HARVARD UNIVERSITY.

LIBRARY |

OF THE |

MUSEUM OF COMPARATIVE ZOÖLOGY.

mt | R

Irktnder SER 'qos- DA 2.106 |

ni \l \ D |

‚)

e

Dt 2

I

BEITRÄGE

ZUR

PALAONTOLOGIE un GEOLOGIE

ÖSTERREICH-UNGARNS uno bes ORIENTS.

MITTEILUNGEN DES GEOLOGISCHEN UND PALÄONTOLOGISCHEN INSTITUTES DER UNIVERSITAT WIEN HERAUSGEGEBEN MIT UNTERSTÜTZUNG DES HOHEN K.K, MINISTERIUMS FÜR KULTUS UND UNTERRICHT von VICTOR UHLIG, CARL DIENER, PROF. DER GEOLOGIE PROF. DER PALÄONTOLOGIE unD

G. von ARTHABER,

PRIVATDOZ. DER PALÄONTOLOGIE.

BAND XV.

MIT 22 TAFELN UND 33 TEXTABBILDUNGEN.

# WIEN unD LEIPZIG.

WILHELM BRAUMÜLLER K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÄTS-BUCHHÄNDLER

1905.

EuIe: %

Iıf

N NY > Mi

Kuna Fr

pi

m

E}

D

y

{

DEIRINT,

Van

Fr Y N

ve I a 1

LING ANLIT.

Heft I und II. (August 1905). Dr. Karl Deninger: Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation (mit Tafel I—IV). Ernst Stromer: Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten (mit Tafel MD) EEE NEE EN a m Dr. M. Remes: Nachträge zur Fauna von Stramberg VI. (mit Tafel VII) : Lothar Krumbeck: Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes (mit Tat. VII— XIV)

Heft III und IV. (November 1905).

Ernst Stromer: Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten (mit TafelXV u. XVI)

Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger: Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salz- low (aa: Tesiell FEW incl io Nelken). & 5 0 0 a 0 8 0 KR

Dr. ©. Reche: Über eine neue Equidenart aus der Pampasformation (mit Tafel XXII und 14 Textabbildungen) .

Redigiert von Prof. V. Uhlig.

Die Autoren sind allein für Form und Inhalt der Aufsätze verantwortlich.

1—35 SZ 59—63 65 162 163— 192 193224

225— 241

x ö ih Er ! ne h Ei I - ı \ > rs N %

dl al = EN vı, = N a, le I Er 1 ; E d - F - 1.82 5 f ' E yr : Er a 3 eh Dan Fr N N a a ER Ir RT a N: an NT Kir \ } t U Nie j h r ER le 3b v2 % * Der ar DAyhT we ET H y" a fh d ; BR. j i EAEE ur Be ar al | 2 ar a 3 Ihr h Du anrt Ur, 1 are: ar EN er £ - h ' T i N ; £ a \ R cm ner Vin R' j - v IR

ae #2

Jia Yn

BETFRÄCE

- PALÄONTOLOGIE uno GEOLOGIE - ÖSTERREICH-UNGARNS uno vs ORIENTS. .

MITTEILUNGEN E 5 Be S GEOLOGISCHEN UND PALÄONTOLOGISCHEN. INSTITUTES - DER UNIVERSITÄT WIEN | HERAUSGEGEBEN

“MER UNTERSTÜTZUNG DES HOHEN K. K. MINISTERIUMS FÜR KULTUS-UND UNTERRICHT

VON 2 VICTOR UHLIG, CARL DIENER, PROF. DER GEOLOGIE PROF. DER PALÄONTOLOGIE UND

G. von ARTHABER,

PRIVATDOZ. DER PALÄONTOLOGIE.

BAND XV.

HEFT: E UND I, MIT (6 TAFELN.

SE :UF WIEN unD LEIPZIG. WILHELM BRAUMÜLLER

'K. U. K.. HOF- UND UNIVERSITÄTS-BUCHHÄNDLER,.

1905.

DIE GASTROPODEN DER SÄCHSISCHEN KREIDEFORMATION

von Dr. Karl Deninger.

(Mit 4 Tafeln.)

Mitteilung aus dem königl. mineralogisch-geologischen Museum in Dresden.

Im Jahre 1875 hat Hans Bruno Geinitz seine Erforschung der sächsischen Kreideformation mit dem Werke »Das Elbtalgebirge in Sachsen« abgeschlossen. Die Arbeit stützt sich auf das reichhaltige Material, welches Geinitz iım Laufe seiner langjährigen Tätigkeit für das kgl. Mineralog. Museum in Dres- den gesammelt hat. Daß diesem verdienstvollen Werke eine Anzahl von Mängeln anhaften, dürfte den meisten Fachgenossen bekannt sein. Es fand deshalb bereits vor einigen Jahren eine Neubearbeitung der Ammoniten der sächsischen Kreide durch Petrascheck statt. Auf diesem Gebiet hatte sehr zahlreiches in den letzten Jahren gesammeltes neue Material eine Neubearbeitung besonders wünschenswert erscheinen lassen. Für die Gastropoden liegt der Fall etwas anders.

Was an neuem Material dieser Tierklasse seit der Veröffentlichung des »Elbtalgebirges« zum Vor- schein gekommen ist, kann sich mit dem in diesem Werke bereits verarbeiteten durchaus nicht messen. Ganz besonders gilt dies von den Gastropoden des Cenomans. Die Fundpunkte, an denen in früheren Jahren die größte Zahl verschiedener Arten zum Vorschein gekommen ist, waren in der letzten Zeit ent- weder nicht mehr zugänglich (Fundpunkt am Forsthaus in Plauen, Tunnel von Oberau) oder befinden sich in einem Zustand, daß das Sammeln kaum mehr verlohnt (Gamighügel). Andere Fundpunkte, wie der Rats- steinbruch in Plauen, ergaben in der Hauptsache die häufigeren bereits bekannten Arten. In Strehlen ist ge- legentlich eines Straßenbaues wieder eine hübsche Sammlung von Plänerfossilien zum Vorschein gekommen und in das kgl. Min, Museum in Dresden gelangt, aber ebenfalls hiebei fanden sich nur wenige für Sach- sen neue Gastropodenarten.

Im Quadersandstein dagegen gehören bestimmbare Gastropoden zu den größten Seltenheiten. Ob- wohl nun unter diesen Umständen Herr Prof. Kalkowsky besonderen Wert auf den Ankauf älterer Samm- lungen aus der sächsischen Kreide legte so wurde z.B. die Sammlung des Apothekers Dr. Th. Lange (aus Dohna gebürtig) angekauft —, so muf3 doch das seit dem Erscheinen des »Elbtalgebirges« in das kgl. Min. Museum gelangte Gastropodenmaterial im Vergleich zu dem bereits vorhandenen als ziemlich unwe- sentlich bezeichnet werden. Auch das sonst in öffentlichen und privaten Sammlungen vorhandene Material, welches ich zu sehen Gelegenheit hatte, enthält nichts Neues. h

Somit behandelt diese Arbeit in der Hauptsache das bereits von Geinitz im Elbtalgebirge bearbei- tete Material. Daß hier eine Neubearbeitung notwendig geworden war, liegt wesentlich an dem zum Teile den heutigen Anforderungen nicht mehr entsprechenden Abbildungen im Elbtalgebirge. Bei der Herstellung dieser Abbildungen sind in den meisten Fällen Rekonstruktionen besonders der Mündungen vorgenommen

Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. X VIII. I

5 Dr. Karl Deninger. 2]

worden, welche sich zum Teile als der Wirklichkeit nicht entsprechend ergaben. Auch sind die Skulpturen vieler Formen, besonders kleiner Formen stark schematisch wiedergegeben. Die Darstellung dieser kleinen Gastro- poden, die durchwegs unter einer starken Lupe gezeichnet werden mußten, gehört sicher zu einer der schwer- sten Aufgaben für einen Zeichner, wodurch sich diese Ungenauigkeiten einigermaßen erklären. Auch einige andere merkwürdige Versehen sind vorgekommen. Ich möchte nur an die Elbtalgeb. I, Taf. 60, Fig. 1, wiedergegebenen Mundwülste von Cerithium Guentheri erinnern, welche sich als angeklebte Schalenstücke ergaben.

Aus diesen Gründen war die Benützung des überwiegenden brauchbaren Teiles des «Elbthalgebir- ges« in bezug auf Gastropoden in hohem Grade erschwert und diesem Mangel abzuhelfen ist der Zweck der vorliegenden Arbeit.

Für die Anregung zu dieser Arbeit sowie für die Überlassung des Materials des kgl. Min.-Museums in Dresden sage ich Herrn Professor Kalkowsky an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank.

Hervorheben möchte ich, daß sich die Bestimmungen von Geinitz zum größten Teile aufrecht er- halten ließen. Einige schlecht begründete Arten mußten gestrichen und in zahlreichen Fällen Gattungsbe- stimmmungen geändert werden. Ferner ergaben sich manche Ergänzungen und Berichtigungen in der Syno- nymik. Wo neue Zusätze überflüssig erschienen, habe ich mich auf Zitieren des »Elbtalgebirges« beschränkt. Der Hauptwert wurde auf korrekte Abbildung der in der Hauptsache von Geinitz beschriebenen Arten ge-

legt und dabei zum großen Teile die Originale von Geinitz benützt.

Das Vorkommen von Gastropoden ist in der sächsischen Kreide im wesentlichen an zwei Horizonte geknüpft; und zwar entstammt die Mehrzahl aller Arten dem cenomanen Pläner, wie er im plauenschen Grunde und am Gamighügel entwickelt ist. Er liegt hier bekanntlich transgredierend auf dem älteren Gebirge meist Syenit auf und läßt deutlich erkennen, daß seine Ablagerung in geringer Meerestiefe erfolgt ist. Die Fazies ist ziemlich wechselnd und schwankt zwischen groben Syenitkonglomeraten und feinen Mergel- schichten. Von besonderem Interesse sind für uns hier die geologischen Verhältnisse einiger Lokalitäten, von denen das Hauptmaterial der cenomanen Gastropoden stammt.

Die wichtigsten von diesen, der Fundpunkt am Forsthaus in Plauen, ist leider jetzt nicht mehr zu- gänglich.

Was etwa von Pläner dem Bahnbau nicht zum Opfer gefallen ist, liegt tief unter Schutt vergraben, und ich kann deshalb nur auf die Beschreibung von Geinitz verweisen, der eine charakteristische Abbildung von dieser Lokalität gibt. (Elbtalgeb.I, S. 13.) An der Basis des Pläners fanden sich hier als Ausfüllung zwischen Syenitblöcken Mergellagen, die noch einzelne Gerölle von Syenit umschlossen. Diese Mergel ergaben neben einer reichen Ausbeute von kleinen Muscheln, Tafeln von Seesternen, Seeigeln, Korallen und Bryo- zoen eine merkwürdige Mikrofauna von Gastropoden. Von den in dieser Arbeit aufgeführten 89 Gastropo- denarten aus dem Cenoman wurden nicht weniger als 72 an dieser Lokalität gefunden, von denen der über- wiegende Teil von anderen Fundpunkten noch nicht bekannt ist. Die hier vorkommenden Arten sind durch- wegs sehr kleine Formen und da solche Mikrofaunen aus dem Cenoman anderwärts nicht beschrieben worden sind, erklärt es sich, daß sich so außerordentlich wenige Beziehungen zu Arten anderer Fundpunkte auf- finden ließen. So konnte ich z. B. von den zahlreichen Cerithien-Arten, die hier die stattliche Entfaltung von 28 Arten aufweisen, nur 6 mit denen anderer Fundpunkte identifizieren. In einigen wenigen Fällen ließen sich mit den Zwergformen des Forsthauses übereinstimmende große Exemplare in cenomanen Plä- nerschichten an anderen Fundpunkten nachweisen.

Wo sonst fossilfübrende cenomane Plänerschichten vorkommen, wie im Ratsteinbruch in Plauen und in Koschütz, enthalten sie meist in zahlreichen Exemplaren aber meist recht schlecht erhalten eine Anzahl von Gastropoden wie Pleurotomaria Geinitzi, Nerita nodosa, Turbo- und Trochusarten.

Betrachten wir nun die Beziehungen der cenomanen Gastropodenfauna zu derjenigen anderer Ge- genden, so sind, wie schon erwähnt, die Anknüpfungspunkte nicht sehr zahlreich. Vor allem ist auffallend wie wenig Arten (nur 6) sich bisher in der böhmischen Kreide nachweisen ließen. Diese gehören wesentlich dem cenomanen Hippuritenkalk von Koriczan an.

[3] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 3

Mit dem Cenoman Frankreichs, Belgiens und Englands besitzt Sachsen im ganzen I5 gemeinsame Arten, von ‚denen 5 in der Tourtia von Tournay vorkommen, während sich bisher nur 5 Arten mit solchen aus dem norddeutschen und schlesischen Cenoman indentifizieren ließen.

Da Petrascheck in seiner Bearbeitung der Ammonitenfauna auf die nahen Beziehungen zwischen sächsischer und indischer Kreide hingewiesen hat, wurde besonderer Wert auf den Vergleich der Gastro- podenfaunen gelegt. Trotzdem ergaben sich nur zwei gemeinsame Arten.

Der Gesamtcharakter der Gastropodenfauna trägt somit ein sehr starkes lokales Gepräge und die wenigen Anknüpfungspunkte führen uns in der Hauptsache nach N.-W.

Der zweite Horizont der sächsischen Kreide, in welchem Gastropoden in reichlicher Menge vor- kommen, ist der turone Pläner von Strehlen, Weinböhla und anderen Fundpunkten. Die hierin enthaltene Fauna läßt nur noch wenige Beziehungen zu der cenomanen erkennen. Identische Arten fehlen vollkommen und nur eine beschränkte Anzahl läßt sich von denen des sächsischen Cenomans ableiten. Viel enger sind hier die Beziehungen zu benachbarten Gebieten.

Von den 33 im turonen Pläner von Strehlen gefundenen Arten sind nur 4 in ihrer Verbreitung auf Sachsen beschränkt, während die große Mehrzahl auch anderwärts vorkommt. Von diesen gehört der größte Teil der böhmischen Kreide an und verteilt sich nach Fri®& folgendermaßen auf die verschiedenen Stufen:

Weißenberger Schichten 8 Arten

Teplitzer » 6 » Priesener » II > Chlomeker » Tome

Hiebei fällt auf, wie stark die Übereinstimmung mit den Priesener- und Chlomeker Schichten ist, die doch in der Regel für wesentlich jünger gehalten werden als der Strehlener Pläner.

Diese Tatsache wird in Zukunft bei der Bearbeitung der böhmischen Kreideformation zu beach- ten sein.

Mit Kieslingswalde in Schlesien sind sechs, mit dem Senon von Aachen fünf Arten gemeinsam. Auch die übrigen Arten weisen auf Beziehungen zu Norddeutschland hin,

Ferner ergaben die Baculitenmergel von Zatzschke noch acht Gastropodenarten, von denen fünf ebenfalls in Strehlen vorkommen, weshalb diese Lokalitäten bei der Beschreibung derArten vereinigt wurden. Von diesen acht Arten sind sieben ebenfalls aus Böhmen bekannt, u. zw. verteilen sie sich folgendermatsen:

Weißenberger Schichten I Art

Teplitzer » Te rss Priesener » 5 Arten Chlomeker » A »

Es scheint mir nicht angebracht, aus diesen Vergleichen der einen Tiergruppe weitergehende geolo- gische Schlüsse zu ziehen, solange die übrigen Tierklassen der sächsischen Kreide noch keiner modernen Neubearbeitung unterzogen worden sind. Hoffentlich wird diese Neubearbeitung bald von anderer Seite er- folgen, was in Verbindung mit einer geologischen Darstellung des gesamten sächsisch-böhmischen Kreide- gebirges eine außerordentlich dankbare und verdienstvolle Aufgabe wäre.

Beschreibung der Arten.

Die Gastropoden des Cenomans. Helcion plauense Gein. 1849. Acmaea plauensis Gein., Quad. Deutschl., S. 142, Taf. 9, Fig. 6.

1875. Patella plauensis Gein., Elbtal, I, S. 260, Taf. 57, Fig. 13. 1875. » radiolitarum Gein., Elbtal, I, S. 260, Taf. 57, Fig. 14.

Durch den verschiedenen Erhaltungszustand der Stücke wurde Geinitz verführt, verschiedene Arten aufzustellen. Die mäßig gewölbte Schale besitzt ovale Gestalt, stark nach vorn gerückten Wirbel

und trägt etwas wellig verlaufende Radialstreifen und schwächere Zuwachslinien. 1

4 Dr. Karl Deninger. [4]

Von den Abbildungen bei Geinitz stellt Fig. 13 ein etwas verdrücktes und verletztes Exemplar dar, dessen Form falsch ergänzt ist. Auch der eingekrümmte Wirbel ist durch Verletzung zu erklären. Fig. 14 stellt ein abgeriebenes Exemplar dar.

Vier Stück von Plauen und Zscheila bei Meißen.

Patella sp. 1375. Pileolus? subcentralis Gein., Elbtal, I, S. 248, Taf. 57, Fig. 9. (Nicht Acmaea subcentralis d’Archiac.)

Die Präparation der Unterseite zeigt, daß es sich nicht um einen Pileolus, sondern um eine Patella handelt.

Der Wirbel erhebt sich hoch, ist sehr wenig gekrümmt und dem Hinterrand genähert. Die Skulptur besteht aus unregelmäßigen Rippen, zwischen denen sehr feine Querstreifung auftritt. Diese Merkmale unter- scheiden sie deutlich von Acmaea subcentralis d’Arch., mit der sie Geinitz vereinigt. Gegen die Zuteilung zur Gattung Acmaea spricht die starke Skulptur und der dem Hinterrand genäherte Wirbel.

Fünf Stück von Plauen (Forsthaus).

Acmaea? capillaris Gein. 1875. Pileolus capillaris Gein., Elbtal, I, S. 249, Taf. 57, Fig. 10.

Die generische Stellung dieser Art bleibt zweifelhaft, obwohl die Präparation der Unterseite eher eine Acmaea als einen Pileolus vermuten läßt.

Die Oberfläche der Schale ist mit feinen etwas welligen Radialstreifen bedeckt. Die in der Ab- bildung von Geinitz angegebenen, in gleicher Entfernung stehenden stärkeren Radialfurchen sind nicht in dieser regelmäßigen Weise ausgebildet. Nur an wenigen Stellen bemerkt man derartige unbestimmte Furchen.

Zwei Stück von Plauen (Forsthaus).

Emarginula Buchi Gein. - Taf. I, Fig. 3—5. 1840. Fissurella di Buchii Gein., Char. II, S. 48, Taf. 16, 5. 1849. Emarginula Buchi Gein., Quad. Deutschl., S. 142. 1870. » » Roemer, Geol. Oberschles., S. 339, Taf. 29, Fig. 13. 1875. » » u. Delagica Gein., Elbtal, I, S. 259, Taf. 57, Fig. 15, 16, Taf. 58, Fig, r.

Emarginula Buchi und pelagica bei Geinitz sind nur verschiedene Altersstadien derselben Art, die aber von E. pelagica Passy verschieden ist.

Die Abbildung Fig. 3, als Steinkern erhalten, ist das Original von Geinitz, Taf. 58, I und zeigt das charakteristische Profil dieser Art. Die Abbildungen Fig. 4 u. 5 stellen kleinere Exemplare mit erhaltener Skulptur dar.

15 Stück vom Forsthaus in Plauen und Oberau.

Pleurotomaria (Leptomaria) plauensis Gein.,

1846. Pl. neocomensis Gein., Quad., S. 355, Taf. 15, Fig, 5, 6 (non d’Orb.). 1849. » » Gein., Quad. Deutschl., S. 134. 1875. Pl. plauensis Gein., Elbt., I, S. 258, Taf. 57, Fig. 17.

Neun Stück. Plauen (Ratssteinbruch), Tunnel von Oberau,

Pleurotomaria (Leptomaria) Geinitzi d’Orb. Syn., siehe Gein., Elbt., I, S. 258.

Fünf Stück. Plauen, Zscheila. Stelzneria Geinitz.

1875. Geinitz, Elbtal, I, S. 257, Taf. 58, Fig. 12. 1885. Zittel, Handbuch, II, S. 189.

[5] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 5

Seit der Veröffentlichung von Geinitz über diese auffallende Gattung ist nichts Neues über sie mehr zum Vorschein gekommen. Zittel stellt sie als fragliche Gattung zu den Turbininae. Ihn bewog jedenfalls dazu die Form der Anfangswindungen, welche aber noch mehr an Tyochus als an Turbo erinnert.

Ganz abweichend von der Familie Trochidae ist aber die Mündung gebaut und ist wohl geeignet, über die systematische Stellung der Gattung einigen Aufschluß zu geben. In dem oberen Teile der Mündung legen sich Außen- und Innenlippe zusammen und schließen kanalartig eine kleine, rundliche Öffnung : von der Mündung ab. Dieses Verhalten deutet mehr auf Beziehungen zu den Pleurotomariiden als zu den Tro- chiden. Hinter diesem Loch ist die Schale allerdings geschlossen und ein Schlitzband ließ sich an keinem unserer Stücke beobachten.

Bei der zu den Pleurotomariiden gehörigen Gattung Catantostoma Sandberger aus Devon und Trias finden wir die eigentümliche Gestalt von Sielzneria wieder. Auch hier ist die verengte Mündung plötzlich nach unten gewandt. Sie unterscheidet sich aber durch das Vorhandensein eines Schlitzbandes und den Mangel eines Nabels.

Stelzneria ist deshalb meines Erachtens am besten in die Nähe von Catantostoma zu den Pleuro- tomariidae zu stellen.

Stelzneria cepacea Gein. Taf. I, Fig. S-10. 1875. Gein., Elbtal, I, S. 257, Taf. 58, Fig. 12.

23 Stück von Plauen (Forsthaus und Ratssteinbruch).

Turbo (Solariella?) Goupilianus d’Orb. 1842. d’Orbigny, Terr. cret, II, S. 222, Taf. 185, Fig. 7—10. 1875. Geinitz, Elbtalgeb., I, S. 254, Taf. 56, Fig. 1. 1885. Trochus Goupilianus Zittel, Handbuch, 2, S. 198.

Der Beschreibung von Geinitz ist hinzuzufügen, daß der Nabel teilweise oder ganz von der Innen- lippe bedeckt ist.

Ähnliche aber schwächere Skulptur zeigt Turbo (Solariella) rimosus Binkh, var. granulata Kaun- howen, Maestr. Kreide, S. 33, Taf. II, 4—6.

13 Stück von Plauen (Ratssteinbruch), Koschütz, Oberau, Zscheila bei Meißen.

Die von Geinitz unter dem Namen Turbo cf. Raulini abgebildeten und beschriebenen Stücke sind schlecht erhalten und gehören sicher nicht zu Turbo.

Turbo Leblanci d’Arch.

1847. d’Archiac. Me&m. soc. g&ol. France, 2, II, 2, S. 339, Taf. 23, Fig. 8. 1875. Gein., Elbtal, I, S. 254, Taf. 55, Fig. 13, 14.

Die sächsischen Stücke sind ziemlich variabel in der Skulptur und nehmen, wie es scheint, eine vermittelnde Stellung zwischen den beiden von d’Archiac beschriebenen Arten 7. Leblanci und Boblayei ein. Die ziemlich kräftige Skulptur erinnert mehr an erstere, die nicht genabelte und nicht quergefaltete Basis mehr an die zweite Art.

Fünf Stück aus Plauen (Ratssteinbruch) und Koschütz.

Turbo scobinosus Gein. 1875. Gein., Elbtal., I, S. 253, Taf. 55, Fig. 12.

Diese Art hat durch ihre Skulptur und die wulstig verdickte Außenlippe viel Ähnlichkeit mit Tro- chus Reichi. Ihrer runden Mündung wegen muß sie aber bei Turbo belassen werden. Der Beschreibung von Geinitz habe ich noch hinzuzufügen, daß die Basis geknotete konzentrische Rippen trägt.

Turbo retifer Böhm (Holzapfel, Palaeontogr. 34, S. 169, Taf. 17, I—4) ist unserer Art sehr ähnlich, doch scheint ihr der Mundwulst gefehlt zu haben.

Ein Stück vom Forsthaus in Plauen.

6 Dr. Karl Deninger. [6]

Turbo Naumanni Gein. 1875. Gein., Elbtal, I, S. 255, Taf. 56, Fig. 5 und 6. 1875. Turbo Leonhurdi Gein., Elbtal, I. S. 255, Taf. 56, Fig. 7.

Unter dem Namen Turbo Leonhardi trennte Geinitz einige kleine Exemplare von Turbo Naumanni ab. Die ersten Windungen dieser Art sind flacher als die späteren und jüngere Exemplare besitzen daher ein niederes Gewinde als ältere. Man kann auch an den jüngeren Stücken das Einschieben feinerer Linien zwischen die gröberen beobachten, so daf es sicher ist, daß wir in Turbo Leonhardi nur Jugendexemplare von Turbo Naumanni zu sehen haben.

Nahe verwandt ist Turbo granose-cinctus Binkhorst, Gast. craie sup. Limbourg, S. 48, Taf. Va ı, Fig. 16.

15 Stück aus Plauen.

Trochus Duperreyi d’Arch. 1846. Turbo Asterianus Reuss, Böhm. Kreide., II, S. II2, Taf. 44, Fig. 22. 1847. d’Archiac Mem. Soc. geol. France 2, II, S. 336, Taf. 23, Fig. 2. 1849. Trochus Reussi Gein., Quad., Deutschland, S. 132. 1875. > Duperreyi Gein., Elbtal, I., S. 252, Taf. 55, Fie. 8. 1885. Cantharidus? Duperreyi Zittel, Handbuch 2, S. 197.

Der Abbildung und Beschreibung von Geinitz habe ich nur hinzuzufügen, daß die Basis zwar in der Mitte vertieft aber nicht genabelt ist. Die Innenlippe trägt einen Zahn, Die Art ist deshalb vielleicht zur Untergattung Turcica zu stellen.

Nahe verwandt ist Trochus parvus Briart und Cornet, Meule de Braquegnies, S. 37, Taf. 3, Fig. 48, 49, und Trochus decrescens Kaunhowen, Gast. Maestr. Kreide, S. 35, Taf. II, Fig. 13, 14.

Mir liegen sechs Stück aus Plauen (Forsthaus und Ratssteinbruch?) und Oberau vor.

Außerdem kommt die Art im Hippuritenkalke von Koriczan in Böhmen und der Tourtia von Tournay vor.

Trochus (Turcica?) Fischeri Gein. bey, IL, dies, 11, 25 1875. Geinitz, Elbtal, I, S. 252, Taf..55, Fig. 9.

Die stumpfkonischen Schälchen erreichen eine Höhe von 5 mm und eine Breite von 4 mm und bestehen aus fünf schwach gewölbten oder ebenen Umgängen, welche oben und unten gekantet und durch vertiefte Nähte geschieden sind. Die Basis ist schwach gewölbt und wie die Außenseite der Schale gleich- mäßig längsgestreift. Die rundliche Mündung hat eine verdickte Innenlippe mit drei Wülsten. Die Außen- lippe ist scharf.

ıS Stück vom Forsthaus in Plauen.

Trochus (Craspedotus) Geslini d’Arch. sp.

1847. Turbo Geslinı d’Archiac, Mem. Soc. geol. France, 2 ser., II, 2, S. 933, Taf. 23, Fig. 7. 1850. Trochus imbricatus Nyst, Gein., Quad. Deutschland, S. 130. 1875. Turbo Geslini Gein., Elbtal, I, S. 252, Taf. 55, Fig. 10.

Die Abbildung von Geinitz ist zwar stark ergänzt, aber in der Hauptsache richtig ergänzt. Nur die Skulptur der Basis ist falsch wiedergegeben. Sie besteht aus flachen Knoten. In der Regel ist die Schale nicht erhalten. Die Steinkerne zeigen dann eine Skulptur aus scharfen Linien bestehend, welche der- jenigen von Trochus Reichi Gein. (Taf. 55, Fig. ı1) gleicht. Die von d’Archiac erwähnte feine Zuwachs- streifung kann man auch an den Plauenschen Stücken gelegentlich beobachten.

Daß diese Art nicht zu Turbo, sondern zu Trochus gehört, beweist die gezähnte Innenlippe und die wulstig verdickte Außenlippe. Obwohl die Innenseite der Mündung nicht ganz bekannt ist, bestimmt mich die nahe Verwandtschaft mit Trochus Reichi unsere Art zu Craspedotus zu stellen.

Sechs Stück aus Plauen und Koschütz.

[7] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 7

Trochus (Craspedotus) Reichi Gein. 1840. Trochus Reichü Gein., Char. II, S. 47, Taf. 15, Fig. 24. 1849. Gein., Quad. Deutschland, S. 130. 1875. Turbo Reichi Gein., Elbtal., I, S. 252, Taf. 55, Fig. 11.

Die in der Hauptsache gute Abbildung bei Geinitz zeigt verschiedene kleine Mängel. Es fehlen ihr die sehr feinen Zuwachsstreifen, welche das Originalexemplar in den Zwischenräumen der Gitterskulptur deutlich zeigt. Die Verzierung der Basis ist mangelhaft wiedergegeben. Sie besteht aus gekörnelten Spiral- rippen. Von der eingezeichneten umgeschlagenen Innenlippe ist am Original nichts zu sehen.

Nahe verwandt mit unserer Art ist jedenfalls Trochus Marcaisi d’Orb. (Terr. Cret., Taf. 186, Fig.19), Turbo Mulleti d’Arch, die gleiche Skulptur trägt, soll eine andere Mündung besitzen.

24 Stück aus Plauen (Forsthaus), Koschütz und Oberau.

Trochus (Ziziphinus) Buneli d’Arch.

1846. Phorus granulatus Gein., Grundr., S. 349, Taf. 14, Fig. 18. 1847. Trochus Cordieri, Buneli Huotid’Arch. M&m. soc. geol. France, 2 ser, II, 2, S. 335, Taf. 22, Fig. 8—10. 1449. » » Gein., Quad., Deutschland, S. 130. 1875. » Buneli Gein., Elbtal, T, S. 251, Taf. 55, Fig. 4—7.

Die Abbildungen bei Geinitz sind zwar stark schematisiert (besonders Fig. 6), geben aber die wich- tigsten Eigenschaften der Art wieder. Ziziphinus Geinitzianus Stoliczka (Cret. Gast. South. India S. 373, Taf. 24, Fig. 1I—15) ist deutlich genabelt und besitzt gewölbte Umgänge. Die Vereinigung dieser Art mit Z. Buneli wie es Geinitz tut, ist daher nicht statthaft.

In Plauen sehr häufig, außerdem in der Tourtia von Tournay.

Trochus (Ziziphinus) Geinitzi Reuß.

1840. Trochus granulatus Gein., Char. I, S. 46, Taf. 15, Fig. 20. 1846. » Geinitzi Reuss, Böhm. Kreide II, S. 112, Taf. 44, Fig. 24. 1847. » Rozeti d’Arch. M&m. Soc. geol. France 2, II, 2, S. 336, S. 22, Fig. Ir. 1849. » quinquelineatus und Geinitzi Gein., Quad., Deutschland, S! 130. 1875. » Geinitzi, Gein., Elbtal, I, S. 350, Taf. 55, Fig. I—3. (Nicht: Ziziphinus (Eutrochus?) Geinitzianus Stol., Gast. South. India, S. 373, Taf. 24, Fig. II—-15 und Trochus Eutrochus) Geinitzianus Reuß, Zittel, Handbuch 2, S. 197. Die zu Eutrochus gehörige indische Form muß um weiteren Verwechslungen vorzubeugen einen anderen Namen erhalten, wofür ich den Namen Zutrochus Stoliczkai vorschlagen

möchte. Ebenso gehört nicht zu der Reufßschen Art die von Briart und Cornet aus dem oberen Gault von Brac-

quegnies als Trochus Geinitzi beschriebene Art. Sie scheint ebenfalls neu zu sein.)

Trochus Geinitzi wurde von Geinitz gut beschrieben und abgebildet. Er kommt in Plauen, Ko- schütz und Oberau, von wo mir elf Stück vorliegen, außerdem im Hippuritenkalk von Koriezan in Böh-

men und der Tourtia von Tournay vor.

Teinostoma cretaceum d’Orb.

1846. Rotella cretacea d’Orb., Astrolabe, Taf. 4, Fig. 18—21. 1850. Pitonellus cretaceus d’Orb., Podr. Pal., II, 223.

1864. Stoliczka, Gast. South. India, S. 350, Taf. 25, Fig. 7. 1875. Geinitz, Elbtal, I, S. 257, Taf. 56, Fig. 13.

1897. Kossmatt, Pondicherri Cretac, S. 9I, Taf. 8, Fig. 5.

Acht Stück von Plauen (Forsthaus ?).

Teinostoma Stoliczkai Gein. 1875. Gein., Elbtal, I, S, 257, Taf. 56, Fig. 14.

Sieben Stück von Plauen (Forsthaus).

8 Dr. Karl Deninger. [8]

Neritopsis torulosa Gein. 1875. Gein., Elbtal, I, S. 247, Taf. 57, Fig. 2.

Zwei Stück von Plauen (Forsthaus),

Neritopsis costulata Roem.

1841. Nerita costulata Roem., Nordd. Kreide, S. 82, Taf. 12, Fig. 12. 1842. ? Neritopsis ornata d’Orb, Terr. cret., II, S. 176, Taf. 176, Fig. 8—10. 1849. Nerita costulata Gein., Quad. Deutschl., S. 130. 1850. Neritopsis costulata d’Orb., Prodr., Pal., II, S. 222. 1875. » » Gein., Elbtal, I, S. 247, Taf. 54, Fig. 24, 25, Taf. 57, Fig. 3.

Steinkerne dieser Art zeigen eine mehr oder minder vollkommene Resorption der ersten Umgänge und nähern sich somit Nerita.

Sehr häufig in Plauen (Forsthaus, Ratssteinbruch) und Koschütz.

Nerita nodosa Gein. sp. 1840. Natica nodosa Gein., Char., II, S. 47, Taf. 15, Fig. 27, 28. 1845. » » Reuss, Böhm. Kreide, I, S. 50, Taf. ıı, Fig. 2. 1840. » nodoso-costata Reuss, Böhm. Kreide, II, S. 113, Taf. 44, Fig. 21. 1847. Nerita cestophora de Ryckholt, Mel. pal., S. 82, Taf. 3, Fig. 17. 1865. Nerita rugosa Briart u. Cornet, Meule de Bracquegnies, S. 34, Taf. 3, Fig. 50—52. 1875. Neritopsis nodosa Gein., Elbtal, I, S. 246, Taf. 54, Fig. I9—23.

Die generische Stellung dieser Art macht große Schwierigkeiten. Die stets vollkommene Resorption des inneren Teiles der ersten Umgänge zeigt sie als Angehörige der Neritiden, doch steht sie durch den Mangel einer Innenlippe recht isoliert in dieser Familie. Sie scheint sich noch am nächsten an die Gattung Lissochilus anzuschließen. Ich gebrauche deshalb hier den Namen Nerita im weiteren Sinne.

Zu der Beschreibung von Geinitz habe ich nur hinzuzufügen, daß der Nabel nicht verdeckt ist, sondern daf3 es nicht zur Bildung eines Nabels kommt.

Nerita nodosa ist eines der häufigsten Fossilien in Plauen im Ratssteinbruch und am Hohen Stein, scheint dagegen am Forsthaus nicht vorgekommen zu sein. Ferner findet sie sich im Cenoman von Groß- Sedlitz bei Pirna und Oberau, im Hippuritenkalk von Kutschlin und Koriczan in Böhmen, in Bracquegnies und Tournay.

Nerita ovoides Gein. und Fischer. 1875. Gein., Elbtal, I, S. 247, Taf. 57, Fig. 4. Ein Stück von Plauen (Forsthaus).

Neritina minutissima Gein. u. Fischer. 1875. Nerita minutissima Gein., Elbtal, I, S. 247, Taf. 57, Fig. 5. Von Neritina compacta Forbes (Stol. Gast. South. India, S. 339, Taf. 28, 4) aus der Arrialoor

Group scheint sie sich lediglich durch ihre sehr viel geringere Größe zu unterscheiden. 15 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Pileolus Koninckianus Ryckh.

1847. Acmaea Koninckiana de Ryckh. Mel. pal., S. 62, Taf. 2, Fig. 33, 34. 1865. Helcion Malaisi Briart u. Cornet. Meule de Bracquegnies, S. 38, Taf. 3, Fig. 46, 47. 1875. Pileolus Koninckianus Gein. Elbtal, I, S. 248, Taf. 57, Fig 7, 8.

ıı Stück von Plauen (Forsthaus).

[9] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. ()

Pileolus Orbignyi Gein. 1875. Geinitz, Elbtal,, I, S. 248, Taf. 57, Fie. ı2.

3 Stück von Plauen (Forsthaus),

Pileolus semiplicatus nov. nom. 1875. Pileolus plicatus Gein. Elbtal., I, S. 249, Taf. 57, Fig. ı1. Der Name mußte geändert werden, da Sowerby bereits einen Pileolus plicatus aus dem Bathonien be- schrieben hat. Solarium Reussi Geinitz. 1875. Gein. Elbtal., I, S. 256, Taf. 56, Fig. II,

Ist auf ein Exemplar von Plauen, und zwar wahrscheinlich vom Forsthaus gegründet.

Solarıum Ackermanni Gein. 1875. Gein. Elbtal., I, S. 256, Taf. 56, Fig. 12.

ı Exemplar vom Forsthaus in Plauen,

Solarium Kirsteni Geinitz. Taf. L-Fig. 7a—c. 1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 255, Taf. 56, Fig. 8. Die Abbildung von Geinitz ist unbrauchbar. Die Schale ist flach, das Gewinde tritt nicht vor. Die drei Windungen nehmen schnell an Größe zu. Ihr Querschnitt ist gerundet vierseitig, etwas breiter als hoch. Die Skulptur besteht aus geknoteten Längsrippen von wechselnder Stärke. Auf ihren Zwischenräumen und den Knoten läßt sich eine feine Quer-

streifung erkennen. 3 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Solarium Zschaui Gein. Taf. I, Fig. 6a—c.

1875. Gein. Elbtal,, I, S. 256, Taf. 56, Fig. 9.

Durch die niedrig treppenförmige Gestalt ihrer 4 Umgänge unterscheidet sich diese Art leicht von S. Kirsteni, Die Verzierung besteht aus 2—3 Knotenreihen auf der Oberseite, von denen die innere die stärkste ist. Auf diese folgt nach außen eine kräftige, mehr oder weniger gekörnelte Rippe. Weiter folgen an der Außenseite und der äußeren Hälfte der Unterseite schwächer werdende glatte Rippen. Der scharf abgesetzte Nabel ist von einer unregelmäßigen Reihe starker Knoten umgeben, von denen radiale Falten ausstrablen und die Spiralrippen auf dem inneren Teile der Unterseite verdrängen.

4 Stück von Plauen (Forsthaus).

Solarium Roemeri Gein. sp. 1875. Straparolus Roemeri Gein. Elbtal., I, S. 256, Taf. 57, Fig. 6.

Die Abbildung und Beschreibung von Geinitz ist richtig, bis auf die Wiedergabe der Zuwachs- streifung, die viel feiner ist. Lediglich die schwache Unsymmetrie der Schale läßt erkennen, daß es sich nicht um einen Ammoniten handelt, da Lobenlinien bei diesem Erhaltungszustand nicht zu erwarten wären,

Ob die von d’Orbigny (Terr. cret.,, Taf. 181, Fig. 12) und von Pictet (Moll. Gres vert., Taf. 21, Fig. 7) abgebildeten glatten Exemplare von Solarium Martinianum d’Orb, nicht besser zu unserer Art ge- stellt würden, entzieht sich bei der Ungenauigkeit der Beschreibung meiner Beurteilung.

2 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd, XVII.

N Dr. Karl Deninger. [10]

Littorina pectinata nov. nom.

1875. Littorina gracilis (non Sow.) Geinitz. Elbt., I, S. 249, Taf. 54, Fig. 9.

Die von Geinitz beschriebene Z. gracilis scheint mit Sowerbys Art nicht identisch zu sein. Die Abbildung bei Fitton (Observ. Taf. 18, Fig. 12) zeigt eine in einen spitzen Ausguß auslaufende Mündung, während der Unterrand der Mündung der sächsischen Art (siehe Abbildung Geinitz) gerundet ist. Außer- dem scheinen die Umgänge der englischen Art gewölbter, die Querwülste zahlreicher und die Längsstreifung, die an den sächsischen Stücken kaum zu erkennen ist, kräftiger zu sein. Die zahlreichen, mir vorliegenden Exemplare sind meist schlanker als die Abbildung von Geinitz.

Sehr häufig am Forsthaus in Plauen.

Littorina minuta Gein. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 249, Taf. 54, Fig. 10.

Häufig am Forsthaus in Plauen.

Vanikoro carinata Sow. sp.

1837. Natica carinata Sow. Fitton, on some strata below the Chalk., S. 343, Taf. IS, Fig. 8. 1850. Natica carinata d’Orb. Prodrome Pal., II, S. 150. 1875. Gein. Elbtalgeb. I, S. 245, Taf. 57, Fig. 1.

ı Exemplar vom Forsthaus in Plauen.

a Natica dichotoma Gein.

1840. Geinitz. Charakteristik, II, S. 48, Taf. 13, Fig. 5, Taf. 18, Fig. 14. 1843. » Kieslingswalde, S. 10, Taf. I, Fig. 19. - 1846. Reuß. Böhm. Kreide, I, S. 50, II, S. 113, Taf. 44, Fig. 16. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 245, Taf. 54, Fig. 18 (z. Teil). 1883. Nerita dichotoma Fric. Iserschichten, S. 94. (Nicht Frie, Chlomeker Schichten, S. 42, Fig. 29.) 1900. Sturm. Kieslingswalde, S. 65, Taf. 4, Fig. 8.

Unter dem Namen Natica dichotoma wurden von verschiedenen Autoren, so auch von Geinitz zwei verschiedene Arten, die eine kräftige Querrippung zeigen, aufgeführt.

Das Original von Geinitz zeigt sehr schnelle Größenzunahme der drei Windungen, keine vertieften Nähte und sehr starke Rippen, die sich zum Teile in der halben Höhe des letzten Umganges gabeln. Große Ähnlichkeit hiermit zeigt die Abbildung bei Reuß, doch liegt die Gabelungsstelle der Rippen höher. An Steinkernen sind die ersten Umgänge oben abgeflacht, der letzte dagegen ist oben kantig, was in der sehr mangelhaften Abbildung bei Sturm (Original im k. Min. Museum in Dresden) nicht hervortritt.

Die andere unter diesem Namen beschriebene Art schließt sich an Natica Roemeri, Gein.!) an. Sie kommt unter anderen in Strehlen vor und unterscheidet sich durch größeres Gewinde, vertiefte Nähte und schwächere, nicht gegabelte Rippen. Beide Arten sind weit genabelt und unsere Art gehört deshalb zweifellos nicht zu Nerita, wohin sie Fri@ stell. Von N. dichotoma liest nur das Original von Geinitz aus den Konglomeratschichten von Oberau, ferner drei Stücke von Kieslingswalde vor. Außerdem findet sich diese Art nach Reuß und Geinitz bei Koriezan und Kutschlin in Böhmen.

Natica cf. pungens Sow. 1875. Natica pungens Gein. Elbtalgeb., I, S. 243, Taf. 54, Fig. 15. Diese von Geinitz gut abgebildete Art stimmt mit der Art Sowerbys) in der äußeren Form voll-

kommen überein. Aus der Beschreibung bei Fitton geht aber nicht hervor, ob ein Nabel vorhanden ist, wie ihn unser Stück besitzt und die Übereinstimmung bleibt deshalb fraglich.

1) Vergl. S. 26, Taf. I, Fig. 11. 2) Litorina pungens Sow. bei Fitton, Observ., S. 343, Taf. XVIII, V.

Bi 1] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. II

Ähnlichkeit zeigt auch das von Holzapfel (Palaeontogr. 34, Taf. XIV, Fig. XXII) abgebildete Jugend- exemplar von Natica exaltata Goldfuß, unterscheidet sich aber durch stark gewölbte Umgänge und vertiefte Nähte.

Es liest nur das Originalexemplar von Geinitz von Plauen vor.

Natica (Amauropsis) extensa Sow.

1813. Vivipara extensa Sow. Min. Conch., Taf. 31, Fig. 14. 1850. Natica extensa d’Orb. Prodr. Pal., II, S. 150. 1875. » » Gein. Elbtalgeb., I, S. 242, Taf. 54, Fig. 14.

Unsere Stücke zeigen meist eine deutliche Zuwachsstreifung und gelegentlich auch dieser parallele

Einschnürungen. 13 Stück von Plauen, Koschütz, Zscheila.

Natica (Lunatia) lyrata Sow. 1831. Natica Iyrata Sow. Trans. Geol. Soc, II, Taf. 38, Fig. 11.

1841. » SEE Orb lereseretsei S-2Tor« 1852. » » und semiglobosa Zekeli. Gastrop. Gosau, S. 46, Taf. 8, Fig. 5, 6. 1865. » » Stoliczka. Revision, S. 45.

1868. Euspira Iyrata Stoliczka. Gastrop. South. India, S. 303, Taf. 22, Fig. 2. 1875. Natica lamellosa Gein. Elbtalgeb., I, S. 243 (z. Teil), Taf. 54, Fig. 17.

Diese Art wurde von Geinitz mit einer gänzlich verschiedenen von Strehlen zusammengezogen. (Vergl. Natica cf. Vulgaris, S. 27.)

6 Stück von Plauen (Forsthaus).

Natica (Lunatia) plauersis nov. nom, 1875. Natica Gentü Gein. Elbtalgeb., I, S. 244 (z. Teil), Taf. 54, Fig. 16.

Wie Holzapfel (Palaeontogr. 34, S. 141) bereits erwähnt, hat Geinitz unter dem Namen N. Gentiüi eine Anzahl Formen aus der gesamten Kreide vereinigt, die teilweise recht wenig miteinander zu tun haben. Auch die von ihm vereinigten Arten von Plauen und Strehlen sind stark verschieden. Nach dem Vorgehen von Holzapfel stelle ich die Strehlener Art zu Nazica (Lunatia) Geinitzi d’Orb.

Die Art vom Forsthaus in Plauen muß daher einen neuen Namen erhalten. Die Schale besteht aus drei schnell an Größe zunehmenden Windungen, die auf der Oberseite etwas abgeflacht sind und an der Naht eine schwache Einsenkung zeigen. Das Gewinde tritt nur schwach hervor. Die Mündung ist rundlich und der Nabel bis auf eine schwache Ritze von der Innenlippe bedeckt.

Lunatia Stoliczkai und Klipsteini (Holzapfel, Palaeontogr. 34, Taf. XIV, Fig. XXIII, XXIV) haben Ähnlichkeit mit unserer Art, unterscheiden sich aber durch höheres Gewinde und weiteren Nabel.

3 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Turritella Geinitzi nov. nom, Taf. III, Fig, 2 u. 4. 1875. T. subalternans Briart u. C., Geinitz. Elbtal, I, S. 240, Taf. 54, Fig. 5, 6.

Die von Geinitz im Elbtalgebirge beschriebene Art ist sicher verschieden von der von Briart und Cornet beschriebenen. Der Gewindewinkel unserer Art beträgt 22—25° an größeren Gehäusen und kann an den ersten Windungen beträchtlich höhere Werte erreichen. Die im Alter schwach gewölbten, manchmal fast ebenen Umgänge tragen verschieden starke, aber meist sehr feine Längsstreifen, die etwas gerauht sind, ohne daß man sie doch als granuliert bezeichnen könnte. Die ersten Windungen weichen davon beträchtlich ab. (Taf. II, Fig. 4.) Hier fallen die Umgänge von zwei stark hervortretenden, glatten Rippen dachförmig zu den Nähten ab. Durch Einschieben weiterer Linien und Verflachen der Umgänge

entsteht dann die Skulptur der späteren Umgänge. Die Basis ist gestreift. 2*+

12 Dr. Karl Deninger. [12]

Taf. IV, Fig. ıı halte ich auch für ein Jugendexemplar dieser Art, Am nächsten steht ihr wohl Turritella alternans Roemer.

17 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Turritella Kirsteni Gein. 1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 240, Taf. 54, Fig. 1. 1875. Turritella granulata (non. Sow.) Gein. Elbtalgeb., I, S. 239, Taf. 54, Fig. 3, 4.

Es ist vollständig unmöglich, einen Unterschied zwischen den von Geinitz unter den beiden oben angeführten Namen bestimmten Stücken aufzufinden. Die Abbildung (Taf. 54, 3a) ist augenscheinlich. der Phantasie des Zeichners entsprungen. Die sächsischen Stücke unterscheiden sich von 7. granulata Sow. durch eine größere Zahl von Längsrippen und dadurch, daß sie nirgends eine Querstreifung erkennen lassen, die bei der englischen Art die Veranlassung zur Knotenbildung gibt.

Die Gestalt der Schale ist in den Abbildungen von Geinitz gut wiedergegeben. Die Skulptur besteht aus meist sechs flachen, Knoten tragenden Längsrippen, deren breite Zwischenräume ein bis zwei meist glatte Längsstreifen aufweisen.

7 Stück von Koschütz, Plauen (Ratssteinbruch) und Zscheila bei Meißen.

Turritella subparallela Gein. 1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 240, Taf. 54, Fir. 2.

Diese Art ist auf ein einziges verdrücktes Exemplar von Plauen aufgestellt.

Mesostoma Beiseli Holzapfel. 1875. Scala pulchra Gein. Elbtalgeb., I, S. 241, Taf. 54, Fig. 7, 8. 1887. Mesostoma Beiseli Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 132, Taf. 54, Fig. 3. 1897. ? Mesostoma Müllerı Kaunhowen. Maestr. Kreide, S. 59, Taf. 3, Fig. 5.

Zwei der vorliegenden Stücke zeigen Andeutungen eines Kanals und beweisen, daß die Art nicht zu Scalaria, sondern zu Mesostoma zu stellen ist. Ihrer schlanken Gestalt und deutlichen Längsstreifung wegen stelle ich sie zu Mesostoma Beiseli. Besser zu dieser als zu M. Mülleri dürfte auch die den säch- sischen Stücken sehr ähnliche Mesostoma passen, welche Kaunhowen, |. c., abbildet.

4 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Chemnitzia Reußiana Gein.

1849. Eulima arenosa Gein. Quad. Deutschl, S. 126. 1875. Chemnitzia Reujiana Gein. Elbtalgeb., I, S. 241, Taf. 53, Fig. 4—6.

7 Stück von Plauen (zum Teil Ratssteinbruch).

Pseudomelania Stoliczkai Gein. 1875. Euchrysalis Stoliczkai Gein. Elbtalgeb., I, S. 242, Taf. 53, Fig. 2, 3.

ıı Stück von Plauen (zum Teil Floßrechen).

Pseudomelania Laubeana Gein. 1875. Euchrysalis Laubeana Gein. Elbtalgeb., I, S. 242, Taf. 53, Fig. 1.

Sie ist der vorigen sehr ähnlich, unterscheidet sich aber konstant durch ihre schlankere Gestalt und erreicht nie deren Größe. In der Regel treten die Anwachsstreifen etwas deutlicher auf als bei der vorigen. Bulima amphora d’Orb. (Terr, cret., II, 66, Taf. 156, Fig. 1) steht zwischen den beiden sächsischen Arten in der Mitte. Diese drei Arten unterscheiden sich von Pseudomelania gisantea Stol. durch ihre unten gerundete Mündung ohne Ausguß,.

9 Stück von Plauen (Ratssteinbruch).

[13] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 13

Nerinea Geinitzi Goldf. 1844. Goldfuß. Petref. Germ., III, S. 47, Taf. 177, Fig. 8. 1875. Geinitz. Elbtalgeb. I, S. 265, Taf. 53, Fig. 7—0.

9 Stück von Koschütz und Plauen,

Nerinea Cottai Gein. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 266, Taf. 53, Fig. 10.

ı Stück von Koschütz.

Cerithium tectiforme Binkh. Tat. II .Rior rn, 3, 4@, b. 1861. Binkhorst. Gasterop., craie sup., Limbourg, S. 24, Tat. I, Fig. 3. 1875. Cerithium Margaretae Gein. Elbtalgeb., I, S. 268, Taf. 60, Fig. 5. 1875. Cerithium Schlüteri Gein. Elbtalgeb., I, S. 272. Taf. 60, Fie. 21.

Die Gehäuse dieser Art sind spitz turmförmig. Der Gewindewinkel schwankt um recht beträcht- liche Werte. Er liegt in der Regel zwischen 13 und 17°, kann aber auf kurze Strecken sowohl unter 10" herabsinken sowie über 20° steigen. Die Umgänge tragen in ihrem unteren Teile eine stark vorspringende Reihe spitzer Knoten meist zwölf auf einem Umgang.

In dem darüber liegenden Teile der Umgänge liegt auf den ersten Windungen eine Reihe von spitzen Knoten. In der Regel tritt neben dieser auf den späteren Windungen noch eine weitere Knotenreihe auf. In seltenen Fällen steigt die Zahl der kleineren Knotenreihen bis auf fünf. (Taf. II, Fig. 4)

Die Basis ist flach, mehr oder weniger scharf abgesetzt und fein gestreift. Eine vollständige Mündung ist nicht erhalten. Sie war annähernd rechteckig, die Mundränder legen sich zu einer hohlen Spindel zusammen. Als Varietät dieser Art möchte ich die von Geinitz als C. Schlüteri beschriebene Form auffassen, da sich Übergänge in der Skulptur zwischen diesen beiden Formen finden. Hier treten an Stelle der Knotenreihen drei durch Querrippen verbundene Längsrippen, während die übrigen Merkmale des C. Zectiforme gewahrt bleiben.

33 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium Cornuelianum d’Orb. Tat, Ri0o2 2, 1842. d’Orbigny. Terr. cret. 2, S. 361, Taf. 228, Fig. 1I—13. 1875. C. Barrandei, Geinitz, Elbtalgeb. 1, S. 273, Taf. 60, Fig. 28. 1902. Rehbinder, Cret. Schichten Baskuntschak, S. 145, Taf. 3, Fig.II—16.

Die Plauener Exemplare sind durchweg sehr klein. Das größte mag 17 mm erreicht haben. Der Gewindewinkel beträgt 20—25°. Die Skulptur, aus Querwülsten und Längslinien bestehend, ist sehr variabel. Die Umgänge fallen etwa im oberen Drittel dachförmig ab. Darauf folgt eine stärker hervortretende Rippe, dann fallen sie senkrecht ab, werden wieder durch eine Rippe begrenzt, um nach der Naht zu wieder mehr oder weniger eingezogen zu werden. Die ganze Schale ist mehr oder weniger fein spiral gestreift. Die an Zahl sehr variablen wulstigen Querrippen zeigen an Stellen, an denen sie von den Spiralrippen gekreuzt werden, gelegentlich Knotenbildung. An dem abgebildeten Exemplar trägt die stärkere untere Linie auch auf den Zwischenräumen Knoten.

Eine ähnliche Skulptur besitzt das stumpfere ©. Peschelianum.

8 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium interpunctatum Geinitz. Taf. II, Fig. 6. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 274, Taf. 60, Fig. 21.

14 Dr. Karl Deninger. [14]

Diese äußerst zierliche Art trägt auf den gewölbten Umgängen ihrer spitzkonischen Schale (Ge- windewinkel 30— 40°) zahlreiche Querwülste, welche von drei fein gekörnten Längsrippen unter Knoten- bildung geschnitten werden. Eine weitere, stets deutlich geperlte Schnur liegt in der Naht. Die Basis ist wenig gewölbt und trägt weitere glatte konzentrische Rippen. Die rundliche Mündung verläuft in einen

mäßig langen, wenig gebogenen schmalen Kanal.

Bis S mm groß häufig am Forsthaus in Plauen.

Cerithium Peschelianum Geinitz. Taf. I, Fig. 5 u. Io. 1875. C. Peschelianum u. Lorioli Geinitz. Elbtalgeb. I, S. 267 u. 275, Taf. 59, Fig. 20, 21. Taf. 51, Fig. 7.

Das spitzkonische bis turmförmige Gehäuse besteht aus acht anfangs weniger, später stärker ge- wölbten Umgängen. Die Verzierung wird von zahlreichen Querwülsten gebildet, die sich nach der Naht zu in wenig regelmäßige Knoten gabeln können, Die ganze Oberfläche ist mit feinen Längsstreifen bedeckt. Die Mündung ist nicht vollständig erhalten. Sie war schief rhombisch, nach oben lang ausgezogen, nach unten in einen offenen, schiefen Kanal verlängert. Die Innenlippe steht von der Spindel weit ab.

Die Abtrennung von C. Lorioli bei Geinitz ist durch nichts begründet.

6 bis 2 cm große Stücke vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium Sturi Gein. Taf. IV, Fig. 9. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 271, Taf. 60, Fig. 15.

Die Art ist auf ein einziges Exemplar gegründet. Die Schale besitzt einen Gewindewinkel von 35° und besteht aus vier Umgängen, welche von der Naht erst schräg und dann ein kurzes Stück senkrecht abfallen, so daß ein treppenförmiges Profil entsteht. Die Skulptur besteht aus etwa sieben Längsstreifen, die von zahlreichen schwächeren Querrippen unter Knotenbildung geschnitten werden. Die Basis ist gewölbt

und gestreift. Die große Mündung trägt einen kurzen, gebogenen Kanal.

ı Stück vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium infibulatum Geinitz. Taf. II, Fig. 9.

1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 272, Taf. 60, Fig. 19.

Die Umgänge des spitzkonischen Gehäuses zeigen ein charakteristisches Profil. Sie fallen von der Naht an zunächst schräg, dann steil ab und sind nach der unteren Naht zu wieder etwas eingezogen. Ihre Skulptur besteht aus anfangs zwei, später drei Längsrippen, die mit schwächeren, eng: stehenden Querrippen ein Gitterwerk bilden. Die Querrippen sind am deutlichsten auf dem schräg abfallenden Teile der Windungen und können auf dem steil abfallenden Teile ganz verschwinden. Die Basis ist gewölbt und trägt konzentrische

Streifen. Die Mündung ist schief oval mit schwach ausgeprägtem Ausguß. Die Außenlippe ist verdickt.

5 mm groß häufig beim Forsthaus in Plauen,

Cerithium costellatum Sow. Taf. II, Fig. 7. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 271, Taf. 60, Fig. 16.

Die spitz kegelförmige Schale besteht aus stark gewölbten Umgängen. Diese tragen eine scharfe Gitterskulptur, auf dem letzten Umgang aus zehn Längsrippen und zahlreichen gleich starken Querrippen be-

[15] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 15

stehend. Auf der Außenseite der Spindel läßt sich dazwischen eine äußerst feine Querstreifung erkennen. Mündung schief mandelförmig mit verdickter Außenlippe und schmaler Innenlippe.

3 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium macrostoma Geinitz. Taf. II, Fig. 8 u. ı1, Taf. IV, Fie. 7. 1875. Geinitz. Elbthalgeb. I, S. 274, Taf. 60, Fig. IS. 1875. C. solidum u. subvagans Gein. Ebenda. S. 270 u. 272, Taf. 60, Fig. I3 u 20.

Das spitz konische Gehäuse besitzt einen Gewindewinkel zwischen 25° und 30°. Die Umgänge sind mäßig hoch, gewölbt und tragen zehn bis sechzehn Querwülste, die von glatten Rippen unter schwacher Knoten- bildung übersetzt werden. In der Naht liegt eine Linie, die bei dem, Taf. IV, Fig. 7, abgebildeten Exemplar fein gekörnelt ist. Die Basis ist gewölbt und gestreift. Die Mündung ist fast rhombisch, nach oben in eine Ecke ausgezogen, nach unten mündet sie in einen verengten seitlichen Ausguß. Die Außenlippe läßt auf der Innenseite zwei kleine Zähnchen erkennen. Die Innenlippe ist umgeschlagen, von der Spindel etwas abstehend.

Die von Geinitz als C. solidum bestimmten Stücke gehören sicher zu unserer Art. Das beste Exemplar von ihnen stellt unsere Abbildung Taf. IV, Fig. 7 dar. Sie haben aber keine Ähnlichkeit mit der Abbildung im Elbtalgebirge.

C. subvagans ist auf ein abgerolltes Exemplar unserer Art begründet. (Taf. II, Fig. 11.)

4 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium (Horizostoma nov. subgenus) heterostoma Gein. Taf. II, Fig. 12, Taf. II, Fig. 9 u. 10. 1875. Geinitz. Elbtalg. I, S. 271, Taf. 60, Fig. 14.

Diese Art besitzt eine Mündung, welche sich nur entfernt an bekannte Formen anschließt. Sie ist fast viereckig und von der gleichmäßig breit umgeschlagenen Außen- und Innenlippe umgeben. Die Lippen schließen über dem wenig gebogenen Ausguß vollständig zusammen und nur eine schmale in die Röhre verlaufende Furche bezeichnet die Trennungsstelle. Wie die Gattungen, bezüglich Untergattungen Triforis und Zustoma zeigt unsere Art noch einen oberen Ausguß, der ebenfalls von der Mündung völlig abge-

schnürt an der Naht mündet. Die Naht ist an dieser Stelle etwas nach oben gezogen.

Die Außenlippe trägt einige kleine Zähnchen. Das aus sechs Windungen bestehende Gewinde besitzt einen Winkel von 26 bis 39° und trägt eine Skulptur aus sieben Längs- und zahlreichen Quer- rippen, die mehr oder minder kräftige Knoten bilden, so daß die Oberfläche entweder mehr mit Knotenreihen bedeckt oder mehr gegittert erscheint. Ein Exemplar zeigt auch einen deutlich ausgeprägten Längskiel.

Mit der jurassischen Untergattung Eustoma und mit der tertiären und rezenten Gattung Triforis hat unsere Art den oberen Ausguß gemein. Sie weicht aber im übrigen so bedeutend von ihnen ab, daß eine Vereinigung unmöglich ist. Die Eustoma-Arten besitzen turmförmige Schalen mit niederen, stark geknoteten Umgängen, Triforis ist stets links gewunden.

Eine so stark spezialisierte Art wie C. heterostoma mit dem Gattungsnamen Cerithium zu bezeich- nen empfiehlt sich sicher nicht. Ich möchte deshalb vorschlagen, eine eigene Untergattung Horizostoma für sie aufzustellen, die wohl in die Nähe von Triforis zu stellen ist.

3 Exemplare bis 8 mm groß vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium ternatum Reuss. Taf. II, Fig. 14 und 15.

1845. Reuss. Verst. d. böhm. Kreideform. S, 42, Taf. 10, Fig. 3. 1875. C. aequale und C. sociale Zek. Geinitz. Elbtalgeb. I, Taf. 60, Fig. S und 9.

16 Dr. Karl Deninger. [16]

Das spitzturmförmige Gehäuse besitzt einen Gewindewinkel, der zwischen 10° bis 23° schwankt, Es wird von etwa 12 Umgängen gebildet, welche von 3 engstehenden Knotenreihen bedeckt werden. Die Knoten stehen in schiefen Reihen übereinander, Die Basis ist abgestutzt und war anscheinend sehr fein konzentrisch gestreift. Die Mündung ist niedrig, fast rechteckig und trägt einen kurzen schiefen Kanal. Das sehr nahestehende Cerithium lassulum Stol, aus der Arrialoor Group unterscheidet sich durch

stärker vertiefte Nähte. Forsthaus in Plauen.

Nach Reuss im pyropenführenden Konglomerat von Meronitz.

Cerithium intermixtum Geinitz. Taf. II, Fig. 3. 187:. Geinitz, Elbtalgeb., I, S. 270, Taf. 60, Fig. 11. fl Es ist nicht unmöglich, daß (©. intermixtum mit O. ternatum eine Art bildet. Die als C. Zernatum bestimmten Stücke würden dann das Jugendstadium von Zntermixtum darstellen. Da aber vollständig er- haltene Exemplare fehlen, läßt sich dies vorläufig nicht beweisen.

Der Gewindewinkel ist sehr spitz, 13° und weniger. Die Umgänge sind flach aber durch eine deut- liche Naht getrennt. Die Oberfläche ist mit mindestens vier Knotenreihen von verschiedener Größe bedeckt, deren Knoten in senkrechten Reihen über einander stehen. Die Basis ist glatt abgestutzt und konzentrisch

gestreift. Die Mündung ist rechteckig mit seitwärts gebogenem Kanal.

3 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium Heberti Geinitz. Taf. II, Fig. 13. 1875. Geinitz. Elbtalgebirge, I, S. 270, Tat. 60, Fig. 10.

Das kegelfömirge Gehäuse besitzt einen Gewindewinkel von etwa 35°. Bei einer Höhe von 9,5 mm lassen sich neun Umgänge erkennen. Die Höhe des letzten beträgt 2,5 mm. Die flachen, durch eine wenig vertiefte Naht getrennten Umgänge tragen anfangs vier Reihen runder Knoten, zwischen die sich später weitere Knotenreihen einschieben können. Die Knoten stehen in nicht ganz regelmäßigen Reihen überein- ander. In der Regel sind die oberste und unterste Reihe eines jeden Umganges die stärksten. Die Basis war flach. Von der Mündung ist nur ein Stück des schiefen Kanals erhalten.

3 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium cf. Heberti Geinitz. Aarau, IN, Ike, 10% ©

Dieses von Geinitz zu C. Barrandei gestellte Stück stimmt in der kegelförmigen Gestalt (der Gewindewinkel beträgt 39°) sowie in der Skulptur der Anfangswindungen ‚mit C. Heberti überein. Die Skulptur nimmt aber auf den späteren Windungen eine ganz andere Weiterentwicklung. Die Knotenreihen nehmen an Zahl (8 auf der letzten Windung) nicht aber an Stärke zu und mehr und mehr verschwindet die Knotenbildung. Dafür entwickeln sich kräftige Querwülste. Die Mündung ist nicht vollkommen erhalten, zeigt aber einen schmalen, seitwärts gebogenen Kanal. Das Stück zeigt einige Ähnlichkeit mit C. conot- deum Böhm (Cret. Gastrop. v. Libanon, S. 210, Taf. VI, Fig. 7).

ı Exemplar vom Forsthaus in Plauen.

[17] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 1]

Cerithium dichachondratum nov. nom. Taf. II, Fig. {1 und Taf. IV, Fig. 5. 1875. ©. gallicum Geinitz. Elbtal. I, S. 269, Taf 60, Fig 7 (non d’Orb.)

Das Gehäuse ist spitz turmförmig, der Gewindewinkel liegt meist in der Nähe von 18°, schwankt aber in einzelnen Fällen zwischen ıı° und 24°.

Die Umgänge sind flach, niederer als bei dem nahestehenden C. Zectiforme und tragen stets nur 2 Knotenreihen, eine stärkere untere und eine schwächere obere. Durch diese Anordnung der Knotenreihen unterscheidet sich unsere Art von C. gallicum d’Orb., welches eine stärkere obere und schwächere untere Knotenreihe trägt.

Außerdem sind die Knoten der sächsischen Art wesentlich zahlreicher. Ebenso zeigt die Mündung Unterschiede. Auch von unserer Art liegen keine vollständig erhaltenen Mündungen vor. Was erhalten ist, erinnert sehr an C. Zectiforme. Entsprechend den etwas niederen Umgängen ist sie etwas niederer, der Ausguß ist deutlich ausgeprägt. Die Basis ist flach und fein gestreift.

Bis 14 mm groß vom Forsthaus in Plauen (II Stück).

Ob die von Geinitz hieher gestellten viel größeren Exemplare von Koschütz dieser Art angehö- ren, erscheint zweifelhaft. Sie sind fast nur als Steinkerne erhalten und scheinen zwei, beinahe gleiche, durch eine breite Furche getrennte Knotenreihen besessen zu haben.

(Unsere Fig. 5, Taf. IV, ist vermutlich Original von Geinitz Taf. 60, Fig. 7.)

Cerithium Münsteri Keferstein. Taf. II, Big: 1.

1829. Keferstein. Deutschland, VIII, S. 99. 1842. Goldf. Petref. Germ., III, S. 36, Taf. 174, Fig. 14. 1852. C. frequens, solidum, ınterjectum, (?) complanatum, Münsteri, breve, rotundatum Zek., Gastrop. Gosau, Taf. 20,

Fig. I, 3, 4, 8, Taf. 21, Fig. I, 3—7. 1866. Stoliczka. Revision d. Gastr. Gosau, S. Iol. 1875. C. Heberti (pars.) Geinitz. Elbtalgeb. S. 270.

Das einzige Stück dieser Art vom Forsthaus in Plauen zeigt wenig gewölbte Umgänge, die sich ein wenig umfassen. Vier Knotenreihen jedes Umganges bleiben ungedeckt. Die Knoten stehen in senk- rechten Reihen übereinander.

Die Basis ist gewölbt und zeigt sechs weitere Streifen, von denen die drei oberen ebenfalls geknotet sind. Die Mündung ist schief mandelförmig mit kurzem gebogenen Kanal.

Die Höhe des Stückes beträgt 16, die Höhe des letzten Umganges 3, die Breite 5 mm.

Cerithium Fritschei Geinitz. Taf. IV, Fig. ı. 1875. Geinitz Elbtalgeb., I, S. 271, Taf. 60, Fig. 12.

Die acht Umgänge des turmförmigen Gehäuses (Gewindewinkel 24°) sind anfangs wenig, später ziemlich stark gewölbt. Auffällig ist der Wechsel in der Skulptur, den alle hieher gehörigen Stücke zeigen. Die ersten Umgänge tragen fünf Längsreihen dichtgedrängter Knoten, die in Querreihen angeordnet sind. Auf den späteren Umgängen rücken diese Querreihen auseinander und bilden durch breite Täler getrennte Wülste, die von den Längslinien ohne Knotenbildung übersetzt werden. Nur die oberste Längslinie verliert ihre Knoten nicht und zieht als Perlenschnur unter der Naht hin. Die Längsrippen vermehren sich auf den späteren Umgängen dadurch, daß einzelne Rippen von der Unterseite auf die Außenseite heraufrücken. Die Basis ist gewölbt und kräftig gestreift. Die Mündung war schief mandelförmig mit kurzem schmalen Ausguß,.

Das abgebildete Exemplar weicht von den übrigen dadurch ab, daß die ersten Windungen eine ähnliche Skulptur wie die letzten tragen und erst die dazwischen liegenden Windungen die dicht gedrängten Knotenreihen zeigen.

Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns. Bd. XVII. 3

18 Dr. Karl Deninger. [1 8]

Einen ähnlichen Wechsel in der Skulptur zeigt das von Rehbinder, Cret. Sandst. von Baskundschak, Taf. IV, Fig. ı, abgebildete Stück von Cerithium Phillipsi. 3 Exemplare bis II mm groß vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium Rudolphi Geinitz. Taf. III, Fig. 6 u. 7. Taf. IV, Fig. 4. 1875. ©. Rudolphi, Hübleri, Strombecki Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 273, 274, Taf. 60, Fig. 23, 25, 26.

Das sehr spitze Gehäuse besteht aus über zehn gewölbten Umgängen. Diese tragen auf jedem Umgang neun bis zwölf Querwülste, die sich zu ziemlich deutlichen Reihen anordnen. Die darüber hinziehenden drei Längsrippen bilden auf ihnen mehr oder weniger ausgeprägte Knoten, und zwar sind die Knoten der Mittelrippe immer am stärksten. Außerdem liegt in der Naht eine Linie. Die Mündung war annähernd quadratisch mit kurzem, nach unten gewandten Kanal und abstehender Innenlippe.

Die von Geinitz als ©. Hübleri und Strombecki beschriebenen Formen stellen die selteneren links gewundenen Stücke unserer Art dar.

Nicht selten am Forsthaus in Plauen.

Cerithium Gümbeli Geinitz. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 274, Taf. 60, Fig. 29, 30.

Das spindelförmige Gehäuse besteht aus zahlreichen (bis zehn) gewölbten Umgängen, die durch eine deutliche Naht getrennt sind. Sie tragen 12 bis I8 schmale, kräftige Querrippen auf einem Umgang. Außer- dem läßt die Oberfläche eine feine Spiralstreifung erkennen. In der Naht liegt eine stärkere Spirallinie. Die enge Mündung trägt einen nach unten gewandten Kanal, die Spindel eine kräftige Falte. Diese häufige charakteristische Art wurde von Geinitz gut abgebildet.

Forsthaus in Plauen.

Cerithium conversum Geinitz, Taf. III, Fie. 5. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 273, Taf. 60, Fig. 27.

Das vollständigste Exemplar besitzt bei einer Länge von 16 mm sieben Umgänge. Der im Verlauf des Wachstums spitzer werdende Gewindewinkel beträgt etwa 20°. Die Umgänge sind gewölbt, mit etwa zwölf Querwülsten verziert, die breite Täler zwischen sich frei lassen. Sie werden von sieben bis acht Längsstreifen übersetzt, die in den Tälern schmal sind und sich auf den Hügeln verbreitern. Die Basis ist gewölbt, konzentrisch gestreift. Die Mündung ist eiförmig und verläuft nach unten in einen breiten Aus- guß. Die Innenlippe ist zurückgeschlagen und nach unten zu etwas vom letzten Umgang abgelöst. (Die Mündung ist in der Abbildung bei Geinitz total verzeichnet.)

Alle vorliegenden Exemplare sind links gewunden. Ich wage deshalb nicht, sie ohne weiteres mit dem sehr ähnlichen C. reticulatum Sow. (Reuß, Verst. böhm. Kreideform, S. 42, Taf. X, V) und Cer:- thium vicinum Werneuil (Descript. foss. N&ocomien sup. Utrillas, S. 13, Taf. II, IV) zu vereinigen.

5 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium provinciale d’Orb. Taf. IV, Fig, 2. 1842. d’Orb. terr. cret, S. 380, Taf. 233, Fig. 3.

1852. C. provinciale u. torosum Zekeli. Gastrop. Gosau, S. 109, ILo, Taf. 22, Fig. 2 u. 5. 1860. Stoliczka. Revision, S, 106,

1875. ©. Rudolphi (pars.) u. C. sexangulum Geinitz. Elbtal, I, S. 273, Taf. 60, Fig. 22. 1893. C. cf. provinciale Fri&. Priesener Schichten, S. 88, Fig. XC.

[19] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 19

Unser Originalexemplar, von Geinitz zu C. Rudolphi gestellt, ist ein Bruchstück, das aus fünf ziemlich flachen Windungen besteht. Diese tragen eine sich vermehrende Anzahl von Querwülsten neun auf dem letzten Umgang, die von fünf Längsrippen übersetzt werden. Eine weitere Längsrippe liegt in der Naht und hat demgemäß keinen gewellten Verlauf.

Die von Geinitz als C. sewxangulum Zek. beschriebenen zwei kleinen Schälchen gehören bestimmt nicht zu der Gosauart. Ich möchte sie als Jugendstadien dieser Art auffassen.

3 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium bizonatum Geinitz. Tas Bıe72, 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 269, Taf. 60, Fig 6.

Das einzige vorliegende Exemplar zeigt sich als Vertreter einer gut charakterisierten Art. Die Um- gänge tragen zwei kräftige Längsgürtel, deren unterer sich auf den letzten Umgängen zu teilen beginnt. Der tief eingesenkte Zwischenraum zwischen den Gürteln ist fein quergestreif-: Die Basis ist abgeflacht. Die Mündung scheint viereckig gewesen zu sein. Ein kleiner Nabel ist vorhanden.

Das 3 mm große Schälchen stammt vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium Toermerianum Geinitz. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 268, Taf. 60, Fig. 2.

Die Schale hat einen Gewindewinkel nahe an 35° und besteht aus mehr als fünf stark gewölbten Umgängen, die an Gröfse zunehmen und mit schmalen Spiralstreifen bedeckt sind. Die Mündung ist halb- kreisförmig und läuft in einen gebogenen Kanal aus. Die Spindel trägt zwei Schwielen.

Die Abbildung von Geinitz ist ziemlich richtig. Die Spiralstreifen sind nur viel zahlreicher und der Verlauf der Spindelfalten, die auch kräftiger sind, ist steiler von oben nach unten,

2 Stück, etwa 2 cm groß, vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium difficile Geinitz. Taf. II, Fig. 8. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S 272, Taf. 60, Fig. 17.

Die turmförmige Schale besitzt einen Gewindewinkel von 26° und besteht aus mehr als fünfstark gewölbten Umgängen, welche fünf starke Längsrippen und zahlreiche, etwas schwächere Querrippen tragen. Die auf dem am meisten vorragenden Teil der Umgänge gelegene vierte Längsrippe ist die stärkste. Die Basis ist ge- wölbt und trug jedenfalls konzentrische Streifen. Die Mündung ist nicht erhalten. Sie scheint rundlich mit kurzem Ausguß gewesen zu sein.

Die Art nimmt eine vermittelnde Stellung zwischen C. Rudolphi und infibulatum ein.

2 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium acus Geinitz, 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 268, Taf. 60, Fig. 4. Dieser spindelförmige, glatte Cerithium wurde von Geinitz im allgemeinen richtig abgebildet. Die verletzte Mündung läßt aber nichts mehr von einem Kanal erkennen.

2 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium (Fibula) detectum Stoliczka. 1868. Stoliczka. Cret. Gast. S. India, S. 192, Taf 15, Fie. ı. 1875. Geinitz. Elbtalgeb,, I, S. 266, Taf. 59, Fig. 7. Die Abbildung bei Geinitz ist zwar aus mehreren Stücken zusammengestellt, gibt aber den Charakter der Art richtig wieder. Forsthaus in Plauen. SE

20 Dr. Karl Deninger. [20]

Cerithium Fischeri Geinitz. Taf. III, Fig. 8. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 268, Taf. 60, Fig. 3.

Das von Geinitz unter diesem Namen beschriebene Stück ist das einzige dieser Art. Daß es sich um ein Cerithium handelt, beweist der deutlich ausgeprägte, schmale Ausguß. Das Gehäuse ist turmförmig mit einem Gewindewinkel von etwa 20°. Bei einer Höhe von Io mm besteht dle Schale aus 13 Umgängen. Die Skulptur erinnert außerordentlich an gewisse Turitellen. Sie besteht aus zwei sehr stark hervortretenden, oben kantigen Längsstreifen, die auf ihrem oberen Teile eine glatte, aufgesetzte Linie tragen. Der nach unten abfallende Teil der Längskanten läßt stellenweise eine außerordentlich feine Querstreifung erkennen. Die Mündung ist eng und trägt einen schmalen, stark zur Seite gebogenen Kanal.

ı Stück vom Forsthaus in Plauen.

Cerithium belgicum Münst. Taf. IV, Fig. 6.

184I—1844. Münst. und Goldf. Petref. Germ,, II, S. 34, Taf. 174, Fig. 2. 1847. @’Archiac. M&m. soc. geol. France 2, II, 2, S. 344, Taf. 35, Fig. 2. 1850. d’Orb. Prodr. Pal., II, S. 156,

1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 267, Taf. 59, Fig. 18.

Die Abbildung und Beschreibung von Geinitz stimmt überein mit den ihm damals vorliegenden Stücken von Koschütz, nur ist der Außenteil der Mündung ergänzt. Unter dem neuerdings gesammelten Material aus dem Ratssteinbruch von Plauen befinden sich aber einige zu dieser Art gehörige Stücke, die nicht unbeträchtlich von den übrigen abweichen.

In der Regel umfaßt bei dieser Art der spätere Umgang: den früheren, so daß der mit den kleinen Rippen verzierte Teil auf den vorhergehenden Umgang zu liegen kommt. Der bedeckte Teil trägt aber auch ebensolche Rippen, wie die Abbildung von d’Archiac am letzten Umgang erkennen läßt. Bei einigen mir vorliegenden Exemplaren umfassen sich die Umgänge nicht und lassen daher am oberen und unteren Teil die Rippen sehen. Einige von diesen Rippen sind auch stärker ausgebildet und treten mit den gegenüber- liegenden durch geschwungene Linien in Verbindung. Die Längsstreifung ist auf der ganzen Schale deut- lich. Hierdurch kommt eine Skulptur zu stande, welche mit der von C. Guentheri übereinstimmt, denn dieses besitzt, was Geinitz übersah, ebenfalls die spirale Streifung. Als Unterschied zwischen beiden Arten bleibt aber die spitzere Gestalt von Cerithium belgicum und die charakteristische Mündung von C. Guentheri, denn, wenn wir auch die Mündung von C. belgicum noch nicht vollständig kennen, so scheint sie doch von derjenigen von C. Guentheri abzuweichen.

Eine C. belgicum nahe verwandte Form beschreibt Koßmat unter dem Namen C. Karasurense aus dem Cenoman von Pondicherri. (Cret. Pondich., S. 89, Taf. VII, Fig. 5, 6.) Bis über 6 cm groß im Ratssteinbruch von Plauen, Koschütz und Zscheila bei Meißen.

Cerithium Guentheri Gein. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 267, Taf. 59, Fig. 19, Taf. 60, Fig. 1.

Die spitz konische Schale besteht aus etwa acht flachen Windungen, deren Höhe zur Breite sich wie 5:11 verhält. Sie tragen meist schwach s-föürmig gebogene Querstreifen, die nach der Mitte zu oder auch nach oben und unten an Stärke abnehmen können und von ganz feinen Längslinien übersetzt werden. Die Mündung besitzt einen nur wenig schiefen, mäßig langen Ausguß und zeigt mehrere Verdickungen an Außenlippe, Innenlippe und Spindel. (Vergl. Abbildung bei Geinitz, Taf. LIX, Fig. 19.) Die von Geinitz, Taf. LX, Fig. 1, abgebildeten Mundwülste sind angeklebte Schalenstücke.

J Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 21 21 F

Cerithium Bircki Geinitz. 1850. Geinitz. Quad. Deutschland, S. 140, Taf. X, Fig. I. 1868. Cerithium inauguratum Stoliczka. Cret. Rocks S. India, S. 193, Taf. XV, Fig. 20. 1875. Geinitz. Elbtalgeb., S. 265, Taf. 61, Fig. 8.

Der Abbildung und Beschreibung von Geinitz ist nichts hinzuzufügen. Von den von Stoliczka als CE. inauguratum bestimmten Stücken gehört das Fig. 20 abgebildete Exemplar zu unserer Art. Für die übrigen abgebildeten Stücke erscheint die Bestinnmung zweifelhaft. Sie sind vielleicht mit der von White (Cret. invert. fossils Brazil., S. 141, Taf. XIII, Fig. 9) beschriebenen Nerinea inaugurata identisch. Große Ähnlichkeit in Umriß und Skulptur zeigt ©. cf. inauguratum Quaas aus den Overwegischichten.!) Es besitzt jedoch ausgeprägte Spindelfalten, während unsere Stücke nur Andeutungen davon erkennen lassen. Auf- fallend ist ferner die Ähnlichkeit in der Skulptur mit den oberen Windungen der englischen eocänen Formen incomptum und cornucopiae (Diseon, Geologie of Sussex, S. 1oL, Taf. VI, 5, und S. 181, Taf. VI, 18). Hier scheint die ontogenetische Entwicklung auf die phyllogenetische zurückzuweisen.

Plauen, Hoher Stein, Gamighügel, Zscheila bei Meißen.

Dolium nodosum Sow.

1823. Sowerby. Min. Conch., Taf. 426 u. 427.

1842. Pterocera incerta d’Orb. Terr. cret., II, S. 308, Taf. 215.

1850. Cassidaria incerta Dixon. Geol. Sussex, S. 350, 358, Taf. 29, Fig. 7. 1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 261, Taf. 58, Fig. 13.

I Exemplar von Plauen.

? Tritonium cretaceum Müller. 1851. Müller. Monogr., Il, S. 47, Taf. 5, Fig. 2. 1857. Turbo plauensis Gein. Elbtalgeb., S. 255, Taf. 58, Fig. ıı. 1887. Holzapfel. Palaeontogr., 34, S, 113, Taf. 10, Fig. 5—7.

Ein einzelnes Exemplar vom Forsthaus in Plauen ist von Geinitz unter dem Namen Turbo plauensis beschrieben und bis auf die Mündung richtig abgebildet worden. Von dieser ist nur wenig er- halten. Sie scheint aber nicht rund gewesen zu sein, sondern in einem Ausguß verlängert. Das Stück scheint daher ein Tritonium zu sein, und die Skulptur stimmt mit dem Aachener Tritonium cretaceum überein.

ı Stück vom Forsthaus in Plauen.

Columbella insignis Gein. 1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 264, Taf. 59, Fig. 4. 1875. Cancellaria minima Gein. Elbtalgeb., I, S. 265, Taf. 59, Fig. 2.

Bei keinem der zahlreichen, von Geinitz als Cancellaria minima bestimmten Stücke ließen sich Spindelfalten nachweisen, außer bei einem, welches aber jedenfalls zu Volutoderma insignis gehört. Die Fig. 2 abgebildete umgeschlagene Innenlippe konnte ich ebenso wenig beobachten. Es fällt somit jeder Unterschied zwischen Columbella insignis und Concellaria minima weg. In Fig. 4 ist die Spindel etwas zu lang gezeichnet. Die meisten Stücke lassen deutlich eine feine Längsstreifung erkennen.

13 Stück von Plauen (Forsthaus).

Columbella (2?) clathrata Gein. 1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 264, Taf. 59, Fig. 5 und 61, Fig. 3.

Die Exemplare dieser Art sind alle sehr schlecht erhalten. Wahrscheinlich handelt es sich um gar keine Columbella, sondern um ein Triton.

1) Palaeontographica 30, 2. S. 262. Taf. 26, Fig. 27 a—b.

22 Dr. Karl Deninger. [22]

Murex armatus Gein. 1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 263, Taf. 59, Fig. 16.

ı Stück vom Forsthaus in Plauen.

Fusus electus Gein. sp. 1875. Trobhon electum Gein. Elbtalgeb., I, S. 264, Taf. 59, Fig. 13.

4 Stück vom Forsthaus in Plauen.

Fusus audacior Gein. 1875. Rapa audacior Gein. Elbtalgeb., I, S. 262, Taf. 59, Fig. 9.

3 Stück von Plauen (Forsthaus).

Pyropsis Corneti Gein. sp. 1875. Rapa Corneti Gein. Elbtalgeb., I, S. 263, Taf. 59, Fig. Tı.

Wie Geinitz erwähnt, finden sich von dieser Art Zwergexemplare von wenigen Millimetern Länge am Forsthaus in Plauen. Im Ratssteinbruche dagegen sind Steinkerne dieser Art von 3 bis 4 cm Länge nicht selten. Eines der ersteren bildet Geinitz zwar etwas ergänzt, aber wohl richtig ergänzt ab. Die großen Exemplare zeigen auch an Steinkernen eine kräftigere Skulptur. Die Längsrippen, die sich an manchen Stücken etwas vermehren, können auf den Querrippen dicke Knoten bilden.

13 Stück von Plauen (zum Teile Forsthaus).

Fusus (Siphonalia) pauperculus Gein. sp. Taf. IV, Fig. 8.

1875. Neptunea paupercula Gein. Elbtalgeb, I, S. 261, Taf. 59, Fig. 6, 7. 1875. Phasianella Beyrichi Gein. Elbtalgeb, I, S. 250, Taf. 54, Fig. 12, 13. 1875. ? Turbo cf. Raulini Gein. Elbtalgeb., I, S. 255, Taf. 61, Fig. 1, 2.

Das mäßig hohe Gewinde besteht aus fünf bis sieben gewölbten, fein längsgestreiften Windungen. Die halbkreisförmige Mündung verlängert sich in einem kurzen, etwas zur Seite gedrehten Kanal. Die Innenlippe ist umgeschlagen. Phasianella Beyrichi ist auf Exemplare dieser Art begründet. Unsere Ab- bildung stellt eines derselben dar.

Geinitz beschrieb als Turbo cf. Raulini zwei kleine Gastropoden, welche nicht sicher bestimmbar sind. Sie besitzen einen deutlichen Kanal und dürften vielleicht zu unserer Art gehören.

13 Stück von Plauen (Forsthaus) und Koschütz.

Volutoderma distincta Gein. sp. 1375. Fasciolaria distincta und Neptunea misera Gein. Elbtalgeb., I, S. 261, Tat. 59, Fig. 8, 15.

Das von Geinitz als Neptunea misera beschriebene Stück scheint ein schlecht erhaltenes Jugend- exemplar unserer Art zu sein. Sie scheint nächstverwandt mit Volufoderma (Fulguraria) multistriata Stol. aus der Trichonopolygroup, Südindien.

II Stück vom Forsthaus in Plauen.

Conus Briarti Gein. sp. 1875. Rapa Briarti Gein. Elbtalgeb., I, S. 263, Taf, 57, Fig. 12. Das Gewinde ist etwas flacher als in der Abbildung bei Geinitz, die Kante des letzten Umganges schärfer und die Längsrippung kräftiger. Die Art gehört zweifellos zu Conus, ı Stück von Plauen (Forsthaus).

[23] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 23

Actaeon Bölschei Gein. 1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 275, Taf. 61, Fig. 6.

I Exemplar von Plauen (Forsthaus).

Actaeon Braunsi Gein, 1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 275, Taf. 61, Fig. 5.

Die Knoten sind besonders in Abbildung 55 zu kräftig wiedergegeben. ı Exemplar von Plauen (Forsthaus).

Actaeon obscurum Gein. (Elbtalgeb., I, S. 275, Taf. 59, Fig. I) ist auf ein nicht besonders gut er- haltenes Exemplar gegründet, welches wohl zu Zitorina minuta gehört. Die zierliche Skulptur entstammt der Phantasie des Zeichners.

Actaeonella conica Briart u. Cornet. 1868. Briart u. Cornet. Meule de Bracquegnies, S. 42, Taf. 3, Fig. 13, 14. 1875. Trochactaeon Briarti Gein. Elbtalgeb., I, S. 275, Taf. 58, Fig. 7—-10. 1897. Actaeonella acuminata Fri. Chlomeker Schichten, S. 48, Fig. XLVII. (Nicht Actaeonella Briarti Gein,, Frie:

Ebenda, Fig. XLVII.)

Die Schale ist glatt und doppelt konisch. Von der breitesten Stelle, welche am oberen Teile des letzten Umganges liegt, verjüngt sich dieser mit einem Winkel von 12° zum unteren, schräg abgestutzten Teil des Gehäuses. Die Spindel trägt drei deutliche Falten. Sehr veränderlich ist, wie dies auch bei ver- wandten Arten meist der Fall ist, die Höhe des Gewindes. Sie ist nicht nur individuell verschieden, sondern ändert sich im Laufe der Entwicklung der Individuen, und zwar so, daß in der Regel ein in der Jugend spitzeres Gewinde im Alter stumpfer wird.

Actaeonella conica liegt mir in 15 Stücken (bis 16 mm groß) aus dem unteren Quader von Koschütz, ferner in etwas größeren Exemplaren von Kolubitz in Böhmen vor. Frit beschreibt sie aus den Schwefelkiesplatten von Tannenberge, Briart aus Bracquegnies,

Actaeonina (Etallonia) Stelzneri Gein. sp. 1875. Trochactaeon Stelzneri Gein. Elbtalgeb., I, S. 276, Taf. 58, Fig. 4-6.

8 Stück von Plauen (Forsthaus).

Cylichna cf. Bosqueti Holzapfel. 2 1887. Cylichna Bosqueli Holzapfel. Mollusken, Aachener Kreide, S. 75, Taf. 6, Fig. 7, 8. E

Zwei nicht sicher bestimmbare Bruchstücke vom Forsthaus in Plauen haben große Ähnlichkeit mit der Art aus dem Grünsand von Vaals.

Bullina pusilla Sow. sp. 1837. Phasianella pusilla Sow. Fitton, Observ., S. 343, Taf. 28, Fig. 13. 1850. » » d’Orb. Podr. Pal., II, S. 151. 1875. » » Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 250, Taf. 54, Fig. 11.

Die mit einer Falte versehene, gedrehte Spindel und der breite seitliche Ausguß lassen erkennen, daf3 diese Art nicht zu Phasianella, sondern zu den Actaeoniden gehört. Sie dürfte sich hier am besten an die Gattung Bullina anschließen,

4 Stück von Plauen (Forsthaus).

24 Dr, Karl Deninger. [24]

Die Gastropoden des Turon und Senon.

Patella inconstans Gein,

1875. Geinitz. Elbtalgeb., II, S. 167, Taf. 30, Fig. I, 2. 1897. Fric. Chlomeker Schichten, S. 49.

5 Stück von Zatzschke, terner im Ob. Quader von Kreibitz in Böhmen.

Patella angulosa Gein,, Elbtalgeb., II, S. 168, ist kein organischer Rest, sondern eine mineralische Bildung.

Pleurotomaria (Leptomaria) perspectiva Mant. sp.

1822. Cirrus berspectivus Mantell. Geol. Sussex, S. 194, Taf. 18, Fig. 12, 21.

1823. » » Sow. Min. Conch., Taf. 428, Fig. ı u. 2.

1842. Pleurotomaria perspectiva d’Orb. Terr. cret., II, S. 255, Taf. 196.

1846. » linearis Reufß. Böhm. Kreide, II, S. 47.

1870. > » Roemer. Geol. v. Oberschlesien, S. 318, z. T. Tat. 35, Fig. 1. 1875. » berspectiva Gein. Elbtalgeb., II, S 166, Taf. 29, Fig. 11.

1889. » » Fri&. Teplitzer Schichten, S. 74, Fig. 49.

Diese Art, die sich von der folgenden durch ihr höheres Gewinde und gerundete Umgänge leicht unterscheidet, liegt nur in einem skulpturlosen Steinkern von Strehlen vor. Im gleichen Erhaltungszustand kommt sie in den Teplitzer Schichten vor.

Pleurotomaria (Leptomaria) linearis Mant. sp.

1822. Trochus linearis Mantell. Geology of Sussex, S. IIo, Taf. 18, Fig. 16 u. 17. 1840. Pleurotomaria distincta (non Dujardin) Gein. Char., II, S. 46, Taf. 13, Fig. 8, Taf. 15, Fig. 18 u. 19. 1844. Pl. seriato-granulata, distincta, velata, granulifera Goldfuß. Petref. Germ., IH, S. 75, 76, Taf. 186, Fig. 10,

87, Fig. I—3. 1846. Pl. secans (nicht Pl. linearis!) Reuß. Böhm. Kreide, I, S. 47, Tat. X, Fig. 8b u. c. 1849. Pl. linearis Gein. Quad. Deutschl., S. 134. 1850. Pl. perspectiva (non Mantell) Dixon. Geol. Sussex, S. 358, Tat. 27, Fig. 27. 1875. Pl. linearis u. seriato-granulata Geinitz. Elbtalgeb., II, S. 165 u. 166, Taf. 19, Fig. 10. 1883. Pl. linearis Fri&. Iserschichten, S. 95, Fig. 57. 1888, Pl. cf. distincta, Goldf., Holzapfel. Aach. Kreide, S. 176, Taf. 20, Fig. 6. 1889. Pl linearis Frit. Teplitzer Schichten, S. 74, Fig. 48. 1893. » » » Priesener Schichten, S. 84.

Goldfuß beschrieb unter den oben angeführten Namen eine Anzahl Pleurotomarien, die unter- einander große Ähnlichkeit besitzen und deren Identität von verschiedenen Autoren vermutet wurde (vergl. Holzapfel, Aach. Kreide, S. 175, 176). Nach dem mir vorliegenden Material aus Sachsen und einigen norddeutschen Vergleichsstücken glaube ich nicht, daf sich eine Trennung aufrecht erhalten läßt. Die besterhaltenen Stücke von Strehlen stehen der von Goldfuß als Pl. seriato-granulata abgebildeten Form am nächsten.

An anderen Stücken sind die Längsstreifen etwas zahlreicher und feiner. Von Ahlten b. Hannover liest mir ein außerordentlich fein gestreiftes Exemplar vor, ein anderes zeigt diese feine Streifung nur auf der Außenseite der Umgänge, während die Oberseite der Schale noch die etwas gröbere Skulptur von 77. seriato-granulata Goldf. bewahrt hat.

Ganz unbegreiflich bleibt unbedingt, daß Geinitz auch eine Pl. seriato-granulata anführt. Das betreffende Stück aus dem Mittl. Quader von Cotta bei Pirna ist zwar sehr schlecht erhalten. Es läßt sich aber kein Unterschied von den als Pl. linearıs bestimmten Stücken auffinden.

Ob die von Frit, Weißenberger Schichten, Pleurot. seriato-granulata, Fig. 47, hieher gehört, scheint mir nach der schlechten Abbildung nicht ganz sicher, doch ist sie mindestens nahe verwandt.

Pleurotomaria linearis liegt mir vor aus dem Pläner von Strehlen und Weinböhla und dem Mittl. Quader von Großcotta bei Pirna, dem Turon von Quedlinburg, Ilseburg u. Ahlten b. Hannover, dem Senon von Bochum. In Böhmen hat sie ihre Hauptverbreitung in den Teplitzer Schichten.

[25] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 25

Pleurotomaria (?) baculitarum Gein. ? 1845. Pleurotomaria sublaevis Reuß. Böhm. Kreide, I, 47, Taf. 10, Fig. 9, Taf. 12, Fig. 10. 1865. Pl. baculitarım und funata (non Reuß) Gein. Elbtalgeb., Il, S. 167, Taf. 31, Fig. 9 u. 7. 1893. » » Fried. Priesener Schichten, S. 84, Fig. 73.

Die Schalen dieser Art kommen im Baculitenmergel von Zatzschke nur vollständig zusammenge- drückt vor. Sie tragen auf der Oberseite eine unregelmäßige, stellenweise etwas gekörnelte Streifung. Die Unterseite ist noch feiner gestreift. Radialrippen lassen sich bei unseren Stücken nicht erkennen, Ein Schlitzband konnte ich nicht beobachten. Die Art könnte also auch zu Trochus oder Solerium gehören. Pl. funata bei Geinitz gehört hieher und hat mit der Art bei Reuß keine Ähnlichkeit.

7 Stück aus dem Baculitenmergel von Zatzschke. Nach Fri®@ in den Priesener Schichten.

Turbo Steinlai Gein. Taf. I, Fig. 12. 1875. Gein.: Elbtalgeb., II, S. 161, Taf. 29, Fig. 9. 1889. Fritsch: Teplitzer Schichten, S. 75, Fig. 51.

Sechs runde Umgänge bilden mit einem Winkel von etwa 70° das Gehäuse. Die Verzierung ist ziemlich veränderlich. Sie besteht aus geknoteten Längsrippen, welche auf der Oberseite meist bedeutend kräftiger sind als auf der Unterseite. Sind die Linien auf der Unterseite sehr fein, so kann ihre Knotung gänzlich verschwinden. In der Regel liegt im oberen Teil der Außenseite eine stärkere Knotenreihe.

Io Stück von Strehlen.

Turbo Buchi Goldf. Taf. IV, Fig. 12.

1838. Solarium decemcostatum v. Buch: In Karstens Archiv, Bd. XI, S. 315. 1844. Trochus Buchii Goldf. Petref. Germ., III, S. 60, Taf. 182, Fig. 1. 1845. Solarium decemcostatum Reuß. Böhm. Kreide, S. 48, Taf. X, Fig. 12. 1875. Turbo Buchü Gein. Elbtalgeb., II, S. 164, Taf. 29, Fig. 8. 1889. Turbo decemcostatus Fric, Teplitzer Schichten, S. 74, Fig. 50. 1893. » 5 » Priesener Schichten, S. 82. 1897. » » » Chlomeker Schichten, S. 44. Da Leop. v. Buch keine Abbildung dieser Art gibt, so hat der Goldfußsche Name die Priori- tät. Es liegen nur fünf ziemlich schlecht erhaltene Stücke von Strehlen vor. Die Abbildung bei Geinitz ist recht schlecht. Die Nähte sind in Wirklichkeit stärker vertieft,

die Längsrippen kräftiger und die Knoten stets, besonders bei dem Originalexemplar, viel schwächer.

Trochus amatus d’Orb. Taf. IV, Fig. 14.

1844. Trochus Basteroti Goldfuß. Petref. Germ, II, S. 58, Taf. ıSı, Fig. 7. 1850. » amatus d’Orb. Prodr. Pal., II, S. 224. 1875. Gein.: Elbtalgeb., II, S. 164, Taf. 29, Fig. 7. 1893. FriC: Priesener Schichten, S. 82, Fig. 69.

Über fünf ebene, selten schwach gewölbte Umgänge bilden mit einem Winkel von etwa 45° die Schale und sind durch tiefe Nähte geschieden. Die Basis ist nur schwach gewölbt. Da von dieser Art nur Steinkerne erhalten sind, ist die Skulptur nur mangelhaft bekannt. Sie besteht in der Regel aus fünf Knotenreihen auf der Aufßenseite der Umgänge, während die Basis glatt ist; die Knoten sind meist in Reihen geordnet, die von der Naht schräg nach rückwärts laufen, und bei manchen Exemplaren durch schwache Querrippen verbunden sind,

8 Stück von Strehlen.

Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVII. 4

#6 Dr. Karl Deninger. [26]

Trochus (Craspedotus) Engelhardti Gein. 1875. Gein.: Elbtalgeb., II, S. 163, Taf. 29, Fig. 5. 1893. Fri: Priesener Schichten, S. 82, Fig. 68.

Die Exemplare aus Böhmen, wo diese Art in den Priesener Schichten ungemein häufig ist, weichen von den sächsischen stets in der Skulptur etwas ab. (Vergl. Abbildung bei Fri?) In der Regel sind bei der böhmischen Varietät die beiden unteren Knotenreihen der Umgänge am stärksten ausgebildet und über ihnen folgen ein bis zwei schwächere, In seltenen Fällen fand sich eine Verdickung der Außenlippe, ähn- lich Trochus Reichi von Plauen, was mich veranlaßt, die Art zu Craspedotus zu stellen. Der böhmischen Varietät sehr ähnliche Stücke mit drei Knotenreihen, von denen die unterste die stärkste ist, finden sich im Baculitenmergel von Zatzschke (drei Stück). Außerdem liegen mir drei Stück von Strehlen vor, die mit

der Abbildung von Geinitz übereinstimmen.

Natica (Gyrodes) acutimargo Roem. Taf. IV, Fig. 13 u. 17. 1841. Roem.: Nordd. Kreide, S. 83, Taf. 12, Fig. 14. 1887. Holzapfel: Palaeontogr., 34, S. 142, Taf. 14, Fig. 27.

(Nicht 1901. Sturm: Kieslingswalde, S. 65, Tat. 4, Fig. 7.)

Diese Art wurde verschiedentlich mit N. Geinitzi verwechselt. Nachdem Holzapfel (l. c.) die Unterschiede zwischen beiden Arten klargelegt hatte, wurde die Natica Geinitzi wieder von Sturm unter dem Namen unserer Art aufgeführt. Daß die echte N. acutimargo ebenfalls in Kieslingswalde vorkommt, ist ihm entgangen. Sie unterscheidet sich von N. Geinitzi durch flaches Gewinde, das nur gelegentlich dadurch etwas hervortritt, daß der letzte Umgang etwas heruntergezogen ist, weniger scharfe Begrenzung der Nahtfurche, noch schnellere Größenzunahme der Windungen, kantig begrenzten Nabel (daher der Name acutimargo), und dadurch, daß die gröfste Breite der Schale über der Mitte des letzten Umganges liegt. Roemer erwähnt eine feine Längsstreifung, die von späteren Autoren nicht mehr erwähnt wird, wahr- scheinlich also selten erhalten ist. Unseren Strehlener Stücken fehlt sie ebenfalls, dagegen zeigt sie deutlich das einzige wohlerhaltene Exemplar aus Kieslingswalde im Min. Museum zu Dresden.

Natica acutimargo liegt mir in drei Exemplaren von Strehlen und einem Exemplar von Kieslings-

walde vor.

Natica Roemeri Gein. Taf. I, Fig. I1.

1840. N. rugosa Gein. Char., S. 74, Taf. 18, Fig. 15. 1841. » > Roem. Nordd. Kreide, S. 83, Taf. 12, Fig. 16. 1850. N. Roemeri Gein. Char. (2, Ausgabe). 1850. N. subrugosa d’Orb. Prodr. Pal., II, Fig. 221. 1875. N. dichotoma Gein. Elbtalgeb., I, S. 245 (z. Teil). 1877. N. Roemeri Frit. Weißenberger Sch., S. 105, Fig. 44. 1883. » » » Iserschichten, S. 94. 1897. ? N. dichotoma Fri&. Chlomeker Sch., S. 42, Fig. 29.

Von N. dichotoma, mit der diese Art ihrer Querrippen wegen verwechselt wurde, unterscheidet sie sich durch ein breiteres Gewinde, vertiefte Nähte und schwächere Rippen, welche sich nach unten zu nicht gabeln, sondern allmählich verschwinden.

3 Stück von Strehlen.

Natica (Lunatia) Geinitzi d’Orb. Taf. IV, Fig. 15.

1841. Natica canaliculata Gein. Char., S 47, Taf. 15, Fig. 25, 26. 1843. » » » Kieslingswalde, S. 10, Taf. I, Fig. 20. 1847. » Geinitzi d’Orb. Podr. Pal., II, S. 150.

Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 27

[27]

1852. Natica canaliculata Müll. Mon., II, S. 13.

1875. » Gentii Gein. Elbtalgeb., II, Taf. 29, Fig. 12—14 (nicht Elbtalgeb., I, Taf. V, Fig. 4, 6). 1877. » » Frie. Weißenberger Schichten, S. 106, Fig, 45.

1887. Lunatia Geinitzi Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 14I, Taf. 14, Fig. 26.

1893. Natica Gentii Fri. Priesener Schichten, S. 82, Fig. 66.

1897. » » » Chlomeker Schichten, S. 43.

1901. Natica (Gyrodes) acutimargo Sturm (von Roemer). Kieslingsw., S. 65, Taf. IV, Fig. 7.

Die Stellung dieser Art, welche bald mit N. canaliculata Mant., bald mit N. Gentii Sow. und endlich von Sturm mit N. acutimargo Roem. zusammengeworfen wurde, wird von Holzapfel (l. c.) unbedingt richtig erläutert.

Die Merkmale von Natica Geinitzi bestehen in mäßig hervortretendem Gewinde, vertieften Nähten, deren Furchen durch eine scharfe Kante begrenzt werden. Die größte Breite der Schale liegt unterhalb der Mitte des letzten Umganges. Der Nabel ist nicht kantig begrenzt.

7 Stück aus dem Plaener von Strehlen und Prießnitz a. d. Elbe und dem Mittl. Quader von

Großcotta, ferner ı sicher bestimmbares Stück von Kieslingswalde.

Natica cf. vulgaris Reuß.

1843. Natica vulgaris Reuß, Gein, Kieslingsw., S. Io, Taf. I, Fig. 21-23. 1845. » » Reuß. Böhm. Kreidef., I, 50, Taf. 10, Fig. 22.

1875. N. Zamellosa Roem., Gein. Elbtalgeb., I, S. 243 (z. Teil).

1877. > H Fri&. Weißenberger Schichten, S. 105, Fig. 43.

1893. N. vulgaris » Priesener Schichten, S. 82, Fig. 67.

1897. » » » Chlomeker Schichten, S. 42.

Die Strehlener Form, welche Geinitz als N. lamellosa Roem. beschreibt, ist sicher verschieden von der Plauener N. lamellosa bei Geinitz, welche ich als N. Iyrata Sow. bestimmt habe. Nafica lamellosa scheint durch wesentlich höheres Gewinde von unserer Art abzuweichen. In Form und Streifung stimmt sie mit der Beschreibung von Reuß überein. Es liegen aber nur verdrückte Exemplare vor und die Natica vulgaris Reuß ist bisher so mangelhaft beschrieben, daß ich es nicht wage, sie bestimmt für gleich zu erklären. (Die Abbildung bei Reuß scheint recht mangelhaft zu sein, besonders erscheint das Gewinde nach der Beschreibung zu hoch.)

Über die Beschaffenheit der Mündung gibt aber weder Reuß noch Fri Aufschluß. Sie war bei der Strehlener Form oval und der Nabel durch eine Schwiele bedeckt, wie es die Abbildung bei Geinitz, Kieslingsw., Taf. I, Fig. 21, zeigt.

Unsere Strehlener Art kommt in Kieslingswalde vor und ist verschieden von der von Sturm auf- geführten N. bulbiformis var. borealis. Letztere unterscheidet sich durch schlankere Gestalt.

Es liegen mir vor sechs Stück von Strehlen, zwei aus Zatzschke und zwei aus Kieslingswalde,

zwei vom Tunnel bei Oberau.

Rissoa Reussi Gein. 1845. Turbo concinnus Reuß. Böhm. Kreideform, I, S. 48, Taf. 10, Fig. 13 (non Roem.). 1875. Rissoa Reußi Gein. Elbtalgeb., II, S. 163, Taf. 31, Fig. 6.

Geinitz belegt mit diesem Namen eine kleine Schnecke, die meist ziemlich schlecht erhalten in Strehlen und dem Baculitenmergel von Zatzschke vorkommt. Ich führe sie unter dem gleichen Namen auf, da sich über ihre generische Stellung nichts bestimmtes aussagen läßt. Holzapfel (Palaeontogr., 34, S. 129) vermutet, daß sie zu Mesostoma gehöre,

Ihre sieben gewölbten Umgänge sind mit einer großen Zahl scharfer Längslinien bedeckt, die von schrägen Anwachsstreifen geschnitten werden. Auf den ersten Umgängen lassen sich schräge Querwülste beobachten. Mündung nicht erhalten. (Die recht schlechte Abbildung von Geinitz scheint sich auf ein Strehlener Stück zu beziehen.)

17 Stück von Zatzschke und Strehlen. 4*

28 Dr Karl Deninger. [28]

Scalaria decorata Roem.

1841. Melania decorata Roem. Nordd. Kreide, S. 83, Taf. 12, Fig. Iı.

1843. Fusus striato-costatus Goldf. Petref. Germ., III, S. 23, Taf. 171, Fig. 18. 1845. Turrilites undulatus Reufß. Böhm. Kreidef., I, S. 24, Taf. 7, Fig. 8, 9. 1875. Scala decorata Gein. Elbtalgeb., II, S. 162, Taf. 29, Fig. 4.

1877. » » Frie. Weifßenberger Schichten, S. 105, Fig. 41.

1883. » > » Iserschichten, S. 94.

1887. Scalaria cf. decorata Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 165, Taf. 19, Fig. 1. 1893. Scala decorata Fri®. Priesener Schichten, S. Sr.

Der Gewindewinkel des Originals von Geinitz beträgt 30°, scheint aber bei größeren Exemplaren geringer zu werden. Es sind 16—20 Querrippen auf einem Umgang vorhanden, die von einer großen Zahl von Längslinien übersetzt werden. Diese sind an Stärke verschieden; meist wechseln kräftigere mit einer größeren Zahl von schwächeren ab, doch lassen sich keine Regeln über diesen Wechsel aufstellen. Ich glaube deshalb, daß die von Holzapfel abgebildete Form mit unserer übereinstimmt. Wie bereits von mehreren Autoren hervorgehoben wurde, scheint Scalaria dupiniana d’Orb. (Terr. eret., 2, S. 54, Taf. 154, Fig. 10—13) von unserer Art kaum abzuweichen.

3 Stück von Strehlen.

Turritella sexlineata Roem.

1841. Roemer: Nordd. Kreide, S. 80, Taf. XI, Fig. 22.

1844. T. sexcineta Goldfuß. Petref. Germ., III, S. 107.

1875. T. multistriata Reuß, Gein. Eibtalgeb., II, S. 161, Taf. 29, Fig. I—3 (nicht Taf. 30, Fig. 18). 1887. T. sexcincta Frech. Suderode, S. 174, Taf. 16, Fig. 14—15.

1888. T. sexlineata Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 160, Taf. 16, Fig. 20, 24—25.

1897. » » Frie. Chlomeker Sch,, S. 41, Fig. 25.

1900. 7. sexcincta Sturm. Kieslingsw., S. 66, Taf, IV, Fig. 9.

Unsere Strehlener Stücke stimmen mit denen von Kieslingswalde vollkommen überein. Um die Beziehungen zwischen der böhmischen multistriata Reuß und unserer Art sicher festzustellen, reicht das mir zur Verfügung stehende Vergleichsmaterial nicht aus. Ich möchte vermuten, daß die beiden Arten ident sind.

ıo Stück von Strehlen und Prießnitz bei Dresden.

Turritella acanthophora Müll.

ıS51. Müller: Mon., II, S. 32, Taf. 4, Fig. 5.

1875. T. multistriata Gein. Elbtalgeb., I, S. 161 (z. Teil), Tat. 30, Fig. 18. 1887. Frech: Suderode, S. 178, Taf. 16, Fig. I—7.

1888. Holzapfel: Palaeontogr., 34, S. 156, Taf. 16, 9, 10, Fig. 12.

ı Exemplar von Strehlen.

Turritella cf. egregia Kaunh. 1875. T. lineolata G ein. Elbtalgeb., 1, S. 162 (nicht Roem.).

Das von Geinitz als T. lineolata bestimmte Bruchstück von Strehlen gehört sicher nicht zu der Roemerschen Art, da ihr die stärkeren Rippen im unteren Teile der Umgänge fehlen,

Es hat vielmehr Ähnlichkeit in der Skulptur mit der von Kaunhowen, Maestr. Kreide, S. 48, Taf. IV, Fig. 4, beschriebenen Turritella egregia, die sich durch ihre außerordentlich feine Längsstreifung und eine Längsrinne auf den Umgängen auszeichnet. In diesen Merkmalen stimmt unser Stück mit der Maestrichter Art überein. Es besitzt aber bedeutendere Größe und einen gleichmäßigen Gewindewinkel von etwa 20°.

ı Exemplar von Strehlen.

[29] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 29

Cerithium subfasciatum d’Orb. 1845. ©. fasciatum Reuß. Böhm. Kreide, I, S. 42, Taf. Io, Fig. 4. 1850. C. subfasciatum d’Orb. Prodr. Pal., II, S. 231. 1875. » Gein. Elbtalgeb., II, S. 175, Taf. 31, Fig. 3. 1893. C. fasciatum Fric. Priesener Schichten, S. 57. 1897. ? C. fasciatum Frie. Chlomeker Sch., S. 47, Fig. 44.

Diese Art liegt mir nur in ziemlich schlecht erhaltenen Stücken vor, welche aber erkennen lassen, daß diese Art von ©. pseudoclathratum d’Orb. verschieden ist. Der Gewindewinkel scheint etwa derselbe wie bei dieser Art zu sein, Die Skulptur zeigt aber keine Querrippen und außer der in der Naht gelegenen nur zwei deutliche Knotenreihen. Zwischen diesen Knotenreihen liegen einige feine Längslinien. Zu dieser Art scheinen auch die beiden sehr schlecht erhaltenen Stücke zu gehören, welche Geinitz als C. binodosum Roem. beschrieb.

2 Stück von Strehlen.

Cerithium pseudoclathratum d’Orb. Taf. IV, Fig. 3. IS4I. clathratum Roem. Nordd. Kreide, S. 79, Taf. II, Fig. 17. 1850. C. pseudoclathratum d’Orb. Prodrome Pal., III, S. 231. 1875. » » Gein. Elbtalgeb, I, S. 175, Taf. 31, Fıg. 5. 1893. » und binodosum Fric. Priesener Schichten, S. 88, Fig. 87 und 88. 1897. » » Fric. Chlomeker Schichten, S. 47.

$)

Die Skulptur dieser Art besteht aus knotentragenden Querrippen, deren Knoten in drei bis vier Längsreihen angeordnet sind. Eine weitere Knotenreihe liegt in der Naht. Zwischen die Knotenreihen schieben sich noch feine Längslinien ein. An der Mündung ließ sich ein kurzer, gerader Kanal und eine mit konvexen Bogen begrenzte Innenlippe erkennen.

Die von Geinitz abgebildete Mündung ist stark rekonstruiert. Von den beiden von Friß&, Chlomeker Schichten, abgebildeten Cerithien halte ich Fig. 87 bestimmt für unsere Art, Fig. 88 gehört nach der vergrößerten Abbildung der Skulptur ebenfalls hieher, während bei der Abbildung in natürlicher Größe die Skulptur total verzeichnet zu sein scheint.

Von Strehlen liegen nur fünf Stück dieser Art vor. Fri& führt sie von Tannenberg und Leneschitz vor.

Die von Geinitz als Cerithium Luschitzianum bezeichneten quergerippten Schälchen aus dem Barulitenmergel von Zatzschke lassen eine einigermaßen sichere Bestimmung nicht zu. Jedenfalls haben sie aber mit der Art von Luschitz keine Ähnlichkeit.

Aporrhais (Lispodesthes) Parkinsoni Mant.

1822. Rostellaria Parkinson Mantell. Geol. of Sussex, S. 72 u. 108, Taf. 18.

1828, » » Sow. Min. Conch., Taf. 558, Fig. 5.

1837. » > » bei Fitton, Observ. Strata below the Chalk, S. 344, Taf. 1S, Fig. 24.

1842. Rost. Reußi Gein. Char., III, S. 71, Taf. 18, Fig. 1.

1845. » Reufs. Böhm. Kreide, S. 45, Taf. IX, Fig. 9.

18497. Parkinsoni Pictet. Gres verts Geneve, S. 55I, Taf. 24, Fig. 5.

1875. » Gardner. Geol. Magazin, S. 200, Taf. 6, Fig. 4—7.

1875. » AReußi Gein. Elbtalgeb., S. 169, Taf. 30, Fig. 9; (non R. Parkinsoni Sow. Gein. Elbtalgeb., II, S. 168, Taf. XXX, Fig. 7, 8; non R. Reußi var. megaloptera Gein., ebenda, Taf. XXX, Fig. Io, II).

1893. Aporrhais Reujsi Fritsch. Priesener Schichten, S. 84, Fig. 76.

Mit Holzapfel (Palaeontogr., 34, Anm., S. 119, 120) bin ich der Ansicht, daß R. Reußi Gein. die echte AR. Parkinsoni ist. In dem kgl. Min, Museum ließ sich nur das von Gein., Elbtalgeb., II, Taf. XXX, Fig. 9, abgebildete Exemplar aus den Baculitenmergeln von Zatzschke auffinden.

Aporrhais (Lipodesthes) megaloptera Reuß.

1845. Rostellaria megaloptera Reuß. Böhm. Kreide, I, S. 45, Taf. 9, Fig. 3. 1875. > Reußi var. megaloptera Gein. Elbtalgeb, II, S. 199, Taf, 30, Fig. IO und I1.

30 Dr. Karl Deninger. [30]

1885. Aporrhais (Lipodesthes) Reußi var. megaloptera Zittel. Handbuch, II, S. 255, Fig. 349. 1877. Desgleichen, Friö. Weißenberger Schichten, S. 107. 1893. Aporrhais megaloptera Fri&. Priesener Schichten, S. 84, Fig. 75. 1897. » » » Chlomeker Schichten, S. 46.

An besonders gut erhaltenen Stücken ließ sich in seltenen Fällen eine Längsstreifung beobachten. Im übrigen dürfte diese Form durch die Abbildungen von Reuß, Geinitz und Fri& hinreichend be- kannt sein. Es empfiehlt sich wohl, diese in Sachsen und Böhmen weit verbreitete Art von der hier viel selteneren A. Parkinsoni = Reufßi Gein. zu trennen, da sie ihre abweichenden Merkmale an den verschiedenen Fundstellen treu bewahrt.

7 Stück von Strehlen.

Aporrhais (Helicaulax) Burmeisteri Gein. 1843. Rostellaria Parkinsoni (non. Mant.) Gein. Charak., Taf. 18, Fig. 3. 1844. » a (z. Teil) Reuß. Böhm, Kreide, S. 46, Taf. 9, Fig. 7. 1850. Rostellaria Burmeister Gein. Grundrißß der Versteinerungskunde, S, 363, Taf. 13, Fig. 16.

Das Gewinde ist spindelförmig und mit Querrippen verziert, Die besterhaltenen Stücke lassen eine feine Längsstreifung erkennen, die sich über das ganze Gehäuse erstreckte. Der Kanal ist gerade und sehr lang und kann das Gehäuse an Länge übertreffen. Hintere Rinne länger als das Gewinde, nicht an- liegend und schwach gebogen. Der einfache, ziemlich breite, gekielte Flügel ist an seinem Ende etwas zurückgebogen.

Diese Art liegt mir in fünf sehr gleichmäßig ausgebildeten Stücken von Tyssa vor. Es erscheint mir sehr zweifelhaft, ob wir alle von Reuß (l. c.) für Rost. Parkinsoni angegebenen Fundorte auf unsere Art beziehen dürfen.

Sie scheint am nächsten mit H. granulata Sow.'!) verwandt zu sein. Als vermittelnde Form zwischen beiden Arten könnte man die von Frech (Zeitschr. d. d. Geol. Ges., 1887, Taf. IX, Fig. 9 u. 12) als Aporrhais cf. stenoptera Goldf. und granulata Sow. abgebildeten Stücke aus dem Untersenon von Quedlinburg ansehen.

5 Stück U. Qu., Tyssa.

Aporrhais (Lispodesthes) coarctata Gein. sp. Taf. IV, Fig. 16. 1842. Rostellaria coarctata Gein. Char., III, S. 71, Taf. 18, Fig. Io. 1845. > > und Zenuistriata Reuß. Böhm. Kreidef., I, S. 44, Taf. 9, Fig. I u. 4. 1875. » » Gein. Elbt., II, S. 170, Taf. 30, Fig. 12.

Die gewölbten Umgänge der spindelförmigen Schale tragen zahlreiche, schwache Querrippen und eine feine Längsstreifung. Der Kanal ist mäßig: lang, die Außenlippe ist bis zur Hälfte des vorletzten Umganges hinaufgezogen. Der breite Flügel verläuft schräg nach hinten in eine Spitze; sein vorderer Rand ist schwach umgeschlagen. Diese Art ähnelt sehr der Rostellaria Robinaldina d’Orb. (Terr. cret,, S. 282, Taf. CCVI, Fig. 4) aus dem Neocom. Unterschiede bestehen in dem schwachen Umschlag des Flügels und der bestimmten ausgezogenen Spitze des Flügels unserer Art. R. tenuistriata Reuß hat keine Querrippen, dürfte aber zu unserer Art gehören.

Strehlen, 6 Zatzschke.

Aporrhais (Helicaulax) stenoptera Goldf. sp.

1844. Rostellaria stenoptera Goldf. Petref. Germ., III, S. 16, Taf. 170, Fig. 6.

1842. R. calcarata (non. Sow.) Gein. Char., III, S. 170, Taf. 18, Fig. 2.

1845. » Reuß. Böhm. Kreideform, I, S. 45, Taf. 9, Fig. 5.

1875. » » Gein. Elbt., II, S. 170, Taf. 30, Fig. 13.

1887. Helicaulax stenobtera Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 116, Taf. 12, Fig. I—3.

1) Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 117.

[31] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 31

1893. R. (calcarata) stenoptera Sow., Fril. Teplitzer Schichten, S. 75, Fig. 52. 1893. Aporrhais stenoptera Goldf., Fril. Priesener Schichten, S. 85. 1897. » » Fric. Chlomeker Schichten, S. 45, Fig. 39. A. calcarata Sow. unterscheidet sich von szenoptera Goldf. durch deutlich gekielte Umgänge, während bei letzterer nur am letzten Umgang ein schwacher Kiel auftreten kann (vergl. Holzapfel |. cit.) Strehlen, 6 Zatzschke,

Aporrhais (Helicaulax) Buchi Münst. 1841. Rostellaria Buchü Goldf. Petref. Germ., III, S. 17, Taf. 170, Fig. 4.

1842. » » Gein. Char., III, S. 70, Taf. 18, Fig. 4, 6.

1845. » » (und divaricata?) Reuß. Böm. Kreidef., I, S. 45, 46, Tat. 9, Fig. 2 (7, 23?). 1875. » > Gein. Elbt., II, S. 171, Taf. 30, Fig. 14.

1877. » » Fritsch. Weißenb. Schichten, S. 107, Fig. 51.

2 Stück Strehlen, ı Tyssa.

Tudicla costata Röm.

1841. Pyrula costata Roem. Nordd. Kreide, S. 19, Taf. XIf, Fig. Io. 1843. » » Gein. Char., II, S. 40, Taf. 15, Fig. 4, 5; Kieslingsw., S. 9, Taf. I, Fig. ı2, 13. 1875. Rapa costata Gein. Elbth., II, S. 173, Taf. 30, Fig. 19—21.

Von der sehr ähnlichen T. quadricarinata Müll. (Holzapfel. Aach. Kreide, S. 108, Taf. XI, 14, unterscheidet sie sich durch eine größere Anzahl von Längsrippen, die sich auf der Unterseite der Um- gänge befinden.

3 Stück von Strehlen.

Tudicla quadrata Sow. sp.

1823. Murex quadratus Sow. Min. Conch, Taf. 410, Fig. 1.

1837. Fusus > Fitton. Strata bel. the Chalk, S. 343, Taf. 18, Fig. 17. 1841. Pyrula Cottae u. carinata Roem. Nordd. Kreide, 78, 79, Taf. 11, Fig. 9, 12. 1841. » » Goldf. Petref. Germ., III, S. 27, Taf. 172, Fig. 13.

1843. » carinata u. angulats Gein. Kieslingsw., S. 9, Io, Taf. I. Fig, 14, 15. 1875. Rapa quadrata Gein. Elbt., II, S. 171, Taf. 30, Fig. 16 und 17. 1897. Pyrula cf. Cottae Kaunh. Maestr. Kreide, S. gr.

4 Stück von Strehlen.

Tudicla cf. cancellata Sow. sp.

1846. Pyrula cancellata Sow. Forbes. Trans. Geol. Soc. VII, S. 128, Taf. 15, Fig. 12.

1868. Rapa cancellata Stol. Cret. Gast. South. Ind., S. 154, Taf. 12, Fig. 12-16, Taf. 13, Fig. 1-4. 1875. Gein. Elbt., II, S. 174, Taf. 31, Fig. 10.

1897. FriC, Chlomeker Schichten, S. 46, Fig. 41.

Es liegt nur ein verdrücktes Bruchstück von Strehlen vor, das von Geinitz stark ergänzt abgebildet wurde. Sowohl Spitze wie Kanal fehlen dem Original, Die Umgänge sind in ihrem oberen Teile treppen- förmig, auf der Unterseite tritt eine Kante etwas vor, doch läßt sich nicht entscheiden, ob auch hier der Umriß der Schale winkelig umbog, Die Oberfläche trägt zahlreiche runde Längsstreifen, und diese sind wie die Zwischenräume ebenfalls längsgestreift. Besonders in der oberen Hälfte der Umgänge treten deutliche, wellige Querfalten auf und eine feine Zuwachsstreifung verläuft über die ganze Schale.

Das von Fritsch abgebildete Stück von Chlomek könnte ein Jugendexemplar der gleichen Art sein.

ı Exemplar von Strehlen.

Chrysodomus Buchi Müll. Taf. IV, Fig. ı1.

1851. Fusus Buchi Müll. Mon., U, S. 35, Taf. 3, Fig. 15. 1888. Chrysodomus Buchi Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. Io2, Taf. 10, Fig. 9—12.

32 Dr. Karl Deninger. [32]

An unserem Exemplar tritt die Kante der Umgänge noch deutlicher hervor, als an den von Holz- apfel abgebildeten Exemplaren aus dem Grünsand von Vaals. Es sind ebenfalls etwa zwölf Querrippen vorhanden, die aber auf dem letzten Umgang undeutlicher und weniger regelmäßig werden.

I Stück von Strehlen.

Latirus elongatus Sow. sp. (nicht Voluta elongata d’Orb.).

1835. Fasciolaria elongata Sow. Geol. soc. Trans., S. 419, Taf. 39, Fig. 22. 1842. Pleurotoma remote-lineata Gein. Char., IH, S. 70, Taf. 18, Fig. 5. 1842. Pyrula fenestrata Gein. Char., III, S. 72, Taf. 18, Fig. 13.

1846. ? Voluta elongata Reuß. Böhm. Kreide, II, S. Iı1.

1852. Fusus tesselatus Zek. Gastr. Gosau, Taf. 16, Fig. 6.

1852. Fasciolaria nitida Zek. Gastr. Gosau, Taf, 16, Fig. Io.

1875. Voluta elongata Gein. Elbtal, II, S. 172, Taf. 31, Fig. 1.

1877. » » Frie. Weißenberger Schichten, S. 109, Fig. 56. 1893. » » »Priesener Schichten, S. 88. 1897. » » »Chlomeker Sch., S. 47.

3 Stück von Strehlen.

Volutilithes subsemiplieatus d’Orb.

1844. Pleurotoma semiplicata Goldf. Petref. Germ., III, S. 19, Taf. 170, Fig. 11.

1850. Fusus semiplicatus d’Orb. Prodr. Pal. II, S. 229.

1875. Voluta suturalis Gein. Elbtalgeb., II, S. 172, Taf. 31, Fig. 2.

1877. » Frie. Weißenberger Sch., S. IIo, Fig. 55.

1887. Volutilithes subsemiplicatus Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 95, Taf. To, Fig. 1-3. 1897. Voluta semiplicata Fri&. Chlomeker Schichten, S. 47, Fig. 45.

Das Verhältnis zwischen ganzer Höhe und letztem Umgang beträgt bei den beiden Exemplaren von Strehlen etwa 1,7—1,8:1 stimmt also recht gut mit den Angaben von Holzapfel, wobei zu bedenken ist, daß es sich um verdrückte Exemplare handelt.

Das von Geinitz abgebildete Stück ist schlecht erhalten. Ein etwas besseres Stück zeigt etwas zahlreichere Querrippen und zwischen diesen unter der Naht liegende Zuwachsstreifen.

5 Stück von Strehlen.

Voluta (Volutoderma?) Roemeri Gein. 1841. Rostellaria elongata Roem. Nordd. Kreide, S. 78, Taf. ı1, Fig. 5. 1875. Voluta und Mitra Roemeri Gein. Elbtal, II, S. 172, 173, Taf. 30, Fig. 15. 1887. (Volutilithes?) Roemeri Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 100, Taf. 9, Fig. 13. 1893, Mitra Roemeri Frie. Priesener Schichten, S. 88, Fig. 91.

Nicht zu unserer Art gehört selbstverständlich Mitra Roemeri Fri, Weißenberger Schichten, S. 11O, Fig. 58, welche vielleicht ein Cerithium darstellt. Es ist unverständlich, warum Frid diese Abbildung; in den Priesener Schichten neben einer richtigen Abbildung. wieder zitiert.

Von dieser Art liegt mir keine vollständige Mündung vor. Nach der Abbildung von Friß&, Priesener. Schichten, Fig, 91, muß ich deshalb annehmen, daß drei kräftige Spindelfalten vorhanden waren. Danach würde sich die Art am besten der Gattung Volutoderma anschließen.

4 Stück von Strehlen.

Cancellaria Thiemeana Geinitz.

1875. Geinitz. Elbtal, II, S. 175, Taf. 31, Fig. 11. 4 Stück von Zatzschke.

Cinulia Humboldti Müll. sp.

1851. Avellana Humboldti Müll. Monographie Moll. Aach. Kreide, II, S. 12, Taf. 3, Fig. 15. 1875. Actaeon ovum, Avellana cassis, Archiaciana, sculptilis Gein. Elbt., II, S. 176, Taf. 29, Fig. 15, 16, 17.

[33] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation.

33

1877. Avellana Archiaciana Fri. Weißsenberger Schichten, S. 111, Fig. 61.

1887. Cinulia Humboldti Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 84, Taf. 6, Fig. 19—21. 1889. Actaeon ovum Fric. Teplitzer Schichten, S. 75, Fig. 53.

1893. Avellana Humboldti FriC. Priesener Schichten, S. 89, Fig. 96.

Die von Geinitz angeführten Actaeon- und Avellana-Arten gehören sämtlich einer Art an und unterscheiden sich ausschließlich durch den Erhaltungszustand. Die Mündung ist stets schlecht erhalten, doch läßt sich die Andeutung einer Falte noch erkennen. Form und Skulptur, soweit letztere erhalten ist, stimmen vollkommen mit der Aachener Art überein.

8 Stück von Strehlen.

Dentalium medium Sow.

1837. Sow., Fitton. Observ., S. 343, Taf. 18, Fig. 4. 1845. Reufß. Böhm. Kreidef., I, S. 40, Taf. ıı, Fig. 4. 1875. Geinitz. Elbt., II, S. 178, Taf. 30, Fig. 3, 4. 1893. Fric. Priesener Schichten, S. 90, Fig. 100.

1897. Chlomeker Schichten, S. 49.

9 Stück von Strehlen, Zatzschke und der Walkmühle bei Pirna.

Dentalium polygonum Reuß,

1845. Reuß. Böhm. Kreideform, S. 41, Taf. ı1, Fig. 5. 1875. D. Rotomagense ? d’Orb., Gein. Elbtal, II, S. 179, Taf. 30, Fig. 5. 1893. Frie. Priesener Schichten, S. 91, Fig. 1or.

4 Stück von Strehlen.

Entalis Strehlensis Gein. 1875. Dentalium Strehlense Gein. Elbt., I, S. 179, Taf. 30, Fig. 6.

Diese Art zeichnet sich durch ihre nur in dem ersten Stück ganz schwach gebogene, später ganz gerade gestreckte, glatte Schale und sehr langen Schlitz aus. Sie erreicht eine beträchtliche Größe, da das von Geinitz abgebildete Exemplar, von dem wenig mehr als die Hälfte der Gesamtlänge erhalten ist, 6 cm mißt. Entalis Gardneri Holzapfel (Palaeontogr., 34, S. 178, Taf. XX, Fig. 10), welches den langen Schlitz mit unserer Art gemein hat, unterscheidet sich durch eine etwas stärkere Krümmung der Schale und schnellere Verjüngung nach der Spitze.

3 Stück von Strehlen.

Literaturverzeichnis,

1846. d’Archiac: Rapport sur les fossiles du Tourtia. M&m. Soc. g&ol. France 2. ser. Tome, II, 2. part.

1861. Binkhorst van den Binkhorst: Monographie des Gasteropodes et des C£phalopodes de la craie superieure du Limbourg,

1876. Brauns: Die senonen Mergel des Salzberges bei Quedlinburg. Zeitschrift für die gesamte Naturwissenschaft Bd, XLV1.

1891. Böhm, Joh.: Die Kreidebildungen des Fürberges und Sulzberges bei Siegsdorf in Oberbayern. Palaeontographica, Bd. XXXVII.

1900. Böhm Joh.: Über cretaceische Gastropoden vom Libanon und vom Karmel. Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges., 52.

1868. Briart und Gornet: Descript. min, geol. et paleont. de la Meule de Bracquegnies. Me&m. publie par l’Acad. royal de Belgique.

1886. Choffat: Recueil d’etudes pal&ontologiques sur la faune cretacique du Portugal. Comm. des travaux ge£ol. du Portugal.

1902. Dacque: Mitteilungen über den Kreidekomplex von Abu Roash bei Kairo. Palaeontographica, Bd. XXX, II. 1850. Dixon: Geology and Fossils of the tertiary and cret. formation of Sussex.

Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVII, 5

1869.

1877. 1883. 1889. 1893. 1897. 1901. 1892.

1875. 1840.

1840. 1849, 1850.

1875. 1898.

IS4I, 1889.

1885.

1887, 1901.

1850. 1869.

1897. 1897. 1822. 1847. 1849. 1855. 1886.

1842. 1850. 1902, 1847. 1902. 1902.

1844. 1845, 1870. 1841. 1843.

Dr. Karl Deninger. [34]

Drescher: Über die Kreidebildungen der Gegend von Löwenberg. Zeitschrift der deutsch. geol. Ges., 15.

Fallot: Etude geol. sur les Etages moyens et sup£rieurs du terrain cretac& dans le sud-est de la France.

Fitton: Observations on some of the strata between the Chalk and the Oxford Oolite in the South-east of England.

Frech: Die Versteinerungen der untersenonen Thonlager zwischen Suderode und Quedlinburg. Zeitschr. der

deutsch. geol. Ges., Bd. XXXIX. Friö: Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten in der böhmischen Kreideformation (Perucer u. Korycaner Schichten). Archiv der naturwissenschaftl. Landesdurchforschung von Böhmen, Bd. I. Frie: Die Weißenberger und die Malnitzer Schichten. Ebenda, Bd. IV. » Die Iserschichten. Ebenda, Bd. V. » Die Teplitzer Schichten. Ebenda, Bd. VI. » Priesener Schichten. Ebenda, Bd. IX, » Die Chlomeker Schichten. Ebenda, Bd. X. » u. Bayer: Perucer Schichten. Ebenda, Bd. XI. Futterer: Die oberen Kreidebildungen der Umgebung des Lago di Santa Croce in den Venetianer Alpen. Palaeontolog. Abhandl. v. Dames u. Kaiser, N. F,, Bd. II. Gardner: On the Gault Aporrhaidae. On the cretaceous Aporrhaidae. Geological Magazine Dec., U, Vol. I. Geinitz: Charakteristik der Schichten und Petrefakten des sächs.-böhm. Kreidegebirges sowie der Versteinerungen von Kieslingswalda. (2. Ausgabe, 1850.) Geinitz: Grundriß der Versteinerungskunde. 1850. Geinitz: Das Quadersandsteingebirge oder die Kreideformation in Deutschland. Geinitz: Das Quadersandsteingebirge oder die Kreideformation in Sachsen mit besonderer Berücksichtigung der glauconitreichen Schichten. Geinitz: Das Elbtalgebirge in Sachsen (1. und 2. Teil.) Palaeontographica, Bd. XX, I u. 2. Gerhardt: Beitrag zur Kenntnis der Kreideformation in Venezuela, Peru u. Columbien. Neues Jahrbuch für Min. Beilagebd. XI. 1844. Goldfuß: Petrefacta Germaniae, 3. Teil. Griepenkerl: Die Versteinerungen der senonen Kreide von Königslutter im Herzogtum Braunschweig. Palaeonto- logische Abhandl. v. Dames u. Kaiser, Bd. IV. Holzapfel: Die Fauna des Aachener Sandes und seine Äquivalente. Zeitschr. d. deutsch. geolog. Gesellsch., Bd. XXXVL. 1888. Holzapfel: Die Mollusken der Aachener Kreide. Palaeontographica, Bd. XXXIV. Imkeller: Die Kreidebildungen und ihre Fauna am Stallauer Eck und Enzenauer Kopf bei Tölz. Palaeonto- graphica, Bd. XLVIII. Kner: Die Versteinerungen des Kreidemergels von Lemberg und seiner Umgebung. Haidingers naturw. Ab- handl., Bd. II. Krejei: Studien im Gebiete der böhm. Kreideformation. Archiv der naturw. Landesdurchforschung von Böhmen. Bd. 1. Koßmat: The cretaceous deposits of Ponticherri. Recors. geol. Survey of India. Vol. 30, Part. 2. Leonhard: Die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. Palaeontographica, Bd. XLIV. Mantell: Geology of Sussex. Müller: Petrefacten der Aachener Kreideformation. Programm Gymn. Aachen. » Die Gastropoden der Aachener Kreide. Ebenda. » Neue Beiträge zur Petrefaktenkunde der Aachener Kreidetormation. Ebenda. Noetling: Entwurf einer Gliederung der Kreideformation in Syrien und Palästina. Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges., Bd. XXXVII. d’Orbigny: Paleontologie Francaise, Terrains cretaces, Bd. II. » Prodröme de Palaeontologie. Petraschek. Die Ammoniten der sächs. Kreideformation. Beitr. z. Geol. und Paläont. Österr.-Ung., Bd. XV. Pictet: Description des Mollusques fossiles des Gres verts des environs de Geneve. Quaas: Beitrag zur Kenntnis der obersten Kreidebildungen in der libyschen Wüste. Palaeontographica, 30, II. Rehbinder: Fauca u. Alter der cretaceischen Sandsteine in der Umgebung des Salzsees Baskuntschak, Mem., du comite geol. St. Petersbourg, Vol. 17, Nr. I. Reuß: Die Kreidegebilde des westl. Böhmens. 1846. Reuß: Die Versteinerungen der böhm. Kreideformation. Roemer F. A.: Geologie von Oberschlesien. » Ferd.: Die Versteinerungen des nordd. Kreidegebirges. » Ferd.: Die Versteinerungen des Harzgebirges.

Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 35

. de Ryckkolt: Melanges Paleontologiques, Me&m. Acad, royale de Belgique, Bd. XXIV.

.Sowerby: Großbritanniens Mineral-Konchologie. Deutsche Bearbeitung von Agassiz. . . Steinmann: Über Tithon u. Kreide in den peruanischen Anden. Neues Jahrb. f. Min., Bd. II.

.Stoliezka: Eine Revision der Gastropoden der Gosauschichten in den Ostalpen. Sitzungsber. der k. Akad. d.

Wissensch., Wien, Bd. LI.

. Stoliczka: Cretaceous fauna of southern India, Vol. 2, The Gastropoda. M&moirs of the geol. Survey of India. . Strombeck: Über die Kreide am Zeltberg bei Lüneburg. Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges., Bd. XV. . Sturm: Der Sandstein von Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz und seine Fauna. Jahrb. d. kgl. preuß. geol.

Landesanst., Bd. XXI.

. de Verneuil u. de Loriere: Description des fossiles du N&ocomien superieur de Utrillas. . Wanner: Die Fauna der obersten weißen Kreide der libyschen Wüste. Palaeontographica, 30, II.

White: Contributions to the Paleontology of Brazil, Cretaceous Invertebrate Fossils. Archivos do Museu Naci- onal do Rio de Janeiro, Vol. VII. Whitfield: Cretaceous fossils from the Beyrut Distriet of. Syria. Bull. Amer. Mus. of Nat. Hist., Vol. 3.

. Wollemann: Die Fauna der Lüneburger Kreide. Abhandl. d. preufß. geol. Landesanst., H. 37. . Yokoyama: Versteinerungen aus der japanischen Kreide. Palaeontographica, B XXXVI. . Zekeli: Die Gastropoden der Gosaugebilde. Abhandl. d. k. k. geol. Reichsanst Bd. 1.

1885. Zittel: Handbuch der Paläontologie Bd. I. Zittel: Grundzüge der Paläontologie, 2. Auflage.

Dr

DIE FISCHRESTE DES MITTLEREN UND OBEREN EOCÄNS VON ÄGYPTEN,

I. TEIL: DIE SELACHIER, A. MYLIOBATIDEN UND PRISTIDEN.

Von

Ernst Stromer (München).

Meinem verehrten Lehrer, Geheimrat v. Zittel, dem ich für so vieles verpflichtet bin, hatte ich es zu danken, daß ich im Winter 1902 mit meinem Kollegen, Herrn Dr. M. Blanckenhorn, im Tertiär Ägyptens nach Fossilien suchen konnte. Über die mitteleocänen Fischreste, die wir bei dieser Reise aus dem Uadi Ramliöh und dem Norden des Fajum für die Münchner paläontologische Sammlung mitbrachten, habe ich schon zwei kleine Veröffentlichungen (siehe das Literaturverzeichnis am Schlusse, 1903!) gemacht.

Durch die Güte von Herrn Prof. E. Fraas erhielt ich dann zur Bearbeitung noch sehr reiches und schönes Material von Fischresten, welche der Naturalienhändler Markgraf in Kairo im Verlaufe dreier Jahre im Kalkstein des untersten Mokattam bei Kairo und in den Eocänschichten im Norden des Fajum für das Stuttgarter Naturalienkabinett gesammelt hat; ähnliches Material der Münchner Sammlung, von den gleichen Fundorten und demselben Händler stammend, war Herr Prof. Rothpletz so freundlich, mir auch zu übergeben und endlich konnte ich, dank der Liberalität des leider vor kurzem verschiedenen Herrn Dr. A. v. Reinach, für die Senckenbergische Gesellschaft in Frankfurt a. M. im letzten Winter mit dem genannten Sammler an denselben Fundorten tätig sein und erhielt so noch weitere Fossilien zur Bearbeitung. Schließlich hatte Herr Geheimrat Branco die Liebenswürdigkeit, die von Prof, Schwein- furth im Eocän des Mokattam und im Norden des Fajum gesammelten und größtenteils von Dames schon beschriebenen (1883, 1886 und 1888) Fischreste mir zum Vergleich zu senden. (Anm.: Im folgenden werden die aus der Münchner, Frankfurter, Stuttgarter und Berliner Sammlung stammenden Fossilien mit den Buchstaben M., Fr. St. und B. bezeichnet.)

Infolgedessen habe ich ein so reiches und zum Teil sehr gut erhaltenes Material von fossilen Fischen zur Verfügung, wie es wohl nicht oft einem Paläontologen vorlag, und ich kann nur auf das tiefste bedauern, daß ich es Herrn Geheimrat v. Zittel, der meinen Arbeiten stets das wohlwollendste Interesse entgegenbrachte und sich über den schönen Zuwachs deutscher Sammlungen gewiß auf das höchste gefreut hätte, nicht mehr vorlegen konnte. Seinem Andenken möchte ich aber wenigstens diese Arbeit widmen, die ich hoffentlich in seinem Sinne durchführen kann.

Leider fand ich bei der Verwirklichung meiner Absicht, möglichst viele rezente Formen als sicheren Ausgangspunkt zum Vergleiche heranzuziehen, große Schwierigkeiten, da es an den nötigen Vorarbeiten an diesen fehlt und nur schwer eine größere Zahl präparierter Hartteile sich beschaffen läßt. Zwar danke ich Herrn Prof. Cori in Triest die Zusendung zahlreicher Haifischschädel und ich erhielt auch Gebisse von Haien aus der hiesigen zoologischen und vergleichend anatomischen Sammlung, aus dem Stuttgarter Naturalienkabinett und dem Basler zoologischen Institut, wofür ich den Herren Prof. R. Hertwig und Kustos Dr. Leisewitz in München, Prof. Lampert in Stuttgart und Prof. R. Burckhardt in Basel er-

38 Ernst Stromer. [2]

kenntlich bin, auch gab mir Herr Dr. Pappenheim, Kustos am zoologischen Museum in Berlin, und Herr Prof. ©. Jäkel einige wertvolle Aufschlüsse, doch reichte mein Vergleichsmaterial zur Lösung vieler wichtiger Fragen nicht aus, und gewiß ist auch der Umstand, daß ich ein Neuling in der so schwierigen Bestimmung fossiler Fischreste bin, daran schuld, daß manche Unvollkommenheiten und Unsicherheiten im folgenden zu finden sein: werden.

Jedenfalls bin ich all den genannten Herren, die mit Rat oder durch Überlassung von Material meine Arbeit ermöglichten und förderten, zum größten Danke verpflichtet, dem ich hiemit Ausdruck gebe.

4A. Myliobatiden und Pristiden.

Das größtenteils aus dem untersten Mokattam bei Kairo und der Birket el Kerun-Stufe im Norden des Fajum (siehe Blanckenhorn: Sitzungsber. d. kgl. bayr. Akad. d. Wiss, math. phys. Kl., Bd. XXXII, H, 3, München, 1902) stammende Material fossiler Haie und Rochen ist zwar sehr reich, besteht aber fast nur aus isoliert gefundenen Resten, vor allem wohlerhaltenen Zähnen, dann Wirbeln, Stacheln und verkalkten Rostren.

Wie schwierig die Lösung der Frage einerseits der Zusammengehörigkeit und anderseits der systematischen Trennung solcher vereinzelter Hartteile ist, brauche ich nicht erst zu betonen. Hier machte sich eben der Mangel an genügenden Vorarbeiten und an reichem Vergleichsmaterial aufs Empfind- lichste bemerkbar. Ich gehe bei meiner Arbeit von dem Grundsatze aus, daß eine wirkliche Förderung der Systematik sich nur erreichen läßt, wenn bloß nach Erkennung spezifischer Unterschiede sicher deut- bare Reste nach den Regeln der binomen Nomenklatur benannt werden. Es bedeutet nach meiner Ansicht eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, etwa isolierte Wirbel oder Stacheln bestimmten Arten zuzuteilen, nur auf vage Vermutungen hin und ohne Prüfung, ob überhaupt irgend welche spezifische Merkmale nachzu- weisen sind. Deshalb müssen zuerst die lebenden Formen vom paläontologischen Gesichtspunkte aus syste- matisch durchgearbeitet sein, weil die zoologischen Systematiker leider die fossil erhaltungsfähigen Teile oft nur nebenbei oder gar nicht berücksichtigen, wie ja überhaupt das Studium der Anatomie und der Lebensweise von ihnen meistens sehr vernachlässigt wird. Aber Arbeiten an rezentem Material, so nötig sie sind, ge- nügen hier nicht allein, denn es ist zu bedenken, daß in relativ weit zurückliegenden Zeiten einesteils die Ver- wandten der noch lebenden Formen anders organisiert gewesen sein können, andernteils ganz erloschene mit ihnen auftreten und endlich jetzt wohl differenzierte Formen kaum geschieden sein können. Ein erheb- licher Fortschritt unserer Kenntnisse ist deshalb nur auf Grund glücklicher Funde sicher zusammengehöriger Reste einzelner Individuen und durch Monographien einzelner Formengruppen, indem man von rezenten Vertretern zu immer älteren zurückgeht, zu erwarten. Alles andere schafft meist nur ein ewig unsicheres Element, einen unnützen Ballast und dient oft dazu, die paläontologische Wissenschaft zu diskreditieren.

Ich will deshalb zunächst ausführlich nur über zwei Familien publizieren, bei welchen Vorarbeiten und rezentes sowie sehr schönes und reiches fossiles Material einen wirklichen Wissenszuwachs gestatten und zu zeigen erlauben, daß die Genera Myliobatis und Aötobatis und die Familie der Pristidae zur Mittel- eocänzeit eine besonders reiche und vielleicht ihre höchste Blüte hatten, Ich muß aber gleich vorausschicken, daß ich die Zeit noch nicht für gekommen halte, weitgehende Schlüsse auf Entwicklungsgesetze zu ziehen, da fast jeder neue lokale Fund von Wirbeltierresten zeigt, eine wie unzureichende und von Zufälligkeiten ab- hängige Kenntnis wir in diesem Stamme besitzen.

Myliobatidae: Subf. Myliobatinae.

Bei meiner Beschreibung der mitteleocänen Myliobatiden-Kauplatten vom Kressenberg und Grünten (1904) erwähnte ich schon, daß mir schönes Material aus dem ägyptischen Paläogen vorliege. Die meisten und besten Stücke stammen aus dem Kalke des untersten Mokattam unter dem Hauptlager des Nummnulites gizehensis bei der Tingije-Moschee (einige bei Abbasije) bei Kairo und aus den Mergel- und Sandsteinschichten der Kerun-Stufe nördlich der Birket el Kerun im Fajum, wenige aus ähnlichen Schichten der Sagha-Stufe und den sandigen Schichten der Fluviomarin-Stufe derselben Gegend. Wohl nur infolge eines Zufalles sind nur wenige obere Kauplatten darunter, denn bei dem erstgenannten Material bestand kein solches Mißverhältnis, das man bei diesen Tieren ja kaum so erklären darf, wie die

[3] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 39

größere Häufigkeit fossiler Säugetier-Unterkiefer, weil bei ihnen das Palatoquadratum fast ebenso locker am Schädel befestigt und ebensowenig erhaltungsfähig wie das Mandibulare ist. Bruchstücke von Kau- platten und einzelne Zähne finden sich übrigens nicht selten in dem Material aus den ersten drei Stufen. Ich lasse sie unbestimmt, da die erwähnte und eine zweite kurze Vorarbeit (1904,@) keinen Anhalt für exakte Bestimmung solcher Reste gab, wie ja leider auch wegen der Geringfügigskeit des mir zugäng- lichen rezenten Materials selbst über die systematisch maßgrebenden Merkmale und die Variabilität der best erhaltenen Kauplatten zum Teil eine Sicherheit sich nicht gewinnen ließ.

Myliobatis.

Zu den von mir in der erstgenannten Abhandlung bestätigten Ausführungen von A. Smith Wood- ward (1888) über den Erhaltungszustand von Kauplatten ist auf Grund des vorliegenden Materials nur nachzutragen, daß viele Platten an ihrer Basis genau ebensolche Wurzelleisten wie M. microrhizus Del- fortrie (1872, Taf. X, Fig. 37) besitzen, offenbar nur, weil die Leisten von den Grenzen der Einzelzähne aus besonders leicht verwittern, so daß das durch die Kronen gebildete Dach der am Halse der Zähne vorhandenen Kanäle von unten sichtbar wird,

Die Maße aller beschriebenen Platten sind aus praktischen Gründen in der folgenden Tabelle zusammengestellt und die auf Tafel V (I) abgebildeten Stücke sind in ihr mit einem Kreuze bezeichnet.

Maßtabelle von Myliobatis-Kauplatten.')

Mittelzähne | Verhältnis | Innerste ee an Sn Verhält- lang dick I 2 BE NISTS M. Pentoni Sm. W. nach seiner Fig. unten. . | 120—130 14—16 81-85 22 2 » Fraasi, Kerun-Stufe (St.)untenf) . . | 42 8:8 47 15 45—5 18— 19 » af. Pentoni, unt. Mokattam (M.) unten . . 795 10'5 6:7 2°5 75 14 » af. > unt. Mokattam (M.) unten... .. 105 —II 17—1'8 7 14 » » Sm. W. nach seiner Fig. oben. . . 130—135 18 72—7'5 ? 18 2 » cfr. Pentoni, unt. Mokattam (St.) oben}) . 53 10°5—II 48—5 (2) 5 2 » Dixoni, Kerun-Stufe (St.) untenf) ..... | 72) 12 6 21 45 27 » elatus, unt. Mokattam (St.) unten}) ... . 290 14 ?65 a 5 2:6—2' » mokattamensis, unt. Mokattam (St.) unten?) 39 8 41 21 7-75 IH » af. mokattamensis, unt. Mokattam (St.) unten 36 75 48 16 55 13 » Zoliapicus, unt. Mokattam (M.) unten .. . ?35 5 7 55 0'9 » Edwardsi Dixon nach seiner Fig. unten . | 33°5—34 68-7 49 TI » » unt. Mokattam (St.) unten... . | 24:5 5 49 18 6 0:8 » > 5 > » » 7) 26:2 5 52 2:2 5 I > » > » > > 30:5 8-65 | aa | 7 5:5 rıI » » » » > > 3435 33-08 | Si = 5:5 1:09 » » » 4) 43:5 —45 775 | 6-62 |r8-2 | 6-65 | rıız2 » » » » » Baer 42—43'5 6:8 6:2—64 2:1 5—55 | 12—1'4 » cfr. Edwardsi Fluviomarin-Stufe (St.) oben 38—39 6 63—6'4 TI » cfr. striatus, unt. Mokattam (St.) oben . . 30 6:5 49 14 —_ ? 15 » striatus, Kerun-Stufe (M.) obenf) ... .. 33 7 47 17 64 1:6 » latidens, » > (MI) en © vo 16:8 2:5 67 TS = = » » unt. Mokattam (St.) unten}) ... . 175 2:9 6 _ 5 I »? » Kerun-Stufe (St.) unten ..... 19:5 ? 2:8 ?6:9 21:8 22 = »? » > » (M.) SB Fa EEE 22 Sl ee = 7 » > » » (St.) SR FASER 22 2:8 7:8 ZEN II » » » > (A) ee 23 24 95 25 23—2'4 I »? » » » (St.) N 24 3 8 2 » » » a N) las Mr ae mare: 25 235 10 2:9 5 0:8 » cfr. latidens, Sagha-Stufe (Fr.Junten. . . . 53 4 13 25 _ » Jatidens, unt. Mokattam (St.)oben}). ... . 22'°5 29 | —_ 2 I

1) Anmerkung: Maße in Millimetern. Verhältnis I— Länge zur Dicke, 2—= Dicke zur Höhe der Mittelzähne, 3 = Dicke zur Länge der innersten Seitenzähne.

40 Ernst Stromer., [4]

Myliobatis Pentoni A. Smith Woodward, 1893, Taf. XLVIIL, Fig. 1, 2. Taf. V (D), Fig. ı,1a.

Bisher ist nur diese eine, wahrscheinlich aus dem unteren Mokattam bei Kairo stammende Art des ägyptischen Tertiärs beschrieben worden. Die außerordentlich große untere und obere Kauplatte gehört zu einem Individuum, bei dem ebenso wie bei den rezenten M. aquila und M. bovina die oberen Mittelzähne länger als die unteren sind.

Das Verhältnis I, zwischen 72 und 8:5 schwankend, ist in Anbetracht der Größe der Zähne nicht hoch, wird es ja doch nach Smith Woodward (1888) bei kaum halb so großen Exemplaren von M. striatus und M. toliapicus erreicht. Bei kleineren Kauplatten derselben Art muß man also nach den zitierten Ausführungen (A. Smith Woodward, 1888; Stromer, 1904) ein relativ niederes Verhältnis I erwarten, aber die quere Wölbung, die stumpfen Seitenwinkel der Mittelzähne und die Form der sehr deutlich labiolingual gestreckten Seitenzähne müssen ziemlich die gleiche sein, es muß also große Ähnlichkeit mit M. Dixoni Ag. und M. goniopleurus Ag. bestehen. Bei der ersteren Art ist aber das Verhältnis ı doch etwas niederer, die Wölbung speziell unten eine andere und die Seitenzähne sind in der Regel noch mehr ver- dickt und bei der anderen ist die labiolinguale Wölbung der oberen Kauplatte sehr stark und der Abfall der unteren Mittelzähne zu den Seitenreihen deutlich.

Die Kauplatte von M. toliapieus Geinitz (1883, S. 38, 39, Taf. I, Fig. 2,2«) aus dem Eocän von Helmstedt in Braunschweig dürfte demnach zu M. Pentoni gehören, obwohl ihre Seitenzähne relativ länger und ihre Mittelzähne unten stärker gewölbt sind. Auch die leider nicht genügend beschriebenen Kauplatten von M. copeanus Clark aus dem Eocän der Ostküste Nordamerikas (Clark, 1896, S. 61, Taf. VII, Fig. 3, und Eastman, 1901, S. 99— 100, Taf. XII, Fig. 2, Taf. XIII, Fig. 7) scheinen recht ähnlich zu sein, nur sollen ihre Mittelzähne zum Teil stark gebogen und unten auch gewölbt sein.

Aus meinem Material reihen sich an die Helmstedter Form zwei wenig größere untere Kauplatten aus dem untersten Mokattam (M.) an. Ihre Mittelzähne sind unten ebenso gewölbt, aber ganz gerade und die allein erhaltenen inneren Seitenzähne sind noch länger, gleichen also den durch Verwachsung entstandenen der oberen Originalplatte. Die vollständigere zeigt übrigens auch eine flache Einsenkung in der Median- linie, so daß man eine ziemlich große Variabilität annehmen muß, wenn man diese Stücke zu M, Pentoni rechnen will.

Eine auch nur mittelgroße obere Platte von Abbasije (St.) (Taf. V (I), Fig. ı, 10) ist nach dem Aus- geführten auch hieher zu rechnen. Sie ist aber anormal, wie ihr Querschnitt deutlich zeigt, indem ihre Mittelpartie nur auf einer Seite stark quer und längs gewölbt ist.!)

Myliobatis Fraasi nov. spec. Taf. V (I), Fig. 7, 7a.

Eine etwas kleinere untere Kauplatte, die aus der Birket-Stufe (St.) stammt (Taf. V (D), Fig. 7, 7a), paßt zwar im Querschnitt und in den Größenverhältnissen sehr gut hieher, die Seitenzähne sind aber etwas schief und ihre vorderen und hinteren Enden schmal und die Mittelzähne sind median gerade, seitlich jedoch ein wenig, rückgebogen. Diese Unterschiede dürften zur Aufstellung einer Art genügen, die ich nach Herrn Prof. E. Fraas nenne,

M. vomicianus Cope aus dem Miocän Nordamerikas scheint übrigens nach Leidys (1879, S. 242, Taf. XXXUI, Fig. 5) Beschreibung und Abbildung ähnlich zu sein, und es ist bemerkenswert, daß nach ihm wie bei der oben genannten unteren Kauplatte (M.) eine mediane Einsenkung vorhanden ist und daß wahrscheinlich die obere Kauplatte von M. gigas Cope (ibidem, Fig. 4), bei der wie oben bei M. Pentoni die Zähne der zwei inneren Seitenreihen auf einer Seite verschmolzen sind, zu derselben Art gehört. Bei beiden Formen sind aber die Mittelzähne gestreckter als bei unserer Art.

!) Anm.: Vielleicht ist das auch der Fall bei der halben Kauplatte aus dem Eocän von Kasch, auf welche

Lydekker (Palaeontologia indica, Ser. 10, Vol. 3, I886, S 244, Taf. XXXV, Fig. 9, 9a) eine neue Art M. curvipalatus gründete,

[5] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 4l

Myliobatis Dixoni Ag. Taf. V (D, Fig. 6, 6a.

Betreffs der Synonymie verweise ich auf meine eingangs genannte Arbeit (1904, S. 256) und bemerke nur, daß Smith Woodward wie ich Formen hieher zählen, bei welchen das Verhältnis 3 bald über 2'5 ist, bald 2 kaum übersteigt.

Danach könnte eine in ihrem Querschnitt gut zu M. Dixoni passende, große, rissig verwitterte untere Kauplatte (St.) mit tiefer Kaugrube aus graugrünem Sandstein der Zeuglodon-Schicht der Kerun-Stufe zu der Art gehören. Ihre Seitenzähne gleichen denjenigen von M. eureodon Schafhäutl, also einer Varietät von M. Dixoni, die Mittelzähne sind aber median kaum rückgebogen und zeigen dieselbe schwache Rückbiegung ihrer Enden wie diejenigen von NM. Fraasi.

Weitere bestimmbare Stücke dieser Art liegen mir nicht vor.

Myliobatis elatus nov. spec. Taf. V (D, Fig. 4, 4a.

Eine große, auffällig hohe untere Kauplatte aus dem untersten Mokattam bei Kairo (St.), leider nur zur Hälfte erhalten, gehört zu einer M. Dixoni sehr nahe stehenden Art. Die bis fast 30 mm hohe Krone der wohl etwa 90 mn langen Mittelzähne zeigt aber zum deutlichen Unterschiede eine auffällige Vorbiegung ihrer Enden und gleicht darin etwas dem Original von M. micropleurus Agassiz (Ag. S. 318, Taf. XLVI, Fig. 17), das auch in der Höhe der Mittelzähne und der Form der seitlichen nahe steht. Der wohl- erhaltene Schmelz der Mittelzähne meines Originals ist übrigens nicht wie meistens längsgestreift, sondern zeigt ein sehr feines Netzwerk von Längsfurchen und jeder Seitenzahn ist ein wenig gewölbt. Von den Wurzel- leisten ist dann noch zu erwähnen, daß die seitlichsten der Mittelzähne abgeplattet spindelförmig sind.

Myliobatis mokattamensis nov. spec. Taf. V (I), Fig. 5,5a.

Ein schönes Stück einer mittelgroßen unteren Kauplatte vom gleichen Fundort (St.) (Fig. 5,5«) zeigt den deutlich längsgestreiften Schmelz der eben rückgebogenen Mittelzähne, Es vermittelt insofern zwischen M. Dixoni Ag. und foliapicus Ag., als sie wie bei ersterem wenig gestreckt und unten ziemlich gewölbt sind, während wie bei letzterem die Oberfläche kaum konvex ist, und die Seitenzähne nur sehr wenig: von regelmäßigen Sechsecken abweichen.

Eine wenig kleinere untere Kauplatte von ebenda (St.) mit nur einer erhaltenen Seitenreihe weicht aber von dem Original durch ein höheres Verhältnis I und 3 und ein kleineres 2 ab, vermittelt also zu M. striatus Stadium IV in Smith Woodward (1888, S. 43, Taf. I, Fig. 7), das nur durch wenig kürzere Seitenzähne und schmälere Mittelzähne sich unterscheidet.

Myliobatis toliapicus Ag.

Eine leider nur in den 3 Reihen der Seitenzähne einer Seite und dem größten Teile der Mittelzähne erhaltene untere Kauplatte (M.) vom unteren Mokattam bei Kairo mufß entschieden zu dieser Art gezählt werden, von deren Typus sie nur darin abweicht, daß die Mittelzähne ein wenig gestreckter und die rand- lichen Seitenzähne ein bischen schräg verzerrt sind.

Myliobatis Edwardsi Dixon (1850, S. L99— 200, Taf. XI, Fig. 16). Taf. V (I), Fig. 3 und 9.

Sechs gut erhaltene, mittelgroße, untere Kauplatten vom untersten Mokattam bei Kairo (die größte und kleinste von Abbasije bei Kairo), von welchen die größte in Fig. 3 und die zweitkleinste in Fig. 9 ab- gebildet ist, gehören trotz einiger Unterschiede offenbar zusammen. Die zwei kleinsten und die größte sind oben ganz flach, die anderen aber ein wenig quergewölbt. Die Verschiedenheit des Verhältnisses 2

Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns. Bd. XVII. 6

42 Ernst Stromer. [6]

9

hängt aber nicht nur davon ab, sondern ist auch durch die nur selten vollständige Erhaltung der Wurzelleisten bedingt, also irrelevant. Die Basis ist übrigens stets etwas bis deutlich quergewölbt, die Mittelzähne sind gerade, nur bei dem größten etwas unregelmäßis gebogen, ihre Oberfläche ist deutlich längsgestreift. Ihre Seitenecken sind wenig stumpfwinklig und sehr wenig ungleichseitig. Die Seitenzähne sind regelmäßig sechseckig; bemerkenswert ist aber, daß die innersten Seitenzähne bei der kleinsten Form länger als dick sind und bei größeren immer dicker werden. Auch die mittleren Seitenzähne sind bei den gröfßeren Platten fast stets etwas dicker als lang und die äußersten ebenfalls. Bei den kleineren Platten und der zweitgrößten sind sie aber kaum dicker als lang, was von dem Original unterscheidet, und ein weiterer Unterschied davon ist das höhere Verhältnis 1.

All diese Differenzen sind aber so verteilt, daß eine Trennung unmöglich ist. Das Original zu M. Edwardsi wurde nun von A. Smith Woodward (1888, S. 43, 44) mit Vorbehalt zu M. sztriatus Ag. gestellt, 7. Zoliapicus in Dixon (l. c., Taf. X, Fig. 3, 4) hat aber ebenso verdickte Seitenzähne. Die vor- liegenden Stücke überbrücken nun noch weiter den Abstand von M. Zoliapicus Ag., mokattamensis mihi, striatus Ag. und Edwardsi Dixon, denn wo die Seitenzähne deutlich dicker als lang sind, ist bei ihrem höheren Verhältnis ı ein Unterschied von M, striatus fast nur in der Geradheit der Mittelzähre vorhanden, wo sie kaum dicker als lang sind, trennt von M. Zoliapicus und mokattamensis nur das Verhältnis ı.

Leider habe ich aus dem untersten Mokattam keine obere Kauplatte, die zu M. Edwardsi gehört, wohl aber könnte man den einzigen: Myliobatis-Rest aus dem Sand der Fluviomarinstufe nordwestlich von Tamieh im Fajum dazu rechnen. Die wohlerhaltenen Mittelzähne (St.) gleichen ganz den unteren, vor allem auch in ihrer Geradheit, nur ist ihre Basis kaum, ihre Oberfläche deutlich quergewölbt. Da aber die Seitenzähne fehlen und das geologische Alter ihrer Schicht erheblich geringer ist, kann ich das Stück nur mit Vorbehalt hier erwähnen. Wahrscheinlich steht übrigens M. mordax Leidy (1879, S. 235) nach seiner Fig. 3, Taf. XXXIII, unserer Form nahe, doch sind dort die Seitenzähne deutlich dicker als lang und etwas schräg abgestutzt.

Myliobatis striatus Ag. Taf. V (I), Fig. Io, Ioa.

Eine kleine, obere Kauplatte vom untersten Mokattam (St.), an der Basis wenig quergewölbt, an der Oberfläche aber deutlich quer- und längsgewölbt, könnte nach der Form und den Größenverhältnissen der Zähne wohl zu dieser Art gehören. Die Mittelzähne sind etwas rückgebogen, was von der vorigen Form unterscheidet und die leider nur schlecht erhaltenen, inneren Seitenzähne scheinen deutlich dicker als lang zu sein.

Ist hier wegen des Erhaltungszustandes die Bestimmung unsicher, so kann eine obere Kauplatte (M), welche aus der an Zeuglodon-Resten reichen Schicht der Kerun-Stufe stammt, und die in Fig, Io, Ioa bis aut den abgekauten Teil abgebildet ist, ohne weiteres zu dieser Art gerechnet werden.

Wenn ich noch erwähne, daß die vom oberen Montmartre in Paris stammende obere Kauplatte von M. Rivieri Sauvage (1878, S. 623, Taf. XI, Fig. 3, 3a) ganz gut zu M. fohapicus Ag. paßt, in ihren Seitenzähnen aber wie M. Edwardsi Dixon sich verhält, also zu der von Dixon, |. c., Taf. X, Fig. 3, 4, als M. toliapicus abgebildeten unteren Kauplatte gehören dürfte, so ist, wenn auch nicht so vollständig wie bei den unteren Platten, ein Vorkommen von Übergangsformen auch für die oberen festgestellt.

Myliobatis latidens A. Smith Woodward. Taf. V (), Fig. 2, 2a, Il und I2, 12a.

Die in den gleichalterigen Bracklesham Beds Englands und vielleicht auch am Kressenberg in Bayern (Stromer, 1904, S. 260) vertretene Art ist in der Kerun-Stufe sehr häufig, aber auch im untersten Mokattam vorhanden und wird anscheinend kaum größer als der rezente Myliobatis aguıla.

Die in gut erhaltenen Exemplaren von verschiedener Größe vertretenen unteren Kauplatten haben eine ebene oder nur ganz wenig querkonvexe Oberfläche und sind unten fast sämtlich noch weniger gewölbt als das abgebildete Stück (Fig. 2a, M.). Ihre Mittelzähne, deren Schmelz, wenn gut erhalten, längsgestreift

[7] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 43

ist, sind stets gerade, an den Enden mit eben stumpfwinkligen, fast gleichschenkligen Ecken versehen und sehr lang, wenn auch nicht so wie bei der englischen Form. Wie sehr das Verhältnis ı aber variieren kann, zeigt eine kleine, aus der roten Schalenschicht der Kerun-Stufe stammende Platte (M.), wo es lingual über 7 ist, also normal, in der Mitte, noch hinter der Kaugrube jedoch nur = 5'5, also wie bei M. fohapicus Ag. Die Seitenzähne endlich sind bis auf die äußeren stets so regelmäßig hexagonal wie bei dieser Art und normal in je drei Reihen entwickelt. Die Kaugrube ist außer bei dem einen prächtig erhaltenen Stück aus dem untersten Mokattam (St., Fig. II) sehr flach, bei ihm aber, wie selten zu beobachten, auch noch von einem ganz flachen Hof umgeben. Das in Fig. 2 abgebildete, ebenfalls vorzüglich erhaltene Stück ist endlich noch dadurch bemerkenswert, daß seine Mittelzähne labialwärts etwas treppenförmig abgesetzt sind.

Aus der Sagha-Stufe, wo Myliobatis nur selten ist, muß ich ein nur aus vier unteren Mittelzähnen bestehendes Stück (Fr.) hier erwähnen. Seine Basis ist ganz flach und die Zähne sind so gestreckt, wie es für die Art bei dieser Größe zu erwarten wäre, aber die Oberfläche ist ein wenig mehr gewölbt als bei den kleinen Platten und die Zähne sind etwas gebogen, es kann also nur mit Vorbehalt zu M. latidens gerechnet werden.

Zu der unteren Platte vom untersten Mokattam (Fig. 11, St.) paßt vorzüglich eine ebendort gefundene obere (Fig. 12, I2a, St.). Sie ist stark längs- und deutlich quergewölbt und ihre auch weniger als bei der englischen Form gestreckten Mittelzähne sind etwas rückgebogen. Aus der Kerun-Stufe liegt aber leider nur eine schlecht erhaltene kleine obere Platte (M.) vor, die sehr wahrscheinlich hieher gehört.

Aötobatis. Taf. VD, Fig. 8.

Es liegen mir leider nur wenige Reste von mittelgroßen unteren Kauplatten vor, die nach Smith Woodward (1889, S. 128) unbestimmbar sind.

Ein Stück eines Zahnes aus dem untersten Mokattam bei Kairo (Fr.) und eines aus der Kerun-Stufe (M.) gleichen dem zu erwähnenden aus der Fluviomarinstufe. Eines aus der Knochenschicht der Sagha-Stufe (M.) aber ist etwas größer und weniger gebogen. Die zum Teil vollständiger erhaltenen sechs Kauplatten (St.) aus der Fluviomarin-Stufe, wovon die kleinste (Fig. 8) abgebildet ist, zeichnen sich alle da- durch aus, daß die Zähne nicht nur stark nach vorn konvex und median breit sind, sondern dafß ihre schmalen Seitenteile meist so lang nach hinten ausgezogen sind, daß die gerade Verbindung ihrer Hinter- enden in der Medianlinie den hinteren Rand des dritten folgenden Zahnes treffen würde. Ich fand unter den zahlreichen abgebildeten Formen keine derartigen, glaube also eine neue Art oder doch Varietät vor mir zu haben, hüte mich aber aus den angegebenen Gründen sie aufzustellen und bilde das Stück nur ab, um.zu zeigen, wie spezialisierte Aöfobatis-Arten im Obereocän (oder Oligocän?) existierten.

Myliobatiden Schwanzstacheln.

Wie bei der Häufigkeit von Zähnen und Kauplatten zu erwarten, liegen mir auch zahlreiche, zum Teil gut erhaltene Stacheln vor, ein großer (M.) und einige kleine (St.) aus dem untersten Mokattam, ein Stück eines sehr großen, aus der höchsten Schicht des oberen Mokattam unter dem Gebel el Ahmar bei Kairo (B.), besonders schöne aus der Kerun-Stufe des Fajum (St., wenige B, ı M.) und mehrere Stücke aus der dortigen Sagha-Stufe (M).

Bestimmbar sind sie leider so wenig wie die bisher beschriebenen, denn niemand hat die nötigen Vorarbeiten bei rezenten Formen gemacht, wo die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Familien, Genera und Arten sich allein sicher feststellen läßt. Ich kann also nur auf das vorhandene Material aufmerksam

machen.

Die paläogenen Myliobatinae Westeuropas und Nordafrikas.

Ein Vergleich der besprochenen Reste mit den aus dem Alttertiär von Tunis von Sauvage (Bull.

Soc. geol. de France, Paris 1889 (3), T. XVII, S. 561, Fig. ı) und Priem (ibidem, 1903 (4), T. II, 6*

44 Ernst Stromer. [8]

S. 396—399, Taf. XIII) beschriebenen Kauplatten und Stacheln ist leider nutzlos, da jene alle bei dem jetzigen Stande der Kenntnisse unbestimmbar sind. Auch die zahlreichen aus dem Alt- und Mitteltertiär des östlichen Nordamerikas von Leidy, Cope u. s. w. beschriebenen Kauplatten bedürfen erst einer Revision an Hand der Originale und mit neuem Material, ehe ein Vergleich damit genügend sichere Resultate geben kann.

Fast ganz außer acht muß ich auch die wenigen nicht genau bestimmbaren Myliobatinen-Reste aus der Sagha- und Fluviomarin-Stufe des Fajum lassen und kann so eigentlich nur die Myliobatinen aus dem untersten Mokattam bei Kairo und aus der Kerun-Stufe des Fajum mit denjenigen des Mitteleocäns der bayrischen Alpen und des englischen Eocäns vergleichen.

Die Myliobatiden-Reste eignen sich nun gar nicht zu Leitfossilien, schon aus dem äußeren Um- stande, daß wohlerhaltene, sicher bestimmbare Kauplatten ziemlich selten sind, und dann, weil einerseits manche Übergänge und Variationen bei gleichalterigen Formen sich finden und anderseits nach den Angaben von Smith Woodward (1889, S. 1ıogff.) manche Arten durch mehrere Tertiärstufen sich ver- folgen lassen (z. B. ist nach ihm M. toliapicus und Aöt. irregularis im London clay, in den Bracklesham beds und im Barton clay verbreitet). Wenn übrigens die Myliobatinen-Fauna des untersten Mokattam und der Kerun-Stufe etwas verschieden ist, so muß auch der Faziesunterschied in Betracht gezogen werden: Hier sind reine, marine, an Nummuliten reiche Kalke, dort Tone, Mergel und feinkörnige, kalkige Sandsteine mit Spuren von Süßwassernähe vorhanden.

Jedenfalls lassen sich die Formen alle gut mit der Annahme vereinigen, daß am ersteren Fundort unteres Parisien vertreten ist, am anderen jüngere Schichten derselben Stufe. Für Mitteleocän spricht vor allem die Häufigkeit von M. latidens, der bisher nur aus diesem bekannt ist. Daß übrigens die meisten der Formen wohl nur geographische Abarten, Standortsvarietäten oder Übergangsformen der im Mittel- und Obereocän Englands verbreiteten sind, geht ja schon aus der Detailbeschreibung hervor und ist in der folgenden Erörterung über die Phylogenie der Myliobatinen (Unterfamilie der Myliobatiden) noch des

weiteren auszuführen.

Tabelle der Verbreitung von eocänen Myliobatinae

in England den bayrischen Alpen Ägypten | Obereocän M. Dixoni 2 : M.cfr. Edwardsi, ı Stück, mittelgrofs Barton SEN) » status ın eu ee 5 Aet. spec. nov. indet. 6 Exemplare, mittelgrofß3 England, Aet. irregularıs Fluviomarin-Stufe in Ägypten M. Dixoni, ı Exemplar, groß Mitteleocän oe TREE: » i, I Stück, mittel B h bed M. Dixomi M. Dixoni var. eureodon häufig ö ah 3 a ! “aanles SE 3 ES ß j » latidens, viele Exemplare, klein in England, wardsi SOMONIZES var. pressidens|, striatus, ı Stück, mittel Ramasini » gomiopleurus | häufig Aetobatis spec. indet., 1 Stück, klein und » Zatidens >? latidens, ı Stück M. Edwardsi, häufig, mittelgroß » strialus » striatus, 2 Exemplare » elatus, I Stück, sehr groß

» tohapicus Aöt. irregularis

» marginalis

»

»

loliapieus, I Stück

Aöt. giganteus, 4 Exemplare

spec. indet, ı Exemplar

» latidens, 2 Stück, klein » mokattamensis, 2 Stück, mittel

M.? Dixoni

» gomiopleurus »? striatus

» toliapicus Aöt. irregularis Rhinoptera Daviesii

untere Mokattam-

; : > Stufe » Pentoni, 5 Exemplare, mittel bis riesig in Ägypten »?striatus, I Exemplar, klein » tohapicus, I Stück, mittel Aötobatis spec. indet., ı Stück, klein Untereocän

London clay in England

[9] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 45

Zunächst ist zu betonen, dafs leider nur auf Grund der Bezahnung. geurteilt werden kann, denn der vereinzelte Fund des Promyliobatis-Körpers im oberen Mitteleocän (Jaekel, 1894, S. 152 ff.) nützt uns wenig, da schon im Untereocän die noch lebenden Genera Myliobatis, Aetobatis und Rhinoptera, den Gebissen nach zu schließen, wohl differenziert vertreten sind und von kretazischen Vorfahren zu wenig; bekannt ist (s. Davis, Scient. Trans. R. Dublin Soc., Dublin 1890 (3), Vol. 4, S. 374 und Leriche, Ann. Soc. geol. du Nord, Lille 1902, T. 31, S. 101!). Rhinoptera ist nun in jüngeren Eocänstufen leider noch nicht nachge- wiesen, von den anderen zwei Genera ist aber zu konstatieren, daf sie schon im Mitteleocän ihre höchste Blüte er- reichten, wobei ja zu bedenken ist, daß ich nur drei Fundgegenden berücksichtige und daß man die damaligen exotischen Formen noch fast gar nicht kennt. AeZobatis tritt dain Ägypten gegenüber Myliobatis und den anderen Haien allerdings auffällig in den Hintergrund, besitzt aber in Bayern seine größte Art und in England noch zwei weitere auch recht stattliche. Myliobatis entfaltet aber nicht nur seinen größten Formenreichtum, sondern hat auch mehrere so stattliche Vertreter wie M. striatus, Dixoni und elatus und die größte aller bekannten Arten im M. Pentoni, es fällt also bei ihm die Blüte der Differenzierung mit der Entwicklung von Riesen- formen zusammen. Daß aber danach in keiner Beziehung ein rascher Verfall eintritt, beweisen besonders die zahlreichen und großenteils sehr stattlichen Formen, die Leidy (1879) aus etwas jüngeren Ablagerungen des östlichen Nordamerika beschrieb.

Nur um die wichtiger erscheinenden Unterschiede zu betonen, habe ich eine ziemlich große Zahl von Myliobatis-Arten angenommen, bin aber überzeugt, daß bei noch reicherem Material auch bei den jetzt noch isoliert erscheinenden Arten ebenso große und zahlreiche Variationen sich finden werden wie bei M. Pentoni und Edwardsi, und daß dadurch die Unterschiede der Arten noch weiter verwischt werden. Jedenfalls ist bewiesen, daß das Gebiß von Myliobatis in der Tat so variabel ist, wie ich (1904, S. 253) es bei Tieren, die dem vagilen Benthos angehören, nach der Döderleinschen Theorie vermutete.

Zieht man nun endlich den Charakter der eocänen Gebißformen in Betracht und sucht daraufhin verwandtschaftliche Beziehungen festzustellen, so muß zuerst hervorgehoben werden, daß über Rhinoptera, Aetobatis und Promyliobatis viel zu wenig bekannt ist, und daß sich kaum Übergänge dazu finden. Nur scheint mir wichtig, daß nach Fig. 34 in Jaekel(1894, S. 154) das Gebif des letzteren sich am ersten mit dem von Myliobatis mokattamensis vergleichen läßt, welches in der geringen Streckung der Mittelzähne und der regelmäßigen Form und relativen Größe der Seitenzähne noch primitiver erscheint als das schon im Untereocän vorhandene, ihm ganz nahestehende von M, Zoliapicus.

Es spricht also manches dafür, diese letzteren Formen als Ausgangspunkt anzunehmen und es läßt sich dann eine Entwicklung nach drei Hauptrichtungen verfolgen, ı. durch Verlängerung der Mittelzähne, 2. durch mäßige Verlängerung der Mittelzähne zugleich mit mäßiger Verdickung der Seitenzähne und 3. durch starke Streckung der Seitenzähne in labiolingualer Richtung (Verdickung) zugleich mit Erhöhung der Krone der Mittelzähne. Eine schräge Verzerrung endlich der Seitenzähne scheint erst bei neogenen und rezenten Formen eine Rolle zu spielen als eine weitere Entwicklungsrichtung. Weitere kleinere Modifikationen in der Biegung und Wölbung der Mittelzähne, der Form der Winkel der Seitenzähne u. s. w. kommen natürlich auch in Betracht, lassen sich aber jetzt noch nicht so klar überblicken wie die genannten Entwicklungsrichtungen,

Als Extrem der ersten Richtung würde aus der M. foliapicus-Form M. latidens mit sehr langen Mittelzähnen hervorgehen, die zweite Richtung würde von M. toliapicus abzuleitende Formen wie M. stria- Zus und Edwardsi mit flachen unteren Kauplatten, verlängerten Mittelzähnen und etwas bis mäßig verdickten Seitenzähnen umfassen. Als Vertreter der dritten endlich gingen M. Dixon? und elatus mit relativ kurzen und hohen Mittelzähnen und sehr kurzen und dicken Seitenzähnen aus M. mokattamensis über M. Pentoni und goniopleurus hervor. Bei ihnen liefe also die Entwicklung darauf hinaus, daß die sehr starken Mittelzähne fast allein für das Kaugeschäft in Betracht kämen; sie entfernen sich also am weitesten von dem Gebiß- typus von Rhinoptera und nähern sich hierin dem von Aötobatis. Eine Annäherung in der Vorwärtskrüm- mung der Mittelzähne und der Gestalt ihrer Basis findet sich aber nicht bei ihnen (siehe auchStromer I904.a!). Einem Stammbaum sollen natürlich diese Reihen nicht entsprechen, sondern nur eine Übersicht über die

Gebißformen der eocänen Myliobatis-Arten ermöglichen.

46 Ernst Stromer. [10]

Da mir in der hiesigen Sammlung leider keine gut erhaltenen jüngeren Myliobatis-Kauplatten vor- liegen und deren Beschreibungen zum Teil ungenügend sind, möchte ich keine Revision der mittel- und jung- tertiären Formen versuchen und kann ohne sie nicht wagen, die Beziehungen der paläogenen Arten zu ihnen und zu den rezenten Vertretern der Gattung zu erörtern, Ich muß mich also mit dem obigen Beitrag zur

Geschichte der Myliobatinen begnügen.

Pristidae.

Seit dem Erscheinen der zusammenfassenden Arbeit von Vigliarolo (I890) ist nur die Arbeit von Priem (1897) über Propristis und von Jaekel (1890) über Pristiophorus, in welcher er auch einige Bemer- kungen über Pristis machte, hier als wichtig zu erwähnen. Wie nun schon Vigliarolo (l. c,, S. 25) her- vorhob, werden die fossil erhaltungsfähigen Teile der Pristiden nur ganz ausnahmsweise so beisammen gefunden, daß ihre Zugehörigkeit zu einer Art feststeht. Meist erhält man nur isolierte Rostralstacheln, deren Bestimmung kaum möglich ist, weil sie, wie schon aus A. Günthers (1870, S. 437) Angaben her- vorgeht und Vigliarolo |, c. feststellte, bei einer Art, ja in einer Säge in der Form sehr wechseln und anderseits manchmal bei verschiedenen Arten gleichgestaltet sein können. Systematisch wichtiger als ihre Form scheint ihre Zahl und ihr gegenseitiger Abstand am Rostrum zu sein und dessen Verschmälerung nach vorn zu (Dume&ril, 1865, Bd. 1, S. 473 f£, Vigliarolo |. c.), und ich fand, wie im folgenden auszu- führen ist, für die eocänen Formen auch die Beschaffenheit der Seitenteile der Rostren, in welchen die Stacheln befestigt sind, sehr verschieden und offenbar systematisch von Bedeutung.

Pristis.

Dem, was von den verschiedensten Autoren (Latham, 1794, Williamson, 1851, Kölliker, 1860, Dume£ril, 1865, Gegenbaur, 1872, Dames, 1883, Vigliarolo, 1I89go und Priem, 1897) über die Sägen der rezenten Pristiden ausgeführt wurde, habe ich auf Grund meines Materials, das von mir bestimmte Sägen der meisten lebenden Arten aus der hiesigen zoologischen Sammlung umfaßt, nicht viel beizufügen.

Alle Rostren sind vorn sehr stumpf und die meisten verschmälern sich nur ganz langsam, Dorsal wie ventral sind zwei innere Längsfurchen vorhanden, die hinten den Ansätzen der fest verkalkten Innen- wände der paarigen Längskanäle entsprechen, nach vorn zu aber langsamer wie diese sich nähern; ferner zwei äußere Längsfurchen, in welchen kleine Gefäßlöcher aus den seitlichen Gefäßkanälen nach außen münden und welche den zuerst verkalkenden Medianteil des Rostrums begrenzen. In ihm liegt der fast ganz mit Knorpel erfüllte Mittelraum, der einen engen Mediankanal enthält und nach vorn zu eher auskeilt als die mit eigener verkalkter Wand versehenen Seitenkanäle. Daneben befindet sich jederseits in dem dünneren, bei jungen Tieren noch weichem Seitenteile je ein kleiner Längskanal für Gefäße und Nerven für die Stacheln, der, wie die Fig. 3, Tafel HI, in Dames (1833) zeigt und ich im Gegensatz zu den An- gaben von Gegenbaur (1872, S. 93) fand, nicht immer eine eigene verkalkte Wand besitzt. Es können übrigens auch die Partien, welche zwischen den tiefen fast bis zu den Seitenfurchen reichenden Alveolen liegen, im Innern auch bei großen Exemplaren kaum oder nur schwach verkalken (siehe Owen, I8S40— 1845, Atlas, Taf. VIII, Fig. 3 d!). Die von Kölliker (1860) beschriebenen Kalkprismen des Rostrums erscheinen an der Oberfläche eines mit Kalilauge behandelten Stückes als durch radiäre Strahlen verbundene Scheibchen, median und besonders an den Seitenrändern sind aber verkalkte Längsfasern vorhanden. Die Haut der ganzen Säge enthält ein dichtes Pflaster glatter, rundlich-ovaler oder polyedrischer Placoidschuppen (Taf. VI (I), Fig. 176), die an den Rändern am größten sind. Diese Scheibchen sind also deutlich verschieden von den Placoidschuppen des Rumpfes, die Hasse (1882, S. 124, Taf. XVI, Fig. 59, 60) beschrieb, weniger aber von solchen nach der Beschreibung von Steinhard (1902, S. 39, Taf. II, Fig 52).!)

Die Alveolen sind vorn stets opponiert (siehe Latham, 1794, Fig. 1-4, und Dumeril, 1865, Atlas, Taf. IX!), aber bei einer Säge von Pristis cfr. zysron aus Ostafrika in der Mitte nicht und bei einer von Pristis cuspidatus in der Mitte und hinten nicht, was für den letzteren auch Priem (1897, S. 232)

1) Anm.: Leider kann ich nur die Placoidschuppen der Rostren gut sehen, da sie am Rumpf der ausgestopften Exemplare kaum zu erkennen sind und Alkohol-Exemplare mir nicht zur Verfügung stehen. :

[11] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 47

angab. Solche starke Formschwankungen der Stacheln, wie sie A. Günther (1870, S. 437, 438) für manche Arten annahm und Vigliarolo (1890, S. 25, Fig. $—ı13) von einer Säge abbildete, sah ich nicht, doch fand ich die hintersten Stacheln stets sehr kurz und die Ränder nicht ganz konstant, so den Hinterrand bei Stacheln von jungen Pristis cfr. pectinatus nur gerundet und bei erwachsenen Pristis antiquorum ' manchmal nur mit einer recht schwachen Furche versehen, die übrigens nach Dum&£ril (1865, S. 474) bei jungen Pristis antiquorum in der Regel kaum angedeutet ist. Stets sind endlich die Enden der Stacheln mehr oder weniger spitz und abgeschliffen und zeigen beiderseits Kritzer, die von innen vorn nach außen

hinten laufen.

Der letztere Befund ließe sich gut mit der in der Literatur verbreiteten Annahme vereinigen, daß die Sägen wie Harpunen zum Angriffe auf Walfische dienen. Aber der Umstand, daß sie vorn ganz stumpf und hier keineswegs besonders fest sind und daß die senkrecht zur Längsachse herausstehenden Stacheln ein Eindringen noch weiter erschweren müssen, scheint mir das auszuschließen. Ein solcher Kenner der Walfische, wie Herr Prof. Kückenthal, an den ich mich wandte, konnte mir auch nichts über einen ihm bekannten Fall einer Walfisch-Harpunierung durch Pristis mitteilen und Herr Dr. Pap- penheim in Berlin war so freundlich, am dortigen Material von Pristis meinen Befund über die Ab- nützungsspuren zu bestätigen, nachzuweisen, daß der Darm von Pristis Fischreste enthält, und mich darauf aufmerksam zu machen, daß schon in der deutschen Übersetzung (von Müller) von Linn&s Syszema naturae (3. Teil, Nürnberg 1774, S. 274, 275) außer der erwähnten Ansicht bemerkt ist: »Man sagtindessen, daß sie (i. e. die Sägefische) von den Seepflanzen leben und daß ihnen die Säge dienlich sein soll, solche abzu- nehmen und loszureißen. Daß sie aber auch wohl selbst miteinander fechten, kommt uns nicht unwahr- scheinlich vor, indem wir eine solche Säge besitzen, woran der Zahn von einem anderen Sägefisch steckt und abgebrochen ist.«

Nach dem Linn&schen Befund spielt also die Säge vielleicht eine Rolle bei dem Kampfe der Männchen, während die andere geäußerte Ansicht durch die Untersuchung des Darminhalts wider- legt ist. Bei den Haifischen findet ja eine Begattung statt, es sind also Eifersuchtsstreitigkeiten wie bei höheren Wirbeltieren nicht unwahrscheinlich, und vielleicht beruhen die Unterschiede, die Günther (1870, S. 437, 438) für die Bezahnung der Sägen einer Art (Pr. perrotetti und Pr. zysron) annahm, auf Geschlechts- unterschieden, wie sie z. B. für die Bezahnung von Raja schon längst nachgewiesen sind. Sicher ist nun infolge des Nachweises der Abnützungsspuren der Stacheln, daß die Rostren wirklich gebraucht werden und nicht nur etwa als eine Art Zierde dienen; sie scheinen mir in der Tat geeignet, wie eine Säge verwendet zu werden, also zur Erzeugung von Reißwunden zum Töten der Fische, und es entstehen wohl die Kritzer bei der Reibung an deren Hartteilen (siehe auch Jaekel, Neues Jahrb. f. Miner. etc., Stuttgart 1900, II, S. 147!). Die Ansicht von der Harpunierung der Walfische aber dürfte bald ebenso belächelt werden wie die einstige, daß die Sägehaie ganze Schiffe auseinandersägten und die Menschen verschlängen, denn

was sollten sie mit ihren winzigen Kieferzähnchen mit getöteten Walfischen anfangen können ?

Da diese Zähnchen fast noch nirgends fossil gefunden wurden und mir auch nicht vorliegen und ich nur Stacheln, verkalkte Rostren zum Teil mit Resten von Chagrin sowie Wirbel aus dem untersten und dem oberen Mokattam bei Kairo, vom Uadi Ramlieh bei Wasta und vor allem der Birket el Kerun- und Kasr es Sagha-Stufe des Fajum zu beschreiben habe, beschränke ich mich auf diese ergänzenden Bemer- kungen über die rezenten Formen und erwähne nur noch, daß über eocäne Pristiden Ägyptens schon Da- mes (1883 und 1888) und Priem (1897) Mitteilungen machten.

Pristis ingens nov. spec. Taf. VI (I), Fie. 5, 6. Von den vielen mir vorliegenden Resten kann ich nur wenige mit genügender Sicherheit zu dem

einzigen noch lebenden Genus der Pristidae rechnen. Hieher gehört vor allem ein von mir gefundenes Sägestück nebst sicher dazu gehörigen Wirbeln (Fig. 5) und Stacheln (Fig. 6, Fr.) aus der Knochenschicht

48 Ernst Stromer. [12] der Kasr es Sagha-Stufe am Westende der Birket el Kerun. Wie schon die Maße der Wirbel zeigen (52:5 mm Höhen-, 50 Breiten- und bis 18 Längendurchmesser), gehören sie einer Riesenform an, denn die Wirbel sind noch viel größer als der von Hasse (1882, Taf. XVI, Fig. 65) abgebildete fossile Wirbel. Sie sind ein wenig hochoval, werden nicht ganz zentral von der Chorda durchbohrt und zeigen im polierten Querschliff durch die Mitte, der Beschreibung des genannten Autors (l. c., S. 121—125) entsprechend, eine etwas wellige Umrandung und konzentrischen Bau; die radiäre Struktur ist aber nicht angedeutet.

Die Säge zeigt neben dem hohlen senkrechtovalen Medianraum jederseits die mit Gestein erfüllten zwei seitlichen Kanäle. An den relativ gut erhaltenen Seitenteilen stehen die Alveolen, deren dorsale und ventrale Wand fast ganz weggebrochen ist, genau opponiert und sind so tief, dafs die Entfernung ihrer Böden nur 44 mm beträgt, während das Rostrum hier 142 mm breit ist. Ihr gegenseitiger Abstand auf einer Seite ist doppelt so groß (über 50 mm) wie ihre Breite und der Seitenrand zwischen ihnen ist mäßig: scharf und in der Längsrichtung etwas konkav. Da das Stück leider nur 155 mm lang erhalten und seine Oberfläche ziemlich verwittert ist, läßt sich weiter nichts feststellen, als daß es bis etwa 37 mm dick ist, dieselbe Struktur wie rezente Pristis-Rostren besitzt und dem mittleren Teile der Säge angehört.

Die Stacheln (Fig. 6, 6a, 65) sind geradezu unförmlich zu nennen, denn der größte ist 147 mm lang, bis 21°5 dick und 27—31 breit. Da sie von Gipsadern durchzogen sind, dürften sie wohl etwas deformiert sein und ihre feinere Struktur ist nur schlecht erhalten, aber anscheinend wie bei Pristis (Owen, 1840— 1845, S. 41I—43, Atlas, Taf. IX, Hannover 1867, S. 509-511, Taf. IV, Fig. 20—23. Anm.: Auf die Einzelheiten der feineren Struktur gehe ich hier, wie überhaupt in dieser Abhandlung, nicht ein, da ich sie im Zusammenhang zu behandeln gedenke.) Ihre Ober- und Unterseite ist ein wenig bis etwas konvex, der Hinterrand gerade, der vordere aber oben etwas rückgebogen, so daß zwei Drittel des Stachels fast gleich breit und dick bleiben, das Ende aber doch etwas spitz ist. Der Vorderrand ist gerundet, der hintere aber ganz stumpf und gefurcht; zum Unterschiede der fossilen Stacheln von Pristis Lathami Galeotti (1837), Pr. Agassizii Gibbes (1850) und Pr. Bassani de Zigno (1879) ist die Furche aber unsymmetrisch, indem ein Rand ganz stumpf ist.

Während nun die Furche am Hinterrande der Stacheln der rezenten Pr. pectinatus Latham und antiquorum Latham ganz symmetrisch ist (siehe Owen]. c., Taf. VIII, Fig. 5, und Agassizl. c., Atlas 3, Taf. G, Fig. 4!), kann ich an Stacheln von Pr. cfr. zysron Bleek erkennen, daß ihr Dorsalrand ein wenig schärfer ist als der ventrale. Bei unserer Form ist das also viel stärker der Fall und so erscheint die Ventralfläche schmäler als die dorsale. Unter den bisher beschriebenen fossilen Stacheln scheinen nach den Abbildungen ein Teil derjenigen von Pr. parisiensis Gervais (1848—1852, Atlas 3, Taf. LXVIII, Fig. 5, 5a) aus dem Mitteleocän und die von Pr. aquitanicus Delfortrie (1872, Taf. X, Fig. 30-32) aus dem Obermiocän Frankreichs auch eine etwas unsymmetrische Furche zu besitzen, wodurch letztere sich entgegen der Ansicht von Vigliarolo (1890, S. 13) von den eocänen von Pr. hastingsiae Ag, (Dixon, 1850, Taf. XII, Fig. 6, 7) unterscheiden. Doch dürfte die Asymmetrie nur schwach sein, da im Text nichts darüber erwähnt ist.

Von derselben Lokalität und wohl aus der nämlichen Schicht habe ich außer etwas kürzeren, aber ebenso dieken und breiten, also noch plumperen Stacheln (St.‚wenige M.), die alledurch Gips und Verwitterung etwas deformiert erscheinen, noch zahlreiche isolierte, schlankere und spitzere, zum Teil kleinere Stacheln (St., Fr.), die im übrigen alle dieselben Merkmale zeigen wie die beschriebenen, Einer davon (St., Taf. VI (II), Fig, 8), am Steilhang nördlich von Kasr Kerun, also wie ein gleicher (Fr.) wohl in der Kasr es Sagha-Stufe gefunden, zeigt übrigens eine Krümmung nach oben fast so stark wie die gleichalterigen Stacheln von Pr. contortus Dixon (1850, Taf. XII, Fig. 9, 10, Vigliarolo, 1890, S. 10, 11). Die Skulptur der Oberfläche ist übri- gens bei jenen auch dieselbe, aber der Hinterrand nicht ganz gerade und die Furche anscheinend nicht so unsymmetrisch,

Auch in der Birket el Kerun-Stufe sind solche schlankere Stacheln anscheinend nicht selten, wie Belegstücke von der östlichen Insel (B.) im Kerun-See, aus der roten Schalenschicht (M., St.) bei Kasr Kerun und aus gelbem Sandstein bei Dimeh (St.) beweisen. Letztere (Fig. 7) sind auffallend lang und übertreffen alle bisher bekannten an Größe (größter über 200 mm lang, bis 18 mm dick und bis 26°5 mm

[13] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 49

respekt. 28 nm breit). Bei all diesen ist übrigens die Furche weniger asymmetrisch als bei den erstge- nannten, doch ist auch einer dabei (M.), der hierin jenen gleicht und in seiner plumperen Form vermittelt.

Auch aus dem weißen Kalk des untersten Mokattam bei Kairo liegen mir, außer einem in der Struktur trefflich erhaltenen Stück einer Pristissäge (St.) von mittlerer Größe, solche schlanke, aber nur mittelgroße (bis 115 mn lange) Stacheln (St.) vor. Sie zeigen aber aufßer der deutlich asymmetrischen Furche des Hinterrandes auch ungefähr in der Mitte der Höhe des Vorderrandes eine von gerundeten Rändern begrenzte schwache Längsfurche (Fig. 9, 9a). Ihre Struktur ist übrigens nach einem Querschliffe dieselbe wie bei Pristis.

Was nun die Bestimmung all dieser Reste anlangt, so bieten die isoliert gefundenen schlanken Stacheln insofern eine Schwierigkeit, als sie von den ungefähr gleichalterigen des Pr. contortus Dixon, einem Teil des Pr. parisiensis Gervais und den viel jüngeren des Pr. aquitanicus Delfortrie zum Teil kaum zu unterscheiden sind.

Die plumpen Stacheln aber aus der Sagha-Stufe des Fajum erlauben die Aufstellung einer leidlich zu definierenden neuen Art, da sie mit dem Rostralstick und Wirbeln zusammen gefunden sind. Dieser Pristis ingens nov. spec. erreicht eine gewaltige Größe (Taf. VI (II), Fig. 5, 6). Im mittleren Teile seines Rostrums stehen die tiefen Alveolen opponiert und von einander um das doppelte ihrer Breite entfernt (die Gesamt- zahl und Stellung der Alveolen in anderen Teilen der Säge und deren Verschmälerung sind unbekannt). Die Stacheln sind sehr plump, dick und nicht spitzig, ihr gerundeter Vorderrand ist oben rückgebogen und an dem geraden breiten Hinterrand ist eine stark asymmetrische Furche, deren Oberrand scharf und deren Unterrand nieder und stumpf ist. Die Wirbelkörper sind ein wenig hochoval, werden nicht ganz zentral von der Chorda durchbohrt und zeigen nur einen konzentrischen Bau. (Die Placoidschuppen und Zähne sind unbekannt.)

Nachdem, wie erwähnt, in der Kerun-Stufe eine Übergangsform zu den plumpen Stacheln sich findet, darfich die schlanken Stacheln dieser und der Sagha-Stufe (Taf. VI (Il), Fig. 7, 8) mit Vorbehalt auch hieher rechnen (als Pristis cfr. ingens), um so mehr als die angeführten vergleichbaren Arten ganz ungenügend, d. h. nur auf isolierte Stacheln begründet sind. Die geologisch etwas älteren und noch durch die Furche am Vorderrande ausgezeichneten Stacheln vom untersten Mokattam (St., Taf. VI (II), Fig. 9) müssen einst- weilen als Pristis cfr. ingens var. prosulcata angereiht werden, bis bessere Funde über sie Klarheit schaffen

Im Anschluß an diese Formen sind nun noch zwei isolierte Stacheln zu erwähnen, ein kleinerer schlanker und platter Stachel (St., Taf. VI (II), Fig. 10) über 60 nm lang, Io mm breit und 5 nm dick, aus dem untersten Mokattam und ein etwas stärkerer und weniger schlanker (M.) aus der Kerun-Stufe, die beide eine fast symmetrische Furche am Hinterrand besitzen, also von den fossilen Stacheln von Pr. Lathami Galeotti (1837, Taf. II, Fig. 2) aus dem Mitteleocän Belgiens, Pr. bisulcatus Ag. (nach Smith Woodward, 1899, S. 3) aus den Bracklesham Beds, Pr. hastingsiae Ag. (Dixon, 1850, Taf. XII, Fig. 6, 7) aus dem Barton Clay Englands und Pr. Agassizii Gibbes (1850, Taf. ı, Fig. 6, 7) aus dem Obereocän von Südkarolina kaum verschieden sind. Auch der von Probst (1877, S. So, Taf. ı, Fig. 21) beschriebene Zahn aus dem Mittelmiocän von Württemberg ist endlich als recht ähnlich zu erwähnen.

Falls nun die Annahme von Smith Woodward (1889, S. 73 und 1899, S. 3) und die von Galeotti (l. c.) richtig ist, daß Stacheln von kaum zu unterscheidender Form, die übrigens auch von solchen mancher lebender Arten, wie Pr. antigquorum und zysron Latham kaum zu trennen sind, zu so verschie- denen Rostren gehören wie das von Pr. bisulcatus Ag. (l. c., S. 382*, Taf. XLI) und Pr. Lathami Galeotti (Vigliarolo, 1890, S. 6—11), so muß man auch annehmen, daß in ungefähr gleichaltrigen eocänen Ab- lagerungen vorkommende Stacheln ganz verschiedener Arten oft nicht zu unterscheiden, also unbestimmbar sind. Deshalb begnüge ich mich damit, auf die große Ähnlichkeit der zwei vorliegenden Stacheln mit schon anderwärts beschriebenen hinzuweisen, indem ich sie mit Pr. cfr. Lathami Galeotti bezeichne.

Pristis fajumensis nov. spec. Taf. VI (II), Fig. I—3. Aus der Knochenschicht der Sagha-Stufe des Fajum liegt mir eine ziemliche Anzahl von Sägestücken (M., St. und Fr.) vor, zu welchen offenbar das von Priem (1897) beschriebene gehört, das nichts mit

Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns. Bd. XVII. 7

50 Ernst Stromer. 1 4]

Propristis Dames zu tun hat, wie unten noch zu zeigen ist. Leider sind die meisten Stücke durch Gips und Verwitterung etwas angegriffen, so daß nur bei einem noch Chagrin-Reste (M.) und nur bei dreien solche von Stacheln (M., St.) erhalten sind. Isolierte Stacheln, die dazu gehören könnten, finden sich in der- selben Stufe im Verhältnis sehr selten, was wohl dem Umstande zuzuschreiben ist, daß in ihr eigentümlicher Weise die Erhaltungsbedingungen für Knochen und verkalkte Knorpel bessere sind als für Dentingebilde, Denn auch von anderen Wirbeltieren finden sich nur selten gut erhaltene Zähne. Es scheint eben, daß sie durch Insolation und Gipsverwitterung der Wüste besonders stark angegriffen werden, denn ich fand sie oft ganz in kleine Stückchen zersprengt, während die Knochen nur rissig geworden waren. Auch bei den Wirbel- tierresten der obereocänen Fluviomarin-Stufe und des Mittelpliocäns im Uadi Natrun werden bei oberflächlich liegenden Stücken die Zähne eher zerstört als die Knochen.

Wenn Priem (l. c.) ausführte, daß der Verlauf der Kanäle derselbe ist wie bei den Sägen der rezenten Pristis, und daß im Randteil unverkalkte Hohlräume, wie bei diesen (siehe oben S. 46) sind, so kann ich dies nur bestätigen und hinzufügen, daß ich an den seitlichen Gefäßkanälen eine eigene verkalkte Wand fand, wie sie Gegenbaur (1872, S. 93) für die rezenten Formen angab. Oft erscheint übrigens die Oberfläche körnig infolge der Verwitterung der Kalkprismen, was nicht zu verwechseln ist mit der nur an einem Stück (M.) lokal erhaltenen Chagrindecke, die sich in nichts von der von Pristis unterscheidet.

Zum Nachweis der oberflächlichen Schicht verkalkter Längsfasern eignen sich die Reste leider nur wenig; ein Verhalten scheint aber nach seiner Konstanz auch bei den größten und besterhaltenen Säge- stücken keine Folge von Verwitterung, nämlich das Fehlen der dorsalen und ventralen Wände der Alveolen, Wären sie, wie Priem (l. c., S. 231) meinte, nur dünn gewesen, so müßten doch hie und da wenigstens Bruchränder zu sehen sein und die Umrandung der Alveolen könnte nicht so scharf und regelmäßig sein wie an den besser erhaltenen Stücken, z. B. bei Fig. I unten; nur bei einem Mittelstück einer relativ großen Säge (M. 2) haben sich Reste der dünnen Wände erhalten. Ich glaube also, daß diese Wände lange Zeit ganz unverkalkt blieben und nur im höheren Alter ein wenig verkalkten, womit auch das Fehlen von Sta- cheln bei fast allen Stücken im Einklang stehen würde, da sie eben leicht ausfielen und dann zerstört wurden.

Der Übersichtlichkeit gebe ich die Maße und einige wichtige Daten von den besten Stücken in

Tabellenform. Tabelle der Maße von Rostren des Pristis fajumensis Stromer.') £ Abstand Diese Breit Zahn- der Alveolen Alveolen hinten vorn = hinten vorn opponiert alternierend

M ı hinten bis Mitte. . 310 52 43 16—17 3 I nur hinten |vorn undeutlich M ıa nahe der Spitze . 63 40? 36 5—6 I 7 undeutlich _ NETDESEIVZeT Eee 83 31? 24? 6—7 I I _ deutlich I Mıitter re 420 84 58 18—I9 3 122 undeutlich _ Fr. ı hinten bis Mitte . 500 55? über 50 17 35 15 deutlich Sin u Aullala) 00 6 8 ac 305 69? 45? 14 1'2 12 undeutl.-deutl. _ St. 2 Basis bis Mitte. . || 100-400 | über 70 50? 16? 3 I _ undeutlich St. 3 hinter der Mitte . 200 74? 62? () 2 15 undeutlich E= St. 4 nahe der Spitze. . 100 48? 39? 6 1:2 I deutlich

Wie man sieht, variiert an den Rostren sowohl der Grad der Verschmälerung nach vorn zu, der sich allerdings wegen der Verwitterung der dünnen Seitenränder nur selten genau feststellen läßt, ebenso wie die Stellung und die Entfernung der Alveolen. Die drei ersten Stücke (M.), welche zu einem Indivi- duum gehören (Taf. VL(II), Fig. 1), vermitteln hierin zwischen einem in Frankfurt (Fr.) und einem in Stuttgart (St. 3) befindlichen Exemplar. Der Charakter der Sägen läßt sich danach derartig feststellen:

1) Anm.: Maße in Millimetern; der Abstand der Alveolen ist mit deren Breite 1) verglichen; die drei ersten Stücke gehören zu einem Individuum und sind auf Taf. VI (II), Fig. I abgebildet. R

[15] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 51

Das schlanke Rostrum verschmälert sich ganz an der Basis deutlich, dann im bezahnten Abschnitt sehr wenig und vorn wieder etwas stärker zu einem relativ schlanken Ende. Es wird bis etwa einen Meter lang und enthält jederseits etwas über 30 Stacheln in Alveolen, deren obere und untere Wände nicht oder nur ganz schwach verkalken, und welche hinten seicht und klein, nach vorn zu tiefer und größer werden und nahe der Basis des Rostrums beginnen, Ihr Abstand von einander ist hinten 3—31/,mal so groß als ihre Breite, in der Mitte höchstens I!/;mal und vorn nur ebenso groß wie sie. Meist sind sie deutlich oder beinahe opponiert, an der Spitze und manchmal auch in der Mitte und hinten können sie aber auch alter- nieren. Die Seitenränder zwischen ihnen sind nicht sehr scharf und ganz wenig bis etwas konkav. Die Struktur des Rostrums endlich und seine Chagrinbekleidung unterscheidet sich in nichts von den bei rezenten Pristis-Arten festgestellten Verhältnissen.

Dasselbe hintere Stück, an welchen noch etwas Chagrin erhalten ist (M. 3), zeigt nun auch noch die Basis einiger Stacheln in ihren Alveolen, Während es selbst etwa 65 mm breit ist, sind diese S—8'5 mm breit und 3:5—4 mm dick. An einem mittleren Sägestück (St.) von 70 mm Breite liegen herausgefallene Stacheln, leider schlecht erhalten und durch Gips aufgebläht. Sie sind bis 60 mm lang und etwa 14 mm breit und haben wie die vorigen vorn und hinten gerundete Ränder, von welchen der hintere gerade, der vordere oben rückgebogen ist, so daß sie am Ende spitz sind. Ähnliche kleine Stacheln, leider sehr stark verwittert und wohl dadurch deformiert und dick, gehören auch zu dem größten Rostrum (M.2). In der Sagha-Stufe, jedoch in einer etwas tieferen Schicht bei Kasr es Sagha selbst, fand ich nur noch einen iso- lierten Stachel (M., Taf. VI (II), Fig. 2), der nach seiner Form hieher gehört und wie die ersterwähnten dorsoventral sehr platt ist.

In der Kerun-Stufe des Fajum kommen solche isolierte Stacheln offenbar häufig vor; sie wurden an verschiedenen Punkten gefunden (St., M.). Die größten sind bis 45 mm hoch, bis 13 mm breit und bis 5 mm dick, manche zeigen auch den Hinterrand oben vorgebogen, so daß die Spitze fast symmetrisch ist, und viele lassen noch deutlich den oberen abgeschliffenen und mit schrägen Kritzern versehenen fein längs- gestreiften Teil und den einst in der Alveole steckenden unterscheiden, der eine glänzende Oberfläche mit deutlichen Längsrippen und schwach gebogenen Anwachsstreifen besitzt (Taf. VI (II), Fig. 3).

Die in der gleichen Schicht auf der westlichen Insel des Kerun-Sees von Prof. Schweinfurth gesammelten Stacheln, welche Dames (1883, S. 140, Taf. III, Fig. 2) zu seinem neuen Genus Propristis stellte, zeigen nach den mir vorliegenden Originalen (B.) keinen Unterschied von den beschriebenen. Zwei Stücke ebensolcher kleiner platter Stacheln (B.) fand übrigens Prof. Schweinfurth auch im obersten Mokattam bei Schak el Tabän ober der Giuschi-Moschee bei Kairo, und eines (St.) liegt mir auch vom untersten Mokattam vor. Endlich sind noch zwei kleinere Stacheln (St.) aus der Kerun-Stufe erwähnenswert, die sich durch ihre große Schlankheit von den anderen unterscheiden und von welchen der größere (Taf. VI (II), Fig. 4) wie einige der großen hinten gefurchten Stacheln aus der Sagha-Stufe (siehe oben S. 48 und Fig. 8!) etwas nach oben gebogen ist.

Da die Mehrzahl der hier genannten Stacheln sich in nichts von den noch in dem Säge- stücke befindlichen unterscheidet und die anderen durch Übergänge mit ihnen verbunden sind, müssen sie entweder zu den beschriebenen Sägen gerechnet werden und nicht zu dem Rostrum von Propristis, obwohl letzteres im gleichen, jene aber nur in einem etwas höheren Horizont gefunden worden sind, oder man muß annehmen, daß die Stacheln beider Formen sich nicht unterscheiden. Es ist unten darüber noch zu sprechen, hier ist nur noch betreffs der zwei letzterwähnten so schlanken und kleinen Stacheln zu bemerken, daß nicht zu entscheiden ist, ob sie einer besonderen Art angehören oder etwa nur einer Jugendform der hier beschriebenen.

Von den bisher beschriebenen ähnlichen Stacheln sind diejenigen von Pr. ensidens Leidy (1879, S. 252, Taf. XXXIV, Fig. 3I, 32) aus den Ashley-Phosphaten von Carolina kaum verschieden von den unsrigen, wohl aber die schlanken und symmetrischen von Pr. parisiensis Gervais p.p. (l. c., Taf. LXVLI, Fig. 3) aus dem Mitteleocän Frankreichs und die stets symmetrischen breiten und scharfrandigen des rezenten Pr. cuspidatus Latham.')

> !) Anm.: Siehe auch Probst, 1877, S. 80, Taf. I, Fig. 23!

52 Ernst Stromer. [16]

Mehr systematischen Wert als der Vergleich der isolierten Stacheln, die sich ja doch nicht sicher bestimmen lassen, hat derjenige der Rostren. Das oben beschriebene von Pr. ingens mihi scheidet nun schon wegen der sicher dazu gehörigen plumpen und hinten asymmetrisch gefurchten Stacheln und wegen der Verkalkung seiner Alveolenwände aus. Ganz unbestimmbar sind dann die mir vorliegenden Rostral- stücke (St.) aus dem untersten Mokattam bei Kairo, und andere aus dem Fajum (St., Fr.) sowie die von Propristis sollen in ihren deutlichen Unterschieden unten noch genauer besprochen werden.

Das von Dixon (1850, Taf. XII, Fig. 8) abgebildete Stück ist auch unbestimmbar und die unge- fähr gleichalterige Säge von Pr. bisulcatus Ag. (l. c., S. 382*), Taf. XLI, A. Smith Woodward, 1889, S. 73, 74, Vigliarolo l. c., S. 9, Io) ist durch den großen Abstand der Alveolen und deren dicke Wände deutlich unterschieden. Sie zeigt, wie Dames (1883, S. 138) hervorhob, im Innern keine Kanalwan- dungen, was vielleicht doch nur auf den Erhaltungszustand beruht, denn ein quer durchgebrochenes Exem- plar der hier beschriebenen Rostren schien auch nur eine einheitliche schmale Querspalte zu besitzen, bis Polieren der Bruchfläche und genaues Untersuchen die normalen Kanäle erkennen ließ. Die Figur 3 in A gassiz sieht ja auch schematisiert aus, und es ist erwähnenswert, daß sie drei Wandschichten zeigt, während im Text nur von zweien die Rede ist.

Die Rostralstücke des obermiocänen Pr. Iyceensis Vigliarolo (1890, S. 1724, Fig. 1-5) unterscheiden sich ebenfalls durch die verkalkten Wände der Alveolen und deren im vorderen Teile an- scheinend größeren Abstand. Das Rostrum von Pr. Lathami Galeotti (1837) aus dem belgischen Mittel- eocän scheint jedoch dorsal und ventral unverkalkte Alveolenwände gehabt zu haben, ist aber durch seine starke Verschmälerung (Vigliarclo, 1890, S. 8, 9) sowie in der Form seiner Stacheln verschieden. Von den Rostren endlich der rezenten Arten unterscheidet nicht nur die mangelhafte Verkalkung der Alveolen- wände, sondern auch die Schmalheit des Endes, wie ein Vergleich der Maße meiner Tabelle mit den von Müller und Henle (1841, S. 1o5 ff.) und Vigliarolo (1890) angegebenen zeigt. Pr. cuspidatus Latham steht übrigens in der Form und Zahl der Stacheln, sowie in deren Stellung, indem sie hinten weiter voneinander abstehen als vorn und zum Teil alternieren, der beschriebenen Form nahe, doch fehlt ihr hinten der lange stachellose Abschnitt des Rostrums, der jene Art auszeichnet.

Es liegt also eine neue Art vor, deren Häufiekeit im oberen Mitteleocän des Fajum den Namen Pristis fajumensis geeignet erscheinen läßt. Ihr Rostrum ist oben S. 51 schon kurz beschrieben. Von den Stacheln ist nur zu bemerken, daß sie meist dorsoventral platt, mäßig breit und spitz sind, und vorn und hinten gerundete Ränder haben, von welchen der vordere und manchmal auch der hintere oben konvex in die Spitze ausläuft. Das Chagrin des Rostrums endlich ist- wie bei Pristis, über die sonstigen Verhält- nisse ist leider nichts bekannt.

Pristis (Eopristis) Reinachi nov. subg. et. nov. spec. Taf. VI (I), Fig. 15, 150.

Im Nordwesten des Fajum fand ich in einem sehr feinkörnigen gelben Sandstein unter der Knochen- schicht der Sagha-Stufe ein ausgezeichnet erhaltenes, leider aber sehr zerbrechliches Rostrum, das von der Basis an bis nahe zum Ende 700 mm lang herausgemeißelt, jedoch nur in einem hinteren 200 mm langen, hinten 75 mm, vorn 70 mm breiten Stück (Fr.) geborgen wurde. Es zeigt genau die Struktur und die Kanäle wie Pristis, oberflächlich ließen sich auch die seitlichen zwei Furchen, bis zu 45 mm voneinander abstehend dorsal und ventral in der ganzen Länge des Stückes verfolgen, nicht aber die inneren Furchen und besonders bemerkenswert ist, daß sich an der ganzen Länge der nur mäßig scharfen geraden Seiten- ränder keine Spur von Alveolen sehen ließ,

Aus einem ebensolchen Sandstein, welcher aber unter der an Fischzähnen reichen Schicht der Kerun- Stufe westlich von Dimeh im Fajum lagert, stammt nun ein kleineres, oberflächlich etwas verwittertes Ro- strum (St., Taf. VI (ID), Fig. 15). Es ist 217 mm lang, ganz hinten 49'5 mm breit und über 20 mm dick, zeigt hier oben den weiten Präfrontalraum (Gegenbaur, 1872, S. 92), dann folgt der plattere Teil, der auf einer Strecke von etwa 25 mm nur 42'5 mm breit ist, und ganz gerundete Seitenränder hat, und dann erst ein durch dünne scharfe Ränder verbreiterter Abschnitt von fast gleich bleibender Breite von 56 bis 55 man.

[17] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 53

An ihm lassen sich im Medianteil oben wie unten die zwei schwachen inneren und neben ihm die zwei äußeren Furchen erkennen, Der Querschnitt am Ende (Taf. VI (II), Fig. 15 a) zeigt endlich die Struktur und die Kanäle ganz wie Gegenbaur (1872, S. 93, Taf. IX, Fig. 7) sie für Pristis angab. Die scharfen Seitenränder bestehen übrigens nicht aus Kalkprismen, sondern wohl aus verkalkten Längsfasern, wie ja auch die Ränder rezenter ausgewachsener Sägen wenigstens oberflächlich von ihnen bedeckt sind.

Wenn hier auch keine Alveolen vorhanden sind, könnte man annehmen, daß etwa wie bei dem rezenten Pr. cuspidatus die Stacheln erst ein gutes Stück vor der Basis anfingen; dies wird jedoch durch das erste Stück widerlegt, wo ja auf mindestens 70 cm Länge eines im ganzen etwa I m langen Ro- strums keine Alveolen sich fanden. Auffällig ist aber das Vorhandensein normaler seitlicher Kanäle, von welchen aus bei Pristis die Stacheln mit Gefäßen versorgt werden; es könnte daraus geschlossen werden, daß vielleicht an dem noch unbekannten Vorderende doch Stacheln sich befanden.

Ein wichtiger Unterschied von echten Pristis ist jedenfalls der vor der Basis verschmälerte Teil des Rostrums mit seinen gerundeten Seitenrändern. In dieser Beziehung zeigt das oberkretazische Rostrum von Scle- rorhynchus (A. Smith Woodward, 1889, S. 76, 77, Taf. III, Fig. ı und Hay, 1903, S. 398—404, Taf. XNXV, XXVI, Fig. ı, XXVII, Fig. 1) eine bemerkenswerte Ähnlichkeit, doch ist leider weder über das Verhalten seiner Seitenränder in dem mit Stacheln besetzten Teil, noch über seine innere Struktur und die der Stacheln etwas bekannt; nur betonte A. Smith Woodward (1889@ und 1892) die äußere Ähnlich- keit der verkalkten mittleren und der jederseitigen dünneren seitlichen Partie des Rostrums mit denjenigen von Pristis und Hay l. c. hob die Ähnlichkeit der Verkalkung mit der von Pristis hervor, mit dem auch in der Stellung der Kiemenspalten und der Flossen Übereinstimmung herrscht. Allein auf den Umstand hin, daß die Stacheln an der Krone Schmelz haben sollen und daß sie auch noch seitlich am Kopf vor- handen sind, das Genus zu Pristiophorus zu ziehen, wie es Jaekel (1890, S. 117) tat, halte ich für etwas gewagt, denn das an seiner Basis verschmälerte Rostrum weicht stark von dem hinten ohne Grenze in den Schädel verlaufenden von Pristiophorus (Jaekel 1890, S. 102, Fig. 2) ab und gleicht hierin dem vorliegenden. Jaekel (l. c., S. 106) suchte es allerdings durch eine phylogenetische Theorie zu erklären und Smith Woodward gab wenigstens in einer Notiz (1889a, S. 451) zu, daß die Kieferzähne eher denjenigen von Pristiophorus glichen als denen von Pristis; auch ist recht bemerkenswert, daß Hay (l. e., S. 403) auf der Fläche eines Rostrums zwei Reihen kleiner Stacheln fand, wie sie Pristiophorus, den er gar nicht in Vergleich zog, auf der Unterseite, allerdings näher am Rande, ebenfalls besitzt. Einstweilen muß aber doch wenigstens auf die äußere Ähnlichkeit mit der vorliegenden im geologischen Alter nicht zu fern- stehenden Form, welche bei der Kenntnis ihrer Struktur sicher zu den Pristiden zu stellen ist, hingewiesen

werden. Der Mangel von Alveolen im Seitenrand von wenigstens zwei Drittel der Länge des Rostrums und

die Einschnürung des basalen Teiles bedingen aber zum mindesten die Aufstellung eines neuen Subgenus Eopristis mit einer Art, die ich nach Herrn Dr. A. v. Reinach in Frankfurt a. M. Reinacht nenne.

Propristis Schweinfurthi Dames, 1883. Taf. VI (I), Fig. 17, 17a, 17b.

Das von Dames (1883, S. 136—139, Taf. III, Fig. I, 2) auf zwei kleine Rostralstücke, die Prof. Schweinfurth auf der westlichen Insel der Birket et Kerun fand, begründete neue Pristiden-Genus glaubte Priem (1897) auf Grund des oben S. 50 erwähnten Fundes einer Säge von Pristis fajumensis aus der gleichen Gegend einziehen zu dürfen, indem er annahm, daß an ersteren nur die dünnen Alveolarränder weggebrochen seien. Es spricht aber schon die Regelmäßigkeit des Seitenrandes der ab- gebildeten und mir auch vorliegenden Originale (B.) gegen Priems Ansicht, und die zahlreichen oben S. 51 beschriebenen Sägen von Pristis fajumensis, welche ganz seinem Original gleichen, sind zum Teil arg zerbrochen und verwittert, ohne daß je eine Ähnlichkeit mit Propristis erschiene. Ein prächtig erhal- tenes Rostrum (St.) aus gelbem Sandstein, der westlich von Dimeh wenig über dem See ansteht (Kerun-Stufe), also gleichalterix mit den Propristis-Stücken, schließt jetzt Priems Ansicht endgültig aus und erlaubt

Dames Beschreibung zu ergänzen und zum Teil zu berichtigen.

54 Ernst Stromer. [18]

Das Stück (Taf. VL(II), Fig. 17) gehört offenbar der Mitte der Länge des Rostrums an, ist 280 nm lang und 59-57 mm breit, verschmälert sich also nur ganz allmählich. Seine obere wie untere Seite läßt eine mittlere, ganz wenig konkave Partie von etwa 13 mm Dicke und je eine seitliche davon deutlich abge- setzte schmälere Randpartie erkennen, die 11'5 mm dick ist und nach außen um etwa 5 mm dünner wird, Die Seitenränder verhalten sich beiderseits wie Dames |]. c. sie beschrieb und abbildete, doch ist das von ihm erwähnte kleine Grübchen nur selten vorhanden,

Erwähnenswert ist, daß die zwischen je zwei Querbälkchen liegenden elf konkav-konvexen Ab- schnitte 17'5—16'5 mm lang und nur in der Mitte des Stückes den jenseitigen opponiert sind, hinten aber beinahe alternieren, und daß ihre Oberfläche von dicht stehenden, mit bloßem Auge sichtbaren Poren durchsetzt ist. In geringer Zahl sind solche auch oben und unten auf den Seitenpartien vorhanden, wo außerdem zahlreiche zum Teil verzweigte Gefäßeindrücke, welche meistens von gleich zu erwähnenden Grübchen nach außen laufen, auf der dichten fein faserig erscheinenden Oberfläche zu sehen sind. Die Grübchen, in welchen je ein Gefäßloch mündet, liegen in einer Reihe in der deutlichen Längsfurche, die jederseits die oberflächlich glatte, fein längsfaserige und dichte Mittelpartie begrenzt.

An beiden Enden, besonders an einem polierten Querschnitt mitten durch das Rostrum läßt sich nun folgender Bau erkennen (Taf. VI (I), Fig. 17a): Median liegt ein kleiner, hochovaler Hohlraum ohne eigene Wand, daneben je ein querovaler Kanal mit dichter Wand, wie im mittleren Teil des Rostrums von Pristis. Die seitlichen kleinen Gefäßkanäle, die unter den Furchen sich befinden, sind aber mit Gestein ausgefüllt, etwas unregelmäßig und nur lateral von dichtem Kalk umgeben. Das Ganze ist dann von einer aus Prismen bestehenden Kalkschicht, wie bei Pristis, umhüllt; oberflächlich jedoch ist hier überall eine dichte, faserige Kalkhülle vorhanden.

Dames hatte nur seitliche Partien vor sich und der von ihm abgebildete Querschnitt (l. c. Fig. Ic) enthält bei e nicht nur homogene Gesteinsmasse, sondern auch Reste der Kalkprismenschicht und der Wand des großen Seitenkanals, während von dem kleinen Gefäßkanal nichts zu erkennen ist, Ein von ihm und von mir angefertigter querer Dünnschliff durch die Seitenpartie zeigt das typische Bild eines verkalkten Faserknorpels, in welchem die kleinen Zellräume, wie es schon Williamson (1851, S. 66gff., Taf. XXX, Fig. 29—32) beschrieb und abbildete, in Reihen angeordnet sind. In dem schmalen randlichen Teil laufen diese Reihen wie die doppelbrechenden Fasern und zahlreiche, zum Teil verzweigte Gefäßkanäle ungefähr senkrecht auf die Oberfläche zu, im Innern jedoch sind die Kanäle quer getroffen und der Kalk ist vor allem konzentrisch um sie angeordnet. Die Zellräume sind übrigens zum Teil so unregelmäßig und einige so zackig, daß sie leicht mit den etwas größeren Knochenkörperchen verwechselt werden könnten, wie schon aus Köllikers (1860, S. 147) Erwähnung von »rundlich eckigen und sternförmigen Lücken« im ver- kalkten faserigen Teile der Pristis-Säge hervorgeht.

Der prismatische Teil ist leider zu bröckelig, um einen Schliff zu ermöglichen, aus dem Angeführten geht aber zur Genüge die große Ähnlichkeit des Baues der Propristis-Säge mit der von Pristis hervor und die Unmöglichkeit, die Ränder als Bruchflächen aufzufassen. Dazu kommt noch, daß das an mehreren Stellen erhaltene Chagrin (Taf. VI (I), Fig. 175) ganz dem der Pristis-Säge gleicht.

Die zahlreichen an den Seitenteilen vorhandenen Gefäßspuren, vor allem auch die vielen Mündungen am Rande selbst sprechen nun entschieden dafür, daß hier noch sehr ernährungsbedürftige Gewebe sich befanden, also wohl wie bei Pristis Rostralstacheln, die aber nur in unverkalktem Gewebe und wohl zwischen je zwei Querbälkchen, also dicht hintereinander dem Rande aufsaßen.

Die von Dames (l. c.) dazu gerechneten Stacheln unterscheiden sich, wie oben S. 5I gezeigt wurde, nicht von gewöhnlichen Pristis-Stacheln. Nachdem nun Pristis-Rostra in darüber und darunter liegenden Schichten gefunden sind und zum Teil gleiche Stacheln zu ihnen gehören, muß ichauch Dames’ Originale mit Vorbehalt dorthin zählen, um so mehr, als ihre Basis sich dem Seitenrand der Propristis- Säge nicht gut anpassen ließe. Die im folgenden noch zu beschreibenden Amblypristis-Stacheln sind aber in der Kerun-Stufe, aus der allein die Rostra von Propristis bekannt sind, am häufigsten, ihre Basis (Taf. VL(I), Fig. 13a) ist so porös wie die Oberfläche des Rostrums zwischen je zwei Querbälkchen und fügt sich deren Form gut an, Auch nahm ich (1903, S. 38) an, dafß sie dicht hintereinander gestanden sein mußten,

[19] Dıe Fischreste des mıttleren und oberen Eocäns von Ägypten. 55

und ihre starke Skulptur würde sich auch mit der Annahme gut vereinigen lassen, daß sie, wie andere Stacheln der Haifische, nur locker in der Haut, nicht wie die hierin so ganz exzeptionellen Pristis-Stacheln in Alveolen steckten. Erstlich sind sie aber vorn und hinten ziemlich scharfrandig, also auch an der Basis dünner als die vermuteten Ansatzflächen, dann sind fast alle mir vorliegenden zu groß, um an die gefundenen Propristis-Reste zu passen und endlich sind keine direkt bei ihnen gesammelt worden. Deshalb muß ich die Frage nach ihrer Zugehörigkeit noch offen lassen.

Amblypristis cheops Dames, 1888. Taf. VI (II), Fig. II—14.

Einer gütigen Mitteilung von Herrn Prof. Schweinfurth zufolge liegt der Fundort der Dames- schen Originale (B.), die ich übrigens vor mir habe, 3 km östlich vom Westende der Birket el Kerun, also in der Kerun-Stufe. Die von mir (1903, S. 35—39, Taf. I, Fig. I—5) beschriebenen stammen aus den wenig älteren Mergelschichten des Uadi Ramliöh und nun fand ich auch in jüngeren Schichten, in der Sagha-Stufe des Fajum ein Exemplar (Fr.) in demselben Sandstein, aus welchem das erst beschriebene Sägestück (Fr.) von Eopristis Reinachi stammt (siehe S. 52).

Mehrere Dutzend Exemplare liegen mir aber aus der Kerun-Stufe vor, teils aus der an Zeuglodon- Resten reichen Schicht (M.), teils aus etwas tieferen (St., M.), besonders aus den an Fischresten reichen, weißlichen Mergeln (M., St.). Manche gleichen den von mir abgebildeten Formen und ein ziemlich kleiner unter diesen zeigt sehr schön im skulpturierten und abgenutzten Teil gelbe Anwachsstreifen. Bei den meisten ist aber der zugeschärfte Oberrand so stark konvex, daß er naheam Vorderrand eine stumpfe Spitze bildet und vorn ohne scharfe Grenze in den Vorderrand übergeht, an dem die Skulptur nicht höher reicht als hinten. Dazu gehören die größten, teils relativ hohen, teils breiten (Taf. VI (N), Fig. 13, 13a) Exemplare, deren Maße folgende sind: 26°5 mm breit, bis 27'5 hoch, bis 7 dick und 20 breit, bis 29'5 hoch, bis 8 mm dick. Kleinere unter diesen zeigen die Spitze oben noch deutlicher, z. B. Taf. VI (Il), Fig. 11, 12 und einige, wie z. B. in Taf. VI (II), Fig. 14 abgebildet, werden ganz dreieckig. Der Unterrand ist übrigens stets ein wenig konvex und mit einer Rinne versehen, die oft etwas an dem stumpfen Hinterrand hinauf verläuft.

Die zuletzt erwähnten Formen haben natürlich viel mehr Ähnlichkeit mit Stacheln von Pristis als die von mir zuerst beschriebenen; Stacheln wie die von Pristis brachyodon Cope (1869, S. 312) aus dem Miocän Nordamerikas können äußerlich nahe stehen, auch muß ich das Vorhandensein einer wirklichen Skulptur echter Pristis-Stacheln, von der Vigliarolo (1390, S. 15)sprach, zugeben, und Fig. 3, Taf. VI (I) zeigt ihre Ähnlichkeit mit derjenigen von Amblypristis-Stacheln.

Aber der starke Unterschied der inneren Struktur, den ich (1903, 1. c.) nachwies, rechtfertigt jeden- falls die generische Trennung, auch ist ja die äußere Form der meisten Stacheln doch deutlich verschieden von Pristis-Stacheln und es ist auch erwähnenswert, daß die Kritzer im abgenutzten Teil hier nach hinten unten laufen, also umgekehrt wie bei jenen, wenn man nicht für Amblypristis hinten und vorn umgekehrt als bisher annehmen will. Was endlich die Zugehörigkeit der Stacheln zu anderen gleichalterigen Resten an- belangt, so ist dem oben (S. 54) Ausgeführten nichts hinzuzufügen. Die Rostren von Propristis Schwein- Furthi Dames scheinen mir also als die Träger der Stacheln von Amblyprisiis cheops Dames am meisten in Betracht zu kommen, doch muß es einstweilen bei diesem Hinweis bleiben.

Die Entwicklung der Pristiden und die Sägen der Selachier.

In der oberen Kreide sind Pristidae noch nicht sicher nachgewiesen, denn die von Hasse (1882, S. 124) dazu gerechneten Wirbel könnten nach Smith Woodward (1889, S. 75) auch zu Pfychodus ge- hören und die Stellung von Sclerorhynchus ist, wie oben S. 53 ausgeführt wurde, noch nicht völlig gesichert. Ferner stammen nachSmithWoodward (1889, S. 73, 74) die von Agassiz (l. c., S. 382*) aus dem London- ton von Sheppy beschriebenen Reste höchst wahrscheinlich aus den Bracklesham Beds, es würden dem- nach sichere Reste von Pristiden erst im Mitteleocän nachgewiesen sein. Zu jener Zeit scheint aber nach

56 Ernst Stromer. [20]

meinen obigen Befunden die Familie ihre höchste Blüte erreicht zu haben, sowohl was die Größe als was die Formenmenge anlangt. Ersteres beweisen Pristis ingens mihi und die wahrscheinlich dazu gehörigen isolierten großen Stacheln, letzteres das Zusammenvorkommen mehrerer so stark verschiedener Formen, wie der zwei Pristis-Arten, des neuen Subgenus Eopristis und des stärker abweichenden Genus Pro- pristis mit den vielleicht dazu gehörigen Amblypristis-Stacheln in Ägypten, wozu noch die zur gleichen Zeit in Belgien resp. England existierenden Pristis Lathami und bisulcatus kommen. Die Unterschiede zwischen den rezenten Arten der einzigen Gattung Pristis erscheinen demgegenüber recht gering und bis jetzt wenigstens sind keine derartig großen und mannigfaltigen Reste von Pristiden in jüngeren Ablagerungen als im Mitteleocän gefunden worden, wobei allerdings, wie bei der Besprechung der Myliobatinen (S. 44) zu betonen ist, daß ja fast nur die europäisch-nordafrikanischen und die nordamerikanischen Tertiärschichten genauer durchforscht worden sind.

Wenn unter den genanrten Formen Pristis fajumensis Stromer und vielleicht auch Pr. Lathami Galeotti eine schwächere Befestigung der Stacheln und etwas variable Stellung derselben, Propristis Dames noch keine Alveolen und die Amblypristis Dames-Stacheln eine unregelmäßige Vasodentinstruktur besitzen, so kann dies natürlich alles als Hinweis auf primitive Zustände aufgefaßt werden. Speziell die äußere Ähn- lichkeit des Rostrums von Eopristis mit dem von Sclerorhynchus könnte als Andeutung aufgefaßt werden, daß dieses Genus, wie Hay (l. c., S. 399) annahm und mir auch nicht unwahrscheinlich dünkt, ein Ahne der Pristiden ist. Es ist aber dabei nicht zu vergessen, daß gleichzeitig schon völlig differenzierte Pristis- Arten vorkommen, dafß also die eigentümlichen Strukturformen ihrer Rostren, ihr Chagrin und vor allem auch die Stacheln, welche durch ihre Befestigung in Alveolen und ihr ständiges Wachstum so einzigartig unter den Selachiern dastehen, im Mitteleocän schon genau wie jetzt ausgebildet waren.

Alles nötigt also dazu, eine Reihe von älteren, uns noch unbekannten Pristiden anzunehmen, wobei die in ihrer Struktur leider nicht untersuchten Rostren der oberkretazischen Genera Sclerorhynchus und Scapanorhynchus Smith Woodward einstweilen nur insofern von Wichtigkeit sind, als sie mit Sicherheit die Ausbildung langer, verkalkter Rostren bei verschiedenen jungmesozoischen Selachiern dartun.!) Die Fossilien zeigen demnach nichts, was direkt für oder gegen die Theorie Jaekels (1894, S. 75 u. 79) der Ableitung der Pristidae von Rochenformen spräche, und ich kann dazu nur erwähnen, daß eine Untersuchung der Schleimhautzähnchen eines rezenten Pristis nach Steinhard (1902, S. 45) eine Abstammung von primi- tiven Mustelus-ähnlichen Haien wahrscheinlich machte. Eine genaue, vor allem auch mikroskopische Unter- suchung der Reste von Sclerorhynchus könnte über diese Fragen wohl am besten eine Aufklärung geben, die meiner Ansicht nach kaum im Sinne Jaekels ausfallen wird.

Infolge des Entgegenkommens von Herrn Prof. Lampert war ich aber in der Lage, die Säge von Pristiophorus genauer zu studieren und möchte meine Beobachtungen als Anhang hier mitteilen, weil diese Form häufig mit Pristis im Zusammenhang gebracht wird, trotzdem Jaekel (1890) klar bewies, daß nur eine äußere Ähnlichkeit vorliege, wobei er aber leider den Bau des Rostrums zu studieren versäumte.

Das nicht genauer untersuchte Chagrin ?) fühlt sich am Rumpf wie am Rostrum beim Streichen von hinten nach vorn rauh an, ist also von dem glatten Pflaster von Pristis verschieden; die völlige Ver- schiedenheit des Baues der Rostralzähne zeigte schon Jaekel (l. c.) und Herr Geheimrat Möbius machte mich laut Mitteilung von Herrn Dr. Pappenheim darauf aufmerksam, daß sie "eine solchen Kritzer wie bei Pristis zeigen.

An einem kleinen Alkoholexemplar der Münchner zoologischen Sammlung eines ostasiatischen Pristio- bhorus japonicus Günther, das im Gegensatz zur typischen Form nur je einen kleinen Zahn zwischen je zwei großen Rostralzähnen hat, läßt sich bei durchfallendem Lichte in der Mediane ein wenig vor den Augen ein heller längsovaler Fleck, offenbar der Präfrontallücke entsprechend, erkennen, daneben beginnt jederseits ein bis zum Ende des Rostrums langsam schmäler werdender und dem Partner sich nähernder dunkelbrauner Streifen. Außerdem erscheint nur der äußerste Seitenrand, in dem die Zahnbasen stecken, und

‘) Anmerk.: Eine interessante homologe Bildung ist das verkalkte Rostrum der liasischen Squaloraja, eines Holocephalen (siehe Reis 1895, S. 387, Taf. XII, Fig. 1!).

®) Sieh Günther, 1870, S. 452, 453, und Jaekel, 1890, S. 89!

[21] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 57

die Ansatzstelle der Cirren dunkel. Die zwischen den Streifen liegende Mittelpartie ist dorsal wie ventral etwas gewölbt, bei dem hier etwas eingetrockneten Stuttgarter Exemplar aber ein wenig eingesenkt, wie es Müller und Henle (S. 98) angaben; es ist das also wohl nur eine Folge von Einschrumpfung. Dieses etwas größere Alkoholexemplar, von Victoria in Australien stammend, läßt sich mit keiner der Güntherschen Arten identifizieren, gleicht aber in der Bezahnung des Rostrums dem Pristiophorus nudipennis. Sein Rostrum ist vor den Nasenlöchern 190 mm lang und ich machte einen Querschnitt 23 mm vor den Cirren und 98 hinter dem Vorderende. (Siehe Taf. VI(II), Fig. 16!) Er zeigt nun, daß anscheinend nur unter der Haut in der mitt- leren Partie und ganz am Seitenrand, dort wo Stacheln sind, verkalktes Gewebe vorhanden ist, daß aber zwischen dem Rand und den braunen Streifen unter ihr Lücken sich befinden, die vielleicht nur durch Schrumpfen des lockeren Bindegewebes entstanden sind. Der unverkalkte Knorpel, der vielleicht bei alten Indi- viduen verkalkt, enthält median einen wohl mit lockerem Gewebe erfüllten Längs-Kanal und ist in der mitt- leren Partie am dicksten, daneben ziemlich dünn und ganz seitlich wieder verdickt. Man könnte diese dickeren Parteien als die verlängerten und nur durch dünne Knorpelplatten verbundenen drei Schnauzen- knorpel anderer Haie betrachten (siehe Gegenbaur, 1872, Seite 87!) während der mittlere Kanal offenbar der bei Rhynchobatus wie ja auch bei Pristis vorhandenen Fortsetzung der Präfrontallücke homolog ist. Im übrigen ist der Bau des Pristiden-Rostrums (siehe z. B. Taf. VI (I), Fig. 15 a@ und 17a) ein ganz anderer und entspricht, wie schon Gegenbaur (1872 S. gıff.) ausführte, einem anderen Typus, dem der Rochen. Es ist also mein Befund in jeder Beziehung geeignet, die Jaekel’schen Ausführungen zu bekräftigen, daß Pristiophorus gar nicht mit Pristiden verwandt ist, und sich den Haien anschliefft. Die Entwicklung einer »Säge« bei ihm ist also ein schönes Beispiel für eine Konvergenzer- scheinung,

Mir gelang es leider auch hier nicht, etwas Sicheres über die Lebensweise zu ergründen, denn eine Untersuchung des Mageninhaltes ergab kein Resultat, da er schon zu sehr zersetzt war; wenigstens konnte ich weder durch Jodfärbung Zellulose noch unter dem Mikroskop deutbare Gewebereste finden, Herr Dr. Pappenheim hatte aber die Güte, mir eben vor Abschluß der Korrektur mitzuteilen, daß er im Magen von Pristiophorus nur Fischreste fand. Es lebt also dieses Tier wie Pristis und benützt wohl auch seine Säge wie er. Ihre Rostral-Zähne sind aber nur locker befestigt, wie es auch mit denjenigen von Sclerochynchus und Propristis der Fall war, und sie sind, wie wohl auch die des ersteren, von größeren Hautzähnen z. B. der Ventralreihen des Rostrums, nicht sehr verschieden, während Pristis auch in dieser Be- ziehung viel stärker specialisiert ist.

Literatur-Verzeichnis zum Abschnitt IA.

Agassiz L.: Recherches sur les Poissons fossiles. Tome 3 et Atlas, Neuchatel 1833—1843.

Clark W. B.; The eocene Deposits of the middle atlantic Slope. Bull. Unit. St. geol. Surv., Nr. 141, S. ı3ff, Taf. VII, Washington 1896.

CopeE.D.: Description of some extinct Fishes previously unknown. Proc. Boston Soc. nat. Hist., Vol. 12, S. 312, Boston 1869.

Dames W.: Über eine tertiäre Wirbeltierfauna von der westlichen Insel des Birket el Ourün im Fajum (Ägypten.) Sitz.-Ber. d. k. preuß. Akad. d. Wiss., Bd. VI, S. 129-153, Taf. III, Berlin 1883.

Dames W.: Amblypristis cheops n. g. n. sp., aus dem Eocän Ägyptens. Sitz.-Ber. Ges. naturf. Freunde, S. 106—-109, Berlin 1888.

Delfortrie M. E.: Les Broyeurs du Tertiaire aquitanien. Actes Soc. linneenne, Ser. 3, Tome 8, S. 213—236, Taf. IX—XII, Bordeaux 1372.

Dixon Fr.: The Geology and Fossils of the tertiary and cretaceous Formations of Sussex. London 1850.

Dume£ril Aug.: Histoire naturelle des Poissons. T. ı, Elasmobranches, et Atlas, Paris 1865.

Eastman Ch. R.: Pisces. Maryland geol. Survey, Eocene, S. 98—115, Taf. XII—-XV, Baltimore 1901.

Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVII.

58 Ernst Stromer. - [22]

Galeotti M. H.: Me&moire sur la Constitution geologique de la Province de Brabant. M&moires cour. par l’Acad. R. Sci., T. 12, S. 45—47, Taf. II, Bruxelles 1837.

Gegenbaur C.: Das Kopfskelett der Selachier. Untersuchungen z. vergleich. Anat. d. Wirbeltiere. Hft. 3, Leipzig 1872.

Geinitz H. B.: Über neue Funde in den Phosphoritlagern von Helmstedt. Abh. Ges. Isis, Bd. 5, S. 37 ff., Taf. II, Dresden 18833. k

Gervais P.: Zoologie et Pal&ontologie frangaises. T. I et Atlas T. 3, Paris 1848—1852.

Gibbes R. W.: On the fossil Genus Basilosaurus Harlan ete. Journ. Acad. nat. Sci., Ser. 2, Vol. I, S. ıı, Taf. I, Philadelphia 1847—1850.

Günther Alb.: Catalogue of the Fishes in the british Museum. Vol. 8, London 1870.

Hannover: Om Bygningen og Udviklingen af Skjael og Pigge hos Bruskfisk. K. Danske Videnskabernes Selskabs Skrifter, Ser. 5, Bd. 7, S. 485—529, 4 Taf., Kjöbenhavn 1868.

Hasse C.: Das natürliche System der Elasmobranchier. Besonderer Teil, Jena 1882.

Hay O. P.: On a Collection of upper cretaceous Fishes from Mt. Lebanon, Syria etc. Bull. Amer. Mus. nat. Hist. Vol. 19, S. 395—452, Tat. XXIV—-XXXVI, New-York 1903.

Jaekel ©.: Über die systematische Stellung und über fossile Reste der Gattung Pristiophorus. Zeitschr. D. geol. Ges., Bd. 42, S. 86-120, Taf. II-IV, Berlin 1890.

Jaekel O.: Die eocänen Selachier vom Monte Bolca. Berlin 1894.

Kölliker A.: Über den Bau der Säge des Sägefisches. Würzburger naturw. Zeitschr., Bd. I, S. 144199, Würz- burg 1860.

Latham John: An Essay on the various Species of Sawfisch. Trans. Linnean Soc., Vol. 2, S. 273—282, London: 1794.

Leidy Jos.: Description of Vertebrate Remains, chiefly from the Phosphate Beds’of South Carolina. Journ. Acad. nat, Sci., Ser. 2, Vol. 8, S. 209—261, Taf. XXX—XXXIV, Philadelphia 1874— 1881.

Müller J. und Henle J.: Systematische Beschreibung der Plagiostomen. Berlin 1841.

Owen R.: Odontography. Vol. I u.2, London 1840— 1845.

Priem E.: Note sur Propristis Dames du Tertiaire inferieur d’Egypte. Bull. Soc. geol. de France, Ser. 3, Vol. 25, S. 228232, Paris 1897.

Probst: Beiträge zur Kenntnis der fossilen Fische aus der Molasse von Baltringen, II. Batoidei. Würtemberg, naturw. Jahreshefte, S. 69—103, Taf. I, II, Stuttgart 1877.

Reis O.: On the Structure of the frontal Spine and the rostrolabial Cartilages of Squaloraja and Chimaera. Geol. Magaz. Dec. 4, Vol. 2, S. 385—391, Taf. XII, London 1895. N

Sauvage H. E.: Notes sur les Poissons fossiles (suite). Bull. Soc. geol. France, Ser. 3, Vol. 6, S. 623—637, Paris 1877-1878. t

Steinhard O.: Über Placoidschuppen in der Mund- und Rachenhöhle der Plagiostomen.' Dr. Diss. Bern, Berlin 1902.

Stromer E.: Haifischzähne aus dem unteren Mokattam bei Wasta in Ägypten. N. Jahrb. f Miner. etc., 1903, I, S..29— 4I, Taf. I, Stuttgart 1903. | -

Stromer E.: Myliobatiden aus dem Mitteleocän der bayrischen Alpen. Zeitschr. D. geol. Ges., Bd. 56, S.259—267, Taf. XVI, Berlin 1904.

Stromer E.: Ein Beitrag zur Kenntnis des Myliobatiden-Gebisses. Ibidem, briefl. Mitteil., S. 203—207, Berlin I904a.

Vigliarolo G.: Monografia dei Pristis fossili con la Descrizione di una nuova Specie nel Calcare di Lecce. Mem. Accad. Sci. fis. e mat., Ser. 2, Vol. 4, Napoli 1890. >

Williamson W. C.: Investigations into the Structure and Development of the Scales and Bones of Fishes. Philos. Trans. R. Soc., Pt. 2, S. 643—702. Taf. XXVIII-XXXI, London 1851. 4

Woodward, A. Smith: Notes on the Determination of the fossil Teeth of Myliobatis, with a Revision of the english eocene Species. Ann. a. Magaz. nat. Hist., Ser. 6, Vol. I, S. 36—47, Taf. I, London 1888. Woodward, A. Smith: Catalogue of the fossil Fishes in the british Museum, Pt. ı, Elasmobranchii. London 1889. Wooward, A. Smith: Remarks upon an extinct Saw fish (Sclerorhynchus atavus) and exhibition of a fragment' of its rostrum, Proc. zool. Soc., 1889, S. 449—451, London 1889, \ Woodward, A. Smith: Description of the cretaceous Saw-fish Sclerorhynchus atavus. Geol. Magaz. Dec. 3, vol, 9, S. 529-534, London 1892.

Woodward, A. Smith: On the Dentition of a gigantic extinct Species of Myliobatis from the lower Tertiary of Egypt. Proc. zool. Soc., 1893, S. 558—559, Taf. XLVIII, London 1803.

Woodward, A. Smith: Notes on the Teeth of Sharks and Skates from english eocene Formations. Proc. Geol.' Assoc., Vol. 16, 1899.

Zigno, Ach. le: Nuove Aggiunte alla Fauna eocena del Veneto. Memorie R. Istit. del Veneto, Vol. 21, S. 783—784 Taf. XV, Venezia 1879— 1882.

NACHTRÄGE ZUR FAUNA VON STRAMBERG,

VI. CRINOIDEN-, ASTERIDEN- UND ECHINOIDEN-RESTE AUS DEM WEISSEN KALKSTEIN VON STRAMBERG.

Von

Dr. M. Remes. Mit einer Tafel (VII).

Crinoidenreste kommen im weißen Kalkstein von Stramberg nicht häufig vor. Hohenegger ist, so weit mir bekannt, der älteste Autor, welcher solche erwähnt. In seiner bekannten Arbeit: »Die geo- gnostischen Verhältnisse der Nordkarpathen ete. 1S61« führt er von Crinoiden an (p. 21):

Apiocrinites Mmuelleri, Schloth. » flexuosus, Goldf. » mespiliformis, Schloth. » rosaceus »

v. Zittel nennt Phyllocrinus Hoheneggeri n. sp. aus dem Neocom von Stramberg.!) Ebenda- selbst (l. c. p. 162) sagt er: »eine vierte noch unbeschriebene Art findet sich im obertithonischen Stram- berger Kalk.« Jaekel beschreibt in der Abhandlung über Holopocriniden aus den neocomen Mergeln von Stramberg: Cyriocrinus Thersites n. sp., Sclerocrinus strambergensis n. sp., Eugeniacrinus Zitteli n. sp:, Phylloerinus intermedius n. sp. Diese Neocommergel sind aber wie an anderen Orten erwiesen wurde eigentlich auch Tithon. In den Brüchen des roten Kalksteins sind sie zum großen Teile rot gefärbt, sonst aber auch weißlich und grau. Die hier zu beschreibenden Crinoiden stammen nicht aus diesen weißlichen Kalkmergeln, sondern aus dem echten dichten Stramberger weißen Kalkstein. In den mergeligen Partien kommen zum Teil diejenigen Arten vor, welche ich aus der »Echinodermenfacies» des Stramberger Tithon in der »Fauna des roten Kalksteins« (Nesselsdorfer Schichten) (Nachträge zur Fauna von Stramberg I) auf Grundlage reichlicher Funde beschrieben und abgebildet habe. Die vorliegenden Crinoiden meiner Sammlung sind teils im Bruche des Kotou£, teils im Gemeindesteinbruch gefunden worden, ich war nicht mehr in der Lage für jedes Stück zu eruiren, welchem von den beiden genannten Steinbrüchen es entstamme. Es ist gewiß eine auffallende Tatsache, daß diese Arten aus dem weißen Kalkstein mit jenen der Echinodermenfacies nicht übereinstimmen. Es wurde bis jetzt keine Art konstatiert, welche beiden Partien des Stramberger Tithon gemeinsam wäre. Ferner fällt die verhältnismäßig geringe Zahl, sowohl der Arten als auch der Individuen auf. Obwohl meine Sammlung reichlich Fossilien aus dem weißen Kalkstein enthält, so verfüge ich nur über wenige Crinoidenstücke aus diesem Gesteine. In der Wiener

2) v. Zittel: Die Fauna der älteren Cephalopoden-führenden Tithonbildungen, Cassel 1870, p. 277 mit Text- figur I—6. g#

ee Dr. M. Remes. [2]

k. k. geologischen Reichsanstalt ist ebenfalls nur eine geringe Anzahl derselben vorhanden, im Münchener Paläontologischen Museum nach brieflicher Mitteilung des Herrn Prof. Dr. Pompeckj keine. Es ist mir nicht bekannt, wo die obgenannten Hoheneggerschen Exemplare aufbewahrt sind.

Von Asteriden kommen im weißen Kalkstein nur unbedeutende Reste vor.

Die Revision der Echinoiden meiner Sammlung ergab als bescheidenes Resultat: Konstatierung einer neuen Lokalität für eine schon bekannte Art, ferner eine neue Cidarisart, welche jedoch nur in einem, aber charakteristischen Stachel erhalten ist.

Die Seltenheit der erwähnten Funde sowie das Bestreben, unsere gegenwärtigen Kenntnisse der Stramberger Fauna zu vervollständigen, haben mich veranlaßt, auch das wenige neue, was ich an Echino- dermen besitze, zu publicieren. Aus diesem Grunde sind auch die vorgefundenen Stücke zum größten Teile abgebildet.

Für die Unterstützung bei dieser Arbeit bin ich zum Dank verpflichtet den Herren: F. Bather in London, P. de Loriol le Fort in Frontenex und Dr. Tietze, Direktor der k. k. geologischen Reichs- anstalt in Wien. Ich bekenne es hier gern öffentlich,

Crinoidea. Eucrinoidea. (Artieulata,. Joh. Müller.)

Fam. Holopocrinidae, Jackel.

Gen. Cyrtocrinus, Jaeckel,

(Torynocrinus, Seeley.)

Cyrtocrinus digitatus n. sp. (Fig. I, a,b.)

Ein einziges Exemplar, an dem nur die Patina gut erhalten ist, vom Stiel der größte Teil abge- brochen. Es mißt etwa 15 mm Höhe, 14 mm Breite, I0O mm Dicke. Die Patina ist dick, halbkugelig gewölbt. Verwachsung der Costalia prima und der Patina mit dem Stiel sehr fest. Von der ersteren sind nur mit Mühe undeutlich die Nähte zu unterscheiden, von letzterer keine Spur sichtbar, daher auch nicht zu entscheiden wie die Patina mit Stiel verbunden war. Jedenfalls ist sie kaum schief gestellt. Die Die Ventralhöhle ist geräumig; die Armfurchen tief, Die Gelenkflächen der Patina erscheinen wie gestielt und sind durch tiefe Einschnitte voneinander getrennt. Gerade dieses Merkmal, welches ich bei anderen Cyrtocrinusarten nicht vorgefunden habe, verleiht der Art ihr charakteristisches Aussehen und ist für sie bezeichnend. Die Zeichnung der Gelenkflächen ist durch Abrollung etwas verwischt, doch kann man An- deutungen von Muskelgruben und Reste von Axialkanal und Ligamentgrube, wenigstens an einzelnen

unterscheiden. Außenfläche des Stückes erscheint glatt. Der Stumpf des Stieles ist ziemlich dick. Arm- glieder unbekannt.

Fam. Apiocrinidae. d’Orb, Gen. Thiollierierinus, Etallon, Thiolliericrinus Heberti, P. de Lorio!l.

(Fig. 24—c, 3a—(c.)

1868. Eugeniacrinus Heberti, P. de Loriol in Pictet, Etude provisoire d'Aizy, Mel. pal. IV. p. 281, pl. XLII, Fig, 7—8.

1871. > » Pillet. L’etage tithonique A L&menc, tirage a part, p. 6. (Archives de la Bibl. univers, de Ge-neve, 3. Serie, t. 42. 1878. > » » Pillet. Descer. geol. et pal. de Lemenc, p. 98, pl. X, Fig. 31.

1889. Thiolliericrinus Heberti, P, de Loriol. Paleontologie francaise, ter. jurassique, Tome XI, 2, partie, Crinoides p. 545, p}. 228, Fig. I—II, Pl. 229, Fig, I.

[3] Nachträge zur Fauna von Stramberg,. 61

Die Art kommt im weißen Kalkstein ziemlich häufig vor. Die Kelche sind abgerollt. Sie variieren in der Dicke des Centrodorsale und in der Ausdehnung der Gelenkflächen, so daß man: mitunter an zwei verschiedene Arten denken könnte. Zwei derartige Kelche sind an Fig. 2 a—c und 3 a—c abgebildet. Diese Variation scheint Hohenegger veranlafßt zu haben, mehrere Arten zu bestimmen. Die Gelenkflächen für die Cirrhen waren sehr oberflächlich und sind daher schwer zu sehen. Ihre Lage ist an den Bildern angedeutet. Diese Art wird von Loriol aus dem Sequanien angeführt, und zwar nennt er die Lokalitäten: Vigne Droguet bei L&menc (Haute-Savoie), Echaillon (Isere); Cazilhac bei Ganges (H£rault). Esplöche bei Sauve (Gard.)

Thiollierierinus flexuosus, Etallon (Goldfuss.) (Fig. 4a, b, 5, 6 a—d.)

1829. Apiocrinites flexuosus, Goldfuss. Petrefacta Germaniae, t. I, p. 186, Taf. LVII, Fig. 4. 1840. Bourgueticrinus flexuosus, d’Orbigny. Histoire des crinoides, p. 98, Taf. XVII, Fig. 13, 15.

1848. » » Bronn. Index pal., p. 173.

1851. Apiocrinites flexuosus, Quenstedt. Flötzgebirge Württemberes. 2. Auflage, p. 468. 1852. » » » Petrefactenkunde, p. 612, Taf. LII, Fig. 17. 1858. » » » Der Jura, p. 721, Taf. LXXXVI, Fig. 11.

1859. Thiollierierinus flexuosus, Etallon. Etudes pal. sur le Haut-Jura, Corallien, II, p. 46. 1860. » » » Paleontostatique du Corallien du Jura, p. 19.

1861. Apiocrinites flexuosus, Hohenegger. Die geognostischen Verhältnisse der Nordkarpathen etc. p. 21.

1867. Thiollierierinus flexuosus, Frere Ogerien. Hist. nat. du Jura, t. I, Geologie, fasc. I, p. 621.

1876. Apiocrinus flexuosus, Quenstedt. Echinodermen, p. 337, Taf. CLV, Fig. 57 et 58.

1879. Thiollierierinus flexuosus, P, de Loriol. Monographie des crinoides fossiles de la Suisse, p, 194, Taf. XVII, Fig. 8—10,

1889. » » » Pal&ontologie frangaise. Terrain jurassique. Tome XI, Deuxieme partie, p- 553, Taf. 229, Fig. 2—8.

Einige Kelche gehören zweifellos zu dieser Art. An dem Stücke Fig. 6a—d aus der Sammlung der geolog. Reichsanstalt sind Reste von Cirrhen deutlich sichtbar; an Fig. 5 ist der isolierte erste Radialring von unten zu sehen. Die hier vorhandene Cavität ist für die Aufnahme des Kopfes vom Centrodorsale bestimmt.

Thiolliericerinus flexuosus wird aus dem Jurakalk Württembergs angeführt. Goldfuss nennt den weißen Jura e von Nattheim; Loriol: Valvin, Montagnole (Jura) Sequanien.

Von Arm- und Stielgliedern des Genus Thiollierierinus bilde ich mehrere ab. Von Armgliedern zwei Axillaria. (Fig. 7a—c, Sa—c.) Es läßt sich sehr schwer oder gar nicht entscheiden, zu welcher von den beiden genannten Arten diese Stückchen gehören. Das Exemplar 13 a—c stimmt zweifellos mit dem Stiel- glied überein, welches schon Goldfuss als Apiocrinites flexuosus abgebildet hat, doch werden genau solche Stücke von Loriol als zu Thiollierierinus Heberti gehörig abgebildet (cf. 1. c. Taf. CCXXVILI, Fig. 9@a5d und ein viel dickeres Fig. 12@5b derselben Tafel), Nach den Abbildungen bei Loriol zu schließen, sind die Stielglieder des Thiolliericrinus Heberti mehr elliptisch, die des 7h. flexuosus mehr rundlich (im Querschnitt). Armglieder führt Loriol nicht an,

Das Axillare eines Thiollierierinus habe ich in einem Exemplar auch von Liebisch (Libhost) bei Freiberg gesehen. Dieser Fundort tithonischer Petrefacten ist noch wenig bekannt.

Gen. Apiocrinus, Miller.

Apiocrinus sp. (Fig. 15, Ida, b.)

Einige Stielglieder reihe ich hier ein. Dieselben sind rund, ziemlich dick, Aufßenfläche glatt, an den Gelenkflächen sieht man dichte, vom centralen Nahrungskanal bis zur Peripherie ausstrahlende Furchen. Es sind mir vier Exemplare solcher Stielglieder vorgelesen, an zweien aus der Sammlung der geolo- gischen Reichsanstalt habe ich eine Höhe von 30 bis 35 mm, bei einer Breite von IS und 12 mm

62 Dr. M. Reme®. [4]

gemessen. An meinen Exemplaren kann man konstatieren: I. größeres Stück: 15 mm Höhe, 17 mm Breite; 2. kleineres Stück: 9 nm Höhe, S mm Breite, Es sind hier auch die einzelnen Glieder deutlich zu unter- scheiden; sie sind bei I. etwa 2'5—3 mm, bei 2. I mm und etwas mehr dick. Alle diese. Stielglieder gehören wohl zu derselben Art, welche nicht näher angegeben werden kann, doch zweifellos ein Apro- erinus ist. i

Ein nicht näher bestimmbares Stielglied eines Crinoiden sei wegen seiner von den im Stramberger Kalkstein vorkommenden Crinoidenstielen abweichenden Gestalt, erwähnt. Es ist annähernd cylindrisch, von 5 mm Höhe. Die Gelenkflächen sind elliptischh, mit einem Durchmesser von 5 bis 6 mm. Die eine Gelenkfläche ist etwas gewölbt, mit einer Andeutung eines Axialkanales in der Mitte, die andere zeigt eine breite, ziemlich tiefe Grube. An der Außenfläche ist keine Skulptur wahrzunehmen.

Pseudosaccocoma strambergense n. gen. n. sp. (Fig. 17a b, 18, 22ab, 23a b.)

Relativ häufig findet man in Stramberg einen Crinoiden, der beim ersten Anblick an Saecocoma erinnert. Es ist leider immer nur die dorsale Partie des Kelches bloßgelegt gefunden worden, die ventralen Teile habe ich an keinem Exeniplare bloßlegen können, so sehr ich mir auch Mühe nahm. Vielleicht gehört ein (Fig. 18) abgebildetes Crinoidenstück aus dem Kalkstein von Skali&ka hieher und es möchte dann ‚den ventralen Kelchteil darstellen. Der ganze Habitus des Stückes spricht für die Zusammengehörigkeit und außerdem ist gerade Pseudosaccocoma strambergense (in der Erhaltung wie in Stramberg) der einzige Crinoid, den ich bis jetzt von Skalicka kenne. Die Beschreibung des Fossils kann nach dem Gesagten keine vollständige sein und daher auch die Stellung desselben im System nicht ganz sicher. Wenn ich mich trotzdem zur Publikation veranlaßt sah, so geschah es deshalb, weil die Art im weißen Stramberger Kalke nicht eben selten vorkommt und durch seine auffallende Gestalt die Aufmerksamkeit der Sammler auf sich ziehen muss.

Die Kelche sind recht groß, von pentagonalem gerundeten Umriß, halbkugelig gewölbt, mitunter etwas konisch. Vier Exemplare meiner Sammlung haben nachfolgende Dimensionen:

Größte Höhe: Größte Breite: I... 17 mm 27 mm 23 >) 23

Se, ı OR» 20 »

A. a: 16 »

Von einem mittleren Grübchen, welches von einem fünfeckigen, nicht immer deutlich sichtbaren Feld umgeben ist (Basale), strahlen fünf deutliche Furchen gegen den Rand hin aus. Der Rand ist an keinem Exemplar vom Gestein loszutrennen, so viel scheint jedoch sicher, daß er an den Stellen, wo die Furchen in ihn einmünden, deutlich vorspringt. Interessant ist die Skulptur dieser dorsalen Partie, welche besonders gut an dem Exemplar (Fig. 224,5) zu sehen ist, Von dem centralen Grübchen entspringen zwischen je zwei Furchen fächerförmige, scharfe Rippchen, welche sich gegen die Peripherie hin dichotomisch teilen. Die Mehrzahl der so entstandenen Ästchen strebt nach beiden Seiten den erwähnten Furchen zu und trifft hier mit den Ästchen des benachbarten Feldes unter einem spitzen Winkel zusammen. Nur die obersten Ästchen reichen bis zum Rande des Kelches und bilden hier zahlreiche größere und kleinere Feldchen. An den zwei anderen ebenfalls abgebildeten Stücken ist die Zeichnung etwas abweichend. Bei der Präparation eines solchen Crinoiden aus dem Gestein ist mir das Exemplar zerbrochen. Ich konnte nun konstatieren, daß diese Rippchen von der Oberfläche in die Bruchfläche hinein deutlich verfolgt werden können. Dabei war ich erstaunt zu sehen, daß die Platten (Radialia) am Bruch eine Dicke von 5 bis 6 mm haben. (Ex. 1.) An einem anderen Stücke ist der obere Teil des Kelches abgebrochen. Auch hier fällt die bedeutende Dicke der Platten auf sie beträgt 3—4 mm. (Ex. 4.) Gehört das von Skalilka abgebildete Stück hieher, so möchte es die obere ventrale Partie des Kelches darstellen, nämlich die Oralplatten mit der Mundöffnung, Wie aus der Abbildung ersichtlich, ist es eine ziemlich ebene Platte, die Mitte wenig vertieft, fünf deutliche

[5] Nachträge zur Fauna von Stramberg. 63

Furchen ziehen von ihr gegen die Peripherie und bilden so fünf Felder. Man sieht nun wie jedes von diesen fünf Feldern gegen den Rand gewölbt und dann hier durch eine Furche und eine der Seite des Fünfeckes entsprechende Leiste abgegrenzt ist; die näheren Details des Randes sind durch Gesteinsmasse, die sich nicht wegpräparieren läfst, verdeckt.

Wenn wir die Beziehungen dieses sonderbaren Crinoiden zu verwandten Formen prüfen, so finden wir, daß er einerseits in die Nähe von Saccocoma, anderseits an Plicatocrinus anzureihen ist. An Sacco- coma erinnert erstens die Zusammensetzung und die Form des Kelches, dann die Ornamentik der Radialia, dagegen bringt ihn das Fehlen von Furchen sowie die Festigkeit der Platten näher an Plicatocrinus. Über die Lage der Arme läßt sich an den Stramberger Exemplaren nicht viel sagen. Aus den angeführten Merk- malen erhellt deutlich die Sonderstellung des beschriebenen Crinoiden,

Asteroidea. Stelleridae.

Reste von Seesternen waren aus dem weißen Kalkstein von Stramberg noch nicht bekannt, aus dem roten Kalkstein habe ich sie zuerst beschrieben. Die abgebildeten Stückchen sind Randplatten, welche keine nähere Bestimmung zulassen, doch zu einem Vergleich mit solchen von Asteropecten auffordern. (Fig. I9 a—c, 20 a—.c.)

Echinoidea. Diplocidaris Etalloni, de Loriol. Wird von Cotteau aus dem Kalk von Inwald und Kotzobenz angeführt. Ein Exemplar meiner

Sammlung stammt von Stramberg und ist für diese Lokalität neu.

Cidaris moravica n. sp. (Fig. 21 ac.) Es ist nur ein Stachel vorgefunden worden. Derselbe zeigt jedoch eine derart auffallende Form und Verzierung, daß eine Sonderstellung berechtigt erscheint. Dimensionen: Höhe 13 mm Größte Breite: I2 » Gestalt birnförmig. Die größte Breite wird annähernd an der Grenze zwischen oberem und mittlerem Drittel erreicht. Die unteren zwei Drittel sind von deutlichen, mit Körnern besetzten Leisten durchzogen. Jede Leiste endet oben in einem recht großen Höcker. Das oberste Drittel des Stachels ist nur zum Teile erhalten. Man sieht, daß hier am Gipfel ebenfalls eine Gruppe von Höckern war. Zwischen dem Gipfel und den erwähnten, die Rippen nach oben abschließenden Höckern sind die Reste eines zweiten Kranzes von Höckern zu sehen. Gegen die Ansatzstelle, welche eine ziemlich tiefe Grube darstellt, ist der Stiel

eingeschnürt.

053

Ä

-\ r / . y;: 3 i - 5 N Ä 2 - x h : i 4 B 5 7 AT { = Imsiar dar k agent ia ba 2 FRA‘ y PR & r an: Rn 2 14 aaa tics Sue Bullen. k ni 1a Dinuhsen un Ar OT Su Br er 1 iz £ >= 5 m i Pi "Yr \ y gr £ ER, >. ch sbian , 4 # R u r R EFT TU EI 31 At Une AS: ; ERSTE Kia A 1 2 > ur . . r * 5 h Ss. arte Binsiyarn, Safe Ihrkait Asset ee { er ae Flag. Beler H8h, Blaelo zus ra SB ee BR ER I N

- f

east sh aaa Zum madabht say aueh als: allaladin az a

eurer ach a sagst Shi, ala aan en ee

2 Bi : un gar r h er BIRNEN DOUSUN am Dear Sb An

ur

Isild 93.238 Hllstak ar) Sb‘

5

art j Prı®e'r Fe bh

Zr TE I Al Pr N

{ A Ei =er725 En sk ver u en a :- un TUE B =

3 2 jr no 277 Bir en y 5 Zn, 3

“Da

DIE BRACHIOPODEN- UND MOLLUSKENFAUNA DES GLANDARIENKALKES,

Von

Lothar Krumbeck.

Mit 7 Tafeln (VIII-XIV).

Vorwort.

Das Material für diese Arbeit verdanke ich den wohlwollenden Bemühungen meines verstorbenen hochverehrten Lehrers, des Herrn Geheimrat Prof. Dr. v. Zittel. Auf seine Anregung hin stellte es mir Herr Dr. Blanckenhorn im Sommer 1903 in liebenswürdigster Weise zur Verfügung.) Der größte Teil der Fossilien wurde von Herrn Prof. Zumoffen aus Beirut im Jurakalk des westlichen Liba- non eigenhändig gesammelt. Der Rest entstammt der Privatsammlung des Herrn Dr. Blanckenhorn.

Es ist mir nun eine sehr angenehme Pflicht, dem letztgenannten Herrn verbindlichsten Dank abzu- statten für sein freundliches Entgegenkommen wie für die bereitwillige Auskunft, die er mir des öfteren gewährt hat.

Herr Prof. Dr. E. Fraas unterstützte mich in zuvorkommender Weise durch die Übersendung der Brachiopoden, die sein Vater im Salimatal gesammelt hatte. Ihm wie Herrn Hofrat Prof. Dr. Steinmann, welcher mir als hervorragender Kenner fossiler Hydrozoen seinen wertvollen Rat zu teil werden ließ, sage ich gleichfalls besten Dank.

Besondere Freude aber bereitet es mir, mit Wärme der vielseitigen Belehrung und Förderung zu gedenken, welche mir die Herren Prof. Dr. Pompeckj und Prof. Dr. Rothpletz angedeihen ließen,

Es liegt mir ferner am Herzen, den Herren des münchner paläontologischen Museums meinen lebhaften Dank auszusprechen für die selbstlose Bereitstellung der Hilfsmittel, deren ich für meine Zwecke bedurfte.

Einen beträchtlichen Aufwand an Zeit und Mühe erforderte die Präparation eines großen Teiles der Muscheln und Schnecken, deren Wirbel- bzw. Mündungsregionen dem harten Kalk erst abge- wonnen werden mußten.

Ursprünglich ist es nur meine Absicht gewesen, eine Beschreibung der Arten zu geben. Die Be- schäftigung mit den Bestimmungsresultaten ergab dann aber die Notwendigkeit einer gedrängten Übersicht über die verschiedenen Etappen in der Forschungsgeschichte des Glandarienkalkes. Ihre Kenntnis

!) Die vorliegende Arbeit bildet die Fortsetzung der im XV. Bande dieser Beiträge erschienenen Veröffent- lichung über »Die fossile Fauna des libanesischen Jurakalkes« von Rauff, Felix und Blanckenhorn (1. Teil, Die Anthozoenfauna des Glandarienkalkes von J. Felix). Der gemeinsame Titel wurde hier fallen gelassen, da Herr Lothar Krumbeck an Stelle Herrn Blanckenhorns getreten ist. Die Herausgeber

Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVIII. 9

66 * Lothar Krumbeck. [2]

erscheint mir als unentbehrlich für eine richtige Würdigung dieses noch so wenig bekannten und so viel- versprechenden Formationsgliedes. Mit fortschreitender Vertiefung in den Stoff sah ich mich weiterhin ver- anlaßt zu einer kurzen Besprechung der Malmvorkommen der orientalischen und deräquatorialen Region im Hinblick auf ihre stratigraphische Stellung und ihre faunistischen Beziehungen zum libanesischen Jura. Dabei ergaben sich dann neue Gesichtspunkte, welche eine abermalige Erweiterung der Materie zur Folge hatten. Dem Ganzen wird eine Liste der zitierten Autoren vorangestellt, die zukünftigen Bearbei- tern der jurassischen Tierwelt des Libanon von Nutzen sein möge.

Die systematische Gliederung der Fauna wurde auf die Neuauflage der Zittelschen Grund- züge !) basiert.

Was endlich die Schreibweise syrischer Lokalnamen anbetrifft, so akzeptiere ich die von Felix?) angewandte Bezeichnungsart.

Die nachfolgende Arbeit gliedert sich folgendermaßen :

A. Autorenverzeichnis.

B. Einleitung. Übersicht über die Forschungsgeschichte des Glandarienkalkes nebst einer Schlußnotiz über die Gesteinsbeschaffenheit und über den Erhaltungszustand der Petrefakten.

©. Paläontologischer Teil. Beschreibung der Arten nebst einem Anhang.

/D, AlNSemeiner Weanll

1. Allgemeines.

D

Beziehungen der Fauna des Glandarienkalkes zum mitteleuropäischen Malm. Tabellarische Übersicht.

Stratigraphische Endergebnisse.

Allgemeiner paläontologischer Karakter der Fauna.

Bionomische Bemerkungen,

(sp en a an ee

. Paläogeographische Untersuchungen.

Autorenverzeichnis.

1840. Agassiz. Etudes critiques sur les mollusques fossiles. M&moire sur les Trigonies. Neuchätel.

1842. Agassiz. Etudes critiques sur les mollusques fossiles. Monographie des Myes. Neuchätel.

1882. Alth. Die Versteinerungen des Nizniower Kalksteines. Beitr. z. Paläont. Öster.-Ung. u. d. Orients, Bd. 1, Heft 3, 4.

1875. v. Ammon. Die Juraablagerungen zwischen Regensburg und Passau. München,

1896. Anastasiu. Note preliminaire sur la constitution geologique de la Dobrogea. Bull. Soc. geol. de France. 3. Serie, Bd. 24, pag. 595—601.

1901. Angelis d’Ossat e Millosevich. Studio geologico sul materiale raccolto da Maurizio Sacchi (Seconda spedi- zione Bottega). N. Jahrb. für Min., Geol. u. Pal., Bd. I, pag. 452.

1874. Bayan. Sur la succession des assises et des faunes dans les terrains jurassiques sup£rieurs. Bull. Soc. g£ol. de France, 3. Serie, Bd. 2, pag. 316—-343, Taf. I0—11.

1866. Beltr&mieux. Faune fossile du departement de la Charente inferieure.

1877. Blake and Huddleston. On the corallian rocks of England. Quart. Journ, Geol. Soc. of London.

1847. Blanche. Coupe transversale de la vall&ee du Damour dans le Liban. Bull. Soc. geol. de France, 2. Serie, Bd. 5, pag. 12—17, Taf. 1.

1890. Blanckenhorn. Die Entwicklung des Kreidesystems in Mittel- und Nord-Syrien nebst einem Anhang über den jurassischen Glandarienkalk. Kassel,

1870. Blanford. Observations on the geology and zoology of Abyssinia. Appendix. Descriptions of the new species of fossils from the Antalo Limestone, pag. Iggff., Taf. VIII.

1882. Boehm, G. Die Bivalven des Kelheimer Diceraskalkes. Palaeontographica, Bd, 28.

1882. Boehm, G. Über die Beziehungen von Pachyerisma u. s. w. Zeitschr. D. geol. Ges. Bd. 34, pag. 60211.

1883. Boehm, G. Die Bivalven der Stramberger Schichten. Paläontologische Studien u. s. f.

ı) 1903. Zittel: Grundzüge der Paläontologie 1. 2) 1904. Felix: Anthozoenfauna des Glandarienkalkes.

L-

[3] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 67

1889. Bogdanowitsch. Notes sur la geologie de P’Asie centrale. I. Description de queiques depöts sedimentaires de la contree transcaspienne et d’une partie de la Perse septentrionale. Petersbourg.

1833. Botta. Observations sur le Liban et l’Antiliban, Me&m. Soc. g&ol. de France, Bd. I, Sect. I, Nr. 8, pag. 135, Taf. 12.

1901. Boule. La geologie et la pal&ontologie de Madagaskar dans l’etat actuel de nos connaissances. Extr, du Compte- Rendu VIIIe. Congres geol. internat. 1900.

1902. Boule. Madagaskar au debut du XXe, siecle. Paris.

1874. Brauns. Der obere Jura in Nordwestdeutschland.

1837. Bronn. Lethaea geognostica. 2. Auflage, m. Atlas.

1881. Bruder. Zur Kenntnis der Juraablagerung von Sternberg bei Zeidler in Böhmen. Sitzber. k. Akad. Wiss., Wien, Bd. 83, Abt. 1.

1882. Bruder. Neue Beiträge zur Kenntnis der Juraablagerungen im nördlichen Böhmen. Sitzber. k. Akad. Wiss.,

Wien, Bd. 85, Abt. 1.

"1885. Bruder. Die Fauna der Jurabildungen des Hohnstein in Sachsen. Denkschr. k. Akad. d. Wiss. Wien.

1887. Bukowski. Über die Jurabildungen von Czenstochau in Polen. Beitr. z. Pal. Österr.-Ung. u. d. Orients, Bd. 5, pag. 75 ff., Taf. XXV—XXX,.

1852. Buvignier. Statistique g&ologique de la Meuse. Atlas.

1903. Cayeux. Existence du Jurassique superieur et de l/Infracr&tac&e dans l’ile de Cr&te. Comptes Rendus, Bd. 136, Nr. 5, pag. 330—332.

1852. Conrad. Official report of the U. S. Expedition tho the Dead Sea Baltimore. Zitiert nach ©. Fraas, »Aus dem Orient«, Teil I, pag. 42.

- 1860. Contejean. Etude de l’etage kimmeridgien dans les environs de Montbeliard et dans le Jura. M&m. soc.

d’emul. Doubs.

1858—1860. Goquand. Description geologique, pal&ontologique et mineralogique du departement de la Charente. 2 Bde.

1862. Coquand. GE£ologie et Paleontologie de la region sud de la province de Constantine, Bd. II. M&m. soc. d’&mul. de la Provence. Atlas.

1880. Coquand. Etudes supplmentaires sur la description geol., pal. et min. de Constantine. Bull. de l’Acad&mie d’Hippone.

1898. Cossmann. Contribution a la pal&ontologie frangaise des terrains jurassiques. Gastropodes: Nerindes. M&m. Soc. geol. de France.

1885. Cotteau. Echinides nouveaux ou peu connus. Bull. Soc. g&ol. de France, pag. 53 fl.

1864. Credner, H. Die Pteroceras-Schichten von Hannover. Zeitschr. D. geol. Ges., Bd. 16.

1852. Davidson. A monograph of the british fossil brachiopoda. Teil 3, The oolitic and liasic brachiopoda. London.

1903. Deprat. Note pr&liminaire sur la geologie de l’ile de I’Eubee. Bull. Soc. geol. de France. 3. Serie, pag. 229—243.

-1886. Diener. Libanon. Grundlinien der physischen Geographie und Geologie von Mittel-Syrien. Wien.

1887. Diener. Ein Beitrag zur Kenntnis der syrischen Kreidebildungen. Zeitschr. D. geol. Ges., pag. 314ff.

1895. Diener. Ergebnisse einer geologischen Expedition in den Zentral-Himalaya von Johar, Hundes und Painkhanda. Denkschr. k. Akad. d. Wiss. Wien.

1886. Douville. Sur quelques brachiopodes du terrain jurassique. Auxerre.

1886. Douvill&. Examen des fossiles rapportes du Choa par M. Aubry. Bull. Soc. g&ol. de France, Bd. 14, pag. 223 ff.

1896. Douvill&. Sur une Ammonite triasique recueillie en Grece. Bull. Soc. g&ol. de France, Bd. 24, pag. 799—800.

1863. Dollfuss. La faune kimmeridienne du cap de la Heve.

1876. Dumortieret Fontannes. Description des ammonites de la zone a Ammonites tenuilobatus de Crussol (Ardeche).

1859. Etallon. Etudes pal&ontologiques sur les terrains jurassiques du Haut-Jura. Monographie de l’etage Corallien.

1863. Etallon. Etudes paleontologiques sur le Jura graylois. M&m. Soc. d’Emul. du Doubs, 3. Serie, Bd. 8.

1877. Favre. Etude stratigraphique de la partie sud-ouest de la Crimee.

1904. Felix. Die fossile Fauna des libanesischen Jurakalkes. I. Teil. Die Anthozoenfauna des Glandarienkalkes. Beitr. z. Geol. u. Pal. Österr.-Ung. u. d. Orients, Bd. 15, Heft 4.

1893. Fiebelkorn. Die norddeutschen Geschiebe der oberen Juraformation. Zeitschr. D. geol. Ges., Bd. 45, pag. 378 ff.

1892. Fox-Strangways. The jurassic rocks of Britain. Bd. I, Yorkshire. Bd. 2, Yorkshire, Tables of fossils.

1877. Fraas, ©. Juraschichten am Hermon. N. Jahrb. für Min., Geol. u. Pal., pag. 26.

1878. Fraas, O. Aus dem Orient. Bd. II. Geologische Beobachtungen am Libanon. Stuttgart.

1893. v. Fritsch. Zumoffens Höhlenfunde im Libanon. Abhandl. d. naturf. Ges. zu Halle.

1894. Futterer. Beiträge zur Kenntnis des Jura in Ost-Afrika. I-III. Zeitschr. D. geol. Ges., Bd. 44.

1897. Futterer. IV. Der Jura von Schoa (Süd-Abessinien). Zeitschr. D. geol. Ges., pag. 568-627, Tab. 19—22.

L—1869. Gemellaro, G. G. Studi paleontologici sulla fauna del calcare a Terebratula janitor del nord di Sicilia. Palermo.

L-

1836. Goldfuß. Petrefacta Germaniae, 1900. Gregory. On the geology and fossil corals and echinids of Somaliland. QOuart. Journal. Bd. 56, pag. 26 ff. 1867. Greppin, J. Bte. Essai geologique sur le Jura suisse. Del&mont.

9*

68 Lothar Krumbeck. [4]

1893. Greppin, E. Etude sur les mollusques des couches coralligenes des environs d’Oberbuchsitten. M&m. Soc. pal. suisse, Geneve.

1891. Griesbach. Geology of the Central Himalayas. Mem. geol. Surv. of India. Bd. 23. (Zitiert nach Diener, loc. cit.).

1891. Guembel. Geognostische Beschreibung der fränkischen Alb. (Frankenjura).

1889. Haas. Die jurassische Brachiopodenfauna des schweizerischen Juragebirges und seiner angrenzenden Landesteile. Teil 1, Abh. d. schweiz. pal. Ges.

1890. Haas. Das gleiche, Teil 2.

1893. Haas. Dasselbe, Teil 3.

1884. Hamlin. Results of an examination of syrian molluscan fossils chiefly from the range of the Mount Lebanon. Cambridge.

1854. Hauer. Beiträge zur Kenntnis der Heterophyllen der österreichischen Monarchie. Sitzb. Akad. d. Wiss., Wien, Bd. 12.

1893. Jaekel. Über oberjurassische Fossilien aus Usambara. Zeitschr. D. geol. Ges., pag. 507.

1900. Japan. Outlines of the geology of Japan. Imp. geol. Surv. of Japan. Tokyo.

1897. Karakasch und Rouge witsch. Excursion geologique aux environs de Kislowodsk. VII. Congres geologique international, Heft 19. Petersburg.

1900. Kitchin. Jurassic fauna of Cutch. The brachiopoda. Mem. geol. Surv. of India. 8. Serie, Bd. 3, Teil I, Taf. I— 15.

1903. Kitchin. Genus Trigonia (in obigem) Teil II. Taf. 1—-10.

1874. (2) Lartet. In: Duc de Luynes, Voyage d’exploration a la Mer morte. Bd: 3, Teil 1, Kap. 4.

1903. Leonhard. Geologische Skizze des galatischen Andesitgebietes nördlich von Angora mit Übersichtsskizze. N. Jahrb. f. Min., Geol. u. Pal. Beil. Bd. 16, pag. 99—109.

1846.