicht nur „in Bucz- kowie, am Skalita“, sondern auch nicht selten an fast allen nassen Waldesstellen im Bielitzer, Bialaer und Ernsdorfer Gebirge vor.

Arum maculatum L. Wenn das eine Exemplar, welches ich 1882 in Nickelsdorf vorfand, massgebend sein würde, so wäre diese Pflanze für das Gebiet auch als neu anzuführen.

Larix decidua Mill. Häufig in „Bistrai“, im Zigeunerwalde, sporadisch, wieder häufiger am Josefsberg und Hanslik.

Juglans regia L. Ist von Kolbenheyer übersehen worden, da dieser aus dem Oriente stammende Baum hier häufig angepflanzt wird und vortrefflich gedeiht.

Morus alba und M. nigra L. Finden sich häufig an Strassen und Anlagen angepflanzt, sind aber von Kolbenheyer gleichfalls übersehen worden. Dasselbe ist der Fall mit

Populus italica Mnch., welcher Baum in männlichen Exem- plaren auch hier an Strassen und bei Maierhöfen angepflanzt ist. aber wie anderwärts, so auch hier schon seit Jahren ein auffälliges Absterben seiner Krone kundgibt.

Atriplex nitans Schk. Ist wieder neu für das Gebiet und wurde von mir an Acker- und Zaunland längs der Bialka von Bielitz ab- wärts mehrmals in einigen Exemplaren gefunden.

Fagopyrum esculentum Mnch. Wird von Kolbenheyer als hier allgemein angebaut angegeben, welche Angabe ich nicht bestä- tigen kann, da die für dessen Gedeihen nothwendigen Sandäcker hier im Grossen und Ganzen fehlen.

Daphne Mezereum L. Ist im Abnehmen begriffen, da von den Kräutersammlern besagte Pflanzen mit Strunk und Stiel massenhaft ausgerissen und geeignetenorts verkauft werden.

Valeriana dioica L. Kommt nicht nur „in Bueczkowie bei

u. u ne

91

Bielitz“, sondern auch an anderen Orten, z. B. im Zigeunerwalde unterhalb der Jägerhütte, in Nickelsdorf und Straczonka vor.

Dipsacus silvestre Mill. Ist wieder übersehen worden, denn es kommt diese Karde an steinigen Bach- und Grabenrändern, an der Bahnstrecke u. a. O0. um Bielitz-Biala gar nicht selten vor.

Eupatorium cannabinum L. Ist nicht allein „in Kamitz“, son- dern auch in Lobnitz, Altbielitz, Oberohlisch und am Lerchenfelde zu finden. Ebenso findet sich

Petasites albus Gärtn. nicht bloss „im Bistraithale“, sondern auch am Lerchenfelde, auf der Schreiberwiese, am Josefsberge, in Ernsdorf u. s. w. vor.

Aster Amellus L. Ist neu für das Gebiet, und wurden von mir auf den Lipniker Steinbrüchen mehrere Exemplare nach einander und einmal zwei Stück am Josefsberge beobachtet. Auch ist neu

Xanthium strumarium L., welche ich an wüsten Plätzen am Bilzbach in der Nähe des Bahndammes vorfand.

Xanth. spinosum L. Wird von Kolbenheyer als „am Kir- chenplatz in Bielitz“ vorkommend angeführt, was in den sechziger Jahren der Fall war; bei der Unbeständigkeit dieser aus dem süd- lichen Europa bei uns durch Wolle u. dgl. eingeschleppten Pflanze ist es kein Wunder, wenn sie heute am besagten Platze und meines Wissens auch anderwärts hier nicht zu finden ist.

Centaurea Phrygia L. Ist nicht allein „in Buczkowic“, sondern häufig auch in Ernsdorf, Kamitz, Lipnik und Kozy zu finden.

Cirsium rivulare (Jacq.) Lk. Ist von Kolbenheyer für Bielitz gar nicht angeführt, obwohl sie an feuchten Wiesen und Niederungen hier nicht gar selten ist.

Prenanthes purpurea L. Ist ausser „am Dunaczy und auf der Kamitzer Platte“ auch am Salzberg, Ziegenbock, Hanslik, Josefs- berg und im Ernsdorfer Gebirge ziemlich häufig.

Phyteuma spicatum L. Kommt häufiger vor, als Kolben- heyer angibt; ausserhalb der von ihm angeführten Plätze seien auch Öberohlisch, Ernsdorf, Bistrai, Straszonka, der Josefsberg, Hanslik und das Louisenthal erwähnt.

Campanula Cervicaria L. Kommt auch in Alzen u. zw. da- selbst massenhaft vor; ferner

Camp. glomerata L. ausser „in Rybarzowic“ auch in Barzdorf.

Lonicera Xylosteum L. Findet sich nicht nur „bei Bielitz an der Bilzbach“, sondern auch an vielen anderen Stellen, besonders aber im Bielitzer, Bialaer und Ernsdorfer Gebirge. Von

Lon. nigra L. führt Kolbenheyer gar keinen Standort bei Bielitz an, obwohl dieser Strauch in den hiesigen Wäldern gar nicht selten anzutreffen ist. Auch

Sambueus Ebulus L. ist auf Feldern und Waldwiesen im Bistraithale und Grodzisker Thale bei Bielitz zu finden; besonders aber findet sich \

Samb. racemosa L. in den hierortigen Wäldern und Gebüschen ziemlich häufig und keineswegs bloss in „Szezyrk bei Bielitz“.

Gentiana cerueinata L. Ist zerstreut auf den Lipniker und Bialaer Steinbrüchen.

Erythraea ramosissima (Vill.) Pers. Nicht bloss „in Altbielitz und Buczkowic“, sondern auch in Ernsdorf, Lipnik und im hiesigen Gebirge zu finden.

Sahria glutinosa L. Ist an den von Kolbenheyer angeführ- ten Standplätzen, häufig aber auch im hiesigen (ebirge, in Altbielitz und Straczonka.

Salv. pratensis L. Ist neu für das Gebiet, und findet sich längs des Bahndammes von Bielitz abwärts.

Origanum vulgare L. Findet sich zerstreut „in Bistrai* im Bett der Biala unterhalb Bielitz, in Nickelsdorf bei der städtischen Brettsäge und in Lobnitz.

Lamium Galeobdolon (L.) Crntz. Kommt mitunter haufenweise keineswegs nur „in Lobnitz“, sondern auch im Schiesshausgarten in Bielitz, im Otterwäldchen, am Mühlberge, sowie in Niederungen der umliegenden Gebüsche, ferner noch in Öhlisch, Alzen, Lipnik und Straczonka vor.

Galeopsis Ladanum L. (z. Th.) Auf Kalkboden bei Bielitz- Biala und Umgebung fast gemein.

Gal. speciosa Mill. Ist im hiesigen Gebirge und in feuchten Gebüschen nicht selten.

Gal. pubescens Bess. Wird von Kolbenheyer bei Bielitz gar nicht angeführt, während Aecker, Wege, Gräben und Waldschläge häufig damit wie besäet sind. Ein für das Gebiet ganz neuer Lippen- blüthler ist

Teuerium Scorodonia L. Seit 1877 fand ich alljährlich auf steinigen Waldesstellen geradezu viele Exemplare in Bistrai, am Ziegenbock, Salzberg und Kolowrat.

Verbena officinalis L. Ist sporadisch um Bielitz-Biala und Umgebung.

Cynoglossum offieinale L. Erhält sich in wenigen Exemplaren auf galizischer Seite unterhalb des ersten Wehres bei Bielitz.

Cuscuta Epithymum (L.) Murr. Ist neu für das Gebiet, schma- rotzt auf Kleefeldern u. dgl. in Ernsdorf, Lipnik, Altbielitz, Matzdorf und Kozy. Dagegen wieder sind von Kolbenheyer

Datura Stramonium L. und Hyoscyamus niger L. unter den Pflanzen angeführt, welche auch in dem hiesigen Gebiete überall vorkommen sollen, was ich heute jedoch entschieden negiren muss, da weder die eine noch die andere, trotz eifrigen Suchens, wild zu finden mir möglich war.

(Schluss folgt.)

do

95

Ueber die Ursachen der Haarbildung im Pflanzenreiche. Von Franz Krasan.

(Schluss.)

Am 8. Mai hatte, wie schon bemerkt worden, in Steiermark ein empfindlicher Frost die Wälder, Weinberge, Obstgärten und Feldfluren heimgesucht. Manche Bäume wurden gänzlich ihres ersten Laubes beraubt, so insbesondere Eiche und Rothbuche. Der Wein- stock hat in den meisten Gegenden argen Schaden gelitten. Andere Lignosen schienen weniger empfindlich gegen den Frost, z. B. die Espe, Populus tremula. Allein es zeigte sich bald, dass auch bei dieser Pflanze Wirkungen eintraten, die, wenn auch nicht zerstören- der Natur, doch als Folgen des Frostes zu betrachten sind, nur dass sich noch ein anderer Factor daran betheiligte; denn als vom 11. Mai an die Temperatur rasch zu steigen begann, erschienen alle Stocktriebe und Wurzelloden, die von da an während der sehr em- pfindliehen Hitze bis zum Ende des Monates sich entwickelt hatten, behaart, diejenigen aber, deren Entwicklung bereits anfangs Mai (also vor dem Eintritte des Frostes) begonnen hatte, kahl. In der zweiten Hälfte des Juli folgte eine zweite Hitzeperiode, und siehe da, der Zuwachs der Sprosse während derselben zeigte wieder an Blättern und Achsentheilen Behaarung, dagegen waren jene "Theile des Sprosses, welche in den verhältni